Donnerstag, 5. April 2012

Chapter 13: Remember


Chapter 13:
Remember



Bella Swan:




In the End, we will remember not the words of our enemies, but the silence of our friends.“ ~ Martin Luther King, Jr.




Er trug mich auf seinen Armen. Ich fühlte seine Bewegungen bei jedem Schritt, den er nahm. Aber ich hatte die Augen fest geschlossen, tat so als würde ich schlafen. Ich hatte Angst. Angst die Augen zu öffnen und festzustellen, dass sich seit dem Tag, an dem sich meine Schwester das Leben nahm, nichts geändert hatte. Obwohl ich hart versuchte mich zu erinnern, wie es dazu gekommen war, warum sie es getan hat, aus welchem Grund sie entschieden hat aus dem Leben zu scheiden, musste ich gestehen, dass ich nichts verstand. Wieder einmal stand ich vor einer Wand voller Bilder. Bilder der Vergangenheit. Bilder, die mich glücklich und zufrieden zeigten und es fehlten andere Bilder. Bilder von dem Trümmerhaufen, den sie hinterlassen hat. Bilder von all den Dingen, die danach für mich keinen Wert hatten.

Ich hatte Geld. Ich konnte mir jedes Auto wünschen und im Nu würde es vor dem Haus meines Vaters geparkt stehen. Ich konnte nach Australien fliegen, bis ans Ende der Welt. Ich konnte. Aber ich wollte nicht mehr. Fester schlang ich die Arme um den Hals des Mannes, der mir Vieles beigebracht hat. Ich schuldete Edward so viel. Vielleicht war es in den Augen anderer nicht richtig, dass wir zusammen sind – das hatte mir Alice´ Verhalten beim Einkaufen gezeigt - , aber das bedeutete nicht, dass wir aufhören würden einander zu lieben. Gefühle verschwanden nicht einfach so. Es waren immer wir Menschen, die diese Gefühle – egal, ob es sich dabei um Trauer, Zorn, Wut oder Zuneigung und Liebe handelte -, wir Menschen waren es, die versuchten unsere Gefühle soweit beiseite zu schieben, dass wir ohne sie existieren konnten. Aber ich wollte nicht nur existieren, denn ich wollte nicht mein zukünftiges Ich dabei zusehen müssen wie es statt einen Grabstein - den ich schon seit vier Jahren nicht besucht hatte und mich deshalb so fühlte, als hätte ich Lindas Vertrauen missbraucht – viele andere besuchen musste. Ich fühlte mich als hätte ich ihr den Rücken zugedreht und sie verraten.

Zu diesem Zeitpunkt musste Edward bereits wissen, dass ich wach war, aber er sagte nichts. Ich hörte eine Tür knarren, als er sie aufmachte, während er mich in seinen Armen balancierte. Ich vergrub meine Nase tiefer zwischen seinem Hals und Schulter, sog seinen wunderbaren Duft ein und seufzte leise. Dann legte er mich auf ein Bett ab, machte sich nicht einmal die Mühe mir zu helfen meine Kleidung auszuziehen, drehte sich um und ging wieder hinaus, nachdem er mich zugedeckt hatte. Auch wenn er wusste, dass ich nicht schlief und deshalb so tat, weil ich nicht reden wollte, verbarg er es gut und drängte nicht. Er drängte nie. Wir alle wussten, was hier lief und obwohl sie versucht hatten, mich abzulenken, damit ich nicht an dem Selbstmord meiner Schwester denken musste, gab es keinen Weg daran vorbei. Ich schulde es ihr. Irgendwie. Ich wusste, dass ich irgendwann aufhören musste darüber zu trauern, aber es war zu viel, was in letzter Zeit passierte. In den letzten Wochen hatte ich so viel von Dingen erfahren, von Dingen, die Roboter-Bella niemals hätte erfahren können. Die ganze Situation war seit Jahren so gestrickt, dass ich niemals etwas erfahren konnte, auch wenn ich es gewollt hätte.

Ich presste meine Lippen fest aufeinander. Schloss die Augen fester. Bohrte meine Nägel ins Kissen unter meinem Kopf. Ich wollte nicht weinen. Ich wollte wirklich nicht. Ich wollte nicht einmal atmen. Alice, Jasper, Edward und ich befanden uns in Jaspers Wohnung. In der Wohnung, wo die drei – Jazz, Edward und Linda - glücklich gelebt haben. Glück wird in meiner Welt überbewertet. Es gab nicht einen einzigen Menschen der höheren Klasse, der nicht jammerte, dass er nicht mehr glücklich war. Linda wollte nie ein solcher Mensch werden. Sie hatte Pläne gehabt. Sie wollte heiraten. Sie wollte Kinder bekommen. Sie wollte leben.



Die Tür der Bibliothek war um einen Spalt geöffnet, gerade genug Platz, damit ich hineinspähen konnte. Ich versteckte mich hinter der Tür, weil ich nicht das Gespräch zwischen Daddy und Linda stören wollte, aber ihre Schreie und sein harter Unterton waren nicht zu überhören. Sie war gerade mal einige Tage hier und schon stand alles wieder auf den Kopf. Aber das machte mir nichts aus, denn meine große Schwester war ein Vorbild für mich. Wenn ich mal so groß wäre wie sie, wollte ich genauso tapfer, schön und stark sein. Meine Schwester war wie eine Spartanerin. Ich erwähne das nur, weil mein privater Lateinlehrer das heute erwähnt hat. Irgendwie mag ich das Wort Spartaner und deshalb benutze ich es. Aber ich weiß auch, dass sie sehr tapfer gewesen waren. Die tapfersten Krieger der Antike.

Du kannst nicht über mein Leben bestimmen, Dad. Du kannst nicht so tun als wäre alles in Ordnung und du kannst nicht Bella immer als Vorwand benutzen um deinen Willen durchzusetzen. Das nächste Mal wird es mir egal sein, Dad. Das nächste Mal nehme ich sie einfach mit nach New York. Mum würde es mir sicher erlauben, denn dann gebe es für sie keinen Grund bei dir zu bleiben. Sie würde es mir danken. Wir haben es alle satt dieses falsche Leben zu leben. Deine Frau zerbricht daran. Deine Tochter ist wegen dir gegangen. Emmett hat Depressionen, weil er sich vor dir fürchtet. Die Einzige, die du nicht gebrochen hat, ist Bella und wenn du ihr wehtust, Dad. Dann wirst du mich kennenlernen.“ Sie legte sich aufgeregt die Hand an die Stirn und sah ihn anklagend an.

Du wirst diesen armen Teufel nicht heiraten, Linda. Vergiss es! Ich werde es dir niemals erlauben. Du bist meine Tochter. Du bist eine Prinzessin im Vergleich zu ihm. Er verdient dich nicht. Was hat er dir schon zu bieten? Ich habe die Wohnung gesehen, in der du mit ihm und diesem anderen Blödmann lebst. Dieses Leben ist deiner nicht würdig. Hast du es nicht genug mit der Gefahr in der du steckst? Willst du mehr? Ich könnte ihn erschießen. Dafür muss ich nur einen Anruf tätigen. Zwing mich nicht zu diesen drastischen Maßnahmen.“ Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich und er lehnte sich nach vorne und stützte sich mit den Händen auf den riesigen Holztisch.
Oh Dad! Wenn du nur versuchen würdest zu verstehen. Es wird niemals etwas geben, das ich mir mehr wünschen werde als Jasper. Weißt du, was der Unterschied zwischen dir und ihm ist, Dad?“ Sie ließ ihre Hände in ihre Gesäßtaschen wandern und ich fühlte mich als hätte ich eine Linie überschritten. Wie ein Kind, das etwas Böses angestellt hat und dabei erwischt wurde. Ich sah ihr langes schwarzes Haar, wie es in kleinen Wellen über ihren Rücken glitt und ihren enttäuschten Blick, dem sie ihm zuwarf. „Jasper ist ein Mann, der sich nicht verstellen muss. Er ist so wie er ist. Er hat viele Makel, viele Fehler, viele Probleme. Ich weiß, dass ich nicht die Tochter bin, die du dir immer gewünscht hast und ich hoffe – ich hoffe wirklich, dass du es niemals schaffst, deine Wunschtochter aus Bella zu machen. Das werde ich nicht zulassen, Dad. Ich werde auch nicht zulassen, dass du mich erpresst, nur damit nicht mehr über mich in den Medien geschrieben wird, dass die Senatorentochter nicht mehr bei ihrem Vorzeigevater wohnt. Ich werde auch nicht zulassen, dass du Jazz etwas antust oder seinen Eltern. Außerdem weiß ich, was du früher getan hast, Dad. Du kannst deine Vergangenheit nicht verheimlichen, früher oder später holt sie einen ein und danach gibt es kein Zurück mehr. Danach werden alle zu dir sehen und dich mit diesem enttäuschten Blick ansehen. Alles, was du jemals getan hast, wird dich einholen. Jede einzelne Träne, die Mum wegen dir vergießen musste. Jede Träne der Frauen jener Männer, die du get....“

ES REICHT JETZT! Seid du und deine Mutter beide bescheuert? Es gibt und gab niemals etwas in meinem Leben, für das ich mich schämen musste. Es war mein Kampf und ich habe das erreicht, was ich wollte. Ich wurde berühmt. Ich werde verehrt. Ich bin ein Gott. Mächtig und stark. Es gibt niemanden, der mich zerstören könnte. Keine lächerlichen Beweise oder blödes Gerede, das meinem Ruf schaden könnte. Es braucht mehr als ein paar Wörtchen um mich am Boden zu sehen. Sollte ich versagen, wird ein anderer das fortführen, was ich angefangen habe. Deine Mutter, du und Bella werden immer unter Macht meiner ´Familie´ stehen.“

Sie sind nicht deine Familie, Dad. Warum kannst du nicht akzeptieren, dass nur Mum, Emmett, Bella und ich deine Familie sind. Nur wir lieben dich, so wie du bist. Alle anderen haben Angst vor dir. Aber mit deinem unmöglichen Verhalten zerstörst du alles. Du zerstörst Mum´s Liebe zu dir. Du enttäuschst sie. Du enttäuschst mich. Du enttäuschst uns alle. Warum kannst du nicht einfach ein Vater sein, der versteht. Warum kannst du nicht einfach akzeptieren, dass du Mum keine andere Wahl lässt, als vor Bella schlecht dazustehen. Du hast sie gezwungen zu studieren, nach all den Jahren, weil du dich nicht ihrer schämen wolltest. Dafür hast du die Kindheit deiner Tochter geopfert. Bella denkt, dass Mum sie nicht liebt, Dad. Und du nutzst das aus. Vielleicht machst du es sogar absichtlich. Aber ich sage dir eins – Ich werde nicht aufhören, bis ich an den Grund dieser Geschichte gegraben habe. Ich werde nicht zulassen, dass du aus Bella ein Monster machst, das blind deinen Befehlen folgt.“ Er lachte zynisch.

Wer hat dir diese Geschichte vorgegeigt? War es der Loser von deinem Freund oder dieser dämliche Cullen-Junge?“ Er setzte sich in seinen lederbezogenen Sessel und wirkte wie ein Tyrann auf seinem Thron. „Ich sage es ein letztes Mal, Linda. Hör auf, Baby. Dein Vater ist ein guter Mann. Falls es etwas Dunkles gibt, dann musst du wissen, dass ich es nicht aus freien Stücken getan habe. Ich wollte meiner Familie nur das Beste geben. Außerdem sind alle tot, die reden könnten und alle anderen habe ich unter meiner Gewalt. Es wird niemand wagen mich zu verpfeifen. Es gibt keine Not dein hübsches Köpfchen über mein Image zu machen. Der Name Swan wird sicher nicht in den Dreck gezogen werden.“ Er lächelte sie charmant an. Linda hingegen ging auf und ab.

Hör auf so zynisch zu sein, Dad. Es wird immer jemanden geben, der etwas weiß. Dann gibt es aber auch noch solche, die nicht zulassen werden, dass du sie zerstörst und nach deiner Pfeife tanzen lässt. Ich bin eine von den letzteren. Du bist also informiert. Ich werde Jasper Whitlock heiraten und ich freue mich, weil ich endlich nicht mehr `Swan` heißen muss. Ich schäme mich. Ich schäme mich, weil du mein Vater bist. Weil ich weiß, was du getan hast, Dad, und ich kann es dennoch nicht aussprechen, es niemandem sagen, weil ich dich trotz allem lieb habe und ich dich niemals verletzten würde. Aber du – du würdest nicht mal einen Finger in Bewegung setzen um etwas selbstlos für andere zu tun. Für mich. Du würdest mich lieber totunglücklich in deinem Haus sehen, als glücklich und an der Seite eines Mannes, den du nicht für mich ausgesucht hast.“ Sein Blick wanderte eiskalt zu ihren Augen und die Kälte bohrte sich in sie hinein.

Du irrst dich, Linda. Ich würde dich eher tot sehen als an seiner Seite.“
Schön, Dad. Dann werde ich nach Bellas Geburtstagsparty wieder gehen und du kannst so tun, als wäre deine ältere Tochter für dich gestorben.“ Sie wandte sich zur Tür. Ich zuckte zusammen, weil sie mich erspäht hatte. Sie rang sich ein Lächeln ab. Mein Herz schlug bis zum Hals und ich versuchte mein Gehirn anzustrengen, damit ich die ausgesprochenen Worte beider Parteien verstand. Aber nichts was sie sagten, ergab für mich einen Sinn.
Zwing mich nicht Dinge zu tun, die ich nicht tun will, Linda. Sei ein braves Mädchen und bleib hier. Nicht, dass du in einigen Jahren zu mir kommst und mich um Geld bettelst, weil dein Musiker deine Kinder nicht ernähren kann und du Geld brauchst.“
Ich brauche dein Geld nicht, Dad. Ich werde mein Geld mit meinen zehn Fingern verdienen und mir alles für mein Leben nötige erarbeiten. Ehrenhaft. Ich werde niemals so werden wie du. Das ist das letzte Mal, das du mich siehst, Dad. In einigen Tagen bin ich fort und ich verspreche dir: Ich werde dich niemals mehr stören.“ Sie hatte Tränen in den Augen. Aber aus Trotz reckte sie ihr Kinn und sah ihn an. Warum weinte denn meine Schwester?, fragte ich mich.
Linda, tu das nicht, Baby. Denn du wirst es bereuen.“ Es war eine Warnung aus seiner Stimme herauszuhören.
Es ist mir egal, Dad. Es ist egal, was du tust oder wie du es tust. Du kannst mich nicht manipulieren. Verstehe das endlich. Ich bin nicht dein Spielzeug und du kannst mich nicht lenken, wohin du willst. Ich werde niemals diese Person sein, zu der du mich mit diener Skrupellosigkeit machen willst. Ich kann nicht die Tochter sein, die du dir gewünscht hast. Wirklich. Noch habe ich dich lieb. Noch kannst du dich ändern. Noch ist nicht alles verloren. Du kannst für Bella ein besserer Vater sein, als du es für mich warst. Du kannst dich bessern. Du kannst aufhören an erster Stelle an dich zu denken. Du warst sicher mal ein guter Mensch, Dad. Keiner wird so geboren. Ich weiß nicht, wie dein Leben war, bevor du Mum kennengelernt hast. Vermutlich kann ich mir gar nicht vorstellen, was du durchmachen musstest, Dad. Aber der Punkt im Leben ist, deinen Kindern nicht dasselbe anzutun, was dir angetan wurde. Versuch es, ja? Versprich mir, dass du versuchen wirst, ein besserer Mensch zu sein. Bitte.“
Heirate ihn nicht, Linda. Ich bitte dich. Zwing mich nicht Dinge zu tun, die ich nicht tun will.“ Seine Stimme wurde heiser und auch er hatte Tränen in den Augen.
Dad!“ sie legte ihre Hand auf seine Wange. „Zwing mich nicht zwischen Jazz und dir auszuwählen. Die Liebe, die ich für euch beide empfinde, ist nicht miteinander zu vergleichen. Er ist der Mann mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will. Es könnte auch jeder andere sein. Aber du bist und bleibst immer mein Vater, mein Dad, der Mann, zu dem ich voller Stolz hinaufgesehen habe, als ich klein war. Zerstör das Bild in meinem Kopf nicht. Wenn ich zwischen euch beiden wählen müsste, dann würde ich mich für Jazz entscheiden.“ Sie drehte sich abrupt um und verließ den Raum. Als sie mich hinter der Tür lauschen sah, erhob sie drohend ihren Zeigefinger. Danach lächelte sie aber und legte ihren Arm um meine Schultern. Sie lächelte zu mir herunter und zeigte mir das Grübschen auf ihrer rechten Wange, das sie noch schöner aussehen ließ. Das Letzte, das ich aus der Bibliothek hörte, bevor mich Linda in die Küche zog, war der herzbrecherische Ausdruck auf Dad´s Gesicht.
Ich wünschte, deine Mutter hätte dasselbe für mich getan, Linda.“ sagte er als Letztes. Ich sah wie er die Tür zur Bibliothek schloss und sich vor der Außenwelt verbarrikadierte.

