Donnerstag, 26. Januar 2012

Chapter 4: Pieces of the Truth


Chapter 4:


Pieces of the Truth








Sekundenlang blickten wir uns gegenseitig in die Augen und keiner sagte ein Wort. Edward öffnete und schloss den Mund wieder, als wäre er ein stummer Fisch. Sein Blick war flehend, als gäbe es da etwas, worüber er gar nicht reden wollte. Aber ich wollte endlich etwas Klarheit in diesem dunklen Loch, in dem ich mich sichtlich befand, bekommen, um erleichtert einatmen und den Sauerstoff genießen, der in meine Lungen strömen würde.

„Es hat aufgehört zu regnen!“ kam es von ihm plötzlich. Sein Blick wanderte gen Himmel und entblößte mir seinen Hals, mit einem reizenden Adamsapfel, der sich beim Sprechen äußerst faszinierend bewegte. Es musste unbewusst sein, aber Edward spannte die Muskel auf seinem Hals an und das ließ meinen Blick dort festkleben.

„Mhmmm!“ stimmte ich also geistesabwesend zu.

Ich hatte nicht nachgesehen, ob der Regen vollständig aufgehört hatte, da vor mir eine Augenweide stand, die mich von unserem eigentlichen Gesprächsthema ablenkte. Er hatte meine ungeteilte Aufmerksamkeit, auch wenn er mir erzählt hätte, dass die Erde quadratisch und nicht rund war, dann hätte ich heftig genickt. Wenn ich jedoch ehrlich war, dann müsste ich mir gestehen, dass es in Edwards Nähe nicht blühte, weil er dich mit einem Satz – vielleicht sogar mit einem Wort, wenn er es darauf anlegte -, total aus deiner Sphäre werfen konnte.

Er hatte gesagt, wir dürften nicht befreundet sein. Aber waren wir das? Waren Edward und ich befreundet? Er hatte gesagt, ich solle das Geschehene vergessen. Aber konnte ich das? Konnte ich Edward einfach so aus meinem Leben streichen? Die Antwort war: Nein! Ich konnte Edward nicht aus meinem Leben streichen, weil er ohnehin schon viel zu sehr darin verwickelt ist. Tatsache war, dass ich anscheinend wirklich keine Vorstellung hatte, wie sehr dieser Mann in meinem Leben verstrickt war.

Er nahm den gelben Schirm von uns und schloss ihn wieder. Mein Blick wanderte zu seiner breiten Brust, die nur von diesem weißen T-Shirt bedeckt, vor meiner Nase lag, so sehr spannte sie sich um seinen Oberkörper, dass man die Muskel hindurch sehen - und auch zählen konnte. Ich wollte mir auf die Zunge beißen, um wieder zur Besinnung zu kommen. Dieses Gestarre brachte mich schließlich kein Stückchen weiter.

„Bella!“ Oh my..... Es war unbeschreiblich, wie er meinen Namen aussprach. Meine Ohren konnten sich an diesen wohltuenden Klang nicht gewöhnen, so gut klang es, wie aus einer anderen Welt. Meine liebste Melodie!
„Wann hast du das letzte Mal etwas in deinen Magen befördert?“ Sein prüfender Blick war mir mehr als unangenehm. Aber Mister-Green-Eye bemerkte anscheinend nicht, dass ich schuldbewusst den Kopf senkte, denn er wartete auch nach einigen Sekunden geduldig auf eine Antwort.

Ich entschied mich für die Wahrheit, obwohl ich eigentlich fast immer die Wahrheit sagte. Die Betonung lag auf fast.
„Ist schon eine Weile her!“ murmelte ich also die Wahrheit umschreibend. Eigentlich sollte er wissen, dass ich im Overlake Medical Tower nichts essen würde. Dieses kalorienarme Essen, das aus Suppe mit dem Geschmack von alten, stinkenden Socken – oder so ähnlich – gemacht wurde, würde ich nicht einmal mit dem kleinsten Zeh meines linken Fußes anfassen.

„Ich kenne da ein kleines Restaurant in der Nähe. Es ist nichts Außergewöhnliches – sehr dezent, aber das Essen schmeckt dort ausgezeichnet.“ Für einen Moment zeigte mir Edward einen leidenden Gesichtsausdruck, bei dem ich dachte, er würde sich mit der flachen Hand gegen die Stirn hauen. Etwas musste ihn sehr bedrücken. Aber im nächsten Moment war dieser Ausdruck verschwunden und seine Augen gaben nichts preis.

„Lädst du mich zum Essen ein?“ fragte ich ihn breit grinsend, als ich bemerkte, dass es ihm“peinlich“ - nicht direkt peinlich, aber unangenehm - war. Es gab etwas an ihm.......etwas Geheimnisvolles, was ich unbedingt erforschen wollte. Ich wusste es war gefährlich und dumm, der Gedanke allein war kindisch.

„Nein! Doch! Na ja, eigentlich schon!“ gestand er und verdrehte die Augen, sichtlich genervt – entweder von sich selbst, oder von mir – eine andere Option gab es da nicht. „Gott, ja! Ich lade dich zum Essen ein und das, weil ich denke, dass ich dir einige Dinge schuldig bin. Andererseits weiß ich bereits jetzt, dass du nicht nachgeben wirst, wenn ich dir deine Fragen nicht beantworte.“ Er verkreuzte seine durch trainierten Arme vor seiner breiten, sicher auch harten - wenn ich darüber mit meinen Fingern streichen würde – Brust und ich starrte schon wieder. Ich glaubte heute neben mich zu stehen, es war doch unmöglich, dass meine Konzentration mehr schwand, als sie anwesend war, in der Nähe dieses Mannes. So frustrierend.....

„Wenn du jetzt verschwindest, werde ich eine Ausnahme machen und dich mit meinen Fragen nicht foltern. Wenn du aber entscheidest hier zu bleiben, dich vor dieser Verrückten zu stellen, dann wirst du mich dein Leben lang aushalten müssen.“ Lebenslänglich?Ich hatte den Fehler nicht sofort entdeckt. Ich grinste als ich die lebendige Erzählung über mich selbst beendete. Ich musste zugeben – Er schätzte mich gar nicht so schlecht ein, bei der kurzen Zeit, die wir uns kannten. Nun ja, kannten unter Gänsefüßchen, da dieses Wort nicht ganz zutraf auf unsere Situation.

„Danke, ich passe!“ Er grinste schon wieder sein schiefes, verdammt heißes – wie sogar meine Zickenstimme zugab und die war ziemlich zickig und vielleicht sogar ein bisschen unehrlich bei manchen Dingen - Lächeln und ließ meine Augen diesmal peinlicherweise auf seinen Lippen festkleben. Als ich den Blick wieder zu seinen Augen gleiten ließ, sah er mich mit einem undurchschaubaren Blick an, der so dunkel und kaltherzig war, dass ich mich beinahe verschreckte. Wie gesagt, nur beinahe. Dieser Blick galt anscheinend, noch besser höchstwahrscheinlich mir, weil ich gestarrt hatte, wie ein fasziniertes kleines Lämmchen, das den starken Löwen noch nie gesehen hatte. Einerseits war es verschreckt, dass der große, starke Löwe sie gefunden hatte und ja, mit Sicherheit auch fressen würde, andererseits – von der unvernünftigen Seite gesehen - wollte das Lämmchen den Löwen im Stillen betrachten und seine Schönheit und Stärke bewundern. Von beiden Seiten betrachtet, würde der Löwe das Lämmchen fressen. So oder so. Da gab es keinen Ausweg.

„Gehen wir jetzt?“ Edward´s Blick war durchdringend und er selbst sichtlich genervt von mir, aber er sagte nichts mehr zu diesem Thema und ließ es fallen - zu meinem Glück. Denn es hätte peinlich werden können, wenn er mich gefragt hätte, warum ich starre. Weil deine Lippen so kunstvoll und faszinierend gemeißelt sind, dass ich fast drohe in Ohnmacht zu fallen. Das wäre wohl kaum die passende Antwort gewesen, aber die einzige, die ich parat hatte. Zugegeben, er sah gut aus, wenn ich ehrlich war, sah er sogar verdammt gut aus, aber darauf kam es im Leben nicht an. Edward war mehr als die Summe der Schönheit seines Körpers. Man konnte einen Mann nicht auf seine Ausstrahlung reduzieren!

„Jap, von mir aus!“ Er schob eine seiner Hände – wohl bemerkt, die die näher zu mir war – in seine Hosentasche und begann geschmeidig zu gehen. Ja, geschmeidig, wie ein Puma mit einem schwarzen Fell, das so weich und samten war, das man gerne kraulte und grünen – gefährlich glänzenden grünen – Augen. Was für ein Vergleich! Ich war eigentlich nicht der Mensch, der andere Menschen – bei diesem Beispiel Edward – mit gefährlichen Tieren verglich. Wie schon erwähnt, stand ich komplett neben mich und war heute nicht sehr zurechnungsfähig angelegt.

Nach meinen – mehr als unpassenden – Gedanken breitete sich ein unangenehmes Schweigen über uns aus, das dafür sorgte, dass die Atmosphäre erdrückend und stickig wurde. Mir wurde wieder kalt und ich kuschelte mich seufzend wieder in seine Lederjacke, deren Duft mich berauschte. Wäre Gift auf ihr versprüht, ich würde nicht widerstehen und daran riechen müssen. Sein Duft war einfach süß, minzig, aber nicht zu stark, männlich, aber nicht übertrieben, mit einem Hauch von etwas Zartem. Etwas sehr Zartem! Alle meine Sinne schienen von diesem Duft erfüllt zu sein und ich merkte beinahe nicht, dass wir das kleine Restaurant von dem Edward gesprochen hatte, auch erreicht hatten. Erst als er mir – ganz der Gentleman, der er auch war – die Tür aufhielt damit ich das hübsche, kleine Restaurant betreten konnte, war ich wieder geistig anwesend.

Staunend drehte ich mich einige Runden in der Mitte des Restaurants im Kreis, um all die Magie, die dieser kleine Ort für mich bereit hielt, zu erkunden. Edward hatte nicht übertrieben, als er sagte, dass dieser Ort dezent gestaltet war. Was aber als Untertreibung des Jahrhunderts gilt, war die Aussage, dass dieser Ort nichts Außergewöhnliches an sich hatte. Mit dem Essen würde ich mich später befassen, wenn Edward sagte, das Essen schmeckte, dann musste es schon so sein. Doch der Zauber, den dieser Ort versprühte, kam von den Kleinigkeiten wie die kleinen Lampen, die das Licht nur zögernd weitergaben, was mehr als angenehm und vielleicht auch etwas romantisch war. Die Holztische waren für höchstens vier Personen und die dazu passenden Stühle waren auch nicht besonders großzügig gebaut. Aber genau das Sparsame bei der Einrichtung wurde von den bunten, irgendwie mexikanischen Mustern an den Wänden und der sanften, allumfassenden Melodie erfüllt und man bekam das Gefühl gar nicht mehr richtig atmen zu können, wenn das alles zusammen auf dich im selben Moment einwirkte.

„Und?“ Wieder diese sanfte Stimme an meinem Ohr. „Wie gefällt es dir?“ Sogar einige Minuten später stand ich am selben Platz und konnte mich gar nicht mehr einkriegen. Edwards Stimme drang nur langsam in mein Ohr, aber sie brach den Zauber, der mich an diesem Ort eingenommen hatte.

„Es ist bezaubernd, Edward. Das tollste Restaurant, das ich je betreten habe. Danke!“ Mit vor Begeisterung funkelnden Augen drehte ich mich ihm um und sah ihn strahlend an. Ein niedliches Lächeln umspielte seine Mundwinkel und das schiefe Grinsen ließ nicht lange auf sich warten. Wir besetzten den Tisch in der Nähe des Fensters, da wir zum Einen keine andere Wahl hatten, da andere Gäste die übrigen Plätze reichlich besetzt hatten, zum Anderen jedoch gefiel mir dieser Tisch auf Anhieb am meisten.

Unangenehm wurde es aber als ich mich auf einen der Stühle setzte, mein nasser Po quietschte und meine Jeans fest auf meiner Haut klebte. Ich war noch immer nass wie ein Pudel. Mein Haar fiel mir störenderweise ins Gesicht und hing einfach wie gekochte Spaghetti herunter, in übertragenden Sinne traf es das Wort „leblos“. Außerdem würde ich den Stuhl total nass machen, was irgendwie auch ekelerregend war, wenn sich jemand anderer nach mir auf diesen setzten wollte. Mit einer Grimasse betrachtete ich auf mich herunter und stellte fest, dass ich nicht so bleiben konnte.

Edward winkte den Kellner zu, ich entschuldigte mich mit der Aussage, dass ich kurz auf die Toilette musste und verschwand danach in die Damentoilette. Eine der zwei Kabinen war besetzt, also entschied ich mich für die andere, da ich ohnehin keine andere Wahl hatte und seufzte erleichtert auf, als ich mich an die Seitenwand lehnte, mir zuerst einmal Edwards Lederjacke auszog und sie auf einem Haken, der auf der Tür befestigt war, behutsam aufhängte.

Beinahe hätte ich vor Glück aufgeschrien als ich mich meiner nassen Kleidung entledigte, meine Jeans und das weiße, nun durchsichtige T-Shirt weilte am Anfang am schwarz-weiß gekachelten Boden. Meinen BH zog ich mir auch aus, verstaute ihn aber in der Innentasche von Edwards Lederjacke. Nur mein Höschen, das sich gar nicht mehr so nass anfühlte und in der Zwischenzeit anscheinend auf meinem Leib getrocknet war, behielt ich an. Als ich mit meinem kleinen Striptease fertig war, streifte ich mir Edwards braune, gut duftende Lederjacke über, schloss den Reißverschluss und packte meine nassen Habseligkeiten in meine graue Tasche, von der ich ganz und gar vergessen hatte, dass ich sie dabei hatte. Da ich ohnehin nicht soviele Dinge mit mir herumschleppte, war sie besonders leicht: Handy, Portmonee, ein gutes Buch, meinen I-Pod, eine Sonnenbrille, Deo......tja und andere Sachen, die die Frauen so brauchten, das brauchte ich nicht näher zu erläutern. Das alles befand sich in meiner Tasche, die groß genug war, sodass die nassen Kleidungsstücke ohne meine Nachhilfe – die aus einem Fußtritt bestand – in die Tasche glitten und sie sich sogar verschließen ließ. Vor dem Spiegel in Vorraum sah ich mich an. Von meinen Haaren abgesehen, sah ich gar nicht so schlecht aus. Na ja, man musste zugeben, dass heute ein guter Tag war. An guten Tagen sah ich auch nicht schlecht aus.

Das lange, vom Wasser fast schwarze Haar, band ich zu einem Dutt zusammen und anschließend verließ ich die Toiletten. Nun war ich also nur in Edwards Lederjacke gekleidet, mit dem Zusatz, dass ich mein lilanes Höschen anhatte. Scham war jedoch das letzte, das ich verspürte, es war eher die unangenehme Vorahnung, dass ich fallen würde und die Paparazzi meinen nackten – fast nackten – Hintern fotografieren würden. Sowas hatte es schon öfters gegeben.

Als ich zurückkam bemerkte mich Edward gar nicht, denn er schien zu telefonieren. Von ihm kam nur ein monotones Seufzen oder ein „Ja, Sir“, sonst hörte er dem Mann, mit der er sprach, zu.

Stumm setzte ich mich wieder auf meinen Sessel zurück, ohne einen überraschten Blick von Edward zu bekommen, als er meine nackten Schenkel erblickte, die nur nötig von seiner Lederjacke bedeckt wurden, da sie mir ja viel zu groß war. Knapp unter meinem Hintern hörte der Stoff auch schon auf.

„Ja, Sir. Guten Abend!“ er legte wie in Trance sein Handy – ich sah nicht genauer hin um die Marke zu erkennen – auf den Tisch ab und richtete seinen Blick an mich. „Der Kellner war vorhin hier, ich hab ihn wieder zurückgeschickt, weil ich nicht wusste, was du bestellen willst. Aber er hat uns die Speisekarten zurückgelassen!“ triumphierend hielt er die zwei Speisekarten in der Höhe. Ich krempelte mir in der Zwischenzeit die Ärmel seiner Jacke hoch, da sie sogar meine Finger verdeckte, wenn ich meine Hand zu einer Faust ballte. Überraschung, Entsetzen, Belustigung, all das war in Edwards Blick zu erkennen, aber was mir am meisten zu schaffen machte, war der Ausdruck von Begeisterung.
Ich wusste nicht warum er mich so ansah.

