Chapter 7:
Alles, was ich will und nicht will!
Love begins with a smile, goes on with a kiss and ends with tears. Love is like war, it`s easy to begin, hard to end and impossible to forget. ~ Unbekannter Verfasser
Isabella Swan POV:
Ihr kennt alle das Gefühl vom gebrochenem Herzen? Ihr kennt das Gefühl des Verliebtseins? Ihr kennt das Gefühl des Schmerzes?- Diese Fragen, sie waren so absurd, so ironisch, denn ich selber hatte diese Dinge bisher nicht gekannt. Für mich waren die Schmetterlinge im Bauch, von denen jeder in der High School sprach, unbekannt – und ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mit diesen Gefühlen vertraut zu werden.
Ich wusste schließlich, dass mir diese Gefühle nichts anderes als Ärger bringen würden. Und wisst ihr was? Mein Herz war ein verdammter Verräter, ich hasste mein Herz mehr als meinen ärgsten Feind – wartet, mein Herz war mein ärgster Feind- denn mich hatte niemand so sehr hintergangen, wie mein eigenes Herz. Wer hätte gesagt, dass eine Isabella Swan sich in einen Edward Cullen verlieben würde?- Richtig, niemand. Aber der egoistische Verräter in meiner Brust wusste es vom ernsten Augenblick an. Seitdem meine Augen seine smaragdgrünen Iriden erblickt hatten, dieses Signal an mein Herz und mein Gehirn weitergaben, war ich praktisch verloren – obwohl ich es hatte nicht zugeben wollen. Ich sah wie langsam mein Verstand mit einem verträumten Lächeln ´bye, bye´ zu mir sagte und sich verabschiedete. Solch ein Dreck! Was sollte ich jetzt tun?
Schmerz war das Einzige, was Isabella Swan in den letzten Jahren kannte, und plötzlich kam dieser unglaubliche Mann und verdrehte mir einfach so den Kopf? Er machte mich schier wahnsinnig. In seiner Nähe war ich einfach ein verflucht ungezogenes Flittchen. Zickig, frech, unglaublich sauer. Ja, er machte mich so wahnsinnig sauer, sodass mein Körper plötzlich kribbelte und ich einfach an die Decke ging, wie ein aufgeblasener roter Luftballon.
Eigentlich sollte ich ihn hassen, weil er mich belogen hatte und wenn es etwas gab, das ich in meinem Leben hasste wie die Pest, dann waren es Lügen. Lügner waren für mich charakterlose Menschen, die sich davor fürchteten die Wahrheit zu sagen, weil dann alles am Arsch wäre, doch durch die Lügen veränderte sich diese Lage schließlich nicht. Aber diese Lügen waren eine Illusion in der man besser lebte, weil man die Wahrheit nicht ertragen konnte. Ich konnte schon verstehen, warum Menschen logen. Aber für mich war das nie eine Option. Besser ein Leben in Unglück, als in einer verlogenen Seifenblase, die nicht einmal real war. Wenn man sein Leben nur träumte, dann wacht man irgendwann auf und sieht, dass man nichts mehr in der Hand hatte, niemanden mehr an seiner Seite und das ist schrecklich, weil kein Mensch alleine sein wollte.
Die Realität war grausam, so sah es aus und genau das war es, das Lügner nicht akzeptieren konnten. Die verflucht nackte Realität, die unbarmherzig und grausam auf einen einschlug, ob man sie wollte oder nicht; ob man Kraft hatte sich zu währen oder nicht; es war irrelevant. Die Realität würde so bleiben, deshalb mussten wir Menschen unsere Einstellung ändern, damit wir am Wunsch nach einem besseren Leben, nach Glück, nicht unseren Weg verlieren und in die allumfassenden Tiefen abgleiten.
Alles, was ich will und nicht will!
Love begins with a smile, goes on with a kiss and ends with tears. Love is like war, it`s easy to begin, hard to end and impossible to forget. ~ Unbekannter Verfasser
Isabella Swan POV:
Ihr kennt alle das Gefühl vom gebrochenem Herzen? Ihr kennt das Gefühl des Verliebtseins? Ihr kennt das Gefühl des Schmerzes?- Diese Fragen, sie waren so absurd, so ironisch, denn ich selber hatte diese Dinge bisher nicht gekannt. Für mich waren die Schmetterlinge im Bauch, von denen jeder in der High School sprach, unbekannt – und ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mit diesen Gefühlen vertraut zu werden.
Ich wusste schließlich, dass mir diese Gefühle nichts anderes als Ärger bringen würden. Und wisst ihr was? Mein Herz war ein verdammter Verräter, ich hasste mein Herz mehr als meinen ärgsten Feind – wartet, mein Herz war mein ärgster Feind- denn mich hatte niemand so sehr hintergangen, wie mein eigenes Herz. Wer hätte gesagt, dass eine Isabella Swan sich in einen Edward Cullen verlieben würde?- Richtig, niemand. Aber der egoistische Verräter in meiner Brust wusste es vom ernsten Augenblick an. Seitdem meine Augen seine smaragdgrünen Iriden erblickt hatten, dieses Signal an mein Herz und mein Gehirn weitergaben, war ich praktisch verloren – obwohl ich es hatte nicht zugeben wollen. Ich sah wie langsam mein Verstand mit einem verträumten Lächeln ´bye, bye´ zu mir sagte und sich verabschiedete. Solch ein Dreck! Was sollte ich jetzt tun?
Schmerz war das Einzige, was Isabella Swan in den letzten Jahren kannte, und plötzlich kam dieser unglaubliche Mann und verdrehte mir einfach so den Kopf? Er machte mich schier wahnsinnig. In seiner Nähe war ich einfach ein verflucht ungezogenes Flittchen. Zickig, frech, unglaublich sauer. Ja, er machte mich so wahnsinnig sauer, sodass mein Körper plötzlich kribbelte und ich einfach an die Decke ging, wie ein aufgeblasener roter Luftballon.
Eigentlich sollte ich ihn hassen, weil er mich belogen hatte und wenn es etwas gab, das ich in meinem Leben hasste wie die Pest, dann waren es Lügen. Lügner waren für mich charakterlose Menschen, die sich davor fürchteten die Wahrheit zu sagen, weil dann alles am Arsch wäre, doch durch die Lügen veränderte sich diese Lage schließlich nicht. Aber diese Lügen waren eine Illusion in der man besser lebte, weil man die Wahrheit nicht ertragen konnte. Ich konnte schon verstehen, warum Menschen logen. Aber für mich war das nie eine Option. Besser ein Leben in Unglück, als in einer verlogenen Seifenblase, die nicht einmal real war. Wenn man sein Leben nur träumte, dann wacht man irgendwann auf und sieht, dass man nichts mehr in der Hand hatte, niemanden mehr an seiner Seite und das ist schrecklich, weil kein Mensch alleine sein wollte.
Die Realität war grausam, so sah es aus und genau das war es, das Lügner nicht akzeptieren konnten. Die verflucht nackte Realität, die unbarmherzig und grausam auf einen einschlug, ob man sie wollte oder nicht; ob man Kraft hatte sich zu währen oder nicht; es war irrelevant. Die Realität würde so bleiben, deshalb mussten wir Menschen unsere Einstellung ändern, damit wir am Wunsch nach einem besseren Leben, nach Glück, nicht unseren Weg verlieren und in die allumfassenden Tiefen abgleiten.
~MB~
Ich hatte Starbucks sofort nach dem Gespräch mit Rosalie verlassen, weil ich das Gefühl hatte einfach keinen Sauerstoff mehr zu bekommen. Zu hören, dass sie die ganze Wahrheit über Edward wussten – sie alle -, alle Menschen, die ich als meine Freunde und Familie angesehen hatte, waren mir so in den Rücken gefallen. Dabei spielte natürlich eine außerordentlich große Rolle, dass es sich hierbei um Edward Cullen handelte. Um den Mann, der mir die Liebe gestanden hatte und ich hatte mich einfach damit abzufinden, obwohl das alles andere als gewöhnlich war. Ich konnte nicht sagen, dass es mir nicht gefiel.
Aber ihr könnt mir sagen, dass ich kindisch, unfair, egoistisch, unerzogen, dumm.....und all das war, weil ich nicht in seine Arme rannte, weil ich ihm Probleme verursachte, wo eigentlich keine sein sollten. Ich wusste, wenn ich aus seinem Blickfeld verschwand, würde er mich suchen müssen und wenn er mich nicht fand, würde mein Dad ihm ungnädig wie er war, den hübschen Kopf umdrehen. Wie sehr ich mich auch bemühte, Edward nicht in Schwierigkeiten zu bringen, schaffte ich es nicht, weil ich in diesem Moment nicht ertragen konnte, dass Rosalie sich schamlos an ihn schmiegte, sein Lächeln auf dem Silbertablett serviert bekam und mit ihm umging als wäre er ihr Freund und nicht Emmett.
