Mittwoch, 22. Februar 2012

Chapter 7: Alles, was ich will und nicht will!

Chapter 7:
Alles, was ich will und nicht will!


Love begins with a smile, goes on with a kiss and ends with tears. Love is like war, it`s easy to begin, hard to end and impossible to forget. ~ Unbekannter Verfasser



Isabella Swan POV:


Ihr kennt alle das Gefühl vom gebrochenem Herzen? Ihr kennt das Gefühl des Verliebtseins? Ihr kennt das Gefühl des Schmerzes?- Diese Fragen, sie waren so absurd, so ironisch, denn ich selber hatte diese Dinge bisher nicht gekannt. Für mich waren die Schmetterlinge im Bauch, von denen jeder in der High School sprach, unbekannt – und ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mit diesen Gefühlen vertraut zu werden.

Ich wusste schließlich, dass mir diese Gefühle nichts anderes als Ärger bringen würden. Und wisst ihr was? Mein Herz war ein verdammter Verräter, ich hasste mein Herz mehr als meinen ärgsten Feind – wartet, mein Herz war mein ärgster Feind- denn mich hatte niemand so sehr hintergangen, wie mein eigenes Herz. Wer hätte gesagt, dass eine Isabella Swan sich in einen Edward Cullen verlieben würde?- Richtig, niemand. Aber der egoistische Verräter in meiner Brust wusste es vom ernsten Augenblick an. Seitdem meine Augen seine smaragdgrünen Iriden erblickt hatten, dieses Signal an mein Herz und mein Gehirn weitergaben, war ich praktisch verloren – obwohl ich es hatte nicht zugeben wollen. Ich sah wie langsam mein Verstand mit einem verträumten Lächeln ´bye, bye´ zu mir sagte und sich verabschiedete. Solch ein Dreck! Was sollte ich jetzt tun?

Schmerz war das Einzige, was Isabella Swan in den letzten Jahren kannte, und plötzlich kam dieser unglaubliche Mann und verdrehte mir einfach so den Kopf? Er machte mich schier wahnsinnig. In seiner Nähe war ich einfach ein verflucht ungezogenes Flittchen. Zickig, frech, unglaublich sauer. Ja, er machte mich so wahnsinnig sauer, sodass mein Körper plötzlich kribbelte und ich einfach an die Decke ging, wie ein aufgeblasener roter Luftballon.

Eigentlich sollte ich ihn hassen, weil er mich belogen hatte und wenn es etwas gab, das ich in meinem Leben hasste wie die Pest, dann waren es Lügen. Lügner waren für mich charakterlose Menschen, die sich davor fürchteten die Wahrheit zu sagen, weil dann alles am Arsch wäre, doch durch die Lügen veränderte sich diese Lage schließlich nicht. Aber diese Lügen waren eine Illusion in der man besser lebte, weil man die Wahrheit nicht ertragen konnte. Ich konnte schon verstehen, warum Menschen logen. Aber für mich war das nie eine Option. Besser ein Leben in Unglück, als in einer verlogenen Seifenblase, die nicht einmal real war. Wenn man sein Leben nur träumte, dann wacht man irgendwann auf und sieht, dass man nichts mehr in der Hand hatte, niemanden mehr an seiner Seite und das ist schrecklich, weil kein Mensch alleine sein wollte.

Die Realität war grausam, so sah es aus und genau das war es, das Lügner nicht akzeptieren konnten. Die verflucht nackte Realität, die unbarmherzig und grausam auf einen einschlug, ob man sie wollte oder nicht; ob man Kraft hatte sich zu währen oder nicht; es war irrelevant. Die Realität würde so bleiben, deshalb mussten wir Menschen unsere Einstellung ändern, damit wir am Wunsch nach einem besseren Leben, nach Glück, nicht unseren Weg verlieren und in die allumfassenden Tiefen abgleiten.


~MB~






Ich hatte Starbucks sofort nach dem Gespräch mit Rosalie verlassen, weil ich das Gefühl hatte einfach keinen Sauerstoff mehr zu bekommen. Zu hören, dass sie die ganze Wahrheit über Edward wussten – sie alle -, alle Menschen, die ich als meine Freunde und Familie angesehen hatte, waren mir so in den Rücken gefallen. Dabei spielte natürlich eine außerordentlich große Rolle, dass es sich hierbei um Edward Cullen handelte. Um den Mann, der mir die Liebe gestanden hatte und ich hatte mich einfach damit abzufinden, obwohl das alles andere als gewöhnlich war. Ich konnte nicht sagen, dass es mir nicht gefiel.

Aber ihr könnt mir sagen, dass ich kindisch, unfair, egoistisch, unerzogen, dumm.....und all das war, weil ich nicht in seine Arme rannte, weil ich ihm Probleme verursachte, wo eigentlich keine sein sollten. Ich wusste, wenn ich aus seinem Blickfeld verschwand, würde er mich suchen müssen und wenn er mich nicht fand, würde mein Dad ihm ungnädig wie er war, den hübschen Kopf umdrehen. Wie sehr ich mich auch bemühte, Edward nicht in Schwierigkeiten zu bringen, schaffte ich es nicht, weil ich in diesem Moment nicht ertragen konnte, dass Rosalie sich schamlos an ihn schmiegte, sein Lächeln auf dem Silbertablett serviert bekam und mit ihm umging als wäre er ihr Freund und nicht Emmett.

Meine Schritte waren träge, unlebendig, ich schleifte sie buchstäblich über den Boden. Die Nacht war schon eingebrochen; Der Himmel war dunkelblau und einzelne Sterne waren verstreut über diesen zu finden. Ich hatte den Gedanken, dass Linda einer von diesen Sternen war, der einfach nur leuchtete, damit mein Weg erhellt wurde. Zwischen dem Hass, weil sie sich das Leben genommen hatte und mich somit im Stich ließ, und der Liebe, die ich für sie empfand, weil sie einfach ein wunderbarer Mensch war und die beste Schwester überhaupt, hatte ich einen schmalen Grad zu gehen. Ich wollte weder das eine noch das andere, aber ich konnte dieses Duell beider Gefühle in mir nicht verhindern.

Genauso fühlte ich mich, wenn ich bei Edward war. Ich fühlte meine Wut, die für ihn unermesslich war und dann ein zärtliches, junges Gefühl, das mich dazu veranlasste, ihn als Mein zu sehen, als den Mann, der für mich geschaffen war in all seiner Perfektion. Ich wollte diejenige sein, die seine Gedanken und Gefühle einnahm und ich wusste, dass ich nicht durfte, denn er war mein Bodyguard und er arbeitete für meinen Vater. Klar und deutlich wurde das zwischen ihm und meinem Vater vereinbart. Ich wusste das schon seit ich ein kleines Mädchen war, aber nie in meinem bisherigen Leben bin ich so in Versuchung gekommen, einfach fühlen, berühren, halten zu wollen, obwohl er ein Angestellter meines Dad´s war.