„Also Mister, du hast versprochen mir einige Dinge zu erklären. Ich würde sagen, dass du damit anfangen kannst.“ Ich klemmte einige Strähnen, die sich von meinem unordentlichen Dutt gelöst hatten, hinter meine Ohren und lauschte seiner Stimme zu.

„Isabella....“ Wieder hauchte er meinen Namen mit dieser Sinnlichkeit, als würde er ihn auskosten. „....was ich vorhin gesagt habe, dass wir nicht befreundet sein können......das halte ich noch immer für das Beste!“ Ich konnte es nicht verhindern meine Enttäuschung zu zeigen. Ich wollte mit ihm befreundet sein.....oder was auch immer das hier war. Ich wollte es unbedingt und aus tiefstem Herzen.

„Aber......aber.....“ unterbrach ich ihn und krallte meine Finger in das rot-weiß gestreifte Tischtuch. Ich neigte dazu das immer wieder zu tun.

„Hör zu....“ setzte er mit seiner Erklärung fort. Er beugte sich geheimnisvoll vor und ich tat es ihm gleich. „Ich bin kein guter Freund, ich würde dich enttäuschen und verletzen. Sowie es bei jedem passiert, den ich in meine Nähe lasse. Isabella, auf meine Art und Weise habe ich dich gern, aber wir dürfen nicht ´zusammen rumhängen´. Das toleriert mein Job nicht.“ Er wich meinem Blick aus, als ich schon die nächste Frage stellte.

„Was hat dein Job mit uns beiden zu tun? Bist du ein FBI-Agent? Ein Paparazzi, der gekommen ist um mich zu bestalken? Was bist du?“ Ich konnte nicht verhindern, dass meine Stimme kalt und abweisend klang.

„Viel, Isabella. Mehr als du denkst. Ich kann dir nicht sagen, was ich bin, das verstößt gegen die Regeln.“ Regeln?

Ich schulterte meine Tasche, die auf dem Boden lag, stemmte mich gegen den Tisch und drückte meinen Stuhl zurück, sodass er auf dem Boden kratzte und durch die Vibration ein ekelhaftes Kribbeln über meinen Rücken trieb.

„Na gut, wenn du mir keine Antworten geben willst, dann ist das okay.“ nuschelte ich kindisch und wollte mich davon machen, doch er hielt mich am Arm zurück. Seine Hand umfasste meinen Oberarm und er zog mich näher zu sich, als ich es angenommen hatte. Erschrocken von dieser Nähe drückte ich meinen Oberkörper und am meisten mein Gesicht von ihm weg. Als er sich selbst dieser Nähe bewusst wurde, zuckte er beinahe zusammen und ließ mich abrupt wieder los.

„Bleib!“ flehte er und als ich benommen nickte, setzte er sich wieder hin und machte einen einladende Geste mich wieder hinzusetzen. Ich jedoch traute mich nicht einmal zu atmen, da ich noch immer berauscht von seiner plötzlichen Nähe war.

„Okay, wir müssen ein paar Regeln hier aufstellen.“ Er lächelte. Er wusste, dass ich das sagen würde. Und er besaß tatsächlich die Frechheit zu lächeln. „Ich stelle die Fragen, du gibst die Antworten. Wenn das nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, dann werden weitere Regeln hinzugefügt!“ erklärte ich und verkreuzte meine Finger miteinander auf dem Tisch.

„Darf ich Regeln hinzufügen?“ Das unterdrückte Lächeln auf seinem Gesicht war für mich mehr als sichtbar und innerlich erfüllte es mich mit Freude, die äußerlich aber nicht zeigte.

„Nein!“ Ich grinste. Er grinste und schüttelte den Kopf. „Gibt es einen richtig guten Grund warum wir nicht ´zusammen rumhängen´ sollten – abgesehen von ´Ich könnte dich verletzen´ und wie die alle anderen Ausreden wohl waren?“ murmelte ich sarkastisch und sah ihn direkt an. Er fasste ins Chaos auf seinem Kopf und seine Hand verweilte dort. Anscheinend wog er ab, wie viel er mir sagen konnte.

„Ja!“ Okay....ich wollte den Grund wissen, aber es schien sehr wichtig für ihn zu sein, dass ich diesen nicht erfuhr.

„Warum folgst du mir überall?“ Nun ja, fast überall. Aber er wusste schon was ich meinte, da er überall dort auftauchte, wo ich war. Auf der Gala im Herrenklo – ich konnte mir noch immer nicht erklären, was ich dort gesucht hatte -, im Overlake Medical Tower, wo ich meine Kinder besuchte. Er schien zu wissen, wo ich war. Das war total unheimlich.

„Weil ich nicht anders kann, Isabella. Ich muss in deiner Nähe sein.“ Er musste in meiner Nähe sein.Ich hatte den Sinn dieses Satzes nicht richtig verstanden, wie es sich später herausstellte. Für mich klang diese Aussage anders – vielleicht auch etwas romantisch. Sie gab mir Flügel und ich schien den Boden unter meinen nackten Füßen verloren zu haben.

„Warum warst du im Overlake Medical Tower als Clown verkleidet?“ fragte ich neugierig und fügte dann hinzu. „Warum warst du überhaupt dort?“ Er runzelte zuerst verwirrt die Stirn, antwortete dann zögernd.

„Weil ich es genauso wie du genieße, diese kleinen Rotznasen zum Lachen zu bringen und ihre Therapie zu unterstützen. Warum ich dort und nicht in irgendeinem anderen Krankenhaus war? Nun, weil ich schon als kleines Kind oft dort war, weil mein Dad dort arbeitet.“ Gemeinsamkeit, schoss es mir durch den Kopf. Ich wollte schon meine nächste Frage formulieren, wurde aber von dem überaus freundlichen Kellner unterbrochen, der sich mit seinem Ärmel die Schweißperlen auf seiner Stirn wischte. Seine dunklere Haut wirkte wie die meiner Nana, deshalb traute ich mich ihn zu fragen, ob sie aus Mexiko kamen.

Si, si, Miss, sie auch?“ fragte der Mann freundlich lächelnd, als ich seine Heimat erwähnte. Edward sah mich mit einem undefinierbaren Blick an.
„Nein, aber die Frau, die mich großgezogen hat, meine Nana, sie kommt auch aus Mexiko.“
„Das ist schön!“ Der Mann wirkte etwas verloren, sah uns kurz lächelnd an. „Kann ich die Bestellung aufnehmen?“ Er zog einen abgeblätterten kleinen Notizblock heraus.
„Für mich die ´Frijoles Charros´Suppe und die ´Tacos Dorados´. Als Nachspeise – und zwar sofort nach dem Essen – das ´Corazon Latino´und stilles Wasser, bitte!“ Ich klappte meine Menükarte zu und legte sie am Tischrand ab. Selbstzufrieden sah ich zu Edward, der spitzbübisch grinste und mir charmant zuzwinkerte. Ich wollte ihm meine Zunge ausstrecken, aber vor dem Mexikaner wäre es unhöflich gewesen.

„Und was erwünscht der Freund dieser reizenden Dame?“ fragte der Mexikaner und sah Edward an. Verwirrt starrte ich zwischen den beiden hin und her bis ich realisierte, was hier eigentlich gesagt wurde. Edward lächelte über diese Worte hinweg und bestellte seinen ´Tamal de Frijos´, - natürlich schlug ich sofort nach um zu sehen, was er da bestellt hatte -, einmal ´Enchiladas de Mole´, einen Schweppes Ginger Ale – ja, ich wunderte mich auch, dass es diesen hier gab – und eine neue Schachtel Malboro Light 100´s.

„Sonst noch etwas?“ fragte der Mann mit einem Grinsen, das seine weißen Zähne entblößte und ich deshalb neidisch wurde, weil meine nie so weiß waren. Ich wollte ihm erklären, dass Edward und ich nicht zusammen waren. Anscheinend sah es mir Edward an, denn er legte seine Hand in Nähe der meinen auf dem Tisch und begann mit seinen Fingerspitzen über meinen kleinen Finger zu streichen. Sein Blick sagte mir, ich solle mich nicht darum kümmern und ich schwieg und schüttelte den Kopf. Was tat ich? Ich dumme Nuss schloss die Augen und genoss das heftige Kribbeln, das meinen Arm hinaufwanderte.

„Nein, danke! Wenn wir noch etwas brauchen, dann lassen wir es wissen.“ Antwortete Edward statt mir und ich konnte es nicht verhindern ihm trotzig die Hand zu entreißen – die er vorhin so sanft liebkost hatte und obwohl es mir auch gefallen hatte, durfte ich es mir nicht leisten in den Mund der Seattler zu gelangen. Ich sah ihn aufgebracht an, obwohl ich ihm meine beiden Hände am liebsten entgegengestreckt hätte. Bei diesem Gedanken wollte ich mir gegen die Stirn hauen. Wie hirnrissig waren denn meine Gedanken? Was für ein dummes Spielchen trieb er da?
„Bevor du ausrastest – Ich habe ihn nicht korrigiert, weil es besser für ihn ist zu denken, dass wir zusammen sind, Isabella. Da so keiner den Verdacht schöpfen wird, dass gerade die Senatorentochter in einem schäbigen, mexikanischen Restaurant sitzt.“ Es klang einleuchtend, es passte mir dennoch nicht.

„Dieses Restaurant ist überhaupt nicht schäbig, wie ich bereits sagte, hier kann man sich sehr wohl fühlen.“ konterte ich, doch er ließ nicht locker.

„Wohler als Zuhause?“ schlug er vor und regte mich damit mehr auf, als ich es ohnehin schon war. Ich wusste nicht woher dieses Gefühl kam, aber ich wollte ihm seinen fragenden, ehrlich interessierten Blick aus dem Gesicht schlagen.

„Ich hoffe du verbrennst dir die Zunge an deinem in Maisblättern gewickelten, polentaartigen Maisteig gefüllt mit Gemüse, serviert mit Bohnenpasta und scharfer Sauce, dem sogenannten Tamal de Frijol. Und ich bin mir sicher, dass deine Maistortillas mit Putenfleisch gefüllt mit der Chilli-Schokoladen-Sauce übergossen und mit Käse überbacken, deiner verbrannten Zunge gut tun wird. Da du ja so auf scharfe Saucen und Mais stehst.“ Ich lächelte ihn liebreizend an und zwinkerte ihm zu. ´Enchiladas de Pollo´, ein verdammter Trottel war das, bestellte alles scharf. Ich hoffte inständig, dass er sich die Zunge verbrannte. Ich würde ihm mein Wasser nicht zur Verfügung stellen.

„Das alles wusstest du?“ seine Lippen formten sich selbstzufrieden zu einem kleinen Schmollmund. Als ich nicht antwortete wurde sein Blick wieder ernst. „Das war eine berechtigte Frage, Isabella.“ Er entschuldigte sich nicht, sah auch nicht so aus, als würde er seine Fragen bereuen.

„Von deinen Launen und deinen berechtigten Fragen bekomme ich Schleudertrauma. Du gehst auf Menschen direkt zu, stellst ihnen Fragen, die sie gar nicht hören wollen, auf die sie keine Antworten haben, stellst ihre ganze Existenz in Frage und begründest, dass diese Fragen berechtigt sind. Was bekommst du davon, wenn du jemandem klar machst, dass sein ganzes Leben eine einzige Katastrophe, eine Farce war? Ich glaube nicht, dass man von Genugtuung leben kann.“ Ich ging in Defensive, weil ich nicht glaubte, dass Edward von seinen Fragen und der Genugtuung – anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie durch die Erkenntnis der Falschheit ihres Lebens untergehen - leben konnte, wenn er mir nichts, dir nichts, den Menschen – es ging dabei gar nicht um mich - solche berechtigten Fragen stellte. Ja, diese Fragen waren berechtigt und ja, sie waren sinnvoll, aber diese Fragen verletzten einen mehr, als verbale Angriffe oder Vorurteile. Und mehr als Jessicas Worte, die im Vergleich zu Edwards Fragen unberechtigt waren. Ich wollte glauben, dass sie es nicht so meinte, dass sie beeinflusst wurde. Wollte es unbedingt, weil ich meine Freundin – das war sie noch immer – zu kennen schien.

„Isabella....“ seine Stimme wirkte beruhigend auf mich und er sah mich aus klaren, grünen Augen an. „Ich habe dir diese Fragen nicht gestellt um deine Existenz in Frage zu stellen, das war nicht meine Absicht. Ich wollte dich warnen. Ich wollte, dass du – da du noch die Chance dazu hast - das richtig machst, was wir anderen falsch gemacht haben. Ich lebe nicht von Genugtuung, denn ich bin kein verbissener und geisteskranker Typ, der herumwandert und Menschen zur Verzweiflung bringt. Das ist nicht mein Stil. Soetwas ist unter meinem Niveau.“ Er sah reumütig aus, denn seine Augen glänzten traurig und seine Haltung war auch nicht gerade entspannt.

Er hatte es nur gut gemeint? Er hatte mir diese verletzenden Fragen gestellt um mich vor mir selbst zu schützen? Mich vor falscher Vorgehensweise zu bewahren? Ich verstand nicht ganz, wo da der Sinn war. Ich tat doch nichts falsch.

„Und du?- Warum wolltest du von dieser Gala fliehen? Soweit ich weiß, hast du das noch nie zuvor gemacht.“ Er schien sich auf die Zunge beißen zu wollen, lächelte aber stattdessen ungezwungen. Soweit er wusste? Hatte er sich über mich erkundigt? Warum wusste er soviel über mich? Es war zwar nicht viel, aber er war immerhin ein Fremder und wusste dennoch viel über mich. Ich runzelte verwirrt die Stirn.

„Weil ich nicht zur Schau gestellt werden wollte, nur weil mein Vater der Senator ist. Immerhin bin ich keine Statue bei einer Auktion, die versteigert werden sollte. Oder eine Kuh am Viehmarkt, die man begutachtet. Ich bin nichts, womit man sich wichtig stellen sollte. Und mein Vater hat genau das getan, er tut es eigentlich immer wieder. Ich wurde nicht gefragt, ob ich das Leben als Senatorentochter wollte. Ich wurde ins kalte Wasser hineingeworfen. An diesem Abend wollte ich nicht dabei sein, weil diese Gala nichts Natürliches, Sanftes und Wohltuendes an sich hatte. Es ging um Machtspielchen, die ich hasse, weil sie einem Menschen nichts bringen. Keinem. Ich wollte bei meinen Freundinnen sein, mein Dad hatte mir versprochen, dass ich nach einigen Stunden wieder gehen durfte, aber das wollte er nicht einhalten. Ich hasse Lügner, Menschen, die ihr Wort nicht einhalten, oder die Wahrheit zu ihren Gunsten verdrehen. Das ist vollkommen niveaulos.“ Meine Nägel bohrten sich in meinen Oberschenkel, aber ich fühlte den Schmerz nicht. Ich war angeekelt von Personen, die vorgaben etwas zu sein, was sie nicht waren; die sich von anderen wichtig stellten; die einfach kein Charakter besaßen, der zu ihnen entsprach und sich von anderen etwas abgucken und es nachmachen mussten.

„Genau deshalb bin ich weggelaufen, da mein Dad sagt, ich solle erwachsen werden, aber er selbst hält mich immer in der Hand, wo ich mich auch umdrehe. Ich wette, er hat seine Hündchen losgeschickt um zu schnüffeln, wo ich bin. Denn er hat es nicht so mit Vertrauen. Er muss immer alles überprüfen und die Wahrheit tausendmal hinterfragen, als wolle seine eigene Tochter ihm in den Rücken fallen. Mein Dad vertraut niemandem und das ist sehr traurig, weil ich ihm gegenüber loyal bin, was er nicht zu bemerken scheint.“ Edward war ruhig gewesen, hatte mich ausreden lassen und mich nicht unterbrochen. Ich bemerkte, dass sich sein Blick verändert hatte. Er schien seine Gedanken geklärt zu haben, sah mich noch trauriger an als zuvor. Etwas schien ihn zu verletzen oder zu stören, aber er sprach nicht darüber.

„Isabella, bist du glücklich?“ Warum wusste ich, dass diese Frage kommen würde? Ich lächelte sarkastisch und falsch, kratzte meinen Unterarm so schnell, dass ich Angst hatte, dass er bluten würde.

„Bist du?“ konterte ich. In diesem Moment beschloss ich, dass Edward mir niemals mehr Fragen stellen würde, die mich verletzen und zerstören würden. Das Essen kam und wir wechselten kaum ein Wort miteinander, starrten uns lediglich stur an, führten einen Kampf mit unseren Blick aus. Edward blieb mir diese Antwort schuldig.

