Sonntag, 16. September 2012

Chapter 16: Gin Tonic´s und Champions

Chapter 16: Gin Tonic´s and Champions






Bella Swan:



Denn wo die Liebe ist, sind Worte überflüssig. Liebe ist alles. Sie ist unvergänglich. Und sie ist genug.
Feuer und Stein - Diana Gabalon





Es war zu warm. Es brannte auf meiner Haut und verursachte ein mulmiges Gefühl in meinem Inneren. Etwas lastete schwer auf mir und zerschnitt mir sämtliche Atemwege, so als würde jemand die Handfläche gegen meinen Hals drücken und mich umzubringen versuchen. Doch als ich meine Augen aufschlug kitzelten nur die Sonnenstrahlen meine Nase und das Licht blendete mich, weil Edward immer meine zugezogenen dicken Vorhänge wegschob, da er behauptete, er könnte neben mir ewig schlafen, ohne wahrzunehmen, ob es Tag oder Nacht war. Ich grinste leicht schläfrig und registrierte, dass das der größte Teil der Hitze, die mich im Schlaf erdrückt hatte, von Edward kam, der an mich gepresst war, wie eine zweite Haut. Die Hälfte seines Gesichts war im Kissen vergraben und die andere Hälfte in meinem Haar. Beide seiner Arme waren um mich geschlungen, als wolle er mich nie gehen lassen. Doch musste ich aufstehen, weil meine Blase drückte. Langsam und sanft versuchte ich seine Arme von mir zu lösen, aber er ließ es nicht zu, weil er mich noch fester packte. Ich seufzte niedergeschlagen und erhob mich halb, versuchte mich am Nachtkästchen festzuhalten und konnte endlich Edwards Arme von mir lösen, aber nicht ohne auf meinen Allerwertesten zu landen und den großen Zeh meines linken Fußes zu verletzten. Ich wollte schreien, stattdessen öffnete ich den Mund und entließ keinen Schrei, weil ich meinen schlafenden Prinzen nicht wecken wollte. Leise tapste ich ins abgegrenzte Badezimmer und war unglaublich erleichtert als ich das kleine Geschäft erledigte. Guten Morgen wünschte ich mir selbst indem ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser wusch, natürlich erst nachdem ich meine Hände gewaschen hatte. Danach erblickte ich meine Zahnbürste und entschied mir die Zähne zu putzen. Während ich neue Schritte für die Halloweenaufführung überlegte, hörte ich das fast tonlose Knipsen. Und da stand er – in all seiner Pracht, mit nur einer karierten Pyjamahose und seiner Nikon, deren Schleifen er sich um den Hals gelegt hatte, oben ohne und verdammt attraktiv. Für einen Moment stand mein Mund offen und der flüssige Schaum rannte über meine Lippen bis zu meinem Kinn. Danach riss mich von Edward los und spuckte schließlich bevor ich mich an Zahnpasta verschluckte und starb.
„Kannst du es nicht lassen mich in peinlichsten Situationen zu fotografieren, Edward?“ Er grinste schief, verwuschelte sein verwüstetes Haar nur noch mehr, während ich es nicht lassen konnte, auf seine nackte verdammt gut gebaute Brust zu starren und auf die Muskeln seines Bauches.
„Genießt du die Show, Baby?“ fragte er grinsend und ich warf mein rosa Plastikglas nach ihm, in das ich immer Wasser füllte um meinen Mund nach dem Zähneputzen zu spülen. Er fing es auf mit seiner linken Hand und ich grinste so breit wie die Sonne und schüttelte belustigt den Kopf. Das taten wir schon seit einer Weile. Es wurde sozusagen zu unserem Ritual. Ich warf Dinge nach ihm und er fing sie auf.
„Mr Cullen, verführen Sie mich zu sündigen?“ fragte ich ihn und er grinste schief. Seine Augen leuchteten auf, wie die eines Kindes, das sein Lieblingsspielzeug gerade erhalten hatte.
„Lächle für mich, Bella“ sagte er, bevor sein Kopf hinter seiner Kamera verschwand. Ich lächelte wegen der Absurdität des Moments, aber Edward war zufrieden damit. Wenn der Fotograf zufrieden war, was hatte ich das schon zu meckern?
„Krieg ich einen dicken, fetten Guten-Morgen-Kuss?“ Er erhob provokant seine Augenbraue und sah mich einen Moment lang schweigend an.
„Nein.“ antwortete er mit einem kleinen Grinsen.
„Nein? Cullen, ich bin schockiert.“ Gespielt empört heilt ich die Luft an.
„Ich küsse niemanden bevor ich meine Zähne geputzt, geduscht und mich rasiert habe.“ antwortete er ernst.
„Seit wann denn das?“ Ich stemmte meine Hände in meine Hüften. „Und mich kannst du einfach so abknipsen, während ich hässlich aussehe wie eine dumme Ente.“ beschwerte ich mich.
„Du bist nicht hässlich, Kleines. Ach, und keine dumme Ente. Du hast nicht gesehen wie schön die Fotos geworden sind.“
„Na klar, wenn du sie mir nicht zeigst. Woah, warum machst du so ein großes Geheimnis draus? Das intrigiert mich, Edward.“ Er grinste schelmisch.
„Genau deshalb.“ er schmunzelte gewinnend und kniff in meine Wange. Ich legte meine Arme um seinen Nacken.
„Küss mich!“ ich drückte ihn enger an mich, doch er schüttelte einfach grinsend den Kopf. „Gut, dann kannst du diese Nacht in deinem eigenen Bett verbringen, böser Mister Bodyguard.“ Ich bekam meine ´Hm, wie schmeckt dir das?´- Haltung und er schüttelte einfach schmunzelnd den Kopf, als ich mein Badezimmer verließ. Mein Nachthemdchen zog ich mir über den Kopf und nur in meiner Unterwäsche bekleidet ging ich in meinen Ankleideraum, der vor Kleidung schon langsam überquoll. Da war wieder dieses nervige Knipsen und ich rollte die Augen.
„Lass das, Cullen!“ rief ich etwas lauter. Er ließ seine Nikon auf dem Boden ab und kam danach mit geschmeidigen Schritten auf mich zu. Ich versuchte ihn zu ignorieren, aber ich hatte mir noch keinen Plan überlegt, wie man einen Edward Cullen ignorieren sollte. Es musste doch einen Weg geben, oder?
„Leise, Miss Swan!“ er legte geheimnisvoll seinen Zeigefinger auf meine Lippen und grinste schief. „Wir wollen doch nicht, dass deine Familie denkt, du wärst verrückt, weil du Selbstgespräche führst!“ Ich gab keine Reaktion von mir und sah ihn einfach nur an.
„Ich bin gereizt, böser Mister Bodyguard. Lass mich jetzt allein!“ bat ich ihn und er erhob provokant seine Augenbraue und sah mich durchdringend an. „Na los, oder brauchst du eine Extraeinladung?“ Ich rollte die Augen und begann nach etwas Schlichtem, was zum Oktoberwetter in Seattle passte, zum Anziehen zu suchen.
„Ich werde nicht gehen.“ sagte er ruhig. Kurz sah ich ihn seitlich an. Klar, dumm von mir. Wann hatte Edward Cullen auch das getan, was jemand anderer von ihm wollte?
„Natürlich nicht.“ antwortete ich augenrollend. Er lachte sein Cullen-Lachen, das verdammt ansteckend war.
„Hast du gerade die Augen gerollt? Du weißt, dass sich das für Mädchen der High Society nicht gehört?“ stichelte er und ich schlug ihn spielerisch auf den Oberarm. Er grinste und näherte langsam sein Gesicht dem meinen. Seine wunderbaren Lippen fingen meinen Blick ein und ich konnte es nicht lassen, ihn anzusehen, als wäre er mir das Liebste auf der ganzen Welt. Denn so war es auch, Edward Cullen war mir das Liebste. Sanft wanderte seine Hand in mein Haar und die andere um meine Taille, mit der letzteren zog er mich fest an sich und ich hielt die Luft an, als ich die Haut seines Oberkörpers an der meines Bauches fühlte. Mein Mund öffnete sich von allein und er küsste mich plötzlich. Seine Zunge erforschte meine Mundhöhle heiß und sanft und neckisch. Der Bart auf seinen Wangen piekte in meine Handflächen als ich sein Gesicht ergriff und ich grinste in den Kuss hinein. All das, was ich in den letzten eineinhalb Monaten seit meinem Geburtstag über ihn gelernt hatte, mit ihm gelernt hatte, ließ Edward Cullen ein Teil von mir werden. Wir waren zusammengewachsen. Das nicht nur, als wir völlig vom Regen durchnässt zu meiner Geburtstagsparty zurückgekehrt waren, grinsend wie zwei verrückte Hühner, weil wir etwas total Blödes und Wahnsinniges getan hatten. Ich meine, eine Party einfach so zu verlassen, und das nicht irgendeine, sondern meine persönliche Party, daran hätte ich vor einigen Monaten nicht einmal gedacht.

Edward Cullen veränderte mich, tagtäglich und das zum Guten. Er sagte, dass ich ihn von seiner Aggression geheilt hatte und ich wusste nicht, wie viel Wahrheit darin steckte, aber ich glaubte ihm. Denn ich sah kein Fünkchen Wut oder Zorn in seinen Augen, solang ich meinen Dad nicht erwähnte. Ehrlich gesagt war mein Dad zwischen uns beiden kein Gesprächsthema gewesen und es war auch besser so.

Aber was ich eigentlich sagen wollte, war, dass es mir wenig ausmachte, was die Leute über mich sagen würden. Ob es ihnen erschien, dass es unhöflich war meine eigene Party so zu verlassen und mit irgendeinem Mann auf einem Motorrad durch die Stadt zu rasen. Für mich war es anders: An der Seite dieses Mannes war ich im Stande nicht nur meine Party zu verlassen, sondern mein Haus, die Stadt, sogar das Bundesland. Mein Zuhause war dort, wo mein Herz war und mein Herz befand sich bei einem gewissen Edward Cullen, der witzig, gesprächig, klug und ein wunderbarer Mann war. Meine Mum hatte nichts dazu gesagt. Aber sie hatte mich mit diesem gewissen, intensiven Blick angesehen, der sagte: „Ich weiß, was du getan hast.“ Aber vielleicht lief meine Paranoia Amok und ich war nicht mehr zu retten.
Nana hatte mich wie immer ein wenig gescholten und angeschrien, weil ich so unüberlegt und kindisch gehandelt hatte. Ich ersetzte die Worte „unüberlegt“ und „kindisch“ in meinen Gedanken durch „überraschend“ und „verliebt“, deshalb fand ich es nicht schlimm. Doch das lag schon so weit in der Vergangenheit, dass es für mich total an Bedeutung verlor.

Was ich euch nicht erzählt hatte, war, wie gut ich mich an Edwards Seite fühlte. Ich hatte sogar ein wenig zugenommen, weil er mich ständig mit meinem Frühstück fütterte. Fast jede Nacht war er seit meinem Geburtstag im Armsessel neben meinem Bett eingeschlafen, weil er behauptete, dass er mir nicht zu nah sein konnte, ohne mich sein machen zu wollen. Dort schlief er bis ich irgendwann nach Mitternacht aufwachte und ihn aufweckte, nur um ihm neben mir Platz zu machen und zu versprechen, dass ich die unsichtbare Linie nicht überschreiten würde. Was natürlich ein Blödsinn war, denn dieses Versprechen konnte ich nicht einhalten, weil ich jede Nacht in seinen Armen aufwachte. Aber am Morgen danach fand es keiner von uns beiden nötig darüber zu sprechen. Je mehr Zeit verging, desto mehr entfernte sich Edward von mir. Dafür verbrachte er mehr Zeit mit seinem Sandsack. Anfangs war es nur eine Stunde, aber mit der Zeit rundete sich diese einsame Stunde auf und brauchte Gesellschaft anderer Stunden. Es nervte mich, dass er in mein Zimmer erst kam, wenn er wusste, dass ich eingeschlafen war. Wenn ich ihn danach fragte, sagte er, dass er mich viel zu sehr liebte, um mir auf irgendwelche Weise weh zu tun, oder eine Linie zu übertreten. Außerdem sagte er, dass er niemals so geliebt hatte und das er wirklich alles richtig machen wollte. Nun, was ich hier erzählte, war die Kurzfassung von seinen psychischen Ergüssen, der er als ´Ausreden´ benutzte, um mich zu beruhigen.

Ich wollte mit ihm schlafen, ich brauchte es, aber irgendwie schien er nicht so sehr daran interessiert zu sein oder mich von sich abzustoßen, wenn unsere Küsse zu leidenschaftlich und heftig wurden. Vielleicht war ich nicht attraktiv genug oder aber ich war ihm zu unerfahren. Vielleicht wollte er mich nicht verletzten indem er sagte, dass ich nicht gut genug für ihn war. Ach, was wusste ich schon, was für ein verdammtes Problem Cullen hatte, wenn er so stumm wie ein Fisch war. Außerdem wusste ich nicht, ob ich wirklich bereit war mit Edward zu schlafen, denn allein wenn ich daran dachte, ergriff mich eine Welle der Panik. Nicht, dass ich ihn nicht liebte. Ich glaubte, der Grund warum ich solche Panik hatte, war eben meine Liebe zu ihm. Ich wollte DIE Frau für ihn sein. Ihr versteht schon. Ich wollte diese eine sein, wegen der er schlaflos in seinem Bett liegt und sich unruhig herumwindet. Welche Frau wollte das schon nicht? Dass ein Mann verrückt nach ihr war, genauso wie sie nach ihm. Nur, dass ich neben ihn nicht schlaflos war, sondern besser schlafen konnte, als wenn ich allein im Bett lag. Es war als wäre er der Grund, warum ich so gut schlief. Wisst ihr, wann ich wusste, dass Edward nicht in meinem Bett lag? Wenn es in meinem Bett viel zu ruhig war. Denn Edward schnarchte und ich fand es lustig ihm dabei zuzusehen, wenn ich vor ihm aufwachte oder wenn ich mich nachts auf die andere Seite drehte, falls das möglich war, bei seinem festem Einklammern und ihm beim leisen Schnarchen zuhörte.

Ich grinste noch breiter gegen seine Lippen und er lächelte auch. Danach verließen seine Lippen meinen Mund, nur um über mein Gesicht zu wandern, sanft und neckisch, wie ein Schmetterlingsschlag, schmeichelnd und sehr kitzlig.
„Okay, das ist genug für den Vormittag.“ grinste er und machte eine abwinkende Bewegung mit seiner Hand.
„Gut, dann sehen wir uns zufällig beim Frühstück.“ murmelte ich geheimnisvoll.
„Ich schleiche mich jetzt in mein Zimmer zurück, als wäre ich nie hier gewesen.“ Er ging in mein Schlafzimmer zurück und ich folgte ihm so leger bekleidet wie ich war. Wieso erwischte er mich auch in peinlichen Situation? Es war, als hätte ich ein Schild auf dem Rücken, wo drauf stand ´Erwisch-mich-in-blöden-Situationen´. Woah. Sein Blick blieb an mir kleben und er sah mich einen Moment lang intensiv an. „Bella!“ er schluckte hart. „Würdest du dir bitte etwas überziehen?“ fragte er mich mühselig.
„Das sagt der Richtige.“ rief ich ihm zu. „Wenn meine Nana dich so sieht, dann bekommt die Arme einen Herzinfarkt.“ grinste ich ihn breit an und er erwiderte mein Lächeln, aber auf seine schiefe Weise. Nur er konnte so lächeln, dass es ansteckend war und es mir ein riesiges, blödes Lächeln im Gesicht zauberte. Rasch drehte ich mich um und schnappte mir sein Hemd, das auf dem Armsessel lag und zog es mir über. Als ich mich zu Edward drehte, rollte er belustigt die Augen und zog mich an sich.
„Eines Tages wirst du in meinem Bett schlafen und das wird mich zum glücklichsten Mann der Welt machen!“ Er lächelte so sanft und süß, dass ich einfach seinen Mundwinkel küssen musste. „Swan!“ empörte er sich, dann lehnte er seine Stirn an meiner und küsste meine Nasenspitze. Dabei wanderte seine Hand zu meinem linken Hüftknochen, zu seinem Namen. „Allmählich freunde ich mich mit der Idee an, dass du meinen Namen an dir trägst.“
„An mir?“ fragte ich überrascht. „Cullen, ich trage dich in meinem Herzen.“ Er schmunzelte mit einem Leuchten in den Augen.
„Ich liebe dich, Miss Swan.“
„Oh, gut, Bodyguard.“








~MB~







„Grrr …. Mum! Versteh´ es endlich, bitte! Ich bin kein armes, verletzliches Tierchen, das beschützt werden muss. Halloooo! Wenn sie mich umbringen wollen, dann werden sie mich einfach holen und BOOM, bin ich einfach tot.“ Am Esstisch sahen mich meine Nana und Mum leicht terrorisiert an und ich bemerkte, dass ich leicht übertrieben hatte.
„Isabella, du hast eines vergessen, Honey...“ begann meine Mum sanft. Aber der entsetzte und leicht schockierte Ausdruck wich nicht von ihrem Gesicht.
„Nämlich, dass es mich auch noch gibt. Wenn sie dich wollen, dann kriegen sie dich, aber nur über meine Leiche.“ hörte ich seine Stimme, als er das Esszimmer betrat und so selbstbewusst, wie nur er sein konnte, seine Worte aussprach, den Tisch umrundete und sich mir gegenüber setzte.
„Wer will meine Tochter umbringen und warum würde das jemand wollen?“ sprach meine Mum ihre Frage laut aus. Irgendwie machte mich ihre Frage wütend. Ich meine, wirklich – wie konnte jemand einfach so blind sein? Vor ihrer Nasenspitze wurde meine Schwester umgebracht und zwei Zentimeter weiter weg, hurte ihr Ehemann mit IHRER Schwester herum. Aber es wäre sehr unsensibel meinerseits es ihr ins Gesicht zu schleudern.
„Vielleicht muss ich einfach den Preis dafür bezahlen, dass ich in den letzten 17 Jahren, ein tolles Leben hatte und andere Menschen leiden mussten.“ unbewusst wanderte mein Blick zu Edward und dieser sah mich leicht überrascht an.
„Bella, du hast doch nie jemandem wehgetan. Du bist das süßeste Mädchen, das ich kenne und das sage ich nicht nur, weil du meine Tochter bist. Sondern, weil es stimmt.“ Das Lächeln meiner Mutter erstrahlte den Horizont meines Lebens. „Aber solange du in Gefahr bist, will ich nicht, dass du dich draußen herumtreibst. Wenigstens noch ein oder zwei Wochen solltest du nicht zur High School gehen. Bitte, tu es für meinen Seelenfrieden, Honey.“ Sie sah mich durchdringend und überzeugend an, doch irgendwie war das, was sie von mir wollte nicht in meinem Interesse.
„Mum, ich werde das Jahr verlieren, wenn es so weitergeht. Da helfen auch tausende von Privatlehrern nicht. Ich kann nicht mein ganzes Leben versteckt verbringen, nur weil jemand mich tot sehen will. Sollen sie mich doch finden, dann hören wenigstens die Sorgen auf.“ Ich stand vom Tisch auf und hastete aus dem Esszimmer. Fuck! Warum verstand mich keiner? Ich wollte nicht, dass meine Mum und Nana und … Edward sich Sorgen machten. Aber ich musste wieder weiterleben und aufhören daran zu denken, dass jemand, vielleicht nicht allzu entfernt von mir, wollte, dass ich starb, damit er auf meinem Begräbnis tanzen konnte. Ich brauchte meine Freiheit. Ich wollte wieder die Welt jenseits der Gittern und des Zaunes von unserem Garten sehen. Es war als hätten sich im letzten Monat alle miteinander abgesprochen und festgelegt, dass ich zuhause bleiben musste. Natürlich hatte der Kopf unserer Familie gesagt, dass ich auf gar keinen Fall raus gehen konnte. Als würde diesem ein Begräbnis mehr was ausmachen! Das Geld dafür hatte er sicher irgendwo. Wenigstens da musste ich mir keine Sorgen machen.

