Freitag, 20. Juli 2012

Chapter: Breathing ...

Chapter 15:Breathing





Edward Cullen:




„Ich mag es aufzuwachen und nicht zu wissen was einen erwartet, oder wohin es einen verschlägt. Das Leben ist ein Geschenk und ich habe nicht vor etwas davon zu verschwenden. Denn jeder Tag zählt!" ~ Jack aus Titanic







Gerade mal war ich zur Haustür reinspaziert, schon musste ich achten, dass ich über keine Schleifen, Stoffbahnen, Glitzerschachteln und weiteren Mädchenkram stolperte, die den Weg zum Wohnzimmer der Swans blockierten.

„Mum, Alice, Rose, mein Kleid wird schwarz sein. S-C-H-W-A-R-Z!“ hörte ich mein Mädchen lauter und deutlicher sagen, als zuvor gesprochen wurde. Ich musste leicht schmunzeln, weil mein Mädchen fucking unglaublich war. Unglaublich war auch, dass sie morgen 17 Jahre alt werden würde. Bella war unglaublich reif für ihr Alter. Unglaublich wie oft ich unglaublich sagen konnte, ohne es überhaupt zu merken. Aber nach einem Vormittag mit meinen Eltern und meiner nervigen Grandma war ich leicht unzurechnungsfähig, weil sich mein Verstand einfach abschaltete, wenn es zu viel wurde.
„Schon gut, wir haben es verstanden.“ rief Rose und übertönte Bellas Geschrei von vorhin.
„Aber morgen muss sie irgendwas anziehen. Sie kann nicht zu ihrer Geburtstagsparty, bei der über zweihundert Menschen eingeladen sind, einfach in Jeans und einfachem Shirt auftauchen.“ rechtfertigte sich meine Schwester. Ich rollte die Augen.
„Wieso nicht?“ hörte ich Bella ernst fragen. „Dann schaffe ich es sicher in eine Klatschzeitung. Oh Alice, das ist eine tolle Idee!“ Ich lachte und erlangte somit die Aufmerksamkeit von allen vier Ladies.
„Hi, Lieblingsbruder.“ quietschte meine Schwester, während sie versuchte die bunte Mischung aus Kleidern, die überall auf dem Boden des Wohnbereichs ausgebreitet lagen, von ihrem Schoß zu entfernen.
„Bella, Baby, im Ernst – ein Kleid wirst du anziehen müssen. Von der Sommerkollektion von ELB-Fashion scheint dir nichts zu gefallen.“ Renée war wie immer die Ruhe in Person, wenn sie nun ihre einzige Tochter ansah.
„Hm.“ machte Bella, erhob sich danach elegant von ihrem Platz auf der Couch, wo sie ein Prospekt in der Hand hielt und darin blätterte – mich ignorierte sie noch und ich musste gestehen, dass ich deshalb leicht irritiert war. „Meine Entscheidung steht schon fest. Das Kleid wird wie jedes Jahr schwarz sein. S-C-H-W-A....“ Sie wurde von Rose unterbrochen.
„Welchen Teil von ´Wir haben es verstanden´ hast du nicht gecheckt, Swan?“ Irritiert sah Rose Bella an und schien sie am liebsten umbringen zu wollen. Renée sah ihrer Tochter besorgt hinterher, als diese mich im Vorbeigehen anrempelte. Fragend erhob ich meine Augenbrauen und sah wie sie ihre Hüften hin und her schwang und ihr Hintern unter ihrem Nachthemd deutlich zu sehen war. Mädchen, es war schon nachmittags, wieso trug sie dann noch ihr Nachthemdchen, durch das man alles sehen konnte. Sie wollte mir einen verdammten Herzinfarkt verpassen. Wenn ich jung starb, dann würde es Bellas Schuld sein.
„Ich such nur schnell ein Prospekt, wo ich schöne Kleider gesehen habe.“ winkte Bella mit der Hand ab und redete laut, damit die Damen sie auch sicherlich hörten.
„Tag, Edward.“ grinste mich Renée müde an, die anscheinend gar nicht zur Arbeit gefahren war, damit sie ihrer Tochter beim Kleideraussuchen helfen konnte. Aber Bella war stur, wie ihr sicherlich schon erkennen konntet.
„Wie lang geht das schon so?“ fragte ich neugierig.
„Oh, das. Seitdem du zu deinen Eltern aufgebrochen bist. Madam gefällt kein einziges Kleid und wenn sie sich keines in einer Stunde ausgesucht hat, dann werde ich sie eigenhändig ermorden. Das schwöre ich euch!“ Die Frustration war Rose deutlich anzusehen, denn sie fuhr sich mit ihrem Handrücken müde über ihre Stirn. Ich lächelte mitleidig und Alice grinste einfach augenrollend, weil sie anscheinend nicht müde wurde, wenn sie den ganzen Vormittag Kleider aussuchen durfte. Nein, es schien ihr sogar eine große Ehre zu sein.

Dann brach ich auf, als ich sah, dass die Parteien in ihren Meinungen stark auseinander gefächert waren, um mein Mädchen zu suchen. Ich fand sie in der Küche, wo sie auf ihren Zehenspitzen stehend mit ihrem Hintern wackelte und dabei Milch aus der Packung trank. Erst als ich einen Schritt näher an sie herantrat, sah ich, dass sie die Stöpseln ihres I-Pods in den Ohren hatte. Ich beobachtete die unbezahlbare Show und setzte mich auf den kleinen Holztisch ihr gegenüber, der es richtig erlaubte, diese Show in vollen Zügen zu genießen. Mein Mädchen war ein Bild für die Götter. Und ich wollte sie. Ich wollte sie so sehr, aber andererseits liebte ich sie. Wäre da nicht diese verliebte Seite in mir, würde der nackte Wahnsinn die Oberhand gewinnen und ich würde sie einfach nehmen. Aber die Liebe zu ihr war stärker als die körperliche Lust, die ich verspürte, wenn ich sie sah. Natürlich wollte ich hören, wie sie meinen Namen schrie, weil ich der Einzige wäre, denn sie so sehr liebte, um seine Frau zu werden. Ich hatte es wirklich ernst gemeint, als ich sie fragte, ob sie mich eines Tages heiraten wollte. Wenn sie mich heiraten wollte – MICH -, dann musste sie richtig verliebt sein. Ich war ein Dummkopf, ein aggressiver Typ, der die Faust schwang, als wäre sie die amerikanische Flagge und hirnlos durch die Gegend ging, um jedem der mein Mädchen auch nur ansah, einen kleinen Finger an sie legte oder ein blödes Wort sagte, die Nase brechen würde. Mich – mich wollte sie heiraten. Es musste entweder große Liebe im Spiel sein, oder eine unheilbare Dummheit.

„Edward, was machst du hier?“ holte sie mich aus meinen wohligen Gedanken zurück zur schönen Realität.
„Ich arbeite hier.“ antwortete ich und sie rollte lachend die Augen.
„Ja, aber was machst du hier, hier in der Küche?“ Sie wischte sich mit ihrem Unterarm über den Mund, um die Spuren der Milch, die sie getrunken hatte, fortzuwischen. Wenn jemand diese Geste sah, würde er niemals denken, dass er ein Mädchen vor sich hatte, deren Vater ein Senator war. Andererseits, sie war wegen diesen kleinen Dingen, die fast niemandem auffielen – mir fielen sie auf - , mein Mädchen. Ich war fucking wichtiger für uns beide als ihr verdammter Vater, von dem ich beschlossen hatte, dass ich nicht lassen würde, dass er sich zwischen uns stellte. Dieser miese Typ! Keiner würde sich zwischen uns stellen, nicht ihr Vater, nicht meine Eltern, nicht irgendein böser Nachbar. Keiner.
„Ich liebe dich, deshalb bin ich hier.“ Okay, das war mein blödes Herz, das aus meinem Mund sprach. Überrascht blinzelte sie ein paar Mal und machte einige Schritte auf mich zu. Lächelte so, dass sich mein Herz auftat und ich sie anstarrte, wie ein Dieb ein Haufen Geld anstarrte, oder ein Süchtiger seine Droge.
„Weißt du, wo Nana ist?“ fragte Bella, während sie sich umsah und ich schüttelte den Kopf, weil ich diese alte Dame nicht gesehen hatte, als ich vorhin das Haus betreten hatte. „Gut!“ meinte sie dann, stellte sich zwischen meinen Beinen und ergriff mein Gesicht mit ihren Händen. Sie liebkoste es mit ihren weichen Händen und ich lächelte sie selig an. Was sie aus mir machte – fucking unglaublich. Ich war Edward Cullen, der immer seine Faust geschwungen hatte und keine Frau jemals so nah an seinem Herz rangelassen hatte, als sie. Es war alles ihr Verdienst. Fragt mich nicht, wie sie es geschafft hatte. Fakt war, sie hatte es. Punkt. Mehr gab es nicht zu sagen. Außer, dass mein Herz unglaublich laut pochte und entspringen wollte, als ihre sanften, vollen Lippen die meinen berührten. Ganz sanft. Beinahe schüchtern. Aber dieser sanfte, langsame Kuss ließ tausend Gefühle durch meinen Körper kribbeln. Ich streichelte ihr Haar zur Seite, umfasste sanft ihre Schultern und drückte sie gegen mich. Nach einiger Zeit löste sie sich von mir und sah mich panisch an.
„Sie könnten uns sehen!“ Ihre Augen geweitet, wanderte ihr Kopf hin und her, um zu checken, ob uns jemand ganz zufällig gesehen hatte. Ich lächelte kopfschüttelnd. Ein kleines Bisschen war ich auch verletzt, weil wir unsere Liebe verstecken mussten und sie sich fürchtete zu mir zu stehen. Aber andererseits wusste ich, dass sie mich liebte und das konnte keiner ändern. Ich schmollte leicht.
„Miss Swan, ich wünsche ihnen noch viel Erfolg beim Kleideraussuchen.“ Als ich nach draußen gehen wollte, ergriff sie sanft meine Hand und ließ mich nicht gehen. Überrascht drehte ich mich zu ihr und sah sie erwartungsvoll an. Sie legte meine beiden Hände, die sie in ihren hielt um ihre Hüfte und drückte mich so fester an sie. Liebevoll sah ich sie an und sie lächelte leicht.