Meine Bohnensuppe schmeckte ausgezeichnet, etwas würzig, was meinem feinen Gaumen gut tat. Die Hauptspeise, die Tacos Dorados, das waren frittierte, knusprige Maistortillaröllchen mit Hühnerfleisch gefüllt, serviert mit kleingehacktem Salat, Rahm, Schafkäse, dazu scharfe Sauce, die ich aber nicht aß, weil ich scharfe Saucen nicht mochte. Doch danach kam die Krönung, ein Schokoladenherz gefüllt mir Schokomousse und Schokostückchen. Die Nachspeise zerfloss einfach auf meiner Zunge und ich genoss dieses Gefühl. Das Essen hier schmeckte ausgezeichnet und war köstlich, das musste ich zugeben.

Nach dieser Kalorienbombe – dem ´Corazon Latino´ alias der Nachspeise – ging es mir richtig gut. Auch Edwards Fragen, die noch kommen würden – und ich war mir sicher, dass ich mich nicht irrte – würde ich mit Sicherheit überstehen. Ich war wieder in Höchstform und lächelte sogar. Was Schokolade nicht aus einem machte.

„Sollen wir?“ fragte er grinsend, als er mich grinsen sah. Ich nickte und lehnte mich zurück. Er rief den Kellner und wir bekamen die Rechnung. Ich zog meine Amex aus dem Portmonee und Edward ebenso.
„Komm schon, Isabella, gönne mir die kleine Freude.“ er schmollte tatsächlich und ich musste heftig lachen – hielt mir den Bauch und das riss mich beinahe vom Stuhl, hätte Edward seine Hand nicht ausgestreckt um mich aufzufangen. Ich richtete meine spärliche Bekleidung und glättete die imaginären Falten auf Edwards Jacke.
„Dafür, dass ich fast vom Stuhl gefallen bin, wegen dir, sollte ich wohl die Rechnung bezahlen können.“ Der Kellner sah verständnislos zwischen Edward und mir. Ich begann Gefallen an diesem Spielchen zu finden.
„Wohl eher ich, weil ich dich davor gerettet hab, Bekanntschaft mit dem Boden zu machen.“ Er streckte dem Kellner schneller seine Amex entgegen, als ich somit verlor ich dieses Spielchen – das hätte er lieber nicht tun sollen, denn ich war ein schlechter Verlierer.

Spätestens als die Blitzlichter gegen meine Augen zuckten, hatte ich Edward seinen Sieg gegönnt. Da wir nahe am Fenster waren, mussten wir uns schnellstens dort fortbewegen. Edward stürzte sich fast auf mich um mich vor dem Blitzlichtrangriff zu schützen.

„Komm mit, wir müssen auf schnellstem Wege hier raus.“ Woher kamen die Paparazzi auch jetzt? Ich ließ es mir nicht zweimal sagen und wir rannten zum Kellner, der hinter der Theke die Rechnung beglich.
„Gibt es einen Sonderausgang hier?“ Edward hatte sich fast bedrohlich vor dem Kellner aufgebaut der mindestens ein Kopf kleiner war als er selbst. „Ja, Sir. Dort hinten, aber sie müssen die Notfalltreppe nehmen.“ Er reichte Edward seine Amex und Letzterer zog mich mit. Ich schulterte meine Tasche, die beim Rennen immer abrutschte vergeblich. Doch Edward konnte trotz des Rennens – und glaubt mir, er war so viel schneller als ich – seine Amex in sein Portmonee verstauen, als wäre das keine Herausforderung für ihn.

„Komm, schneller!“ Übermotiverter Fitnesscenterbesucher, schimpfte ich ihn in Gedanken. Wir stiegen die Feuertreppe irgendwie hinunter. Eine echte Herausforderung war aber die Distanz von der letzten Stufe – die Feuertreppe ging nie vollständig bis zum Boden – zur Straße zu überwinden. Edward sprang die mindestens eineinhalb Meter Differenz und ich starrte ich fassungs- und regungslos an.

„Isabella, spring! Ich werde dich auffangen.“ Er streckte mir seine Arme entgegen, aber ich zögerte. Fuck, nein! Ich wollte diesen Kick nicht. Ich wusste, ich wäre total stolz auf mich, wenn ich es schaffen würde ohne mir einen Knochen zu brechen. Aber es lag jetzt an mir diese Angst zu überwinden. „Isabella, vertrau mir, ich werde dich nicht fallen lassen. Du wirst den Boden nicht berühren.“ Seine grünen Augen zeigten nichts als die Ernsthaftigkeit, die in seinen Worten ebenfalls vorhanden war.

„Hör auf meinen Hintern zu begaffen, Edward!“
„Ich ´begaffe´deinen Hintern nicht, ich sehe ihn nur, weil er in meinem Blickfeld ist. Du kannst gerne runterspringen, dann wird es mir unmöglich sein, deinen Hintern zu sehen.“ Er grinste und ich versuchte zu springen – ließ meinen nackten Fuß zehn Zentimeter in die Tiefe gleiten, zögerte wieder und zog mich in die Höhe.
„Hör auf, sei still. Sag kein Wort, oder ich brech dir den Hals wenn ich unten bin.“ Ich zittere beinahe vor Angst und er traute sich solche Witze – ich hoffte für ihn, dass er die Stimmung lockern wollte – zu reißen.
„Dazu musst du erstmals springen. Du weißt schon, dass wir umsonst so schnell gerannt sind, da sie uns jetzt ja locker einfangen können.“
„Ich traue mich aber nicht!“
„Du kannst dich in einigen Jahren nicht trauen, wenn du vor dem Altar stehst und irgendeinen armen Teufel heiratest. Jetzt musst du nur springen!“ Nur? Hatte der Typ sie alle? Was hieß da nur? Das erforderte meinen ganzen Mut, den ich eindeutig nicht hatte.
„Mein Mann wird kein armer Teufel sein!“ Ich warf meine Handtasche nach ihm, doch er wich charmant aus.
„Woher willst du das wissen? Du kannst auch einen Bettler heiraten oder einen Physiker, Psychiater, Lehrer, Fitnesscentertrainer, Tänzer – Balletttänzer wäre lustiger -, einen Politiker.......“
„Schon gut, schon gut. Ich springe ja schon!“ Seine ausgesprochene Gedanken waren ja kaum auszuhalten. Er begann seinen Oberkörper turnerisch nach links und rechts zu verschieben, klatschte in die Hände und sah zu mir.
„Das beruhigt mich jetzt ungemein.“ Er stellte sich wieder gerade hin und hatte die Arme ausgestreckt vor seinem Oberkörper.
„Stell dir vor ich wäre dein Romeo, du meine Julia und die Treppe oben dein Balkon, das Problem darin besteht, dass dein böser Vater gegen unsere Beziehung ist, also wirst du mit mir fliehen müssen. Damit wir zusammen sein können, musst du jetzt springen. Du kannst deine Physiker, Lehrer, Tänzer heiraten.....“ Damit er endlich seine Klappe hielt, ließ ich mich fallen und kniff die Augen zusammen, wartete auf den Schmerz, aber er kam nicht, weil mein Fall von Edwards starken Armen verhindert wurde.
„oder mich!“ führte er seine nervige, jedoch unterhaltsame, Erzählung zum Ende. Genau diese Erzählung war es im Grunde, die mich dazu bewegte mich fallen zu lassen.
„Okay, ich heirate dich, aber lass uns jetzt verschwinden, bevor der böse Vater uns findet.“ Er grinste.

Nach einigen Minuten, die wir gerannt sind, blieben wir stehen und orientierten uns, genau als ich aufschnaufte und das Adrenalin genoss, dass durch meine Adern floss, wurden wir von einem hysterischen Laut gestört.

„Dort unten sind sie!“ Eine ganze Meute von den Paparazzi – von Kötern – rannte auf uns zu und ich sah sie erschrocken an, als ich von einer Hand gepackt und mitgerissen wurde. Ich musste ihm das verbieten, denn sonst würden die blauen Flecken ungehindert auf meiner Haut entstehen. Wir liefen die lange Straße entlang, wurden von Menschen angerempelt, die in unsere Richtung kamen und die drängelnde Menschenmasse riss Edward und mich auseinander. Ihn nahmen sie von mir weg, doch ich blieb da, wie eine Schnecke im Regen – nein, das war wirklich kein guter Vergleich. Am liebsten hätte ich mich das Beton gesetzt und geweint. Genau daraus bestand mein Leben: aus den Paparazzi, Schnüfflern, Bodyguards, einem überbesorgten Vater, einer ignorierenden Mutter und einem übermotivierten Teddy-Bruder. Mehr oder weniger. Es gab meiner Liste noch Dinge hinzuzufügen, wie Edward zum Beispiel. Ich wusste nur nicht in welche Kategorie ich ihn einreihen sollte.

Ich ging langsam in eine Seitengasse, die so schwach beleuchtet war, dass mir fast erschien als wäre es Mitternacht, obwohl ich zweifelte, dass bereits acht abends war. Mich überkam ein Schauer, der unangenehm und kalt über meinen Rücken kroch, da half auch Edwards Lederjacke nicht mehr. An beiden Seiten waren Container zu sehen, die mit Müll überfüllt waren. Die Backsteinmauern, die eindeutig zu den Häusern auf der Hauptstraße gehörten, waren durch das Sprayen ´zerstört´worden. Zerbrochene Scherben lagen in der Nähe des Containers und weit entfernt hörte man einen gedämpften Schrei. Ich drehte mich mit wachsamen Augen um mich herum, damit sich keiner an mich heranschlich. Warte wo war nochmal mein Pfefferspray? Ich kramte es aus meiner Handtasche und hielt es in der linken Hand, nicht bevor ich es schüttelte und den Finger auf den kleinen Knopf drückte. Okay, ich war bereit.

Tief in mir drinnen wusste ich, dass Edward mich finden würde, wo ich auch war. Aber bis dahin musste ich mich selbst schützen. Woher kam mir auch der Gedanke, dass Edward mich schützte?

-Weil er dich immer nach Hause bringt, wenn du dich entscheidest eine Party zu verlassen und dich am Herrenklo zu verstecken.
-Weil er hauptsächlich dort ist wo du bist.
-Weil er dich auffängt, wenn du vom Stuhl umzukippen drohst.
-Weil er dich auffängt, wenn du von einem Feuerleiter springen musst und so tollpatschig bist, dass dir jeder zutrauen würde, dass du auch auf dem Boden aufschlägst.

Der Gedanke, der sich vor meinem inneren Auge formte, war Edward, der sich auf mich stürzte, als das Blitzlichtgewitter ausbrach. Er gab mir immer seine Jacke, wenn mir kalt war. Er ließ nicht zu, dass mir etwas zustieß. Er telefonierte und antwortete nur mit „Ja, Sir“ oder seufzte.

War Edward der Bodyguard von dem ich dachte, dass Dad ihn angeheuert hatte mich zu verfolgen. Mein Dad wäre niemals so ruhig, wenn er nicht schon vorgesorgt hätte. Er ließ mich allein auf der Straße laufen, obwohl er wusste, welche Gefahren in den Ecken lauerten.

Ich glitt mit der rechten Hand an der Mauer entlang und bog dann nach rechts, wo ich auf eine Hauptstraße gelang. Dieses Gebiet hier war nicht mein bekanntes Territorium, also musste ich improvisieren.

„Ahhhhhhhh“ schrie ich lang und gedehnt, als mich jemand an der Hand packte und gegen die nächst beste Mauer presste. Ich hielt mein Pfefferspray bereit für den Angriff, als ich seine sanfte Stimme hörte.
„Ich bin es, Isabella. Ich habe dich gefunden!“ er schien erleichtert zu sein und ich war es irgendwie auch. Obwohl mir der Gedanke beunruhigte, dass Edward Mister Bodyguard sein könnte. „Mein Job lässt das nicht zu, Isabella.....“
„Edward, würdest du dein Leben für mich opfern?“
„Wieso, mutierst du zum Zombie oder willst du Klippenspringen?“ Er war einfach zu verspielt um ein Bodyguard zu sein. Die übrigen neun waren immer verbissen, vielleicht auch schüchtern gewesen, jedenfalls ruhig und man konnte mit ihnen keine Unterhaltung führen.
„Würdest du?“ fragte ich nochmal. Er atmete noch immer hechelnd, als hätte er einen 10 km-Lauf hinter sich. Er lehnte seine Stirn gegen die meine und sah mir kurz in die Augen.
„Würde ich vermutlich, wieso?“ seine Frage ignorierte ich.
„Weil du musst oder weil du willst?“
„Weil ich will, Isabella!“ Einerseits erleichtert – weil er nicht mein Bodyguard war- andererseits besorgt – um ihn, weil er trotz der Tatsache, dass er nicht dafür ausgebildet wurde, sein Leben für opfern würde. Ein richtiger Teufelskreis war das.



*



Breit grinsend, wie ein Honigkuchenpferd, schloss ich die Haustür hinter mich zu und lehnte meinen Hinterkopf dagegen. Wir hatten es geschafft, uns die Köter vom Hals zu halten. Edward hatte mich wieder einmal nach Hause begleitet und ich trug noch immer seine Jacke. Er konnte mir auch schlecht sagen, dass ich diese ausziehen sollte, da ich sicher nicht vor ihm oben ohne und in einem Höschen stehen wollte. Er hatte weiterhin seine Witze gerissen und mich zum Lachen gebracht. Ich hatte erfahren, dass er früher in New York City gewohnt hatte, nun aber wieder hier war wegen seinem mysteriösen ´Job´, aber er war in Seattle geboren und seine Familie wohnte auch hier. Er hatte eine jüngere Schwester, die total hyperaktiv und super Elfenhaft war. Warte wie hieß sie nochmal? Wie war meine Eselsbrücke? Alice im Wunderland. Ach, ja, Edwards Schwester hieß Alice.

„Bist du wieder zuhause, Schatz?“ Renee. Ihren ´Schatz´konnte sie sich sonst wo hinstecken. Wieso musste diese Frau immer meine Laune verderben?
„Nein, ich bin nur eine Illusion!“ antwortete ich sarkastisch und sah Renee nun vollkommen, da sie im Esszimmer auf dem Tisch saß und ihre Notizen ausgebreitet vor ihr auf dem langen, milchigen Glastisch waren.
„Bella!“ tadelte sie mich. Ich verdrehte die Augen. Sie hatte überhaupt kein Recht mich zu tadeln.
„Renee, ich habe wirklich keine Lust zu streiten. Nicht heute. Nicht jetzt, okay?“ Nicht jetzt, wo alles besser zu laufen schien.
„Wieso den streiten, Schatz? Wir können uns zusammen hinsetzen und plaudern. Ich bräuchte auch deine Beratung, wegen diesem Kleid, ist Avocadogrün besser als Himmelblau?“ Ich betrat lustlos das Esszimmer, verließ mein sicheres Gebiet und verringerte die Distanz zur Ursache meiner Probleme. Nachdem ich ihre Skizze vom Kleid gesehen hatte und sie die Probe-Stofffetzen in der Nähe der Skizze hielt, entschied ich mich für Himmelblau. Stell mir Himmelblau mit allen anderen Farben in Konkurrenz, ich würde Blau wählen.
„Das Blau passt besser zum Kleid, Renee!“ Es war schon traurig, wenn die eigene Tochter dich beim Vornamen nannte. Was sollte ich zu ihr sagen? Mum? Eiskönigin? Ich konnte sie nicht Mum nennen, denn sie war nicht meine Mum. Sie hatte mich neun Monate in ihrem Bauch getragen, das stimmte, aber sie hatte sich nie als eine richtige Mum verhalten. Vielleicht hätte sie es geschafft, wenn sie mehr Zeit mit uns verbracht hätte. Linda und Emmett standen in einer gesunden Beziehung zu Renee. Linda hatte behauptet, als sie noch am Leben war, dass Renee eine gute Mutter für sie uns Emmett gewesen ist. Linda hatte Mum abgöttisch geliebt und Emmett hing noch an ihr, wie ein Kleinkind.

Bei mir waren wohl diese Gene ausgestorben genauso wie die Hoffnung auf eine gesunde Beziehung mit meiner Mutter. Es zählte nicht mehr. Das alles zählte nicht mehr. In einem Jahr wird alles vorbei sein und ich würde irgendwo weit weg im Ausland studieren, vielleicht in Frankreich oder Schweiz, und dann würde ich Renee weniger oft sehen.