Meine Schritte waren träge, unlebendig, ich schleifte sie buchstäblich über den Boden. Die Nacht war schon eingebrochen; Der Himmel war dunkelblau und einzelne Sterne waren verstreut über diesen zu finden. Ich hatte den Gedanken, dass Linda einer von diesen Sternen war, der einfach nur leuchtete, damit mein Weg erhellt wurde. Zwischen dem Hass, weil sie sich das Leben genommen hatte und mich somit im Stich ließ, und der Liebe, die ich für sie empfand, weil sie einfach ein wunderbarer Mensch war und die beste Schwester überhaupt, hatte ich einen schmalen Grad zu gehen. Ich wollte weder das eine noch das andere, aber ich konnte dieses Duell beider Gefühle in mir nicht verhindern.
Genauso fühlte ich mich, wenn ich bei Edward war. Ich fühlte meine Wut, die für ihn unermesslich war und dann ein zärtliches, junges Gefühl, das mich dazu veranlasste, ihn als Mein zu sehen, als den Mann, der für mich geschaffen war in all seiner Perfektion. Ich wollte diejenige sein, die seine Gedanken und Gefühle einnahm und ich wusste, dass ich nicht durfte, denn er war mein Bodyguard und er arbeitete für meinen Vater. Klar und deutlich wurde das zwischen ihm und meinem Vater vereinbart. Ich wusste das schon seit ich ein kleines Mädchen war, aber nie in meinem bisherigen Leben bin ich so in Versuchung gekommen, einfach fühlen, berühren, halten zu wollen, obwohl er ein Angestellter meines Dad´s war.
Meine Gedanken waren einfach so verworren, mein Leben war so komplex, ich durfte Edward nicht in mein Leben einmischen, weil er mit meinem Unglück, mit meinem Pech, nichts am Hut hatte. Er war unschuldig. Wenn ich mich in Edward verlieben sollte – was ich glaube von der ersten Minute an getan zu haben – würde mein Dad sofort alle nötigen Vorkehrungen treffen um uns auseinander zu bringen. Er wollte keine Probleme in seiner Familie. Er hatte seinen Plan schön ausgemalt und erlaubte keinen Zutritt zu eben diesem. Keiner würde etwas zerstören, was Charlie Swan errichtet hatte. Und jeder normale Mensch würde wissen, dass sein Plan niemals aufgehen würde. Einfach aus dem Prinzip heraus war es vollkommener Schwachsinn, dass alle Pläne aufgehen würden. Das war unmöglich. Und ich fürchte, dass ich Edwards Worte einfach nur bestätigen konnte – Ich wollte die Augen vor der Wahrheit verstecken, ich hatte Angst, dass die Welt, die ich jetzt sah, einfach nicht mehr da wäre, dass das Vertraute plötzlich verloren wäre, wenn ich die Augen für die Welt aufmache und mich nach Veränderung sehne. Er hatte mich durchschaut. Ich wusste nicht um wie viel es sich dabei handelte, wie viel ich durch meine Flucht von der Realität verpasst hatte, aber jetzt wollte ich alles wissen. Jede Wahrheit und jedes Detail. Meine Lippen verzogen sich schließlich zu einem kleinen Lächeln, weil meine Gedanken plötzlich und zusammenhangslos weiter wanderten.
Er liebte mich. Und ich glaubte ihn zu lieben. Ich wusste, es war dumm. Mit ihm verglichen war ich ein Kind und ich würde seine Arbeit gefährden, aber ich wollte, dass er mich dorthin mitnahm, wo er auch hinging.
Ich wusste auch , dass ich erstmals eine Zigarette brauchte, was mein ursprünglicher Plan war, dafür war ich auch aus dem Starbucks hinausgelaufen.
Ich lief grübelnd zur nächsten U-Bahn-Station, wo ich zumindest dachte, dass ich einen Automaten finden konnte, wo ich mir eine Schachtel Malboro 100´s kaufen konnte, die die auch Edward rauchte. Und jetzt denkt bitte nicht, dass Edward der Schuldige an meinem Rauchen war, weil ich euch da leider enttäuschen muss, da ich bereits vor ihm ab und zu rauchte. Als ich die Stiege hinunterrannte, um in den Untergrund von Seattle zu gelangen, registrierten meine Augen, dass es Grüppchen von Betrunkenen und vielleicht auch Junkies gab. Der schwere Geruch von Urin lag in der Luft und ich versuchte mich auf etwas Anderes zu konzentrieren, weil sich mein Magen plötzlich umdrehte und ich mich sicher nicht übergeben wollte. Nicht, dass ihr denkt, ich wäre ein Snob, weil ich mich an diesem Geruch nicht gewöhnen konnte, aber ich schätze dieser Geruch wäre für jeden unangenehm. Den Schmutz, der in den Ecken zu einem Häppchen zusammengekehrt war, versuchte ich ebenfalls zu ignorieren. Obwohl ich mit solchen Dingen nicht tagtäglich konfrontiert wurde, musste ich zugeben, dass mir der schwere Geruch von Urin, der Schmutz in den U-Bahnhallen ein Gefühl des Trosts gaben, der Normalität und plötzlich musste ich lächeln, während ich das Kleingeld in den Automaten warf. Die Zigarettenschachtel fiel in den unteren Abschnitt, wo man sie frei entnehmen konnte und ich seufzte glücklich. Sofort riss ich die durchsichtige Folie, die das Päckchen umhüllte ab und nahm mir eine Zigarette heraus, setzte sie an meine Lippen und erinnerte mich, dass ich kein Feuerzeug hatte. Die Männer zu fragen, die gruppenweise dort herumstanden, als würden sie auf etwas warten, kam mir hirnrissig vor, also machte ich einfach am Absatz kehrt und beschloss mein Glück woanders zu versuchen.
Denselben Weg, den ich zuvor gegangen war, ging ich auch zurück, als ich plötzlich einen Knall hörte, einen Schatten dicht neben meinen Füßen sah und zwei Schritte nach rechts sprang, weil sich da etwas zu meinen Füßen bewegte.
Und ich zog die Gefahr magisch an, was bisher auch klar sein sollte, weil ich sonst nie Edward kennengelernt hätte und ich mich nicht verliebt hätte. Verdammt seien er und seine Perfektion! Ein heftiges Husten, ein Rascheln, ein Schatten und ich näherte mich der Quelle dieser drei Zeichen, die sich als ein Mensch herausstellte. Natürlich näherte ich mich, was würde eine Isabella Swan denn sonst tun? Dumme Frage, ich weiß.
„Geht es Ihnen nicht gut?“ fragte ich in Richtung der Person, die nicht weiter als einen Meter von mir entfernt am dreckigen Boden saß, zwischen irgendwelchen zerbrochenen Glasflaschen, viel Müll und Blut. Der schwere Geruch von Blut strömte als erstes in meine Nase und ich musste die Luft anhalten, damit ich mich meiner Schwäche nicht hingab und diesem verletzten Menschen helfen konnte. Ich konnte kein Blut sehen, nicht einmal meins. Als Kind blieb diese Schwäche von mir unentdeckt, aber in den letzten Jahren war ich oft deswegen umgekippt, zum allerersten Mal, als meine Nana sich beim Kochen den Finger schnitt und ihn mir zeigte. Sie wagte das nicht noch einmal zu tun, weil ich sofort vom Stuhl kippte und sie sich dadurch den Schock des Lebens holte.
„Ich.....Ich.....ähm......“ antwortete mein Gegenüber als ich mit ihm – es handelte sich dabei um einen Mann – auf gleicher Augenhöhe war.
„Sind sie verletzt, Sir?“ fragte ich ihn höflich und verspürte den Drang ihm zu helfen, wenigstens einen Notarzt zu rufen, was das wenigste war, das ich tun konnte.
„Nein, nein....Ich glaube nicht......“ er klang so erschrocken, so ängstlich, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ich hörte mein Handy in meiner Handtasche vibrieren und das nicht zum ersten Mal, aber ich beschloss, dass es besser war, sich aus dieser Affäre rauszuhalten und mich später diesem Problem zu stellen. Jetzt hatte ich andere Dinge zu tun, als mich meinen Gefühlen und Edward zu stellen.
„Sir, was ist den mit Ihnen? Bitte, ich will Ihnen doch nur helfen. Sie können mir vertrauen!“ Wie überzeugte man denn eine Person, dass man ihr nicht wehtun wollte? „Ich heiße Isabella und Sie?“ Höflich streckte ich der Person mir gegenüber meine Hand entgegen und wartete bis mein Gegenüber diese ergriff und sie zaghaft schüttelte.