-
http://www.youtube.com/watch?v=8FbF18hDosw
(Jason Derulo - Breathing)
-



„Geh nicht.“ Eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen und ich war plötzlich um sie besorgt. Denn sie sah so traurig aus, dass ich es nicht aushalten konnte, ihr dabei zuzusehen. „Nicht heute; nicht jetzt.“ Ich schüttelte den Kopf. Nein, Kleines, ich würde nicht gehen. Ich legte meine Arme fester um sie und drückte sie gegen meine Brust, küsste ihren Kopf. Während sie sich in meinen Armen wieder entspannte, weil sie wusste, dass ich da war und nicht vor hatte zu gehen, dachte ich über Bella nach. Dachte darüber nach wie sehr mich ihr Schmerz verletzte, wie sehr mich ihre Angst terrorisierte. Warum war das so? Warum wollte ich sie vor allem und jedem beschützen? Sicherlich nicht, weil ich viel zu sehr an meinem Job hing. Nein, es musste die Liebe sein, die mich ohne sie nicht einmal atmen ließ. Ich wollte sie 24 Stunden sieben Tage die Woche bei mir haben, egal wie, wann oder wo. Es musste einen Grund geben, warum ich so abhängig von ihrem Geruch, ihrem Lächeln, ihren Augen und ihren Worten war.
„Ich bleibe bei dir, Bella. Bis ich alt und runzlig bin und du mich nicht mehr willst. Bis du mich hasst und mich nicht mehr sehen willst. Ich werde erst dann gehen, wenn dieser Zauber nachlässt, den du über mich gelegt hast. Du kleine Hexe.“ Scheiße, es machte mir richtige Angst, dass ich jetzt so fühlte. Wäre ich noch der Edward wie vor einigen Monaten, hätte ich bis jetzt schon längst mein Gepäck gepackt und wäre über die Hintertür schon aus Isabella Swans Leben verschwunden. Aber die Wahrheit war, dass ich nicht konnte, ich konnte sie nicht verlassen. Ich konnte nicht hinausrennen. Sie war unentbehrlich für mich. Sie war ein Teil von mir. Sie war die Luft, die ich atmete; sie war teuerer als mein Augenapfel; sie schmeckte so süß, wie Hoffnung und machte so süchtig wie Kokain.
„Wie bitte?“ fragte sie leicht perplex. Ich grinste sie an.
„Wie wie bitte? Du hast mich verzaubert, Mädchen. Eigentlich sollte ich die Polizei anrufen und ihnen sagen, dass du eine Diebin bist. Sie sollten dich hinter Gitter bringen, weil du gefährlich für deine Umgebung bist. Du bist vom Himmel direkt in meine Arme gefallen und ich habe dich festgehalten, Bella. Für dich bin ich wahrscheinlich der Mann – nein, warte – DER Mann. Aber ich bin nicht gut darin, Bella. Ich habe mich noch nie so gefühlt, wie jetzt – glaub mir, ich will dich nicht verlieren. Und ich würde alles tun, damit sie mir dich nicht wegnehmen. Ich verdiene dich nicht, denn ich bin kein Heiliger, der vom Himmel gefallen ist. Ich bin nur der Mann, der süchtig nach dir ist. Diebin – Diebin mit einem Engelslächeln, mit einem magischen Funkeln in den Augen. Schwöre mir ewige Liebe, Bella. Sag mir, dass ich dein Mann bin und bleiben werde, egal was noch kommt.“ Das Lächeln, das sie mir schenkte, war wahrscheinlich von Gott persönlich designed worden. Irgendwas in meinem Leben musste ich richtig gemacht haben, damit man mir ein so großes Geschenk machte. Mein Mädchen.
„Kennst du irgendwo einen guten Tattooladen, Cullen?“ fragte sie mich mit einem geheimnisvollen Funkeln in den Augen. Ihre Antwort überraschte mich leicht und ich nickte leicht, verdächtig, neugierig.




~MB~





Fuck, sogar Renée fiel mir in den Rücken und sie war meine letzte Option. Rose und Alice begeisterten Bella nur noch mehr von ihrer schwachsinnigen Idee. Ich rollte die Augen und murrte laut genug, so dass sie mich hörte, aber mich nicht registrieren wollte.
„Ich werde nicht dabei zusehen, wie du deine Haut ruinierst. Nein, Fräulein, vergiss es.“ Sie rollte dramatisch die Augen.
„Die kannst auch die Augen schließen, wenn du Angst hast, Cullen.“ Leise machte sie sich über mich lustig. Ich war richtig wütend und es war das erste Mal, dass ich wirklich diese tiefe Wut Bella gegenüber empfand.
„Ich habe keine Angst, Bella. Aber ein Tattoo bleibt ein ganzes Leben mit dir. Da kann man nicht einfach eine schwachsinnige Idee bekommen und es stechen lassen. Du zerstörst deine wunderschöne Haut – Du bist noch jung, du wirst es bereuen.“ Sie legte mir ihre Hand auf die Schulter, während wir vor dem Haus auf meine Moto stiegen. Ich liebte mein Motorrad. Wirklich. Aber jetzt musste ich mit Bella streiten, damit sie sich ja kein Tattoo stechen ließ.
„Ich bin jung. Lass es mich machen, Edward. Hör auf mir einzureden, dass ich meine Haut abfucken werde. Dass ich mir ein Tattoo stechen lassen werde, steht schon fest, Honey. Wenn du darüber streiten willst, dann lass es mich wissen. Aber du könntest einfach so nett sein und mich meine eigenen Fehler machen lassen. Ich brauche das. Ich brauche diese Ewigkeit auf meiner Haut.“ Etwas Warmes breitete sich in meiner Brust aus und legte meine Hand auf ihrer, damit sie leichter auf die Moto stieg. Wir beide trugen Helme, um ja nicht zu riskieren, dass uns etwas zustieß. Mein Gefühl sagte mir, dass es richtig war, sie einfach tun zu lassen, was sie sich wünschte, weil ich sah, dass sie es wollte. Ich sah wie sehr sie es wollte. Aber meine Aufgabe als Mensch war es ihr klar zu machen, dass nichts für die Ewigkeit hielt und dass sie es bereuen würde, dass sie sich ein Tattoo stechen wollte.

Ich beschloss Bella nicht zu drängeln. Sie war sowieso viel zu stur und würde nicht auf mich hören. Also genoss ich die Fahrt bis zu diesem Tattooladen, den ich durch Samuel, einem Freund, der im Krieg gefallen war, kannte. Sie hatte die Arme fest um mich gelegt, die Nase in meinen Nacken vergraben und ihr Haar wurde vom Wind umhergeweht. Ich entspannte mich und ließ Bella in Ruhe.

Als wir den Tattooladen erreichten, durchzuckte mich eine Welle der Wut, weil sie nicht auf mich hörte, aber als sie mich strahlend anlächelte, seufzte ich niedergeschlagen und sie hatte mich wieder um ihren kleinen Finger gewickelt. Also betrat ich mit ihr, Hand in Hand, den Laden.
„Hey...“ wurden wir von einer Rothaarigen begrüßt.
„Hi... ich hätte gern ein Tattoo.“ Bella näherte sich dem Tresen hinter dem die Frau stand und sie anlächelte.
„Weißt du schon, was es werden soll?“
„Yeah...“ kurz wanderte Bellas Blick zu mir und sie lächelte.

Fünfzehn Minuten später brummte auch schon die Maschine vor sich hin und Bella verzog ihr Gesicht. Ich blieb draußen, weil ich noch immer nicht damit einverstanden war, dass sie sich tätowieren wollte. Es war unglaublich dumm.
„Wer ist der Glückliche?“ hörte ich die Rothaarige Bella fragen, aber ich konnte nicht ihre Antwort hören, weil sie viel zu leise sprach. Ich rollte die Augen und las weiter im Prospekt.