Also, was willst du trinken, Kleines?“ fragte mich meine große Schwester als wir die Küche erreichten. Lächelnd sah ich sie an.
Egal.“ antwortete das neugierige 11-jährige Ich. „Warum hast du mit Dad schon wieder gestritten, Linda?“ fragte ich interessiert.
Etwas zu trinken, das `Egal´heißt, haben wir leider nicht.“ Sie sah mir tief in die Augen und ihre blauen strahlten vor Glück. „Ich werde Jazz heiraten. Dad gefällt die Idee nicht. Aber das macht nichts. Er wird sich damit abfinden müssen.“ Sie zwinkerte mir zu.
Und bist du schon aufgeregt, wegen deiner Hochzeit? Ich will das Blumenmädchen sein. Darf ich?“ Ich hüpfte auf meinem Stuhl herum, weil ich so aufgeregt und glücklich für meine Schwester war.
Wenn du nicht das Blumenmädchen bist, dann wer sonst?“ fragte sie und umarmte mich liebevoll, zwickte mir danach in die Hüfte. Lächelnd hielt sie meine Hand in ihrer und lehnte ihre Stirn gegen meine.
Es scheint alles so gut zu gehen, dass ich es für eine Illusion halte. Ich bin glücklich trotz allem. Ich verspreche dir etwas, Bella. Du wirst auch glücklich sein. Du hast mich und ich werde nicht zulassen, dass dich jemand enttäuscht. Hm?“ Ihr Zeigefinger stupste meine Nasenspitze an. Ich grinste.
Okay!“ antwortete ich und nahm mir ein Stück Schokolade, das auf dem Tisch stand.


Ich konnte es nicht verhindern, dass diese Erinnerung glasklar in mein Gehirn einströmte. Jetzt ergab sie Sinn. Die Worte meiner Schwester. Dad´s Worte. Ich verlagerte meinen Körper und drehte mich auf den Rücken, mit meinem Handrücken wischte ich sauer meine Tränen weg. Sie hatte für mich da sein wollen. Wann hatte sie damit aufgehört? Sie war stark und ich hatte recht. Sie war eine wahre Kriegerin. Sie hätte immer weiter gekämpft. Sie … Sie … hätte Jasper niemals so zurückgelassen. Selbst wenn sie geglaubt hatte, dass ihre große Liebe tot war. Selbst dann hatte sie Edward. Sie hatte mich. Was hatte sie gefühlt, als sie zum letzten Mal die Augen schloss und aufhörte zu atmen? Mein eigener Atem war zittrig und ich bemühte mich nicht am ganzen Körper wie ein Blatt zu zittern.

Als Edward wieder ins Zimmer kam, wischte ich mir wieder die Tränen weg und zog die Decke bis zu meiner Nase. Ich wollte nicht, dass er mich so sah. Ich wollte nicht, dass er dachte, ich wäre schwach. Ich wollte meine Tränen und meinen Schmerz für mich behalten. Ich schniefte und er drehte seinen Kopf zu mir. Sogar in der Dunkelheit des Zimmers sah er wie ein Gott aus. Aber es war nicht nur seine äußere Schönheit, die zählte. Viel mehr waren es seine inneren Werte. Mit all seinen Narben, mit seinem aggressiven Verhalten, mit seiner impulsiven Art. Seine leidenschaftliche Weise zu leben. Seine Meinung. Seine Gedanken und Gefühle. All das zählte unglaublich viel für mich.




(Beyonce - I was here)




Baby?“ fragte er und setzte sich an die Bettkante. „Schläfst du denn nicht?“ Er streichte eine Haarsträhne, die sich auf mein Gesicht verirrt hatte, weg und ich packte seine Hand und hielt sie fest. Ich wagte es nicht eine Reaktion von mir zu geben. Ich sah ihn einfach an, ließ zu, dass der Schmerz mich von innen zerfraß. Ich ließ die Barriere, die mein Herz ganze 364 Tage umgab, fallen und hielt sie nur an einem einzigen Tag hinunter. Er legte sich neben mich, machte sich gar nicht die Mühe unter die Decke zu schlüpfen und verschränkte sich die Arme vor seiner Brust. Nachdem einige Minuten vergangen waren und ich mir gar nicht die Mühe machte Wörter zu formulieren, setzte er sich wieder auf. Er schlug energisch die Decke zu, packte mich am Arm und zog mich aus dem Zimmer. Ich protestierte nicht. Mein Innerstes fühlte sich so an, als gäbe es mindestens Hundert Löcher, die mein Herz voneinander rissen. Als er mich durch den ganzen Flur zog und mich gegen eine Tür stieß, erntete er ein schmerzerfülltes Stöhnen.

Ich will, dass du da reingehst in dieses Zimmer.“ Ich verlor mich in seinen grünen Augen und verspürte den Drang seine fantastischen Lippen zu küssen. Verwirrt sah er zwischen meinen Augen und meinen Mund hin und her, entschied sich jedoch mir weiterhin in die Augen zu sehen. „Genieß es, Baby. Ja? Lass den Schmerz nicht deine guten Gefühle verdrängen. Weißt du, was dir niemand nehmen kann, Baby? Keiner. Niemand jemals. Auch wenn sie es unablässig versuchen.“ Er liebkoste meine Wange mit seinem Daumen, malte kleine und sanfte Kreise auf meiner Haut und ich fühlte sanfte kribbelnde Wellen durch meinen Körper rasen. Ich wusste nicht, wovon Edward sprach, aber das war auch egal, denn es wirkte beruhigend auf mich seine Stimme zu hören. Er könnte mir den Verlauf der Französischen Revolution runterrattern und ich hätte ihn trotzdem fasziniert angesehen. Erst dann realisierte ich, dass er mir eine Frage gestellt hat und zwang mein Gehirn soweit zu funktionieren, dass ich mich an seine Frage erinnerte.
Was denn?“ fragte ich mit kratziger Stimme.
Deine Erinnerung. Das – dieser Moment, der jetzt so normal erscheint, der sehr gewöhnlich ist, es wird dieser Moment sein, der irgendwann für dich heilig sein wird. Genau aus diesem Grund ist die Erinnerung unbezahlbar. Keiner kann dir diese schönen Momente zurückbringen. Dieses Zimmer ist heilig für uns, Bella. Für Jazz und mich – im Speziellen für ihn, war dieses Zimmer das einzig Heilige, das wir in den letzten Jahren kannten. Dieser Heiligtum ist unbezahlbar.“ Sobald ich etwas wie Schmerz in seinem Blick erkannte, wandte er seinen Kopf ab und drehte den Türknauf. Die Tür knarrte leise, als er sie aufriss und mich sanft hineinschob. Meine Schritte waren zaghaft und berechnet. Ich wollte nicht in die Privatsphäre von jemanden treten, außerdem wusste ich gar nicht, was mich hier erwartete. Niemals in meinem Leben hätte ich damit gerechnet. Sobald das Licht an war und ich vor vier Wänden stand, die mit Millionen Bildern einer dunkelhaarigen Frau tapeziert waren. Da war das große Bett mich rotem Laken, ein Schminktisch mit vielen Schmuckstücken darauf verteilt, ans Fenster geschoben, war ein Schreibtisch und an der Wand gegenüber dem Bett stand ein Fernseher. In diesem Zimmer gab es mindestens sieben Lampen, fast in jeder Ecke, am Boden, auf dem Schreibtisch, sogar am Boden neben dem Bett, wo ein orangener Laptop mit vielen bunten Stickern lag. Ich stand mitten im Zimmer und drehte mich im Kreis. Es waren überall Bilder einer Frau, die mir so bekannt vorkam und doch so fremd, denn das zufriedene und glückliche Lächeln, das Grübchen auf ihrer rechten Wange, das hatte ich noch nie so oft gesehen wie auf diesen Bildern. Das Grübchen erschien nur, wenn sie lächelte und auf diesen Bildern tat sie es ständig.

Mein ganzer Sauerstoffvorrat wurde auf einmal aus meinen Lungen gedrückt und ich fand mich keuchend auf den Boden des Zimmers vor, saß innerlich ohnmächtig auf diesem flauschigen Teppich. Sie hatte das Licht geliebt. An ihrem Fenster hatte sie immer Lämpchen befestigt, ob es nun Weihnachten war oder nicht. Ich blendete alles aus. Nur ich war da, in ihrem Zimmer in New York und fühlte mich ihr so unglaublich nahe. Jeder einzelte Moment unserer Kindheit, unserer gemeinsamen Zeit strömte gleichzeitig in meinen Kopf. Ich sah jeden auch noch so kurzen Moment, sah wie sich der Ausdruck ihrer Augen veränderte, wie ihr Lächeln breiter wurde. Ich hatte in meinem Kopf mehrere Milliarden Bilder von ihr, das mein Gehirn verlässlich gespeichtert hatte. Nicht wissend, wo ich mich überhaupt befand, ob verloren in meiner Erinnerung oder irgendwo in einer Zwischenwelt, stand ich entschlossen auf meine Beine, bekam verdammte Panik und wollte aus dem Zimmer stürmen.

Weglaufen bringt nichts, Baby.“ Er stellte sich mir in den Weg und hielt mich in seinen Armen gefangen. Mein ganzer Körper zitterte. Ich wollte nicht hier sein. Ich verstand nicht, warum er das tat. Wollte er mich weinen sehen? Wollte er am Boden zerstört sehen? Wollte er mich verdammt nochmal sterben sehen?
Lass mich … lass mich gehen … Edward, ich kann nicht …. Das ...“ Ich war blind vor Tränen, die unnachgiebig über meine Wangen liefen. „Bitte! Bitte!“ Ich schloss meine Augen, wollte, dass die Bilder hinter meinen geschlossenen Augen endlich aufhörten vorbeizuziehen. Ich wollte, dass es aufhörte. Meine Finger waren in seinem T-Shirt fest gekrallt.


Mum?“ Ein Flüstern. Entsetzen. Schock. Der Zustand der absoluten Sprachlosigkeit. Dann … „ Mum! MUM! MUM, MUM!!!!“ Das Kreischen. Der Schmerz, der meine Brust erfüllte. Er schwappte über. Das Gesicht blass. Wunderschön. Aber blass. Leblos. Blut. Viel Blut. Meine Tränen. Noch mehr Tränen. Immer mehr. Unglauben. Das Gefühl, das sich Millionen von kleinen spitzen Partikeln sich in deine Haut bohren. Plötzlich raubt es dir den Atem. Du realisierst. Du realisierst plötzlich, dass du verloren hast. Du fühlst wie dein Herz in zwei gebrochen wird. Wie etwas in dir reißt. Schwapp – ein weißes, unbeschriebenes Blatt entzwei. Aber es bedeutet nichts mehr. Du realisierst … Realisierst, dass du nichts mehr tun kannst. Du …


Nein!“ Ich begann zu treten. „Nein! NEIN!“ Fuck, nein. Ich wollte das nicht nochmal erleben. Nein. In diesem Zustand wusste ich gar nicht mehr, ob ich kratzte, biss, schlug oder alles zerstörte.
Hey!“ Er legte die Arme von hinten um meinen Oberkörper und als ich wieder die Augen aufschlug, sah ich, dass die Arme in Richtung Bett ausgestreckt hatte. Meine Finger waren so verkrampft und ich fühlte keinen Tropfen Blut in meinem Körper. Nichts. Mir war überhaupt nicht klar, ob ich überhaupt etwas fühlte. „Bella! Bella, beruhige dich, Baby.“ Seine Arme waren fest um mich geklammert und er schaffte es sogar mich zu sich zu drehen. Er nahm mein Gesicht zwischen seine Hände. Etwas in seinen Augen hatte sich verändert. Er sah verletzlicher aus.
Hast du genug … oder willst du mich noch quälen? Willst du …“ Ich legte meinen Arm vor meinen Augen und öffnete den Mund um leichter atmen zu können.
Baby, warte! Komm her.“ Er ergriff meine Hand und im ersten Moment wollte ich ihn wegstoßen, ihn ohrfeigen, ihn … Aber es war doch nicht seine Schuld. Es war nicht seine … Schuld. Er setzte sich auf das Bett und nahm mich auf seinen Schoß.
Kannst du etwas für mich tun?“ bittend, aus traurigen Augen, sah ich ihn an. Er nickte. „Bring mich nach Hause, Edward.“ Ich war so müde – und ich war es leid. Ich war es wirklich leid das zu fühlen. Es nach wie vor so intensiv zu fühlen. Das war keine Trauer. Das war kein Schmerz. Das war nicht mehr normal. Es war eine Tragödie. Dabei fühlte ich mich so als hätte ich das verdient. Irgendwie. Ich hatte das Gefühl durchdrehen zu müssen. „Ich wollte nicht, dass das passiert. Sie wollte auch nicht. Sie wollte leben. Sie wollte leben. Sie wollte Jasper heiraten. Sie hat ihm gesagt, dass er sie nicht zwischen ihm und Jazz zu entscheiden zwingen soll, weil sie immer Jazz vorziehen würde. Und er … er hat ihr das Herz gebrochen. Er wollte sie bei ihm Zuhause behalten, weil er sich Sorgen über die Medien gemacht hat.“ Ich war so wütend. Ich war so unglaublich wütend. Er hatte mich manipuliert, genau wie es Linda schon kommen gesehen hatte. Ich stand von Edward Schoß auf und er riss seine Augen nicht von mir los. „Sie hatte Pläne. Sie hat bereits ihr Hochzeitskleid ausgesucht. Genau heute vor vier Jahren kam das Hochzeitskleid an. Sie hat es getragen als ich sie fand. Sie …“ Ich versuchte Worte zu finden. Versuchte mit meinen Händen zu erklären wie entsetzlich es war. Versuchte nicht zu weinen. Aber diesen Kampf verlor ich. Ich konnte nicht mehr gegen die Tränen ankämpfen. Die Leere in meinem Herzen war umgreifend. Da war er wieder, legte meine Arme um seinen Nacken und hob mich hoch. Mit mir zusammen setzte er sich auf den Boden und lehnte seinen Rücken gegen das Bett. „Es tut weh … hier drinnen …“ Ich legte meine Hand auf seine Brust, dort wo sein Herz war. Beruhigend, sanft küsste er meine Stirn. Seine Lippen fühlten sich warm und angenehm auf meiner kalten Haut an. Ich zitterte am ganzen Körper, ich wusste nicht, ob mir kalt war oder nicht. Mein Körper war taub. Ich blickte zu ihm. Er streichelte mein Haar beruhigend, besänftigend, als könnte er mit seinen Händen jeden Schmerz wegzaubern. Er fuhr sich mit der rechten Hand über die Augen. Das bewegte mich dazu, mich aufrecht hinzusetzen. Ich legte meine Hände auf seine Wangen. Dann lehnte ich meine Stirn gegen seine. Obwohl die feuchte Spuren auf seinen Wangen ihn verrieten, verloren wir kein Wort darüber. Was hätte das schon geholfen?
Genau aus diesem Grund wollte ich nach Seattle kommen. Deshalb habe ich den Job bei deinem Vater akzeptiert.“ Er legte seine beiden Hände auf meine Wangen. Durchdringend sah er mir in die Augen. „Ich verdiene dich nicht, Baby. Du bist viel zu gut für mich. Für dich will ich ein besserer Mensch sein. Für dich würde ich alles sein. Sag mir, was ich für dich tun soll und ich tue es für dich. Sag mir, was ich für dich sein soll und ich werde es sein. Für dich. Allein für dich.“ Er redete auf mich ein. Ernst. Durchdringend. Entschlossen.
Sagtest du, du wärst mein Mann? Nur meiner. Dann hör zu und merk es dir endlich, Cullen. Du bist es wert. Weißt du warum? Weil ich dich liebe. So wie du mein Mann bist, bin ich deine Frau. Hast du es jetzt kapiert? Ich schwöre es bei der Erinnerung an meine Schwester. Du bist der Einzige und das wirst du immer bleiben. Der erste Sonnenstrahl am Morgen. Der erste Gedanke, wenn ich aufwache. Das Erste, was ich neben mir sehen will, wenn ich meine Augen aufschlage. Wenn ich könnte, würde ich dich an mich binden auf jede menschenmögliche Art. Ich würde deinen Geruch festhalten. In deinem Geschmack ertränken. Ich will, dass du das immer präsent hast. Was auch immer passiert. Es hat sich gelohnt. Ich werde niemals etwas davon bereuen können. Niemals. Solange ich ich bin. Solange du du bist. Solange wir wir sind. Bis wir beide aufhören zu atmen, haben wir nicht verloren. Jetzt verstehe ich, was du gemeint hast, Edward. Ich kann nicht mit der Angst leben, dass du bald sterben wirst. Weißt du warum? Weil er mich dadurch zwingen wird ein Leben zu leben, das ich für mich nicht ausgesucht hätte. Sobald er einen von uns getötet hat. Denn er wird es tun. Um seinen eigenen kriminellen Arsch zu retten, würde er sogar sein eigenes Fleisch und Blut verkaufen.“ Er umfasste meine Wange fester.
Bella – nein! Du darfst nicht so denken. Er wird immer noch dein Vater sein. Immer. Das wirst du niemals ändern können.“ Er schüttelte entschieden seinen Kopf mit gerunzelter Stirn. Edward war einfach zu gut für diese Welt. Für ihn zahlte es sich aus alles zu tun. Alles.
Wenn ich könnte, würde ich es ändern. Glaub mir!“ Ich legte meine Hände über die seinen.
Ich bin hier immer noch der Mann. Ich muss dich beschützen. Klar? Nicht du mich. Ich habe zehn Jahre mehr gelebt, als ich eigentlich sollte. Ich bin ein Überlebenskünstler. Mach du dir mal keine Sorgen um mich.“ Als er mich so herzbewegend schief angrinste, küsste ich sanft seinen Mundwinkel.
Cullen, ich werde deinen Namen tätowieren lassen. Hier …“ Ich schob den Saum meines Rockes leicht hinunter und legte seinen Zeige – und Mittelfinger auf meinem linken Hüftknochen. „Genau dort.“ Er atmete schwer. Ich senkte ebenfalls die Lider. Seine Hand fuhr meine Wirbelsäule hinauf und ich seufzte leise. Mein Herz schlug fieberhaft. Es wollte zerspringen.
Mein endlos warmer Regen. Das Wasser für einen Durstigen. Die Augen für einen Blinden. Die Stimme für einen Gläubigen. Das Herz der herzlosen Welt.“ Stirn an Stirn. Atem mit Atem vermischt. Wünsche mit Wünschen verbunden. Die Zukunft zweier Menschen festgelegt. Am Ende ist jede Berührung heilig. Sie wird zwischen vier Wänden geteilt und dort versteckt.