„Tom.....“ rief dieser nach einer Weile, als ich mich zu ihm setzte und ihn schweigend betrachtete. „Die Frau, die ich am meisten liebe, hat heute einen anderen geheiratet. Jetzt weiß ich, dass meine Liebe für sie umsonst ist. Ich werde sie niemals mehr sehen, niemals mehr halten und berühren dürfen, nicht einmal tröstende Worte zu ihr sagen. Das Schlimmste dabei ist, dass sie sich selbst gegen mich entschieden hat“ Ich fühlte wie sich mein Herz schmerzhaft zusammenzog. Sie hatte einen anderen geheiratet und Tom verlassen? „Das muss nicht heißen, dass sie Sie nicht liebt, Tom. Vielleicht gab es Dinge, die sie daran gehindert haben, mit Ihnen zusammenzusein. Vielleicht....“ wollte ich ansetzen um ihn zu beruhigen, aber er schnitt mir das Wort ab.
„Welche Dinge denn? Es gibt nichts.... nichts, einfach nichts, was zwei Menschen nicht überwinden können, wenn sie sich wirklich lieben. Ich habe bis zu letzten Minute um sie gekämpft, aber sie wollte einfach diesen anderen. Verstehen Sie? Ich war für sie nicht gut genug.“ Oh my....... Wie sollte man solche Worte abstreiten? Einem Menschen soviel Trost spenden, dass er sich der Trauer und der Schuld nicht hingab.
„Tom, Sie werden sehen, dass sie in ein paar Jahren darüber lachen werden, wenn sie ihre eigene Frau in den Armen halten, wenn Sie die wahre Liebe für das ganze Leben gefunden haben.“ Ich tröstete einen fremden Mann, der jeder sein könnte. Ein Psychopath, ein Vergewaltiger......Ich war vollkommen irre. Aber das hatten wir ja bereits mit Edward.
„Sie sind sehr jung, nicht wahr, Miss? Als ich jünger war, habe ich Dasselbe gedacht und ich verbrachte meine ganze Jugend an der Seite dieser Frau. Ich kenne keinen einzigen Weg, den man gehen kann um die Erinnerungen zu vergessen, die man mit jemanden geteilt hat. Die Zeit heilt keine Wunden, liebe Miss.“ Ich sollte das eigentlich wissen. Ich war unfähig den Tod meiner Schwester zu vergessen und erteilte diesem armen Mann eine Lektion, wie er die Liebe seines Lebens vergessen sollte.
„Tut mir leid, das sollte ich eigentlich wissen, weil ich meine Schwester vor vier Jahren verloren habe.“ flüsterte ich kaum hörbar, doch mein Gegenüber schien sich auf meine Worte zu konzentrieren, deshalb entgingen ihm auch diese Worte nicht.
„Das tut mir leid für Sie.“
„Ja, mir auch. Sie war ein sehr guter Mensch. Es gibt viele andere, die den Tod eher verdient hätten, als sie. Aber das Leben ist unfair und nimmt einem den Lebensinhalt weg, damit man realisierte, wie die Realität aussieht. Unser Leben ist nur ein Schauspiel und nichts Weiteres.“ Ich seufzte dramatisch und blickte zum Himmel, als könne ich Lindas Antlitz dort erkennen oder eine verschlüsselte Botschaft, irgendetwas als Zeichen dafür, dass sie noch da war. Aber nichts geschah.....
„Ich glaube, ich sollte langsam nach Hause gehen. Das ist nicht der richtige Ort für mich, Miss. Auch für Sie nicht!“ Der Mann, Tom, rappelte sich auf und ich tat es ihm gleich. Natürlich musste ich dabei ausrutschen und verlor mein Gleichgewicht beinahe, wäre mir Tom nicht zur Hilfe geeilt und mich am Handgelenk gepackt um mich vom Sturz zu bewahren.
„LASS DEINE DRECKIGEN PFOTEN VON IHR, DU MISTKERL“ knurrte eine Stimme, die mir nur allzu bekannt war. Ich versteifte mich sofort und blickte unter die Straßenlaterne, die nur schwach Licht spendete, aber genug um Edward dort stehen zu sehen. Mein Herz begann laut in meiner Brust zu hämmern und das Blut wurde schnell durch meine Adern gepumpt. Seine Worte jagten mir Angst ein, weil es meine Schuld war, das ganze Theater hier.
„WEIßT DU EIGENTLICH MIT WEM DU DICH DA ANLEGST? HAST DU SCHON MAL VON EDWARD CULLEN GEHÖRT. GENAU DER BIN ICH. UND JETZT LASS ENDLICH DEINE PFOTEN VON IHR ODER ICH REIßE DIR JEDEN FINGER, DER SIE BERÜHRT, EINZELN RAUS.“ Ein unangenehmer Schauer lief mir über den Rücken und ich stand regungslos da, konnte keinen Satz formulieren um Tom aus dieser Patsche zu helfen. Ehrlich gesagt, hatte ich auch unermessliche Angst von Edward, obwohl ich wusste, dass er mir nicht wehtun würde. Tom ließ von mir ab, was auch besser für ihn und seine Gesundheit war, nach dem Gesicht von Edward zu urteilen. Sein Gesicht war zu einer wutverzerrten Maske verzogen, seine Hände zu Fäusten geballt und seine Stimme klang heiser, als würde er durch zusammengebissen Zähnen sprechen. Seine angespannte Haltung würde wohl jedem Angst einjagen, ob Frau oder Mann, Mädchen oder Junge. Und ich hatte einfach keine Ahnung wie ich ihn beruhigen sollte, weil er sichtlich sehr wütend war. Grund genug dafür hatte er ja, das konnte keiner abstreiten.
„Ich.....Ich.....Ich wollte ihrer Freundin nicht wehtun.....“ stotterte Tom zusammen und ich warf ihm beim Wort ´Freundin` einen fragenden Blick zu. Diese Aussage schien Edward jedoch nur noch mehr anzustacheln, denn er brüllte einfach weiter.
„FREUNDIN.....“ zischte Edward und lachte dunkel, was meine Gänsehaut nur noch verstärkte und meine Nackenhaare aufstellen ließ. Er schien dieses Wort zu testen, legte zwei von seinen langen Fingern auf seine Lippen und lachte amüsiert. „DIESES VERZOGENE MÄDCHEN SOLL MEINE FREUNDIN SEIN? UNGLAUBLICH....... MEINE FREUNDIN WÜRDE SICH SOLCHE DINGE NICHT ERLAUBEN, FREUNDCHEN. MEINE FREUNDIN WÜRDE IHRE BEGLEITER RESPEKTIEREN UND NICHT VOR IHNEN FLIEHEN. DIESES MÄDCHEN IST EIN VERZOGENES GÖR.......“ hektisch atmete Edward ein und aus, ließ seine Hände zu seinen Seiten fallen und kam schnellen Schrittes auf uns zu. Meine Brust zog sich aufgrund seiner Worte zusammen und ich fühlte mich in diesem Moment einfach nur mies. Edward stand plötzlich vor dem um einen Kopf kürzeren Tom und sah ihn finsteren Blickes an. Meine Augen wanderten zwischen den beiden hin und her. Ich wusste nicht was ich sagen sollte um Edward zu beschwichtigen.
„Ich.....Ich ….Ich finde nicht, dass Isabella ein verzogenes Gör ist. Wenn sie vor ihren Begleitern geflüchtet ist, dann muss es dafür einen Grund geben.“ Tom richtete seinen Kopf auf und ließ sich von Edward nicht einschüchtern. Verteidigte er mich gerade etwa? Fuck, ich sollte eigentlich ihn verteidigen, nicht umgekehrt, aber ich brachte kein einziges Wort zustande.
„ISABELLA?!“ schrie Edward noch wütender als zuvor und ich zuckte unwillkürlich zusammen. „DA NENNEN SICH DIE TURTELTÄUBCHEN JA BEIM VORNAHMEN, ZIEMLICH ROMANTISCH. WOHER KOMMT MIR DAS DENN NUR BEKANNT VOR? ISABELLA HAT EINE VORLIEBE DAFÜR, MÄNNER AN SCHRÄGEN ORTEN ZU FINDEN, IN HERRENKLOS UND DEN DUNKELSTEN ECKEN SEATTLES. DAS RIECHT NACH ISABELLA.......“ er sah zu mir und durchbohrte mich mit seinem Blick. Gequält schloss er seine Augen und griff unerwartet an Tom´s Kehle, presste diesen gegen die Wand und zog ihm mit einer Hand den Boden unter den Füßen. Die hinterste Ecke meines Verstandes realisierte, dass Edward mich als Schlampe darstellte, doch damit würde ich mich später befassen. Er erwürgte den Mann beinahe und ich stand tatenlos daneben bis ich mich fasste und beschloss, dass es an der Zeit war, Tom zu helfen.