„Hi, Baby.“ hörte ich Bella nach einer gefüllten Ewigkeit sagen. Ihre Wangen waren leicht gerötet, als müsste sie höllische Schmerzen ertragen und ich bekam für einen Moment Mitleid mit ihr, aber dann erinnerte ich mich wieder, dass ich sie gewarnt hatte.
„Hey, bist du fertig?“ fragte ich sie und sah, wie sie ihr Shirt leicht über ihre Hüfte zog.
„Ich muss nur noch bezahlen.“ Ich ließ das Prospekt auf den kleinen Tisch zurückfallen und stand auf um sie bis zum Tresen zu begleiten.
„Miss Swan, hier diese Salbe müssen sie zweimal täglich auftragen, damit es nicht zu einer Entzündung kommt.“ Bella lächelte nickend und reichte der Rothaarigen ihre American Express.
„Danke, Victoria. Ich bin sehr zufrieden mit deiner Arbeit. Du bist wirklich toll in dem, was du tust.“ Victoria lächelte ein Megawattlächeln und ich versuchte mir selbst zu erklären, was hier lief. Anscheinend waren diese beiden Freundinnen über Nacht geworden. Die zweite Option war, dass Victoria lesbisch war und mein Mädchen wollte. Mit verengten Augen sah ich sie an. Sie sah mich leicht verwirrt an und blickte wieder zu Bella.
„Ich hätte sie so gern kennengelernt.“ antwortete Victoria und legte ihre Hand auf Bellas Unterarm. Ich verspottete diese kleine Geste und fixierte Victoria mit meinem giftigsten und gefährlichsten Blick.
„Sind wir endlich soweit?“ fragte ich an Bella gewandt. Sie sah mich leicht tadelnd an, drückte mir aber einen kleinen beruhigenden Kuss auf die Wange, der seine versprochene Wirkung erfüllte.
„Ja, Baby. Wir sind gleich soweit.“





~MB~





Es war Nacht. Beinahe Mitternacht. Und wisst ihr was? Ich lag schlaflos in meinem Bett und dachte nach. Kein Auge wollte zugehen und mein Verstand wollte nicht ruhen. Es war so viel passiert in den letzten Tagen. New York, dieser Mistkerl, der mein Mädchen umbringen wollte, Jasper, Alice, Senator Swan, Bella und ihre Nana, Bella und ihre Mum, Bella und ich auf der Flugzeugtoilette, Bellas Tattoo. In einigen Minuten hatte mein Mädchen Geburtstag und sie wurde 17. Fucking 17 Jahre alt. Mein Herz schwoll voller Liebe und Zuneigung für sie an. Ich war wütend, intrigiert, weil sie mir ihr Tattoo nicht gezeigt hatte. Was hatte sie stechen lassen? Was?

Als ich realisierte, dass nichts half und ich nicht einschlafen konnte, schlug ich meine Decke zurück und ging auf Suche nach meinem Mädchen. Ich suchte sie im ganzen Haus und fand sie nicht. Sogar in der Küche, im Bad und im Spielzimmer (auch unter dem Billardtisch) hatte ich nachgeschaut, aber es gab keine Spur von Bella. Es schlug mich wie ein Blitz als ich realisierte, wo ich nicht nach ihr gesucht hatte. Zwei Stufen auf einmal nehmend, lief ich in den ersten Stock bis zum Zimmer, wo ich Bella vermutete. Vor der Tür fuhr ich die Buchstaben, die an der Tür angefestigt waren, nach, klopfte kurz an und riss die Klinke runter. Die Tür knarrte laut und schlug gegen die Wand. Das Licht des Fernsehers fiel auf Bellas Gesicht und sie drehte ihr Gesicht überrascht zu mir. Mein Mädchen war ein weinendes, schnupfendes Wrack, das auf ein paar Polstern saß und sich mit Popcorn vollstopfte. Ich sagte kein Wort, weil ich nicht wusste, ob mir etwas Tröstendes einfallen würde. Es waren schon vier Jahre vergangen und es wurde nicht besser für Bella, für keinen von uns. Also konnte man davon ausgehen, dass es nichts gab, dass für Bella Linda ersetzen konnte. Aber es war ein weiter Schritt für Bella gewesen, das Zimmer ihrer Schwester zu betreten. Ich wusste, dass sie das bis heute nicht getan hatte.

„Hi, Baby...“ Ihre Stimme war brüchig und sie versuchte mich anzulächeln, scheiterte aber kläglich. Ich näherte mich ihr langsam, weil ich nicht wollte, dass sie sich erschreckte. Mit dem Ärmel ihrer langen, gehäkelten Weste wischte sie sich die Tränen fort. Als ich sie erreichte, setzte ich mich neben sie, berührte sie jedoch nicht. Im Fernseher lief ´Titanic´, genau die Szene in der Jack im Wasser lag neben dem Brett, während er die Hand von Rose hielt, die leise vor sich hinsummte. Es war genau die Szene bevor sie erkannte, dass sie ihre Liebe endgültig verloren hatte. Ich wusste nicht warum Bella weinte. Sie saß hier am Boden des Zimmers ihrer verstorbenen Schwester, sah sich ´Titanic´an und heulte. Sanft küsste ich ihre Schläfe und ließ ihr Zeit sich wieder zu sammeln. Als Rose an Jacks Arm rüttelte und ihn aufzuwecken versuchte, blickte ich zu Bella und sah in ihre verschwommenen Augen, die voller Tränen waren. Einige Tränen flossen über und rollten über ihre Wangen. Ihr Mund war zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Ich blickte zwischen dem Fernseher und Bella, wusste nicht, was ich tun sollte. Rose küsste gerade Jack´s eingefrorene Hand und versprach, dass sie niemals loslassen würde, ließ ihn aber ironischerweise los. Während Jack vom weiten Ozean verschluckt wurde, begann Bella heftiger zu weinen. Entschlossen drückte ich auf Pause und drehte ihr Gesicht mit meiner Hand zu mir.