Ich setzte mich am Rand unseres Schwimmbeckens und tauchte meine Füße ins kalte Wasser.
„Du trägst mein Hemd noch immer? Dabei machst du dir keine Sorgen, dass jemand etwas herausfinden könnte?“ Ich lächelte und versteckte mein Gesicht in meine Hände. Er setzte sich hinter mich, je ein Bein zu meinem beiden Seiten neben meinen Beinen.
„Weißt du, Kleines, ich habe eine Idee. Da könntest du sogar wieder das Tageslicht sehen. Ich meine außerhalb dieser Villa.“ Intrigiert drehte ich mich zu ihm und sah ihn zweifelnd an, als könnte ich eine Lüge in seinen Augen finden, oder ein Zeichen dafür, dass er mich für dumm verkaufte. Nachdenklich tippte ich mir gegen das Kinn und erinnerte mich danach, wie ehrlich mein Mann doch war und lächelte danach.
„Ich warte, Cullen.“ murmelte ich und dieser legte seinen Kopf auf meinem ab.
„Du akzeptierst, dass ich dich trainiere.“ sagte er und ich drehte mich total geschockt zu ihm. Ich hätte alles in Kauf genommen, aber, dass ich so etwas aus seinem Mund hören würde, hatte ich in die ´unmöglich´ Schublade gesteckt.
„Wie?“ fragte ich mit einem dummen Ausdruck auf dem Gesicht. „Eine Ausbildung wie bei der Army?“
„In gewisser Weise – ja.“ antwortete er ehrlich.
„Woah, toll!“ ich schoss hoch, versuchte nicht zu taumeln und ins Wasser zu fallen. Aber so gereizt wie ich war, würde das sicher nicht passieren. Nein, so viel Unglück konnte kein Mensch haben. Ich meine, es fehlte wirklich nur noch, dass ich ins kalte Wasser fiel. Wirklich! „Du weißt schon, dass es mich all meine Kraft gekostet hat, diesen …. diesen Mann, der mich umbringen wollte, mit meiner Nagelfeile zu attackieren. Ich meine, komm schon. Glaubst du wirklich, ich könnte einer Mücke etwas antun? Edward, ich springe sogar zurück, wenn ich eine Spinne in meinem Zimmer sehe und will da nicht mehr schlafen, anstatt sie einfach zu ergreifen und aus dem Fenster zu werden. Da denke ich aber nie daran, sie gegen meine Wand platt zu drücken, zu ermorden oder bluten zu lassen. Ich habe mich gewehrt, nur dir zuliebe, Edward.“ Er sprang auch hoch und sah mich an, die Hände an seine Hüften mit einem entschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht. „Nein! Sieh mich gar nicht so an. Ich werde das nicht tun. Was willst du als nächstes? Soll ich zur Army gehen und mich dort darauf vorbereiten zu töten? Ich meine, ich weiß nicht, was für Freundinnen du bis jetzt hattest, aber bei mir wirkt das nicht, Cullen. Dafür hast du dir die Falsche ausgesucht.“ Er blieb immer noch ruhig und sah mich weiterhin mit demselben Blick von vorhin an. Woah, es nervte mich, dass er keine Reaktion von sich gab.
„Bella, ich glaube nicht, dass du du eine andere Wahl hast, Baby. Es ist umsonst, dass du dich so aufregst. Du wirst lernen müssen, dich zu verteidigen. Was wenn ich am Klo bin oder schlafe, während dich jemand kidnappt. Alles ist möglich.“ sagte er achselzuckend.
„Cullen, wir sind hier nicht bei Lotto.“ rief ich lauter als beabsichtigt.
„Okay, dann geh ruhig allein raus und gucken wir, was passiert. Es ist ja schließlich nicht mein Leben.“ Ich schnappte entsetzt nach Luft und krallte meine Hände in den Stoff meiner Jeans. Er wandte sich von mir ab und wollte gehen.
„Heißt das, es würde dir nichts bedeuten, wenn sie mich vor meiner eigenen Haustür töten würden?“
„Bella, Baby, es scheint dir nichts zu bedeuten, dass sie dich da draußen töten könnten. Anscheinend erinnerst du dich nicht mehr, wie dich dieser Scheißkerl verprügelt hat. Ich bin Tausend Tote gestorben, Bella und du behauptest, es würde mir nichts bedeuten.“ Warum musste er mich auch immer überzeugen? Mir zeigen, wie dumm ich mich verhielt? Wie kindisch? Fuck, dieser Mann musste für mich sogar töten und obwohl ich deswegen innerlich zitterte und das in jedem Problem, die letzte Lösung für mich war, konnte ich nicht leugnen, dass er alles versuchte, um mich zu beschützen. Außerdem war vielleicht das das Problem, wegen dem Edward und ich so distanziert waren. Vielleicht übertrieb ich leicht, aber so erschien es mir nun mal.
„Okaaaay.“ grummelte ich, riss meine Augen wütend auf und schoss Pfeile auf ihn an. „Aber du musst wissen, dass ich das ausschließlich für dich tue. Du schuldest mir was!“
„Ach ja, und was?“ fragte er mich augenzwinkernd.
„Nun, ich werde mir schon was ganz Gemeines überlegen. Du unterschätzt mich, Baby, ich sehe vielleicht schwach aus, aber mein Köpfchen ist aus Gold. Das kannst du mir glauben.“ Ich grinste geheimnisvoll, weil ich wusste, dass Edward es hasste, wenn man ihn unvorbereitet erwischte. Hm, wir werden ja sehen, wie vorbereitet Mister Bodyguard war, mich zu beschützen.



~MB~







Regel Nummer Eins: Nimmt einen Edward Cullen immer beim Wort. Denn so wie ich es mir vorgestellt hatte, wurde es auch – vielleicht um einen Tick schlimmer. Denn ich war schweißgebadet. Meine Jogginghose klebte ekelhaft an meinem Körper und mich ergriff eine Welle der Unruhe, weil ich meine Tage hatte und ich nicht still halten konnte. Und Edward Cullen, den ich in diesem Moment so sehr hasste, dass ich ihm die Pest an den Hals wünschte, zwang mich weiter zu trainieren, obwohl meine Muskeln brannten und meine Augenlider zufielen, weil ich so verdammt müde war. Er zeigte keine Gnade mit mir. Woah, und das ging schon zwei Wochen so. Zwei fucking Wochen trainierte ich so hart wie ein Tier. Nah! Falsch, denn ich erinnerte mich nicht, dass ich jemals in meinem Leben so sehr ins Bett wollte, um zu schlafen. Ich weiß, was Cullen hatte: Er war eifersüchtig und verstand nicht, was für eine Beziehung ich mit meinem Bett führte. Ich meine klar, ich liebte Edward, aber mein Bettchen war mein Bettchen.

Cullen hatte alles, was er brauchte, um mich zu trainieren in meinen Spiegelsaal geschleppt, wo ich eigentlich tanzen sollte und keine Boxhandschuhe tragen sollte. Während Edward mir erklärte, wie genau ich auf den Sandsack einschlagen sollte, ließ ich mich auf die Matten nieder, die er als Vorsichtsmaßnahme auf den Boden gelegt hatte. Überall! Ha, seht ihr, ich war nicht die Einzige, die hier leicht übertrieb. Ich tat so als würde ich höchst konzentriert zuhören und nickte ab und zu und setzte mich zuerst auf die Matten. Edward war so in seiner Erklärung vertieft, dass er das nicht einmal bemerkte.

„Verstehst du das, Bella?“
„Au ja, natürlich!“ rief ich übertrieben euphorisch, rollte ich auf meine Seite und schloss die Augen. Keine Sekunde später war ich schon weggenickt.
„ISABELLA SWAN, WAS DENKST DU, DASS DU HIER TUST?“ schrie Edward und ich schreckte hoch.
„Arg.... Cullen.“ Ich legte meine Handfläche auf meine Brust, wo mein Herz wie verrückt pumpte. „Hast du denn überhaupt kein Herz?“ fragte ich ihn und biss mir sofort danach auf die Zunge, weil er mich traurig ansah. Bevor ich aufstehen konnte, kletterte Edward über mir, legte Knie und Hände auf beide Seiten meines Körpers ab.
„Verstehst du nicht, dass ich nicht in Ruhe schlafen kann, Bella, wenn ich weiß, dass die Liebe meines Lebens in Gefahr ist? Ich habe geschworen, dich mit meinem Leben zu beschützen. Genau das tue ich. Ich will, dass du lernst, dich selbst zu wehren. Irgendwann wirst du es brauchen.“ Er rieb seine Nasenspitze an meiner.
„Ich habe dich. Du wirst immer da sein. Du hast es versprochen.“ zuckte ich die Schultern.
„Immer. Ja. Immer.“ Er zog die Konturen meiner Lippen mit seinem Daumen nach und sah mich mit seinem lähmenden,  intensiven Cullen-Blick an. Ich legte meine Arme um seine Schultern und zog ihn näher zu mir.
„Cullen, ich muss dir etwas verraten.“ flüsterte ich und er sah mich gespannt an. „Ich liebe dich sehr. Du hast keine Ahnung.“ Er schüttelte belustigt den Kopf und rollte die Augen. „Nimm mich ernst, verdammt nochmal.“ Ich schlug ihm spielerisch gegen die Brust.
„Oh, Miss Swan. Versuch nicht mich von deinem Training abzulenken.“ er sah mich warnend an. Jedoch wurde sein Blick danach etwas weicher. „Genau das ist mein Problem. Ich nehme dich ernst und sterbe Stück für Stück, weil du es mir so verdammt schwer machst.“ Da entzog er sich mir, hielt mir seine Hand hin und half mir auf die Füße.

An diesem Tag erwischte ich mich dabei, wie ich es genoss von Mister Bodyguard trainiert zu werden. Sogar wenn er mich anschrie, war mein Herz vor Emotionen geladen, weil er da war und ich seinen Charakter kannte. Ich liebte ihn und ich glaubte, dass niemand jemals zuvor irgendwen so geliebt hatte. Man sagte, einer suchte sich nicht den Menschen aus, in den man sich verliebte, aber auch wenn ich diese Wahl hätte – sie würde immer gleich ausfallen. Immer wieder würde ich ihn wählen.

„Baby, anstatt mich so anzulächeln, könntest du versuchen mich wegzustoßen, wenn ich dich angreife.“ Er packte meinen Arm, zeigte mir wie ich seinen Arm mit meinem abstoßen kann. Jedes Mal bildeten unsere Arme ein X und jedes weitere Mal verwendete er mehr Kraft beim Angriff. Okay, ich glaubte, dass ich diese Bewegungen kapiert hatte. Anscheinend bemerkte Edward das auch, denn er machte weiter mit etwas Anderem.
„Nun greifst du mich an, damit wir alle Angriffsmöglichkeiten durchgehen.“ Beide Arme nahe an seinem Körper machte er diese ´Komm schon´- Geste mit seinen Händen und grinste mich schelmisch an. Er genoss es sichtlich auch. Woah! Ich rollte die Augen und grinste.
„Wie genau?“ fragte ich dann mit meinen Händen an meinen Hüften.
„Lass dir was einfallen. Sei kreativ!“ meinte er schulterzuckend. Hm, okay, kreativ. Du wirst schon sehen, wie kreativ ich sein kann, Cullen. Ich lief mit langsamen, sicheren Schritten zu meiner Musikstation und drückte auf ´Play´. Aus den Boxen ertönte ´Crazy in Love´, so wie ich es erwartet hatte. Die Überraschung wich nicht von Cullen´s Gesicht, während er mich weiterhin leicht perplex ansah, weil ich plötzlich zu tanzen anfing. Ich ging wie eine Raubkatze um ihn herum und den einzigen Kontakt zwischen unseren Körpern stellte meine Hand dar, die sich so bewegte wie mein Körper um ihn herum. Sein Blick fixierte mich, dunkel, heiß, verlangend. Ich fuhr mit meinen beiden Händen über seine Brust, während ich meine Beine in einen Spagat zwang. Ohne ihn auch darum zu bitten, wurde ich Sekunden später von ihm nach oben gezogen, in meine Ursprungsposition. Ich lächelte ihn augenzwinkernd an, setzte mit meiner Choreographie fort, während ich das tat, das ich am besten konnte. Mister Bodyguard zu beeindrucken. Ich tanzte weiter meine sexy Schritte, die ich vorm Spiegel geübt hatte und von denen ich sagen konnte, dass sie wirkten und cool aussahen. Sollte mich Mister Bodyguard doch verklagen!

„Bella, es reicht!“ brüllte er leicht und ich tanzte weiter, nur für seine Augen. Natürlich flippte er aus, als ich seine Hände an meinen Rücken legte, und mich nach hinten fallen ließ, sodass ich mit meinem Haar den Boden berührte. „Genug! Bella, genug!“ er packte meinen Kopf, der seinem Gesicht sehr nahe war, und sah mich eindringlich an. Abwehrend erhob ich meine Handflächen vor meiner Brust.
„Woah, Tiger, beruhige dich!“ ich stoppte die Musik und grinste leicht.
„Vertusch dieses siegesreiche Lächeln, oder ich kann für nichts garantieren.“ warnte er mich mit einer düsteren Stimme.
„Wie zum Beispiel?“ fragte ich ihn herausfordernd. Er schüttelte ungläubig den Kopf und wandte sich zum Gehen. Ich ergriff seine Hand, packte ihn an seinem weißen T-Shirt und drückte ihn gegen die riesigen Spiegeln. Meine Lippen folgten seinen Taten und ich griff ihn an, so wie er es mir vor Minuten befohlen hatte. Ich folgte nur seinen Anweisungen. Einen Moment lang hielt er still, während ich ihn mit meinen Lippen angriff und herausforderte. Ich beobachtete seine Reaktionen: Seine Augen waren geschlossen und er atmete abgehackt durch seine Nase. Sein Kiefer war angespannt und seine Hände zu Fäusten geballt. Dann gab er nach, packte mit einer Hand meinen Kopf und küsste mich leidenschaftlich und heiß. Die andere Hand legte er um meine Taille und zog mich hart an sich. Meine Finger verwoben sich mit seinem Hand, aber meine Hände waren unruhig, genau wie mein Geist, denn sie wanderten über seine Schultern, seine Arme und seine Brust.
„Ich liebe dich!“ flüsterte ich gegen seine Lippen, als er mich hochhob und ich meine Beine um seine Hüften legte. Er stieß uns beide unsensibel gegen die Wand, hielt mein Kinn fest mit einer Hand und drang mit seiner Zunge in meinen Mund ein. Dann entfernte er sich von mir und sah mir in die Augen.
„Tiger?“ fragte er mich danach lachend. Ich grinste ihn an.
„Du sahst gefährlich aus, wie ein Tiger.“ murmelte ich nicht wirklich eingeschüchtert.
„Und du bist ein eingebildetes, kleines Mädchen, das keine Angst kennt.“ rollte er die Augen.
„Wow, war das gerade ein Kompliment? Vielen Dank auch!“ grinste ich ihn verschmitzt an. Er hielt mich noch immer in seinen Armen, gegen die Wand gepresst und ließ seine Stirn gegen meine sinken.
„Eigentlich war es kein Kompliment – aber falls es noch etwas zählt es zu sagen, du bist eine wahre Tanzgöttin.“ Ich küsste sanft seine Lippen und wickelte ihn in noch einen heißen Kuss ein. Aber nach einigen Sekunden ließ Edward von mir ab, legte mich auf meine Füße ab und rieb seine Handflächen gegeneinander.
„Okay, Miss Swan, zurück an die Arbeit.“ sagte er dann.
„Soll ich dich angreifen, Mister Bodyguard?“ herausfordernd sah ich ihn an.
„Lieber nicht, Miss Swan.“
„Oh, hast du etwa Angst vor einem kleinen, eingebildeten Mädchen? Nicht doch!“
„Isabella, schwing deinen Arsch her und hör auf mit diesem Spielchen.“ Jetzt war er leicht verärgert, aber ich konnte nicht widerstehen, denn Mister Bodyguard war so heiß, wenn er wütend war.
„Mit Vergnügen, Mister Bodyguard. Aber das Spielchen hat erst angefangen.“ Im Vorbeigehen rempelte ich ihn an und stellte mich vor den Sandsack und vor Edward, den ich im Spiegel sah, wie er meinen Hintern abcheckte. Böser, böser Bodyguard.
„Bella, genug, Baby, ja? Gönn deinem alten Mann eine Pause!“ Ich lachte. Er – ein alter Mann? Warte Cullen bis du älter wirst, dann werden wir ja sehen, wer alt und wer jung ist.
„Baby, du hast wohl vergessen, wo du dich befindest. Mit mir wirst du keine freie Sekunde haben. Trink lieber Energydrinks und bau dir Muskeln auf.“ Er lachte und zwickte mir in die Hüfte. „Ach, und bevor ich es vergesse. Zeig deiner Frau, wie man sich wehrt. Sei nicht so ein Macho, ja?“ Er grinste nur schief und rollte die Augen, was er sich von mir angeeignet hatte. Verdammter Dieb!