Meine Gedanken waren einfach so verworren, mein Leben war so komplex, ich durfte Edward nicht in mein Leben einmischen, weil er mit meinem Unglück, mit meinem Pech, nichts am Hut hatte. Er war unschuldig. Wenn ich mich in Edward verlieben sollte – was ich glaube von der ersten Minute an getan zu haben – würde mein Dad sofort alle nötigen Vorkehrungen treffen um uns auseinander zu bringen. Er wollte keine Probleme in seiner Familie. Er hatte seinen Plan schön ausgemalt und erlaubte keinen Zutritt zu eben diesem. Keiner würde etwas zerstören, was Charlie Swan errichtet hatte. Und jeder normale Mensch würde wissen, dass sein Plan niemals aufgehen würde. Einfach aus dem Prinzip heraus war es vollkommener Schwachsinn, dass alle Pläne aufgehen würden. Das war unmöglich. Und ich fürchte, dass ich Edwards Worte einfach nur bestätigen konnte – Ich wollte die Augen vor der Wahrheit verstecken, ich hatte Angst, dass die Welt, die ich jetzt sah, einfach nicht mehr da wäre, dass das Vertraute plötzlich verloren wäre, wenn ich die Augen für die Welt aufmache und mich nach Veränderung sehne. Er hatte mich durchschaut. Ich wusste nicht um wie viel es sich dabei handelte, wie viel ich durch meine Flucht von der Realität verpasst hatte, aber jetzt wollte ich alles wissen. Jede Wahrheit und jedes Detail. Meine Lippen verzogen sich schließlich zu einem kleinen Lächeln, weil meine Gedanken plötzlich und zusammenhangslos weiter wanderten.

Er liebte mich. Und ich glaubte ihn zu lieben. Ich wusste, es war dumm. Mit ihm verglichen war ich ein Kind und ich würde seine Arbeit gefährden, aber ich wollte, dass er mich dorthin mitnahm, wo er auch hinging.

Ich wusste auch , dass ich erstmals eine Zigarette brauchte, was mein ursprünglicher Plan war, dafür war ich auch aus dem Starbucks hinausgelaufen.

Ich lief grübelnd zur nächsten U-Bahn-Station, wo ich zumindest dachte, dass ich einen Automaten finden konnte, wo ich mir eine Schachtel Malboro 100´s kaufen konnte, die die auch Edward rauchte. Und jetzt denkt bitte nicht, dass Edward der Schuldige an meinem Rauchen war, weil ich euch da leider enttäuschen muss, da ich bereits vor ihm ab und zu rauchte. Als ich die Stiege hinunterrannte, um in den Untergrund von Seattle zu gelangen, registrierten meine Augen, dass es Grüppchen von Betrunkenen und vielleicht auch Junkies gab. Der schwere Geruch von Urin lag in der Luft und ich versuchte mich auf etwas Anderes zu konzentrieren, weil sich mein Magen plötzlich umdrehte und ich mich sicher nicht übergeben wollte. Nicht, dass ihr denkt, ich wäre ein Snob, weil ich mich an diesem Geruch nicht gewöhnen konnte, aber ich schätze dieser Geruch wäre für jeden unangenehm. Den Schmutz, der in den Ecken zu einem Häppchen zusammengekehrt war, versuchte ich ebenfalls zu ignorieren. Obwohl ich mit solchen Dingen nicht tagtäglich konfrontiert wurde, musste ich zugeben, dass mir der schwere Geruch von Urin, der Schmutz in den U-Bahnhallen ein Gefühl des Trosts gaben, der Normalität und plötzlich musste ich lächeln, während ich das Kleingeld in den Automaten warf. Die Zigarettenschachtel fiel in den unteren Abschnitt, wo man sie frei entnehmen konnte und ich seufzte glücklich. Sofort riss ich die durchsichtige Folie, die das Päckchen umhüllte ab und nahm mir eine Zigarette heraus, setzte sie an meine Lippen und erinnerte mich, dass ich kein Feuerzeug hatte. Die Männer zu fragen, die gruppenweise dort herumstanden, als würden sie auf etwas warten,  kam mir hirnrissig vor, also machte ich einfach am Absatz kehrt und beschloss mein Glück woanders zu versuchen.

Denselben Weg, den ich zuvor gegangen war, ging ich auch zurück, als ich plötzlich einen Knall hörte, einen Schatten dicht neben meinen Füßen sah und zwei Schritte nach rechts sprang, weil sich da etwas zu meinen Füßen bewegte.

Und ich zog die Gefahr magisch an, was bisher auch klar sein sollte, weil ich sonst nie Edward kennengelernt hätte und ich mich nicht verliebt hätte. Verdammt seien er und seine Perfektion! Ein heftiges Husten, ein Rascheln, ein Schatten und ich näherte mich der Quelle dieser drei Zeichen, die sich als ein Mensch herausstellte. Natürlich näherte ich mich, was würde eine Isabella Swan denn sonst tun? Dumme Frage, ich weiß.

„Geht es Ihnen nicht gut?“ fragte ich in Richtung der Person, die nicht weiter als einen Meter von mir entfernt am dreckigen Boden saß, zwischen irgendwelchen zerbrochenen Glasflaschen, viel Müll und Blut. Der schwere Geruch von Blut strömte als erstes in meine Nase und ich musste die Luft anhalten, damit ich mich meiner Schwäche nicht hingab und diesem verletzten Menschen helfen konnte. Ich konnte kein Blut sehen, nicht einmal meins. Als Kind blieb diese Schwäche von mir unentdeckt, aber in den letzten Jahren war ich oft deswegen umgekippt, zum allerersten Mal, als meine Nana sich beim Kochen den Finger schnitt und ihn mir zeigte. Sie wagte das nicht noch einmal zu tun, weil ich sofort vom Stuhl kippte und sie sich dadurch den Schock des Lebens holte.