„Bella, warum weinst du, Kleines?“ Sie schloss gequält die Augen und versuchte tief Luft zu holen, stattdessen atmete sie nur zittrig ein und versuchte die Kontrolle über ihre Tränen zu gewinnen. Es klappte nicht. Mein Herz wollte wegen dem ganzen Schmerz, den ich plötzlich empfand, zerspringen. Ich wünschte, sie würde einfach aufhören zu weinen oder mir wenigstens sagen, warum sie so herzzerreißend weinte. Mein Herz starb tausend Tote, während ich ihr dabei zusah, wie sie versuchte den Schmerz loszuwerden, den ihre junge Seele fühlte. Sie verstand nicht, dass eine ihrer Tränen mehr wehtat als tausend meine. Sie verstand nicht, dass ihr Schmerz mein Schmerz war und das ich ihn wie einen tiefen Riss in meinem Herzen fühlte.
„Hast du sie auch gefühlt? Die ganze Zeit während Jack schläft und Rose versucht ihn aufzuwecken?“ Verständnislos sah ich sie an und sie lächelte ein trauriges Lächeln. „Die Hoffnung, dass er doch lebt. Aber dann sinkt er tief und lässt sie auf sich allein gestellt oben, damit sie allein weiterlebt. Dieses Bild trägt man mit sich. Das Bild, wie Jack vom Ozean verschluckt wird.“  Ich umfasste ihr Gesicht mit einer Hand und zog sie zu mir. Als sie rittlings auf meinen Schoß saß und mir tief in die Augen sah, wischte ich ihr die Tränen fort. „Es war unser Lieblingsfilm, weißt du? Wir haben ihn abertausend Mal gesehen. Vor allem dann, wenn ich Angst vor dem Gewitter hatte. Da habe ich mich immer in ihr Zimmer geschlichen und mich an sie gekuschelt. Sie hat gesagt, eines Tages würde ich schon verstehen, warum Jack sterben musste und ich verstehe es noch immer nicht. Ich kann es einfach nicht verstehen. Was ist schon daran so spannend, dass Jack stirbt oder dass Romeo und Julia sich das Leben nahmen? Wo soll da der Sinn des Ganzen sein? Hm?“ Nun weinte sie noch mehr und vergrub ihre Nase an meinem Nacken. Ich streichelte ihr Haar und atmete sie ein, ihren Geruch, ihre Wärme. „Oder Linda, wenn wir schon dabei sind. Warum musste Linda sterben? Sie war eine der besten Personen, die ich kannte. Warum musste Gott sie mir wegnehmen?“ Sie krallte ihre Hände in meiner Haar und atmete an meinem Hals. Ich schloss die Augen und küsste ihr Ohr. „Das ist nicht fair.“
„Nein, Kleines. Es ist nicht fair. Aber vielleicht hat Gott sie von uns genommen, weil er einen größeren Plan für sie hat, vielleicht genau deshalb, weil sie eine der besten Personen war.“ Bella entfernte sich ein Stück von mir und sah mich aus ihren großen, tiefen Seen an.
„Denkst du?“ fragte sie.
„Ja.“ ich lächelte sie sanft an und strich ihre Strähnen aus ihrem Gesicht, die an ihren Wangen klebten, wegen der Tränen, die sie vergossen hatte.
„Warum will er mir dann dich auch noch wegnehmen? Hm? Es ist unfair. Es ist so unfair.“ An diesem Punkt begann sie wieder zu weinen, legte ihre Hände vor ihr Gesicht und schluchzte laut.
„Sicher nicht, weil ich ein guter Mann bin.“ witzelte ich und sie sah mich aus ihren tränenüberströmten Augen an.
„Für mich bist du der beste Mann der Welt. Ich will dich nicht verlieren, Edward. Denn ich glaube, dass Linda dich zu mir geführt hat. Ich bete jede Nacht, dass sie dich beschützt. Sie ist gut, sie kann das. Sie kann mit Gott reden und ihm sagen, dass er dich nicht von mir wegreißt.“ Ich wollte weinen. Ich schwöre es. Ich wollte dort sitzen und heulen wie ein Mädchen, weil ich nicht wusste, womit ich diese Frau verdient hatte. Diese wunderbare Frau betete für mich. Für mein Leben. Es war unglaublich. Ich war erstaunt und überwältigt. Ich strich mit meinen Lippen über ihre weichen vollen Lippen, die von ihren Tränen noch sanfter geworden waren. Ich wollte ihren Schmerz fortküssen, aber stattdessen küsste ich ihre Tränen weg.
„Isabella Swan, ich verspreche dich zu lieben, jeden Tag und dir nachts zu zeigen, dass du die einzige Frau für mich bist. Dich zu lieben, wie du es verdienst. Ich verspreche dir treu zu bleiben und dich ewig in meinem Herzen zu tragen. Ich verspreche dich zu respektieren und dich wie einen Schatz in meinen Händen zu tragen. Außerdem verspreche ich dich zu beschützen und glücklich zu machen, wie noch keiner zuvor. Ich werde dich nie dazu bringen, die Zeit mit mir zu bereuen oder mich zu hassen. Ich verspreche dich niemals zu verletzen und dich niemals zu belügen oder betrügen. Versteh endlich, dass ich für dich atme, für dich lebe und jeden Tag mit dir in meinem Kopf und meiner Brust aufwache. Ich liebe dich mit jeder Pore meines Körpers, mit jedem Atom meiner Kraft, solange auch nur ein Körnchen Staub von mir bleibt, wir unsere Liebe ewig leben.“ Sie begann unter Tränen zu lächeln. „Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Ich verspreche dich niemals allein zu lassen und dir vier Kinder zu schenken. Bei Anfrage und einer netten Bitte auch mehr.“ Sie grinste und schlug mir gegen den unversehrten Arm. „Hör auf zu weinen, Baby, denn deine Tränen brennen wie die Hölle.“ Brav, wie sie war, wischte sie sich die Tränen fort.
„Okay, wo unterschreibst du?“ fragte sie mich grinsend. Ich spitzte die Lippen, sah mich um nach einem Stift und Papier.
„Kann ich auch später unterschreiben? Es scheint als hätten wir hier keine Stifte.“ ich zwinkerte ihr verspielt zu und sie lächelte.
„Und wo ist der Ring?“ fragte sie danach. Der Ring? Was für ein Ring?
„Huh?“
„War das jetzt kein Antrag?“ fragte sie mich verwirrt und ich begann zu lachen.
„War es denn ein Antrag?“
„Cullen, genau meine Frage. Also?“
„Fühlt es sich wie ein Antrag an?“ fragte ich sie und sie zuckte die Achseln und nickte danach.
„Na ja irgendwie schon.“ Im selben Moment zeigte die Digitaluhr auf Lindas Schreibtisch 00:00 Uhr an und ich presste meine Lippen gegen Bellas. Etwas geschockt blieb sie regungslos, erwiderte den Kuss jedoch als dieser Überraschungsmoment vorbei war. Danach erwiderte sie den Kuss. Ihr sanfter, weicher Mund war gegen meinen gedrückt und unsere Lippen bewegten sich langsam, fast schon ehrfürchtig, aneinander. Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht, hielt ihre Wangen fest und bewegte meine Lippen noch zärtlicher gegen die ihren.
„Happy Birthday....“ grinste ich sie an und sie lächelte strahlend. Nase an Nase, Stirn an Stirn, lächelten wir uns an wie zwei Idioten.
„Edward, ich muss dir etwas zeigen.“ platzte es aus ihr heraus und ich sah sie erwartungsvoll an. Sie zog langsam den Reißverschluss ihrer Weste hinunter, entblößte ihre Brüste, ihren Bauch und ihre Beine, die bis dahin nur wenig bedeckt waren, auf dem Weg. Eh, was tat sie da? Leicht irritiert sah ich sie an, während sie die Weste von ihren Schultern zog. Wollte sie etwa stripteasen? Als ich es sah, blieb mein Mund weit aufgerissen. Fuck! Oh, fuck!
„Bin ich dein genug, Edward?“ Ihre Augen glitzerten aufgeregt und sie sah mich abwartend an. Aber ich konnte mich nicht einkriegen. Ich legte meine Hand vor meinen Mund, biss in meine Faust und sah sie einfach an, als wäre sie irre.

„Cullen, ich werde deinen Namen tätowieren lassen. Hier …“ Dann hatte sie meine Hand auf ihrem linken Hüftknochen gelegt und gesagt: „Genau dort!“


„Fuck!“ entfuhr es mir. „Du hast es wirklich getan. Du hast meinen verdammten Namen tätowieren lassen.“ Ich konnte es nicht glauben. Schockiert streckte ich meine Hand nach ihr aus, zögerte danach, lächelte, sah in Bellas strahlenden Augen. Sie lehnte ihren Kopf wieder gegen meinen, ergriff meine Hand und legte sie auf ihre linke Hüfte, wo in einer geschwungenen Schrift mit schwarzer Tinte mein Name stand. Ihre Haut war leicht gerötet, also berührte ich ihre Haut nur sanft.
„Ist das ewig genug?“ fragte sie mich, lächelte gegen meinen Mund und ich legte ihr meinen Arm um die Schultern, umarmte sie fest und presste sie an mich.
„Womit, womit nur, habe ich dich verdient?“ Rethorische Frage, Baby. Sie lächelte mich lieblich an und ich küsste sie. Ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Nase, ihren Mund. „Jetzt weiß ich es – ich hab dich gar nicht verdient. Aber das ist egal, denn du bist mein.“ Meine Hand fand sich in meinem Haar wieder. Ich zog fest an meinem Haar, weil ich verdammt verwirrt war und auch überrascht.
„Das ist nicht alles, Edward.“ Sie sah mir tief in die Augen, stand von meinem Schoß auf und entfernte sich einige Schritte – nur in BH und Höschen bekleidet -, drehte mir ihren Rücken zu. Dann sah ich es; lächelte, zog weiter an meinem Haar, über ihre Schulter sah sie mich an und legte ihr langes Haar auf die Seite. Zwischen ihren Schulterblättern lagen die ausgebreiteten Flügel eines kleinen, niedlichen Vogels, der so etwas wie eine Schnur zwischen dem Schnabel hielt. Diese Schnur reichte bis zu ihrer linken Hüfte, bis zu meinem Namen also. Ach, deshalb sah mein Name so aus, als wäre er auf altem Papier geschrieben worden, denn die Ecken dieses Papiers waren leicht zerrissen und eingeknickt.

Das Lächeln, das mir mein Mädchen schenkte, erhellte ganz Seattle. Ein Vogel. Wollte sie mir etwa sagen, dass ich einen Vogel hatte? Ich musste selbst aufgrund meiner Gedanken lachen. Natürlich nicht, dummer ich.
„Warum ein Vogel?“ fragte ich Bella neugierig.
„Als ich klein war, hatten Linda und ich einen kleinen Vogel. Er war weiß, klein und total niedlich. Tatsächlich sieht er diesem Vogel auf meinem Rücken ähnlich. Linda und ich haben ihn freigelassen, weil wir nicht wollten, dass er sein ganzes Leben in einem Käfig verbringt. Damit er glücklich wird, haben wir ihn fortfliegen lassen. Mum und Dad haben wir gesagt, dass wir zufällig das Fenster offen gelassen haben und er sich befreien konnte.“ Sie lachte bei der Erinnerung und kam wieder auf mich zu. Auf dem Weg zog sie wieder ihre Weste an und setzte sich dann wieder neben mich.
„Linda und ich, hm?“ fragte ich sie grinsend.
„Sie hat dich zu mir geführt. Also, ja, Linda und du. Zwei der wichtigsten Menschen meines Lebens.“ Sie zwinkerte mir zu. Ich ergriff ihre Wange und führte ihre Lippen zu meinen.
„Du bist ein Teil von mir. Du bist mein Herz.“ Ich ergriff ihren Kopf, fuhr mit meinen Händen durch ihr Haar. „Liebe mich, Bella. Liebe mich und ich werde dich lieben, wie keiner zuvor. So wie ich nie jemanden geliebt habe. Meine Eine und Einzige.“





~MB~








Am nächsten Morgen war ich gut gelaunt, weil ich die ganze Nacht neben meinem Mädchen verbracht hatte und heute war ihr Geburtstag. Ihr fucking Geburtstag. Das war ein riesiger Tag für uns beide. Versteht ihr, dass ich mich mehr auf ihren Geburtstag freute als auf meinen, der übrigens schon vorüber war. Eine ganze Nacht mit meinem Mädchen in den Armen. Was gab es da schon besseres? Mir fiel gerade nichts ein.