~MB~




„ … und er sagt wirklich nicht, wo es hingeht?“ fragte mich Rose geheimnisvoll, während wir in der Küche Kaffee tranken. Ich schüttelte den Kopf und grinste über den Tassenrand hinweg. „Himmel, dich hat´s so was von erwischt, Swan.“ Sie rollte die Augen und lachte. Ich erhob herausfordernd meine Augenbraue und sah sie einen Moment lang an, als wolle ich ´Ach ja? - und was dagegen, Hale?´ sagen. Sie erhob abwehrend die Hände. „Ich habe nichts dagegen. Mich freut es ja. Ihr seid ja so süß miteinander.“ sie schloss träumerisch die Augen. Fuck! Fuck! Scheiße, ich hatte es völlig vergessen. Oh! Arg.
„Rose, warum hast du mich nicht daran erinnert?“ griff ich sie ohne Vorwarnung an.
„Woran?“ Sie presste ihre Tasse verliebt gegen ihre Wange. Himmel, Emmett, was hast du dem Mädchen angetan? Sie war völlig hin und weg.
„Dass ich meine Mum und Alice bekannt mache und meine Mum sage, wie toll Alice sich in der Mode auskennt.“ Als sie nicht reagierte, stieß ich ihr meinen Ellbogen in die Rippen.
„Himmel, Swan, du wirst gewalttätig.“
„Das ist Mister Bodyguard´s Schuld.“ antwortete ich schulterzuckend. Frisch geduscht und in seinem schwarzen Anzug bekleidet, heiß wie die Hölle, kam eben dieser in die Küche.
„Was ist meine Schuld?“ fragte er lässig und schnappte sich meine Tasse und trank alles aus. Ich versuchte ihn möglichst nonchalant anzusehen, aber ich glaubte, ich sah ihn eher so an wie ein Fisch auf dem Trockenen. Fuck, ich hatte ihn auch schon gestern gesehen und am Tag davor und seit fast drei Monaten sah ich ihn jeden Tag. Er sah immer heiß aus – also warum reagierte ich so? Was lief mit mir falsch?
„Passt das so, Mister Bodyguard?“ Ich machte einen unschuldigen Gesichtsausdruck und zeigte mit meiner Hand von oben nach unten, damit er meinen Outfit sah. Er verschränkte die Arme vor seiner Brust, versuchte sein Lächeln zu vertuschen und sah mich mit Adleraugen an. Ich trug eine lockere, schwarze und langärmelige Bluse, die am Rücken tief ausgeschnitten war und den niedlichen Vogel freigab, den ich auf meinem Rücken tätowiert hatte. Dazu trug ich schwarze Lederhosen, die wie angegossen auf meinem Körper saßen. Das Haar hatte ich zu einem ´messy bun´ hochgesteckt. Er grinste als er meine Converse an meinen Füßen sah.
„Keine Antwort ist auch eine Antwort – und dieser Blick.“ absichtlich seufzte ich. „Er sagt wirklich alles.“ Nun da übertrieb ich wirklich nicht. Mit seinen intensiven Blicken sagte er mir wirklich alles, was er mit mir anstellen wollte. Aber er tat es nicht. Warum? Ja, genau – das wollte ich nämlich auch wissen.




~MB~





„Sind wir schon hier?“ fragte ich, als wir vor einem Haus stehen blieben. Wir saßen im Mercedes, den Richard meinem Bodyguard ausgeborgt hatte, damit er mich aus dem Haus führte. Da sagte man Gefängnisse waren schlimm – und manche wünschten sich eine Villa. Glaubt mir, sogar in der Villa gab es nach einer Weile nichts mehr zu tun. Dad und Emmett waren noch immer nicht in Seattle. Sie meldeten sich regelmäßig um ´Hallo´ zu sagen, aber es war nicht dasselbe. Sie waren vielleicht nicht die besten Menschen, aber sie waren wichtig. Für mich. Ich glaube nicht, dass sich das ändern kann.
„Bist du immer so ungeduldig?“
„Stellst du immer so viele Fragen?“ schoss ich zurück, er sah mich kurz an und sein Augen wurden weich.
„Ja. Meistens bekomme ich auch Antworten.“
„Wenn du nicht in meiner Gesellschaft bist?“ fragte ich unschuldig und er rollte die Augen. Ich grinste und lehnte mich zurück. „Ach, und bevor du fragst – ja, ich bin immer so unausstehlich. Du solltest dir das mit dem Hochzeitantrag wirklich nochmal überlegen.“ Er lachte, während sich seine Augen auf die Straße vor ihm konzentrierte.
„Man sucht sich nicht aus, in wen man sich verliebt.“ Es war witzig das aus seinem Mund zu hören, wo er so lang geglaubt hatte, dass er nicht lieben konnte. Würde ich mein Leben lang so einen Schwachsinn von Edward hören? Denn es war wirklich witzig. Danach kam er um den Wagen herum und öffnete sehr gentlemanlike meine Tür, ergriff meine Hand und zog mich aus dem Wagen.
„Wen besuchen wir hier?“ fragte ich, nachdem wir den Wagen verlassen hatten und aufs Haus zugingen.
„Du erinnerst dich an Samuel, von dem ich dir erzählt habe. Der Typ, der mit mir zusammen in Afghanistan war? Das ist seine Familie.“ zuckte er die Achseln, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, dass man eine Familie besuchte, nur weil man mit dem Mann befreundet war. Ich sah ihn einen Moment lang sanft an und er sah mich leicht irritiert an.
„Diesen Blick kenne ich nur von meiner Mutter, wenn sie mich fragte:´Edward, was hast du schon wieder angestellt?´ Sieh mich nicht so an!“ murmelte er und legte einen Arm um meine Schultern.
„Du hast ein gutes Herz.“
„Du bist verliebt, das sagen verliebte Frauen immer über ihre Männer.“
„Das ist nicht wahr. Wir sagen das nicht zu jedem.“ Er grinste und schüttelte den Kopf.
„Es freut mich das zu hören. Denn du bist nur mein.“ überrascht sah ich ihn an, als er das sagte. Edward war nicht besitzergreifend. Warum sagte er das dann? Doch ich hatte keine Zeit, um irgendwie zu reagieren, weil Edward inzwischen geklopft hatte und die Tür aufgerissen wurde.
„Edward, hey!“ sagte eine attraktive, dunkelhaarige Frau. Ihr Gesicht war rundlich, aber ihr Körper war schlank und an den richtigen Stellen gerundet. Als ich ihr direkt in die Augen sah, traf ich auf zwei türkisfarbene, mandelförmige Augen.
„Hi, Emilianna.“ antwortete mein Mann. „Verzeihung! Das hier ist Bella.“ Er zeigte charmant auf mich und ich lächelte meine Gegenüber freundlich an.
„Hi, Emilianna. Freut mich dich kennenzulernen.“ antwortete ich und reichte ihr meine Hand, die sie mit einem Lächeln ergriff.




~MB~






„Seit wann seit ihr zusammen?“ Emilianna saß in einem Armsessel, der beinahe in der Mitte des Raumes stand. Das Zimmer war nicht unbedingt groß. Eine Wohnwand war an der Wand gelehnt hinter Emilianna´s Rücken. Auf dem Sofa, auf dem Edward und ich saßen war noch Platz für eine Person. Zwischen ihr und uns war noch ein Couchtisch und hinter unserem Rücken war noch eine Kommode auf der ein Bild eines dunkelhäutigen Mannes war und eine Tapferkeitsmedaille, weil er im Krieg gefallen war. Neben dem Bild brannte eine Kerze.
Ich fühlte Edward´s Blick auf mich ruhen und sah zu ihm. Er blickte auffordernd zu mir, als wolle er, dass ich ihr antworte.
„Seit über einem Monat und bevor du fragst, ja, ich glaube, es war Liebe auf den ersten Blick.“ Emilianna lachte, warf ihr schwarzes Haar zurück und offenbarte ihr Grübchen auf ihrer linken Wange. Sie war total sympathisch. Sie sah nicht aus wie eine Witwe. Sie sah eher aus wie eine verliebte Frau. Das Problem dabei war, dass ich das nicht verstand. Ich meine, ich konnte nicht einsehen, wie sie das durchstand. Vielleicht war sie stärker als ich sie einschätzte.
„Emma, ich geh Kaffee machen, während ihr plaudert.“ Edward stand auf und zeigte zur Tür.
„Fühl dich wie Zuhause, Edward.“ antwortete sie. Während er wegging, sah ich ihm nach und sah sie danach intrigiert an.
„Emma, was hast du aus meinem Bodyguard gemacht?“ wollte ich von ihr wissen. Sie lächelte und ließ sich auf Edward´s Sitzplatz nieder.
„Er ist dein Bodyguard also?“ Ich nickte.
„Er hat mir erzählt, dass er ein Mädchen kennengelernt hat und, dass sie wunderschön ist. Eine wahre Königin. Ich dachte, er würde übertreiben.“ Sie rollte die Augen und fuhr mit ihren Handflächen über ihre Jeans.
„Seid ihr gute Freunde, du und Edward?“ Sie lächelte, schüttelte den Kopf und rief: „Edward, wo bleibt denn dieser Kaffee oder wartest du darauf, dass er von irgendwem geliefert wird?“  Ich hörte Edward lachen.
„Komme schon!“ rief dieser zurück und kam tatsächlich danach mit einem Tablett zurück. „Ich wusste ja nicht, dass ihr mich so schnell wieder vermissen würdet!“ grinste dieser schelmisch und stellte die Tassen auf den Tisch. „Emma, wo sind eigentlich die Kinder?“ fragte dieser nach einigen Momenten des Schweigens.
„Die Kinder sind bei Sam´s Mutter, aber sie sollte sie eigentlich bald zurückbringen.“ Sie sah Edward kurz an und für einen Moment sah ich ihren Schmerz, während sie weiterhin Edward anblickte. Doch dann wanderte ihr Blick zurück zu mir und sie lächelte. „Tut mir leid! Ich war kurz in Gedanken versunken. Zurück zu dir, Bella. Edward und ich sind keine Freunde. Er ist nur der adoptierte Onkel meiner Kinder. Sie haben ihn dazu auserwählt.“ Edward warf seinen Kopf zurück und lachte. Anscheinend erinnerte er sich an etwas, das ihn zum Lachen brachte. „Es wird sie sehr freuen, dich hier zu sehen, Edward.“

Mich ergriff eine Kälte, die ich mir nicht erklären konnte. Es war als würde ich in ihren Augen und ihren Worten die Abwesenheit ihres Mannes fühlen. Es gab Lücken, die man nie füllen konnte! Plötzlich wurde die Tür polternd aufgerissen und Gekreische drang ins Zimmer. „Das sind dann wohl meine Dschungel-Kinder.“
„Mommy, Mommy, wir sind wieder da!“ hörte ich die Stimme eines Jungen. Mit einem kleinen Kinderrucksack auf dem Rücken kam er ins Wohnzimmer und warf sich in den Schoß seiner Mutter. Sie kraulte sanft sein Haar und lächelte in sein lockiges Haar hinein. Der Junge blieb einen Moment still und sah mich an.
„Hi!“ lächelte ich.
„Wow!“ gab der Junge von sich. Verwundert sah ich ihn an, während er sich aufsetzte und mich weiterhin ansah. „Ist das nicht diese Tennis-Tante, Mommy? Wie hieß sie nochmal?“ Seine Augen waren groß und klug. „Isa...- irgendwas Swan.“ Ich rollte die Augen und lächelte.
„Isabella Swan, freut mich!“ Ich streckte ihm die Hand entgegen und er ergriff sie. Mit großen, wissbegierigen Augen  sah er mich an und schüttelte meine Hand.
„Mommy, hast du sie angeheuert um mir Tennis beizubringen? Oh, du bist die beste Mommy der Welt!“ kreischte der Junge und begann seine Mum zu küssen.
„Eigentlich hat sie dein Onkel Edward hier hergebracht!“ meinte seine Mutter und des Jungen Augen erfassten Edward. Ersterer stolperte beinahe über den Tisch und warf sich auf Edward, der ihn hochhob und ihn liebevoll ansah.
„Champion, du bist aber groß geworden. Ein wahrer Mann!“ lobte Edward ihn. „Passt du auf deine beiden Mädchen auf, hm?“
„So wie du es mir befohlen hast, Onkel Ed. Ich bin doch jetzt der Mann im Haus. Außerdem habe ich Daddy geschworen, dass ich auf Mommy aufpassen werde.“ Atemlos sah ich den Jungen an. Er war doch noch ein Junge, acht oder neun, doch seine Worte trafen mich sehr hart. Ich wusste nicht warum. Emma legte ihre Hand auf meine und drückte sanft zu. Ihre Augen glänzten und ich wusste, dass es von den nicht vergossenen Tränen war, die sie versuchte nicht vor ihren Kindern zu zeigen.
„Er lügt. Er passt auf Mommy auf, aber mich macht er fertig!“ Das Mädchen setzte sich neben ihrer Mutter auf der Couch und machte keine Anstalten auf Edward zuzugehen.
„Sie lügt.“ wehrte sich der Junge.
„Stevie, Gianna, benehmt euch!“ warnte ihre Mutter sie. Edward ließ Stevie wieder herunter und kam langsam auf das Mädchen, Gianna, zu. Sie versuchte ihn zu ignorieren. Ich sah jedoch das kleine Schmunzeln auf ihren Lippen.
„Gin Tonic, sprichst du nicht mehr mit mir?“ fragte Edward als er vor ihr kniete. Sie drehte den Kopf von ihm weg und tat so als existiere er gar nicht. Ich musste grinsen. Emma rollte die Augen und zuckte die Schultern über das Benehmen der beiden.
„Gin Tonic, du hast mir ewige Liebe geschworen, weißt du nicht mehr?“ stichelte Edward und begann sie durchzukitzeln. Er war ein unmöglicher Romantiker. So wie er Gianna jetzt herumbekam, so hatte er auch mich herumbekommen. Verdammter Mistkerl! Sie lachte laut und warf ihre Arme um ihn, vergrub ihr Gesicht an seiner Halsbeuge und er umarmte sie mit einer Zärtlichkeit, die ich bei Edward noch nie gesehen hatte.
„Wie ein Baby!“ grummelte Stevie stichelnd, der auf dem Sessel saß und diese Szene beobachtete. Er hatte das Grübchen seiner Mutter geerbt, war aber eigentlich eine Mischung aus seinem Dad und Emma. Seine Haut war leicht karamellfarben. Da kam Gianna nach ihrer Mutter, denn sie hatte das dunkle Haar zwar, aber sie hatte die helle Hautfarbe ihrer Mutter geerbt und diese magischen türkisfarbenen Augen.
„Champion, komm her und sei nett zu deiner Schwester“ Mit einem Arm ergriff Edward auch Stevie und hob ihn auch hoch. Beide Kinder beruhigten sich nun und plauderten ruhig mit Edward.
„Wie alt sind die beiden?“ fragte ich neugierig an Emma gewandt.
„Sie sind noch neun.“ antwortete sie. „Ich habe sie mit 20 bekommen.“
„Ich bin älter!“ grinste Stevie von der anderen Seite des Zimmers. Edward machte eine Grimasse. Erhob zwei Finger und murmelte irgendetwas.
„Nur zwei Minuten, Doofy.“ Gianna stieß ihn weg und streckte ihm die Zunge raus.
„Ruhe, Kinder.“ mahnte sie Edward und beide beruhigten sich sofort.
„Sie sind tolle Kinder.“ antwortete ich verträumt.
„Und ihr Zwei, wollt ihr auch Kinder?“ fragte Emma mich und ich sah schulterzuckend zu Edward.
„Och, komm schon, Baby. Du kannst es ihr ruhig sagen.“ Er rollte die Augen und zwinkerte mir sehr charmant zu. „Anfangs wollten wir 50, stell dir vor, aber dann haben wir uns auf 25 geeinigt.“ Emma verstand anscheinend, dass es um einen Scherz handelte, denn sie brach in ein Lachen aus.
Von den Kindern kam ein einstimmiges ´Wow´ und sie zogen Edward auf.
„Als wir noch nüchtern waren, glaube ich, haben wir uns auf vier Kinder geeinigt.“ Edward schmunzelte, als ich das sagte.
„Onkel Ed, man betrinkt sich nicht vor einer Lady. Wie oft sollen wir dir das noch sagen? Das macht wirklich keinen guten Eindruck!“ Stevie rollte die Augen und stieß Edward verspielt an. Danach kam er zurück zu seiner Mutter und setzte sich zwischen uns beiden. Mit einer gewissen Ehrfurcht sah er mich an und kuschelte sich beschämt in die Arme seiner Mutter.
„Champion, meine Freundin ist Tabu für dich!“ stichelte Edward den Kleinen. Gianna kicherte und Emma ging in die Küche um Kekse zu holen und Milch für die Kleinen.
Stevie lehnte sich zurück ins Sofa, legte seine Hände um seinen Mund herum, wie eine Schutzmauer und sah zu Edward.
„Onkel Ed, sie ist wirklich heißßßß.“ Ich verkniff mir das Lächeln und legte meine Hand tarnend davor.
„Champion, man sagt doch keiner Frau ins Gesicht, dass sie heiß ist. Vor allem nicht einer Frau, die man liebt.“ flüsterte Edward genauso geheimnisvoll zurück. Beide taten so als könne keiner sie hören. Gianna rollte die Augen stand von Edwards Schoß auf und kam schüchtern zu mir herüber. Sie tat so als wäre sie viel zu beschäftigt in meiner Umgebung und konzentrierte sich auf alles nur nicht auf mich. Das kannte ich. Ich hatte das auch oft praktiziert, als ich in ihrem Alter gewesen bin.
„Bella, Baby,....“ setzte Edward an, kam auf mich zu und setzte sich auf den kleinen, lila Teppich vor dem Sofa.
„Gin, hörst du das? Er nennt sie ´Baby´.“ kicherte Stevie belustigt und ich lächelte ihn an.
„Das ist meine Lieblingsnichte Gin Tonic, eigentlich Gianna, und ich bin ihr Lieblingsonkel.“ Die Kleine lächelte mich schüchtern an und plumste sich zurück in Edwards Schoß. Ihre schwarzen Locken umrundeten ihr schönes Gesicht. Sie hatte ein wunderbares Funkeln in den Augen. Sie murmelte etwas in Edwards Ohr und er lachte.
„Ja, sie ist wirklich schön, nicht wahr?“ Sie nickte schüchtern.
„Hi, ich bin Bella.“ Ich streckte ihr meine Hand entgegen und sie ergriff sie schüchtern und zurückgezogen, blickte wieder zu Edward. „Sie beißt wirklich nicht, Gin.“ versicherte ihr Bruder.

Wir brauchten keine Zeit mehr, um uns wie Zuhause zu fühlen, denn das Eis war gebrochen und die schüchterne kleine Maus saß schon bald auf meinem Schoß, spielte mit meinem Haar und mit meiner Kette, der Kette, die ich von Linda hatte, Edward redete über Fussball mit seinem Ersatz-Neffen und sie lachten. Alles in allem war es toll diese drei Personen kennengelernt zu haben.
„Du bist also Krankenschwester, ja?“ fragte ich nach, während ich sah, dass die Kleine in meinen Armen eingeschlafen war.
„Ja, ich arbeite immer die Nachtschicht, weil man so besser verdient. Meine Mutter passt auf die Kids auf, während ich bei der Arbeit bin.“ antwortete sie.
„Deine Kinder sind wirklich liebenswürdig.“ kommentierte ich und strich der Kleinen die sanften Locken auf dem Gesicht.
„Ja, das sind sie wirklich, nicht wahr?“ fragte sie.
„Onkel Ed, hast du das gehört?“ kam es von Stevie und Edward sah mich mit seinem intensiven Blick an, der das Blut in meinen Adern aufheizte.
„Bella, entschuldige mich kurz, ich bringe eben nur die Kinder ins Bett! Stevie, komm´, sag´gute Nacht und ab ins Bett.“ Stevie boxte gegen Edward´s Faust, kam dann zu mir und wünschte mir gute Nacht. Ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange und der Junge drehte beinahe durch. Er hüpfte und begann hinter seiner Mum, die dessen schlafende Schwester in den Händen trug, zu springen.