„Ich.....Ich.....ähm......“ antwortete mein Gegenüber als ich mit ihm – es handelte sich dabei um einen Mann – auf gleicher Augenhöhe war.
„Sind sie verletzt, Sir?“ fragte ich ihn höflich und verspürte den Drang ihm zu helfen, wenigstens einen Notarzt zu rufen, was das wenigste war, das ich tun konnte.
„Nein, nein....Ich glaube nicht......“ er klang so erschrocken, so ängstlich, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ich hörte mein Handy in meiner Handtasche vibrieren und das nicht zum ersten Mal, aber ich beschloss, dass es besser war, sich aus dieser Affäre rauszuhalten und mich später diesem Problem zu stellen. Jetzt hatte ich andere Dinge zu tun, als mich meinen Gefühlen und Edward zu stellen.
„Sir, was ist den mit Ihnen? Bitte, ich will Ihnen doch nur helfen. Sie können mir vertrauen!“ Wie überzeugte man denn eine Person, dass man ihr nicht wehtun wollte? „Ich heiße Isabella und Sie?“ Höflich streckte ich der Person mir gegenüber meine Hand entgegen und wartete bis mein Gegenüber diese ergriff und sie zaghaft schüttelte.
„Tom.....“ rief dieser nach einer Weile, als ich mich zu ihm setzte und ihn schweigend betrachtete. „Die Frau, die ich am meisten liebe, hat heute einen anderen geheiratet. Jetzt weiß ich, dass meine Liebe für sie umsonst ist. Ich werde sie niemals mehr sehen, niemals mehr halten und berühren dürfen, nicht einmal tröstende Worte zu ihr sagen. Das Schlimmste dabei ist, dass sie sich selbst gegen mich entschieden hat“ Ich fühlte wie sich mein Herz schmerzhaft zusammenzog. Sie hatte einen anderen geheiratet und Tom verlassen? „Das muss nicht heißen, dass sie Sie nicht liebt, Tom. Vielleicht gab es Dinge, die sie daran gehindert haben, mit Ihnen zusammenzusein. Vielleicht....“ wollte ich ansetzen um ihn zu beruhigen, aber er schnitt mir das Wort ab.
„Welche Dinge denn? Es gibt nichts.... nichts, einfach nichts, was zwei Menschen  nicht überwinden können, wenn sie sich wirklich lieben. Ich habe bis zu letzten Minute um sie gekämpft, aber sie wollte einfach diesen anderen. Verstehen Sie? Ich war für sie nicht gut genug.“  Oh my....... Wie sollte man solche Worte abstreiten? Einem Menschen soviel Trost spenden, dass er sich der Trauer und der Schuld nicht hingab.
„Tom, Sie werden sehen, dass sie in ein paar Jahren darüber lachen werden, wenn sie ihre eigene Frau in den Armen halten, wenn Sie die wahre Liebe für das ganze Leben gefunden haben.“ Ich tröstete einen fremden Mann, der jeder sein könnte. Ein Psychopath, ein Vergewaltiger......Ich war vollkommen irre. Aber das hatten wir ja bereits mit Edward.
„Sie sind sehr jung, nicht wahr, Miss? Als ich jünger war, habe ich Dasselbe gedacht und ich verbrachte meine ganze Jugend an der Seite dieser Frau. Ich kenne keinen einzigen Weg, den man gehen kann um die Erinnerungen zu vergessen, die man mit jemanden geteilt hat. Die Zeit heilt keine Wunden, liebe Miss.“ Ich sollte das eigentlich wissen. Ich war unfähig den Tod meiner Schwester zu vergessen und erteilte diesem armen Mann eine Lektion, wie er die Liebe seines Lebens vergessen sollte.
„Tut mir leid, das sollte ich eigentlich wissen, weil ich meine Schwester vor vier Jahren verloren habe.“ flüsterte ich kaum hörbar, doch mein Gegenüber schien sich auf meine Worte zu konzentrieren, deshalb entgingen ihm auch diese Worte nicht.
„Das tut mir leid für Sie.“
„Ja, mir auch. Sie war ein sehr guter Mensch. Es gibt viele andere, die den Tod eher verdient hätten, als sie. Aber das Leben ist unfair und nimmt einem den Lebensinhalt weg, damit man realisierte, wie die Realität aussieht. Unser Leben ist nur ein Schauspiel und nichts Weiteres.“ Ich seufzte dramatisch und blickte zum Himmel, als könne ich Lindas Antlitz dort erkennen oder eine verschlüsselte Botschaft, irgendetwas als Zeichen dafür, dass sie noch da war. Aber nichts geschah.....
„Ich glaube, ich sollte langsam nach Hause gehen. Das ist nicht der richtige Ort für mich, Miss. Auch für Sie nicht!“ Der Mann, Tom, rappelte sich auf und ich tat es ihm gleich. Natürlich musste ich dabei ausrutschen und verlor mein Gleichgewicht beinahe, wäre mir Tom nicht zur Hilfe geeilt und mich am Handgelenk gepackt um mich vom Sturz zu bewahren.

„LASS DEINE DRECKIGEN PFOTEN VON IHR, DU MISTKERL“ knurrte eine Stimme, die mir nur allzu bekannt war. Ich versteifte mich sofort und blickte unter die Straßenlaterne, die nur schwach Licht spendete, aber genug um Edward dort stehen zu sehen. Mein Herz begann laut in meiner Brust zu hämmern und das Blut wurde schnell durch meine Adern gepumpt. Seine Worte jagten mir Angst ein, weil es meine Schuld war, das ganze Theater hier.
„WEIßT DU EIGENTLICH MIT WEM DU DICH DA ANLEGST? HAST DU SCHON MAL VON EDWARD CULLEN GEHÖRT. GENAU DER BIN ICH. UND JETZT LASS ENDLICH DEINE PFOTEN VON IHR ODER ICH REIßE DIR JEDEN FINGER, DER SIE BERÜHRT, EINZELN RAUS.“ Ein unangenehmer Schauer lief mir über den Rücken und ich stand regungslos da, konnte keinen Satz formulieren um Tom aus dieser Patsche zu helfen. Ehrlich gesagt, hatte ich auch unermessliche Angst von Edward, obwohl ich wusste, dass er mir nicht wehtun würde. Tom ließ von mir ab, was auch besser für ihn und seine Gesundheit war, nach dem Gesicht von Edward zu urteilen. Sein Gesicht war zu einer wutverzerrten Maske verzogen, seine Hände zu Fäusten geballt und seine Stimme klang heiser, als würde er durch zusammengebissen Zähnen sprechen. Seine angespannte Haltung würde wohl jedem Angst einjagen, ob Frau oder Mann, Mädchen oder Junge. Und ich hatte einfach keine Ahnung wie ich ihn beruhigen sollte, weil er sichtlich sehr wütend war. Grund genug dafür hatte er ja, das konnte keiner abstreiten.
„Ich.....Ich.....Ich wollte ihrer Freundin nicht wehtun.....“ stotterte Tom zusammen und ich warf ihm beim Wort ´Freundin` einen fragenden Blick zu. Diese Aussage schien Edward jedoch nur noch mehr anzustacheln, denn er brüllte einfach weiter.
„FREUNDIN.....“ zischte Edward und lachte dunkel, was meine Gänsehaut nur noch verstärkte und meine Nackenhaare aufstellen ließ. Er schien dieses Wort zu testen, legte zwei von seinen langen Fingern auf seine Lippen und lachte amüsiert. „DIESES VERZOGENE MÄDCHEN SOLL MEINE FREUNDIN SEIN? UNGLAUBLICH....... MEINE FREUNDIN WÜRDE SICH SOLCHE DINGE NICHT ERLAUBEN, FREUNDCHEN. MEINE FREUNDIN WÜRDE IHRE BEGLEITER RESPEKTIEREN UND NICHT VOR IHNEN FLIEHEN. DIESES MÄDCHEN IST EIN VERZOGENES GÖR.......“ hektisch atmete Edward ein und aus, ließ seine Hände zu seinen Seiten fallen und kam schnellen Schrittes auf uns zu. Meine Brust zog sich aufgrund seiner Worte zusammen und ich fühlte mich in diesem Moment einfach nur mies. Edward stand plötzlich vor dem um einen Kopf kürzeren Tom und sah ihn finsteren Blickes an. Meine Augen wanderten zwischen den beiden hin und her. Ich wusste nicht was ich sagen sollte um Edward zu beschwichtigen.