„Mi amor, Bella, es sind Blumen für dich angekommen.“ hörte ich Nana zu meinem Mädchen sagen. Mein Mädchen kam in ihrem Morgenmantel bekleidet ins Wohnzimmer, ihre Schaumstofflockenwickler an ihrem Kopf, die sie lustig aussehen ließen, und ergriff den Strauß roter Rosen, den Nana ihr entgegenhielt. Sie nahm das Kärtchen, öffnete den Umschlag und zog die Karte heraus. Nana saß neben ihr und sah Bella an, die nachdem sie die Karte gelesen hatte, sie in tausend Stücke zerriss und aufgebracht aufstand.
„Schmeiß diese Blumen weg, Nana.“ lautete Bellas Antwort.
Nana sah zwischen dem Strauß und Bella, nickte dann aber und brachte den Strauß weg.
„Von wem waren diese Blumen, Bella?“ fragte ich sie während ich im Türrahmen lehnte. Überrascht drehte sie sich zu mir und sah mich an.
„Von meiner Lieblingstante.“ Sie lächelte ein falsches Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte.
„Oh!“ kam es von mir und ich grinste schief. Danach setzte ich mich neben Bella, schnupperte an ihrem Haar und biss in ihren Nacken. Sie versuchte mit ihrer Schulter mir den Zugang zu ihrem Nacken zu erschweren. „Verwehr mir nicht etwas, das mir gehört.“ warnte ich sie und sie sah mich mit einem kleinen Funkeln in ihren Augen an. Leicht schmunzelte sie.
„Bella, Honey, kannst du mir helfen, mich zwischen zwei Kleidern zu entscheiden?“ Renée kam angelaufen, lächelte als sie mich sah, und begrüßte ihre Tochter mir einem riesigen Lächeln auf den Lippen.
„Ja, klar. Gleich bin ich bei dir, Mum.“ antwortete Bella. Ihre Mutter verschwand wieder und Bella legte ihre Hand auf meine Wange.
„Küss mich, Baby.“ bat sie und ich lächelte sie mit meinem knieerweichenden Cullen-Lächeln an. Dann nahm ich ihre Lippen zwischen meinen, küsste sie, küsste sie so, als gäbe es keinen Morgen mehr und sie grinste gegen meine Lippen. Es folgte ein kurzer Kuss ihrerseits und einer meinerseits und dann verschwand sie um die Ecke.





°~*~°







Bella Swan:



Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich, DAS IST das LEBEN! - Charlie Chaplin





Ich fühlte, dass ich Schweißausbrüche hatte. Ein flaues Gefühl in meinem Magen ließ mich nicht atmen. Ich sah mein Spiegelbild an und wischte mir mit dem Handrücken über die Stirn. Mein Haar begann auf meiner Haut zu kleben. Ich war total aufgeregt und konnte mich nicht beruhigen.

„Bella, Honey, bist du soweit?“ fragte mich Mum und ich nickte leicht, rollte die Augen, weil mir einfiel, dass sie mich nicht sehen konnte und rief ein: „Ja, Mum, ich komme gleich.“ Einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel werfend, klemmte ich eine meiner Haarsträhnen hinter mein Ohr damit mein Ohrring sichtbar wurde. Dann trat ich in mein Zimmer und sah das lächelnde Gesicht meiner Mutter, die mich von oben bis unten ansah und mich danach umarmte.

„Honey, du bist wunderschön.“ Beide Handflächen hatte sie vor ihrer Brust aneinandergepresst und lächelte ein herzzerreißend schönes Lächeln. Ein Klopfen an der Tür ließ uns zusammenzucken und Alice trat in mein Zimmer ein in einem bodenlangen gelben Kleid, das ihr ausgezeichnet stand.
„Alice, dein Kleid ist wunderbar.“ quietschte ich aufgeregt und ging auf sie zu, um sie auf beide Wangen zu küssen.
„Ja, nicht wahr?“ sagte sie und sah auf sich herunter. Ich nickte und grinste sie an.
„Bella, du weißt schon, dass du traumhaft aussiehst. Obwohl ich anfangs von der Idee, dass du ein schwarzes Kleid tragen solltest, gar nicht begeistert war, muss ich gestehen, dass ich ein schöneres Kleid nicht gesehen habe. Es wurde für dich gemacht.“ Alice breites Lächeln nahm ich dankbar entgegen. Im selben Moment kam die Frau rein, die mich umbringen wollte, weil ich ihr so sehr auf die Nerven ging und ich lächelte sie selbstzufrieden an, als ihre Kinnlade herunterklappte, weil mir mein Kleid sehr gut stand.

„Also, Bella, ich dachte, dass dieses Kleid irgendwie meiner Oma passen würde, aber W-O-W, im Ernst WOW, es steht dir angegossen und verdammt perfekt. Dein Körper darin, einfach traumhaft.“ Rose seufzte verträumt, umarmte mich und wünschte mir nochmal persönlich ´Alles Gute´, weil sie mir ja nur telefonisch gratulieren konnte.
„Danke, Rose.“ bedankte ich mich. „Aber ich bin nicht die einzige, die hier die Show rocken wird.“ Sie grinste breit, fuchtelte an meinen Locken herum, die über meinen Rücken fielen und sagte dann, dass es Zeit wäre die Party beginnen zu lassen.

Meine Mum und Alice, die sich bei meiner Mum eingehakt hatte, brachen als erstes auf und Rose und ich gingen hinter ihnen her. „Ach, und Bella? Ich habe Edward gesagt, dass er dich zur Party führen soll.“ warf meine Mum schulterzuckend ein und ich schluckte hart. Bitte, was? Und das sagte sie mir erst jetzt? Wollte sie mich verdammt nochmal umbringen?
„Bella, atme. Es ist alles in Ordnung. Es ist nur dein Freund, dem du gegenübertreten wirst. Ist ja nicht so, dass du ihn gleich heiraten wirst oder so.“ Mit verengten Augen sah ich sie an und sie zuckte nur lässig die Schultern. Sie hatte doch keine Ahnung was ich für diesen Mann fühlte. Also konnte sie gar nicht wissen, wie sehr ich aufgeregt war meinem Mann gegenüberzutreten. Als wir die Kurve zur unteren Treppenhälfte nahmen, sah ich ihn auch schon und fühlte mich sie, wie sich Rose aus ´Titanic´ gefühlt haben musste, als sie bei ihrer Uhr auf ihren Liebsten gewartet hatte. Wenn auch ein bisschen hibbelig und viel viel aufgeregt. Er sah mich mit seinem glühenden Cullen-Blick an. In seinen Augen schienen Flammen aufzusteigen und er atmete schwer und schnell. Er streckte seine Hand nach mir aus und ergriff sie genau in dem Moment, als meine Füße die letzte Stufe erreichten. Er küsste die Knöchel meiner Hand und ich fühlte eine leichte Gänsehaut durch meine Haut ziehen. Wie würde sich dieser Kuss wohl anfühlen, wenn ich keine schwarzen, bis zu den Ellenbogen reichenden Handschuhe an hätte?
„Pass auf sie auf, Edward.“ sagte Rose, zwinkerte ihm leicht verspielt zu und überließ mich Edward. Dieser legte meine Hand auf seinem Arm ab und führte mich in unseren Garten, wo ein riesiges Zelt aufgeschlagen wurde. Die Musik war laut und hörbar im ganzen Haus. Die Nacht war warm, erfrischend, still und voller Sternen. Und ich fühlte ihn, roch ihn, sah seinen Blick auf mich ruhen. Was wollte man schon mehr verlangen? Ich wusste, dass Linda, wo auch immer sie sich befand, sich für uns freute und wollte, dass ich sie endlich losließ. Nichts desto trotz würde ich herausfinden, wer was wann wo meiner Schwester wehgetan hatte, wer sie auf dem Gewissen trug. Dieser jemand würde bezahlen. Sowas von. Edward beugte sich zu mir, nahe an meinem Ohr ruhte er und hauchte hinein: „Ich liebe dich, Miss Swan. Vergiss nicht, dass du mir gehörst. Und übrigens – du bist die schönste Frau, die auf dieser Erde herumläuft.“ Ich grinste und wurde mit einem Applaus begrüßt, als wir das Festzelt betraten. Meine Freundin Angela sprang mir als erste in die Arme und schwang mich hin und her.

„Oh Gott, ich hab dich schon so lang nicht mehr gesehen. Wir haben gehört, was dir in NYC widerfahren ist und waren schockiert. Das muss dich richtig erschreckt haben. Geht’s es gut damit? Du weißt, wenn du mit jemandem reden musst, dann bin ich für dich da!“ Sie lächelte mich strahlend an und hielt mich auf Armeslänge.
„Danke, Angela. Ich werde es in meinem Hinterkopf behalten. Lass mich nur jemanden begrüßen und ich bin gleich bei dir, ja?“ Sie nickte und ich küsste sanft ihre Wange. Danach schritt ich meinen Weg zu den Cullens, wo auch meine Mum sich einen Sessel herangezogen hatte.