Wenn sich zwei Menschen wirklich lieben, aus ganzem Herzen und mit einer Energie, die sie vorher gar nicht hatten, waren sie im Kampf nicht nur zwei Menschen. Sie waren vier. Diese vier verdoppelten sich bis diese Liebenden nicht nur zwei einfache Menschen waren, sondern unglaublich viele. Dann war die Liebe aller Vorfahren in diesen zwei Menschen verankert. Dann war da nicht die Liebe zweier Menschen. Es war die Liebe aller Menschen zusammen, die in diesen beiden lebte.







~MB~





Ich weinte nicht. Alle Male konnte ich noch auf meinen Fingern zählen. Ich weinte nicht oft. Ich war kein Mensch, der nahe am Wasser gebaut war. Aber wenn ich weinte, dann tat ich es ordentlich. Stundenlang. Bis keine Träne mehr vorhanden war. Ich sah mich im Spiegel an und wunderte mich nicht einmal, dass ich fette Augenringe hatte. Meine Augen waren rot gerändert und geschwollen. Die ganze übrige Nacht hatte ich mich hin und her geworfen. Schlaf konnte ich trotzdem keinen finden. Es war sowieso sinnlos. Wenn so viele Gedanken durch meinen Kopf rasten, dann war nicht an Schlaf zu denken.

Da gab es aber diesen gewissen Mann, der die ganze Nacht über mit seinem warmen Körper gegen meinen Rücken gepresst war, die Arme mit meinen verwoben und unter dem Kissen versteckt. Er hatte die ganze Nacht geredet, weil ich ihn darum gebeten habe. Seine Stimme wirkte so beruhigend auf mich. Über das Waschbecken gebeugt, wusch ich mir das Gesicht und danach putzte ich mir die Zähne. Ich hatte Edwards Zahnbürste gekidnapped, aber – pssst – sagt es nicht weiter. Als ich aus dem Badezimmer hinaustrat, ging ich an dieses Zimmer vorbei. Ihr wisst schon welches Zimmer. Es war ein Spalt offen durch den ich hineinsehen konnte. Gerade genug, dass ich Jaspers blonde Locken erspähen konnte – eine Scotchflasche auf dem Boden – und sein Gesicht hatte er in einem der Kissen vergraben. Ach, Linda, dachte ich und biss mir auf die Unterlippe. Wenn du nur wüsstest, wie du diesen Mann zurückgelassen hast. Uns alle. Ich entschied mich Jasper nicht zu stören. Jeder trauerte auf seine eigene Art.

Aus diesem Grund und weil ich ihm Freiraum geben wollte – immerhin war ich hier in seiner Wohnung, nicht er in meiner – wanderte ich in die Küche. Überrascht blieb ich stehen als ich Alice auf dem Küchentisch sitzen sehen sah, neben ihr eine rot-weiße Tasse.
Morgen, Alice. Wie geht es dir?“ fragte ich freundlich und drehte mich um. Da saß sie wie angewurzelt. Irritiert, weil sie nicht antwortete, drehte ich mich zu ihr um und sah wie sie ihre Hände auf ihrem Schoß knetete. „Alice?“ fragte ich nochmal und näherte mich ihr. Vorsichtig legte ich meine Hände auf die ihren und zwang sie mich anzusehen. „Was ist denn los, Tinkerbell?“ Tut mir leid, Baby, aber diesen Spitznamen muss ich einfach stehlen, denn es war einfach zu süß wie er seine Schwester nannte.
Oh, Bella. Es tut mir so leid.“ Ich war perplex als sich die kleine Alice, die ganz sicher einige Jährchen älter war als ich, um den Hals warf und mich an sich drückte. „Jazz und ich, wir haben in der Nacht deine Schreie gehört. Hätte uns Edward nicht gesagt, dass er dich in dieses Zimmer bringen will, hätten wir gedacht, dass dir jemand das Herz rausreißt.“ Buchstäblich, Alice. Mit vor Schock geweiteten Augen sah sie aus als wäre sie aus einem Horrorfilm entsprungen. „Jazzy musste sich danach betrinken um diesen Schmerz auszuhalten. Er … liebt deine Schwester noch immer, Bella.“ Ich umarmte Alice fester, weil sie so aussah als würde sie es brauchen.
Welche Rolle spielst du in seinem Leben?“ fragte ich sie einige Minuten später um Alice besorgt.
Ich bin der Trostpflaster.“ Sie lächelte herzzerreißend. „Wäre es jede andere Frau, dann könnte ich wenigstens etwas tun. Aber Linda … ist tot. Sie ist nahezu heilig. Das respektiere ich wirklich, aber es gibt nichts, was ich tun kann um es ihm leichter zu machen. Er wird sie immer lieben. Er …“ Da brach die kleine Alice in Tränen aus. Ihre Schultern bebten. Das Gesicht hatte sie hinter ihren Händen versteckt. Es baute sich ein trauriges Gefühl in mir auf.
Alice?“ Ich nahm ihre Hände weg von ihrem Gesicht. „Meine Schwester ist tot. Du hingegen lebst. Du kannst um ihn kämpfen. Sie nicht. Du hast ein ganzes Leben vor dir um für deine Liebe zu kämpfen. Sie kann ihn dir nicht wegnehmen. Er kann auch nicht von seiner Erinnerung an sie leben. Hm? Sie ist auf eine tragische Weise gestorben und das kann keiner von uns verstecken.“
Weißt du, Bella, … Für jemanden will ich Linda sein. Für jemanden will ich heilig sein. Weißt du, er wollte in der Nacht schauen gehen, ob Edward alles im Griff hat. Er hat gehört wie du sagtest, dass Linda ihn heiraten wollte. Er hat wie ein kleines Kind geweint und ich war diejenige, die ihn getröstet hat.“ Sie lächelte traurig und versuchte die Tränen zurückzudrängen. „Er hat sie gefragt, ob sie ihn heiraten will und dann musste sie nach Seattle reisen. Sie hat ihm die Antwort nicht gegeben. Sie sagte, sie bräuchte Zeit um darüber nachzudenken. Sie kam nicht dazu ihm diese Antwort zu geben. Ihr Verlobungsring steht noch immer in seinem Schlafzimmer auf dem Nachttisch, als würde er hoffen, dass sie eines Tages wieder zurückkehrt.“ Ich konnte nichts dafür, dass sich bei diesen Worten eine Gänsehaut auf meinem gesamten Körper ausbreitete. Ich war blank. Perplex. Wusste nicht, was ich sagen könnte um es ihr leichter zu machen.
Ally, Jasper hat dich gern. Das sieht man. Wahrscheinlich weiß er einfach nur nicht wie er mit seinen Gefühlen umgehen soll. Hab Geduld, lass ihm Zeit. Hm? Es wird alles wieder gut!“ Fuck, versuchte ich gerade jemanden zu trösten? Da lief irgendwas wirklich falsch. Wenn ich an der Reihe war zu trösten, dann wusste ich auch nicht.
Ich werde versuchen ihn so zu lieben, wie er es braucht.“
Versuche das für ihn zu sein, das er sich wünscht.“
Linda.“ antwortete sie. „Es gibt nichts anderes, was sich Jazz mehr wünschen würde als sie. Aber Bella, ich kann nicht Linda sein. Für ihn wäre ich es. Aber ich kann nicht.“ Scheiße, was lief hier falsch? Wo war die Pointe? Ich finde das echt nicht witzig. Sagt mir bitte, wann ich lachen muss. Denn dieser Witz ist echt nicht gelungen. Welche Scheiße hier auch gewoben wird, zum Lachen finde ich es nun wirklich nicht. Alice sollte glücklich sein. Jasper sollte glücklich sein. Edward. Doch jeder einzelne Mensch hatte eine Bürde, etwas, das schwer auf seinem Herzen lastete und das er nicht lösen konnte. Er konnte sich einfach nicht losreißen von den Dingen, die ihn noch immer zu dieser Bürde verbanden.

So gingen wir immer einen Schritt nach vorn und drei weitere zurück. Es schien unmöglich zu sein einfach voranzukommen. Über diese Bürde hinauszuwachsen und nicht mehr ständig in die Vergangenheit zurückzublicken.





~MB~








Linda!“ kam es nuschelnd aus seinem Mund. Mit geschlossenen Augen wandte er sich auf die andere Seite und drückte seine Nase in ihren Kissen. Diesmal war ich vorbereitet auf die ganzen Bilder meiner Schwester und diesmal machte ich mir keine Gedanken darüber. Nun gut, sagen wir mal die Wahrheit, ich versuchte hart mich nicht auf die Bilder meiner Schwester zu konzentrieren. Ich musste das richten, für Linda, für Jasper, für Alice. Es fühlte sich an wie eine Botschaft aus dem Jenseits, die ich in meinem Herzen fühlte, aber nicht erklären konnte. Jasper und Alice verdienten es zusammen und glücklich zu sein. Als ich das Bett erreichte, rüttelte ich sanft an seiner Schulter. „Jasper!“ versuchte ich es nochmal, doch er reagierte nicht. Anscheinend musste er zuerst seinen Rausch ausschlafen. Ich begann so richtig wütend auf ihn zu werden. Wie konnte er es wagen sich bei Alice auszuheulen, wenn er wusste, dass sie ihn liebte? Fuck! So etwas machte man einfach nicht. Aus der Küche holte ich mir ein Glas mit Wasser gefüllt und kippte es über Jazz´ Gesicht. Sofort wurde er wach und schnappte entsetzt nach Luft.

Sag mal, bist du bescheuert?“ Mit der flachen Hand fuhr er sich über das Gesicht und sah mich durch seine zusammengekniffenen Augen an.
Krieg dich wieder ein, Cowboy.“ antwortete ich nonchalant und sah ihn gereizt an.
Warum hast du mich überhaupt aufgeweckt? Um dich über meine Lage lustig zu machen?“ Ich rollte die Augen.
Glaubst du, ich würde mich über den Tod meiner Schwester lustig machen. Denk zuerst über das nach, was du sagst.“ Er fuhr sich über das Gesicht mit beiden Händen und seufzte resigniert. „Bella, tut mir wirklich leid. Ehrlich! Ich bin nur immer an diesem Tag beschissen drauf. Linda, meine Eltern, das ist einfach zu viel für mich.“ Ich drückte seine Hand kurz und beobachtete sein verzerrtes Gesicht. Er tat mir schon leid. Jemanden zu verlieren – so zu verlieren – war hart. Keiner wusste das besser als ich. Okay, vielleicht Jazz.
Es tut mir echt leid, Jasper. Ehrlich! Das alles hätte niemals passieren dürfen. Linda, sie … und deine Eltern, das … das war ein Unfall und ich … Ich verstehe dich!“ Seine Augen zeigten eine unendliche Traurigkeit, die mich schmerzte, ehrlich. Denn ich sah denselben Schmerz, den ich in meinem Inneren fühlte. „Aber es ist meine Aufgabe dir zu sagen, dass du mit deinem Verhalten eine andere Person zerstörst, die dafür nichts kann. Eine Person, die für dich da sein will, die du aber nicht das für dich sein lässt, was sie für dich sein will. Jasper, so leid es mir tut das zu sagen, Linda wird nicht zurückkehren. Wenn man die Toten zurückholen könnte, dann hätte ich es längst getan, weil ich sie genauso vermisste und ich mir ihren Selbstmord nicht erklären kann. Das alles ist auf eine so tragische Weise geschehen, dass es uns für den Rest unseres Lebens geprägt hat. Das wird immer der wunde Punkt in unserem Herzen bleiben. Der Trick dabei ist nicht unterzugehen, denn sie hätte gekämpft. Linda, sie hätte gekämpft ...“ Traurig lächelte er mich an. Ich sah das gebrochene Lächeln und er drückte meine Hand kurz.
Ich hätte das niemals tun dürfen. Ich habe sie in eine ungünstige Lage gebracht, als ich sie fragte, ob sie meine Frau werden wollte. Ich habe sie vor der Wahl gestellt. Das hätte ich niemals tun dürfen, Bella. Ich habe dir deine Schwester weggenommen und das tut mir ehrlich leid.“ Ich schüttelte den Kopf.
Nein, Jasper. Meine Schwester war hier glücklich. So glücklich wie noch nie zuvor. Dafür muss ich dir danken, denn du hast sie fühlen lassen, was es bedeutet jemanden wirklich mit ganzem Herzen zu lieben. Sie ist gegangen nachdem sie die wahre Liebe erfahren hat.“ Er strich sacht über meine Wange und lächelte leicht.
Weißt du? Ich habe es vermisst das zu hören. Das tut mir gut. Es lässt mich denken, dass es nicht falsch war, sie heiraten zu wollen.“
Natürlich war es nicht falsch, Jasper. Hätte sie es überlebt, hätte sie ja gesagt, denn sie wollte dich heiraten. Sie hat sogar ihr Hochzeitskleid bestellt und …“ Ich musste ihm nicht sagen, dass sie es getragen hatte, als ich sie tot vorgefunden hatte. „Aber jetzt hast du eine neue Chance. Du hast Alice, die dich liebt und die endlich darauf wartet, dass du ihr die Chance gibst, dir zu zeigen, wie sehr sie dich liebt. Jasper, sie verdient diese Chance. Du verdienst es wieder glücklich zu sein. Du verdienst es wieder zu lieben und zu leben. Dich selbst zu quälen und dich selbst bestrafen, weil Linda tot ist, wäre so feige. Du musst dich Alice stellen. Du musst dich deinen Gefühlen stellen, denn ich weiß, dass es sie gibt. Ich weiß, was ich gesehen habe. Mich kannst du nicht in die Irre führen.“ Wenigstens ließen ihn meine Worte nachdenklich zurück.