„Danke, Bella!“ sagte sie und sah mich an. Sie blickte auf meine kaum bedeckten nackten Beine, sagte aber kein Wort. Das war auch besser so. „Schatz, wenn es etwas gibt, was du mir sagen willst, dann kannst du gern zu mir kommen. Ich werde dir gerne zuhören!“ Ich begann sarkastisch zu lachen und fuhr mir durch das nun trockene und total lockige Haar.

„Es wäre besser, wenn wir nicht ständig so tun, als gäbe es etwas, was wir tun könnten um unsere Mutter-Tochter-Beziehung zu retten.“ Ich schnappte nach Luft, weil mir diese immer wegblieb, wenn ich vor Renee stand, so sehr regte mich diese ausweglose Situation auf.

Sie legte ihre Lesebrille beiseite und strich sich über ihr kurzes lockiges Haar. Das hatte ich eindeutig von ihr!
„Schatz, ich weiß, dass ich nicht immer da war........“
„Nicht immer?“ Ich schnaubte und begann zu lachen. Danach schüttelte ich entsetzt den Kopf. Die Untertreibung des Jahrhunderts.
„Als du mich gebraucht hast, aber das können wir ändern.“ ihre Stimme war deutlich leiser und nicht so autoritär und stark wie sie gewollt hätte.
„Was können wir verändern?“ Ich rieb mir über die Augen, wollte das das aufhörte, zugleich wollte ich aber auch hören, was Renee zu sagen hatte.
„Wir können mehr miteinander unternehmen, ich kann dir Dinge zeigen, die du gar nicht gesehen hast. Wir können verreisen, wohin du willst, Schatz. Nur wir zwei.“ Sie bemühte sich, ich sah erkannte es. Aber es gab ein Bild in meinem Kopf, dass einfach nicht verschwinden wollte. Charlie, betrunken, auf der Treppe sitzend, heulend, weil Renee ihn ´verlassen´ hatte. Mir konnte sie alles antun, aber meinem Dad nicht. Nicht einmal als Linda tot war, konnte sie mitfühlend sein, Dads Hand ergreifen und zusammen trauern. Sie konnte über ihren eigenen Arsch und ihre eigenen Gefühle nicht hinwegsehen. Sie war immer an erster Stelle. Genau das war unser Problem, dass wir so unterschiedlich wie Tag und Nacht waren.
„Wenn wir zwei verreisen, Renee, dann kehrt nur eine zurück.“ gab ich bissig von mir.
„Bella, ich kann mich ändern, Schatz. Ich will deine Mum sein. Ich will alles nachholen, was ich verpasst habe. Ich will dir alles geben, was du brauchst.“
„Dafür musst du meine Erinnerung auslöschen, alle Ereignisse in meinem Kopf verändern, denn Dad war es, der bei meinem ersten Auftritt als Ballerina dort war und alles aufnahm; Dad war es, der anfing mit mir Tennis zu spielen; Dad war es, der mir Dinge ermöglichte; der mir die Puppen kaufte, die ich wollte; der mit mir verreiste, der jede meiner Launen einschätzen konnte; der wusste, wann es mir schlecht ging, wann ich glücklich war; der immer seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hat um uns ein schönes Leben zu ermöglichen. Er war bei jedem Tennisspiel dabei. Er meldete mich für Cheerleading an, weil ich es wollte, weil es cool war. Und er ist es, der sich auch heute um meine Gesundheit und Sicherheit sorgt, diese Bodyguards einstellt, die ich hasse wie die Pest, aber im Grunde genommen war es immer Dad und er ist es noch immer, Renee.“ Tränen sammelten sich in meinen Augen.

„Bella!“ murmelte Renee und sah mich traurig an. Fuck, nicht schon wieder dieser Blick. Ich hasste Menschen enttäuschen zu müssen, auch wenn es diejenigen waren, die mir den meisten Schmerz verursacht hatten. Gegen Enttäuschungen war ich nicht immun.

„Was ist hier los? Warum wird hier geschrien?“ Mein Dad kam ins Esszimmer, perfekt gestylt, obwohl seine Haare schon etwas ergraut waren, sah er gut aus, sowie immer. Sein Anzug saß ihm angegossen und ich vermutete, dass er maßgeschneidert war. Leisten konnte er ihn sich ja! Angelaufen kam auch meine Nana, die im Türrahmen blieb und mich entgeistert anschaute.

„Bella, mi amor, was ist denn mit deiner Kleidung passiert? Und wessen Jacke ist das?“ Ähmmmmm, verdammt!
„Emmetts?“ fragte ich leise und unsicher, doch ich zeigte ihr mein strahlendes Lächeln, sodass sie zufrieden nickte. Mein Dad hingegen hob die Augenbraue in die Höhe und sah mich zweifelnd an.

„Emmetts?“ fragte er nach und kratzte sich den Nacken. Seine Lippen umspielte ein belustigtes Lächeln und er fragte nochmal nach, als ich heftig nickte.
„Ja, Dad. Emmetts. Und meine Kleidung ist sicher in meiner Handtasche verpackt!“ Okay, zum Ende hin war ich ziemlich überzeugend gewesen.
„Wie war dein Tag, Dad? Hast du mit deinen Freunden – den Senatoren – aus dem Kapitol geredet?“
„Das sind Staatsgeschäfte, Bella. Die kann ich dir nicht verraten. Aber mein Tag war nicht schlecht, außer, dass ich zu einer wichtigen Rede fast zu spät gekommen bin, weil deine Mutter von Richard gefahren wurde, was sie ja sonst nicht tut.“ Da hat sie auch viel Recht, es war nicht angenehm vom einem Chauffeur herumkutschiert zu werden. Aber ich war ja damit aufgewachsen.

„Mein Auto ist defekt, Charlie. Ich musste wohl oder übel Richards Dienste annehmen. Außerdem haben wir nicht mit dem Stau gerechnet, der sich in den Straßen vor der Firma angesammelt hatten.“
„Renee, in dieser Gegend gibt es immer Stau, dass sollte dir allmählich bekannt sein.“
„Charlie, tut mir leid, dass du wegen mir beinahe zu spät gekommen bist.“
„Nicht nur beinahe, ich bin zu spät gekommen.“
„Was auch immer!“ murmelte ich dazwischen. Und beide sahen mich wütend an. Ich nahm diese kleinen Zickereien meiner Eltern nie ernst, ob das in einer Ehe normal war, wusste ich nicht, aber wie eine Ehe fühlte sich das nicht gerade an, wenn die Mutter in ihrem eigenen und der Vater in seinem eigenen Zimmer schlief. Ob da was funktionierte, war fraglich.

„Ich ziehe mich in mein Reich zurück. Gute Nacht, süße Träume, angenehmen Schlaf!“ murmelte ich wieder gut gelaunt. Ich war schon ein komisches Wesen, da ich einmal todunglücklich war und dann wieder topmotiviert.
„Gute Nacht, Schatz! Gute Nacht, Amy!“ murmelte Renee und ging mit ihren Skizzen im Schlepptau an Dad, Nana und mir vorbei. Nicht ohne Dad einen vernichtenden Blick zuzuwerfen.
„Schatz, willst du denn nichts essen? Du wirst sonst krank, mi vida, das kannst du dir aber nicht leisten, da in vier Tagen die Schule anfängt und da musst du gesund und putzmunter erscheinen.“
„Ich hab schon gegessen, Nana, mach dir keine Sorgen.“ Ich gab meiner Nana eine sanfte Umarmung und sie strich mir das Haar hinter meine Ohren.
„Oh?“ fragte mein Dad mit einem Grinsen im Gesicht. Irgendwie sah er mich ein bisschen wissend an. Aber nein, das bildete ich mir ein.
„Ja, Dad, ich hab gegessen und war bei meinen Kindern – bei Chelsea -, wurde vom Regen erwischt und tja.......“
„Tja?“
„Tja, dann wurde ich von schaulustigen Paparazzi erwischt, die mich verfolgt haben und das war die ganze Geschichte.“
„Echt?“ fragte er und sah mich gleichgültig an. Dad in Kombination mit den Paparazzi – also Medien – und ruhig bleiben, das war nicht mein Dad. Das passte überhaupt nicht zu ihm. Er verhielt sich heute gar nicht wie mein Dad.
„Ja, Dad. Ich werde ganz sicher die Titelseiten der Zeitungen sprengen. Zudem ich ja noch fast unbekleidet auf dem Foto zu sehen war.“ Er zuckte gleichgültig die Schultern, gab mir einen kleinen Kuss auf den Kopf und ging davon. Entgeistert sah ich ihm nach und wunderte mich, warum mein Dad heute so war. Hatte er Sex gehabt? Oder war er betrunken? Wenn es so wäre, würde ich es auch nicht wissen wollen.
„Was ist mit dem los?“ fragten meinen Nana und ich aus einem Mund und lächelten.
„Das habe ich gehört!“ rief er, als er in sein Arbeitszimmer ging. Er ging um die Ecke den langen Flur entlang.
„Das war auch so gedacht, Dad!“ brüllte ich ihm hinterher und er ließ sein Kopf an der Wand entlang hinausgleiten, sodass wir nur seinen Kopf sahen, weil die Wand ihm zum Schutz kam.

„Bella?“
„Ja, Dad?“
„Bring diese Jacke, die du trägst, demjenigen zurück, dem sie auch gehört, Honey!“
„Ja, Dad!“ Fuck, er hatte mich durchschaut. Anscheinend war ich doch nicht überzeugend genug gewesen.




*



Wie vorhergesehen, sprengte das Bild – an dem Edward und ich noch am Tisch des mexikanischen Restaurants saßen – die Medien, ich mit weit aufgerissenen Augen und Edward mit genervtem Gesichtsausdruck und böser Miene, seine Augen waren zusammengekneift und man sah einige Falten auf seiner Stirn. Ich knüllte die Zeitung zusammen, da sowieso nur etwas gelabbert wurde, von dem die Hälfte die Lüge war. Mir zu unterstellen, dass ich ein Date hatte. Eine Frechheit. Aber es fühlte sich wie ein Date an, es war ähnlich wie ein Date, aber es war kein Date. Okay, irgendwie schon. Ich gebe ja zu, dass ich mich gefreut habe. Immerhin war es das erste inoffizielle Date. Das durfte ich nicht zu meiner Liste zählen, weil es nicht offiziell war. Ja, ich hatte eine Liste, leider eine leere, aber die konnte man noch fühlen. Was nicht war, konnte noch was werden! Tatsache war, dass ich gar nicht eine lange Liste haben wollte. Ich wollte nur eine Person auf dieser Liste haben. Weil ich mir sicher war, dass er diese Liste zerstückeln würde, wenn er von ihr erfuhr.

Okay, Isabella, Edward und du hattet kein Date. Bild dir nichts ein, Süße. Er kann viele andere Frauen haben, wieso sollte er sich einen pubertierenden Teenie aussuchen? Schon wieder meine Zickenstimme. Ich weiß ganz genau, dass es kein Date war. Außerdem habe ich mir nichts eingebildet, Edward und ich waren nur Freunde. Er sieht gut aus, hat vielleicht auch eine Freundin. Wieso auch nicht? Mich geht das auch nichts an. Außerdem bin ich gar nicht in der Pubertät, die habe ich schon hinter mich gelassen, du Zicke. Antwortete ich gerade meiner Zickenstimme?

Ich bin nicht deine Zickenstimme.
Doch bist du!
Und du bist ein Teenie!
Nein, bin ich nicht.
Dooooch!
Nein!
Doch!
Nein!
Doooooochooochoch!
Nein, nein, nein!
Doch, doch, doch!
Du weißt, wir können das ewig weitermachen, also: Nein!
Doch!
Hör auf Zicke.

Ich presste meinen Kissen auf meinem Kopf und legte mich flach auf mein Himmelbett. Diese Zickenstimme war ja total nervig. Ich zweifelte langsam an meinem Verstand, weil diese Zicke immer öfter in meinen Gedanken auftauchte und sich dort einmischte. Mein Unterbewusstsein hielt die Klappe, obwohl dieses auch eine laute Stimme hatte.

Das Unterbewusstsein hielt sich einen Sonnenschirm über den Kopf, hatte ein Fernglas weit über das Meer gerichtet und beobachtete die naheliegende Insel. Dort lebte ein Mann der für seine Muskel hart trainierte und 100 Liegestütze ohne Verschnaufpause machen konnte. Miss Unterbewusstsein seufzte verliebt und ihr fielen fast die Augen vom Kopf als sie Edwards Bauchmuskeln erblickte. Sie zoomte näher heran........ Genug, Miss Unterbewusstsein, ich weiß jetzt was du machst, da du ja nicht da bist!

Edward beobachten während er trainierte, solch eine Verräterin.

„Erde an Bella!“ mir wurde das Kissen vor meinem Gesicht entrissen und ich krallte meine Finger fester hinein. „Nein, will schlafen!“ nuschelte ich erstickt. „Du schläfst schon lange nicht mehr, Süße!“ Woah, nochmal! Süße? Wer war dieser Störfaktor? Ich gab meinen Kissen frei und erblickte das lächelnde Gesicht von Rose, der Freundin meines Bruders, mit der ich mich sehr gut verstand.

„Jimmy..............“ rief ich und sprang sie an. Sie drückte mich an sich und lachte.
„Dass du diesen Spitznamen nicht wieder vergisst, habe ich Emmett zu verdanken!“ ihre blonden Haare waren etwas durcheinander, für Rose ein No-Go, aber irgendwie war sie wohl durch den Wind.
„Weißt du, Emmett hat mich eingeladen zu ihm nach NYC zu fliegen, mit dir und E..... Also mit dir zusammen, am 9.September!“ Sie kratzte sich über ihr Schlüsselbein und spielte mir ihrem kleinen Herzanhänger, dass sie zum 21. Geburtstag von Emmett erhalten hatte. Als wäre sie irgendwie nervös.
„Das ist toll, wenigstens muss ich nicht alleine hinfliegen.“
„Wir können auch shoppen gehen!“ sie klatschte begeistert in die Hände. „Na ja, dein Bruder hätte mir das vorher sagen müssen, dann hätte ich etwas von meinem Taschengeld gespart. Vielleicht kann ich mir was von Juliett borgen. Egal. Ich sehe mal, was sich tun lässt.“
„Rose, keine Sorge, du musst dir nichts ausborgen, Emmett und ich haben genügend Geld um einkaufen zu gehen. Wir werden dich nicht hungern lassen.“ Ich grinste sie an und begann auf meinem Himmelbett auf und ab zu hüpfen. Das war die beste Methode um zu relaxen.
„Komm, hüpf mit!“ lud ich Rose ein, doch sie setzte sich auf mein lilanes Sofa und begutachtete „die Jacke“, strich mit ihren Fingern über den weichen Stoff.
„Gehört die Emmett?“ fragte sie und strich sich ihr blondes, langes Haar zurück.
„Nein!“ sagte ich gedehnt. Sie sah mich grinsend und zwinkernd an und begann zu pfeifen.
„Ist ein bisschen zu groß für dich, nicht?“
„Ja, Rose! Sie gehört auch nicht mir!“
„Sondern?!“ Rosalie Hale, stirb langsam, stirb. Rose hatte die Angewohnheit immer nachzufragen, da sie ziemlich intelligent und nicht leicht zu täuschen war. Vor ihr hatte ich sowieso keine Geheimnisse. Rose und Emmett waren schon über einem Jahr zusammen, aber unsere Eltern wussten es erst seit einigen Monaten. Sie kam damals zu uns nach Hause, aber als meine Freundin, weil sie Tanzstunden gab, jedoch nicht mir. Wir setzten uns meistens in den Spiegelsaal, die Musik dröhnte laut, aber wir tanzten nicht, sondern plauderten gelassen. Rose war Studentin, sie studierte Marketing und praktizierte bei „ELB-Fashion“, Renees Modefirma. Aber am Anfang ihrer Beziehung hatten sie Angst, dass unsere Eltern dagegen wären, deshalb verschwiegen sie ihre Beziehung lieber.
„Na, einem Mann!“ antwortete ich augenverdrehend. Sie kramte etwas aus ihrer Handtasche, das raschelte und meine Aufmerksamkeit erforderte. Das Endergebnis war jedoch die Klatschpresse, die sie zu mir drehte, als sie auf Edward tippte.
„Dem Mann, Bella?“
„Ja, Jimmy, genau dem Mann!“
„Wow......“ murmelte sie anerkennend, wie gut er aussah. Wir wir auf den Spitznamen Jimmy gekommen waren, konnte ich mich genau erinnern. Denn der verliebte Trottel – also Emmett – kam immer zu mir, um mir von Rose zu erzählen, die er in ELB-Fashion gesehen hat, weil er bei Renee war. Und aus dem Namen Rose wurde Jimmy, weil wir Angst hatten, jemand könnte uns belauschen und über Rose erfahren. Und zu diesem Zeitpunkt lief die Jimmy Kimmel Show. Daher bekam Rose den Spitznamen Jimmy. Somit konnte keiner auf den Gedanken kommen, dass wir eigentlich über Rose sprachen, wenn wir Jimmy erwähnten. Aber so wurde sie nur liebevoll von Emmett und mir genannt.
“Er sieht gut aus. Du musst darauf achten, dass ich das nicht vor Emmett sage, okay? Aber er sieht wirklich gut aus. Du musst mir alles erzählen. Wo habt ihr euch getroffen? Wie war das Date? Was hat er gesagt? Ist er süß? Oh, Bella, ich bin ja so froh......” Ich unterbrach ihren Redeschwall.
“Rose......wir sind nicht......” stellte ich klar.
“Oh, Süße, das tut mir ja leid. Hat er dich verletzt? Wenn er dich verarscht hat, dann trete ich persönlich ihm in den Arsch!”
“Rose, lässt du mich bitte aussprechen?” Mit offenem Mund blieb Rose auf dem Sofa sitzen und schloss ihn dann wieder, sah mich erwartungsvoll an und schwieg.
“Edward und ich sind nicht zusammen und das werden wir wahrscheinlich auch nie sein. Es gibt nur gewissermaßen Dinge, die uns verbinden, aber andererseits auch Dinge, wo wir uns sehr unterschiedlich sind.” erklärte ich.
“Wie Tag und Nacht? Wie Emmett und ich?” sie lächelte geistesabwesend und ich war mir sicher, wo sie mit ihren Gedanken hinflog.
“Ja, Rose. Wie Tag und Nacht.” Ich ging hinüber zu meinem begehbaren Kleiderschrank, wollte entscheiden was ich heute anziehen werde, da stand Rose auch im Türrahmen, als ich mich durch den Kleiderschrank wühlte, um etwas passendes für den Tag zu finden.