Ich wandte mich an Edward. Er sah mich liebevoll an und legte einen Arm um mich.
„Und wie hat mein Kaffee geschmeckt?“ wollte er von mir wissen.
„Mhm.“ antwortete ich.
„Gut mhmhm oder schlecht mhmhm?“ hakte er nach.
„Gut, schätze ich.“
„Ach, Miss Swan.“ rollte er die Augen und küsste meine Schläfe. „Du bist eine tolle Tante für Gin Tonic und Champion.“
„Mr Cullen, du bist der tollste Onkel auf der ganzen Welt.“ lobte ich ihn und ließ zu, dass er mich so umarmte, als wäre die Welt nur ein Blatt Papier und könnte jeder Sekunde zerrissen werden.

Als Emma zurückkehrte, lächelte sie uns an und setzte sich zurück in den Sessel, auf dem sie schon gesessen hatte, als wir ins Haus gekommen waren.
„Emma, gibt es irgendetwas, was du mir sagen musst? Belästigt dich jemand?“ fragte Edward und ich sah von seiner Schulter, an der ich gelehnt hatte, auf und blickte ihr direkt ins Gesicht. Sie schluckte hörbar und zog ihre langärmelige Bluse über ihre Handgelenke. „Emma, bitte. Vertrau mir, ich kann dir helfen.“
„Edward ...“ setzte sie an, brach aber dort ab und wandte ihr Gesicht ab.
„Wer?“ Er war schon aufgesprungen und ich sah leicht verwirrt zwischen den beiden hin und her.
„Dieser Andy und seine Gang. Er hat meinen Wagen gestohlen und will ihn mir nicht zurückgeben.“ antwortete sie und legte ihre Hände schützend vor ihr Gesicht.
„Wie viel will er?“ fragte Edward.
„Drei Riesen oder ...“ erklärte sie leise, wie eingeschüchtert.
„Oder? Oder was?“ schrie er, obwohl er das gar nicht merkte und ging wie ein wütender Tiger im Raum umher. „ODER WAS?“ wiederholte er brüllend, als sie nicht antwortete. Da begann sie zu weinen und ich sah Edward giftig an.
„Schrei sie nicht an, Edward.“ ermahnte ich ihn. Dann ging ich zu Emma und ergriff beruhigend ihre Hände. „Emma, es ist alles gut. Wir werden ihm das Geld geben. Du musst dir keine Sorgen machen.“
„Dieser Mistkerl. Verdammter Scheißkerl! Er will mit dir schlafen, nicht wahr? Ist es das, Emma? Du kannst es mir ruhig sagen.“ Er tigerte weiterhin herum, blieb jedoch stehen als er auf seine Antwort wartete. Emma sah ihn aus ihren tränenüberströmten Augen an und nickte. Woah! Das war hart. Ich hatte keine Erfahrung mit solchen Situationen und wusste nicht, wie man bei solchen reagierte, aber wenn sie das Geld brauchte, dann könnte ich es ihr schenken. Ich meine drei Tausend war doch keine große Summe für mich. Das gab ich normalerweise für Schuhe aus. Vielleicht hatte ich sogar drei Tausend dabei.
„Wir werden dir helfen, Emma. Aber du musst dich beruhigen, ja? Wir werden nicht zulassen, dass du etwas tust, was so schrecklich ist.“ flüsterte ich ihr beruhigend und besänftigend zu. „Ich schau nur eben, ob ich das Geld dabeihabe und Edward kann es ihm bringen. Du wirst ihn gar nicht sehen müssen, wenn du das nicht willst.“ Während ich sprach kramte ich in meiner Tasche herum, stoppte jedoch als Edward meine Handgelenke ergriff. Entsetzt sah ich ihn an und versuchte mich von ihm zu lösen, aber er ließ es nicht zu.
„Edward, lass mich los!“ flüsterte ich.
„Hör auf!“ warnte er mich und ich verstand nicht, was er meinte. „Du hast keine Ahnung wovon du sprichst. Wenn sie ihm die drei Riesen gibt, nehmen wir mal an, dass sie es tut. Wer garantiert uns, dass er sie nicht weiter erpressen wird?“ fragte er mich und ich wusste nicht, was ich antworten sollte.
„Sie kann ihn dann anzeigen.“ Das war die logischste Lösung für das Problem. Edward rollte abschätzig die Augen.
„Isabella, sie ist nur ein normaler, gewöhnlicher Mensch, um den man sich nicht schert. Außerdem, glaubst du wirklich, dass sie das Geld hat, um jemanden anzuzeigen. Glaubst du das wirklich?“ Ich wusste nicht, ob ich überhaupt antworten sollte, denn ich hatte nie zuvor diesen mörderischen Ausdruck auf Edwards Gesicht gesehen – oder vielleicht doch, als er Tom fast erwürgt hätte.
„Aber ...“ setzte ich an, jedoch wurde ich brüsk von ihm unterbrochen.
„Nichts aber, Bella. Ich regle das auf meine Weise, jetzt sofort und für immer.“ antwortete er wütend. „Ist er dort zu finden, wo er sich immer aufhält?“ fragte er an Emma gewandt und diese nickte.
„Edward, das ist wirklich nicht nötig, ich....“ Emma versuchte Edward zu besänftigen, aber er erhob nur seine Hand um sie zu verstummen.
„Bleibt hier und verriegelt die Tür! Habt ihr mich verstanden?“ fragte er an uns beide gewandt. Emma nickte eingeschüchtert. „Bella?“ fragte er mich und ich sah ihn einen Moment stumm an.
„Nein! Ich werde nicht zulassen, dass du allein dort hingehst zu dieser Gang und verprügelt wirst. Bist du wahnsinnig?“ fragte ich ihn und fühlte mich, als würde ich mit einem Kind reden. Himmel, er war so stur. Da würden mich Gin und Stevie eher verstehen als Edward.
„Unterschätze mich nicht, Isabella. Ich kann mich wehren, das kannst du mir glauben.“ meinte er unfreundlich und feindlich gesinnt.
„Edward, glaubst du mit Gewalt kannst du etwas lösen? Das bringt doch keinem etwas! Willst du nicht zuerst mal darüber nachdenken, was du tun wirst?“ Er zog sich sein Jackett an und ignorierte mich. Ich sagte doch, dass er kindisch war. „Hey, ich rede mit dir!“ ich gab ihm einen Klaps gegen sein Bizeps und er packte mich am Oberarm und zog mich mit in das Vorzimmer.

„Hör auf zu philosophieren, ja? Du hast keine Ahnung wie es in der normalen Welt zugeht. Dafür musst du erst von deiner Wolke steigen, Prinzessin.“ zischte er in mein Ohr. Er wollte schon weggehen, doch ich stellte mich vor ihn.
„Du wirst da nicht rausgehen, Edward Cullen. Sieh mich nicht so an, denn ich habe keine Angst vor dir. Mich verschüchterst du nicht so leicht. Spar dir diese Blicke für deine Feinde und sei so nett, mir nicht immer ins Gesicht zu schleudern, dass ich ein luxuriöses Leben hatte. Das ist schließlich nicht meine Schuld. Außerdem ist das nicht meine Schuld.“ Ich sah ihn genauso wütend an, wie er mich und wir führten einen Kampf mit unseren Augen aus. „Waffe her, Cullen!“ befahl ich und er sah mich so an, als wäre ich verrückt. „Du lässt deine Glock schön hier, Tiger. Ich will nicht, dass du noch jemanden tötest und sie dich wieder ins Polizeirevier holen, um dich auszufragen. Diesmal wirst du aber keine Entschuldung haben und ich will dich nicht hinter Gittern wissen, Edward. Verstehst du das? Ich will auch nicht, dass sie dich verletzen oder töten. Nenn mich paranoid oder verrückt. Nenn mich wie du willst, aber ich liebe dich und will dich nicht verlieren, du sturer Mann.“ Er schien einen Kampf mit sich selbst zu führen. Er hatte die Augen geschlossen und kniff sich in den Nasenrücken. „Cullen, Waffe her!“ schrie ich ihn an.

„Ich kann es nicht fassen. Warum tust du das, Bella?“ fragte er mich mit gerunzelter Stirn.
„Ich versuche dich nur zu schützen, Cullen. Du wirst nicht ins Gefängnis gehen. Du hast dein ganzes Leben vor dir und du wirst es leben. Haben wir uns verstanden?“
„Das ist nicht wahr und das weißt du!“ antwortete er mit geschlossenen Augen.
„Hör auf, Edward.“ bat ich ihn. Stur wie er war, nahm er meine Hand und legte seine silberne Waffe in meine Handfläche und verließ Hals über Kopf das Haus.

„Hey!“ rief ich wütend und folgte ihm.
„Bella, hör auf mir zu folgen. Du weißt, dass du nicht draußen sein kannst. Das ist gefährlich. Im Hausinneren bist du sicher!“ warnte er mich und drehte sich zu mir. „Bitte, Bella.“ Er legte seine Hand in meinen Nacken und zog mich an ihn. „Ich werde okay sein, solange ich weiß, dass du den Anweisungen folgst.“
„Okay!“ sagte ich, obwohl es mir schwer fiel ihm zu gehorchen. Er sollte nicht jammern, weil er auch auf niemanden hörte.
„Okay!“ antwortete er und entfernte sich von mir.
„Edward?“ fragte ich und er drehte sich wieder zu mir. Ich lief auf ihn zu, erhob mich auf Zehenspitzen und küsste ihn. Er küsste mich zurück und legte die Arme um mich herum. Unsere Lippen bewegten sich sanft aufeinander und umeinander, wie Feuer auf Eis. Prickelnd. Brennend. Alles umfassend. Ich packte ihn am Kragen seines Jacketts und blickte ihm danach in die Augen, als wir voneinander abließen. „Immer, Cullen. Du hast es versprochen.“
„Immer ist ein riesiger Zeitraum, Bella. Aber immer ist immer. Mach dir keine Sorgen, ich werde zurückkommen.“






~MB~







Er hielt zwar vielleicht sein Wort ein, aber ich war wütend auf ihn wie eine Furie. Oh ja, das konnten auch reiche Kinder. In den Gefühlen waren wir alle gleich. Auch Reiche weinten, das könnt ihr mir glauben. Im Schmerz waren wir alle dieselben Wesen. Jeder war gleich, unabhängig der Klasse, der Ausbildung oder der Arbeit, die sie verrichteten. Reiche Menschen waren erfahrener und wussten, wie man ein Pokerface einhalten konnte. Alle anderen waren Überlebenskünstler, wie mein Edward. Es machte mich wahnsinnig, dass er mir immer ins Gesicht schleuderte und mich dafür beschuldigte, dass ich wie auf einer Wolke gelebt hatte, wo ich sicher war. Wie auf einer Wolke aus Vakuum, wo ich mehr eingeschlafen war, als ich gelebt hatte. War er etwa neidisch? War er wütend? Was verdammt nochmal hatte er? Arg. Wartet nur, bis Edward Cullen zurückkam, da würde er schon sehen, was auf ihn wartete. Verdammter Scheißkerl! Er würde mich schon kennenlernen! Ich war allein in Emma´s Haus mit den Kindern. Da war noch Emma´s Schwiegermutter, die oben schlief. Aber im Wohnzimmer war ich allein mit Edward´s Glock, die er mir hinterlassen hatte. Dummes Arschloch! Woah, er war so kindisch, stur, oh wie ich ihn in diesem Moment hasste. Arg, Cullen!

Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meiner Trance und meinen inneren Streitereien, die ich mit mir selbst führte. Ich lief zur Tür, zögerte danach jedoch und entschied mich lieber zuerst zu fragen, wer an der Tür war.
„Wer ist da?“
„Edward!“ kam es von der anderen Seite der Tür und ich zog sie auf und blickte ihn an. Aus seinem Mundwinkel schien Blut zu tropfen und ich entfernte mich einige Schritte, bis ich gegen die Kommode hinter meinem Rücken stieß. Er schloss die Tür, ergriff meine Hand und legte die Autoschlüssel, von denen ich vermutete, dass sie zu Emma`s Wagen waren, in meine Handfläche. Ich knallte die Schlüssel auf die Kommode und entfernte mich mit wütenden Schritten von ihm.
„Bella!“ rief er entsetzt und breitete überrascht seine Arme aus, als wolle er mich fragen, was verdammt nochmal los war. Ja, Cullen, genau das fragte ich mich auch. Ich setzte mich auf das Sofa und zog meine Beine an. Er kam mit langsamen Schritten auf mich zu und ich stand wieder auf, als er sich hinsetzen wollte. Es war unmöglich, dass er jetzt so tat, als wäre nichts passiert. „Bella, lass es mich wenigstens erklären!“
„Was?“ fragte ich. „Was willst du mir erklären? Mir musst du nichts erklären, Edward. Erkläre es deinem Gewissen. Erkläre es dir selbst. Mir.. mir musst du nichts erklären. Ich verstehe schon alles.“ murmelte ich. Ich konnte nicht einfach drüber hinwegsehen. Einmal hatte ich es schon, als er Tom verprügelt hatte.
„Bella, es ist nicht so, wie du denkst.“ Er sah wirklich so reuevoll aus, aber ich war so wütend. Ich zeigte auf den Tisch, wo seine Glock regungslos lag.
„Hier ist deine Waffe, tu damit was du willst, Cullen. Es ist mir egal. Ich habe die Nase gestrichen voll. Hast du mich verstanden? So kann es nicht weitergehen! So nicht. Nicht mit mir.“ Ich hasste es, dass meine Stimme am Ende hin brach und ich mich schwach fühlte, während ich das aussprach.
„Okay, ich werde mich bessern. Ich schwöre es dir.“ Er ergriff seine Waffe und steckte sie auf seinen Rücken in den Bund seiner Hose.
„Schwöre es dir, Edward. Nicht mir.“ brüllte ich wütend. „Gib mir die Schlüssel des Mercedes!“ Ich streckte die Hand aus und er fischte sie aus seinem Jackett heraus. Ich packte meine Handtasche und schulterte sie. Danach drehte ich mich auf meinem Absatz um und verließ so ruhig wie möglich das Haus. Natürlich folgte mir, denn ich hörte seine schnellen Schritte hinter mir.
„Du kannst nicht alleine nach Hause fahren. Hast du überhaupt einen Führerschein?“ fragte er mich. Ich antwortete ihm nicht. Natürlich hatte ich einen Führerschein. Ich war doch die Tochter des Senators und die, die ihr ganzes Leben auf einer Wolke verbracht hatte. Waren das nicht seine Worte gewesen?
„Bella, sei nicht kindisch!“ rief er. Anscheinend war er stehen geblieben, denn ich hörte seine Stimme weiter entfernt. Ich entriegelte den Wagen und glitt in den Fahrersitz. Während ich den Sitz verstellte, so dass er zu meiner Statur und meinem Körper passte, glitt er auf den Beifahrersitz und musterte mich.
„Was?“ fragte ich wütend. Danach streckte ich den Schlüssel ins Zündschloss und bewies ihm meine Geschicklichkeit mit dem Wagen. Ich konnte eher mit dem Mercedes umgehen als mit Edward. Mein Herz pumpte so schnell und so hart in meiner Brust, dass mir fast übel wurde. Ich begann vor Kälte zu zittern und Edward sah mich weiterhin an. Dann griff er nach dem Malboro-Softpack und ich wagte einen Blick zu ihm.
„Hier raucht man nicht, Cullen.“ rief ich entsetzt, weil er es wagte im Wagen zu rauchen. Er sah mich mit seinem herausfordernden Blick an und zündete sich eine Zigarette an. So wütend wie ich war, trat ich heftiger aufs Gaspedal.
„Fahr langsamer, verdammt. Willst du uns beide umbringen? Wer hat dir überhaupt den Führerschein gegeben?“ rief er wütend und zog danach an seiner Zigarette.
„Halt die Klappe, Cullen. Du elender Macho. Gewöhn dich daran, dass es Dinge gibt, die ich besser kann als du.“ ich rollte die Augen. Er lachte.

Eine Weile fuhren wir weiter und Cullen öffnete das Fenster. Ich konnte es nicht fassen. Ich fror und er öffnete das Fenster, das war wirklich unglaublich. Danach griff er nach hinten und reichte mir seine braune Lederjacke, die auf dem Rücksitz sich befunden hatte.
„Klug, Cullen.“ zischte ich, weil er mir seine Jacke reichte, während ich das Lenkrad in den Händen hielt. Wie sollte ich da seine Jacke anziehen? Er klemmte seine Zigarette zwischen seinen Lippen, so wie James Dean es getan hatte und es erinnerte mich daran, dass das der Mann war, in den ich mich verliebt hatte. Ich lächelte.
„Was?“ grummelte er und legte seine Jacke um meine Schultern. „Ich kann mich auch gut benehmen, wenn ich will.“ Danach zuckte er amüsiert die Achseln und reichte mir seine Zigarette, die ich augenrollend ergriff und an ihr zog.
„Ich bin noch immer wütend auf dich.“ erklärte ich ihm.
„Ich weiß.“ sagte er und ich versuchte hart, nicht zu lächeln.

Als wir das Haus meines Dads erreichten, parkte ich noch auf der Straße und stieg aus. Edward sah mich fragend an und  ich zuckte die Schultern. „Und der Wagen?“ fragte er und schlug die Beifahrertür zu.
„Das macht einer der Jungs.“ erklärte ich ihm, während das Tor für uns geöffnet wurde und ich einem der beiden Wächter den Schlüssel in die Hand drückte.
„Guten Abend, Miss Swan. Cullen.“ wurden wir beide begrüßt als wir passierten.
„Guten Abend!“ grüßte ich zurück. Edward folgte mir, während er den Zigarettenstummel mit seinem Schuh ausdrückte.
„Bella, würdest du bitte langsamer gehen. So kann ich nicht meine Arbeit machen!“ warnte er mich.
„Hm.“ machte ich nur schulterzuckend, weil es mir egal war.
„Okay, du hast es selbst gewollt.“ sagte er, packte mich um meine Oberschenkel und warf mich über seine Schulter.
„Ah!“ schrie ich protestierend.
„Genau, ah!“ meinte er und gab mir einen Klaps auf den Hintern. Danach führte er mich ins Haus und direkt in mein Zimmer. Er warf mich aufs Bett und grinste mich gewinnend an.
„Geh weg. Ich hasse dich!“ rief ich ihm noch wütender ins Gesicht. Er machte mich wahnsinnig. Außerdem benahm er sich, als wäre ich sein Eigentum und stellte mich als lächerlich dar.
„Oh, so!“ antwortete er grinsend.
„Raus aus meinem Zimmer, Cullen.“ Ich schob ihn hin zur Tür und er raubte mir noch einen letzten Kuss, ehe ich hinter ihm die Tür schloss. Erleichtert atmete ich auf, fuhr mir über das Gesicht und warf mich wieder auf mein gemütliches Bett.