Ein Klopfen an der Tür ließ uns beide die Köpfe wegdrehen. Zaghaft lächelnd stand Alice im Türrahmen und grinste uns unschuldig an. „Sorry Leute, aber ich wollte euch meine Muffins probieren lassen. Die schmecken echt gut!“ Ich lächelte sie an, blickte zu Jasper drückte nochmal seine Hand und ließ die beiden dort mit den Muffins stehen. Eine Gänsehaut zog sich über meinen Körper und ich schloss die Tür hinter mich, als ich den Raum verließ und Alice ihn betrat. Ihr schenkte ich noch ein hoffnungsvolles Lächeln. Sie mussten es schaffen! Lieber Himmel, lass die beiden einfach glücklich werden. Sie verdienen es beide. Bitte!

Leise öffnete ich die Tür zum Schlafzimmer meines Babys und trat ein. Er war wach und saß angewurzelt auf der Mitte des Bettes. Der Abdruck des Kissens auf seine rechte Wange ließ mich grinsen. Sein Haar stand in allen Richtungen ab und seine Augen waren Grasgrün, so grün wie noch nie, oder vielleicht kam es mir nur so vor.
Du warst weg! Ich habe die Augen aufgemacht und du warst nicht da.“ beschwerte er sich, danach schlug er die Decke zurück, erhob sich elegant vom Bett, legte die Arme um mich und hob mich hoch. Ich quietschte auf als er mich fest gegen seinen Körper drückte. Was für eine Begrüßung, das könnte er öfter so machen.
Tut mir leid, ich musste zwei Liebende zusammenbringen.“ Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln.
Huh?“ Er hob die linke Augenbraue in die Höhe und sah mich fragend an.
Jazz und Ally.“ Als er noch immer nicht verstand, gab ich es einfach auf und presste meine Lippen gegen seine. Sanft bewegten sich unsere Lippen aufeinander und Edward trug mich zum Bett, ließ mich darauf ab und küsste mich weiter, während er über mir schwebte. Meine Finger wanderten durch sein bronzefarbenes, weiches Haar und ich öffnete die Augen wieder um ihn ansehen zu können. Ich legte meine linke Hand auf seine rechte Wange, fühlte seinen 3-Tage-Bart gegen meine Haut pieken und sah ihn einfach an. Er hatte Schatten unter seinen Augen. Aber dieser Schlafzimmerblick, den er so perfekt draufhatte, hätte auch einen riesigen Elefanten zum Leben erwacht. Der verschlafene Ausdruck stand ihm so wahnsinnig perfekt. Ich liebte ihn so wahnsinnig sehr und mein Herz schlug mir bis zum Hals allein wenn ich ihn ansah. Er musste nichts tun, nur dort stehen und einfach er sein.
Danke, Edward.“ wieder küsste ich ihn kurz.
Wofür denn, Kleines?“ wunderte er sich und runzelte seine Stirn.
Dafür, dass du du bist und weil du immer da bist. Immer. Danke!“ Er lächelte mich knieerweichend schön an mit seinem schiefen Grinsen und ich war dankbar, dass ich auf dem Bett war, denn sonst wären meine Knie eingeknickt und ich wäre auf den Boden aufgeschlagen.
Das ist meine Aufgabe, Kleines.“ Ich schüttelte den Kopf. Nein, es war nicht seine Aufgabe mich in den Arm zu halten, wenn ich weinte und eine Liebeserklärung auf meine Hand zu malen, mir Lindas Zimmer zu zeigen, was ich sehr schätzte und was mir die Welt bedeutet hat und noch immer bedeutete, denn das hatte keiner zuvor für mich getan, auch wenn es mich in diesem Moment unvorbereitet erwischt, hatte es mich stärker gemacht. Das hatte mir Hoffnung gegeben, dass alles gut gehen würde. Edward und ich. Wir würden das zusammen schaffen.
Wir verdienen es glücklich zu sein, Baby. Und das werden wir. Solange wir zusammen sind, kann uns keiner etwas antun, weil wir zusammen ein unbesiegbares Team bilden.“ Sein Gesicht sah so aus als würde sein Herz vor Stolz anschwellen oder so. Ich zwinkerte ihm zu. Er seufzte und sah mich aus funklenden grünen Augen an. Meinen grünen Augen, die dem wunderbarsten Menschen aus dieser Welt gehören.
Du sagst es, Kleines.“ Er küsste meine Nasenspitze und forderte mich auf mit ihm Frühstücken zu gehen. Ach, dieser Mann. Grinsend folgte ich ihm in die Küche. Dort saßen zwei Turteltäubchen aneinandergekuschelt mit einem beschissenen Grinsen im Gesicht.

Awww, dachte ich und biss auf meine Unterlippe um das Grinsen, das sich auf mein Gesicht legen wollte, zu unterdrücken. Ich glaube, wir hatten sogleich die Mission ´Bringen wir Jazz und Alice zusammen ´ erfolgreich beendet.
Edward stupste mich mit seinem Arm an und sah mich fragend an. Ich zuckte einfach die Schultern, murmelte das Wort ´Liebe`ihm zu und ließ ihn dadurch grinsen.






~MB~







Er grinste mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Alice stand daneben und sah aus als könne sie sich nicht entscheiden, ob sie traurig oder glücklich sein sollte. Ich tippte mehr auf glücklich, denn sie hatte gerade den Frieden mit ihrem Traumprinzen geschlossen. Eben dieser saß mir gegenüber auf dem kleinen Tisch in der Küche und ich versuchte über meine Tränen hinwegzublinzeln. Ich fühlte etwas Schweres in meiner Brust, das mein Herz gleichzeitig erfüllte und es mir unmöglich machte zu atmen.

Diese Schmuckbox hat Edward ihr geschenkt, weil sie sie unbedingt haben wollte. Ich weiß von sicheren Quellen, dass du die Musikbox, die sich da drinnen befunden hat, besitzt. Sie hat sie geliebt und wollte schon seitdem sie die kleinere Box gesehen hatte, sie dir schenken. Ich will dir auch die große Schmuckbox schenken, damit du sie beide hast. Sieh es ein Geschenk, weil du mir die Augen geöffnet hast. Hier drinnen befindet sich noch das Geschenk für deinen 17. Geburtstag. Sie hat immer alles vorausgeplant und wusste auf jede Frage eine Antwort. Ich bin glücklich, weil ich sie kennenlernen durfte.“ Ich drückte die große Box an meine Brust und versuchte mich zusammenzureißen um nicht vor Jasper aus Glück – das meine Brust breiter werden ließ, sie öffnete und mehr Platz für Liebe schaffte – in Tränen auszubrechen, obwohl seine Augen auch wässrig waren.
Kannst du ihr Kleid heute tragen? Es war ihr Lieblingskleid und sie würde sich bestimmt darüber freuen, wenn du es hättest.“ Ich war so gerührt, dass ich es kaum schaffte Worte zu formulieren. Jasper schaffte es mich zu überraschen. Ehrlich. Er schenkte mir ein Kleid, das nach dem Tod meiner Schwester eigentlich ihm gehörte, und bat mich es für sie heute anzuziehen, weil sie das Kleid geliebt hatte. Es war passend zum Anliegen. Schwarz. Elegant. Knielang.

Danke!“ Ich drückte ihn kurz, so gut es ging, da wir beide etwas unbeholfen in dieser Umarmung waren. Alice küsste meine beiden Wagen. „Süße, wir sehen uns nachher am Flughafen. Hm? Ich leihe dir kurz meinen Bruder aus und pass gut auf ihn auf, ja?“ Sie zwinkerte mir zu und grinste. Tinkerbell war verspielt. Aber ich war so froh, dass ich diesen beiden helfen konnte. Es machte mich trotz der Traurigkeit so unglaublich glücklich. Auch Edward war ich dankbar, denn das heilige Zimmer hatte mir so viel meiner Erinnerung an Linda zurückgegeben, dass ich anfing die schönen Erinnerungen zu genießen, weil ich diese Momente mit ihr verbracht hatte. Man konnte sagen, dass ich um ein Stückchen weniger um ihren Tod trauerte. Mit der Zeit würde es besser werden. Da war ich mir sicher. Irgendwann würde ich die Trauer besiegen.

Okay!“ antwortete ich und trat mit Edward zusammen aus der Wohnung. Es war auch sehr ungewöhnlich, weil wir schon mehrere Nächte im Plaza verbracht hatten und plötzlich waren wir in Jazz´ Wohnung und schliefen dort. Nach dem Strandausflug hatte Edward mich nach Mitternacht in Jazz´ Wohnung gebracht und den Rest kennt ihr schon. Diese Nacht war belehrend gewesen. Irgendwie. Aus einem unerklärlichen Grund würde ich mich lange an diese Nacht erinnern, hatte ich das Gefühl.

Während ich sogar im Mercedes, der vom Plaza für uns zur Verfügung stand, die Schmuckbox meiner Schwester gegen die Brust gedrückt hielt, erinnerte ich mich woher Edward die Melodie meiner Musikbox kannte, die zusammen mit der Schmuckbox zu kaufen gewesen war. Meine Schwester hatte mir die Letztere geschenkt, während sie die Erstere für sich behalten hatte. Er hatte sie ihr geschenkt. Beide. Aber mir hat er das nie erzählt.

Aus diesem Grund kannte er die Melodie meiner Musikbox. Liebevoll sah ich ihn an und er hob grinsend seine Augenbraue.
Miss Swan, gibt es irgendein Problem?“ fragte er mich, während er sein Grinsen zu vertuschen versuchte. Das habe ich gesehen, Mr. Cullen.
Nein, Mr. Cullen. Es ist alles in bester Ordnung.“ Dann sahen wir für den Rest der Fahrt einander nicht mehr an. Allein unsere Hände, die nebeneinander auf der Rückbank zwischen uns lagen, verbanden uns durch die zärtliche Berührung eines kleinen Fingers auf meinem. Das sogar hinter der Schmuckbox, damit der Fahrer es nicht sehen konnte. Das ließ mich lächelnd zurück.

Dieser Mann … ach, dieser Mann war einfach so wunderbar. Er wusste gar nicht wie gut er eigentlich war. Ich würde niemals vergessen, was er für mich tat. Ich wusste zwar nicht, wie er es schaffte mich dazu zu bringen, mir die guten Momente an meine Schwester ins Gedächtnis zu rufen. Aber das Wichtige war, dass er es schaffte. Obwohl ich ihn in dem Moment ohrfeigen wollte, weil er mir so viel Schmerz verursacht hatte, als er mich in Linda´s Zimmer lotste, wusste ich, dass es geholfen hatte.

Als wir unsere Suite mit der Nummer 1340 betraten, die Tür schnell hinter uns schlossen und uns schwer atmend dagegen lehnten, weil er mich die Stiege hinauf gejagt hatte. Dieser süße Blödmann! Grinsend sahen wir einander an und er legte lächelnd seine Hand in meinen Nacken und zog mich an seine Lippen.

Endlich!“ Er verschloss meine Lippen mit seinem weichen, warmen Mund. Sanft und zärtlich küsste er mich. Seine Hände wanderten von meinen Seiten bis zu meinem Rücken und zurück, danach führte er mich knutschend in den Wohnbereich. Überhaupt nicht ernst – und erwachsen - begann er mich durchzukitzeln und ich wand mich unter seinen Fingern, begann unkontrolliert zu lachen und versuchte wegzulaufen. Lasst mich hier bitte anmerken, dass ich ja noch jung war mit meinen zwei-Tage-vor- 17 Jahren, aber er sollte sich eigentlich schämen, weil er noch wie ein verliebter Teenager handelte, obwohl er erwachsen sein sollte mit seinen 24 Jahren. Das nimmt man wenigstens an. Psst, sagt es aber nicht weiter, denn meinen verliebten Möchtegern-Teenager-Edward liebte ich wahnsinnig. Danach er packte mich von hinten, legte seinen Arm wie ein breites V vor meinen Hals zog mich zurück an ihn und küsste meine Wange. Wir versuchten einige Schritte in dieser Position zu machen, während wir unsere Schritte aneinander anpassten.

Bella?“ fragte er danach mit leiser, sanfter Stimme an meinem Ohr. Das ließ mich schaudern.
Hm?“ antwortete ich.
Habe ich dir heute gesagt, dass ich dich liebe?“ Seitlich sah ich ihn an und grinste. Mein rechter Arm wanderte in seinen Nacken und ich zog seine Lippen wieder zu mir.
Nein, nicht gesagt!“ antwortete ich und lächelte wieder. Aber gezeigt, fügte ich in Gedanken hinzu.
Gut, dann sage ich es dir!“ lächelte er schief und drückte seine Lippen erneut auf die meinen. Seine Finger verstrubbelten mein Haar und ich begann zu quietschen, um zu verhindern, dass er meine Frisur zerstörte. Er lachte. Blödmann!
Edward, könntest du bitte ernst bleiben?“ fragte ich mit einem kleinen Grinsen im Gesicht, versuchte mir dabei die Haare so zu richten, dass sie halbwegs gut aussahen. Er prustete los und konnte sich kaum mehr halten.
Verlangst du von mir, dass ich ernst bleibe, während du dein Haar noch mehr verunordnest? Fuck, Mädchen!“ Er setzte sich auf die Ecke des Sofas und ich positionierte mich zwischen seinen Beinen.
Ich warte, Cullen.“ mit den Händen in die Hüften gestemmt wartete ich, dass er es endlich sagte.
Worauf?“ fragte er verspielt und duckte sich, als ich sein Haar verunordnen wollte. Er nutzte die Lage aus und warf mich über seine Schulter. Ich begann zu kreischen. Ich hasste es wirklich, wenn er das tat.
Lass mich runter!“
Wir gehen uns umziehen, Mädchen. Kein Grund um mich gleich anzuschreien.“ Er trug mich ins Schlafzimmer und legte mich auf das Bett ab.
Wenn du nicht auf mich hörst, muss ich dich anschreien, Baby.“ rechtfertigte ich mich und sah ihn gespielt streng an. Vergeblich! So wie er schief grinste, war es unmöglich wütend auf ihn zu sein.
Ach was.“ Seine smaragdgrünen Augen sahen mich strahlend an. „Und jetzt komm, zieh dich um, Lady.“
Dafür musst du aber zuerst rausgehen.“ Allen Ernstes stand ich da und wartete, dass er hinausmarschierte und die Tür hinter sich schloss. Aber er schmunzelte, kratzte seinen Nacken mit einer Hand und versuchte sein Lächeln zu vertuschen.
Das alles habe ich schon gesehen, Bella. Ist ja nicht so, dass ich dich noch nie in Unterwäschen gesehen hätte.“ Einen Moment lang überlegte ich, aber danach schob ich ihn entschieden aus dem Raum. Das war unter anderen Umständen passiert. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn er mir beim umziehen zuschauen würde.
Bis nachher, Edward.“ Bevor ich die Tür schließen konnte, schob er seinen Fuß dazwischen, packte wieder sanft meinen Kopf und küsste mich kurz. „Ich liebe dich!“ flüsterte er, während wir Stirn an Stirn, Nase an Nase waren. Ich lächelte ihn strahlend an.
Ich liebe dich mehr.“ antwortete ich.
Gar nicht wahr“ Er grinste scherzend. „Ich liebe dich viel mehr als du denkst.“
Ja, ja, schon gut, Baby. Jetzt muss ich mich leider umziehen, sonst würde ich weiterhin mit dir zwischen Tür und Angel plaudern.“
Es wäre leichter, wenn du mich reinlassen würdest.“ Wieder grinste er frech.
Verschwinde!“ meinte ich lächelnd, drückte meine Hand gegen seine Brust und schloss die Tür.
Du solltest aufpassen, was du dir wünschst, Mädchen.“ sagte er laut genug, dass ich ihn durch die geschlossene Tür hören konnte.