“Also das ist kein Grund um nicht zusammen zu sein, Bella. Du weißt, wie das mit Emmett und mir verlaufen ist. Wir haben uns auch getraut unsere Beziehung bekannt zu geben, aber das ist nur ein Hin und Her, das hält kein Mensch aus. Obwohl deine Eltern etwas altmodisch sind, wenn es darum geht, dass ich hier übernachte oder wir uns vor ihnen küssen, haben sie unsere Beziehung dennoch hingenommen. Vor allem deine Mutter, vor der ich am meisten Angst hatte. Sie hätte mich von ELB-Fashion rausschmeißen können, aber wegen ihrer Liebe zu Emmett hat sie es nicht getan.” Rose war gut in sowas. Menschen zu verteidigen, die das gar nicht verdienten, war ihre Stärke. Sie kannte Renee nicht. Renee machte sofort Pläne, wenn sie jemanden traf, wie er ihr von Nutzen sein kann. Wenigstens schätzte ich sie so ein, obwohl Emmett mir das auszureden versuchte. Er kannte sie besser, sagte er. Aber ich glaubte ihm kein Wort. Renee war es einfach nicht wert, etwas für sie zu tun oder zu lassen. Ich wollte dieses Kapitel so gern abschließen, aber wie wirft man die eigene Mutter aus dem Leben und sperrt sie aus?

“Als wären meine Eltern nie jung gewesen! Renee war in meinem Alter schwanger und hat geheiratet, sie soll also keine Moralprädikat halten, weil sie dafür ganz sicher nicht die Richtige ist. Nur weil sie jetzt reich und selbstständig ist, heißt es nicht, dass sie keine Fehler in ihrem Leben hatte. Mit siebzehn Zwillinge zu bekommen, ist ganz sicher nicht die beste Vorstellung vom Leben.” ich nahm wahllos ein T-Shirt und ein Paar Jeans aus dem Schrank, wollte ihn wieder verschließen, als Rose mich anstupste und mich mit offenem Mund ansah.

“Oh mein Gott, Bella.” Verständnislos sah ich sie an und warf ihr einen fragenden Blick zu. Doch sie schubste mich weg vom Kleiderschrank und kniete sich hin.
“Rose, was ist los?”
“Diese Schuhe, Bella. Oh mein Gott, ich bin einfach sprachlos.” Sie hielt mir ein Paar fleischfarbener Schuhe unter die Nase. Als ich sie näher inspizierte, registrierte ich, dass es sich um das Paar handelte, das ich zur Gala angezogen hatte. Mein Herz setzte aus, als ich erkannte, dass es ein Ding der Unmöglichkeit war, dass diese Schuhe tatsächlich in meinem Schrank waren. Ich konnte mich an den Tag, vor beinahe zwei Wochen, erinnern, dass Mister Neunmalklug sie mir aus der Hand gerissen hatte und nie wieder zurückgab. Es war unmöglich, dass sie hier in meinem Schrank waren?

Welche eigenartigen Dinge passierten hier? Ich runzelte die Stirn. Etwas war hier faul, sehr faul. Aber ich würde herausfinden, was es war.


*



Si, si = Ja, ja
Mi amor = meine Liebe
Mi vida = mein Leben

*

Montag, 2. Januar 2012

Chapter 3: Aus Stein und Eis

Chapter 3:

Aus Stein und Eis






„Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du davon tot umfällst. Oder du kannst es vorziehen, das bisschen Ungewissheit zu genießen.“


Man sagte oft, Menschen werden für ihre Neugierde bestraft. Mir war jedoch immer viel wichtiger alles zu erfahren, als mich vor der möglichen Strafe zu fürchten. Der Blick in die Augen meiner Freundin genügte, um mir zu zeigen, wie groß ihre Frucht vor fremden Menschen war. In diesem Moment konnte ich meine Gefühle nicht einordnen. Einerseits war da die Neugierde, die mich dazu verleitete mich in jene Richtung zu drehen, in welche Angela mit ihrem Blick deutete. Andererseits zweifelte ich daran, dass jemand uns verfolgen wollte. Welchen Nutzen hatte diese Person davon? Eigentlich war ich eine stink langweilige Person, die an guten Tagen etwas Sinnvolles tat. Da hatte kein Stalker einen Nutzen davon.

„Da Bella. Er sieht die ganze Zeit zu uns. Oh Gott, was wenn er uns weh tun will?“ Meine im normalen Zustand ruhige Freundin begann vor Angst zu stottern. Ich verdrehte die Augen, weil ich nicht dachte, dass uns jemand verfolgte. Der Lake Union Garden war in der Nähe des Hafens, dort verkehrten nunmal Menschen und wenn dich jemand wissbegierig ansah, dachtest du, er will dir weh tun. Das war doch völlig normal. Ich wollte gar nicht wissen, wie ich die Menschen anstarrte, wenn ich neugierig zu ihnen sah.
„Bella, das ist mein völliger Ernst. Er schaut schon wieder zu uns hin!“ Sie begann sich unauffällig verhalten zu wollen, scheiterte aber kläglich, da sie in regelmäßigen Abständen einen Blick hinter meine Schulter warf. Da würde sogar ein Nicht-Stalker bemerken, dass etwas nicht stimmte.
„Angela, Süße, du musst dich beruhigen. Keiner will dir wehtun. Es ist alles okay!“ Ich nahm ihre Hand in meine und drückte diese zärtlich.Ich hatte mich doch umgesehen, da war einfach niemand, keiner sah uns irgendwie schräg oder eigenartig an. Die Presseleute verfolgten mich manchmal auf Schritt und Tritt, aber daran war ich gewöhnt. Ich glaubte für diese Menschen war ich auch zu langweilig, um von mir Fotos schießen zu wollen. „Du kannst mir glauben!“ Sie lehnte sich nach rechts, sodass sie beinahe auf die Decke fiel und dann riss sie ihre Augen auf.
„Er ist weg. Bella, er ist einfach verschwunden. Das macht es nur noch verdächtiger.“ Sie flippte vollkommen aus in diesem Moment, registrierte das aber nicht einmal, so vertieft war sie in ihrer Angst und Furcht vor neugierigen Fremden. Vor meinem inneren Augen trat ein Bild auf, dass ich versucht hatte zu ignorieren in den letzten Tagen. Funkelnd grüne strahlende Smaragde, mit deren Glanz man Berge bewegen könnte, wenn man es darauf anlegte. Um meine Freundin zu beruhigen, stand ich auf und machte ein paar Schritte in die Richtung, in die Angela vor einigen Minuten noch gestarrt hat. Ich blicke mich extra konzentriert um, damit sie Ruhe gab mit ihrer Paranoia.

„Siehst du, es ist niemand da, der dich ausspioniert, Ang.“ Das sagte ich lauter als beabsichtigt und meine Freundin legte sich den Zeigefinger auf die Lippen und gab ein gedehntes „Psssst“ von sich. Als ich mich verwirrt umsah uns sie beinahe fragen wollte, was sie denn plötzlich schon wieder hatte, lief sie auf mich zu, packte mich an der Hand und zog mich wieder zu unserer Picknickdecke zurück. „Sei doch nicht so laut.“ sie sah wieder hin und her und beugte sich geheimnisvoll zu mir. Als hätte sie mir Staatsgeheimnisse anzuvertrauen. „Diese Typen, Spione und Stalker, sie können überall sein. Sie haben Connections zu vielen Personen. Du hast keine Ahnung!“ Der Gesichtsausdruck der sich anschließend auf ihrem Gesicht absetzte, war so irrsinnig komisch, dass ich mit Mühe und Not meinen Lachanfall unterdrückte. Ihre weit aufgerissenen Augen, der skeptische Blick, die geröteten Wangen. Sie passte mit dieser Mimik perfekt in einen Horrorstreifen. Als sie mein Grinsen bemerkte, sah sie mich mit erhobener Augenbraue an und machte einen kleinen Schmollmund.
„Du nimmst mich nicht ernst, oder?“ Sie schien ernst besorgt zu sein. „Isabella, solche Menschen können morden, ohne dass es ihnen leid tut. Du verstehst nicht, wie gefährlich es heute ist auf der Straße zu sein. Da lauern verdächtige Menschen herum, von denen du nicht weißt, ob sie psychisch labil sind. Ich fasse es nicht, dass du lachst.“ Ich konnte mich nicht einkriegen, von meinem Lachenanfall. Sie hörte sich so an, wie mein Vater als ich den neunten Bodyguard der Reihe nach zum Teufel geschickt hatte. Seinen verzweifelten Gesichtsausdruck konnte ich auch nie vergessen. Ich hatte etwas gegen Typen, die behaupteten, dass eine Frau ihren Schutz brauchte. Wir befanden uns nicht im Mittelalter, wo die Frauen kaum Rechte hatten und von ihren Männern abhängig waren. Heute gab es Entscheidungsfreiheit für alle- und ich entschied, dass ich keinen Bodyguard brauchte. Nachdem ich meinem Vater, wie eine liebliche Tochter, die ich war, bewies, dass kein Bodyguard gut genug war für mich war, hatte er es schließlich aufgegeben, mich überreden zu wollen. Zumindest bis jetzt, wer weiß was kommen konnte.

„Angela, wie oft sind meine Versuche gescheitert, meinem Dad weismachen zu wollen, dass nicht die ganze Welt versuchen würde seiner Tochter weh zu tun, nur weil er ein Senator ist. Und nicht der einzige wohl bemerkt. Was ist mit der Präsidententochter? Mit Stars, berühmten Anwälten, Ärzten. Wer will denn einer Isabella Swan was antun?“ Meine Freundin sah mich vorwurfsvoll an und schüttelte den Kopf verständnislos.

„Es hat keinen Sinn mit dir darüber zu diskutieren, Bella!“ Sie nahm meine Hände und sah mich besorgt an. Ich kannte diesen Blick viel zu gut. „Wir machen uns alle nur Sorgen um dich, aber du verstehst das anscheinend nicht. Entweder beherrschst du so gut Karate, dass wir uns wirklich keine Sorgen machen sollten, oder du bist einfach lebensmüde.“

Ja, weil diese Sorgen unberechtigt waren. Mein paranoider Vater verseuchte mit seiner Krankheit meinen ganzen Umkreis. Nun war auch meine Freundin verseucht. Fast hätte ich gelacht, wie kindisch sie sich benahmen.


*


"Paranoia - das heißt doch nur, die Wirklichkeit realistischer zu sehen als andere." - Strange Days



„Kannst du einen verdammten Ball auch zurückschießen?“ fragte ich leicht angesäuert, weil ich stundenlang auf dem Tennisplatz stand, mit Jessica trainierte, die es anscheinend aufgegeben hatte einen Ball zurückschießen zu wollen. Es pisste mich so richtig an, aber ich widerstand dem Drang sie so richtig anzumotzen deswegen. Auf meiner unwiderstehlichen a lá Swan Art. Sie funkelte mich richtig sauer an und setzte sich Mitten auf ihrer Tennisplatzhälfte hin. Ich tigerte einige Runden auf meiner Hälfte herum, machte ein paar Entspannungsübungen um die starken Schmerzen in meiner Rückengegend zu lindern. Ich wollte Jessica so was von zum Teufel schicken. Sie spielte normalerweise nicht so schlecht Tennis. Welche verdammten Probleme hatte sie heute? Es war ja nicht so, dass ich sie nicht bei jeder Sache unterstützte, wo ich nur konnte. Würde sie mir ihr Problem mit dem Tennis erklären, würde ich mich mit Sicherheit überwinden und ihr helfen. Aber sie zog es vor einfach auf dem gepflegten Rasen zu sitzen und mich mit ihren Blicken zu erdolchen. Ja gut Fräulein, dann war es halt so. Sie war meine Freundin und ich liebte sie, aber wegen ihr hatte ich diese schrecklichen Rückenschmerzen, die so gar nicht in meinen heutigen Plan passten.

Es war nur ein Tag vergangen, nach der Angela-Paranoia-Sache und schon passierte die nächste Situation, die mich aus der Bahn warf. Was hatte ich jemandem angetan, dass mich dieser Mann da oben so bestrafte? In den letzten Wochen lief alles schief, was nur schieflaufen konnte. Ein Ding der Unmöglichkeit, das eben alles schief ging, schien sich mit 99.999999 % in Erfüllung zu gehen. Bei meinem Glück war das auch kein Wunder.

Ich hörte Jessicas übertriebenes Seufzen, spürte ihren Blick sich in meinen Rücken bohren und als ich mich zu ihr drehte, sah ich, dass sie den Tränen nahe war. Himmel, so hatte ich es gar nicht gemeint. Sie weinte jetzt nicht ernsthaft wegen mir? Gooooott! Ich entschied mich also eine gute Freundin zu sein und setzte mich neben sie. Langsam stupste ich sie mit meiner Schulter an und sah sie an.

„Also, was ist los?“ Noch bevor ich meine Entschuldigung in Gedanken formulieren konnte, sprang Jessica wie von einer Biene gestochen auf und warf ihren Tennisschläger aggressiv auf den grünen Rasen.

„Du wagst es mich zu fragen, was mit mir los ist? Du fragst das wirklich?“ Ihr Wangen nahmen einen dunklen Rotton an und ihre Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammen gekneift. „DU, Isabella. Du bist mein Problem. Schon seit unserer Kindheit muss ich mir anhören, wie perfekt du bist. Wie wunderschön. Wie stolz doch alle auf dich sind. Wie gutmütig und liebevoll du bist. Zuckersüß, smart, wohlerzogen und kultiviert.“ Jessica schrie mich an und konnte tatsächlich seelenruhig auf dem Rasen sitzen und sie anschauen, als würde sie mir das Blau des Himmels erklären. Was war falsch mit mir? Hatte ich mir den Kopf angestoßen? Wieso verteidigte ich mich denn nicht?
„Aber sie haben alle keine Ahnung. Ich kenne dich viel besser als alle anderen. Du machst einen auf unnahbar und unschuldig, total süß und scheinheilig. Tief in dir drinnen bist du nicht besser, als wir anderen.“ Meine Beine entschieden sich ihren Dienst doch zu erledigen und mir war es möglich mich zu erheben. Ich wusste nicht woher die innere Ruhe, die sich durch Jessicas Worte nicht stören ließ, kam, aber ich war dankbar dafür. Mein Temperament schien sich eine Pause zu gönnen und das fand ich gut. Denn im Normalfall hätte ich mich verteidigt, weil alles was sie sagte verdammte Lügen waren. Sie kannte mich so schlecht.
„Was, tust du jetzt auf gutmütig und verteidigst dich nicht? Oder ist dir plötzlich klar geworden, dass alles was meinen Mund verlassen hat, die Wahrheit ist?“ Jessica begann hysterisch zu lachen und ich meinen Kopf zu schütteln. Was antwortete man denn auf solche Fragen? Die Freundin, von der man geglaubt hatte, dass sie es mit Haut und Haaren war, warf einem etwas an den Kopf, von dem sie wusste, dass es nicht stimmte. Sie wusste es verdammt nochmal. Erwartete sie, dass ich jetzt ausraste? Ich würde es nicht tun, denn ich hatte Niveau und meinen Stolz. Das was Jessica offensichtlich fehlte.
„Ich werde nicht mehr Tennis spielen, vor allem nicht mit dir“ Sie warf mir abschätzende Blicke zu, die ich wortlos ignorierte. Angela hatte gesagt, dass Jessica komisch drauf war, vielleicht hatte sie ihre Tage oder so. Woher sollte ich wissen was sie plötzlich gegen mich hatte.
„Mein Dad kann mich mal und seine neue Schlampe auch. Ich werde nie wieder das tun, was mir jemand sagt. Mein Schatzi, James, hat so Recht.“ James? Wer war James? Jessica drehte sich um und lief los soweit ihre Beine sie trugen. So schnell verschwand sie, dass ich nicht einmal blinzeln konnte.