Danach zog ich seine Jacke aus, die er mir ausgeborgt hatte und warf sie auf den Armsessel. Kaum drehte ich mich um, hörte ich auf ein Rumpeln, so als wäre etwas gefallen. Ich drehte mich in meinem Zimmer im Kreis und dann erblickte ich eine kleine schwarze Schachtel. Ich setzte mich auf den Boden vor der Schachtel hin und beobachtete sie. Sie musste aus Edward´s brauner Lederjacke gefallen sein. In kleinen goldenen Buchstaben stand ´Bvlgari´ auf der Schmuckschachtel. Mein Herz begann zu hämmern und ich atmete einmal tief durch. Vielleicht hatte jemand eine Bombe in Edwards Jacke gelegt. Dann rollte ich die Augen über einen solchen dummen Gedanken und öffnete die Schachtel. Mein Mund blieb offen stehen. Ein großer Smaragd mit vielen weiteren Diamanten um diesen herum. Woher hatte Edward diesen Ring? Für wen war er? Vielleicht für seine Mum, wenn sie Geburtstag hatte.

Wieder rollte ich die Augen. Es war mein Verlobungsring. Der nach dem ich verlangt hatte, als er mich gefragt hatte. Scheiße! Tränen traten in meinen Augen auf.

„Bella, ich muss mit dir reden!“ rief Edward als er seinen Kopf durch den Türspalt zwang.
„Ich weiß!“ antwortete ich.
„Echt?“ fragte er überrascht.
„Ja, ich habe den Ring gefunden.“ Seine Kinnlade kippte herunter. Er sah zwischen der Schachtel und mir hin und her. Dann schloss er gequält die Augen, rieb mit einer Hand seine rechte Schläfe. Während er das tat, sah ich das seine Handknöchel aufgeschlürft waren.
„Bella, das kann warten …. Ich bin wegen etwas anderem hier.“ sagte er und kam in mein Zimmer, machte die Tür hinter ihm zu und lehnte sich dagegen.
„Oh?“ fragte ich leicht perplex. Ich konnte mich noch immer nicht vom Schock erholen, dass ich einen Ring gefunden hatte.
„Ich habe das gefunden. Als du mich aus deinem Zimmer geworfen hast, war ich nur kurz um nach meinem Motorrad zu sehen und da habe ich das in der Garage gefunden.“ Er reichte mir einen Führerschein.
„Roger Swan?“ las ich laut vor und runzelte die Stirn. „Das ist aber Richard´s Bild!“ beschwerte ich mich und Edward nickte. „Was heißt das?“ fragte ich laut. Da traf es mich wie ein Geistesblitz.

„Nein. Nein, nein. Das kann nicht sein!“ In der einen hielt ich den Ring, den ich auf meiner Erkundungstour gefunden hatte und in der anderen den Führerschein, den Edward auf seiner Erkundungstour gefunden hatte. „Wie kann das sein, Edward?“ ich sah ihn ratlos an und er legte den Kopf schief.

„Es gibt nur einen Weg das herauszufinden. Wir fragen deinen Chauffeur, wer er in Wirklichkeit ist und warum er euch nicht eher die Wahrheit gesagt hat.“ Das war seine schlichte Erklärung.
„Er ist ein Swan.“ runzelte ich die Stirn und setzte mich schockiert auf das Bett.
„Er ist dein Großvater. Er ist Charlie´s Vater.“ sagte Edward und ich legte den Kopf schief. Plötzlich war alles so konfus und ich wusste nicht, warum das geschah. Ich wusste nicht, was ich sagen oder wie ich reagieren sollte. Die Reaktion für etwas, das so gemein war, hatte ich nicht in meinem Körper oder Gedächtnis gespeichert.

„Aber ...“ begann ich, überlegte es mir anders und rannte aus dem Zimmer. Wir würden das jetzt klären unter uns und unter vier Augen. Fuck, ich konnte es nicht fassen. Richard war nicht Richard. Richard war eigentlich Rogger Swan, mein Großvater. Den, von dem ich dachte, dass ich ihn nie hätte. Warum? Warum passierte das?







~MB~




"Das Herz ist da, immer offen für dich, wenn dir daran liegt, in es hineinzugehen." ~ Ramana Maharshi

Montag, 20. August 2012

Teaser 16

Teaser 16:

Während ich neue Schritte für die Halloweenaufführung überlegte, hörte ich das fast tonlose Knipsen. Und da stand er – in all seiner Pracht, mit nur einer karierten Pyjamahose und seiner Nikon, deren Schleifen er sich um den Hals gelegt hatte, oben ohne und verdammt attraktiv. Für einen Moment stand mein Mund offen und der flüssige Schaum rannte über meine Lippen bis zu meinem Kinn. Danach riss mich von Edward los und spuckte schließlich bevor ich mich an Zahnpasta verschluckte und starb.
„Kannst du es nicht lassen mich in peinlichsten Situationen zu fotografieren, Edward?“ Er grinste schief, verwuschelte sein verwüstetes Haar nur noch mehr, während ich es nicht lassen konnte, auf seine nackte verdammt gut gebaute Brust zu starren und auf die Muskeln seines Bauches.
„Genießst du die Show, Baby?“ fragte er grinsend und ich warf mein rosa Plastikglas nach ihm, in das ich immer Wasser füllte um meinen Mund nach dem Zähneputzen zu spülen. Er fing es auf mit seiner linken Hand und ich grinste so breit wie die Sonne und schüttelte belustigt den Kopf.

Freitag, 20. Juli 2012

Chapter: Breathing ...

Chapter 15:Breathing





Edward Cullen:




„Ich mag es aufzuwachen und nicht zu wissen was einen erwartet, oder wohin es einen verschlägt. Das Leben ist ein Geschenk und ich habe nicht vor etwas davon zu verschwenden. Denn jeder Tag zählt!" ~ Jack aus Titanic







Gerade mal war ich zur Haustür reinspaziert, schon musste ich achten, dass ich über keine Schleifen, Stoffbahnen, Glitzerschachteln und weiteren Mädchenkram stolperte, die den Weg zum Wohnzimmer der Swans blockierten.

„Mum, Alice, Rose, mein Kleid wird schwarz sein. S-C-H-W-A-R-Z!“ hörte ich mein Mädchen lauter und deutlicher sagen, als zuvor gesprochen wurde. Ich musste leicht schmunzeln, weil mein Mädchen fucking unglaublich war. Unglaublich war auch, dass sie morgen 17 Jahre alt werden würde. Bella war unglaublich reif für ihr Alter. Unglaublich wie oft ich unglaublich sagen konnte, ohne es überhaupt zu merken. Aber nach einem Vormittag mit meinen Eltern und meiner nervigen Grandma war ich leicht unzurechnungsfähig, weil sich mein Verstand einfach abschaltete, wenn es zu viel wurde.
„Schon gut, wir haben es verstanden.“ rief Rose und übertönte Bellas Geschrei von vorhin.
„Aber morgen muss sie irgendwas anziehen. Sie kann nicht zu ihrer Geburtstagsparty, bei der über zweihundert Menschen eingeladen sind, einfach in Jeans und einfachem Shirt auftauchen.“ rechtfertigte sich meine Schwester. Ich rollte die Augen.
„Wieso nicht?“ hörte ich Bella ernst fragen. „Dann schaffe ich es sicher in eine Klatschzeitung. Oh Alice, das ist eine tolle Idee!“ Ich lachte und erlangte somit die Aufmerksamkeit von allen vier Ladies.
„Hi, Lieblingsbruder.“ quietschte meine Schwester, während sie versuchte die bunte Mischung aus Kleidern, die überall auf dem Boden des Wohnbereichs ausgebreitet lagen, von ihrem Schoß zu entfernen.
„Bella, Baby, im Ernst – ein Kleid wirst du anziehen müssen. Von der Sommerkollektion von ELB-Fashion scheint dir nichts zu gefallen.“ Renée war wie immer die Ruhe in Person, wenn sie nun ihre einzige Tochter ansah.
„Hm.“ machte Bella, erhob sich danach elegant von ihrem Platz auf der Couch, wo sie ein Prospekt in der Hand hielt und darin blätterte – mich ignorierte sie noch und ich musste gestehen, dass ich deshalb leicht irritiert war. „Meine Entscheidung steht schon fest. Das Kleid wird wie jedes Jahr schwarz sein. S-C-H-W-A....“ Sie wurde von Rose unterbrochen.
„Welchen Teil von ´Wir haben es verstanden´ hast du nicht gecheckt, Swan?“ Irritiert sah Rose Bella an und schien sie am liebsten umbringen zu wollen. Renée sah ihrer Tochter besorgt hinterher, als diese mich im Vorbeigehen anrempelte. Fragend erhob ich meine Augenbrauen und sah wie sie ihre Hüften hin und her schwang und ihr Hintern unter ihrem Nachthemd deutlich zu sehen war. Mädchen, es war schon nachmittags, wieso trug sie dann noch ihr Nachthemdchen, durch das man alles sehen konnte. Sie wollte mir einen verdammten Herzinfarkt verpassen. Wenn ich jung starb, dann würde es Bellas Schuld sein.
„Ich such nur schnell ein Prospekt, wo ich schöne Kleider gesehen habe.“ winkte Bella mit der Hand ab und redete laut, damit die Damen sie auch sicherlich hörten.
„Tag, Edward.“ grinste mich Renée müde an, die anscheinend gar nicht zur Arbeit gefahren war, damit sie ihrer Tochter beim Kleideraussuchen helfen konnte. Aber Bella war stur, wie ihr sicherlich schon erkennen konntet.
„Wie lang geht das schon so?“ fragte ich neugierig.
„Oh, das. Seitdem du zu deinen Eltern aufgebrochen bist. Madam gefällt kein einziges Kleid und wenn sie sich keines in einer Stunde ausgesucht hat, dann werde ich sie eigenhändig ermorden. Das schwöre ich euch!“ Die Frustration war Rose deutlich anzusehen, denn sie fuhr sich mit ihrem Handrücken müde über ihre Stirn. Ich lächelte mitleidig und Alice grinste einfach augenrollend, weil sie anscheinend nicht müde wurde, wenn sie den ganzen Vormittag Kleider aussuchen durfte. Nein, es schien ihr sogar eine große Ehre zu sein.

Dann brach ich auf, als ich sah, dass die Parteien in ihren Meinungen stark auseinander gefächert waren, um mein Mädchen zu suchen. Ich fand sie in der Küche, wo sie auf ihren Zehenspitzen stehend mit ihrem Hintern wackelte und dabei Milch aus der Packung trank. Erst als ich einen Schritt näher an sie herantrat, sah ich, dass sie die Stöpseln ihres I-Pods in den Ohren hatte. Ich beobachtete die unbezahlbare Show und setzte mich auf den kleinen Holztisch ihr gegenüber, der es richtig erlaubte, diese Show in vollen Zügen zu genießen. Mein Mädchen war ein Bild für die Götter. Und ich wollte sie. Ich wollte sie so sehr, aber andererseits liebte ich sie. Wäre da nicht diese verliebte Seite in mir, würde der nackte Wahnsinn die Oberhand gewinnen und ich würde sie einfach nehmen. Aber die Liebe zu ihr war stärker als die körperliche Lust, die ich verspürte, wenn ich sie sah. Natürlich wollte ich hören, wie sie meinen Namen schrie, weil ich der Einzige wäre, denn sie so sehr liebte, um seine Frau zu werden. Ich hatte es wirklich ernst gemeint, als ich sie fragte, ob sie mich eines Tages heiraten wollte. Wenn sie mich heiraten wollte – MICH -, dann musste sie richtig verliebt sein. Ich war ein Dummkopf, ein aggressiver Typ, der die Faust schwang, als wäre sie die amerikanische Flagge und hirnlos durch die Gegend ging, um jedem der mein Mädchen auch nur ansah, einen kleinen Finger an sie legte oder ein blödes Wort sagte, die Nase brechen würde. Mich – mich wollte sie heiraten. Es musste entweder große Liebe im Spiel sein, oder eine unheilbare Dummheit.

„Edward, was machst du hier?“ holte sie mich aus meinen wohligen Gedanken zurück zur schönen Realität.
„Ich arbeite hier.“ antwortete ich und sie rollte lachend die Augen.
„Ja, aber was machst du hier, hier in der Küche?“ Sie wischte sich mit ihrem Unterarm über den Mund, um die Spuren der Milch, die sie getrunken hatte, fortzuwischen. Wenn jemand diese Geste sah, würde er niemals denken, dass er ein Mädchen vor sich hatte, deren Vater ein Senator war. Andererseits, sie war wegen diesen kleinen Dingen, die fast niemandem auffielen – mir fielen sie auf - , mein Mädchen. Ich war fucking wichtiger für uns beide als ihr verdammter Vater, von dem ich beschlossen hatte, dass ich nicht lassen würde, dass er sich zwischen uns stellte. Dieser miese Typ! Keiner würde sich zwischen uns stellen, nicht ihr Vater, nicht meine Eltern, nicht irgendein böser Nachbar. Keiner.
„Ich liebe dich, deshalb bin ich hier.“ Okay, das war mein blödes Herz, das aus meinem Mund sprach. Überrascht blinzelte sie ein paar Mal und machte einige Schritte auf mich zu. Lächelte so, dass sich mein Herz auftat und ich sie anstarrte, wie ein Dieb ein Haufen Geld anstarrte, oder ein Süchtiger seine Droge.
„Weißt du, wo Nana ist?“ fragte Bella, während sie sich umsah und ich schüttelte den Kopf, weil ich diese alte Dame nicht gesehen hatte, als ich vorhin das Haus betreten hatte. „Gut!“ meinte sie dann, stellte sich zwischen meinen Beinen und ergriff mein Gesicht mit ihren Händen. Sie liebkoste es mit ihren weichen Händen und ich lächelte sie selig an. Was sie aus mir machte – fucking unglaublich. Ich war Edward Cullen, der immer seine Faust geschwungen hatte und keine Frau jemals so nah an seinem Herz rangelassen hatte, als sie. Es war alles ihr Verdienst. Fragt mich nicht, wie sie es geschafft hatte. Fakt war, sie hatte es. Punkt. Mehr gab es nicht zu sagen. Außer, dass mein Herz unglaublich laut pochte und entspringen wollte, als ihre sanften, vollen Lippen die meinen berührten. Ganz sanft. Beinahe schüchtern. Aber dieser sanfte, langsame Kuss ließ tausend Gefühle durch meinen Körper kribbeln. Ich streichelte ihr Haar zur Seite, umfasste sanft ihre Schultern und drückte sie gegen mich. Nach einiger Zeit löste sie sich von mir und sah mich panisch an.
„Sie könnten uns sehen!“ Ihre Augen geweitet, wanderte ihr Kopf hin und her, um zu checken, ob uns jemand ganz zufällig gesehen hatte. Ich lächelte kopfschüttelnd. Ein kleines Bisschen war ich auch verletzt, weil wir unsere Liebe verstecken mussten und sie sich fürchtete zu mir zu stehen. Aber andererseits wusste ich, dass sie mich liebte und das konnte keiner ändern. Ich schmollte leicht.
„Miss Swan, ich wünsche ihnen noch viel Erfolg beim Kleideraussuchen.“ Als ich nach draußen gehen wollte, ergriff sie sanft meine Hand und ließ mich nicht gehen. Überrascht drehte ich mich zu ihr und sah sie erwartungsvoll an. Sie legte meine beiden Hände, die sie in ihren hielt um ihre Hüfte und drückte mich so fester an sie. Liebevoll sah ich sie an und sie lächelte leicht.



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http://www.youtube.com/watch?v=8FbF18hDosw
(Jason Derulo - Breathing)
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„Geh nicht.“ Eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen und ich war plötzlich um sie besorgt. Denn sie sah so traurig aus, dass ich es nicht aushalten konnte, ihr dabei zuzusehen. „Nicht heute; nicht jetzt.“ Ich schüttelte den Kopf. Nein, Kleines, ich würde nicht gehen. Ich legte meine Arme fester um sie und drückte sie gegen meine Brust, küsste ihren Kopf. Während sie sich in meinen Armen wieder entspannte, weil sie wusste, dass ich da war und nicht vor hatte zu gehen, dachte ich über Bella nach. Dachte darüber nach wie sehr mich ihr Schmerz verletzte, wie sehr mich ihre Angst terrorisierte. Warum war das so? Warum wollte ich sie vor allem und jedem beschützen? Sicherlich nicht, weil ich viel zu sehr an meinem Job hing. Nein, es musste die Liebe sein, die mich ohne sie nicht einmal atmen ließ. Ich wollte sie 24 Stunden sieben Tage die Woche bei mir haben, egal wie, wann oder wo. Es musste einen Grund geben, warum ich so abhängig von ihrem Geruch, ihrem Lächeln, ihren Augen und ihren Worten war.
„Ich bleibe bei dir, Bella. Bis ich alt und runzlig bin und du mich nicht mehr willst. Bis du mich hasst und mich nicht mehr sehen willst. Ich werde erst dann gehen, wenn dieser Zauber nachlässt, den du über mich gelegt hast. Du kleine Hexe.“ Scheiße, es machte mir richtige Angst, dass ich jetzt so fühlte. Wäre ich noch der Edward wie vor einigen Monaten, hätte ich bis jetzt schon längst mein Gepäck gepackt und wäre über die Hintertür schon aus Isabella Swans Leben verschwunden. Aber die Wahrheit war, dass ich nicht konnte, ich konnte sie nicht verlassen. Ich konnte nicht hinausrennen. Sie war unentbehrlich für mich. Sie war ein Teil von mir. Sie war die Luft, die ich atmete; sie war teuerer als mein Augenapfel; sie schmeckte so süß, wie Hoffnung und machte so süchtig wie Kokain.
„Wie bitte?“ fragte sie leicht perplex. Ich grinste sie an.
„Wie wie bitte? Du hast mich verzaubert, Mädchen. Eigentlich sollte ich die Polizei anrufen und ihnen sagen, dass du eine Diebin bist. Sie sollten dich hinter Gitter bringen, weil du gefährlich für deine Umgebung bist. Du bist vom Himmel direkt in meine Arme gefallen und ich habe dich festgehalten, Bella. Für dich bin ich wahrscheinlich der Mann – nein, warte – DER Mann. Aber ich bin nicht gut darin, Bella. Ich habe mich noch nie so gefühlt, wie jetzt – glaub mir, ich will dich nicht verlieren. Und ich würde alles tun, damit sie mir dich nicht wegnehmen. Ich verdiene dich nicht, denn ich bin kein Heiliger, der vom Himmel gefallen ist. Ich bin nur der Mann, der süchtig nach dir ist. Diebin – Diebin mit einem Engelslächeln, mit einem magischen Funkeln in den Augen. Schwöre mir ewige Liebe, Bella. Sag mir, dass ich dein Mann bin und bleiben werde, egal was noch kommt.“ Das Lächeln, das sie mir schenkte, war wahrscheinlich von Gott persönlich designed worden. Irgendwas in meinem Leben musste ich richtig gemacht haben, damit man mir ein so großes Geschenk machte. Mein Mädchen.
„Kennst du irgendwo einen guten Tattooladen, Cullen?“ fragte sie mich mit einem geheimnisvollen Funkeln in den Augen. Ihre Antwort überraschte mich leicht und ich nickte leicht, verdächtig, neugierig.