Er lachte, verstand seine Aussage wohl als Witz. Ich auf der anderen Seite starrte das schwarze Kleid meiner Schwester an und überlegte, was diese Aussage bedeutete, wenn man sie in Einzelteile zerlegte. Irgendetwas ruhte schwer auf meinem Herzen und ich brachte es einfach nicht über mich, das Kleid auch nur anzufassen, obwohl ich wusste, dass es nichts mit dem Kleid zu tun hatte. Langsam tapste ich zur Tür und öffnete diese. Ich konnte mich nicht einfach so umziehen wenn er das so verstand. Ich wünschte mir doch gar nicht, dass er verschwand. Um Gotteswillen, nein!

Edward?“ fragte ich unsicher als ich die Tür wieder öffnete.
Hm?“ fragte er und drehte sich um. Ich versuchte meine Augen von seinen durchtrainierten Bauchmuskeln – seinem Eightpack - loszureißen und zwang mich in seine Augen zu sehen. Er schmunzelte als er meinen Blick bemerkte. Ich lief auf ihn zu und umarmte ihn. Er fing mich auf und hob mich hoch, drehte mich im Kreis und lächelte mich an.
Was ist mit dir los?“ fragte er mich.
Sag das nie wieder, Edward. Ich will nicht, dass du verschwindest.“ Seine Hand befand sich auf meiner Wange und er malte kleine Kreise mit seinem Daumen auf meiner Haut.
Nein, nein. Keine Sorge, Bella. Ich werde darauf warten, dass du mich wegjagst.“
Was wenn ich dich nicht wegjage?“
Dann musst du mit mir leben!“ Er zwinkerte mir zu und ich grinste kurz. Von mir aus gern, Cullen.
Gut!“ antwortete ich, bevor ich ihn kurz küsste. „Ich lass die Tür offen, okay?“ Er hob die Augenbraue hoch und sah mich forschend an.
Willst du mir etwas damit sagen? Ist das so eine Art ´versteckte Botschaft´, Kleines?“ fragte er schmunzelnd. Als ich verstand, was er meinte, wurde ich plötzlich rot und begann zu stottern.
Eh …. ich ….“ Fuck, wie kam ich wieder da raus, ohne ohnmächtig zu werden vor lauter Scham?
Bella? Das war ein Scherz.“ sagte er danach, als er bemerkte, dass ich mich in meiner Haut nicht wohlfühlte.
Okay. Gut. Ich bin dann mal ….“ Er grinste, nickte und ich tapste wieder zurück ins Schlafzimmer, schloss die Tür dennoch nicht ab. Puhhh, das hätten wir mal erledigt. War ja auch hart genug! Blödmann, bringt mich absichtlich in Verlegenheit. Von wegen versteckte Botschaften oder so.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht zog ich mich um, weil er einfach Cullen war. Er konnte nichts dafür, dass er so Edward war. Genau so Edward mochte ich ihn. Anders wollte ich doch gar nicht haben.








~MB~






Wie sexy bin ich?“ fragte er mich, als ich fertig angezogen - im schwarzen Kleid mit schwarzen Pumps kombiniert – in den Wohnbereich trat und er vor dem kleinen Spiegel seine schmale schwarze Krawatte zu bändigen versuchte. Er hatte einen schwarzen Anzug mit schwarzem Hemd und schwarzer seidener Krawatte, die er aber irgendwie nicht bändigen konnte. Ich scannte ihn mit meinen Augen durch. Also ich muss wohl nicht sagen, dass mir sogar die Spucke wegblieb – die Luft sowieso, aber wir wollten ja hier nicht übertreiben. Dass mein Herz unkontrolliert raste, muss ich nicht erwähnen. Das könnt ihr euch sicher auch so vorstellen!
Auf einer Skala von … bis …?“ fragte ich ihn grinsend, während ich zwischen ihm und den Spiegel trat und seine Krawatte zu einem sehr schönen Knoten band. Stolz auf mich selbst, dass ich den Knoten so schön binden konnte, obwohl Edward mir so nahe und so sexy war. Seine Augen fixierten mich, aber ich tat so als würde ich das nicht bemerken.
Auf einer Sexiness-Skala von eins bis zehn.“ antwortete er.
Hm ..“ überlegte ich laut. „Die Hundert? Ja, die Hundert.“ antwortete ich während ich hektisch nickte und meine Locken hin und herwippten. Er pfiff anerkennend durch seine Zähne und fuhr mit seiner flachen Hand durch das Chaos auf seinem Kopf. Danach überlegte er, ergriff meine Wange und fuhr über die Konturen meiner Lippen nach.
Bella, auf einer Skala von eins bis zehn, bist du mein Unendlich. Mehr als das. Dich gibt es nur einmal. Nur ein einziges Mal.“ Er lehnte wieder seine Stirn gegen die meine. „Ich liebe dich. Wenn wir wieder in Seattle sind, muss ich dich fotografieren. Ganz unbedingt. Ich muss dich festhalten. Muss dich fucking verewigen.“ Zärtlich fuhr er über mein Gesicht, um mein dezentes Make-up nicht zu verschmieren. „Ich habe dir heute nicht gesagt, dass du wunderschön bist, oder?“ fragte er mit den Fingern an seinem Kinn um den nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht noch mit dieser Geste zu unterstreichen. Gut machst du das, Baby.

Schon gut, Baby. Du musst es nicht jedes Mal sagen.“ Ich zwinkerte ihm kurz zu und er beobachtete mich aufmerksam.
Ich bin schockiert, ehrlich. Hast du mir gerade zugezwinkert?“ fragte er mich gespielt schockiert. Er hätte wirklich Schauspieler werden können, so gut machte er das. Es war beinahe oskarreif.
Mhm … Ich weiß nicht. Kann schon sein!“ Er legte die Arme um meinen Rücken und presste mich an sich. Meinen Kopf musste ich nicht heben, weil er noch einige wenige Zentimeter von mir größer war, wenn ich High Heels trug. Diesmal wohl oder übel, ob ich wollte oder nicht. Ich sah in dieselben Augen, die es schafften, dass ich mich in sie verlor. Die mich faszinierten. „Seitdem ich mich in deiner Anwesendheit nicht unter Kontrolle habe, weiß ich nicht, ob ich zwinkere, weine oder lache.“ Er grinste schief.
Gut. Sehr gut. Es wirkt also!“ antwortete er wieder frech grinsend.
Was wirkt?“ fragte ich ahnunglos.
Mein Cullen-Charme, Kleines. Dass du das bis jetzt nicht bemerkt hast, das entsetzt mich. Im Ernst.“ Ich begann zu kichern als er das sagte und er stimmte mit ein.
Ah so, deshalb ist es so heiß hier. Verstehe, Cullen. Jetzt wo du es sagst!“ Einige Minuten blieben wir einfach so in den Armen des jeweils anderen, da wir noch genügend Zeit hatten bis die Trauerfeier begann. Davor würden wir uns sowieso mit Em und Rose treffen, die uns dorthin begleiten würden.
Und diese Kette?“ fragte er mich während seine Lippen meinen Hals liebkosten.
Das ist das Geschenk meiner Schwester zu meinem siebzehnten Geburtstag.“ antwortete ich als seine Hand die Kette nachfuhr an der ein schwerzes Kreuz baumelte. Meine Schwester war religiös gewesen. Ich konnte mich daran erinnern wie sie mit mir vor dem Schlafengehen immer das Gebet aufgesagt hatte. Die schwerzen Perlen, die auf der Kette angereiht waren, verliehen dem ganzen noch mehr Charme. Da der Ausschnitt des schwarzen Kleides, das enganliegend und bis zu meinen Knien ging, etwas zu tief war, war die Kette gut sichtbar.

Du solltest deine Granny anrufen bevor wir gehen und ich meinen Onkel Alex. Immerhin hat sie ihren Ehemann und er seine Frau an diesem Tag verloren.“ Ich nickte und tat wie geheißen. Meine Granny weinte als ich ihr ´Herzliches Beileid´ für den Verlust ihres Ehemannes wünschte. Sie war zutiefst gerührt und ich hatte auch Tränen in den Augen. Aber danach verabschiedeten wir uns voneinander schnell und schmerzlos.

Da Edward noch telefonierte, nutzte ich die Zeit um alles zu packen, weil wir noch kurz die Koffer nach der Trauerfeier abholen würden und sofort danach zum Flughafen fahren würden. Also hob ich geduldig alles auf, packte zuerst meinen Koffer, schob die schmutzige Kleidung in separate Kleiderhüllen, die ich von Zuhause hatte mitgehen lassen, weil ich es hasste schmutzige und saubere Kleidung zu mischen.
Bald war ich auch fertig mit dem Packen und Edward klopfte auch an die Schlafzimmertür. Ich öffnete ihm die Tür und ließ ihn hinein.
Was ist los, Baby?“ Er sah ein bisschen fertig aus und setzte sich auf den Bettrand.
Nichts. Nichts, was du bis jetzt nicht weißt oder dir vorstellen kannst.“ antwortete er traurig. Oh, mein Baby. Ich setzte mich neben ihn und legte meinen Kopf auf seiner Schulter ab. Seine Hand nahm ich in die meine.
Ich weiß wie du dich fühlst.“ gab ich ebenfalls traurig von mir, denn seine Traurigkeit war ansteckend. Mit meinem Ellenbogen stupste ich ihn an. „Fang an zu packen, Baby. Denn danach werden wir sicher keine Zeit dafür haben.“ Kurz sah er mich an und erhob sich dann mühsamst.

Und sag Alice, sie soll vorbeikommen während wir nicht da sind und ihre Kleidung packen, ja?“ rief ich ihm nach.
Kay, Kleines.“ hörte ich seine sanfte wohltuende Stimme aus dem Wohnbereich kommen.

Ich würde diese Suite vermissen, irgendwie. Aus irgendeinem Grund wollte ich mit Edward hier bleiben und mich vor der Welt da draußen verstecken. Diese Suite wurde zu unserem Zufluchtsort in den letzten Tagen und ich hatte nicht unbedingt Lust in mein altes Leben zurückzukehren. Ich wollte in dieser Welt bleiben. Auf dieser Wolke, wo sich nur Liebende befanden. Aber ich musste mich stellen. Ich konnte mich nicht ewig verstecken und die Verantwortung über mein Leben jemandem anderen überlassen. Das wollte ich auch gar nicht.

Ich musste endlich Verantwortung übernehmen. Ich musste Edward beschützen. Ich war die Einzige, die Edward beschützen konnte, obwohl er das nicht wusste und mir das nicht glauben würde, wenn ich es ihm gesagt hätte. Der Mann, der ihn tot sehen wollte, war mein Vater. Es war meine Aufgabe ihn zu beschützen.

Es gab einen Grund warum Edward zu mir geführt wurde. Es war Vorbestimmung. Es musste so geschehen und es sollte so geschehen. Wir würden einander den Rücken stärken, denn wir waren Partner. Ich würde nicht zulassen, dass sie meinem Baby das Leben nahmen, über das nur er selbst bestimmen sollte.

Dafür würde ich alles tun.




~MB~





Noch nie in meinem Leben hatte ich so viele Menschen gesehen. Alle auf einmal. Noch nie so viele Paparazzis. Noch nie so viele Autos auf einmal. Bevor wir einige hundert Meter vor dem ehemaligen WTC ausstiegen, wo die Trauerfeier stattfinden würde, setzte ich noch meinen schwarzen Hut und eine Sonnenbrille auf, weil ich sonst vor dem Blitzlichtgewitter geblendet werden würde. Edward stieg als erster aus dem Mercedes und schob die Paparazzis zur Seite, damit ich genug Platz hatte um auszusteigen. Rose befand sich hinter mir, die versuchte nicht durchzudrehen, während sie sich an Emmett klammerte und er schützend einen Arm um sie gelegt hatte. Edwards Hand ruhte auf meiner Taille, aber sobald er sie brauchte um jemanden von mir wegzuschieben, gebrauchte er sie auch.

Ohne irgendwelche Zwischenfälle erreichten wir das Ziel – die Bühne, die einige Meter vom Boden abhob. Mein Vater war auch schon dort mit seinen Gorillas und blickte irritiert auf Edwards Hand auf meiner Hüfte, während er mit weiteren Männern in eleganten schwarzen Anzügen sprach. Es einige Reihen von Sesseln und Emmett führte uns zu diesen, auf der unser Name stand. Klar, wir waren zu früh dort, deshalb waren alle Sesseln ´wichtiger Leute´ noch nicht besetzt, aber es gab mindestens 2000 Personen, die keinen Sessel bekamen. Edward hatte auch keinen Sessel und ich sah ihn traurig an, wollte ihm mit meinem Blick zeigen, dass ich es ändern würde, wenn ich könnte. Er sah mich nur schweigend an und fummelte an seinem Kragen und Ohr herum. Auch mit seinem Ärmel schien irgendetwas nicht zu stimmen.

Miss Swan, irgendwas ist mit dem Mikro, es scheint nicht zu funktionieren. Ich muss das mal überprüfen.“ Er schien unruhig zu werden und machte sich Sorgen. „Emmett, pass auf sie auf, ja?“ sprach er danach leise und deutete mit seinem Kopf auf mich. Em nickte leicht, sodass es kein anderer sah und Edward war danach fort. Ich sah nur auf seinen Rücken, während er sich zwischen vielen Menschen schob. Danach rief uns unser Vater zu ihm und stellte uns vielen Leuten vor. Ich war nur mit halbem Verstand bei der Sache, weil meine Gedanken Edward galten. Lächelnd grüßte ich jeden, den ich kannte und auch diejenigen, die ich nicht kannte und Rose tat es mir gleich. Sie sah mich besorgt an, hätte mich auch sicher gefragt, was los sei, wenn nicht so viele ´wichtige Menschen´ da wären. Es war schon genügend Zeit vergangen und Edward kam nicht zurück, stattdessen war Adam – einer von Dad´s Bodyguards – da und trat von hinten an Dad heran, sprach leise auf diesen ein. Ich konnte es nicht lassen Adam mit großen und wissbegierigen, sicher auch besorgten Augen anzusehen. Als er auch so tat, als würde er meinen Blick nicht sehen, zückte ich mein Handy aus meiner Clutch und schrieb Edward eine Nachricht.


Wo zum Teufel steckst du, MB? - B.


Er ließ mich nicht lange auf eine Antwort warten. Mein Handy vibrierte einige Sekunden später.


MB? Wer zum … ist MB? Irgendetwas ist hier faul, das bescheuerte Mikro funktioniert nicht und ich warte auf ein anderes. Aber anscheinend brechen alle hier in Panik aus, anstatt das verdammte Mikro zu richten. - E.