„Ich.....Ich ….Ich finde nicht, dass Isabella ein verzogenes Gör ist. Wenn sie vor ihren Begleitern geflüchtet ist, dann muss es dafür einen Grund geben.“ Tom richtete seinen Kopf auf und ließ sich von Edward nicht einschüchtern. Verteidigte er mich gerade etwa? Fuck, ich sollte eigentlich ihn verteidigen, nicht umgekehrt, aber ich brachte kein einziges Wort zustande.
„ISABELLA?!“ schrie Edward noch wütender als zuvor und ich zuckte unwillkürlich zusammen. „DA NENNEN SICH DIE TURTELTÄUBCHEN JA BEIM VORNAHMEN, ZIEMLICH ROMANTISCH. WOHER KOMMT MIR DAS DENN NUR BEKANNT VOR? ISABELLA HAT EINE VORLIEBE DAFÜR, MÄNNER AN SCHRÄGEN ORTEN ZU FINDEN, IN HERRENKLOS UND DEN DUNKELSTEN ECKEN SEATTLES. DAS RIECHT NACH ISABELLA.......“ er sah zu mir und durchbohrte mich mit seinem Blick. Gequält schloss er seine Augen und griff unerwartet an Tom´s Kehle, presste diesen gegen die Wand und zog ihm mit einer Hand den Boden unter den Füßen. Die hinterste Ecke meines Verstandes realisierte, dass Edward mich als Schlampe darstellte, doch damit würde ich mich später befassen. Er erwürgte den Mann beinahe und ich stand tatenlos daneben bis ich mich fasste und beschloss, dass es an der Zeit war, Tom zu helfen.

„Edward, lass den Mann los!“ flüsterte ich. Röchelnde Geräusche und Edwards Knurren drangen zu mir durch. Ich sah, wie Tom mit seinen Füßen in der Luft zappelte, doch Edward ließ ihn nicht los und unterbrach die Luftzufuhr dieses unschuldigen Mannes. Edwards Augen waren weit aufgerissen, aber er starrte ins Leere, auch als ich an seinem Arm rüttelte reagierte er nicht. Die Situation schien aus seinen Händen zu entgleiten und er schien in seinem Verstand jemandem anderen gegenüberzustehen. Fuck, er erwürgte einen Mann, nur weil dieser mit mir gesprochen hatte. Was sollte ich tun?

„Edward!“ versuchte ich es weiter. „Edward. Edward! EDWARD! Bitte, lass ihn los, du erwürgst ihn ja. EDWARD!“ Ich rüttelte an ihm, doch er schien seinen Griff um Toms Kehle nur noch zu verstärken. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper und ich konnte nicht der Herr dieser Situation werden.

„DUUUUUUU..............“ knurrte Edward weiter. „DU BIST SCHULD AN IHREM TOD, NICHT ICH. VERDAMMTER MISTKERL. ICH WERDE DICH EIGENHÄNDIG UMBRINGEN. DU HAST MIR ETWAS SEHR WICHTIGES GENOMMEN. JETZT VERSUCHST DU AUCH IHR WEHZUTUN, IHR LEBEN UND IHRE GEFÜHLE ZU MANIPULIEREN, VERDAMMTES ARSCHLOCH. JETZT WO ICH WIEDER HIER BIN, WERDE ICH NICHT ZULASSEN, DASS DU IHR LEBEN AUCH NOCH ZERSTÖRST.“ Tom schüttelte hektisch den Kopf, als wollte er sich gegen diese Anschuldigungen wehren, aber Edward entglitt diese ganze Situation und ich wusste nicht warum, aber in meinen Augen bildeten sich Tränen der Verzweiflung. Es war eindeutig, dass Edward nicht zu Tom sprach. Ich wusste nicht um welchen Mann es sich handelte, den er hier mit Tom verwechselt hatte, aber ich konnte nicht zulassen, dass Edward Tom verletzte.

Also tat ich das Einzige, das mir in diesem Moment einfiel. Ich schlüpfte unter Edwards Arm hindurch, ergriff sein Gesicht mit beiden Händen und zwang ihn mich anzusehen.

„Edward, du musst ihn loslassen. Er hat dir nichts angetan. Du verwechselst ihn mit irgendjemanden. Das ist Tom, Edward. Und er hat mich nicht verletzt. Wenn du jemandem wehtun solltest, dann mir. Lass ihn los, Edward. Lass ihn los.“ Beruhigend sprach ich auf ihn ein, aber er knurrte nur wie ein wild gewordenes Tier und schien mich gar nicht zu bemerken, irgendwie durch mich hindurch zu sehen.

Die Tränen wanderten schon über meine Wangen, als ich begann auf Edwards Brust einzuschlagen, weil Toms Röcheln nach Luft stärker wurde.