„Edward, lass den Mann los!“ flüsterte ich. Röchelnde Geräusche und Edwards Knurren drangen zu mir durch. Ich sah, wie Tom mit seinen Füßen in der Luft zappelte, doch Edward ließ ihn nicht los und unterbrach die Luftzufuhr dieses unschuldigen Mannes. Edwards Augen waren weit aufgerissen, aber er starrte ins Leere, auch als ich an seinem Arm rüttelte reagierte er nicht. Die Situation schien aus seinen Händen zu entgleiten und er schien in seinem Verstand jemandem anderen gegenüberzustehen. Fuck, er erwürgte einen Mann, nur weil dieser mit mir gesprochen hatte. Was sollte ich tun?
„Edward!“ versuchte ich es weiter. „Edward. Edward! EDWARD! Bitte, lass ihn los, du erwürgst ihn ja. EDWARD!“ Ich rüttelte an ihm, doch er schien seinen Griff um Toms Kehle nur noch zu verstärken. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper und ich konnte nicht der Herr dieser Situation werden.
„DUUUUUUU..............“ knurrte Edward weiter. „DU BIST SCHULD AN IHREM TOD, NICHT ICH. VERDAMMTER MISTKERL. ICH WERDE DICH EIGENHÄNDIG UMBRINGEN. DU HAST MIR ETWAS SEHR WICHTIGES GENOMMEN. JETZT VERSUCHST DU AUCH IHR WEHZUTUN, IHR LEBEN UND IHRE GEFÜHLE ZU MANIPULIEREN, VERDAMMTES ARSCHLOCH. JETZT WO ICH WIEDER HIER BIN, WERDE ICH NICHT ZULASSEN, DASS DU IHR LEBEN AUCH NOCH ZERSTÖRST.“ Tom schüttelte hektisch den Kopf, als wollte er sich gegen diese Anschuldigungen wehren, aber Edward entglitt diese ganze Situation und ich wusste nicht warum, aber in meinen Augen bildeten sich Tränen der Verzweiflung. Es war eindeutig, dass Edward nicht zu Tom sprach. Ich wusste nicht um welchen Mann es sich handelte, den er hier mit Tom verwechselt hatte, aber ich konnte nicht zulassen, dass Edward Tom verletzte.
Also tat ich das Einzige, das mir in diesem Moment einfiel. Ich schlüpfte unter Edwards Arm hindurch, ergriff sein Gesicht mit beiden Händen und zwang ihn mich anzusehen.
„Edward, du musst ihn loslassen. Er hat dir nichts angetan. Du verwechselst ihn mit irgendjemanden. Das ist Tom, Edward. Und er hat mich nicht verletzt. Wenn du jemandem wehtun solltest, dann mir. Lass ihn los, Edward. Lass ihn los.“ Beruhigend sprach ich auf ihn ein, aber er knurrte nur wie ein wild gewordenes Tier und schien mich gar nicht zu bemerken, irgendwie durch mich hindurch zu sehen.
Die Tränen wanderten schon über meine Wangen, als ich begann auf Edwards Brust einzuschlagen, weil Toms Röcheln nach Luft stärker wurde.
„LASS IHN LOS. LASS IHN LOS. LASS IHN LOS. EDWARD, DU BRINGST IHN UM.“ Ich rüttelte an ihm und fühlte wie seine Anspannung von ihm zurückwich und er Tom endlich losließ. Dieser fiel sofort auf den Boden und griff sich heftig nach Luft schnappend an den Hals.
„Was ist mit dir los? Du hättest ihn fast umgebracht, Edward. Er hat dir nichts angetan. Er hat dich nicht verletzt. Er ist unschuldig.“ Als Edward die Lage checkte, griff er sich verzweifelt ins Haar und entfernte sich einige Schritte. Dann drehte er sich wieder zu Tom um, bei dem ich saß und darauf wartete, dass es ihm besser ginge. Es hatte sich um Sekunden gehandelt, in denen er keine Luft bekam, aber immerhin hätte er auch sterben können. Außerdem hatte Edward keinen Grund ihn einfach so anzuspringen und zu erwürgen. Was fiel ihm ein?
„Ich......Ich......“ Stotterte Edward zum ersten Mal, machte aber keine Anstalten Tom zu helfen. Ich hatte so eine Wut auf ihn, am liebsten hätte ich ihm Eine ordentlich verpasst, aber ich hielt mich gekonnt zurück.
„Du gar nichts, Edward. Du hättest Tom fast umgebracht. Was verdammt nochmal ist mit mir los? Bist du wahnsinnig geworden?“ schrie ich ihn an und erdolchte ihn mit meinem Blick. „Und nun hilf mir mal, wir müssen Tom ins Krankenhaus bringen.“ Edward sah mich kopfschüttelnd an und machte keine Anstalten seinen Standort zu verlassen. Was lief falsch mit diesem Mann? War er verdammt besoffen?
„Mir geht`s gut, Isabella. Wirklich! Ich werde jetzt nach Hause gehen, was ich schon vorher wollte. Es ist okay, ich lebe noch.“ versuchte Tom die Situation zu retten, doch Edward und ich führten bereits einen Blickduell aus.
„Ruf Richard an, Edward. Wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen.“ Er schnaubte hörbar und ich konnte ihn einfach nicht verstehen. Okay, ich hatte mich daneben benommen und ihn wütend gemacht, aber es war bei Weitem nicht in Ordnung, dass er einen unschuldigen Mann fast erwürgte. „Bist du verdammt nochmal taub?“ rief ich etwas lauter als beabsichtigt und Edward sah mich mit seinem durchbohrenden Blick an. Kam mit eiligen Schritten auf mich zu und packte mich am Arm, zog mich auf meine Füße und hielt mich nah an seinem Gesicht.
„Hättest du nicht den Drang verspürt von meiner Seite zu weichen, wäre das niemals passiert. Also hör auf mich anzuschreien, das ist nur deine Schuld.“ zischte er mir zu, umfasste meinen Oberarm fest, dass es schmerzte und ich mich in seinen Armen wand und ließ mich anschließend los, als hätte er sich an mir verbrannt, sodass ich einige Schritte rückwärtig taumelte. Er entfernte sich sehr galant von mir bis zum Straßenrand und pfiff dort ein gelbes Taxi heran.
„Tom, wir bringen dich jetzt ins Krankenhaus. Mach dir keine Sorgen, dir wird nichts passieren.“ versuchte ich ihn zu beruhigen, doch er lachte leise. Wo war ich denn hier nur gelandet?
„Isabella, mir geht’s gut. Ich habe eher das Gefühl, dass du dir große Sorgen machst. Ich kriege auch wieder Luft. Mir geht’s wirklich gut.“ Ich ließ meine Augen über seine Gestalt wandern um mich auch zu versichern, ob seine Worte der Wahrheit entsprachen. Keine Anzeichen der Lüge, also nickte ich einfach nur.
„Das hätte niemals passieren dürfen. Das hätte nicht soweit kommen sollen. Ja, es ist meine Schuld. Verdammt!“ ich versteckte mein Gesicht in meine Handflächen und ließ mich auf den Boden plumsen.
„Isabella......Solche Dinge passieren......Es ist nichts Außergewöhnliches......“ versuchte Tom mich zu beruhigen, aber es gelang ihm nicht. „Aber wenn du klug bist und das hoffe ich für dich, wirst du diesen Mann festhalten. Es gibt nicht viele Männer, die so etwas für die Frau ihres Lebens tun würden. Ich hätte das für Wilma auch tun sollen, doch ich konnte ihr das Glück nicht rauben, das sie an der Seite eines anderen Mannes verspürt.“ Er würde alles für mich tun, das stimmte und ich hätte auch selbst darauf kommen können, wenn ich nicht so verdammt stur wäre.
Aber ich hatte noch nie einen Mann gesehen, der einen anderen so fest und eiskalt erdrücken wollte, dabei kannte er ihn doch kaum. Was war mit Edward? War er psychisch krank? Gefährlich für seine Umgebung? Ich wusste nicht, wie ich auf diese neue Seite von Edward reagieren sollte.
Letzterer kam auch wieder zurück mit einem frustrierten Ausdruck auf seinem Gesicht. Eigentlich musste ich wissen, dass Edward ein guter Mann war, aber bei dem was wir in den letzten Sekunden erlebt hatten, wusste ich einfach nicht, wie ich auf so etwas reagieren sollte. Ich konnte mich an seine Worte erinnern, als er sagte, er hätte auch selbst getötet im Krieg mit Afghanistan. Hieß das etwa, dass er so grausam und sadistisch war? Ich wusste nicht, ob ich Angst vor ihm haben sollte oder nicht.