Puhh, ihm ging es ja noch gut. Er atmete und er schrieb. Also nahm mir das ein bisschen der Sorge ab. Ich bemerkte nicht, dass mein Dad mich am Arm packte und mit sich zog. Irritiert sah ich ihn an und versuchte mich zu befreien. Eine Panik ergriff von mir Besitz, denn ich fühlte mich nicht mal bei meinem Vater sicher. Das war nicht normal. Es war zum Verrücktwerden. Ich sah ihn an und ich konnte den Mann, der er für mich einst gewesen war, nicht mehr erkennen. Ich sah ihn mit anderen Augen. Ich wollte ihm sagen, dass ich alles wusste. Wollte ihm in die Augen sehen und sagen: „Ich weiß, was du getan hast. Ich warte nur darauf, dass du es mir selbst erzählst.“ Aber ich konnte nicht, denn da gab es einen Mann, dessen Leben von einer richtigen Entscheidung abhing. Meiner richtigen Entscheidung. Da war eine Familie, die um ihn weinen würde. Und da war ich, die ohne ihn nicht leben wollte. Nicht konnte.

Du bleibst bei mir auf der Bühne, Bells. Ich will meine Tochter in der Nähe haben, wenn ich mit ganz Amerika rede. Sie sollen dich sehen und auf dich stolz sein.“ gab er stoisch von sich und hielt sich für am größten. Lieblich lächelte ich und tat meine Rolle verdammt gut. Ich löste seine Finger - die mich so hart packten, dass es beinahe wehtat, - von meinem Arm und hakte meinen Arm bei ihm unter.

Selbstverständlich, Dad. Ich bleibe an deiner Seite. Ich will ganz Amerika zeigen, wie sehr ich meinen Dad lieb habe und auf ihn stolz bin.“ Seine dunklen Augen bohrten sich für einen Moment in meine, doch ich durfte nicht zulassen, dass die Fassade bröckelte. Ehe er mir mein Gesicht weiterhin nach Lügen untersuchte, drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange. Danach schien er beruhigt zu sein und lächelte sogar. Fuck, ich konnte Edward nicht antworten, weil ich Dad so nahe hatte. Außerdem waren Emmett und Rose auch nicht mehr in der Nähe, da sie schon ihre Plätze besetzt hatten und ich mit Dad hinter der Bühne war, als die ´Show´ begann. Ja, Show, weil um die wirkliche realistische Trauer wegen den Tod so vieler Menschen ging es hier nicht. Es war alles nur Show. Das zerstörte jeglichen Respekt, den man gegenüber den Toten haben konnte. Das zerstörte mehr, als es richtete und gut tat. Die ganzen Menschen würden sich nur so fühlen als gäbe es da jemanden, der denselben Schmerz mit ihnen teilte, aber es war nicht wahr. Dieses Mitgefühl war gespielt und ich wusste es. Ich schloss die Augen und betete zu Gott, dass es Edward gut ging und er bald hier auftauchte.

Wo ist dein Bodyguard?“ Ich erhob meinen Kopf und sah ihn an. Sein Ton war gereizt, hart und irgendwie herrisch.
Er musste eine Störung mit dem Mikro beseitigen.“ antwortete ich schnell und sah wieder weg.
Hm.“ gab mein Dad geistreich von sich und ging seine Notizen durch. Notizen der Rede, die er nicht einmal selbst verfasst hatte. Sagt mir bitte, ob es da etwas Persönliches gab, das ihn als Senator mit allen anderen Menschen, die jemanden – eine Tochter, einen Sohn, einen Vater, eine Mutter, eine Tante, einen Onkel, einen Ehemann oder eine Ehefrau – auf tragische Weise verloren hatten verband. Anscheinend war er ja viel zu beschäftigt seine Rede perfekt zu halten. Nicht einen Augenblick lang hatte ich so etwas wie Trauer in seinen Augen gesehen, nicht eine einzige Sekunde hatte er an Linda verschwendet. An seine Tochter – wohlbemerkt.

Senator Swan, Sie sind der Nächste.“ Fuck, nein und Edward? Was war mit ihm? Ich wurde von meinem Vater wieder auf die Bühne geschoben und hörte das Geklatsche der Menschen, die ihn anscheinend nicht so kannten wie er wirklich war. Ich wollte ihnen sagen, dass sie bitte aufhören sollen, da er diesen Applaus nicht verdiente. Stattdessen lächelte ich nur mein American Sweetheart – Lächeln und winkte lieblich. Das Lächeln war wie angepflastert und ich versuchte auf meine Haltung zu achten. Ich hatte das schon seit einigen Jahren gelernt, seitdem ich als stolze Tochter meinen Senatordaddy zu seinen Reden begleitete, damit er mehr Stimmen bekam und die Leute sahen, wie glücklich unsere Familie doch war. Und ich dumme Pute hatte das alles nicht eher erkannt.

Es vergingen einige Minuten und ich bekam auch gar nicht so richtig mit, was mein Dad sprach. Wenn ich ehrlich war, dann wollte ich auch gar nicht wissen, was er sagte, denn er las ja nur etwas vor, was jemand anderer geschrieben hatte um damit Geld zu verdienen. Liebend gern hätte ich stattdessen Edward wieder eine Sms geschickt, damit ich sah, wo er sich zum Teufel befand. Aber das würde mir mein Dad mein Leben lang vorhalten und mich wahrscheinlich für mein schlechtes Benehmen bestrafen. Eine Woche Hausarrest oder so!

Lasst mich verdammt nochmal durch. Ich bin Miss Swan´s Bodyguard. Himmel!“ kurz drehte ich meinen Kopf zu ihm und lächelte, weil nur er reizbar genug war um mich zum Lachen zu bringen. Wieder einmal war das so typisch Edward. Doch danach bekam ich einen strafenden Blick von meinem Dad, weil das Publikum nicht mehr so aufmerksam seiner Rede lauschte, sondern auf mich konzentriert war. Ich erhob entschuldigend die Hand und mein Dad beruhigte sich wieder. Die Beine breit auseinander, die Arme vor der Brust verschränkt, stand er neben mir und mir fiel ein Stein vom Herzen. Iht könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freute, dass er wieder da war. Wieder stand ich in der Mitte zwischen zwei Parteien, fühlte mich aber mehr einer Partei zugehörig. Nur einer Partei gehörte mein Herz an. Doch die andere Partei war mein Blut und Blut soll dicker als Wasser sein. Oh, Linda. Wärst du noch hier, könntest du vielleicht mir dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf zu richten, denn ich verstand gar nichts. Ich verstand mein ganzes Leben nicht. Das Einzige, was ich wusste war, dass ich Edward liebte. Das war das einzig Sichere. Das Kreuz, das um meinen Hals hing, umfasste ich mit einer Hand und sah zum Himmel. Plötzlich wurde es sehr ruhig. Ich meine so unheimlich ruhig, wie in diesen Horrorfilmen bevor etwas Schreckliches passierte. Da hätte sogar diese bestimmte Musik vor solchen Szenarien reingepasst.

Mein Blick wanderte zu Emmett und Rose, die beide von ihren Plätzen aufgestanden waren und panisch mit ihren Händen etwas sagen wollten. Doch meine Aufmerksamkeit galt einem störrischen roten Licht, das mich direkt blendete. Bevor ich überhaupt den Gedanken zuende denken konnte, hatte mein Verstand realisiert, worum es sich handelte. Anstatt wegzulaufen, weil das Ziel des roten Laserlichtes mein Kopf war, fühlte es sich so an, als wären meine Füße an den Boden angeheftet. Allein mein Herz schlug rasend schnell und pochend gegen meine Brustkorb. Noch bevor ich ein Loch im Schädel bekam, wurde ich seitlich auf den Boden gerissen und die Kugel bohrte sich in die Wand hinter unseren Köpfen. Den Schmerz, der meine ganze rechte Seite durchzuckte, versuchte ich zu ignorieren.

Senator Swan, runter!“ schrie Edward laut. Sein Arm war fest um meine Taille geschlugen und er erhob uns beide und drückte mich mit seinem Körper gegen die linke Wand, hinter die langen Vorhänge, wo uns derjenige, der mich umbringen versuchte, nicht sehen konnte.
Edward, mein Dad!“ schrie ich panisch. Einen kurzen Moment sah er mich an und sprach danach schnell in sein Ärmel, wo das Mikro versteckt war. „Wir brauchen Verstärkung. Senator Swan in Schusslinie. Zielperson: Isabella Swan.“ Danach hörte ich auch nicht mehr zu, denn mein Dad war hinter dem Redepult versteckt.
Bella? Gib mir deine Brille!“ forderte er mich auf und ich tat wie geheißen, zitterte am ganzen Körper und war total durcheinander. Ich hatte keine Ahnung was man in diesen Situationen tat. Was tat man, wenn jemand versuchte dich umzubringen? Er versuchte in der Sonnenbrille den Mörder zu sehen, als er seine Hand ein bisschen ausstreckte, doch ich zog seinen Arm wieder zurück.
Bist du bescheuert? Willst du, dass sie dir durch die Hand schießen?“ schrie ich ihn panisch an. Seine Miene war ausdruckslos und zum ersten Mal seit längerer Zeit war er wirklich MB – Mister Bodyguard mit all seinem Sein.
Würdest du aufhören so panisch zu sein, Bella? Ich kenne mich damit aus, okay? Du bist diejenige, die sie töten wollen, falls du das noch nicht realisiert hast.“ antwortete er seelenruhig.
Das beruhigt mich jetzt ungemein, Edward!“ schrie ich und er legte seine Hand auf meine Wange.
Pssht, Baby. Ganz ruhig. Du hast mich. Dir wird nichts geschehen.“ Ich hatte das Gefühl ohnmächtig werden zu müssen wegen der ganzen Panik, die ich fühlte, aber dann waren seine grünen Augen da und sie waren das Einzige, das ich noch sah und er atmete mit mir mit. Das tat gut. Es beruhigte.
Verstehst du nicht, dass ich mir um dich Sorgen mache?“ fragte ich ihn ruhiger und sein Blick wurde weicher.
Solange du lebst ...“ begann er, doch ich begann ihn hysterisch anzuschreien.
Hör auf damit! Das ist kein Spaß mehr!“ Tränen sammelten sich in meinen Augen und ich hielt mich an seinem Oberarm fest.
Es war nie ein Spaß, Bella.“ Dann setzte er meine – seine – Ray Ban auf, zückte eine silberne Waffe heraus von irgendwo auf seinem Rücken. Fuck! Hatte er die ganze Zeit über eine Waffe mitgehabt? Aber ich hatte gar nicht mehr die Zeit um in Panik auszubrechen. Ich befand mich in einem dieser Momente, wo dir nicht viel übrig bleibt, als auf denjenigen zu hören, der noch ganz bei der Sache war. Edward war noch vollkommen bei der Sache. Konzentriert. Ruhig. Anwesend mit allen seinen Sinnen.

Hör mir jetzt gut zu!“ Ich nickte. „Die anderen werden nicht kommen, um uns zu helfen, Bella. Die verdammte Kacke mit den Mikros war geplant. Die anderen können uns nicht hören. Aber wir müssen deinen Dad da raus bringen, sonst wird er man auf ihn ebenfalls schießen. Okay?“ fragte er mich und ich nickte wieder. „Du versteckst dich hinter mir. Du bleibst immer hinter meinem Rücken und ziehst deinen Kopf ein, Bella. Dort wo sich meine Brust befindet, muss dein Kopf sein, okay? Sieh zu, dass du das einhältst, okay?“ Ich nickte, schüttelte danach wieder den Kopf.
Nein, es ist nicht okay. In diesem Moment ist nichts okay.“
Bella, konzentrier dich, Baby. Sei stark für mich, okay? Es dauert einige Sekunden, danach ist die Gefahr vorbei.“ Ich versteckte mein Gesicht hinter meinen Händen. Atmete kurz durch und nickte danach. Als ob mir etwas anderes übrig blieb als auf ihn zu hören.
Okay! Okay, Cullen. Okay!“ Er streckte seine Finger aus und begann zu zählen. Ein Finger. Zwei Finger. Drei Finger und er schob mich hinter seinen Rücken. Danach schoss er auf den Typen, der mich umbringen wollte, und dieser verschwand von der Bildfläche. Als wir Dad erreichten, schob uns Edward beide hinter dem Redepult. Nachdem er die Lage checkte, schob er uns beide hinter seinen Rücken und gab uns Deckung.
Senator Swan, Bella, ich zähle wieder bis drei und gebe euch Deckung, während ihr beide nach hinten läuft.“ Fragend sah uns mein Dad beide an und nahm meine Hand in seine.
Wo sind die anderen?“ schrie mein Dad beinahe ängstlich. Ha! Wäre ich nicht in dieser Lage mittendrin, dann hätte ich gelacht.
Es sind nur wir da. Alle anderen sind abgekapselt. Die Mikros funktionieren nicht. Aber sie werden sicher bald da sein, da sie die Schießerei sicher gehört haben.“ Oder jeder ist in seine eigene Richtung gelaufen, wie das Publikum auch. Wer will sich schon in einem Schlachtfeld befinden? Mein Dad drückte aufmunternd meine Hand und versuchte mich zu beruhigen. Edward begann wieder zu zählen. Eins. Zwei. Drei. Es erklangen mehrere Schüsse und ich versuchte mir die Ohren zuzuhalten. Aber mein Dad hatte meine Hand so fest gepackt, dass ich mich von ihm nicht befreien konnte. Was ich wahrscheinlich getan hätte, würde er meine Hand so fest halten.

Fuck, ich hatte Edward zurückgelassen. Sobald wir hinter der Bühne waren, traten zwei unserer Männer ein und ich erkannte Adam wieder.
Adam, Edward ist dort oben. Er braucht Hilfe.“ schrie ich ihm zu. Er nickte und ging langsam die Treppe hinauf zur Bühne. Mein Dad zog mich hinaus, wo zwei schwarze gepanzerte Autos auf uns beide warteten.
Senator Swan, wir sind vom Secret Service. Steigen Sie beide in den Wagen.“ Sagte einer der Männer, der strahlend blaue Augen hatte und eine Glatze. Der kleinere von den beiden mischte sich dann aber auch ein und schlug vor, dass wir in getrennten Autos fahren sollten, da es so sicherer war. Mein Dad nickte dem kleineren Mann zu und ich fuhr mit dem kleineren Mann und zwei anderen im hinteren Wagen.
Ich wollte auf Edward warten. Aber sie schoben mich unsanft in den Wagen und starteten den Motor. Verdammte Bastarde!

Einer saß hinter dem Steuer und sein Gesicht war mir bekannt, da er einer der Bodyguards meines Dads war. Der Muskelprotz neben ihm war anscheinend vom Secret Service, nur den Mann neben mir kannte ich nicht. Ich versuchte meinen Atem zu beruhigen. Versuchte zu atmen, während Edward vielleicht verletzt war oder blutete. Plötzlich wurde mir schwarz vor den Augen und ich krallte meine Finger in meinen Oberschenkel. Der Schmerz half mir dabei wieder ins Bewusstsein zu kommen. Irgendjemand war hier verletzt. Ich hatte es mir also doch nicht eingebildet. Es roch nach … Blut. Das war es, das mir Übelkeit verursachte.