~MB~





Fuck, sogar Renée fiel mir in den Rücken und sie war meine letzte Option. Rose und Alice begeisterten Bella nur noch mehr von ihrer schwachsinnigen Idee. Ich rollte die Augen und murrte laut genug, so dass sie mich hörte, aber mich nicht registrieren wollte.
„Ich werde nicht dabei zusehen, wie du deine Haut ruinierst. Nein, Fräulein, vergiss es.“ Sie rollte dramatisch die Augen.
„Die kannst auch die Augen schließen, wenn du Angst hast, Cullen.“ Leise machte sie sich über mich lustig. Ich war richtig wütend und es war das erste Mal, dass ich wirklich diese tiefe Wut Bella gegenüber empfand.
„Ich habe keine Angst, Bella. Aber ein Tattoo bleibt ein ganzes Leben mit dir. Da kann man nicht einfach eine schwachsinnige Idee bekommen und es stechen lassen. Du zerstörst deine wunderschöne Haut – Du bist noch jung, du wirst es bereuen.“ Sie legte mir ihre Hand auf die Schulter, während wir vor dem Haus auf meine Moto stiegen. Ich liebte mein Motorrad. Wirklich. Aber jetzt musste ich mit Bella streiten, damit sie sich ja kein Tattoo stechen ließ.
„Ich bin jung. Lass es mich machen, Edward. Hör auf mir einzureden, dass ich meine Haut abfucken werde. Dass ich mir ein Tattoo stechen lassen werde, steht schon fest, Honey. Wenn du darüber streiten willst, dann lass es mich wissen. Aber du könntest einfach so nett sein und mich meine eigenen Fehler machen lassen. Ich brauche das. Ich brauche diese Ewigkeit auf meiner Haut.“ Etwas Warmes breitete sich in meiner Brust aus und legte meine Hand auf ihrer, damit sie leichter auf die Moto stieg. Wir beide trugen Helme, um ja nicht zu riskieren, dass uns etwas zustieß. Mein Gefühl sagte mir, dass es richtig war, sie einfach tun zu lassen, was sie sich wünschte, weil ich sah, dass sie es wollte. Ich sah wie sehr sie es wollte. Aber meine Aufgabe als Mensch war es ihr klar zu machen, dass nichts für die Ewigkeit hielt und dass sie es bereuen würde, dass sie sich ein Tattoo stechen wollte.

Ich beschloss Bella nicht zu drängeln. Sie war sowieso viel zu stur und würde nicht auf mich hören. Also genoss ich die Fahrt bis zu diesem Tattooladen, den ich durch Samuel, einem Freund, der im Krieg gefallen war, kannte. Sie hatte die Arme fest um mich gelegt, die Nase in meinen Nacken vergraben und ihr Haar wurde vom Wind umhergeweht. Ich entspannte mich und ließ Bella in Ruhe.

Als wir den Tattooladen erreichten, durchzuckte mich eine Welle der Wut, weil sie nicht auf mich hörte, aber als sie mich strahlend anlächelte, seufzte ich niedergeschlagen und sie hatte mich wieder um ihren kleinen Finger gewickelt. Also betrat ich mit ihr, Hand in Hand, den Laden.
„Hey...“ wurden wir von einer Rothaarigen begrüßt.
„Hi... ich hätte gern ein Tattoo.“ Bella näherte sich dem Tresen hinter dem die Frau stand und sie anlächelte.
„Weißt du schon, was es werden soll?“
„Yeah...“ kurz wanderte Bellas Blick zu mir und sie lächelte.

Fünfzehn Minuten später brummte auch schon die Maschine vor sich hin und Bella verzog ihr Gesicht. Ich blieb draußen, weil ich noch immer nicht damit einverstanden war, dass sie sich tätowieren wollte. Es war unglaublich dumm.
„Wer ist der Glückliche?“ hörte ich die Rothaarige Bella fragen, aber ich konnte nicht ihre Antwort hören, weil sie viel zu leise sprach. Ich rollte die Augen und las weiter im Prospekt.

„Hi, Baby.“ hörte ich Bella nach einer gefüllten Ewigkeit sagen. Ihre Wangen waren leicht gerötet, als müsste sie höllische Schmerzen ertragen und ich bekam für einen Moment Mitleid mit ihr, aber dann erinnerte ich mich wieder, dass ich sie gewarnt hatte.
„Hey, bist du fertig?“ fragte ich sie und sah, wie sie ihr Shirt leicht über ihre Hüfte zog.
„Ich muss nur noch bezahlen.“ Ich ließ das Prospekt auf den kleinen Tisch zurückfallen und stand auf um sie bis zum Tresen zu begleiten.
„Miss Swan, hier diese Salbe müssen sie zweimal täglich auftragen, damit es nicht zu einer Entzündung kommt.“ Bella lächelte nickend und reichte der Rothaarigen ihre American Express.
„Danke, Victoria. Ich bin sehr zufrieden mit deiner Arbeit. Du bist wirklich toll in dem, was du tust.“ Victoria lächelte ein Megawattlächeln und ich versuchte mir selbst zu erklären, was hier lief. Anscheinend waren diese beiden Freundinnen über Nacht geworden. Die zweite Option war, dass Victoria lesbisch war und mein Mädchen wollte. Mit verengten Augen sah ich sie an. Sie sah mich leicht verwirrt an und blickte wieder zu Bella.
„Ich hätte sie so gern kennengelernt.“ antwortete Victoria und legte ihre Hand auf Bellas Unterarm. Ich verspottete diese kleine Geste und fixierte Victoria mit meinem giftigsten und gefährlichsten Blick.
„Sind wir endlich soweit?“ fragte ich an Bella gewandt. Sie sah mich leicht tadelnd an, drückte mir aber einen kleinen beruhigenden Kuss auf die Wange, der seine versprochene Wirkung erfüllte.
„Ja, Baby. Wir sind gleich soweit.“





~MB~





Es war Nacht. Beinahe Mitternacht. Und wisst ihr was? Ich lag schlaflos in meinem Bett und dachte nach. Kein Auge wollte zugehen und mein Verstand wollte nicht ruhen. Es war so viel passiert in den letzten Tagen. New York, dieser Mistkerl, der mein Mädchen umbringen wollte, Jasper, Alice, Senator Swan, Bella und ihre Nana, Bella und ihre Mum, Bella und ich auf der Flugzeugtoilette, Bellas Tattoo. In einigen Minuten hatte mein Mädchen Geburtstag und sie wurde 17. Fucking 17 Jahre alt. Mein Herz schwoll voller Liebe und Zuneigung für sie an. Ich war wütend, intrigiert, weil sie mir ihr Tattoo nicht gezeigt hatte. Was hatte sie stechen lassen? Was?

Als ich realisierte, dass nichts half und ich nicht einschlafen konnte, schlug ich meine Decke zurück und ging auf Suche nach meinem Mädchen. Ich suchte sie im ganzen Haus und fand sie nicht. Sogar in der Küche, im Bad und im Spielzimmer (auch unter dem Billardtisch) hatte ich nachgeschaut, aber es gab keine Spur von Bella. Es schlug mich wie ein Blitz als ich realisierte, wo ich nicht nach ihr gesucht hatte. Zwei Stufen auf einmal nehmend, lief ich in den ersten Stock bis zum Zimmer, wo ich Bella vermutete. Vor der Tür fuhr ich die Buchstaben, die an der Tür angefestigt waren, nach, klopfte kurz an und riss die Klinke runter. Die Tür knarrte laut und schlug gegen die Wand. Das Licht des Fernsehers fiel auf Bellas Gesicht und sie drehte ihr Gesicht überrascht zu mir. Mein Mädchen war ein weinendes, schnupfendes Wrack, das auf ein paar Polstern saß und sich mit Popcorn vollstopfte. Ich sagte kein Wort, weil ich nicht wusste, ob mir etwas Tröstendes einfallen würde. Es waren schon vier Jahre vergangen und es wurde nicht besser für Bella, für keinen von uns. Also konnte man davon ausgehen, dass es nichts gab, dass für Bella Linda ersetzen konnte. Aber es war ein weiter Schritt für Bella gewesen, das Zimmer ihrer Schwester zu betreten. Ich wusste, dass sie das bis heute nicht getan hatte.

„Hi, Baby...“ Ihre Stimme war brüchig und sie versuchte mich anzulächeln, scheiterte aber kläglich. Ich näherte mich ihr langsam, weil ich nicht wollte, dass sie sich erschreckte. Mit dem Ärmel ihrer langen, gehäkelten Weste wischte sie sich die Tränen fort. Als ich sie erreichte, setzte ich mich neben sie, berührte sie jedoch nicht. Im Fernseher lief ´Titanic´, genau die Szene in der Jack im Wasser lag neben dem Brett, während er die Hand von Rose hielt, die leise vor sich hinsummte. Es war genau die Szene bevor sie erkannte, dass sie ihre Liebe endgültig verloren hatte. Ich wusste nicht warum Bella weinte. Sie saß hier am Boden des Zimmers ihrer verstorbenen Schwester, sah sich ´Titanic´an und heulte. Sanft küsste ich ihre Schläfe und ließ ihr Zeit sich wieder zu sammeln. Als Rose an Jacks Arm rüttelte und ihn aufzuwecken versuchte, blickte ich zu Bella und sah in ihre verschwommenen Augen, die voller Tränen waren. Einige Tränen flossen über und rollten über ihre Wangen. Ihr Mund war zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Ich blickte zwischen dem Fernseher und Bella, wusste nicht, was ich tun sollte. Rose küsste gerade Jack´s eingefrorene Hand und versprach, dass sie niemals loslassen würde, ließ ihn aber ironischerweise los. Während Jack vom weiten Ozean verschluckt wurde, begann Bella heftiger zu weinen. Entschlossen drückte ich auf Pause und drehte ihr Gesicht mit meiner Hand zu mir.

„Bella, warum weinst du, Kleines?“ Sie schloss gequält die Augen und versuchte tief Luft zu holen, stattdessen atmete sie nur zittrig ein und versuchte die Kontrolle über ihre Tränen zu gewinnen. Es klappte nicht. Mein Herz wollte wegen dem ganzen Schmerz, den ich plötzlich empfand, zerspringen. Ich wünschte, sie würde einfach aufhören zu weinen oder mir wenigstens sagen, warum sie so herzzerreißend weinte. Mein Herz starb tausend Tote, während ich ihr dabei zusah, wie sie versuchte den Schmerz loszuwerden, den ihre junge Seele fühlte. Sie verstand nicht, dass eine ihrer Tränen mehr wehtat als tausend meine. Sie verstand nicht, dass ihr Schmerz mein Schmerz war und das ich ihn wie einen tiefen Riss in meinem Herzen fühlte.
„Hast du sie auch gefühlt? Die ganze Zeit während Jack schläft und Rose versucht ihn aufzuwecken?“ Verständnislos sah ich sie an und sie lächelte ein trauriges Lächeln. „Die Hoffnung, dass er doch lebt. Aber dann sinkt er tief und lässt sie auf sich allein gestellt oben, damit sie allein weiterlebt. Dieses Bild trägt man mit sich. Das Bild, wie Jack vom Ozean verschluckt wird.“  Ich umfasste ihr Gesicht mit einer Hand und zog sie zu mir. Als sie rittlings auf meinen Schoß saß und mir tief in die Augen sah, wischte ich ihr die Tränen fort. „Es war unser Lieblingsfilm, weißt du? Wir haben ihn abertausend Mal gesehen. Vor allem dann, wenn ich Angst vor dem Gewitter hatte. Da habe ich mich immer in ihr Zimmer geschlichen und mich an sie gekuschelt. Sie hat gesagt, eines Tages würde ich schon verstehen, warum Jack sterben musste und ich verstehe es noch immer nicht. Ich kann es einfach nicht verstehen. Was ist schon daran so spannend, dass Jack stirbt oder dass Romeo und Julia sich das Leben nahmen? Wo soll da der Sinn des Ganzen sein? Hm?“ Nun weinte sie noch mehr und vergrub ihre Nase an meinem Nacken. Ich streichelte ihr Haar und atmete sie ein, ihren Geruch, ihre Wärme. „Oder Linda, wenn wir schon dabei sind. Warum musste Linda sterben? Sie war eine der besten Personen, die ich kannte. Warum musste Gott sie mir wegnehmen?“ Sie krallte ihre Hände in meiner Haar und atmete an meinem Hals. Ich schloss die Augen und küsste ihr Ohr. „Das ist nicht fair.“
„Nein, Kleines. Es ist nicht fair. Aber vielleicht hat Gott sie von uns genommen, weil er einen größeren Plan für sie hat, vielleicht genau deshalb, weil sie eine der besten Personen war.“ Bella entfernte sich ein Stück von mir und sah mich aus ihren großen, tiefen Seen an.
„Denkst du?“ fragte sie.
„Ja.“ ich lächelte sie sanft an und strich ihre Strähnen aus ihrem Gesicht, die an ihren Wangen klebten, wegen der Tränen, die sie vergossen hatte.
„Warum will er mir dann dich auch noch wegnehmen? Hm? Es ist unfair. Es ist so unfair.“ An diesem Punkt begann sie wieder zu weinen, legte ihre Hände vor ihr Gesicht und schluchzte laut.
„Sicher nicht, weil ich ein guter Mann bin.“ witzelte ich und sie sah mich aus ihren tränenüberströmten Augen an.
„Für mich bist du der beste Mann der Welt. Ich will dich nicht verlieren, Edward. Denn ich glaube, dass Linda dich zu mir geführt hat. Ich bete jede Nacht, dass sie dich beschützt. Sie ist gut, sie kann das. Sie kann mit Gott reden und ihm sagen, dass er dich nicht von mir wegreißt.“ Ich wollte weinen. Ich schwöre es. Ich wollte dort sitzen und heulen wie ein Mädchen, weil ich nicht wusste, womit ich diese Frau verdient hatte. Diese wunderbare Frau betete für mich. Für mein Leben. Es war unglaublich. Ich war erstaunt und überwältigt. Ich strich mit meinen Lippen über ihre weichen vollen Lippen, die von ihren Tränen noch sanfter geworden waren. Ich wollte ihren Schmerz fortküssen, aber stattdessen küsste ich ihre Tränen weg.
„Isabella Swan, ich verspreche dich zu lieben, jeden Tag und dir nachts zu zeigen, dass du die einzige Frau für mich bist. Dich zu lieben, wie du es verdienst. Ich verspreche dir treu zu bleiben und dich ewig in meinem Herzen zu tragen. Ich verspreche dich zu respektieren und dich wie einen Schatz in meinen Händen zu tragen. Außerdem verspreche ich dich zu beschützen und glücklich zu machen, wie noch keiner zuvor. Ich werde dich nie dazu bringen, die Zeit mit mir zu bereuen oder mich zu hassen. Ich verspreche dich niemals zu verletzen und dich niemals zu belügen oder betrügen. Versteh endlich, dass ich für dich atme, für dich lebe und jeden Tag mit dir in meinem Kopf und meiner Brust aufwache. Ich liebe dich mit jeder Pore meines Körpers, mit jedem Atom meiner Kraft, solange auch nur ein Körnchen Staub von mir bleibt, wir unsere Liebe ewig leben.“ Sie begann unter Tränen zu lächeln. „Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Ich verspreche dich niemals allein zu lassen und dir vier Kinder zu schenken. Bei Anfrage und einer netten Bitte auch mehr.“ Sie grinste und schlug mir gegen den unversehrten Arm. „Hör auf zu weinen, Baby, denn deine Tränen brennen wie die Hölle.“ Brav, wie sie war, wischte sie sich die Tränen fort.
„Okay, wo unterschreibst du?“ fragte sie mich grinsend. Ich spitzte die Lippen, sah mich um nach einem Stift und Papier.
„Kann ich auch später unterschreiben? Es scheint als hätten wir hier keine Stifte.“ ich zwinkerte ihr verspielt zu und sie lächelte.
„Und wo ist der Ring?“ fragte sie danach. Der Ring? Was für ein Ring?
„Huh?“
„War das jetzt kein Antrag?“ fragte sie mich verwirrt und ich begann zu lachen.
„War es denn ein Antrag?“
„Cullen, genau meine Frage. Also?“
„Fühlt es sich wie ein Antrag an?“ fragte ich sie und sie zuckte die Achseln und nickte danach.
„Na ja irgendwie schon.“ Im selben Moment zeigte die Digitaluhr auf Lindas Schreibtisch 00:00 Uhr an und ich presste meine Lippen gegen Bellas. Etwas geschockt blieb sie regungslos, erwiderte den Kuss jedoch als dieser Überraschungsmoment vorbei war. Danach erwiderte sie den Kuss. Ihr sanfter, weicher Mund war gegen meinen gedrückt und unsere Lippen bewegten sich langsam, fast schon ehrfürchtig, aneinander. Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht, hielt ihre Wangen fest und bewegte meine Lippen noch zärtlicher gegen die ihren.
„Happy Birthday....“ grinste ich sie an und sie lächelte strahlend. Nase an Nase, Stirn an Stirn, lächelten wir uns an wie zwei Idioten.
„Edward, ich muss dir etwas zeigen.“ platzte es aus ihr heraus und ich sah sie erwartungsvoll an. Sie zog langsam den Reißverschluss ihrer Weste hinunter, entblößte ihre Brüste, ihren Bauch und ihre Beine, die bis dahin nur wenig bedeckt waren, auf dem Weg. Eh, was tat sie da? Leicht irritiert sah ich sie an, während sie die Weste von ihren Schultern zog. Wollte sie etwa stripteasen? Als ich es sah, blieb mein Mund weit aufgerissen. Fuck! Oh, fuck!
„Bin ich dein genug, Edward?“ Ihre Augen glitzerten aufgeregt und sie sah mich abwartend an. Aber ich konnte mich nicht einkriegen. Ich legte meine Hand vor meinen Mund, biss in meine Faust und sah sie einfach an, als wäre sie irre.

„Cullen, ich werde deinen Namen tätowieren lassen. Hier …“ Dann hatte sie meine Hand auf ihrem linken Hüftknochen gelegt und gesagt: „Genau dort!“


„Fuck!“ entfuhr es mir. „Du hast es wirklich getan. Du hast meinen verdammten Namen tätowieren lassen.“ Ich konnte es nicht glauben. Schockiert streckte ich meine Hand nach ihr aus, zögerte danach, lächelte, sah in Bellas strahlenden Augen. Sie lehnte ihren Kopf wieder gegen meinen, ergriff meine Hand und legte sie auf ihre linke Hüfte, wo in einer geschwungenen Schrift mit schwarzer Tinte mein Name stand. Ihre Haut war leicht gerötet, also berührte ich ihre Haut nur sanft.
„Ist das ewig genug?“ fragte sie mich, lächelte gegen meinen Mund und ich legte ihr meinen Arm um die Schultern, umarmte sie fest und presste sie an mich.
„Womit, womit nur, habe ich dich verdient?“ Rethorische Frage, Baby. Sie lächelte mich lieblich an und ich küsste sie. Ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Nase, ihren Mund. „Jetzt weiß ich es – ich hab dich gar nicht verdient. Aber das ist egal, denn du bist mein.“ Meine Hand fand sich in meinem Haar wieder. Ich zog fest an meinem Haar, weil ich verdammt verwirrt war und auch überrascht.
„Das ist nicht alles, Edward.“ Sie sah mir tief in die Augen, stand von meinem Schoß auf und entfernte sich einige Schritte – nur in BH und Höschen bekleidet -, drehte mir ihren Rücken zu. Dann sah ich es; lächelte, zog weiter an meinem Haar, über ihre Schulter sah sie mich an und legte ihr langes Haar auf die Seite. Zwischen ihren Schulterblättern lagen die ausgebreiteten Flügel eines kleinen, niedlichen Vogels, der so etwas wie eine Schnur zwischen dem Schnabel hielt. Diese Schnur reichte bis zu ihrer linken Hüfte, bis zu meinem Namen also. Ach, deshalb sah mein Name so aus, als wäre er auf altem Papier geschrieben worden, denn die Ecken dieses Papiers waren leicht zerrissen und eingeknickt.