~MB~
Es ging hier gar nicht um Tom, wurde mir klar, als ich Stunden später – viele Stunden später – im Bett lag und kein Auge schließen konnte. Edward hatte mir versprochen, er würde mich beschützen, nicht nur weil er Mister Bodyguard war, sondern weil ich ihm viel bedeutete. Ich glaubte ihm. Ich glaubte ihm nicht nur weil ich ihm glauben wollte, sondern weil ich wusste, dass Edward nicht log. Mir wurde plötzlich klar, dass ich keinen Grund hatte, auf ihn sauer zu sein, ihn schwere Zeiten durchmachen zu lassen, weil er nicht die Schuld daran hatte, dass mein Vater glaubte mich beschützen zu müssen.
Ich sah auf die Uhr: 2:06 a.m. Ich wälzte mich weiterhin im Bett, versuchte vergelblich zu schlafen, aber dies gestaltete sich äußerst schwer, weil mein Kopf einfach nicht aufhören wollte zu arbeiten. Ich erinnerte mich wieder an Tom, an seine Worte und an Edward gutes Herz, als er Tom auf die Rückbank des gelben Taxi´s verfrachtet hatte und ihm seine Handynummer zusteckte für den Fall, dass er uns kontaktieren wollte. In diesem Moment war ich einfach zu stur gewesen um mir Edwards Erklärung anzuhören, aber nun hatte sich auch das gelegt. Jetzt wollte ich sie hören!
Seufzend verließ ich mein Bett, stolperte dabei an der Bettdecke, fluchte laut und verschieß schließlich mein Zimmer. In der großräumigen Küche goss ich mir ein Glas pures H2O ein. Die Flüssigkeit wanderte angenehm meinen Hals hinab und ich schloss genießerisch die Augen. Plötzlich packte mich das Verlangen zu tanzen und ich begab mich zum Spiegelsaal, wo ich immer tanzte, wenn ich trainieren musste oder einfach Lust darauf hatte. Auf die Erklärung würde ich wohl oder übel bis morgen warten müssen. Ich konnte mich einfach nicht in Edwards Zimmer hineinschleichen, ihn aufwecken und eine Erklärung von ihm erwarten. Nicht, wenn Charlie im Haus war.
Leise, schleichend, lief ich die Treppe wieder hinauf, ließ sämtliche Lichtquellen ihr warmes Licht spenden und fand mich vor der hölzernen Doppeltür wieder. Ich drückte die Klinke hinunter und erstarrte augenblicklich. Das war viel mehr als meine eigene Persönlichkeit in vielen verschiedenen Spiegeln zu sehen. Ich sah das:
Edward Cullen. Vor einem Sandsack. Schweißgebadet. Und heiß wie die Hölle.
Ich hielt sofort die Luft an, um diesen Anblick auf mich wirken zu lassen. Und wie er wirkte! Meine Zähne fanden meine Unterlippe, bohrten sich in mein Fleisch und ich presste meine Schenkel zusammen, weil eine den Frauen allzu bekannte Feuchtigkeit zwischen meine Beine schoss. Jetzt machte mich sein gottgleicher Anblick auch noch an. Himmel!
Die Tatsache, dass er in meinem Spiegelsaal einen Sandsack aufgehängt hatte, ignorierte ich gekonnt, weil ich mir diesen Anblick um nichts in der Welt entgehen lassen wollte und schon gar nicht durch sinnlose Streitereien.
„Bella, du starrst.“ hörte ich seine sanfte, belustigte Stimme.
„Hmpf....“ schnaubte ich nur und setzte meinen Weg zur Stereoanlage fort. Natürlich hatte er Recht und ich starrte ihn wirklich an, auch als die durch die großen, schwarzen Boxen an meine Ohren drang. Mein Körper begann sich im Rhythmus der Musik zu bewegen, was irgendwie bei mir angeboren zu sein schien. Natürlich hörte ich nicht auf ihn anzusehen, obwohl ich von ihm nur seinen durchtrainierten, muskulösen Rücken, der gar nicht von meiner Fantasie erforderte, da das weiße T-Shirt auf seinem Körper festklebte und alles freigab.
Meine Lider fielen zu und mein Herz überschlug sich, doch ich bewegte mich weiter mit der Musik. Unaufhörlich sah ich das Bild von Edward Cullen vor meinem inneren Auge und würde mich am liebsten deshalb erschlagen. Als das Lied im letzten Drittel ankam und der Rhythmus und die Frequenz der Töne anstieg, zauberte sich ein Lächeln auf meinen Lippen, denn ich war zufrieden, dass ich mir die Schritte in kürzester Zeit eingeprägt hatte. Dieser Moment war so vollkommen, dass ich am liebsten auf die Pause-Taste gedrückt hätte. Perfekter als perfekt wurde dieser Augenblick als ich seine Hände auf meinen Oberarmen fühlte, die meine Haut liebkosend nachfuhren bis seine großen, sanften Hände meine kleinen erreichten und er seine Finger mit meinen verwob. Genießerisch lehnte ich meinen Hinterkopf an seine Brust und fühlte seinen warmen Körper gegen meinen.
„Edward.......was?“ wollte ich fragen, doch die Worte steckten in meiner Kehle fest und ich konnte sie nicht aussprechen. Seine linke Hand wanderte auf meinen Bauch, seine linke jedoch schob mein Haar auf den Rücken um sich vollen Zugang zu meinem Hals zu verschaffen. Meine Nackenhärchen stellten sich auf als sein heiser Atem gegen meine erhitzte Haut schlug und das Prickeln meiner Haut war stärker denn je. Vorher hatte ich noch von Schmetterlingen und Gefühlen gesprochen, die ich nie erfahren wollte, aber nun hatte ich all diese Gefühle vor mir breitgelegt und konnte sie nicht mehr ignorieren, so wie Edward seine Gefühle nicht kontrollieren konnte.
„Meine Bella“ nuschelte er gegen meinen Hals, den er anschließend küsste. Fuck! Es war eindeutig, dieser Mann machte mich verrückt. Mein armes Herz schlug um die Wette und Edward hatte keine Ahnung, was er mir damit antat. Ihn einfach nur so nahe zu fühlen, aktivierte jede Körperfunktion in mir. Jede Zelle in meinem Körper war aufmerksam, was sie von ihm bekommen würde.
„Ich sagte dir bereits, mein Engel, dass ich immer für dich da bin. Ich werde dich immer beschützen.“ Er verteilte sanfte Küsse auf meinem Hals, wanderte aufwärts zu meinem linken Ohr und hinterließ dort einen sanften, brennenden Kuss. Ich musste mein Herz beruhigen, mir einreden, dass das hier nichts bedeutete; Dieser Moment bedeutete mehr als mein ganzes Leben. Er war alles! Alles, das ich hatte und nicht hatte, das ich haben und nicht haben wollte. Einfach alles. Die Musik endete rapide, so wie sie auch begonnen hatte und die Stereoanlage verstummte. Da waren nur mehr wir! Wir! Zwei Körper, die sich hin und her schaukelten, die handelten als wären sie Eins. Das Erste, das ich sah,als ich mich in seinen Armen drehte, waren seine sanften, smaragdgrünen Augen, die mich mit einer Zärtlichkeit anhimmelten, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Seine vollen, zum Küssen gemachten, Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln, wenn er mich musterte und das tat er. Oft und lange!
In diesem Moment zählten nur wir: Edward und Bella. Zwei Menschen, die sich liebten und die bereit waren alles füreinander zu tun, genau wie Tom es vorhergesagt hatte. Zwischen uns gab es keine Unterschiede in diesem Moment und da war nicht mein Vater, der uns beiden Steine in den Weg legen würde. Und ich hatte keine Angst meine Arme um seinen Nacken zu schlingen, weil einfach nur die Art wie er mich ansah zählte.
„Prinzessin!“ hauchte er mir entgegen, war sich aber anscheinend nicht im Klaren darüber, wie sein Duft und sein Atem auf mich wirkten. Berauschend. Betörend. „Nein, du bist meine Königin, Isabella Swan. Wir sind wie die Königin und der Bettler. Einfach unmöglich!“ Er nahm mein Gesicht liebevoll in seine Hände und blickte mir tief in die Augen. Seine wirkten so unglaublich traurig, dass ich meinen Griff um seinen Nacken nur verstärkte.