Ist jemand von euch zufällig verletzt? Es riecht hier so ziemlich nach Blut.“ kaum sprach ich das aus, schob wurde mir eine schwarze Waffe gegen die linke Schläfe gehalten.
Rechts abbiegen!“ lautete der Befehl des kleinen merkwürdigen Typen, der mir schon von der ersten Minute an, so unheimlich vorgekommen war. Von wegen fahrt in zwei getrennten Autos statt in einem. Hilfesuchend sah der Bodyguard meines Dads zu mir und zum Typen vom Secret Service. Danach tat er wie geheißen und bog rechts ab. Somit verloren wir den Wagen, in dem mein Dad sich befand aus der Sicht und fuhren durch irgendwelche kleinen dichten Straßen. Mein Herz raste wieder. Mein Herz pumpte so schnell Blut in meine Venen, dass ich mich fragte, ob man davon vielleicht – eventuell – einen Herzinfarkt bekommen konnte. In dieser Lage wäre ein Herzinfarkt gar nicht mal so schlecht.
Hören Sie, wir wissen nicht, wer Sie sind, aber sie sind sicher nicht vom Secret Service. Sonst würden Sie nicht versuchen Miss Swan umzubringen. Sagen Sie uns wer Sie si..“ Der Abzug der Waffe wanderte von meinem Kopf zum Mann vom Secret Service und der kranke Typ neben mir drückte tatsächlich ab. Ich zuckte bei diesem ohrenbetäubenden Laut, den die Waffe von sich gab, zusammen und sah schockiert vom Blut auf dem Seitenspiegel zum kranken Typen. Meine Hände begannen unkontrolliert zu zittern und ich konnte mich einen Moment lang nicht einmal bewegen.
Wagen anhalten!“ ordnete er als nächstes an und zog mich aus dem Wagen während er die Waffe drohend gegen meine Stirn hielt. Ich versuchte mich zu wehren, doch mit seiner freien Hand ohrfeigte er mich. Mein Kopf ruckte zur Seite und ich sah ihn wütend an. Noch niemand hatte mich einer in meinem ganzen Leben geschlagen. Meine Hand wanderte zu meiner brennenden Unterlippe, die jetzt auch noch blutete, wie ich danach feststellen musste. Er zog mich an den Haaren aus dem Wagen und mein schwarzer Hut fiel auf den Boden, während er den Arm von hinten um meinen Hals schlang, die Waffe gegen meine Stirn hielt und mich vom Bodygaurd meines Dads wegzog. Meine Brust hob und senkte sich schnell. Das Adrenalin wurde schnell durch meine Venen gepumpt.
Mein Vater wird mich finden, müssen Sie wissen. Sie werden Sie suchen bis Sie sie gefunden haben. Wenn Sie Geld wollen …“ Er stieß mich von hinten, die Waffe gegen meinen Hinterkopf gerichtet und dirigierte meinen Weg.
Geh und hör auf soviel Schwachsinn von dir zu geben. Ich spiele nicht. Dein allzukluger Bodyguard hat mich zwar verwundet, aber nicht getötet und er wird dich suchen. Dann kann ich euch beide auf einmal töten.“ Sein boshaftes Lachen ertönte danach und ich musste ein ekelerregenden Schauer unterdrücken.
Edward hat nichts damit zu tun!“ schrie ich und drehte mich zu ihm. Wütend sah ich diesem Mann in die Augen, der mich umbringen wollte und empfand gar nichts anderes als Wut. Wieder einmal lachte er.
Süßes kleines Mäuschen, so naiv wie eh und je.“ lachte er mich aus und hielt weiterhin die Waffe gegen meine Stirn positioniert. „Geh weiter!“ brüllte er danach und schob mich weiter nach vorn. Er nahm einen Weg über eine abgelegene alte Brücke an, die anscheinend eine Baustelle war oder nicht mehr benutzt wurde. Ich schloss die Augen, öffnete meine Clutch und tastete nach meiner Nagelfeile, die Rose mir zugesteckt bevor wir losgefahren waren. Edward, ich liebe dich, Baby., dachte ich, schloss kurz und gequält die Augen. Ich wusste nicht, ob ich aus dieser Sache leben wieder rauskam. Aber einen Versuch war es wert. Ich würde doch nicht zulassen, dass dieser Typ mit mir tat, was er wollte. Ich begann in Tanzschritten zu zählen. [style type="italic"]Eins[/style] … Ich blieb stehen. [style type="italic"]Zwei[/style] … seitlicher Schritt mit rechts. [style type="italic"]Drei[/style] … Umdrehung. [style type="italic"]Vier[/style] … Fuck, fuck, fuck. Seinen Arm mit dem Ellenbogen wegdrücken. [style type="italic"]Fünf[/style] ... Hand erheben. [style type="italic"]Sechs[/style] … Ziel suchen. [style type="italic"]Sieben[/style] …. Attacke mit der Nagelfeile. [style type="italic"]Acht[/style] … Ausatmen. Und jetzt los, Bella und das ganz schnell, damit du den Überraschungsmoment ausnutzst.

Ahhhhhhh. Du Schlampe!“ schrie er und hielt seine blutende Schulter mit der freien Hand. Die Nagelfeile ragte aus seine blutenden Schulter heraus. Ich war nicht unbedingt Stolz auf mich. Aber ich wollte auch nicht sterben. Plötzlich brannte meine linke Wange wieder und ich knallte gegen das seitliche Geländer, das meinen ganzen Sauerstoffvorrat beim Aufprall aus meinen Lungen drückte. Fuck! Ich sah weiße Punkte vor meinen Augen. Seine Nägel bohrten sich in meinen Oberarm und er drückte mich unsanft auf den Boden. Zwischen der Waffe und meiner Stirn würde kein Blatt Papier passen. Hasserfüllt sah mich dieser Mann und zog mir mit dem Rücken der Waffe einmal über den Kopf und das warf mich auf meine rechte Seite um. Meine Handflächen brannten vom Aufprall und ich fühlte eine warme Flüssigkeit meine Schläfe runterlaufen. Fuck, es war aus! Allein mein Stolz bliebt standhaft und ließ mich mein Kinn diesem Mann entgegenrecken.

Deine letzten Worte!“ sagte er gelangweit und fuhr mit seinen ekelhaft schmutzigen Fingern über die Waffe. Die Narbe auf seiner Wange erregte meine Aufmerksamkeit und ich sah ihn an. Ich konnte meine Augen von der Narbe auf seiner rechten Wange nicht losreißen.
Ich kenne Sie …“ flüsterte ich und seine Augen weiteten sich vor Furcht, Schock, Entsetzen. Mein Herz zog sich zusammen. Nein! Fuck, nein! Es war einer dieser Momente der Erkenntis, wo du endlich merkst, dass nichts so war wie du gedacht hast.



Seattle, 09. 11. 2001 07. 01 a.m.

Noch in meinen Pyjama bekleidet, tapste ich in die Küche und holte mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Das Haus war sehr ruhig. Draußen war Mum mit einer Eventplanerin und das Event war mein Geburtstag. Ich war schon richtig gespannt, wie die Party werden würde. Ich liebte Geschenke und Mums und Dads Reden, die sie immer an meinen Geburtstagen hielten. Außerdem würde Linda auch da sein und Emmett sowieso.

Meine Nana kam danach in die Küche und sah mich dort durstig aus meiner Flasche trinken und sie schickte mich wieder ins Bett, weil ich ausgeschlafen sein musste. Da ich morgen wieder Unterricht haben würde und meine Privatlehrer sehr früh hier waren.

Auf dem Weg in mein Zimmer, läutete es an der Haustür und da niemand mich sah und auch niemand da war, öffnete ich die Tür um einen Spalt, schob den Kopf leicht hindurch.

Miss Linda Swan?“ fragte der Postboote und hielt ein Packet in der Hand. Eine weiße rechteckige Schachtel.
Jaaaaah?“ gab ich ängstlich von mir als ich seine große Narbe sah, die sich über seine linke Wange zog.
Sind Sie Miss Linda Swan?“ Sein Gesichtsausdruck sagte mir, dass er wusste, dass ich es nicht war. Seine Augenbraue wanderte in die Höhe und er sah mich aus einem unheimlichen Gesichtsausdruck an.
Nein, bin ich nicht. Aber sie ist meine Schwester.“ antwortete ich mit meiner piepsigen Stimme. Er hielt mich doch nicht für klein, oder?
Würden Sie sie bitte holen?“ fragte er mich und ich schloss die Tür wieder und rief nach Linda. Meine Nana kam dahergelaufen und fragte mich was los sei und ich erklärte ihr die Situation. Sie schob mich hinter ihren Rücken und öffnete die Tür.
Guten Morgen, ich bringe Miss Linda Swan das bestellte Hochzeitskleid. Ich brauche nur eine Unterschrift von ihr und Sie sollte das Kleid auch lieber gleich probieren, damit wir sehen, ob alles passt.“ Meine Nana lächelte diesen unheimlichen Mann an.
Oh natürlich. Ich führe Sie zu ihr. Hier entlang, bitte!“ sagte Sie und ließ den fremden unheimlichen Mann ins Haus. Mit erhobenen Augenbrauen und einem verstörten Gesichtsausdruck sah ich diesem Mann hinterher, der ein sehr unheimliches Psycholächeln hatte.
~~




      Selbstgefällig grinste dieser Typ, der kein echter Postboote gewesen war. „Doch nicht so naiv, kleines Mäuschen.“ Meine Hand wanderte zu meinem Hals, weil ich keine Luft bekam. Er hatte sie doch nicht … Nein, Linda hatte sich das Leben genommen. Er konnte unmöglich …
      Hören Sie auf mich Mäuschen zu nennen.“ mit versteinerte Miene sah ich ihn an und er entsicherte die Waffe. Ich war blank. Meine Gedanken rasten mit Lichtgeschwindigkeit durch meinen Kopf, doch nichts schien einen Sinn zu ergeben. Es war alles da. Es war immer da gewesen. Die ganzen Puzzleteile waren immer da und ich war blind. Ich war die ganze Zeit über so blind gewesen. Ich .. Fuck! Ich schluckte hart und drückte die Tränen wieder zurück. Allein aus Stolz würde ich vor ihm nicht weinen, auch wenn es schmerzte. Es tat so richtig weh!
Leiste deiner armen Schwester Gesellschaft in der Hölle. Dort wo ihr alle hingehört!“ Ich hielt die Augen geschlossen und wartete auf den Schuss, der mich endgültig vom Leben reißen würde. Beim resignierten Seufzen, das er von sich gab, musste ich wieder meine Augen öffnen. Er wanderte um mich herum, weil er mir anscheinend nicht ins Gesicht schießen konnte. Ich fühlte die Waffe an meinem Hinterkopf, umfasste das Kreuz mit meiner rechten Hand und schloss wieder die Augen. Mum, Emmett, Nana, Richard, ich habe euch lieb. Rose, Alice und Jazz werdet bitte glücklich. Baby, ich … liebe dich. Der letzte Gedanke wird immer dir gelten.

Dann spannte ich meine Muskeln an und hörte dann den Schuss. Danach fühlte ich nichts mehr. Keinen Schmerz. Keine Gedanken waren da. Keine Gefühle. Alles war schwarz. Ich hörte nur einen schmerzerfüllten Schrei, der nicht der meine war. Fuck, man konnte nicht einmal in Ruhe sterben.





(Snow Petrol – Chasing Cars)





BELLA!“ Edward. Ich lächelte. Er war bei mir. Er war immer bei mir. „Bella, mach die Augen auf und lauf her.“ Was? Ich öffnete die Augen und wurde von der Sonne geblendet. Stöhnend und keuchend vor Schmerzen wand sich der Typ hinter mir und hielt seine recht Hand in der linken, weil Edward anscheinend seine rechte Hand, in der er seine Waffe gehalten hatte, durchschossen hatte. Ich lebte noch. Ich versuchte aufzustehen, aber meine Beine gehorchten mir nicht. Ich fühlte meinen Körper nicht. Er war taub und gehorchte meinen Befehlen nicht mehr.
Bella, Baby. Steh auf!“ Seine Schritte waren präzise, gemessen, geplant. Ich presste meine linke Hand gegen meine pochende Schläfe. Seine Waffe war gegen diesen Typen gerichtet, der es nicht einmal wagte wieder zu seiner Waffe zu greifen. Ich war kaum bei Bewusstsein, denn ich roch mein Blut. Zu nah. Zu stark. Zu intensiv.
Ich kann nicht, Edward. Ich kann nicht.“ flüsterte ich und stützte meinen Kopf, der sich sehr schwer anfühlte, gegen meine brennenden Arme.
Du kannst, Baby. Du kannst. Mach die Augen auf. Mach deine Augen auf.“ Ich hörte Edwards verzweifelten Schrei, als er meinen Kopf vom Boden hob und in seinen Händen hielt.
Bella! Bella, Baby. Mach die Augen auf. Bitte! Für mich, Bella.“ Er zerriss mein Kleid und drückte mir einen Fetzen Stoff gegen meine Stirn. „Bitte, bleib … bleib bei mir, Kleines.“ Er presste mich näher an sich und küsste meine Stirn. Ich sah den Schatten, den ein Körper hinter Edward warf. Meine Augenlider flatterten und ich versuchte mich zu konzentrieren, Worte zu formulieren mit der letzten Kraft, die mein Körper noch besaß.
Edward, hinter dir.“ nuschelte ich und meine Augen fielen zu. Für einige Zeit war ich in einer Zwischenwelt, hörte störende Geräusche im Hintergrund und versuchte meine Augen zu öffnen, weil mich Edward brauchte. Fuck, würde mein Kopf nur nicht so schmerzen, so wie jede Faser meines Körpers. Bella, dieser Mann hat mit einer hohen Wahrscheinlichkeit deine Schwester getötet und versucht gerade den Mann zu töten, den du liebst. Er hat versucht dich zu töten. Er hat dich geschlagen! Ich öffnete meine Augen und sah wie Edward auf diesen Mann einschlug. Jedes Geräusch verursachte mir körperliche Schmerzen.

Keiner schlägt mein Mädchen, du Bastard. Haben wir uns verstanden? Du wirst sie nie wieder anfassen. Du wirst nie wieder deine Hände gegen eine Frau erheben. Wenn ich dich nochmal dabei erwische, wie du deine widerlichen Hände gegen mein Mädchen erhebst, werde ich dir jeden Finger einzeln rausreißen.“ Edward war völlig außer sich und hatte sich nicht unter Kontrolle, wenn er so weitermachte, dann würde er den Mann umbringen. Mit wackeligen Beinen erhob ich mich vom Boden, ging verdammte Achter als wäre ich betrunken und hielt mich am Geländer fest, bis ich Edward erreichte. Meine Sicht war trüb und ich konnte nur die Konturen der Körper erkennen. Das ganze Bild entglitt mir, aber ich konnte Edward dennoch erreichen. Ich rüttelte an seiner Schulter und legte meine Arme von hinten um ihn. Meine Hände konnte ich dabei nicht verwenden, weil meine Handflächen brannten.
Lass … lass ihn los, Edward.“ Fuck, wieso viel mir das Sprechen so schwer?
Verdammter Bastard!“ Er kickte seinen Schuh, während sich der andere vor Schmerzen hin und her wand und sein Gesicht total verunstaltet war. Fuck, das musste wehtun. Er umarmte mich abrupt und ich keuchte dabei, weil mein Gesicht wehtat und meine Lunge beim Atmen brannte.
Bella, geht’s dir gut?“ fragte er besorgt und hielt die Hände zu meinem Gesicht hin ausgestreckt, konnte sich aber nicht zusammenraufen, mein Gesicht in seine Hände zu schließen. Er küsste meine unverletzte Schläfe, als hätte er einen unverletzten Fleck gefunden, der sicherlich nicht wehtun würde.
Edward … Dieser Mann, er …“ Ich verbarg meine Nase an seinem Hals, während er den Arm um mich geschlugen hatte.
Was? Was hat er dir angetan? Bella, bitte sag es mir.“ Ich biss auf meine Lippe und musste feststellen, dass das verdammt wehtat.
Es war Mord, Edward. Linda hat sich nicht das Leben genommen. Er ...“ Der ganze Ausdruck auf Edwards Gesicht veränderte sich plötzlich und er sah mich entgeistert an. Da war Wut. Verzweiflung. Schmerz. Verwirrung. Zorn. Enttäuschung. Aber die Wut überwog alle anderen Gefühle.
Was?“ fragte er plötzlich und sah mich prüfend an. Ich nickte und versuchte einen Strom Tränen zurückzudrängen. Vom Weiten hörte man Polizeisirenen.
Yeah, es war kein Selbstmord.“ Mit der Waffe gegen uns gerichtet, humpelte dieser Mann auf mich und Edward zu. Plötzlich schob mich Edward hinter seinen Rücken. Das ganze Gesicht des Mannes war blutverschmiert und verunstaltet. Wahrscheinlich war meines gar nicht mal besser. Da jeder Zentimeter meines Körpers wehtat.
Hast du sie getötet?“ fragte Edward ihn. Doch der Mann lachte einfach ohne uns auf diese Frage zu antworten.
In ihrem eigenen Haus und keiner hat es bemerkt.“ Fuck! Wie grausam war das denn? Linda, Linda wollte Leben. Sie wollte heiraten und sie wollte mit Jazz glücklich werden. Nein! Nein, nein!
Wer? Du oder jemand anderer?“
Glaubst du, das werde ich genau dir sagen?“ fragte der andere und lächelte ein Psycholächeln. Hektisch atmete ich gegen Edwards Nacken und versuchte nicht in Panik auszubrechen. Versuchte stark mich zusammenzuraufen, weil es nicht die Zeit und auch nicht der Ort war um in Panik auszubrechen.
Wer hat dich geschickt um Bella umzubringen?“ schrie Edward ihn an. Obwohl der Mann seine Waffe gegen uns richtete und Edward seine Waffe in der Hose hinten gesteckt hatte, richtete Edward sie nicht gegen ihn. Der Typ lachte wieder.
Grüß mir Linda Swan ganz lieb, Edward Cullen!“ Er feuerte tatsächlich einen Schuss auf Edward ab. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Ich begann zu schreien und Edward fiel nach hinten auf den Boden. Ich sank auf die Knie vor ihm. „EDWARD!“ schrie ich und schüttelte ihn. „EDWARD, NEIN!“ Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und er sah mich aus halb geschlossenen Augenlidern an. Seine grünen Augen sahen in meine braunen und lag neben ihm ohne es zu realisieren. Das kleine Wort ´zusammen´schien plötzlich einen Sinn zu ergeben. War es nicht das, was ich mir gewünscht hatte? Mit Edward zusammen zu sterben?