Das Lächeln, das mir mein Mädchen schenkte, erhellte ganz Seattle. Ein Vogel. Wollte sie mir etwa sagen, dass ich einen Vogel hatte? Ich musste selbst aufgrund meiner Gedanken lachen. Natürlich nicht, dummer ich.
„Warum ein Vogel?“ fragte ich Bella neugierig.
„Als ich klein war, hatten Linda und ich einen kleinen Vogel. Er war weiß, klein und total niedlich. Tatsächlich sieht er diesem Vogel auf meinem Rücken ähnlich. Linda und ich haben ihn freigelassen, weil wir nicht wollten, dass er sein ganzes Leben in einem Käfig verbringt. Damit er glücklich wird, haben wir ihn fortfliegen lassen. Mum und Dad haben wir gesagt, dass wir zufällig das Fenster offen gelassen haben und er sich befreien konnte.“ Sie lachte bei der Erinnerung und kam wieder auf mich zu. Auf dem Weg zog sie wieder ihre Weste an und setzte sich dann wieder neben mich.
„Linda und ich, hm?“ fragte ich sie grinsend.
„Sie hat dich zu mir geführt. Also, ja, Linda und du. Zwei der wichtigsten Menschen meines Lebens.“ Sie zwinkerte mir zu. Ich ergriff ihre Wange und führte ihre Lippen zu meinen.
„Du bist ein Teil von mir. Du bist mein Herz.“ Ich ergriff ihren Kopf, fuhr mit meinen Händen durch ihr Haar. „Liebe mich, Bella. Liebe mich und ich werde dich lieben, wie keiner zuvor. So wie ich nie jemanden geliebt habe. Meine Eine und Einzige.“





~MB~








Am nächsten Morgen war ich gut gelaunt, weil ich die ganze Nacht neben meinem Mädchen verbracht hatte und heute war ihr Geburtstag. Ihr fucking Geburtstag. Das war ein riesiger Tag für uns beide. Versteht ihr, dass ich mich mehr auf ihren Geburtstag freute als auf meinen, der übrigens schon vorüber war. Eine ganze Nacht mit meinem Mädchen in den Armen. Was gab es da schon besseres? Mir fiel gerade nichts ein.

„Mi amor, Bella, es sind Blumen für dich angekommen.“ hörte ich Nana zu meinem Mädchen sagen. Mein Mädchen kam in ihrem Morgenmantel bekleidet ins Wohnzimmer, ihre Schaumstofflockenwickler an ihrem Kopf, die sie lustig aussehen ließen, und ergriff den Strauß roter Rosen, den Nana ihr entgegenhielt. Sie nahm das Kärtchen, öffnete den Umschlag und zog die Karte heraus. Nana saß neben ihr und sah Bella an, die nachdem sie die Karte gelesen hatte, sie in tausend Stücke zerriss und aufgebracht aufstand.
„Schmeiß diese Blumen weg, Nana.“ lautete Bellas Antwort.
Nana sah zwischen dem Strauß und Bella, nickte dann aber und brachte den Strauß weg.
„Von wem waren diese Blumen, Bella?“ fragte ich sie während ich im Türrahmen lehnte. Überrascht drehte sie sich zu mir und sah mich an.
„Von meiner Lieblingstante.“ Sie lächelte ein falsches Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte.
„Oh!“ kam es von mir und ich grinste schief. Danach setzte ich mich neben Bella, schnupperte an ihrem Haar und biss in ihren Nacken. Sie versuchte mit ihrer Schulter mir den Zugang zu ihrem Nacken zu erschweren. „Verwehr mir nicht etwas, das mir gehört.“ warnte ich sie und sie sah mich mit einem kleinen Funkeln in ihren Augen an. Leicht schmunzelte sie.
„Bella, Honey, kannst du mir helfen, mich zwischen zwei Kleidern zu entscheiden?“ Renée kam angelaufen, lächelte als sie mich sah, und begrüßte ihre Tochter mir einem riesigen Lächeln auf den Lippen.
„Ja, klar. Gleich bin ich bei dir, Mum.“ antwortete Bella. Ihre Mutter verschwand wieder und Bella legte ihre Hand auf meine Wange.
„Küss mich, Baby.“ bat sie und ich lächelte sie mit meinem knieerweichenden Cullen-Lächeln an. Dann nahm ich ihre Lippen zwischen meinen, küsste sie, küsste sie so, als gäbe es keinen Morgen mehr und sie grinste gegen meine Lippen. Es folgte ein kurzer Kuss ihrerseits und einer meinerseits und dann verschwand sie um die Ecke.





°~*~°







Bella Swan:



Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich, DAS IST das LEBEN! - Charlie Chaplin





Ich fühlte, dass ich Schweißausbrüche hatte. Ein flaues Gefühl in meinem Magen ließ mich nicht atmen. Ich sah mein Spiegelbild an und wischte mir mit dem Handrücken über die Stirn. Mein Haar begann auf meiner Haut zu kleben. Ich war total aufgeregt und konnte mich nicht beruhigen.

„Bella, Honey, bist du soweit?“ fragte mich Mum und ich nickte leicht, rollte die Augen, weil mir einfiel, dass sie mich nicht sehen konnte und rief ein: „Ja, Mum, ich komme gleich.“ Einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel werfend, klemmte ich eine meiner Haarsträhnen hinter mein Ohr damit mein Ohrring sichtbar wurde. Dann trat ich in mein Zimmer und sah das lächelnde Gesicht meiner Mutter, die mich von oben bis unten ansah und mich danach umarmte.

„Honey, du bist wunderschön.“ Beide Handflächen hatte sie vor ihrer Brust aneinandergepresst und lächelte ein herzzerreißend schönes Lächeln. Ein Klopfen an der Tür ließ uns zusammenzucken und Alice trat in mein Zimmer ein in einem bodenlangen gelben Kleid, das ihr ausgezeichnet stand.
„Alice, dein Kleid ist wunderbar.“ quietschte ich aufgeregt und ging auf sie zu, um sie auf beide Wangen zu küssen.
„Ja, nicht wahr?“ sagte sie und sah auf sich herunter. Ich nickte und grinste sie an.
„Bella, du weißt schon, dass du traumhaft aussiehst. Obwohl ich anfangs von der Idee, dass du ein schwarzes Kleid tragen solltest, gar nicht begeistert war, muss ich gestehen, dass ich ein schöneres Kleid nicht gesehen habe. Es wurde für dich gemacht.“ Alice breites Lächeln nahm ich dankbar entgegen. Im selben Moment kam die Frau rein, die mich umbringen wollte, weil ich ihr so sehr auf die Nerven ging und ich lächelte sie selbstzufrieden an, als ihre Kinnlade herunterklappte, weil mir mein Kleid sehr gut stand.

„Also, Bella, ich dachte, dass dieses Kleid irgendwie meiner Oma passen würde, aber W-O-W, im Ernst WOW, es steht dir angegossen und verdammt perfekt. Dein Körper darin, einfach traumhaft.“ Rose seufzte verträumt, umarmte mich und wünschte mir nochmal persönlich ´Alles Gute´, weil sie mir ja nur telefonisch gratulieren konnte.
„Danke, Rose.“ bedankte ich mich. „Aber ich bin nicht die einzige, die hier die Show rocken wird.“ Sie grinste breit, fuchtelte an meinen Locken herum, die über meinen Rücken fielen und sagte dann, dass es Zeit wäre die Party beginnen zu lassen.

Meine Mum und Alice, die sich bei meiner Mum eingehakt hatte, brachen als erstes auf und Rose und ich gingen hinter ihnen her. „Ach, und Bella? Ich habe Edward gesagt, dass er dich zur Party führen soll.“ warf meine Mum schulterzuckend ein und ich schluckte hart. Bitte, was? Und das sagte sie mir erst jetzt? Wollte sie mich verdammt nochmal umbringen?
„Bella, atme. Es ist alles in Ordnung. Es ist nur dein Freund, dem du gegenübertreten wirst. Ist ja nicht so, dass du ihn gleich heiraten wirst oder so.“ Mit verengten Augen sah ich sie an und sie zuckte nur lässig die Schultern. Sie hatte doch keine Ahnung was ich für diesen Mann fühlte. Also konnte sie gar nicht wissen, wie sehr ich aufgeregt war meinem Mann gegenüberzutreten. Als wir die Kurve zur unteren Treppenhälfte nahmen, sah ich ihn auch schon und fühlte mich sie, wie sich Rose aus ´Titanic´ gefühlt haben musste, als sie bei ihrer Uhr auf ihren Liebsten gewartet hatte. Wenn auch ein bisschen hibbelig und viel viel aufgeregt. Er sah mich mit seinem glühenden Cullen-Blick an. In seinen Augen schienen Flammen aufzusteigen und er atmete schwer und schnell. Er streckte seine Hand nach mir aus und ergriff sie genau in dem Moment, als meine Füße die letzte Stufe erreichten. Er küsste die Knöchel meiner Hand und ich fühlte eine leichte Gänsehaut durch meine Haut ziehen. Wie würde sich dieser Kuss wohl anfühlen, wenn ich keine schwarzen, bis zu den Ellenbogen reichenden Handschuhe an hätte?
„Pass auf sie auf, Edward.“ sagte Rose, zwinkerte ihm leicht verspielt zu und überließ mich Edward. Dieser legte meine Hand auf seinem Arm ab und führte mich in unseren Garten, wo ein riesiges Zelt aufgeschlagen wurde. Die Musik war laut und hörbar im ganzen Haus. Die Nacht war warm, erfrischend, still und voller Sternen. Und ich fühlte ihn, roch ihn, sah seinen Blick auf mich ruhen. Was wollte man schon mehr verlangen? Ich wusste, dass Linda, wo auch immer sie sich befand, sich für uns freute und wollte, dass ich sie endlich losließ. Nichts desto trotz würde ich herausfinden, wer was wann wo meiner Schwester wehgetan hatte, wer sie auf dem Gewissen trug. Dieser jemand würde bezahlen. Sowas von. Edward beugte sich zu mir, nahe an meinem Ohr ruhte er und hauchte hinein: „Ich liebe dich, Miss Swan. Vergiss nicht, dass du mir gehörst. Und übrigens – du bist die schönste Frau, die auf dieser Erde herumläuft.“ Ich grinste und wurde mit einem Applaus begrüßt, als wir das Festzelt betraten. Meine Freundin Angela sprang mir als erste in die Arme und schwang mich hin und her.

„Oh Gott, ich hab dich schon so lang nicht mehr gesehen. Wir haben gehört, was dir in NYC widerfahren ist und waren schockiert. Das muss dich richtig erschreckt haben. Geht’s es gut damit? Du weißt, wenn du mit jemandem reden musst, dann bin ich für dich da!“ Sie lächelte mich strahlend an und hielt mich auf Armeslänge.
„Danke, Angela. Ich werde es in meinem Hinterkopf behalten. Lass mich nur jemanden begrüßen und ich bin gleich bei dir, ja?“ Sie nickte und ich küsste sanft ihre Wange. Danach schritt ich meinen Weg zu den Cullens, wo auch meine Mum sich einen Sessel herangezogen hatte.

„Happy Birthday, Bella.“ hörte ich Esme sanft sagen. Dann zog sie mich in eine warme, mütterliche Umarmung und ich bedankte mich so, wie es sich gehörte. Sie hatte ein kleines Funkeln in den Augen und ein sanftes, mütterliches Lächeln. Dr. Cullen hingegen sah mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an, blickte zwischen mir und seinem Sohn hin und her und fixierte meine Hand, die an Edwards Unterarm lag, weil ich mich bei ihm eingehakt hatte. Auch er wünschte mir das Beste, aber nicht aus ganzem Herzen, wie es Edwards Mum getan hatte. Es gab etwas an Dr. Cullen, das mich irritierte. Er schien etwas zu wissen. Er schien fiel über meinen Dad zu wissen. Warum hatte er die Beweise, die sein Sohn über meinen Dad hatte, verschwinden lassen? Wen versuchte er zu schützen? Edward oder meinen Dad? Wahrscheinlich seinen Sohn und ich war wirklich ein gefährlicher Umgang für Edward. Da hatte Dr. Cullen vollkommen recht. Errinnert euch doch nur, was in New York Edward zugestoßen war. Es war meine Schuld.

Meine Mum kümmerte sich um alle Gäste wie die gute Gastgeberin, die sie war und etwa um 22 Uhr schnitt ich eine 5-stöckige Torte und blies die Kerzen aus.
„Du darfst dir etwas wünschen, Honey, aber das weißt du ja schon!“ sagte meine Mum und ich nickte. Ich wünschte mir, dass Edward lebte. Es war der einzige Wunsch, den ich hatte. Als es dann Zeit war zu tanzen, baten mich viele Leute um einen Tanz, nur der, von dem ich wünschte, er würde mich fragen, tat es nicht. Stattdessen stand er in einer Ecke, fixierte mich mit seinem glühenden Blick und sah mir beim Tanzen mit verschiedenen Menschen zu. Ich vermisste meinen Bruder. Ich vermisste meinen Dad, mit dem ich immer getanzt hatte, wenn ich Geburtstag hatte. Er hatte zwar kurz angerufen, um seiner Tochter ´Alles Gute´ zu wünschen, aber es war nicht dasselbe. Obwohl er ein böser Mensch war, war er doch immer noch mein Dad. Mein liebster Daddy.

Kurz vor Mitternacht kam es zur speziellen Überraschung und ich setzte mich vor die Bühne auf einen Sessel. Die Lichter wurden ausgeschaltet und nur ein Licht brannte auf der Bühne. Das Licht wurde auf einen schwarzen Flügel reflektiert und ein Mann in einem schwarzen Smoking bekleidet, erschien auf der Bühne, setzte sich auf den kleinen Hocker und begann zu spielen. Das Gesicht des Mannes war nicht zu erkennen, weil das Licht ihn viel zu stark blendete. Aber als er auf dem Flügel zu spielen begann, erhielt er die Aufmerksamkeit aller Gäste. Die Melodie, die er spielte, kam mir etwas bekannt vor. Doch ich konnte sie anfangs nicht zuordnen. Als der Mann zur Melodie zu singen begann, hielt ich erschrocken die Luft an. Fuck! Fuck! Es war Edward und er spielte für mich. Er spielte und sang für mich. Das Lied bereitete mir eine eine immense Gänsehaut und trieb mir Tränen in die Augen. Es hieß ´Your guardian angel´von The Red Jumpsuit Apparatus.



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http://www.youtube.com/watch?v=jRehmX3zlwE&feature=related
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Es war still. Jeder hörte Edward´s sanfter Stimme zu, die uns einlullte und unsere Gedanken forttrug. Ich aß ihn mit meinen Augen auf, knabberte genüsslich an ihm und bildete mir ein, wie ich ihn anspringen würde, wenn er das Lied beendete. Aber der einzige Grund warum ich es nicht tat, war, dass ich sein Leben nicht gefährden wollte. Als er das Lied beendete, stand er elegant auf und beugte sich vor und erhielt seinen Applaus, den er wohlverdient hatte. Mein Herz stieg mir in den Rachen und es pumpte laut und schnell. Ich hörte mein Blut in den Ohren rauschen.

Edward verließ das Festzelt und ging auf das Haus zu. Ich folgte ihm. Langsame Schritte, damit keiner auf die Idee kam, dass ich Edward folgte. Im Haus angekommen, konnte ich nicht mehr erkennen wo er hingegangen war, weil zu viele Kellner und Kellnerinnen mir mit silbernen Tabletts entgegenkamen. Also versuchte ich ihn in seinem Zimmer zu suchen. Doch soweit kam ich gar nicht, denn als ich am Billardzimmer vorbeiging, wurde ich attackiert und ins Dunkle des Zimmers gezogen.