„LASS IHN LOS. LASS IHN LOS. LASS IHN LOS. EDWARD, DU BRINGST IHN UM.“ Ich rüttelte an ihm und fühlte wie seine Anspannung von ihm zurückwich und er Tom endlich losließ. Dieser fiel sofort auf den Boden und griff sich heftig nach Luft schnappend an den Hals.
„Was ist mit dir los? Du hättest ihn fast umgebracht, Edward. Er hat dir nichts angetan. Er hat dich nicht verletzt. Er ist unschuldig.“ Als Edward die Lage checkte, griff er sich verzweifelt ins Haar und entfernte sich einige Schritte. Dann drehte er sich wieder zu Tom um, bei dem ich saß und darauf wartete, dass es ihm besser ginge. Es hatte sich um Sekunden gehandelt, in denen er keine Luft bekam, aber immerhin hätte er auch sterben können. Außerdem hatte Edward keinen Grund ihn einfach so anzuspringen und zu erwürgen. Was fiel ihm ein?
„Ich......Ich......“ Stotterte Edward zum ersten Mal, machte aber keine Anstalten Tom zu helfen. Ich hatte so eine Wut auf ihn, am liebsten hätte ich ihm Eine ordentlich verpasst, aber ich hielt mich gekonnt zurück.
„Du gar nichts, Edward. Du hättest Tom fast umgebracht. Was verdammt nochmal ist mit mir los? Bist du wahnsinnig geworden?“ schrie ich ihn an und erdolchte ihn mit meinem Blick. „Und nun hilf mir mal, wir müssen Tom ins Krankenhaus bringen.“ Edward sah mich kopfschüttelnd an und machte keine Anstalten seinen Standort zu verlassen. Was lief falsch mit diesem Mann? War er verdammt besoffen?
„Mir geht`s gut, Isabella. Wirklich! Ich werde jetzt nach Hause gehen, was ich schon vorher wollte. Es ist okay, ich lebe noch.“ versuchte Tom die Situation zu retten, doch Edward und ich führten bereits einen Blickduell aus.
„Ruf Richard an, Edward. Wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen.“ Er schnaubte hörbar und ich konnte ihn einfach nicht verstehen. Okay, ich hatte mich daneben benommen und ihn wütend gemacht, aber es war bei Weitem nicht in Ordnung, dass er einen unschuldigen Mann fast erwürgte. „Bist du verdammt nochmal taub?“ rief ich etwas lauter als beabsichtigt und Edward sah mich mit seinem durchbohrenden Blick an. Kam mit eiligen Schritten auf mich zu und packte mich am Arm, zog mich auf meine Füße und hielt mich nah an seinem Gesicht.

„Hättest du nicht den Drang verspürt von meiner Seite zu weichen, wäre das niemals passiert. Also hör auf mich anzuschreien, das ist nur deine Schuld.“ zischte er mir zu, umfasste meinen Oberarm fest, dass es schmerzte und ich mich in seinen Armen wand und ließ mich anschließend los, als hätte er sich an mir verbrannt, sodass ich einige Schritte rückwärtig taumelte. Er entfernte sich sehr galant von mir bis zum Straßenrand und pfiff dort ein gelbes Taxi heran.

„Tom, wir bringen dich jetzt ins Krankenhaus. Mach dir keine Sorgen, dir wird nichts passieren.“ versuchte ich ihn zu beruhigen, doch er lachte leise. Wo war ich denn hier nur gelandet?
„Isabella, mir geht’s gut. Ich habe eher das Gefühl, dass du dir große Sorgen machst. Ich kriege auch wieder Luft. Mir geht’s wirklich gut.“ Ich ließ meine Augen über seine Gestalt wandern um mich auch zu versichern, ob seine Worte der Wahrheit entsprachen. Keine Anzeichen der Lüge, also nickte ich einfach nur.
„Das hätte niemals passieren dürfen. Das hätte nicht soweit kommen sollen. Ja, es ist meine Schuld. Verdammt!“ ich versteckte mein Gesicht in meine Handflächen und ließ mich auf den Boden plumsen.
„Isabella......Solche Dinge passieren......Es ist nichts Außergewöhnliches......“ versuchte Tom mich zu beruhigen, aber es gelang ihm nicht. „Aber wenn du klug bist und das hoffe ich für dich, wirst du diesen Mann festhalten. Es gibt nicht viele Männer, die so etwas für die Frau ihres Lebens tun würden. Ich hätte das für Wilma auch tun sollen, doch ich konnte ihr das Glück nicht rauben, das sie an  der Seite eines anderen Mannes verspürt.“ Er würde alles für mich tun, das stimmte und ich hätte auch selbst darauf kommen können, wenn ich nicht so verdammt stur wäre.

Aber ich hatte noch nie einen Mann gesehen, der einen anderen so fest und eiskalt erdrücken wollte, dabei kannte er ihn doch kaum. Was war mit Edward? War er psychisch krank? Gefährlich für seine Umgebung? Ich wusste nicht, wie ich auf diese neue Seite von Edward reagieren sollte.

Letzterer kam auch wieder zurück mit einem frustrierten Ausdruck auf seinem Gesicht. Eigentlich musste ich wissen, dass Edward ein guter Mann war, aber bei dem was wir in den letzten Sekunden erlebt hatten, wusste ich einfach nicht, wie ich auf so etwas reagieren sollte. Ich konnte mich an seine Worte erinnern, als er sagte, er hätte auch selbst getötet im Krieg mit Afghanistan. Hieß das etwa, dass er so grausam und sadistisch war? Ich wusste nicht, ob ich Angst vor ihm haben sollte oder nicht.





~MB~






Es ging hier gar nicht um Tom, wurde mir klar, als ich Stunden später – viele Stunden später – im Bett lag und kein Auge schließen konnte. Edward hatte mir versprochen, er würde mich beschützen, nicht nur weil er Mister Bodyguard war, sondern weil ich ihm viel bedeutete. Ich glaubte ihm. Ich glaubte ihm nicht nur weil ich ihm glauben wollte, sondern weil ich wusste, dass Edward nicht log. Mir wurde plötzlich klar, dass ich keinen Grund hatte, auf ihn sauer zu sein, ihn schwere Zeiten durchmachen zu lassen, weil er nicht die Schuld daran hatte, dass mein Vater glaubte mich beschützen zu müssen.

Ich sah auf die Uhr: 2:06 a.m. Ich wälzte mich weiterhin im Bett, versuchte vergelblich zu schlafen, aber dies gestaltete sich äußerst schwer, weil mein Kopf einfach nicht aufhören wollte zu arbeiten. Ich erinnerte mich wieder an Tom, an seine Worte und an Edward gutes Herz, als er Tom auf die Rückbank des gelben Taxi´s verfrachtet hatte und ihm seine Handynummer zusteckte für den Fall, dass er uns kontaktieren wollte. In diesem Moment war ich einfach zu stur gewesen um mir Edwards Erklärung anzuhören, aber nun hatte sich auch das gelegt. Jetzt wollte ich sie hören!
Seufzend verließ ich mein Bett, stolperte dabei an der Bettdecke, fluchte laut und verschieß schließlich mein Zimmer. In der großräumigen Küche goss ich mir ein Glas pures H2O ein. Die Flüssigkeit wanderte angenehm meinen Hals hinab und ich schloss genießerisch die Augen. Plötzlich packte mich das Verlangen zu tanzen und ich begab mich zum Spiegelsaal, wo ich immer tanzte, wenn ich trainieren musste oder einfach Lust darauf hatte. Auf die Erklärung würde ich wohl oder übel bis morgen warten müssen. Ich konnte mich einfach nicht in Edwards Zimmer hineinschleichen, ihn aufwecken und eine Erklärung von ihm erwarten. Nicht, wenn Charlie im Haus war.