„Ich bin keine Königin und du bist kein Bettler. Du bist Edward und ich bin Isabella. Hör zu, Mister Bodyguard“ Ich presste ihn enger an mich und grinste schelmisch. Er verdrehte die Augen über meine kindliche Art. „Regeln sind da um gebrochen zu werden. Mein Dad muss wohl akzeptieren, dass ich langsam erwachsen werde und mich verlieben muss.“ Meine Fingerspitzen spielten mit seinem Haaransatz und ich erlangte seine ungeteilte Aufmerksamkeit, als ich das Wort ´verlieben´ ausprach.
„Du hast dich in mich verliebt?“ fragte er mich mit einem süß-verblödeten Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Ja!“ antwortete ich grinsend und wollte ihn enger an mich ziehen, doch er löste meine Hände von seinem Nacken und nahm seine Hände von mir. Wie unfair!
„Nein! Gott, Isabella. Nein! Du darfst mich nicht lieben. Das ist keine gute Idee. Wir können nicht.......wir verdammt nochmal dürfen nicht. Charlie würde uns beide umbringen. Er hat mir ausdrücklich gesagt, dass ich nichts mit seiner Tochter anfangen kann, oder er reißt mir den Kopf ab. Und...ich.....ich würde es nicht wagen, dich zu verletzen.“ Edward war vollkommen aufgelöst, tigerte den Spiegelsaal auf und ab und griff sich mit beiden Händen ins Haar, was bei ihm soviel bedeutete, wie: Doppelte Verzweiflung.
„Ach, komm schon. Mein Dad würde das verstehen, Edward. Er ist kein Monster. Er ist ein guter Mann. Mit Prinzipien. Aber gut!“ beschwichtigte ich Edward. Wieso sollte mein Dad sich meinem Glück widersetzten? Jeder Vater und jede Mutter wollten doch, dass ihre Kinder glücklich werden. War das nicht so? Mein Verstand überlegte und zögerte beim Gedanken an Renée. Edward´s ironisches Lachen riss mich aus meinen Gedanken und ich sah verwirrt zu ihm.
„Dein Dad ist.......“ brüllte er mir entgegen. Was für ein Glück, dass diese Wände keine Geräusche durchließen.
„Mein Das ist was, Edward?“ Mich überkam ein Angstgefühl, weil ich mich an seine Worte erinnerte, dass ich die Augen vor der Welt verschließe, weil ich Angst habe, dass die Welt in der ich lebe, in Wahrheit ganz anders war.
„Ach, lass es!“ er machte zwei Schritte in Richtung Doppeltür und wollte den Raum anscheinend verlassen, doch diesmal würde ich ihn mir nicht entgehen lassen. Ich packte seine Hand und verhinderte seinen Abgang.
„Nein, ich will die Wahrheit, Edward. Bitte!“ fast hätte ich einen Schmollmund gezogen, doch ich erinnerte mich an meinen Vorsatz, mich erwachsen zu benehmen, also ließ ich es und wartete gespannt auf die Antwort. Ich wagte es nicht einmal zu blinzeln, weil ich nicht schwach rüberkommen wollte. Edward schien sich meine Bitte durch den Kopf gehen zu lassen und seufzte dann niedergeschlagen.
„Okay, ich werde es dir erzählen.“ Ein trauriger Schleier überzog seine Augen und ich wollte ihn in meine Arme schließen, aber unser Augenblick war vorbei und ich fürchtete, er würde nicht wollen, dass ich ihn umarmte. „Ich werde es dir in New York erzählen. Du hast die Wahrheit über deinen Dad verdient. Erst dann kannst du dir eine Meinung über ihn bilden und deine Mutter nicht mehr hassen.“ Erst in New York? Ich solle also noch zwei Tage lang warten? Was meinte er mit ´meine Mutter nicht mehr hassen´? Ach, Gott. Musste mein Bodyguard unbedingt in Rätseln sprechen? Ich war noch nie gut beim Rätsellösen. Ich beschloss mir den Kopf nicht im Vorhinein zu zerbrechen, damit würde ich mich lange befassen, wenn die Zeit kam. Aber eine Frage brannte noch auf meiner Zunge und ich beschloss sie nicht aufzuhalten als sie über meine Lippen rollte.
„Als du Tom gewürgt hast, Edward, da hast du jemanden anderen gesehen, in deinem Kopf war es nicht Tom, nicht wahr?“ Zuerst sah er mich finster an, weil ich diese Angelegenheit schon wieder heraufbeschwörte, doch dann nickte er und wollte sich wieder davon machen. Ich stolperte ihm hinterher und als er stehen blieb, knallte ich unsanft gegen seinen Rücken. Aus Angst zu fallen, schlang ich meine Arme um seinen Bauch.
„Und....?“ nuschelte ich, da der Stoff seines T-Shirts mich beim Sprechen hinderte.
„Bevor du fragst: Es war dein Dad.“ Damit war dieses Gespräch beendet und ich stellte auch keine Fragen mehr zu diesem Thema, denn Edward schien es nicht leicht zu fallen vor mir schlecht über meinen Dad zu reden. Edward wusste, dass mir Dad viel bedeutete und dass ich ihn vergötterte. Er war mein Held. Er war der, der mich auf seinen Schultern getragen hat, als ich klein war. Nicht einmal die große Welt war erschreckend für mich, weil ich mich selbst so machtvoll und groß gefühlt hatte. Beschützt. Charlie hatte mich beschützt, mir eine sichere Zukunft geschaffen und er hielt immer zu mir, was auch passierte. Wie konnte also dieser Mensch böse sein? Edward hasste meinen Dad. Mein Dad hasste auch Edward, seine hasserfüllten Blicke hatten die Selbstzufriedenheit und die Schadenfreude gezeigt, als ich Edward mein lila Höschen hinschmiss und ihn mit meinen Worten demütigte.
Diese Mission war schwieriger als ich es mir vorgestellt hatte.
Der Gedanke daran, dass mein Dad jemanden wehgetan haben könnte, erschütterte mich zutiefst und ich verbot mir den Gedanken daran, weil mein Kopfkino einfach weiterspielte und meinen Dad als Serienkiller darstellte. Es war einfach lächerlich. Mein Dad konnte nicht böse sein. Aber wie oft spielten die Mörder, Psychopathen, Mafiabossen, den lieben, netten Vater? Diese Filme waren doch nicht an dem Dreckmist von irgendjemandem gewachsen, oder?
Edward und ich verbrachten noch weitere Stunden im Spiegelsaal, der sich zu meinem liebsten Raum im ganzen Haus entwickelte, natürlich weil Edward hier mit mir zusammen war. Ich lehnte meinen Rücken auf seine Brust und spielte mit seiner rechten Hand, beobachtete die bläulich-grünen Venen auf seinen Armen, die an seiner ebenmäßigen Haut hervorstanden. Ich zog diese Linien nach und spielte mit dem Härchen auf seinen Unterarmen.
„Muss ich mich zwischen dir und meinen Dad entscheiden?“ fragte ich dann, als wir einige Minuten des Schweigens hinter uns brachten. Es war keinesfalls ein unangenehmes Schweigen. Mit Edward war sogar Schweigen ein Highlight und meine liebste Beschäftigung.
„Nein, ich werde mich zurückziehen. Der Grund warum ich hier bin, war Linda, deine Schwester, ich wollte ihren ominösen Tod untersuchen und jetzt weiß ich, dass sie sich das Leben genommen hat.“ Erschreckenderweise klang er so entschlossen, dass ich meine Bewegungen auf seinem rechten Unterarm stoppte.
„Sie hat dir viel bedeutet, hm?“ fragte ich, angefressen, dass er mich verlassen wollte. Leider konnte ich diese Tatsache nicht freundlich annehmen. Der Mann, der es bisher als einziger geschafft hatte, mein kaltes, schlafendes Herz aufzuwecken, wollte es wieder ins Koma versetzen. Ich wollte lebendig sein. Die Freude dieses Lebens fühlen. Edward durfte jetzt keinen Rückzieher machen.
„Sie war meine beste Freundin. Die Frau, die alles über mich wusste, die mir Ratschläge gab, die immer für mich da war. Also ja, sie hat mir viel bedeutet. Sie traurig zu sehen, machte mich rasend und als Folge davon: aggressiv. Aber Linda war nur die Schwester meines Herzes!“ Ich konnte sein Lächeln aus seiner Stimme heraushören und konnte die Tränen nicht verdrängen, die sich in meinen Augen bildeten. Denn es gab jemanden, mit dem ich meine Liebe zu Linda teilen konnte.
„Sie war auch meine beste Freundin, meine liebste Schwester.....Sie war alles, was man sich von jemanden wünschen konnte.“ antwortete ich auf die nicht gestellte Frage, redete mir das einfach aus der Seele heraus. Seine Arme umfassten mich stärker als zuvor, so wie ich es brauchte. Er schien meine Gedanken lesen zu können.