„Happy Birthday, Bella.“ hörte ich Esme sanft sagen. Dann zog sie mich in eine warme, mütterliche Umarmung und ich bedankte mich so, wie es sich gehörte. Sie hatte ein kleines Funkeln in den Augen und ein sanftes, mütterliches Lächeln. Dr. Cullen hingegen sah mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an, blickte zwischen mir und seinem Sohn hin und her und fixierte meine Hand, die an Edwards Unterarm lag, weil ich mich bei ihm eingehakt hatte. Auch er wünschte mir das Beste, aber nicht aus ganzem Herzen, wie es Edwards Mum getan hatte. Es gab etwas an Dr. Cullen, das mich irritierte. Er schien etwas zu wissen. Er schien fiel über meinen Dad zu wissen. Warum hatte er die Beweise, die sein Sohn über meinen Dad hatte, verschwinden lassen? Wen versuchte er zu schützen? Edward oder meinen Dad? Wahrscheinlich seinen Sohn und ich war wirklich ein gefährlicher Umgang für Edward. Da hatte Dr. Cullen vollkommen recht. Errinnert euch doch nur, was in New York Edward zugestoßen war. Es war meine Schuld.

Meine Mum kümmerte sich um alle Gäste wie die gute Gastgeberin, die sie war und etwa um 22 Uhr schnitt ich eine 5-stöckige Torte und blies die Kerzen aus.
„Du darfst dir etwas wünschen, Honey, aber das weißt du ja schon!“ sagte meine Mum und ich nickte. Ich wünschte mir, dass Edward lebte. Es war der einzige Wunsch, den ich hatte. Als es dann Zeit war zu tanzen, baten mich viele Leute um einen Tanz, nur der, von dem ich wünschte, er würde mich fragen, tat es nicht. Stattdessen stand er in einer Ecke, fixierte mich mit seinem glühenden Blick und sah mir beim Tanzen mit verschiedenen Menschen zu. Ich vermisste meinen Bruder. Ich vermisste meinen Dad, mit dem ich immer getanzt hatte, wenn ich Geburtstag hatte. Er hatte zwar kurz angerufen, um seiner Tochter ´Alles Gute´ zu wünschen, aber es war nicht dasselbe. Obwohl er ein böser Mensch war, war er doch immer noch mein Dad. Mein liebster Daddy.

Kurz vor Mitternacht kam es zur speziellen Überraschung und ich setzte mich vor die Bühne auf einen Sessel. Die Lichter wurden ausgeschaltet und nur ein Licht brannte auf der Bühne. Das Licht wurde auf einen schwarzen Flügel reflektiert und ein Mann in einem schwarzen Smoking bekleidet, erschien auf der Bühne, setzte sich auf den kleinen Hocker und begann zu spielen. Das Gesicht des Mannes war nicht zu erkennen, weil das Licht ihn viel zu stark blendete. Aber als er auf dem Flügel zu spielen begann, erhielt er die Aufmerksamkeit aller Gäste. Die Melodie, die er spielte, kam mir etwas bekannt vor. Doch ich konnte sie anfangs nicht zuordnen. Als der Mann zur Melodie zu singen begann, hielt ich erschrocken die Luft an. Fuck! Fuck! Es war Edward und er spielte für mich. Er spielte und sang für mich. Das Lied bereitete mir eine eine immense Gänsehaut und trieb mir Tränen in die Augen. Es hieß ´Your guardian angel´von The Red Jumpsuit Apparatus.



-
http://www.youtube.com/watch?v=jRehmX3zlwE&feature=related
-




Es war still. Jeder hörte Edward´s sanfter Stimme zu, die uns einlullte und unsere Gedanken forttrug. Ich aß ihn mit meinen Augen auf, knabberte genüsslich an ihm und bildete mir ein, wie ich ihn anspringen würde, wenn er das Lied beendete. Aber der einzige Grund warum ich es nicht tat, war, dass ich sein Leben nicht gefährden wollte. Als er das Lied beendete, stand er elegant auf und beugte sich vor und erhielt seinen Applaus, den er wohlverdient hatte. Mein Herz stieg mir in den Rachen und es pumpte laut und schnell. Ich hörte mein Blut in den Ohren rauschen.

Edward verließ das Festzelt und ging auf das Haus zu. Ich folgte ihm. Langsame Schritte, damit keiner auf die Idee kam, dass ich Edward folgte. Im Haus angekommen, konnte ich nicht mehr erkennen wo er hingegangen war, weil zu viele Kellner und Kellnerinnen mir mit silbernen Tabletts entgegenkamen. Also versuchte ich ihn in seinem Zimmer zu suchen. Doch soweit kam ich gar nicht, denn als ich am Billardzimmer vorbeiging, wurde ich attackiert und ins Dunkle des Zimmers gezogen.

Meine Spucke blieb mir im Hals stecken und mein Blut in meinem Venen wurde warm, weil er mich mit diesem Ich-besitze-dich-so-fucking-sehr-Blick ansah. Er schloss die Tür und presste mich gegen die Wand.
„Hey, Kleines...“ Seine Stimme war dunkel, sexy und ich sah ihn nur an. Unfähig etwas zu sagen, Worte oder Gedanken zu bilden, sah ich ihn einfach nur an. Abwartend. Schwer atmend. Vielleicht auch leicht verwirrt. Ich liebte ihn so sehr. So sehr, es war unbeschreiblich. Ich wusste nicht, wie ich es ihm klar machen konnte. Wie ich es ihm zeigen konnte. Ich umarmte ihn. Meine Finger unter seinem Jackett, an seinem Rücken, der meine Hände nur durch sein weißes Hemd trennte. Er legte seine starken Arme um mich und ich fühlte plötzlich seine Wärme, roch seinen sinn-benebelnden Duft.  Seine Hand wanderte in meinem Haar und die andere war auf meinem Rücken. Mit beiden Händen zog er mich fester an sich, sodass ich jeden seiner Muskel gegen meinen Körper fühlen konnte. Es machte mich wahnsinnig.
„Bella, ich kann nicht ohne dich. Bitte, werde meine Frau. Heirate mich. Bitte. Bitte.“ Sein warmer Atem streifte mein Gesicht. Ich atmete ihn ein, fühlte ihn unter meiner Haut und wünschte mir er würde mich küssen. Seine Bitte verwirrte mich. Zur selben Zeit fühlte ich wie sich etwas tief in mir zusammenzog.
„Ja...“ hauchte ich gegen seine Lippen.
„Ich will in die Welt hinausschreien, dass du mir gehörst. Jedem sagen, wie stolz ich auf dich bin und wie sehr ich dich liebe. Ich will nur dir gehören, meine erste und einzige Liebe. Bella, mein Kleines, meine Königin, mein Herz. Du, mein Alles.“ Er war diese Liebe, diese Liebe, die einen krank machte und zugleich heilte. Er war jemand, ohne den ich nicht leben konnte. Es war so klar, dass ich seine Frau werden musste. Aber ich war bereits so sehr sein, dass es mich krank machte und glücklich. Es war unglaublich.
„Edward, ich bin bereits dein. Ich bin so dein, dass du es mir nicht glauben wirst, wenn ich es versuche es dir zu erklären. Ich liebe dich so sehr. Hier.“ Ich legte seine Hand auf meine Brust, die sich so schnell auf und absenkte, dass man glauben würde, ich hätte eine unheilbare Herzkrankheit. Oh, die hatte ich auch. Eine größere Herzkrankheit als Edward gab es nicht. Aber er war eine gute Herzkrankheit. Er war eine Herzkrankheit für die ich keine Genesung oder Medikamente finden wollte. Es war ein Teufelskreis. Er grinste mich an, als er meinen Herzschlag hörte und nahm meine Hand, um dasselbe bei ihm zu machen. Ich grinste ihn ebenfalls an als sein Herz so schnell und hart gegen meine Handfläche pochte. Es wollte zerspringen. Es war mein Herz. Sein Herz war meins. Plötzlich umfasste er mein Gesicht mit beiden Händen und brachte mein Gesicht nahe an seinem. Er rieb seine Nase an meiner entlang und küsste danach sanft meine Lippen.
„Du bist so verdammt schön in diesem Kleid. Nein, du bist immer schön. Aber in diesem Kleid bist du mehr mein als du weißt. Gott, Bella. Was machst du nur mit mir?“ Wieder verschloss er meine Lippen mit den seinen, doch diesmal leidenschaftlicher, hungriger, verlangender. Sein Kuss entzündete meinen ganzen Körper auf seinem Weg und ich krallte meine Finger in Edward´s Haar, presste ihn näher an mich heran. So nah, dass kein Blatt mehr zwischen uns passte. Ich wollte, dass sich nichts zwischen uns stellte. Ich wollte ihn mein Leben lang. Ich hatte so lang auf ihn gewartet. Länger als es mir erschien. Auf die wahre Liebe zu warten, erschien manchmal lang, aber wenn sie einen erreichte, wischte sie alle Sorgen, bösen Wörter oder Tragödien auf dem Weg. Sie machte andere Menschen aus uns. Bessere Menschen.
„Ich liebe dich. Das mache ich mit dir.“ antwortete ich leicht berauscht von seinem Kuss. Danach umarmte er mich, presste mich fest gegen ihn und ich vergrub meine Nase an seiner Halsbeuge, umarme ihn fester zurück und halte ihn einfach.
„Oh, Bella.“ sagt er dann mit einer Stimme, die eine Gänsehaut auf meinem gesamten Körper verursacht. „Komm mit.“ Danach zieht er mich mit sich aus dem Raum, verlässt am Hintereingang das Haus und führt mich zur Garage, wo er mich geheimnisvoll schief anlächelt und mir danach mit einem Zwinkern andeutet, ihm zu folgen. Was hatte ich schon für eine Wahl, wenn er nicht einmal meine Hand losließ, während er mich irgendwohin führte. Er war aufgeregt und verhielt sich wie ein Kind. Es intrigierte mich.
„Edward, was ist los?“ fragte ich mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht. Er blieb vor etwas, das mit einer dicken schwarzen Folie bedeckt wurde, stehen und sah mich mit einem intrigierenden Glitzern in den Augen an. Mit einer Bewegung riss er die Folie runter und präsentierte mir sein Geburtstagsgeschenk.
„Ta-da.“ Meine Augen wurden so groß wie zwei Billardkugeln. Oh nein – er hatte doch nicht.... Woher wusste er? Fuck! Voller Überraschung sah ich perplex drein, schlug meine Hände vor meinen Mund und sah ihn ungläubig an.
„Du...“
„Ja, ich, Baby.“
„...hast...“
„Mhm..“ grinste er mich liebevoll an.
„ … mir ein Motorrad gekauft?“ Er nickte und grinste.
„Das ist richtig, Kleines.“ antwortete er.
„Oh, Gott!“ rief ich und rannte auf Edward zu – was in meinen hochhackigen Schuhen gar nicht so leicht war – und sprang ihn an. Nun, diesen Wunsch hatte ich schon seitdem ich ihn an diesem schwarzen Flügel hatte für mich spielen hören und sehen.
„Oh!“ machte er, fing mich auf und wirbelte mich herum. Er lachte als ich ihn sanft küsste. Das Lachen verging ihm jedoch, als er meine Zunge in seinem Mund fühlte. Ich schmeckte ihn, voll und ganz und er schmeckte so mein, so süß, so niedlich. Er setzte mich auf das Motorrad ab, ergriff meinen Hinterkopf und küsste mich hungriger, stöhnte während unsere Zungen einander umwarben und ich tat es ihm gleich, ergriff ihn mit meinen beiden Armen und küsste ihn so sanft und gleichzeitig so verlangend.
„Oh, Edward. Danke, dein Geschenk ist so... bedeutungsvoll.“
„Weil es mein Geschenk ist?“
„Ja, und weil ich Motorräder mag.“ Ich küsste ihn wieder und er lächelte auf eine Weise, auf die nur er lächeln konnte. Schief und sexy und so magisch. Alles, was er tat, sprach mein Herz zu hundert Prozent an. Oh, Gott, ich war so seins. Ich fühlte, dass jeder Knochen in meinem Körper mehr ihm gehörte als mir. Es war unglaublich.
„Willst du, dass ich dich irgendwohin fahre? An einem bestimmten Ort?“ fragte er mich, während ich meine Honda näher inspizierte. Das Motorrad war silbern, wie Edwards, aber ein bisschen anders. Es war wie der Zwillingsbruder von Edwards Moto. Ich grinste. Ja, es gab einen Ort an dem ich jetzt sein wollte.