Leise, schleichend, lief ich die Treppe wieder hinauf, ließ sämtliche Lichtquellen ihr warmes Licht spenden und fand mich vor der hölzernen Doppeltür wieder. Ich drückte die Klinke hinunter und erstarrte augenblicklich. Das war viel mehr als meine eigene Persönlichkeit in vielen verschiedenen Spiegeln zu sehen. Ich sah das:

Edward Cullen. Vor einem Sandsack. Schweißgebadet. Und heiß wie die Hölle.

Ich hielt sofort die Luft an, um diesen Anblick auf mich wirken zu lassen. Und wie er wirkte! Meine Zähne fanden meine Unterlippe, bohrten sich in mein Fleisch und ich presste meine Schenkel zusammen, weil eine den Frauen allzu bekannte Feuchtigkeit zwischen meine Beine schoss. Jetzt machte mich sein gottgleicher Anblick auch noch an. Himmel!

Die Tatsache, dass er in meinem Spiegelsaal einen Sandsack aufgehängt hatte, ignorierte ich gekonnt, weil ich mir diesen Anblick um nichts in der Welt entgehen lassen wollte und schon gar nicht durch sinnlose Streitereien.

„Bella, du starrst.“ hörte ich seine sanfte, belustigte Stimme.
„Hmpf....“ schnaubte ich nur und setzte meinen Weg zur Stereoanlage fort. Natürlich hatte er Recht und ich starrte ihn wirklich an, auch als die  durch die großen, schwarzen Boxen an meine Ohren drang. Mein Körper begann sich im Rhythmus der Musik zu bewegen, was irgendwie bei mir angeboren zu sein schien. Natürlich hörte ich nicht auf ihn anzusehen, obwohl ich von ihm nur seinen durchtrainierten, muskulösen Rücken, der gar nicht von meiner Fantasie erforderte, da das weiße T-Shirt auf seinem Körper festklebte und alles freigab.

Meine Lider fielen zu und mein Herz überschlug sich, doch ich bewegte mich weiter mit der Musik. Unaufhörlich sah ich das Bild von Edward Cullen vor meinem inneren Auge und würde mich am liebsten deshalb erschlagen. Als das Lied im letzten Drittel ankam und der Rhythmus und die Frequenz der Töne anstieg, zauberte sich ein Lächeln auf meinen Lippen, denn ich war zufrieden, dass ich mir die Schritte in kürzester Zeit eingeprägt hatte. Dieser Moment war so vollkommen, dass ich am liebsten auf die Pause-Taste gedrückt hätte. Perfekter als perfekt wurde dieser Augenblick als ich seine Hände auf meinen Oberarmen fühlte, die meine Haut liebkosend nachfuhren bis seine großen, sanften Hände meine kleinen erreichten und er seine Finger mit meinen verwob. Genießerisch lehnte ich meinen Hinterkopf an seine Brust und fühlte seinen warmen Körper gegen meinen.

„Edward.......was?“ wollte ich fragen, doch die Worte steckten in meiner Kehle fest und ich konnte sie nicht aussprechen. Seine linke Hand wanderte auf meinen Bauch, seine linke jedoch schob mein Haar auf den Rücken um sich vollen Zugang zu meinem Hals zu verschaffen. Meine Nackenhärchen stellten sich auf als sein heiser Atem gegen meine erhitzte Haut schlug und das Prickeln meiner Haut war stärker denn je. Vorher hatte ich noch von Schmetterlingen und Gefühlen gesprochen, die ich nie erfahren wollte, aber nun hatte ich all diese Gefühle vor mir breitgelegt und konnte sie nicht mehr ignorieren, so wie Edward seine Gefühle nicht kontrollieren konnte.

„Meine Bella“ nuschelte er gegen meinen Hals, den er anschließend küsste. Fuck! Es war eindeutig, dieser Mann machte mich verrückt. Mein armes Herz schlug um die Wette und Edward hatte keine Ahnung, was er mir damit antat. Ihn einfach nur so nahe zu fühlen, aktivierte jede Körperfunktion in mir. Jede Zelle in meinem Körper war aufmerksam, was sie von ihm bekommen würde.
„Ich sagte dir bereits, mein Engel, dass ich immer für dich da bin. Ich werde dich immer beschützen.“ Er verteilte sanfte Küsse auf meinem Hals, wanderte aufwärts zu meinem linken Ohr und hinterließ dort einen sanften, brennenden Kuss. Ich musste mein Herz beruhigen, mir einreden, dass das hier nichts bedeutete; Dieser Moment bedeutete mehr als mein ganzes Leben. Er war alles! Alles, das ich hatte und nicht hatte, das ich haben und nicht haben wollte. Einfach alles. Die Musik endete rapide, so wie sie auch begonnen hatte und die Stereoanlage verstummte. Da waren nur mehr wir! Wir! Zwei Körper, die sich hin und her schaukelten, die handelten als wären sie Eins. Das Erste, das ich sah,als ich mich in seinen Armen drehte, waren seine sanften, smaragdgrünen Augen, die mich mit einer Zärtlichkeit anhimmelten, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Seine vollen, zum Küssen gemachten, Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln, wenn er mich musterte und das tat er. Oft und lange!

In diesem Moment zählten nur wir: Edward und Bella. Zwei Menschen, die sich liebten und die bereit waren alles füreinander zu tun, genau wie Tom es vorhergesagt hatte. Zwischen uns gab es keine Unterschiede in diesem Moment und da war nicht mein Vater, der uns beiden Steine in den Weg legen würde. Und ich hatte keine Angst meine Arme um seinen Nacken zu schlingen, weil einfach nur die Art wie er mich ansah zählte.