Meine Spucke blieb mir im Hals stecken und mein Blut in meinem Venen wurde warm, weil er mich mit diesem Ich-besitze-dich-so-fucking-sehr-Blick ansah. Er schloss die Tür und presste mich gegen die Wand.
„Hey, Kleines...“ Seine Stimme war dunkel, sexy und ich sah ihn nur an. Unfähig etwas zu sagen, Worte oder Gedanken zu bilden, sah ich ihn einfach nur an. Abwartend. Schwer atmend. Vielleicht auch leicht verwirrt. Ich liebte ihn so sehr. So sehr, es war unbeschreiblich. Ich wusste nicht, wie ich es ihm klar machen konnte. Wie ich es ihm zeigen konnte. Ich umarmte ihn. Meine Finger unter seinem Jackett, an seinem Rücken, der meine Hände nur durch sein weißes Hemd trennte. Er legte seine starken Arme um mich und ich fühlte plötzlich seine Wärme, roch seinen sinn-benebelnden Duft.  Seine Hand wanderte in meinem Haar und die andere war auf meinem Rücken. Mit beiden Händen zog er mich fester an sich, sodass ich jeden seiner Muskel gegen meinen Körper fühlen konnte. Es machte mich wahnsinnig.
„Bella, ich kann nicht ohne dich. Bitte, werde meine Frau. Heirate mich. Bitte. Bitte.“ Sein warmer Atem streifte mein Gesicht. Ich atmete ihn ein, fühlte ihn unter meiner Haut und wünschte mir er würde mich küssen. Seine Bitte verwirrte mich. Zur selben Zeit fühlte ich wie sich etwas tief in mir zusammenzog.
„Ja...“ hauchte ich gegen seine Lippen.
„Ich will in die Welt hinausschreien, dass du mir gehörst. Jedem sagen, wie stolz ich auf dich bin und wie sehr ich dich liebe. Ich will nur dir gehören, meine erste und einzige Liebe. Bella, mein Kleines, meine Königin, mein Herz. Du, mein Alles.“ Er war diese Liebe, diese Liebe, die einen krank machte und zugleich heilte. Er war jemand, ohne den ich nicht leben konnte. Es war so klar, dass ich seine Frau werden musste. Aber ich war bereits so sehr sein, dass es mich krank machte und glücklich. Es war unglaublich.
„Edward, ich bin bereits dein. Ich bin so dein, dass du es mir nicht glauben wirst, wenn ich es versuche es dir zu erklären. Ich liebe dich so sehr. Hier.“ Ich legte seine Hand auf meine Brust, die sich so schnell auf und absenkte, dass man glauben würde, ich hätte eine unheilbare Herzkrankheit. Oh, die hatte ich auch. Eine größere Herzkrankheit als Edward gab es nicht. Aber er war eine gute Herzkrankheit. Er war eine Herzkrankheit für die ich keine Genesung oder Medikamente finden wollte. Es war ein Teufelskreis. Er grinste mich an, als er meinen Herzschlag hörte und nahm meine Hand, um dasselbe bei ihm zu machen. Ich grinste ihn ebenfalls an als sein Herz so schnell und hart gegen meine Handfläche pochte. Es wollte zerspringen. Es war mein Herz. Sein Herz war meins. Plötzlich umfasste er mein Gesicht mit beiden Händen und brachte mein Gesicht nahe an seinem. Er rieb seine Nase an meiner entlang und küsste danach sanft meine Lippen.
„Du bist so verdammt schön in diesem Kleid. Nein, du bist immer schön. Aber in diesem Kleid bist du mehr mein als du weißt. Gott, Bella. Was machst du nur mit mir?“ Wieder verschloss er meine Lippen mit den seinen, doch diesmal leidenschaftlicher, hungriger, verlangender. Sein Kuss entzündete meinen ganzen Körper auf seinem Weg und ich krallte meine Finger in Edward´s Haar, presste ihn näher an mich heran. So nah, dass kein Blatt mehr zwischen uns passte. Ich wollte, dass sich nichts zwischen uns stellte. Ich wollte ihn mein Leben lang. Ich hatte so lang auf ihn gewartet. Länger als es mir erschien. Auf die wahre Liebe zu warten, erschien manchmal lang, aber wenn sie einen erreichte, wischte sie alle Sorgen, bösen Wörter oder Tragödien auf dem Weg. Sie machte andere Menschen aus uns. Bessere Menschen.
„Ich liebe dich. Das mache ich mit dir.“ antwortete ich leicht berauscht von seinem Kuss. Danach umarmte er mich, presste mich fest gegen ihn und ich vergrub meine Nase an seiner Halsbeuge, umarme ihn fester zurück und halte ihn einfach.
„Oh, Bella.“ sagt er dann mit einer Stimme, die eine Gänsehaut auf meinem gesamten Körper verursacht. „Komm mit.“ Danach zieht er mich mit sich aus dem Raum, verlässt am Hintereingang das Haus und führt mich zur Garage, wo er mich geheimnisvoll schief anlächelt und mir danach mit einem Zwinkern andeutet, ihm zu folgen. Was hatte ich schon für eine Wahl, wenn er nicht einmal meine Hand losließ, während er mich irgendwohin führte. Er war aufgeregt und verhielt sich wie ein Kind. Es intrigierte mich.
„Edward, was ist los?“ fragte ich mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht. Er blieb vor etwas, das mit einer dicken schwarzen Folie bedeckt wurde, stehen und sah mich mit einem intrigierenden Glitzern in den Augen an. Mit einer Bewegung riss er die Folie runter und präsentierte mir sein Geburtstagsgeschenk.
„Ta-da.“ Meine Augen wurden so groß wie zwei Billardkugeln. Oh nein – er hatte doch nicht.... Woher wusste er? Fuck! Voller Überraschung sah ich perplex drein, schlug meine Hände vor meinen Mund und sah ihn ungläubig an.
„Du...“
„Ja, ich, Baby.“
„...hast...“
„Mhm..“ grinste er mich liebevoll an.
„ … mir ein Motorrad gekauft?“ Er nickte und grinste.
„Das ist richtig, Kleines.“ antwortete er.
„Oh, Gott!“ rief ich und rannte auf Edward zu – was in meinen hochhackigen Schuhen gar nicht so leicht war – und sprang ihn an. Nun, diesen Wunsch hatte ich schon seitdem ich ihn an diesem schwarzen Flügel hatte für mich spielen hören und sehen.
„Oh!“ machte er, fing mich auf und wirbelte mich herum. Er lachte als ich ihn sanft küsste. Das Lachen verging ihm jedoch, als er meine Zunge in seinem Mund fühlte. Ich schmeckte ihn, voll und ganz und er schmeckte so mein, so süß, so niedlich. Er setzte mich auf das Motorrad ab, ergriff meinen Hinterkopf und küsste mich hungriger, stöhnte während unsere Zungen einander umwarben und ich tat es ihm gleich, ergriff ihn mit meinen beiden Armen und küsste ihn so sanft und gleichzeitig so verlangend.
„Oh, Edward. Danke, dein Geschenk ist so... bedeutungsvoll.“
„Weil es mein Geschenk ist?“
„Ja, und weil ich Motorräder mag.“ Ich küsste ihn wieder und er lächelte auf eine Weise, auf die nur er lächeln konnte. Schief und sexy und so magisch. Alles, was er tat, sprach mein Herz zu hundert Prozent an. Oh, Gott, ich war so seins. Ich fühlte, dass jeder Knochen in meinem Körper mehr ihm gehörte als mir. Es war unglaublich.
„Willst du, dass ich dich irgendwohin fahre? An einem bestimmten Ort?“ fragte er mich, während ich meine Honda näher inspizierte. Das Motorrad war silbern, wie Edwards, aber ein bisschen anders. Es war wie der Zwillingsbruder von Edwards Moto. Ich grinste. Ja, es gab einen Ort an dem ich jetzt sein wollte.



Während der Fahrt wurde mein Haar umhergeweht, aber ich liebte es, wenn das Adrenalin durch meinen Körper pumpte, meine Wangen rot wurden und mein Haar ein hoffnungsloser Fall. Mein Motorrad war unglaublich und wie Edward es lenkte und fuhr. Es brummte unter uns beiden und ich war so fest an Edward gepresst, atmete ihn ein, fühlte ihn so nah an mir. Ich war so glücklich, obwohl ich es nie so richtig für möglich gehalten hätte. Dieser wunderbare, leicht verrückte Mann, der eine so niedrige Meinung von sich hatte, machte mich glücklich, wollte mich heiraten und zu seiner Frau machen. Ich hatte ihm die Ewigkeit versprochen und ich wusste, dass es niemals einen anderen geben würde. Edward war für mich bestimmt. Ich für ihn. Er hatte mich so sehr verändert, seitdem ich mit ihm zusammen war – mich mit meiner Mum vertragen, mich zu einem besseren Menschen gemacht, mir die Augen geöffnet, mir geholfen über Lindas Tod nicht mehr so sehr zu trauern. Er ließ mich an das Gute denken. Wenn er da war, dann fühlte ich mich sicher, geborgen, geliebt. Er war nicht perfekt und das wusste ich. Er musste schon sehr früh mit Dingen auseinandergesetzt werden, die niemals passieren durften. Mein Dad hatte Edwards Träume zerstört und ihn auf die eine oder andere Art mit dessen Dad in eine unangenehme Situation gebracht. Edward dachte, dass sein Dad ihn nicht liebte, weil er diesen niemals auf sich stolz machen konnte. Wenn Carlisle nur wüsste, was für einen Sohn er in die Welt gesetzt hatte. Edward war ehrlich, liebenswert, hilfsbereit, treu. Er war so süß und liebte seine Familie. Vielleicht sahen sie es nicht, aber ich erkannte es darin, wie sich sein Blick und seine Stimme veränderte, wenn er über seine Familie sprach. Er würde alles für seine Familie tun. Aber er hatte seine Prinzipien – er hatte seinen Stolz und seine Würde. Er war ein richtiger Mann, der mutig war, der keine Angst hatte, der so selbstlos war. Sein Herz war so groß, so gut und so rein. Mit Edward das Leben in einem Zelt zu verbringen, wäre für mich das größte Geschenk, denn wenn man einen Mann fand, der die Personen, die er liebte, über all das Vergängliche hinaus beschützen wollte, war er das größte Geschenk Gottes. Wir waren beide nicht perfekt – aber unsere Liebe war es. Unsere Liebe war es sehr wohl. Diese konnte uns keiner nehmen.

Dann holte er mich aus meinen Gedanken zurück, weil er den Motor ausstellte und stehen blieb.
„Kleines, wir sind da!“ sagte er sanft und küsste mich auf den Kopf. Fuck, wir hatten die Helme vergessen, aber Edward war ein guter Fahrer, mit ihm an meiner Seite hatte ich keine Angst. Ich hatte keine Angst zu sterben.
„Bereit?“ fragte ich ihn.
„Bereit, wenn du es bist.“ nickte er und ergriff meine Hand. „Willst du die Schlüssel deines Motorrades haben?“ Er zwinkerte verspielt. Das Schild am Eingang zeigte uns wo wir uns befanden ´Lakeview Cementary´, nicht, dass wir uns nicht auskannten, oder hier falsch waren. Nein, das nicht. Aber es war ein komisches Gefühl wieder hier zu sein. An dem Ort, wo ich meine Schwester ´Wiedersehen´ sagen musste. Es war eine der schlimmsten Erinnerungen, die ich hatte und nie bevor Edward hatte ich den Mut gefunden, wieder hier aufzutauchen. Seitdem Linda gegangen war und ich nur noch in die Vergangenheit blicken musste, um sie sehen zu können, hatte ich ein Stück meiner Selbst verloren. Jeder, der von uns ging, nahm ein Stück von uns mit und ließ uns verwüsteter und noch zertrümmerter zurück.
„Hier sind Bruce Lee und sein Sohn begraben, wusstest du das?“ fragte ich Edward. Seine Augenbrauen wanderten in die Höhe.
„Im Ernst?“ fragte er überrascht.
„Yeah, mein Ernst.“
„Es gibt für uns wichtigere Menschen, die hier begraben sind, als Bruce Lee oder sein Sohn.“ er sah mich ernst an und küsste meine Schläfe. „Es ist befreiend, sie endlich besuchen zu können. Endlich zu wissen, wo sie ruht und zu wissen, dass es einen Ort gibt, wo wir ihre Anwesenheit fühlen können – einen Ort an dem sie uns hören kann.“ Das Holz knirschte unter unseren Füßen, weil wir den Pfad verließen, um den Weg zu Linda abzukürzen. Natürlich wusste noch exakt wo sie lag, denn das war etwas, das ich in meinem Leben nicht vergessen würde. Allein wenn ich meine Augen für immer schließen würde, vielleicht erst dann. Wir passierten eine Reihe von Gräbern, einer neben dem anderen, Reihe für Reihe.

„Hier lang.“ sagte ich und zog Edward nach links, wo nach vier weiteren Gräbern meine Schwester ruhte. Ich blieb wie angewurzelt stehen und beobachtete den Grabstein. Danach ging ich langsam auf die Knie und setzte mich außen, wo ich ihre Füße vermutete. Edward sah mich im ersten Moment sehr perplex an, weil er anscheinend vermutete, dass es mir schlecht ging, aber danach setzte er sich hinter mir, die Arme um meinen Bauch gelegt.
„Hallo, Linda.“ Es war Edward, der als erster seine Stimme wiederfand. „Ich bin mit Bella hier. Yeah, ich bin tatsächlich hier und beschütze sie, wie ich es dir versprochen habe. Weißt du? Du hattest Recht, dass sie eine der besten Personen ist, die ich kenne; die du kanntest. Wie immer hattest du Recht, als du sagtest, dass ich ein verdammtes Arschloch war, weil keine Frau jemals mein Herz erobert hatte. Nun weiß ich, was du gemeint hast. Bella hier glaubt, dass du mich zu ihr geführt hast – falls das wirklich so ist, danke ich dir vom ganzen Herzen. Du weißt, dass du eine zweite Schwester für mich bist. Das wird sich niemals ändern.“ Er nahm eine seiner Hände von meinem Bauch und legte sie auf die gewölbte Erde unter der meine Schwester lag. Seine Hände gespreizt, rannten einige Erdkörner zwischen seinen Fingern. „Ich werde alles dafür setzen, herauszufinden wer dir das angetan hat. Diese Person sollte lieber die Koffer packen bevor ich sie erwische, denn sonst werde ich sie von der Erdkugel verschwinden lassen, als hätte es sie niemals gegeben. Ich denke, das sind genug Informationen fürs erste Mal.“ Ich hörte sein schiefes Grinsen aus seiner Stimme heraus. Wie durch einen Impuls geführt, legte ich meine Hand auf die seine und lächelte ein trauriges Lächeln.
„Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, Linda. Ich weiß, dass du wütend auf mich bist, weil ich dich so lang allein gelassen habe. Ich weiß nicht, ob du dich allein fühlst oder ob du Angst hast. Aber ich will, dass du weißt, dass ich niemals aufgehört habe an dich zu denken und dich zu lieben. Jetzt wo ich die Wahrheit weiß, dass du mich nicht verlassen hast, dass du niemals gegangen wärst, hätten dir diese Menschen nicht das Leben genommen, muss ich dir versprechen, dass ich die Erinnerung an dich und deinen Namen säubern werde, ehren werde. Ich werde diese Personen finden, die dir das angetan haben, denn es gibt keinen Ort der Welt an dem sie sich vor mir verstecken könnten. Ich hoffe nur, dass mich die Wahrheit nicht umbringt, wenn ich sie herausgefunden habe. Wenn es Dad ist, Linda, ….“ Ich brach ab, legte meine Hand an meine Brust und versuchte zu atmen.

„Kleines, schon gut. Es ist alles gut, beruhige dich.“ Edward küsste meine Schläfe und umarmte mich fester von hinten.
„Es tut mir leid, dass ich nicht früher erkannt habe, was mit dir passiert ist. Dass ich nicht früher die Augen offen hatte. Dass ich nichts tun konnte, um die Menschen, die ich liebe, zu beschützen. Dich, Mum und Emmett. Dass ich Dad nicht verändern konnte. Er hat mich manipuliert, Linda. Aber ich liebe ihn trotzdem und ich fühle mich, als wäre ich sein Gefährte in allen schlechten Dingen, die er getan hat, weil ich ihn trotzdem lieb habe, obwohl er so ein schlechter Mensch ist und er den Mann töten will, den ich am meisten liebe. Wie armselig das ist. Es macht mich schwach. Es macht mich so schwach. Ich weiß nicht, was ich tun soll, Linda. Ich fürchte ich werde aus diesem Alptraum nicht aufwachen. Ich fürchte mich vor Morgen. Weil ich nicht weiß, ob mich Dad morgen zwingen wird ohne Edward zu leben. So wie er Jasper jeden Tag zwingt ohne dich zu leben oder mich, wenn wir schon dabei sind. Ich hoffe, er tut nichts Falsches – etwas wofür ich ihn mein ganzes Leben lang hassen werde. Denn ich bin nicht Mum und auch nicht du, die beide so gutherzig sind und bereit den Menschen alles zu verzeihen. Das kann ich nicht. Je mehr Dinge ich über Dad herausfinde, desto mehr versuche ich mir einzureden, dass er noch immer der Mann ist, der mich in seinen Armen getragen hat, als ich klein war. Er war mein Held. Er war meine größte Liebe und er war alles für mich. Mein Freund, mein Dad, mein Bruder, mein Vertrauter, mein Idol. Er war mein Liebling und ich hätte ihm alles verziehen. Alles. Aber … jetzt. Die Gegenwart ist so anders und es wird nur noch schlimmer, ich fühle es, Linda. Ich wünschte, dass du hier wärst, um dich wieder fest umarmen zu können. Du würdest bestimmt wissen, was zu tun ist. Es gibt mehr, es gibt so viel mehr zu erfahren, Linda. Ich schwöre dir, ich werde auf den Grund dieser ganzen Sache gehen, denn der Gestank kommt von weiter unten.“ Edward drückte meine Hand fester in seiner. „Beschütz Edward, ja? Wirf ein Auge auf Emmett, Mum und Nana.“ Mein Kopf wanderte nach links, weil sich dort das Laub plötzlich zu bewegen begann. „Ist das ein Zeichen? Linda, bist du das?“ Mein Mund blieb offen, meine Augen fühlten sich mit Tränen und ich fühlte wie der Wind mein Haar streichelte und ich wusste nicht, ob ich verrückt war, aber ich roch ihren süßlichen Duft, fühlte ihre warme Umarmung. „Ich weiß, dass du hier bist.“ flüsterte ich und lächelte. Danach stand ich auf und Edward half mir dabei. Er nahm mich fest in seine Arme. „Es gibt keinen ärgeren Blinden, als den, der freiwillig nicht sehen will.“ Ich nahm meinen Ring mit dem Motiv einer Schlange von meinem Finger und legte ihn neben ihrem Grabstein ab. Danach ergriff ich Edwards Hand und ließ ihn mich hinausführen, durch die Reihen von Verstorbenen.

Als es dann auch noch zu regnen begann, seufzte Edward frustriert und ich lächelte. „Mach nicht so ein Gesicht.“ sagte ich Edward und er lächelte dann auch.
„Kurz nachdem ich dich kennengelernt habe, hast du im Regen getanzt. Du hast sogar deine Schuhe ausgezogen. Das hat mich überrascht.“ er zuckte die Schultern.
„Und mich hat geschockt, dass du dich als Clown verkleidet hast. Was wolltest du damit erreichen?“
„Würdest du mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich keine Ahnung habe, was ich dort gesucht habe. Ich war einfach dort, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der richtigen Person, weil es vorbestimmt wurde.“ Ich sah ihn einfach an. „Tanz mit mir, Bella.“ Es begann heftiger zu regnen. Die Regentropfen trommelten auf unsere Körper und er wollte, dass ich mit ihm tanzte. Ein breites dämliches Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus und ich reichte nach unten um meine hochhackigen Schuhe auszuziehen. Er grinste.
„So gehört es sich nun mal.“ zuckte ich die Schultern und packte meine beiden Schuhe in meine Hand. Von unten bis zu meinen Knien, war der Stoff meines Kleides bereits durchnässt, weil er dünner war, als der obere. Er klebte nass und unangenehm an meine Haut. Seine beiden Hände legte er auf meine Hüften, zog mich danach an sich, wartete bis ich meine Hände an seine breiten Schultern legte und mit einem sanften Lächeln begann er langsam uns hin und her zu schwingen. Dann presste er mich fester an sich und hob mich hoch und setzte mich auf seine Anzugschuhe ab. Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er lächelte und küsste sanft meine Lippen.
„Zu welcher Musik tanzen wir eigentlich?“ fragte ich ihn nach einer Weile, während sogar mein Höschen und mein BH nass wurden. Es gab nicht an meinem Körper, das noch trocken war. Wie denn auch, wenn es wie aus vollen Eimern schüttete?
„Brauchen wir denn Musik, um tanzen zu können?“ fragte er.
„Wir zwei? Nein, natürlich nicht. Wir sind auch so verrückt genug. Andere vielleicht schon, aber wir nicht.“ er begann zu lachen und ich stimmte mit ein.
„I´m singing in the rain, just singing in the rain. What a glorious feelin´, I´m happy again; I´m laughing at clouds; So dark up above; The sun´s in my heart......“ Ich rollte die Augen.
„Das Lied passt nicht, Edward.“ murmelte ich. Mit einer plötzlichen Bewegung hob er mich hoch, sodass meine Beine um seine Hüfte geschlungen waren. Ich sah ihn überrascht an.
„Küss mich!“ verlangte er und zog meinen Kopf zu sich herunter.
„Das Lied kenn ich doch gar nicht.“ nuschelte ich, bevor meine Lippen auf seinen lagen.




~MB~






Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt. ~ Erich Fried