„Edward? Sagtest du nicht, du würdest immer bei mir bleiben? Mich immer beschützen?“ Meine Stimme klang ungewohnt brüchig und ich verdammte den Stimmen-Gott dafür.
„Wir können das nicht riskieren. Es ist mein Fehler. Ich hätte dir damals nicht sagen sollen, wie sehr du mir wichtig bist. Dein Dad und ich sind Feinde, aber er ist dein Dad und daran kannst du nichts ändern. Ich hab mir das nicht ausgesucht. Er hasst meine ganze Familie, obwohl wir nur helfen wollten.“ Er war nicht Romeo und ich nicht Julia, es konnte also nicht so schlimm werden. Mein Dad würde einfach verstehen müssen, dass es sich dabei um ein Missverständnis handelte und dann wäre die Sache beendet. Ich weigerte mich Edward zu verlieren. Wie sollte ich meine erste Liebe loslassen? Wie, wenn ich bisher vergessen hatte, dass ich ein Herz hatte? Ich würde ihn zum Bleiben motivieren. Ich werde um ihn kämpfen. Jetzt mehr denn je, wollte ich erfahren, was es mit meinem Dad auf sich hatte.
„Liebe ist keine Sünde, Edward!“ Ich drehte meinen Kopf zum ihm und sah ihm in die Augen, wollte ihm deutlich machen, dass wir nichts falsch machten. Es war doch sinnlos die Liebe aufzugeben, weil sie das Wunderbarste auf der Welt war. Okay, ich hatte es ja nicht gerade schnell kapiert, aber immerhin.
„Manchmal schon, meine Königin!“ er hauchte mir einen unschuldigen Kuss auf die Stirn, obwohl ich ihm meine Lippen entgegenhielt. Vielleicht hatte er das auch einfach übersehen.
„Wenn du jetzt denkst, dass ich dich ´mein Bettler´ nennen werde, dann irrst du dich aber gewaltig, Mister Bodyguard!“ Ich tadelte ihn und er lachte einfach herzhaft, dass ich mich zusammenreißen musste, meine Arme nicht um seinen Nacken zu schlingen.
„Nein, nein, schon gut.“ grinste er schief.
~MB~
Am nächsten Tag war ich müde und meine Augen waren schwer. Ich trug die schlimmsten Augenringe, an die ich erinnern konnte und mein Erinnerungsvermögen war weit ausgedehnt. Das Gute daran war, dass ich mit einem zauberhaften Lächeln auf den Lippen aufwachte. Edwards Werk. Ich konnte es nicht verhindern, wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen, weil Edward meinen Hals, mein Haar, meine Nase, mein Gesicht – nur meine Lippen nicht – geküsst hatte. Aber gut, in Kürze würde ich ihn soweit haben, dass er mich küsste.
Ich war dumm, hatte die Zeit verstreichen lassen, weil ich wütend gewesen war. Aber ich war grundlos wütend gewesen. Und jetzt trauerte ich der Zeit hinterher, die wir hätten miteinander verbringen können, seitdem er mir die Liebe gestanden hatte oder so ähnlich. Das richtige ´Ich liebe dich´ und ´Ich liebe dich auch´ hatten wir noch nicht. Aber alles zu seiner Zeit. Ich wollte nichts bedrängen, ich meine, er hatte genug Gewissensbisse, weil er mir gesagt hatte, wie wichtig ich ihm war, ich wollte ihn nicht noch mehr unter Druck setzen.
Zu diesem Zeitpunkt, an diesem Donnerstag, fühlte ich mich einfach nur berauscht, von der Liebe und von Edward. Die Liebe konnte einen so schnell treffen, wie ein Knall und dann war sie plötzlich da. Aber ich war von Edward von der ersten Minute an berauscht, seine Gesellschaft war so leicht und friedlich, das man nur mehr davon wollte. Es war wohl keine Überraschung, dass mich sein Ausbruch gegenüber Tom eine große Angst eingejagt hat, aber ich musste mir selbst gestehen, dass ich ihn mehr oder weniger verstand. Tom hätte wirklich jeder sein können und ich hatte mich ihm einfach furchtlos genähert, ohne eine Angst zu verspüren, die eigentlich normal gewesen wäre. Mein Schutzmechanismus war anscheinend beschädigt, wenn es um Fremde ging, wie wir es ja deutlich sehen konnten, erst bei Edward, dann bei Tom.
Heute musste ich nicht zur High School hetzen, weil ich früh genug aufgestanden und ausgeschlafen war, so dass ich meinen Kopf nicht auf die Tischplatte in der Küche ablegen musste, wie ich es jeden Schultag tat. Ich lief polternd die Treppe hinunter, tat mein Bestes um nicht über meine eigenen Füße zu stolpern, wie sonst immer, und sah meinen Vater im Foyer stehen – mit einem sehr angepissten Ausdruck auf dem Gesicht, wohl bemerkt. Renée, die ihn klagend ansah, stand daneben mit den Armen vor der Brust und funkelte ihn wütend an.
„Renée, es ist eine Geschäftsreise!“ erklärte mein Vater in der Tonlage, als würde er mit einem Kind sprechen. Renée schüttelte nur grinsend den Kopf und winkte mit einer lässigen Bewegung ab.
„Charles, denkst du, ich verlange eine Erklärung von dir? Glaubst du, es interessiert mich, wo du bist; was du machst; ob du eine Geschäftsreise oder ein -essen hast?“ Renée bedeckte ihren Mund mit der Hand und schüttelte ihren Kopf nur weiter. Jetzt wusste ich von wem ich diese lässige Ader hatte.
„Aber du bist meine Frau, es muss dich interessieren, Renée!“ Der Tonfall meines Vaters veränderte sich und wurde von ungläubig zu wütend. Irgendwie, waren die Rollen wohl etwas vertauscht. Ich hätte eher gedacht, dass Renée um Dad´s Aufmerksamkeit bettelte, nicht umgekehrt. Oder zumindest hatte ich mir vorgestellt, dass sie sich noch liebten, aber so war es nicht. Das hatte ich mir nur erhofft, denn meine Mutter – das war sie wohl, ob ich wollte oder nicht – hatte bittere Tränen geweint, als sie herausfand, was Linda getan hatte. Sie hatte sich nicht um den Schmerz anderer gekümmert, sie hatte Linda an ihre Brust gepresst und geweint. Charlie war neben dem Bett gestanden und hatte diese Szene beobachtet und ich wurde hinausgeschickt, aber ich blieb hinter der verschlossenen Tür um zu lauschen.......
„Das tut es aber nicht, Charles. Das Einzige, was mich hier hält ist Bel......“ sie wurde jäh von meinen Dad unterbrochen, als er mich erblickte.
„Prinzessin, du bist ja schon wach!“ stellte er fest und ich wunderte mich, wie er die Tonlage vor mir so verändern konnte. Edwards Worte über meinen Dad, hatten mir wohl Zweifel in den Kopf gesetzt. Was wenn er sich irrte? Mein Dad konnte unmöglich ein böser Mann sein!
„Ja, Dad, das bin ich wohl. Hast du gut geschlafen?“ fragte ich mit einem kleinen Lächeln, das völlig gefälscht war, weil ich mir immer noch Gedanken darüber machte, ´was wenn ich mich geirrt hatte?´ und meine Mutter nicht die Böse war, wie ich immer dachte. Ich wusste nicht, ob ich Renée auch fragen sollte, wie sie geschlafen hatte um einfach mal freundlich gegenüber meiner Mutter zu sein, nicht wirklich aus Interesse, aber Dad würde das auffallen und er würde das nicht gutheißen.
„Oh, ja, Prinzessin, das habe ich.“ er wandte den Blick irgendwie nervös zu meiner Mutter und forderte sie freundlich auf: „ Renée, warum schaust du nicht mal nach Amy, ob sie das Frühstück schon zubereitet hat?“ Irgendwas lief hier gründlich falsch, aber ich schwor mir herauszufinden, was in meiner Familie falsch lief. Renée lief einige Schritte voraus, kehrte dann jedoch wieder zurück – mit einem diabolischen Grinsen, das ich immer an Weihnachten hatte, wenn ich meine Geschenke schon in der Nacht, wenn alle schliefen, geheim auspackte und sie wieder einpackte damit keiner etwas merkte -, sie umfasste Dads Kinn mit ihrer manikürten Hand und erhob sich auf ihre Zehenspitzen, weil mein Dad nicht nachgab und sich auch nicht hinunterbeugte um es ihr leichter zu machen, ihn zu küssen. Renée war stur und schaffte es trotzdem, ohne der Hilfe meines Vaters. Es war ein kurzer Kuss, aber er war nicht tröstend und auch nicht der zweier Liebenden, eher ein Kuss, der auch unter Freunden ausgetauscht werden konnte oder besser gesagt: Unter Feinden. Ich erhob argwöhnisch die linke Augenbraue und beobachtete das Verhalten meiner Eltern. Das war nicht das Verhalten von einem Ehepaar, das mehr oder weniger, gut zusammenlebte und das pflanzte noch mehr Zweifel in meinen Kopf.