„Prinzessin!“ hauchte er mir entgegen, war sich aber anscheinend nicht im Klaren darüber, wie sein Duft und sein Atem auf mich wirkten. Berauschend. Betörend. „Nein, du bist meine Königin, Isabella Swan. Wir sind wie die Königin und der Bettler. Einfach unmöglich!“ Er nahm mein Gesicht liebevoll in seine Hände und blickte mir tief in die Augen. Seine wirkten so unglaublich traurig, dass ich meinen Griff um seinen Nacken nur verstärkte.
„Ich bin keine Königin und du bist kein Bettler. Du bist Edward und ich bin Isabella. Hör zu, Mister Bodyguard“ Ich presste ihn enger an mich und grinste schelmisch. Er verdrehte die Augen über meine kindliche Art. „Regeln sind da um gebrochen zu werden. Mein Dad muss wohl akzeptieren, dass ich langsam erwachsen werde und mich verlieben muss.“ Meine Fingerspitzen spielten mit seinem Haaransatz und ich erlangte seine ungeteilte Aufmerksamkeit, als ich das Wort ´verlieben´ ausprach.
„Du hast dich in mich verliebt?“ fragte er mich mit einem süß-verblödeten Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Ja!“ antwortete ich grinsend und wollte ihn enger an mich ziehen, doch er löste meine Hände von seinem Nacken und nahm seine Hände von mir. Wie unfair!
„Nein! Gott, Isabella. Nein! Du darfst mich nicht lieben. Das ist keine gute Idee. Wir können nicht.......wir verdammt nochmal dürfen nicht. Charlie würde uns beide umbringen. Er hat mir ausdrücklich gesagt, dass ich nichts mit seiner Tochter anfangen kann, oder er reißt mir den Kopf ab. Und...ich.....ich würde es nicht wagen, dich zu verletzen.“ Edward war vollkommen aufgelöst, tigerte den Spiegelsaal auf und ab und griff sich mit beiden Händen ins Haar, was bei ihm soviel bedeutete, wie: Doppelte Verzweiflung.

„Ach, komm schon. Mein Dad würde das verstehen, Edward. Er ist kein Monster. Er ist ein guter Mann. Mit Prinzipien. Aber gut!“ beschwichtigte ich Edward. Wieso sollte mein Dad sich meinem Glück widersetzten? Jeder Vater und jede Mutter wollten doch, dass ihre Kinder glücklich werden. War das nicht so? Mein Verstand überlegte und zögerte beim Gedanken an Renée. Edward´s ironisches Lachen riss mich aus meinen Gedanken und ich sah verwirrt zu ihm.
„Dein Dad ist.......“ brüllte er mir entgegen. Was für ein Glück, dass diese Wände keine Geräusche durchließen.
„Mein Das ist was, Edward?“ Mich überkam ein Angstgefühl, weil ich mich an seine Worte erinnerte, dass ich die Augen vor der Welt verschließe, weil ich Angst habe, dass die Welt in der ich lebe, in Wahrheit ganz anders war.
„Ach, lass es!“ er machte zwei Schritte in Richtung Doppeltür und wollte den Raum anscheinend verlassen, doch diesmal würde ich ihn mir nicht entgehen lassen. Ich packte seine Hand und verhinderte seinen Abgang.
„Nein, ich will die Wahrheit, Edward. Bitte!“ fast hätte ich einen Schmollmund gezogen, doch ich erinnerte mich an meinen Vorsatz, mich erwachsen zu benehmen, also ließ ich es und wartete gespannt auf die Antwort. Ich wagte es nicht einmal zu blinzeln, weil ich nicht schwach rüberkommen wollte. Edward schien sich meine Bitte durch den Kopf gehen zu lassen und seufzte dann niedergeschlagen.
„Okay, ich werde es dir erzählen.“ Ein trauriger Schleier überzog seine Augen und ich wollte ihn in meine Arme schließen, aber unser Augenblick war vorbei und ich fürchtete, er würde nicht wollen, dass ich ihn umarmte. „Ich werde es dir in New York erzählen. Du hast die Wahrheit über deinen Dad verdient. Erst dann kannst du dir eine Meinung über ihn bilden und deine Mutter nicht mehr hassen.“ Erst in New York? Ich solle also noch zwei Tage lang warten? Was meinte er mit ´meine Mutter nicht mehr hassen´? Ach, Gott. Musste mein Bodyguard unbedingt in Rätseln sprechen? Ich war noch nie gut beim Rätsellösen. Ich beschloss mir den Kopf nicht im Vorhinein zu zerbrechen, damit würde ich mich lange befassen, wenn die Zeit kam. Aber eine Frage brannte noch auf meiner Zunge und ich beschloss sie nicht aufzuhalten als sie über meine Lippen rollte.

„Als du Tom gewürgt hast, Edward, da hast du jemanden anderen gesehen, in deinem Kopf war es nicht Tom, nicht wahr?“ Zuerst sah er mich finster an, weil ich diese Angelegenheit schon wieder heraufbeschwörte, doch dann nickte er und wollte sich wieder davon machen. Ich stolperte ihm hinterher und als er stehen blieb, knallte ich unsanft gegen seinen Rücken. Aus Angst zu fallen, schlang ich meine Arme um seinen Bauch.
„Und....?“ nuschelte ich, da der Stoff seines T-Shirts mich beim Sprechen hinderte.
„Bevor du fragst: Es war dein Dad.“ Damit war dieses Gespräch beendet und ich stellte auch keine Fragen mehr zu diesem Thema, denn Edward schien es nicht leicht zu fallen vor mir schlecht über meinen Dad zu reden. Edward wusste, dass mir Dad viel bedeutete und dass ich ihn vergötterte. Er war mein Held. Er war der, der mich auf seinen Schultern getragen hat, als ich klein war. Nicht einmal die große Welt war erschreckend für mich, weil ich mich selbst so machtvoll und groß gefühlt hatte. Beschützt. Charlie hatte mich beschützt, mir eine sichere Zukunft geschaffen und er hielt immer zu mir, was auch passierte. Wie konnte also dieser Mensch böse sein? Edward hasste meinen Dad. Mein Dad hasste auch Edward, seine hasserfüllten Blicke hatten die Selbstzufriedenheit und die Schadenfreude gezeigt, als ich Edward mein lila Höschen hinschmiss und ihn mit meinen Worten demütigte.

Diese Mission war schwieriger als ich es mir vorgestellt hatte.

Der Gedanke daran, dass mein Dad jemanden wehgetan haben könnte, erschütterte mich zutiefst und ich verbot mir den Gedanken daran, weil mein Kopfkino einfach weiterspielte und meinen Dad als Serienkiller darstellte. Es war einfach lächerlich. Mein Dad konnte nicht böse sein. Aber wie oft spielten die Mörder, Psychopathen, Mafiabossen, den lieben, netten Vater? Diese Filme waren doch nicht an dem Dreckmist von irgendjemandem gewachsen, oder?