Während der Fahrt wurde mein Haar umhergeweht, aber ich liebte es, wenn das Adrenalin durch meinen Körper pumpte, meine Wangen rot wurden und mein Haar ein hoffnungsloser Fall. Mein Motorrad war unglaublich und wie Edward es lenkte und fuhr. Es brummte unter uns beiden und ich war so fest an Edward gepresst, atmete ihn ein, fühlte ihn so nah an mir. Ich war so glücklich, obwohl ich es nie so richtig für möglich gehalten hätte. Dieser wunderbare, leicht verrückte Mann, der eine so niedrige Meinung von sich hatte, machte mich glücklich, wollte mich heiraten und zu seiner Frau machen. Ich hatte ihm die Ewigkeit versprochen und ich wusste, dass es niemals einen anderen geben würde. Edward war für mich bestimmt. Ich für ihn. Er hatte mich so sehr verändert, seitdem ich mit ihm zusammen war – mich mit meiner Mum vertragen, mich zu einem besseren Menschen gemacht, mir die Augen geöffnet, mir geholfen über Lindas Tod nicht mehr so sehr zu trauern. Er ließ mich an das Gute denken. Wenn er da war, dann fühlte ich mich sicher, geborgen, geliebt. Er war nicht perfekt und das wusste ich. Er musste schon sehr früh mit Dingen auseinandergesetzt werden, die niemals passieren durften. Mein Dad hatte Edwards Träume zerstört und ihn auf die eine oder andere Art mit dessen Dad in eine unangenehme Situation gebracht. Edward dachte, dass sein Dad ihn nicht liebte, weil er diesen niemals auf sich stolz machen konnte. Wenn Carlisle nur wüsste, was für einen Sohn er in die Welt gesetzt hatte. Edward war ehrlich, liebenswert, hilfsbereit, treu. Er war so süß und liebte seine Familie. Vielleicht sahen sie es nicht, aber ich erkannte es darin, wie sich sein Blick und seine Stimme veränderte, wenn er über seine Familie sprach. Er würde alles für seine Familie tun. Aber er hatte seine Prinzipien – er hatte seinen Stolz und seine Würde. Er war ein richtiger Mann, der mutig war, der keine Angst hatte, der so selbstlos war. Sein Herz war so groß, so gut und so rein. Mit Edward das Leben in einem Zelt zu verbringen, wäre für mich das größte Geschenk, denn wenn man einen Mann fand, der die Personen, die er liebte, über all das Vergängliche hinaus beschützen wollte, war er das größte Geschenk Gottes. Wir waren beide nicht perfekt – aber unsere Liebe war es. Unsere Liebe war es sehr wohl. Diese konnte uns keiner nehmen.

Dann holte er mich aus meinen Gedanken zurück, weil er den Motor ausstellte und stehen blieb.
„Kleines, wir sind da!“ sagte er sanft und küsste mich auf den Kopf. Fuck, wir hatten die Helme vergessen, aber Edward war ein guter Fahrer, mit ihm an meiner Seite hatte ich keine Angst. Ich hatte keine Angst zu sterben.
„Bereit?“ fragte ich ihn.
„Bereit, wenn du es bist.“ nickte er und ergriff meine Hand. „Willst du die Schlüssel deines Motorrades haben?“ Er zwinkerte verspielt. Das Schild am Eingang zeigte uns wo wir uns befanden ´Lakeview Cementary´, nicht, dass wir uns nicht auskannten, oder hier falsch waren. Nein, das nicht. Aber es war ein komisches Gefühl wieder hier zu sein. An dem Ort, wo ich meine Schwester ´Wiedersehen´ sagen musste. Es war eine der schlimmsten Erinnerungen, die ich hatte und nie bevor Edward hatte ich den Mut gefunden, wieder hier aufzutauchen. Seitdem Linda gegangen war und ich nur noch in die Vergangenheit blicken musste, um sie sehen zu können, hatte ich ein Stück meiner Selbst verloren. Jeder, der von uns ging, nahm ein Stück von uns mit und ließ uns verwüsteter und noch zertrümmerter zurück.
„Hier sind Bruce Lee und sein Sohn begraben, wusstest du das?“ fragte ich Edward. Seine Augenbrauen wanderten in die Höhe.
„Im Ernst?“ fragte er überrascht.
„Yeah, mein Ernst.“
„Es gibt für uns wichtigere Menschen, die hier begraben sind, als Bruce Lee oder sein Sohn.“ er sah mich ernst an und küsste meine Schläfe. „Es ist befreiend, sie endlich besuchen zu können. Endlich zu wissen, wo sie ruht und zu wissen, dass es einen Ort gibt, wo wir ihre Anwesenheit fühlen können – einen Ort an dem sie uns hören kann.“ Das Holz knirschte unter unseren Füßen, weil wir den Pfad verließen, um den Weg zu Linda abzukürzen. Natürlich wusste noch exakt wo sie lag, denn das war etwas, das ich in meinem Leben nicht vergessen würde. Allein wenn ich meine Augen für immer schließen würde, vielleicht erst dann. Wir passierten eine Reihe von Gräbern, einer neben dem anderen, Reihe für Reihe.