Gefüllte fünf Minuten stand ich da, versuchte verzweifelt zu realisieren – zu verstehen-, was das vorhin war. Wieso Jessica mir solche Dinge unterstellte. Wieso sie plötzlich einen solchen Hass gegen mich hegte? Welche Perfektion meinte sie? Ich war überhaupt nicht perfekt, nur geduldig. Könnte sie in mein Innerstes sehen, dann würde sie solche Dinge nicht zu mir sagen. Aber gut, ich zog es vor ihr ihre Worte nicht übel zu nehmen, obwohl sie mich tief verletzten, sich wie ein Pfeil in mein Herz bohrten und mir die Luft wegnahmen.

Ich sammelte ihren und meinen Tennisschläger auf und lief zu den angegrenzten Garderoben. Dort angekommen riss ich das Schließfach mit der Nummer 22 auf und schleuderte die zwei Tennisschläger mit Gewalt hinein. Ich hatte es satt. So verdammt satt, mir verschiedene Vorwürfe und verletzende Worte anzuhören. Meine Mutter und Jessica konnten mit ihren verhassten Worten und ihren unberechtigten Vorwürfen rein gar nichts erreichen. Renee hatte meine Liebe schon seit Jahren verloren. Ich hegte keinerlei Gefühle für sie. Ich konnte nicht einmal mit Stolz zu ihr hinaufsehen, noch weniger sie verstehen oder mich mit ihr unterhalten. Sie hatte rein gar nichts von mir verdient. Sogar wenn ich ihr meinen Hass jeden Tag zum Frühstück gab, dann hätte sie ihn verdient. Aber wie sollte ich sie hassen? Wie sollte man eine Mutter hassen, auch wenn sie noch so schlecht und gefühllos war, auch wenn sie mich permanent verletzte, mir andauernd das Herz brach und ihre Gefühle nicht zeigen konnte, die sie vielleicht auch nicht hatte.

Ich konnte Renee nicht verstehen, konnte nicht nachvollziehen, warum sie ihre Familie in Stich gelassen hatte? Was gab es so Mächtiges, für das man seine Familie vernachlässigt und kaum noch zuhause ist?

Meine Nägel fanden den Weg in die Tür des Schließfachs und dort bohrte ich sie hinein. Ich wollte den Schmerz, der mein Herz betäubte und gleichzeitig beherrschte, einfach hinausschreien. Wollte kratzen, beißen, den Verstand verlieren. Wie konnte eine Mutter ihrem Kind so etwas zutrauen? Wie konnte sie sich an mich lehnen und ihre Bedürfnisse über meine stellen? Ich hatte nicht verlangt geboren zu werden. Wie konnte sie mich als Spielball benützen, um mich herumzuschubsen, wie sie es wollte. Mal wollte sie Mutter sein, dann wieder nicht. Man konnte es sich nicht aussuchen, wann man Mutter war und wann man das Kind einfach zu seinem Vater schubste und erwartete, dass jemand auf es aufpassen würde.

Ich wollte Renee so hassen. Ich wollte sie hassen, für all den Schmerz den sie mir bereitet hatte. Aber noch mehr wollte ich sie für das hassen, was sie meinem Dad angetan hatte. Sie hatte ihn immer benützt, für ihre Spielchen und ihre Allüren; wie eine Puppe, die man pflegte und mit ihr spielte, bis sie einem zu langweilig wurde, dann schmiss man sie einfach weg. Gequält von meinen Gedanken, von meiner Vergangenheit, die ich unbedingt vergessen wollte, schloss ich meine Augen und versuchte zu vergessen. Ich hieß dem Schmerz in diesem Moment willkommen, weil er der einzig wahre Freund für mich war, heimtückisch und gemein, der mich heimsuchte, wenn ich es am wenigsten erwartete, aber er kam immer regelmäßig. Immer Ende August und blieb den ganzen September lang bei mir, machte mir Gesellschaft und kehrte dann wieder in die Tiefe meines Herzens zurück, wo er die übrigen zehn Monate verbrachte, wie ein schüchternes, kleines Mädchen.

Jessica?! Ihre Bemühungen mir Schmerzen und Traurigkeit zu bereiten, mich zu quälen und zu kränken, scheiterten kläglich, weil ihr da meine Mutter zuvor gekommen ist. Den Schmerz, den mir Renee bereitet hatte, konnte von keinem anderen übertroffen werden. Jessicas Vorwürfe erinnerten mich nur an die Unliebe meiner Mutter, deshalb rührten sie mich zutiefst. Alles, das ich zu verdrängen versucht hatte, kam auf die Oberfläche und ich ließ mich, meine Hände vor meinem Gesicht geschlagen, damit keiner, obwohl keine Menschenseele anwesend war, meine Tränen sah, auf den Boden gleiten. Mein schmerzerfülltes Schluchzen hallte in der hintersten Ecke der Garderobe wider und erinnerte mich daran, dass ich noch menschlich war, dass ich Gefühle, auch wenn sie noch so schmerzhaft waren, zulassen musste, damit ich nicht in meinem Schmerz untertauchte. Ich ließ diese Tränen zu, versuchte sie nicht zu verstecken, erlaubte mir einmal schwach zu sein; erlaubte meinem Körper sich diese Entspannung zu gönnen; erlaubte meinem Herz diesem Schmerz willkommen zu heißen und ließ mich einfach gehen.

Gegen Renee war ich immun, ihre gemeinen Worte konnten mich nicht verletzen, denn meine Mauer, die Renee aus meinem Leben ausgesperrt hatte, war unzerstörbar für sie. Alles was ich war, meinen Glauben und meine Weltansicht, die hatte ich Charlie zu verdanken. Er war immer da und war mir niemals in den Rücken gefallen. Nicht einmal. Deshalb verletzte es mich auch, wenn ich ihn enttäuschte, weil er für mich meine beiden Elternteile darstellte. Er hatte Renees Mutterrolle auf sich genommen, aber auch seine eigene Vaterrolle nie vernachlässigt. Er war perfekt, der Vater, den man ständig zufrieden stellten wollte, weil er es verdient hatte. Weil er seinen Job, seine Familie und – was am wichtigsten war – seine Kinder, nie im Stich gelassen, sowie es Renee immer und immer wieder tat, auch heute noch. Sie wollte nur meine Zuneigung gewinnen, damit sie das Dad unter die Nase reiben konnte, aber das würde ich nicht zulassen. Ihre Zugeständnisse konnte sie sich anderswo holen, ich hatte keine Lust, Renee zufrieden zu stellen, nicht im Geringsten.

Ein polterndes Geräusch, ein Fluchen und ein Schatten am verdunkelten Milchglas war der Reihe nach zu hören und zu sehen. Das war es, was mich aus meinen selbst bemitleidenden Gedanken in die Realität, die noch so grausam sein konnte, zurückholte. Diese Geräusche hatten so menschlich geklungen, so männlich. Nein, das konnte nicht sein, ich bildete mir das alles nur ein, weil ich mir innerlich wünschte in diesem Moment nicht allein zu sein. Mein Herz rutschte in meine Hose und ich wollte mir die Furcht, die ich fühlte und in meinen Venen pulsierte, nicht eingestehen. Ich ließ es dabei, dass es vielleicht eine Katze war. Vor einer Katze hatte ich keine Angst.

Es gab keinen Grund für jemanden mich zu verletzen. Keine Tat, kein Wort, kein Ereignis, das jemanden reizen konnte, mich zu verfolgen und zu verschrecken. Es war nichts. Da war nichts. Es war mein Verstand, das mir einen Streich spielte. Obwohl ich mir das einreden wollte, begann ich hektisch an meiner Kleidung herumzuzerren und sie schnellst möglich auszuziehen. In meinem BH und Panties bekleidet stand ich da und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Plötzlich fühlte ich mich so müde, ausgelaugt und unfähig auch einen Gedanken zu fassen. Meine Emotionen drohten mich zu übermannen, doch ich setzte fort meine Kleidung anzuziehen und hatte es satt zu weinen, wollte es nicht; konnte es nicht.

Fertig angezogen sperrte ich drei Minuten später die Tür der Garderoben ab, da mir der Trainer – Embry- den Schlüssel anvertraut hatte, wenn ich mittwochs allein trainierte. Ich kontrollierte erneut, ob ich die Tür auch verlässlich verschlossen hatte und nickte mir selbst zu, da ich diese Aufgabe erfolgreich bestanden hatte. Danach hob ich meine Sporttasche auf und legte sie mir über die Schulter, auch wenn sie noch so schwer war. Ich würde sie alleine tragen, weil ich es konnte. Sowie ich den Schmerz aller geliebten Menschen auf mich nehmen wollte, wie Emmett es mir gesagt hatte. Ich bemerkte auch selbst, dass der süße Knuddelbär damit Recht hatte. Das Einzige, das mich am Trip nach New York City erfreute, war die Tatsache, dass ich dort meinen Bruder sehen konnte. Meine Baseballcap zog ich mir tief ins Gesicht damit man meine dunklen Augenringe nicht sehen konnte. Meine Lider waren schwer und meine Augen geschwollen, wie ich in dem kleinen Spiegel im Innenraum meines Schließfachs feststellen musste.

Ich lief langsam in Gedanken versunken eine Straße entlang, deren Name ich nicht kannte, sie aber eine Seitenstraße des Tennis Court war, wo ich trainierte. Ich lenkte nach rechts ab, als ich an der Kreuzung ankam, wo ich die Kreuzung zur der Straße gelangte, die mich zum Montlake Boulevard NE führte. Es war Zeit der Dämmerung und der Himmel nahm die ungewöhnlich graue Farbe an. Viele Menschen waren in dieser Gegend nicht anzutreffen, doch in diesem Moment war ich sowieso lieber allein. Spätestens zuhause hatte ich viele Menschen, mit denen ich mich auseinandersetzten musste. In deren Gesichter ich sah und ihnen jemanden anderen vorstellte; jemanden, den sie gern sahen, weil er wie per Fernbedienung sich ihre Sorgen anhörte und ihnen zur Seite stand. Immer wieder beschloss ich eine gute Person zu sein, die sich keine Schwäche erlaubte, die aus Stein und Eis war, damit sie jedem die Zufriedenheit gab, die benötigt wird.

Meine eigenen Schuhe gab quitschende Geräusche von sich, sie waren angenehm und ohne Absätze, klassisch und schmerzlos zu überstehen. Aber die klappernden Geräusche, die in meinen Ohren laut genug waren, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, gehörten eindeutig zu jemanden anderen. Mein Herz begann laut in meiner Brust zu pochen und mir wurde beinahe übel von dieser Intensität meines Körpers. Ich suchte nach Möglichkeiten, wie ich dieser Situation heil entkommen konnte. Aber wieso entkommen? Es ist nur jemand, der zufällig dieselbe Richtung, wie ich hatte. Kein Grund um in Panik auszubrechen. Ich drehte meinen Kopf leicht über die Schulter und konnte mir keine Gestalt ausmachen. Eine unangenehme Gänsehaut machte sich wie ein Film auf meinem Körper breit und war hartnäckig, dass ich sie einfach nicht abschütteln konnte, auch wenn ich mir immer und immer wieder einredete, dass niemand mich verfolgte.

Als die Nacht nun endgültig einbrach, wollte ich schreien. Ich bekam eine riesige Angst, die sich tief in meine Knochen fraß, sodass ich stolperte und mein Körper unkontrolliert zu zittern begann. Eigentlich könnte ich Richard – unseren verlässlichen Chauffeur - anrufen, er würde mich abholen, wo und wann auch immer. Aber ich wollte nicht ausgelacht werden, wegen meiner weiterentwickelten Paranoia. Bei Gelegenheit wollte ich Angela speziell dafür danken.

Um nicht endgültig durchzudrehen, stopfte ich mir die Ohrstöpseln meines I-Pods in die Ohren. Ich wusste nicht woher ich diesen Mut nahm, denn auch wenn mir der Stalker die Kehle durchschnitt, würde ich ihn nicht hören. Der kleine Gedanke, dass dieser Stalker sich genauso allein in dieser Welt fühlte, wie ich, nahm mir etwas die Angst. Vielleicht wäre es ein Vergnügen einfach zu sterben, um dem ganzen Schmerz und dem bösen Schicksal zu entkommen. Einfach nicht mehr zu existieren, wie ein Zombie, vor Schmerz und Unglück zerfressen. Was hatte ich schon zu verlieren?

Meinen Dad und Emmett, stellte ich fest. Ich sah sie in meinen Gedanken auf meinem Begräbnis, in so dunklen Anzügen gekleidet wie die Nacht selbst, die mich verschlucken wollte. Ich saß Dad, der die Arme vor seinem Bauch überkreuzt hatte und seine stummen Tränen. Mein Bruder neben ihn, versuchte seinen Schmerz einzustecken, um für andere da zu sein. Als Emmett seinen Arm um meine Schulter legte, vervollständigte sich das Bild vor meinen Augen. Es war nicht mein Begräbnis. Es war der Tod, der wie eine Lawine alles mit sich fortriss. Ich sah mich selbst, als frisch 13-Jährige sich an meinem Bruder klammern. Den Schmerz meines Vaters zu sehen, weil er seine Tochter auf so eine tragische Weise verloren hatte, brach alle Dämme in mir und ich begann noch heftiger zu weinen.

Linda, Linda, Linda, schrie mein Verstand. Das warum folgte. Das Warum, das ich mir schon seit vier Jahren gestellt hatte, unaufhörlich und unendlich. Ohne es zu realisieren lief ich bei einer roten Ampel über die Straßen. Ohrenbetäubendes Quietschen der Reifen war zu hören, als ich wie angewurzelt stehen blieb und die Augen schloss. Doch nichts folgte. Kein Schmerz, kein Aufprall, nicht einmal ein Geräusch. Ich dachte, ich wäre im Himmel. Doch es folgte ein ruckelndes Geräusch und ich öffnete meine Augen wieder. Vor mir stand ein schwarzer BMW-Jeep und ich brauchte meine Zeit, bis ich realisierte, woher ich dieses Fahrzeug kannte. Erst als ein grauhaariger Mann, in einem dunkelblauen Anzug ausstieg und auf mich zulief, erkannte ich die Ähnlichkeit. Blind vor den Tränen, die ich vergossen hatte, versuchte ich etwas zu erkennen.

„Bella, Bella, mein Augenlicht, was ist passiert?“ Diese Stimme war so wohltuend und so vertraut, es war die Stimme, die ich so oft in meiner Vergangenheit gehört hatte, die zu dem Mann gehörte, der meine beiden verstorbenen Großväter ersetzte. Jetzt weinte ich nur noch mehr. Er lief auf mich zu und nahm mich in seine Arme. Meinen Kopf legte ich auf seine Schulter ab und begann hemmungslos zu schluchzen. Kurz als ich meine Augen öffnete, weil das Hupen der anderen Autos zu hören war, sah ich die Konturen eines Menschen auf der anderen Straßenseite, doch Richard zog mich mit sich und schob mich in den Wagen. Er fragte gar nichts, sagte gar nichts, saß einfach hinter dem Steuer und fuhr mich nach Hause. Das zuhause, in dem man sich am wenigsten zuhause fühlen konnte.