Seine grünen Augen waren das einzige, das ich sah und sehen wollte. Er löste den Blick auch nicht vom meinen.Grün und braun. Auf ewig.

Das war der Moment wo ich nichts mehr fühlte. Ich hörte nichts mehr. Denn alle meine Sinne waren auf Edward fixiert. Allein auf ihn. Auf seine Augen und sein Gesicht, das ich noch immer in meinen Händen hielt. Für einen Moment fühlte ich Druck an meiner Hüfte und meine Hände glitten von meinem Gesicht auf seine Brust. Er presste mich näher an sich. Ich schloss die Augen. Ich roch ihn. Nur Edward. Nur ihn. Im Hintergrund hörte ich noch ohrenbetäubende Schüsse, die abgefeuert wurden. Zu diesem Zeitpunkt war alles andere unwichtig. Nur Edward war da. Er war da! Das war das Wichtigste.

Im Filmen hörte man immer den Puls der Personen, der immer schwächer wurde, bis er entgültig stoppte. Im wahren Leben war es anders. Auch wenn du innerlich schreist, kann es keiner hören. Du weinst, aber keiner kann deine Tränen sehen. Du stirbst, aber keiner kann es verhindern. Denn sterben war leicht, friedlich, aber das Leben ist schwerer. Allein die Erinnerung begleitet dich in den letzten Sekunden deines Lebens, damit du dich nicht fürchtest oder dich allein fühlst.



Verrätst du mir deinen Namen?“
Edward. Ich heiße Edward.“
Ich glaube wir wurden verfolgt!“
Kommen Sie, seien Sie meine Freiwillige!“
Deine Freude ist ansteckend!“
Spionierst du mich etwa aus?“
Lädst du mich zum Essen ein?“
Nein! Doch! Na ja, eigentlich schon!“
Wenn du jetzt verschwindest, werde ich eine Ausnahme machen und dich mit meinen Fragen nicht foltern. Wenn du aber entscheidest hier zu bleiben, dich vor dieser Verrückten zu stellen, dann wirst du mich dein Leben lang aushalten müssen.“
Bella, das ist Edward Cullen, dein Bodyguard.“
Kannst du heutenacht einfach mein bester Freund sein und mich nicht alleine lassen? Nicht Mister Bodyguard, einfach nur ein normaler Mensch, mein Edward, der mich immer und immer wieder zum Lachen gebracht hat.“
Mister Cullen ist ein guter Bodyguard. Wie du sagtest, der beste auf seinem Gebiet. Er ist perfekt, du musst dir keine Sorgen machen. Wenn es da Etwas gäbe, würde ich es dir sofort erzählen, das weißt du doch.“
Ich sagte dir bereits, mein Engel, dass ich immer für dich da bin. Ich werde dich immer beschützen.“
Nein, du bist meine Königin, Isabella Swan. Wir sind wie die Königin und der Bettler. Einfach unmöglich!“
Ich bin keine Königin und du bist kein Bettler. Du bist Edward und ich bin Isabella.“
Kannst du mir jetzt verraten, warum du so schön grinst?“
Warum grinst du?“
Weil du grinst.“
Bella, sieh mich an!“
Bella, wovor hast du Angst?“
Davor dich zu verlieren, wie ich Linda verloren habe, Edward. New York hat mir so viel genommen und trotzdem fliege ich dorthin, werde mit dem Schicksal konfrontiert und muss das aushalten. Lass einfach meine Hand nicht los, okay?“
Willst du, dass ich dich küsse?“
Ich weiß nicht worauf du wartest.“
Willkommen in New York, Ladies!“
Edward, bring mich weg von hier. Weit weg. Ganz weit weg. Irgendwohin.....“
Baby, wo auch immer du hin willst.“
Halt mich fest, Edward. Ich brauche dich. Ich brauche dich wirklich.“
„Ich halte dich fest, Baby. Ich bin hier. Ich bin hier, Baby. Ich gehe nicht weg.“
Kannst du mir erklären, warum du das getan hast?“
„Was habe ich denn getan?“
Mich geküsst!“
Das ist unser drittes Date, Bella. Weißt du es nicht mehr?“
Cold Stone Creamery....“
Deine Krawatte liegt etwas schief. Du hast ein unverschämtes Glitzern in den Augen, wie ein Junge an Weihnachten, der einen Plan ausgeheckt hat, wie er alle Plätzchen verputzen kann. Und dein Haar sieht aus als hätten eine Million Frauen hineingegriffen, ziemlich sexy muss ich zugeben, aber ich werde dich nicht von all den Frauen befreien, die dir in die Arme laufen werden.“
Es gibt gute und es gibt schlechte Menschen, Bella. Vielleicht gibt es auch eine Mischung aus diesen beiden. Wir können die Menschen nicht ändern. Sie gehen ihren eigenen Weg und leben ihr eigenes Leben. Man kann die Welt nicht verändern. Wenn es jemanden gab, der gegen das alles rebelliert hat, dann war ich es, das kannst du mir glauben.“
„Ich will das nicht.“
„Was denn, Bella?“
Ich will nicht, dass du stirbst. Wenn du stirbst, dann will ich an deiner Seite sterben.“
„Nein, Bella!“
Du musst ohne mich weiterleben. Für mich, für deine Schwester. Glaub mir, ich hab versucht, dich von mir fernzuhalten, damit du nicht denselben Schmerz noch einmal durchmachen musst, Bella. Ich wollte für dich etwas Besseres als das. Es tut mir richtig leid. Ich hätte mir niemals vorgestellt das sagen zu müssen, aber darin bin ich machtlos und das macht mich wahnsinnig. Langsam verstehe ich, dass ich menschlich bin. Ich hielt mich immer für Superman.“
Ich liebe dich. Ich liebe dich mit meinem ganzen Sein. Ich will mit dir zusammensein, Edward, das nicht nur heute, morgen oder übermorgen. Vielleicht werden wir nicht alt und grau, leben nicht zusammen bis unsere Haut ganz runzelig wird und die Haare abfallen und die Haut abfällt und wir selbst zerfallen. Aber dir ist nicht klar, dass ich auch meinen Arsch darauf verwette in deiner Nähe zu sein, denn ich weiß wie mein Dad reagieren wird, sollte er von uns erfahren. Er würde uns die Hölle heiß machen. Aber ich bin bereit alles zu geben, was ich habe, um mit dir zusammen zu sein. Wenn dir das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht. Das ist die einzige Art wie ich lieben kann, Edward. Du kannst alles nehmen, was ich zu geben habe oder es lassen. Aber du solltest dich endlich mal entscheiden. Entweder wir leben zusammen und sterben zusammen oder du gehst, Edward. Denn wenn du mich nicht willst, dann solltest du fair genug sein und es mir nicht noch schwieriger machen. Als Linda starb, als sie zu Grabe getragen wurde, als ich fühlte, wie ich innerlich zerfiel, weil sie nicht mehr da war, versprach ich mir selbst, niemals mehr über den Tod eines Menschen zu weinen, Edward. Ich würde dieses Versprechen gern erfüllen.“
Ich bin nicht gut darin über meine Gefühle zu sprechen. Ich hatte noch nie solche Gefühle für eine Frau. Ich dachte, ich besäße gar nicht mal ein Herz, weil ich noch niemanden so sehr in meinem Herzen gefühlt habe. Deine Schwester sagte zwar, dass ich eines Tages eine Frau finden würde, die mir so richtig zeigen würde, wo es lang geht, aber ich hab das nicht zu ernst genommen. Ich kann nicht fassen, dass du diejenige bist. Aber ich will dir zeigen, dass ich alles an dir liebe. Die Worte <<Ich liebe dich>> bedeuten mir nicht viel. Aber die restlichen Tage meines Lebens werde ich dafür verwenden, dich zu lieben. Auf eine Weise wie es nur die Cullens tun, Bella. Du wirst dich wundern.“
Bella, erzähl es mir...“

Wovon sprichst du denn da?“
„Bella, damit will ich nur sagen, dass ich nicht mehr lange zu leben habe.“
Ich werde dich suchen, Edward. So lang bis ich dich wieder gefunden habe. Auch wenn ich für dich in die Hölle hinabsteigen muss. Ich werde dich finden. Es gibt keinen Ort und keinen Menschen, wo dich jemand verstecken könnte, damit ich dich nicht finde.“
Ich habe keine Angst vor dem Tod, Bella. Ich weiß, wir werden uns sicher wiedertreffen und deshalb will ich, dass du nicht an die Zukunft denkst; das ist in diesem Moment unwichtig. Schau....“ seine Hand wanderte im Zimmer herum. „nur wir zwei sind hier in diesem Moment. Alles andere ist irrelevant.“
Komm her und gib mir einen Kuss!“
Du machst es mir richtig schwer mich zu beherrschen, Kleines.“
Willst du von mir hören, dass ich noch nie zuvor so gefühlt habe, Kleines? Willst du hören, dass ich bei dir bleibe, weil du die erste Frau bist für die ich wirklich.....empfinde? Willst du hören, dass du mein ganzer Stolz bist, weil ich nichts mehr als Glück empfinde, wenn ich dich sehe? Du bist meine Frau, mein Mädchen und ich lass dich nie wieder gehen. Und ja, ich fühle all das und noch viel mehr. Weißt du eigentlich wie schön du bist, Bella? So wie du dort sitzt, in Unterwäschen und meinem Hemd.....Himmel, du weißt gar nicht, wie sehr du mich schon um deinen kleinen Finger gewickelt hast und dass du sogar die Bestie in mir erweichen lässt. Außerdem rede ich gerade über meine Gefühle, was sich richtig schräg anhört aus meinem Mund.“
Wir sind auch nicht wie die anderen, Edward.“
Diese graue Stunde, wenn es nicht Nacht aber auch nicht Tag ist, finde ich sehr friedlich. Es ist die Stunde, in der ich eines Tages sterben werde. Kannst du …. derjenige sein, der meine Hand hält, wenn ich sterbe?“
Wer hält denn meine Hand, wenn ich sterbe?“
Ich werde deine Hand halten, während du lebst, Edward.“
Isabella, ich versuche wirklich alles um dich nicht zu verletzen, um es langsam anzugehen, weil unsere Liebe noch so jung ist. Und ich versuche mein Versprechen zu halten, weil ich wirklich darauf warten will, bis du bereit bist und ich werde nicht zulassen, dass ich es verbocke. Denn du bedeutest mir alles. Verstehst du? Dieses eine Mal muss ich alles richtig machen. Vergiss einfach, was ich dir erzählt habe, denn ich will nicht, dass du mich siehst und mich sofort vermisst als wäre ich gar nicht mehr hier. Sagtest du nicht, dass du alles dafür verwettest mit mir zusammen zu sein, also sei verdammt nochmal mit mir zusammen. UND HÖR AUF UM MEINEN TOD ZU WEINEN, DENN ICH LEBE NOCH. FUCK!“
LIEBE MICH EINFACH UND VERGESSE DIESE UNWICHTIGEN DINGE, UND WENN DU DAS NICHT KANNST, DANN.......“
...wir haben Liebe … wir haben uns. Und du hattest Recht, wir sollten alles langsam angehen, wie ganz normale, langweilige Menschen. Zwei Menschen. Unwichtig wer sie sind oder was sie in ihrem Leben machen. Wichtig ist, dass sie bereit sind alles für den anderen zu tun. In diesem Spiel sind wir zusammen, Edward. Wir sind Partner.“
Meine erste Aufgabe ist dich zu beschützen, Baby. Die zweite ist dich zu lieben und glücklich zu machen. Die dritte ist keinen weiteren Plan zu machen, weil wir leben wollen und nicht planen. Die vierte ist vier Kinder mit dir zu bekommen. Zwei Mädchen und zwei Jungen. Kleine Bellas und Edwards.“
Ich krieg noch einen Kuss, Baby. Komm her, schöne Frau.“
Edward?“
Hm?“
„Kann es sein, dass wir verrückt sind?“
Ja, das ist schon bestätigt und unterschrieben von den besten Ärzten. Aber das ist egal. Wären wir normal, wäre es total langweilig, nicht wahr?“
Ich will dich die ganze Nacht durch küssen, Bella.“
Ich will von jetzt an immer neben dir liegen und deine Hand halten. Jede Nacht. Jeden Morgen.“
Und ich will, dass du mich um Mitternacht aufweckst um mich zu lieben, so als gäbe es keinen Morgen mehr.“
Jetzt bist du mein Blutsbruder.“
Du warst weg! Ich habe die Augen aufgemacht und du warst nicht da.“
Wir verdienen es glücklich zu sein, Baby. Und das werden wir, solange wir zusammen sind, kann uns keiner etwas antun, weil wir zusammen ein unbesiegbares Team bilden.“
Ich liebe dich!“
Ich liebe dich mehr.“
Gar nicht wahr.“
Ich liebe dich viel mehr als du denkst.“
Wir brauchen Verstärkung. Senator Swan in Schusslinie. Zielperson: Isabella Swan.“
Adam, Edward ist dort oben. Er braucht Hilfe.“
Bella, mach die Augen auf und lauf her.“
Bella! Bella, Baby. Mach die Augen auf. Bitte! Für mich, Bella.“
Grüß mir Linda Swan ganz lieb, Edward Cullen!“
EDWARD, NEIN!“
Ich liebe dich!“
Ich liebe d-“
Ich lieb-“
Ich...Ich...Ich... Ich....“
....“

- - - -




~MB~



      Jeder Mensch ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig und jeder Aufmerksamkeit würdig.“ ~ Hermann Hesse




*
Dieses Chapter ist wirklich keine Erpressung. Es war schon immer so geplant.
Sagt mir, was ihr denkt, wenn ihr wollt :)

Und dann lasse ich euch noch den Link zu meiner neuen Gesichte da. (für die, die es noch nicht mitbekommen haben!) Vielleicht gefällt sie euch oder sie hilft euch dabei, euch wieder abzuregen wegen diesem Chapter jetzt :)

Dann sage ich schon mal:
Bussi, bis zum nächsten Mal. (Ja, es gibt ein nächstes Mal, keine Sorge!)
HEL, eure Eddie-Cullen.

PS: Ich spendiere euch allen einen Kaffee und viel Schoki :D