„Hier lang.“ sagte ich und zog Edward nach links, wo nach vier weiteren Gräbern meine Schwester ruhte. Ich blieb wie angewurzelt stehen und beobachtete den Grabstein. Danach ging ich langsam auf die Knie und setzte mich außen, wo ich ihre Füße vermutete. Edward sah mich im ersten Moment sehr perplex an, weil er anscheinend vermutete, dass es mir schlecht ging, aber danach setzte er sich hinter mir, die Arme um meinen Bauch gelegt.
„Hallo, Linda.“ Es war Edward, der als erster seine Stimme wiederfand. „Ich bin mit Bella hier. Yeah, ich bin tatsächlich hier und beschütze sie, wie ich es dir versprochen habe. Weißt du? Du hattest Recht, dass sie eine der besten Personen ist, die ich kenne; die du kanntest. Wie immer hattest du Recht, als du sagtest, dass ich ein verdammtes Arschloch war, weil keine Frau jemals mein Herz erobert hatte. Nun weiß ich, was du gemeint hast. Bella hier glaubt, dass du mich zu ihr geführt hast – falls das wirklich so ist, danke ich dir vom ganzen Herzen. Du weißt, dass du eine zweite Schwester für mich bist. Das wird sich niemals ändern.“ Er nahm eine seiner Hände von meinem Bauch und legte sie auf die gewölbte Erde unter der meine Schwester lag. Seine Hände gespreizt, rannten einige Erdkörner zwischen seinen Fingern. „Ich werde alles dafür setzen, herauszufinden wer dir das angetan hat. Diese Person sollte lieber die Koffer packen bevor ich sie erwische, denn sonst werde ich sie von der Erdkugel verschwinden lassen, als hätte es sie niemals gegeben. Ich denke, das sind genug Informationen fürs erste Mal.“ Ich hörte sein schiefes Grinsen aus seiner Stimme heraus. Wie durch einen Impuls geführt, legte ich meine Hand auf die seine und lächelte ein trauriges Lächeln.
„Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, Linda. Ich weiß, dass du wütend auf mich bist, weil ich dich so lang allein gelassen habe. Ich weiß nicht, ob du dich allein fühlst oder ob du Angst hast. Aber ich will, dass du weißt, dass ich niemals aufgehört habe an dich zu denken und dich zu lieben. Jetzt wo ich die Wahrheit weiß, dass du mich nicht verlassen hast, dass du niemals gegangen wärst, hätten dir diese Menschen nicht das Leben genommen, muss ich dir versprechen, dass ich die Erinnerung an dich und deinen Namen säubern werde, ehren werde. Ich werde diese Personen finden, die dir das angetan haben, denn es gibt keinen Ort der Welt an dem sie sich vor mir verstecken könnten. Ich hoffe nur, dass mich die Wahrheit nicht umbringt, wenn ich sie herausgefunden habe. Wenn es Dad ist, Linda, ….“ Ich brach ab, legte meine Hand an meine Brust und versuchte zu atmen.

„Kleines, schon gut. Es ist alles gut, beruhige dich.“ Edward küsste meine Schläfe und umarmte mich fester von hinten.
„Es tut mir leid, dass ich nicht früher erkannt habe, was mit dir passiert ist. Dass ich nicht früher die Augen offen hatte. Dass ich nichts tun konnte, um die Menschen, die ich liebe, zu beschützen. Dich, Mum und Emmett. Dass ich Dad nicht verändern konnte. Er hat mich manipuliert, Linda. Aber ich liebe ihn trotzdem und ich fühle mich, als wäre ich sein Gefährte in allen schlechten Dingen, die er getan hat, weil ich ihn trotzdem lieb habe, obwohl er so ein schlechter Mensch ist und er den Mann töten will, den ich am meisten liebe. Wie armselig das ist. Es macht mich schwach. Es macht mich so schwach. Ich weiß nicht, was ich tun soll, Linda. Ich fürchte ich werde aus diesem Alptraum nicht aufwachen. Ich fürchte mich vor Morgen. Weil ich nicht weiß, ob mich Dad morgen zwingen wird ohne Edward zu leben. So wie er Jasper jeden Tag zwingt ohne dich zu leben oder mich, wenn wir schon dabei sind. Ich hoffe, er tut nichts Falsches – etwas wofür ich ihn mein ganzes Leben lang hassen werde. Denn ich bin nicht Mum und auch nicht du, die beide so gutherzig sind und bereit den Menschen alles zu verzeihen. Das kann ich nicht. Je mehr Dinge ich über Dad herausfinde, desto mehr versuche ich mir einzureden, dass er noch immer der Mann ist, der mich in seinen Armen getragen hat, als ich klein war. Er war mein Held. Er war meine größte Liebe und er war alles für mich. Mein Freund, mein Dad, mein Bruder, mein Vertrauter, mein Idol. Er war mein Liebling und ich hätte ihm alles verziehen. Alles. Aber … jetzt. Die Gegenwart ist so anders und es wird nur noch schlimmer, ich fühle es, Linda. Ich wünschte, dass du hier wärst, um dich wieder fest umarmen zu können. Du würdest bestimmt wissen, was zu tun ist. Es gibt mehr, es gibt so viel mehr zu erfahren, Linda. Ich schwöre dir, ich werde auf den Grund dieser ganzen Sache gehen, denn der Gestank kommt von weiter unten.“ Edward drückte meine Hand fester in seiner. „Beschütz Edward, ja? Wirf ein Auge auf Emmett, Mum und Nana.“ Mein Kopf wanderte nach links, weil sich dort das Laub plötzlich zu bewegen begann. „Ist das ein Zeichen? Linda, bist du das?“ Mein Mund blieb offen, meine Augen fühlten sich mit Tränen und ich fühlte wie der Wind mein Haar streichelte und ich wusste nicht, ob ich verrückt war, aber ich roch ihren süßlichen Duft, fühlte ihre warme Umarmung. „Ich weiß, dass du hier bist.“ flüsterte ich und lächelte. Danach stand ich auf und Edward half mir dabei. Er nahm mich fest in seine Arme. „Es gibt keinen ärgeren Blinden, als den, der freiwillig nicht sehen will.“ Ich nahm meinen Ring mit dem Motiv einer Schlange von meinem Finger und legte ihn neben ihrem Grabstein ab. Danach ergriff ich Edwards Hand und ließ ihn mich hinausführen, durch die Reihen von Verstorbenen.

Als es dann auch noch zu regnen begann, seufzte Edward frustriert und ich lächelte. „Mach nicht so ein Gesicht.“ sagte ich Edward und er lächelte dann auch.
„Kurz nachdem ich dich kennengelernt habe, hast du im Regen getanzt. Du hast sogar deine Schuhe ausgezogen. Das hat mich überrascht.“ er zuckte die Schultern.
„Und mich hat geschockt, dass du dich als Clown verkleidet hast. Was wolltest du damit erreichen?“
„Würdest du mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich keine Ahnung habe, was ich dort gesucht habe. Ich war einfach dort, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der richtigen Person, weil es vorbestimmt wurde.“ Ich sah ihn einfach an. „Tanz mit mir, Bella.“ Es begann heftiger zu regnen. Die Regentropfen trommelten auf unsere Körper und er wollte, dass ich mit ihm tanzte. Ein breites dämliches Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus und ich reichte nach unten um meine hochhackigen Schuhe auszuziehen. Er grinste.
„So gehört es sich nun mal.“ zuckte ich die Schultern und packte meine beiden Schuhe in meine Hand. Von unten bis zu meinen Knien, war der Stoff meines Kleides bereits durchnässt, weil er dünner war, als der obere. Er klebte nass und unangenehm an meine Haut. Seine beiden Hände legte er auf meine Hüften, zog mich danach an sich, wartete bis ich meine Hände an seine breiten Schultern legte und mit einem sanften Lächeln begann er langsam uns hin und her zu schwingen. Dann presste er mich fester an sich und hob mich hoch und setzte mich auf seine Anzugschuhe ab. Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er lächelte und küsste sanft meine Lippen.
„Zu welcher Musik tanzen wir eigentlich?“ fragte ich ihn nach einer Weile, während sogar mein Höschen und mein BH nass wurden. Es gab nicht an meinem Körper, das noch trocken war. Wie denn auch, wenn es wie aus vollen Eimern schüttete?
„Brauchen wir denn Musik, um tanzen zu können?“ fragte er.
„Wir zwei? Nein, natürlich nicht. Wir sind auch so verrückt genug. Andere vielleicht schon, aber wir nicht.“ er begann zu lachen und ich stimmte mit ein.
„I´m singing in the rain, just singing in the rain. What a glorious feelin´, I´m happy again; I´m laughing at clouds; So dark up above; The sun´s in my heart......“ Ich rollte die Augen.
„Das Lied passt nicht, Edward.“ murmelte ich. Mit einer plötzlichen Bewegung hob er mich hoch, sodass meine Beine um seine Hüfte geschlungen waren. Ich sah ihn überrascht an.
„Küss mich!“ verlangte er und zog meinen Kopf zu sich herunter.
„Das Lied kenn ich doch gar nicht.“ nuschelte ich, bevor meine Lippen auf seinen lagen.




~MB~






Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt. ~ Erich Fried