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„Es sind die vorgefaßten Meinungen, die es den Völkern so schwer machen, einander zu verstehen, und die es ihnen so leicht machen, einander zu verachten.“ ~ Romain Rolland



Menschen waren gekommen und wieder gegangen. Lichter hatten mein Zimmer beleuchtet und die Dunkelheit hatte sich wieder ausgebreitet, wie ein Feind, der mich verschlucken wollte; mitreißen; fortziehen, irgendwohin, wo es nichts gab außer Dunkelheit und Nichts. Nach diesem Nichts sehnte ich mich am meisten; ich wollte meine Sinne betäuben; nichts fühlen, nichts sehen, nichts schmecken, nichts riechen, einfach nicht da sein.

Ich wollte nicht auf diese Weise existieren.

Das war nicht das Leben, das ich mir gewünscht hatte. Ich hatte nicht viel verlangt, nie. Eine freundliche, zusammenhaltende Familie, ein kleines Haus am Strand oder im Wald, Gesundheit und Zufriedenheit. Es wäre genug gewesen. Ich wollte kein Geld, das einem nichts brachte außer Ärger und Unglück. Menschen hatten wegen dem Geld Kriege geführt, aber das war umsonst, denn wenn du kein gesundes Familienverhältnis hast, keine Gesundheit, keine innere Ruhe, dann war das ganze Geld der Welt nur eine Farce, mit der du leichter dein Glück vorspielen konntest. Das Leben reicher Menschen glich einem Kabarett, es war nichts anderes als Schauspiel. Für die wenigen, die sich nicht von der Menge der Reichen mitreißen ließen, war das Leben schwer. Sie wurden als schlechte Beispiele dargestellt, mit denen man die Menschen abschrecken wollte. Skandale und Eskapaden in den Medien lenkten uns doch nur von der wahren Katastrophe ab. Von den Ungerechtigkeiten, die heute noch herrschten, obwohl wir doch annehmen konnten, dass Kriege um Rohstoffe, die Kolonialisierung der Welt und all die abschreckenden Beispiele in der Geschichte unserer Menschheit, einfach nur das waren – Geschichte.

Dieser Kampf um den Reichtum und um die Macht würde nie aufhören. Die Schlacht um das Bessersein würde solange bestehen, wie es uns auf dieser Welt geben wird. Die ganzen Probleme begannen mit der Entwicklung des Menschen und diese Probleme würde es immer geben, je länger es uns gab, desto mehr wuchs der Kampf um das Bessersein.

Ich wollte nie besser sein. Ich wollte einfach ich selbst sein.

Nachdem ich Jessicas Worte in der Nacht endlos lang durchgekaut hatte, stellte ich fest, wie schlecht ich auf sie gewirkt haben musste. Ich konnte nicht leugnen, dass mich ihre Art mir das alles ins Gesicht zu schleudern, verletzt hatte. Aber sie wollte kein Teil dieses Machtkampfes mehr sein. Sie wollte ein Leben nach ihren Vorstellungen führen. Dafür war ich froh für sie. Sie musste kein Teil dieses Machtkampfes sein. Sie konnte irgendwohin ziehen, wo sie keiner kannte und würde unentdeckt bleiben. Ich hingegen hatte seit meiner Kindheit damit zu kämpfen, dass mein Leben nicht privat blieb. Beinahe jeden Traum, den ich mir selbst oder jemanden anderen, erfüllt hatte, blieb nicht unentdeckt.

Als ich noch ein Kind war, wurde von meinen Fortschritten beim Ballett geschrieben. Damals wurde soviel von Lindas Hilfe bei den krebskranken Kindern erzählt und wie stolz alle waren. Menschen sahen sie mit einem gewissen Glanz in den Augen, den ich auch erleben wollte. Sie bejubelten und beklatschten sie. In meiner Erinnerung war jedoch das stolze Auftreten meines Vaters eingebrannt, als seine Anhänger nach den Wohltaten seiner Tochter fragten. Ich nahm mir damals vor, meinen Dad mächtig stolz zu machen, aber ich stellte es mir niemals so schwer vor, wie es in der Realität bedauerlicherweise war. Als ich jedoch begann Tennis zu spielen und zu gewinnen, was für die Menschen viel wichtiger war, sprengte das die Medien, denn jedes Jahr um die gleiche Zeit wurde davon berichtet.

Mir war jedoch nie wichtig gewesen, in den Medien zu sein. Ich wollte lieber unentdeckt bleiben. Den Menschen in den Staaten der dritten Welt helfen, ohne, dass ich dafür in die Medien kam, weil ich wirklich helfen wollte. Nicht wegen dem Ansehen.

Zwischen dem Ansehen und dem Wunsch, etwas zu tun was man wollte, gab es einen schmalen Grad zu gehen. Ich wollte auf beiden Stühlen sitzen und wusste jedoch, dass ich am Ende von beiden fallen würde.


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So wie er kam, so ging er auch. Ja, der bittersüße Schmerz, der zwischen süßer Erinnerung und bitteren Verlust schwankte. Nun, er verschwand nicht vollständig, aber er wurde erträglich. Ich wusste, dass kein Individuum sein ganzes Leben geleitet von Schmerz verbringen konnte. Aber es gab nichts anderes für mich. Es gab die kurzfristige Freude, wenn ich unter Menschen war, die mir gut taten, aber wenn ich allen – in meinen vier Wänden eingeschlossen – war, dann kehrte dieser Schmerz verlässlich zurück. Ich entwickelte mich zu einem Zombie, das wusste ich, aber es war nicht leicht, sich zu ändern, auch wenn man daran kaputt ging.

Ich konnte die Vergangenheit so schwer ruhen lassen.

An jedem Donnerstag verschwand der Schmerz vollständig, ohne Widersprüche und Hartnäckigkeit; es fühlte sich an, als wäre er von einem Staubsauger aufgesaugt worden und meine Brust wurde leicht, sodass ich fast schweben konnte. Es fühlte sich an als würde ich den Boden gar nicht berühren. Ich fühlte mich wie eine Fee, nun eine einsame und manchmal traurige, aber die meiste Zeit glückliche Fee. Weil ich etwas Gutes tat.

Ich stand nun wieder – wie am jeden Donnerstag - vor dem Overlake Medical Tower auf der 116ten Straße im Bellevue, Seattle – nicht sehr weit von meinem Zuhause. Ich sah das hohe Gebäude, das sich so hoch in den Himmel hinaus erstreckte, fasziniert an, als hätte ich es zum ersten Mal erblickt. Dieses Krankenhaus zog mich immer wieder in seinen Bann. Es gab gut ausgebildete Ärzte, freundliche Krankenschwestern, gut aussehende Bettpfleger und verzweifelte, kranke Patienten, die jemanden brauchten, der sich um sie kümmerte und mit ihnen lange, ausführliche Gespräche führte. Die einsamen Pensionisten und kleine, unschuldige Kinder weckten mein Mitgefühl immer wieder aufs Neue. Sie rührten etwas in meiner Brust, was mich näher zu Linda brachte. Wenn ich in die Augen, der mit einem Bein im Grab stehenden Personen sah, dann sah ich dem Tod in die Augen; stand dem Tod so furchtlos und eiskalt gegenüber, wie er mir gegenübergestanden hatte, als er das Leben meiner Schwester aus ihrem Körper aussaugte und ich ihren toten Körper an meinem gedrückt hatte, in der Hoffnung, sie würde noch leben. In der Hoffnung der Tod würde sich umentscheiden und ihr das Leben zurückschenken, auch wenn es nur aus Mitgefühl wäre. Aber er tat es nicht. Er saugte ihr das Leben aus – ohne Rücksicht auf mich zu nehmen; auf mich, die sie mit einem leeren Loch ließ, dort wo mein Herz sein sollte.

Ich wollte Linda so nahe wie möglich sein.

Ich betrat die Eingangshalle und sah mich um. Viele Kaffeeautomaten standen in den Ecken herum und ein Informationsbereich, wenn man diesen Raum passierte, kam die Rezeption, wo William saß und in seinem Computer etwas hektisch hineintippte.

„Hi, William“ murmelte ich, als ich vor dem Tresen stand und mit meinen Fingerspitzen ungeduldig auf das Holz klopfte.

„Guten Tag, Miss Swan. Wie geht es ihnen denn heute?“ seine blauen Augen blitzten mir entgegen und er lächelte mich freundlich an. „Ihre Kinder sind im Hof, Miss Swan. Sie bekommen ein kleines Theaterstück aufgeführt von einem sehr kreativen Mann.“ Ich lächelte ihn ebenfalls freundlich an für diese Information.

„Danke, William“ nuschelte ich und lief leise pfeifend und gut gelaunt durch die riesige Glastür, ging rechts um die Ecke und stand vor hohen Glasfenstern, die den Hof umschlossen. Von hier konnte ich das kleine Theater ungestört betrachten. Die Kinder saßen auf Plastikstühlen in einigen Reihen aufgeteilt um die schmale Bühne, wo ein Clown gerade mit seinem überdimensionalen Plastikarsch wackelte. Seine feuerroten Haare standen in einem Dreieck von seinem Kopf ab. Die bunte Kleidung, die er trug, war in so vielen unterschiedlichen Farben, sodass keine Farbe mehr miteinander zusammenpasste, das machte ihn umso lustiger. Die zwei lustigsten Dinge an ihm waren jedoch seine Schuhe in der XXL-Größe und sein aufgemaltes Gesicht mit der süßen roten Schaumstoffnase. Ich schob die Tür auf die Seite und leise ein, um die Kinder nicht zu stören.

Ich nahm auf einem Sessel in der letzten Reihe Platz und ließ den Clown seinen Job fertigmachen. Seine Tricks waren witzig und brachten die Kinder oft zum Lachen und mir entlockten sie ein Schmunzeln. Für einen Moment sah mich der Clown intensiv an und auf meinem Armen bildete sich eine angenehme Gänsehaut. Ich überlegte, dass es doch nicht geschadet hätte, eine Strickjacke mitgenommen zu haben, aber ich war einfach zu stur und ließ andere Meinungen nicht zu, vor allem wenn sie von Renee kamen. Lieber fror ich!

Der Clown suchte sich gerade einen Freiwilligen aus, der ihn bei seiner Arbeit unterstützen konnte und ich war tief in Gedanken versunken.

„Kommen Sie“ raunte er mir mit einer Stimme zu, die unbeschreiblich war. „Seien sie meine Freiwillige!“ Wenn er mich so ansah, mit diesen Augen, deren Farbe man wegen der bunten Schminke auf seinem Gesicht, nicht erkennen konnte, hätte ich zu allem „Ja“ gesagt. Er nahm mich mit auf die Bühne, die nur aus wackeligem Holz bestand und überlegte einen Moment, was er tun wollte, in dem er seine schlanken, langen Finger auf seinen Kinn legte. Ich analysierte diese Geste. Seit wann fühlte ich mich so wohl in der Anwesenheit von Clowns? Ich dachte als Kind immer, sie wären so unheimlich.

„Wie heißen Sie?“ rief er mir zu und sah mich einen Moment still an, sah zu den Kindern, die zu jubeln begannen. Ich fühlte, wie mir das Blut in die Wangen schoss und ich rot wurde. Schüchtern wandte ich meinen Blick zu den Kindern und zwinkerte ihnen verschwörerisch zu.

„Isabella.“ antwortete ich. Mein Blick wanderte zum Clown, der begeistert schmunzelte.

„Nur Bella!“ kam es von unseren Zuschauern und ich lächelte. Es war das, was ich immer zu ihnen sagte, wenn sie mich nach meinem Namen fragten. Als ich zu dem Verdächtigen sah, der das ausgesprochen hatte, stellte ich fest, dass es sich dabei um Chelsea handelte. Mein liebstes Mädchen. Ich warf ihr einen Luftkuss, fühlte mich so leicht und unbeschwert. Kichernd wandte ich mich an den Clown und sah ihn auffordernd an.

„Nun, Isabella!“ Es gab etwas, wenn er meinen Namen aussprach; wie er meinen Namen aussprach, als würde er ihn auf der Zunge zergehen lassen. „Ich gebe dir eine Münze, du musst sie hochwerfen und irgendwohin verstecken, wo ich sie schwer finde. Ich werde die Augen schließen, damit dies auch fair ist.“ Er legte den Kopf schief und reichte mir eine Silbermünze. Ich stellte schnell fest, dass es sich bei dieser Ausgabe um eine Münze handelte, die auf beiden Seiten den selben Aufdruck hatte - das Profil einer Frau. Clowns und ihre Tricks!

„Okay!“ grinste ich ihn an. „Bereit, Rotschopf?“ fragte ich ihn noch breiter grinsend als zuvor. Ich fand so langsam Gefallen an dieser Clown-Sache. Provokant hoch ich eine Braue in die Höhe, als er sich ein schiefes Grinsen bereitlegte und anschließend die Augen schloss. Ich schlich mich langsam zu ihm hin. Die Kinder lachten, als ich mit meinen Händen vor seinem Gesicht herumwedelte, um festzustellen, ob er wirklich nichts sah oder uns etwas vorspielte. Es konnte ja wieder irgendein ausgefallener Clown-Trick sein. Ich gab den Kindern ein Okay-Zeichen mit meinem Daumen und sie begannen wieder zu kichern. Anschließend entfernte ich mich wieder vom Clown und drehte ihm halb den Rücken zu. Ich überlegte nicht sehr lange – vielleicht hätte ich das tun sollen-, aber ich steckte die Münze in meinen Ausschnitt, deutete den Kindern, mit dem Finger wo die Münze war und sie schnappten etwas entsetzt nach Luft, bevor sie erwartungsvoll die Luft anhielten.

„Okay, du kannst die Augen wieder aufmachen, Mr. Tricky!“ Selbstgefällig stand ich da, mit den Händen in die Hüften gestemmt und sah ihn wieder provokativ an, als wollte ich ihm sagen, dass er die Münze niemals finden würde.

„Hm!“ gab er gedehnt von sich, griff sich wieder an den Kinn, fuhr extra langsam mit seinen Fingern darüber und beobachtete mich. Dann griff er sich plötzlich mit seinen Fingerspitzen an die Schläfen, schloss die Augen und begann irgendwelche suspekten Laute von sich zu geben, dass ich mir die Hand auf den Mund presste, um nicht laut loszulachen. Die Kinder hingegen konnten ihren Lachanfall nicht zurückhalten und prusteten los.

„Oh......Ich sehe die Münze.......Ich sehe sie deutlich..........Hm.........interessant, faszinierend, einfallsreich!“ Er öffnete seine Augen, ließ seine Hände sinken und wandte den Blick direkt an mich. Er grinste charmant. Ich wusste nicht, wie ich einen Clown charmant finden konnte, aber ihn fand ich charmant.

Er schritt auf mich zu, langsam, ohne Eile, ließ meinem Blick nicht los; wie ein Puma umwarb er mich, drehte sich um mich, als wäre ich seine Beute und blieb anschließend direkt vor mir stehen. Mit erhobenem Haupt sah ich ihm in die Augen; zum einen, weil er viel größer war als ich und ich den Blick nicht abwenden wollte, auch nicht konnte; zum anderen, weil ich nicht schüchtern sein und mich verraten wollte.

So nah kam er mir, dass seine Nasenspitze beinahe meine Stirn berührte. Er legte dan Kopf schief, begann an meinem Haar zu schnuppern, erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Dann stemmte auch er die Hände in die Hüften, sah mir auch selbstzufrieden in die Augen und ließ den Blick in meinen Ausschnitt wandern.

„Kalt, kalt, total kalt!“ murmelte ich, um ihn irre zu führen, damit er die Münze nicht fand. Doch auf seinem Gesicht zauberte sich ein unwiderstehliches Lächeln und er blitzte mich aus diesen Augen an. Diese Augen, die mir so bekannt erschienen; grün, eigentlich smaragdgrün, mit einem faszinierenden Glanz in ihnen. Mein Blick richtete sich auf sein Gesicht und ich versuchte ihn mir ohne das ganze Make-Up vorzustellen. Die Erkenntnis traf mich wie eine harte Ohrfeige ins Gesicht.

„Warm, Isabella, total warm!“ nuschelte er an meiner Stirn. Mein ganzes Blut begann in meinen Venen zu kochen und ich bekam Hitzewallungen.

„Gut, Sie haben gewonnen!“ Ich musste schnell weg von hier. Es erschien mir, als würde er mir die Luft zum Atmen wegnehmen und ich kam mir wieder eingeengt vor. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Lachen, weil ich ihn wiedergetroffen hatte und eigentlich glücklich sein sollte. Weinen, weil er der erste Dominostein in der letzten Woche war, der gefallen und den Domino-Reflex ausgelöst hatte.