Dad sah Renée verwirrt hinterher, als hätte er den ersten Kuss nach zehn Jahren bekommen, oder so ähnlich. Dann jedoch fing er sich wieder und wandte sich an mich.
„Bella, gut, dass ich dich jetzt gesehen habe, Prinzessin. Ich muss dir etwas sagen, ich fliege heute nach Washington D.C., wegen einer sehr wichtigen Sitzung dort und weiß nicht, ob ich es schaffe bis morgen zurückzufliegen um dich zum Flughafen zu bringen. Aber ich weiß, du bist ein großes, verständnisvolles Mädchen!“ Er schenkte mir ein komisches Lächeln, das zum Teil gezwungen war und zum Teil irgendwie leidend. Ich ging sofort zu meiner Rolle der Roboter-Bella über und nickte verständnisvoll, auch wenn ich wusste, das etwas faul war.
„Richard ist da mich zu fahren und Edward um mich zu beschützen, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Dad. Wenn es dein Gewissen beruhigt, dann kann auch Renée mich zum Flughafen begleiten. Da werden auch Alice und ihre Mutter sein, weil Erstere mit uns mitfliegt. Ich dachte, es ist unnötig dich damit zu belästigen, also habe ich es dir nicht eher erzählt.“ Oh, das war gut, Swan. Das würde er schlucken, ich wusste es, davor würde er sicherlich schimpfen und sich etwas aufregen, aber er war Charlie Swan und verhielt sich auch den Regeln nach.
„Was will der Giftzwerg in NYC mit euch?“ spie er wütend aus und funkelte mich an. Ich zuckte mit den Schultern, es war mir zum ersten Mal in meinem Leben egal, was Charlie dachte. „Ich trage sie nicht auf meinen Schultern, Dad, außerdem fliegt Rose auch mit, wir sind drei Mädchen und Edward. Je mehr wir sind, desto lustiger wird es.“ Ein kläglicher Versuch ihn zu beschwichtigen. Woher kannte er Alice überhaupt?
„Mit dieser Familie ist nichts lustig, Bella....“ er packte mich fest am Arm und sah mich warnend an. „Ich habe es dem Cullen-Jungen gesagt, ich will nicht, dass du dich ihm unnötig näherst. Du bist ein naives Mädchen und er ein gutaussehender Junge. Zwischen dir und ihm wird nichts laufen, Isabella. Ich verbiete es dir! Diese Familie bringt uns nichts mehr als Ärger und den wollen wir nicht. Du bleibst schön auf Abstand, junge Lady. Haben wir uns verstanden?“ Aber natürlich nicht, wollte ich ihm bissig antworten. Wieso ging mir mein Dad zum allererstem Mal auf den Wecker? Und dabei so doll?
„Was hast du gegen ihn? Warum hast du ihn überhaupt in meiner Nähe gelassen, wenn er so gefährlich ist?“
„Das hat dich nichts zu interessieren, Isabella!“ schrie er mich an und verschwand in die Küche, wo er auch herumbrüllte. Ich runzelte mechanisch die Stirn. Was zum Teufel sollte das?
~MB~
Hals über Kopf verließ Charlie das Haus und machte sich auf dem Weg zum Flughafen. Ich stand noch in der Küche und schluckte den letzten Bissen meines Bagels runter, als das Haustelefon läutete und mir auf die Nerven ging. Die Melodie war einfach zum Haareraufen. Aber gut, wir waren ja eine vornehme Familie zu der das einfach gehörte. Nana hob ab, sagte den Namen der Familie und fragte nach dem Namen des Anrufers.
„Oh, Miss Dweyer, Mister Swan gerade das Haus verlassen, Sie können ihn sicher auf seinem privaten Handy erreichen. Oh, er ist nicht erreichbar? Das verwundert mich aber jetzt. Was soll ich ihm ausrichten? Okay, das mache ich, wenn ich ihn wiedersehe, aber das könnte etwas länger dauern, weil Mister Swan die Stadt verlassen wird um ein Geschäft in Washington D.C. zu erledigen.“ Nana machte komische Grimassen, die mir ganz und gar nicht gefielen, verabschiedete sich von meiner Tante – der Schwester meiner Mutter – freundlich und wünschte ihr einen guten Tag. Meine Tante war 39 und noch immer Single, was uns zu denken gab, wie sie war. Ich kannte sie nicht allzu viel, aber es war auch nicht so, dass ich sie nicht leiden konnte. Man konnte sagen, sie wäre mir egal.
„Was wollte sie, Nana?“ Sie winkte ab, zeigte ihren besorgten Gesichtsausdruck aber weiter. Ich beschloss nicht weiterzubohren.
Später - als ich das Haus verließ, hörte ich wie meine Mutter mit ihrer Assistentin telefonierte.
„Sag den Termin mit Mr. Hunt ab, kümmer dich um die Weiterentwicklung der neuen Kollektion, sag Marlene, sie soll mit den Skizzen auf mich warten. Ach ja, noch etwas, ruf die Fluggesellschaft an und versichere dich dort, dass Charlie nicht die Flüge nach NYC abgesagt hat, wenn das der Fall sein sollte, weißt du was zu tun ist. Er will um alles in der Welt verhindern, dass Bella die Stadt an der Seite der Cullens verlässt, weil sein Glanz somit schrumpft, seine Schokoladenseite würde schmelzen und Bella würde langsam verstehen, wer hier der schlechte Verlierer ist. Er kann sich nicht leisten, dass seine Tochter – wohl die einzige, die er noch beeinflussen kann - die Wahrheit erfährt. Mach das, Katelyn. Wiederhören!“
Ich zog die Haustür langsam zu, weil sie dazu neigte, sich geräuschvoll zu schließen, diesmal wollte ich jedoch nicht, dass meine Mutter erfuhr, dass ich hinter der Tür gelauscht hatte. Je mehr ich von den Menschen in meiner Umgebung über Charlie erfuhr, desto mehr grauste ich mich vor seinen Taten.
Im Garten erwartete mich der allerschönste Ausblick, den ich mir erwünschen konnte. Glühende Hitze, grüne Bäume, Vogelgezwitscher, Rosen in allen Farben, und das heiße Teil – Edwards Motorrad, das ich so liebste und das in der Sonne so schön glänzte.
„Miss Swan...“ seine melodische Stimmte jagte mir einen angenehmen Schauer über den Rücken, trotz der schwülen Hitze. „Richard fährt Ihren Vater zum Flughafen, deshalb sollte ich Sie jetzt zu ihrer High School fahren, wenn Sie wünschen, können wir die Unwissenheit Ihres Vaters ausnützen und mit dem Motorrad fahren, weil ich weiß, es gefällt Ihnen.“ Seine bronzefarbenen Haare waren ein einziges Chaos auf seinem Kopf und ich wollte darin herumwuseln bis noch ein größeres Chaos entstand, weil seine Haare mich so dermaßen berauschen konnten.
„Es wäre mir ein Vergnügen, Mister Cullen.“ Sein grauer Anzug und seine körperliche Eleganz war zum Schreien. Besser denn Schwarz stand ihm Grau und ich musste mich zusammenreißen, damit meine Hormone nicht die Überhand gewannen und ich wie ein Dummkopf vor Edward stand. Auch wenn es noch so schwer war sich in seiner Nähe normal zu benehmen, na ja, so normal wie man nur konnte. Seine Augen bedeckte schon wieder eine Ray Ban, auch wenn ich lieber seine Augen gesehen hätte, musste ich zugeben, dass Edward Cullen mit dieser Brille auch sexy war. Er war wohl immer sexy und mein Herz wollte sich daran nicht gewöhnen.
Ich straffte meine Schultern, wollte mit erhobenem Haupt die Stufe vor der Haustür absteigen, doch irgendwie verfingen sich meine Beine und ich stolperte wieder, geradewegs in Edwards Arme, die mich vor dem sicheren Fall auf den scharfen Kiesweg bewahrten und mir einige Narben ersparten. Seine Hände legten sich auf meinem nackten Rücken, da mein Sommerkleid am Rücken tief ausgeschnitten war. Atemlos sah ich ihn an und öffnete den Mund, während ich auf meinen ersten Kuss wartete........
~MB~
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden." ~ Friedrich Nietzsche
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Ein Bild von Linda (wie ich sie mir vorgestellt habe):
http://www.imdb.de/media/rm124172288/nm2010527