Es schienen Minuten zu vergehen, während ich das Kinn reckte und ihn mit einem giftigen Blick ansah. Sein Blick hatte sich auch verändert, er wurde ernster – erwachsener – und lächelte nicht mehr so spitzbübisch.

Unsere Blicke führten einen gefährlichen Kampf aus; mein Blick musste ihm deutlich das Warum in meinem Kopf zeigen, denn er schien sich mit mir durch Blicke zu unterhalten. Sein Blick schien sich tief in mein Innerstes zu bohren und als ich ihm gewährte, den Schmerz zu sehen, den seine Fragen heraufbeschwört haben, wandte er den Blick auf den Boden. Durcheinander begannen die Kinder zu schreien und liefen von allen Seiten weg. Ich drehte mich nach ihnen um, wollte feststellen was passiert ist, das sie vertrieben hatte. Diese Feststellung kam aber von selbst, als es vom Himmel wie aus allen Eimern zu schütten begann. Mein Brustkorb hoch und senkte sich schwer und ich wandte den Blick auf ihn, er hatte den Blick auf mich gerichtet und schien einen Kampf mit sich selbst zu führen. Unsere Augen woben ein Band zusammen, das eigentlich auf Vertrauen und Freundschaft beruhen sollte. Ich fühlte mich in diesem Moment keiner Person näher – ähnlicher-, als ihm. Mein weißes T-Shirt war vollkommen durchnässt und meine abgenutzte und löchrige Jeans auch. Ihm rannte das ganze Make-up, das nicht wasserfest war, über das Gesicht und seine Kleidung war mit Sicherheit auch durchnässt. Was auch kein Wunder war, denn es begann sogar zu donnern und der Regen verstärkte sich nur noch.

„Ich.....“ hauchte ich schwach und sah zur Glastür, aus der ich gekommen war. Er riss sich die Perücke vom Kopf und nickte mir zu.
„Du solltest reingehen, sonst wirst du krank!“ sagte er zu mir und wandte sich wieder auf seine kleine Bühne zu, um einige Kisten und Sachen aufzusammeln.

Er begann damit und tat so, als würde es nicht regnen, benahm sich vollkommen normal und ruhig. Ich brachte es aber nicht über das Herz ihn allein alles aufräumen zu lassen, also gesellte ich mich zu ihm und half ihm.

„Du solltest wirklich reingehen, Isabella!“ rief er mir lauter als beabsichtigt zu und nahm mir die aneinander geknoteten Tücher aus der Hand, zeigte einladend auf die Glastür und erdolchte mich mit seinem Blick.
„Nein, werde ich nicht!“ murmelte ich stur und riss ihm die Tücher aus der Hand. Trotzig schob ich die Unterlippe vor und setzte mit meiner Aufgabe, zu der ich mich selbst bewogen hatte, fort. Er stand einige Sekunden im Regen da und beobachtete mich. Zusammen räumten wir alles schneller auf, als er es allein geschafft hätte. Verdammter Sturkopf, darin ähnelten wir uns aber sehr. Wenn es etwas über Edward wusste, dann war es seine Sturheit und Ehrlichkeit.

Die Kisten trugen wir in eine Ecke des Hofes, die vom Regen geschützt war, die Plastiksessel und die Holzbühne ließen wir dort, wo sie waren. Gemeinsam drückten wir auf die vom Regen geschützte wand und ich begann zu lachen, fuhr mir über das tropfend nasse Haar und lehnte den Kopf gegen die Wand. Sein Seitenblick brannte sich in meine Wange und ich drehte den Kopf zu ihm. Er grinste auch. Er war der Erste, der begann die Melodie von „Singing in the Rain“ zu summen und ich lächelte breiter, beobachtete ihn dabei, wie er sich mit seinem Ärmel über das verschmierte Gesicht wischte.

„I´m singing in the rain, just singing in the rain. What a glorious feelin´, I´m happy again; I´m laughing at clouds; So dark up above; The sun´s in my heart......“ Entweder war es seine rauchige, wohltuende Stimme, die meine Gänsehaut nur noch verstärkte und es unter meiner Haut nur so kribbeln ließ, oder das kühle Nass des Wetters und der zusätzliche kalte Wind. Berauscht sah ich zu ihm, meine Augen fielen mir beinahe zu und ich sah ihn an, während sich seine Lippen langsam aufeinander zubewegten. Er brach ab, sah zum Himmel hinauf, lächelte, ich tat es ihm gleich und musste feststellen, dass ich die letzten Worte meinem Mund entwichen, ohne es zu realisieren. „And I´m ready for love“ nuschelte ich. Mein Blick wanderte zum Mann neben mir, der mich genauso entsetzt ansah, wie ich ihn. Jeder von uns versuchte in diesem Moment irgendwo anders hinzusehen, nur nicht einander in die Augen.

„Bella? Kommst du nicht zu uns?“ Chelsea stand an der Schiebetür und sah mich an, sie hatte nur ihr Patientengewand an und winkte mich zu sich zu. Ich sah zu Edward, der seinen Blick auf seine lustigen lila Schuhe gerichtet hatte.

„Bis bald, Ed-Edward!“ hauchte ich schwach, bevor ich auf Chelsea zulief. Er blieb bewegungs- und regungslos dort stehen, wo er war, ich spürte jedoch seinen Blick in meinem Rücken. Chelsea streckte mir die Hand entgegen, die ich lächelnd ergriff, bevor ich den Blick auf den Hof wandte und mir Edward ein letztes Mal ansah.

*



Chelsea war nach zwei Gute-Nacht-Geschichten eingeschlafen, hielt meinen Zeigefinger aber immer noch mit ihrer zierlichen Hand umschlossen. Von ihrem dichten blonden Haar, das sie vor einem halben Jahr hatte, als sie eingeliefert wurde, blieb nur ein Handvoll über. Ich liebte Chelsea, wie die kleine Schwester, die ich nie hatte und es ließ mich immer traurig werden, wenn ich sie, wie ein kleines Mädchen in ihrem zärtlichen Alter von viereinhalb mit einem Fuß unter der Erde war. Ich wollte sie daraus verzweifelt rausziehen. Es war schon ziemlich spät am Abend, als ich beschloss nach Hause zu gehen. Mein Dad wusste, wo ich meine Donnerstage verbrachte, also musste ich mich nicht hetzen, schneller nach Hause zu kommen.

Die Kinderstation war ungewöhnlich ruhig und ich schlich mich langsam davon, damit ich kein Kind verschreckte oder aufweckte. Nach einem zärtlichen Kuss auf Chelseas Stirn verließ ich die Kinderstation und fuhr mit dem Aufzug in das Erdgeschoss. Den Gedanken an Edward hatte ich den ganzen Abend lang in eine Ecke meines Gehirns verdrängt. Als mir das Bild von ihm in diesem lustigen, nicht zusammenpassenden Outfit in den Sinn kam, begann ich zu lächeln.

„Angenehme Nacht, William“ grüßte ich den Empfangsherrn, den ich schon seit Jahren kannte, wie er mich.
„Ihnen gleichfalls Miss Swan“ lächelte er mich an und winkte. „Soll ich ihnen einen Regenschirm besorgen, Miss Swan?“ fragte er mich freundlich und ich schüttelte vehement den Kopf. Ich freute mich auf den Regen und wollte wieder nass werden und im Regen tanzen, bis meine Fußsohlen schmerzten, denn meine Schuhe waren sowieso total vom Wasser durchtränkt und quietschten verdächtig, so beschloss ich barfuß im Regen zu tanzen.
„Vielen Dank, das ist aber nicht nötig!“ Ich drückte die Glastür des Krankenhauses und gelangte in die kühle Seattler Nachtluft.

Das abwechselnde Plätschern des Wassers auf dem Beton war das einzige Geräusch, das zu hören war. Unter dem Schutz des Krankenhauses zog ich mir noch meine Schuhe aus und band die Schnürsenkel zusammen und hängte meine Chucks über meine rechte Schulter auf. Dann streckte ich lächelnd meine Zehen aus und setzte sie dem Regen aus. Ich begann wegen meiner bescheuerten Idee zu lachen. Anschließend trat ich vollständig in den Regen, genoss den Moment in dem ich wieder klitschnass wurde. Mein Herz erfüllte sich mit einer unbeschreiblichen Freude und ich grinste so breit wie die Sonne, die heute vom Regen abgelöst wurde. Womit das wohl zu tun hatte? Hach, darüber wollte ich nicht nachdenken.

An einem Tag weinte ich, am anderen lachte ich. Ein komisches Wesen.

Ich fing erneut mit meinem Lieblingssong an und summte ihn so laut ich konnte, fing an zu pfeifen und zu hüpfen und die Hände in die Höhe zu halten, mich im Kreis zu drehen. Genießerisch schloss ich die Augen und hielt mein Gesicht gen den Regen.

„I´m singing in the rain..........“ nuschelte ich zum wiederholten Male und wanderte um die Ecke. Ich konnte problemlos in fünfzehn Minuten zuhause sein, denn das Overlake Medical Tower war nicht sehr weit von meinem Haus entfernt. Meine Verrücktheit nahm einen Ausmaß an, an dem ich anfing sogar zu tanzen, was ja meine liebste Beschäftigung war. Ich begann meine Beine zu bewegen, nahm meine Schultern mit und ließ meine Hüfte kreisen. Die Schritte, die ich in den Wochen zuvor eingeübt hatte, beschloss ich jetzt aufzuführen. Ein Pech für meinen Dad, dass ich auf der Straße noch tanzen konnte. Er hatte mir das Tanzstudio verboten und auch unseren Tanzsaal zuhause, aber er würde die Musik und mich niemals trennen können. Wir waren die besten Freunde. Der Regen prasselte unnachgiebig auf meinen Körper hinab und durchnässte das letzte Fleckchen Stoff, das es bisher nicht erreicht hatte.

Erst als der Regen aufhörte auf mich zu durchnässen, das Rauschen des Regens aber noch in meine Ohren drang, hob ich meinen Kopf hinauf und sah die halbrunde Hälfte eines gelben Regenschirms, die mir über den Kopf gehalten wurde.

„Deine Freude ist ansteckend!“ die Gänsehaut, die sich auf meinem Körper ausbreitete, wenn ich diese Stimme hörte, schien beinahe normal zu sein. „Und du tanzt wunderbar, sehr professionell und eingeübt. Aus dem Herzen heraus und mit soviel Liebe, die man sich gar nicht vorstellen konnte, wenn man es nicht selbst miterlebte.“ Ich schloss genießerisch die Augen und saugte diesen rauchigen Klang auf.

„Spionierst du mich etwa aus?“ fragte ich unschuldig und nichtsahnend. Er wanderte schon wieder um mich herum und stellte sich vor mich hin, hielt den Regenschirm aber unaufhörlich über meinem Kopf.

„Wenn das so wäre?“ seine Augen glühten wieder, seine Haare standen in allen Richtungen ab und dieses freche, selbstzufriedene Grinsen kehrte auf seinem Gesicht wieder zurück.

„Nun ja, dann würde ich dir eine knallen!“ ich ging an kindisch zu grinsen und er schüttelte auch ungläubig den Kopf.
„Darf ich dich ein Stückchen begleiten?“ fragte er mich unnötigerweise, da er mich ohnehin begleitete.

„Das tust du doch schon. Ist es dir nicht aufgefallen?“ Ich begann zu frieren und diesmal wirklich aus Kälte und legte die Arme schützend um meinen Oberkörper. Er legte den Kopf schief und fixierte meine Gänsehaut auf den Oberarmen.

„Kannst du den Schirm halten?“ fragte er schon wieder unnötigerweise, da er ihn mir sowieso in die Hand drückte und ich ihn an mich nahm. Wir blieben stehen und ich sah ihn an, fragte mich was er jetzt schon wieder vor hatte und musste die Augen verdrehen, als er sich ganz gentlemanlike seine Lederjacke auszog und sie um meine Schultern legte, mich darin einwickelte, wie ein Kind. Ich hielt den gelben Schirm in der Hand und wir setzten den Weg zu meinem Haus fort. Er hatte andere Kleidung an, ein weißes Shirt spannte sich über seinen durchtrainierten Oberkörper, und eine dunkle Röhrenjeans bedeckte seine langen Beine. Eine schmale silberne Kette baumelte auf seinem Nacken mit einem kleinen Plättchen drauf, wo etwas eingraviert war, das ich aber bei dieser Entfernung nicht erkennen konnte. Ich musste mir gestehen, dass sein Duft, der von seiner Jacke aus braunem Leder in meinen Nase einströmte, mehr als berauschend war.

Als mein Arm beinahe taub wurde, weil ich den Schirm noch immer hielt, begann ich auf meine gewohnte Art und Weise zu jammern.

„Ja, natürlich kann ich die ganze Zeit über den Regenschirm halten!“ gab ich etwas angefressen von mir, grinste aber belustigt. Edward war schweigsam, er warf mir einige Male Blicke zu, die ich nicht deuten konnte, aber ansonsten war er ruhig gewesen. Als er mein Meckern hörte, nahm er mir den Schirm sanft ab und grinste auch spitzbübisch.

„Miss Swan. Miss Swan.“ nuschelte er und schüttelte den Kopf. Er lächelte, als wäre irgendein Gedanke sehr lustig und sah mich anschließend an.

„Es heißt Bella.“ korrigierte ich ihn automatisch.

„Okay, Isabella.“ grinste er weiter und sah mich dann mit ernstem Gesichtsausdruck an. „Deine Schuhe sind eigentlich da um deine Füße zu wärmen und nicht als Dekoration, Isabella!“ Ich konnte es nicht verhindern mich ein bisschen, wie ein getadeltes Kind zu fühlen, das irgendeinen Streich gespielt hatte. Es war für mein Bestes, das wusste ich ja, aber es war nicht schön von ihm getadelt zu werden.

„Ja, Mister Neunmalklug. Dafür wärmt mich deine Jacke, die übrigens sehr kuschelig ist.“ um meine letzten Worte zu unterstreichen, kuschelte ich mich enger in seine Jacke hinein und versteckte meine kalte Nasenspitze in den Kragen, der am meisten nach ihm roch. Er grinste sein schiefes Lächeln und sein Gesicht wurde dann wieder, wie das einer Skulptur. Erstarrt und ernst.


„Isabella!“ murmelte er anschließend. Ich sah ihn verängstigt an, als ich in seine Augen schaute und seine Mauer nicht durchbrechen konnte, die er aufgestellt hatte, um mir seine Gedanken- und Gefühlswelt nicht zu offenbaren. „Wir sollten nicht befreundet sein, oder was auch immer das zwischen uns ist. Ich hätte dich an jenem Tag nicht nach Hause fahren sollen, du hättest nicht weglaufen sollen. Wir können nicht......wir dürfen nicht befreundet sein. Das geht nicht.“ Verletzt, wie beim ersten Mal durch seine sinnlose Fragen, sah ich ihm in die Augen, weil er es wie kein anderer schaffte meine Launen zu kontrollieren. Seine Aussage kratzte an meinem Selbstvertrauen. Ich wusste es lag an mir, dass er mit mir nicht befreundet sein konnte. Es musste an mir liegen. Eine andere Erklärung hatte ich nicht.

Ich fühlte, wie ich auch meine Mauern wieder hochzog und mich in eine Ecke verzog. Ich hatte wegen Renee gelernt auf der sicheren Seite zu bleiben, um nicht verletzt zu werden.

„Warum tust du das dann? Warum? Warum begleitest du mich nach Hause? Warum stellst du mir Fragen, von denen du weißt, dass ich sie nicht beantworten kann? Warum musst du dich in mein Leben einmischen, wenn du dort keinen Platz haben willst?“ Ich konnte es nicht verhindern, dass meine Stimme verletzt und brüchig klang. „Tut mir leid, aber du hast dir diesen Platz selbst verschafft. Ich bin kein Mensch, der etwas aus seinem Leben einfach so streichen kann. Aber es steht dir frei zu gehen. Ich werde mein Bestes geben, das hier“ ich zeigte zwischen ihn und mir „was auch immer das ist, zu vergessen!“

Er leckte sich langsam über die Lippen und krallte seine freie Hand in sein Haar.

„Isabella, das ist es nicht......“ er seufzte niedergeschlagen und sah mich aus seinen grünen, faszinierenden Augen an

„Was dann? Sag mir, was es dann ist! Jetzt, sofort, in diesem Augenblick!“ Ich stampfte auf einen Fuß auf und erwartete von ihm eine Erklärung, mit der erhobenen Augenbraue wartete ich ungeduldig.

„Isabella, ich....................“ setzte Edward an.



"Wenn Du vorhattest, mir das Leben zu versauen, hättest Du früher kommen müssen!" - High Fidelity (Film)