Edward und ich verbrachten noch weitere Stunden im Spiegelsaal, der sich zu meinem liebsten Raum im ganzen Haus entwickelte, natürlich weil Edward hier mit mir zusammen war. Ich lehnte meinen Rücken auf seine Brust und spielte mit seiner rechten Hand, beobachtete die bläulich-grünen Venen auf seinen Armen, die an seiner ebenmäßigen Haut hervorstanden. Ich zog diese Linien nach und spielte mit dem Härchen auf seinen Unterarmen.

„Muss ich mich zwischen dir und meinen Dad entscheiden?“ fragte ich dann, als wir einige Minuten des Schweigens hinter uns brachten. Es war keinesfalls ein unangenehmes Schweigen. Mit Edward war sogar Schweigen ein Highlight und meine liebste Beschäftigung.
„Nein, ich werde mich zurückziehen. Der Grund warum ich hier bin, war Linda, deine Schwester, ich wollte ihren ominösen Tod untersuchen und jetzt weiß ich, dass sie sich das Leben genommen hat.“ Erschreckenderweise klang er so entschlossen, dass ich meine Bewegungen auf seinem rechten Unterarm stoppte.
„Sie hat dir viel bedeutet, hm?“ fragte ich, angefressen, dass er mich verlassen wollte. Leider konnte ich diese Tatsache nicht freundlich annehmen. Der Mann, der es bisher als einziger geschafft hatte, mein kaltes, schlafendes Herz aufzuwecken, wollte es wieder ins Koma versetzen. Ich wollte lebendig sein. Die Freude dieses Lebens fühlen. Edward durfte jetzt keinen Rückzieher machen.
„Sie war meine beste Freundin. Die Frau, die alles über mich wusste, die mir Ratschläge gab, die immer für mich da war. Also ja, sie hat mir viel bedeutet. Sie traurig zu sehen, machte mich rasend und als Folge davon: aggressiv. Aber Linda war nur die Schwester meines Herzes!“ Ich konnte sein Lächeln aus seiner Stimme heraushören und konnte die Tränen nicht verdrängen, die sich in meinen Augen bildeten. Denn es gab jemanden, mit dem ich meine Liebe zu Linda teilen konnte.
„Sie war auch meine beste Freundin, meine liebste Schwester.....Sie war alles, was man sich von jemanden wünschen konnte.“ antwortete ich auf die nicht gestellte Frage, redete mir das einfach aus der Seele heraus. Seine Arme umfassten mich stärker als zuvor, so wie ich es brauchte. Er schien meine Gedanken lesen zu können.
„Edward? Sagtest du nicht, du würdest immer bei mir bleiben? Mich immer beschützen?“ Meine Stimme klang ungewohnt brüchig und ich verdammte den Stimmen-Gott dafür.
„Wir können das nicht riskieren. Es ist mein Fehler. Ich hätte dir damals nicht sagen sollen, wie sehr du mir wichtig bist. Dein Dad und ich sind Feinde, aber er ist dein Dad und daran kannst du nichts ändern. Ich hab mir das nicht ausgesucht. Er hasst meine ganze Familie, obwohl wir nur helfen wollten.“ Er war nicht Romeo und ich nicht Julia, es konnte also nicht so schlimm werden. Mein Dad würde einfach verstehen müssen, dass es sich dabei um ein Missverständnis handelte und dann wäre die Sache beendet. Ich weigerte mich Edward zu verlieren. Wie sollte ich meine erste Liebe loslassen? Wie, wenn ich bisher vergessen hatte, dass ich ein Herz hatte? Ich würde ihn zum Bleiben motivieren. Ich werde um ihn kämpfen. Jetzt mehr denn je, wollte ich erfahren, was es mit meinem Dad auf sich hatte.

„Liebe ist keine Sünde, Edward!“ Ich drehte meinen Kopf zum ihm und sah ihm in die Augen, wollte ihm deutlich machen, dass wir nichts falsch machten. Es war doch sinnlos die Liebe aufzugeben, weil sie das Wunderbarste auf der Welt war. Okay, ich hatte es ja nicht gerade schnell kapiert, aber immerhin.

„Manchmal schon, meine Königin!“ er hauchte mir einen unschuldigen Kuss auf die Stirn, obwohl ich ihm meine Lippen entgegenhielt. Vielleicht hatte er das auch einfach übersehen.
„Wenn du jetzt denkst, dass ich dich ´mein Bettler´ nennen werde, dann irrst du dich aber gewaltig, Mister Bodyguard!“ Ich tadelte ihn und er lachte einfach herzhaft, dass ich mich zusammenreißen musste, meine Arme nicht um seinen Nacken zu schlingen.

„Nein, nein, schon gut.“ grinste er schief.





~MB~




Am nächsten Tag war ich müde und meine Augen waren schwer. Ich trug die schlimmsten Augenringe, an die ich erinnern konnte und mein Erinnerungsvermögen war weit ausgedehnt. Das Gute daran war, dass ich mit einem zauberhaften Lächeln auf den Lippen aufwachte. Edwards Werk. Ich konnte es nicht verhindern, wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen, weil Edward meinen Hals, mein Haar, meine Nase, mein Gesicht – nur meine Lippen nicht – geküsst hatte. Aber gut, in Kürze würde ich ihn soweit haben, dass er mich küsste.

Ich war dumm, hatte die Zeit verstreichen lassen, weil ich wütend gewesen war. Aber ich war grundlos wütend gewesen. Und jetzt trauerte ich der Zeit hinterher, die wir hätten miteinander verbringen können, seitdem er mir die Liebe gestanden hatte oder so ähnlich. Das richtige ´Ich liebe dich´ und ´Ich liebe dich auch´ hatten wir noch nicht. Aber alles zu seiner Zeit. Ich wollte nichts bedrängen, ich meine, er hatte genug Gewissensbisse, weil er mir gesagt hatte, wie wichtig ich ihm war, ich wollte ihn nicht noch mehr unter Druck setzen.

Zu diesem Zeitpunkt, an diesem Donnerstag, fühlte ich mich einfach nur berauscht, von der Liebe und von Edward. Die Liebe konnte einen so schnell treffen, wie ein Knall und dann war sie plötzlich da. Aber ich war von Edward von der ersten Minute an berauscht, seine Gesellschaft war so leicht und friedlich, das man nur mehr davon wollte. Es war wohl keine Überraschung, dass mich sein Ausbruch gegenüber Tom eine große Angst eingejagt hat, aber ich musste mir selbst gestehen, dass ich ihn mehr oder weniger verstand. Tom hätte wirklich jeder sein können und ich hatte mich ihm einfach furchtlos genähert, ohne eine Angst zu verspüren, die eigentlich normal gewesen wäre. Mein Schutzmechanismus war anscheinend beschädigt, wenn es um Fremde ging, wie wir es ja deutlich sehen konnten, erst bei Edward, dann bei Tom.

Heute musste ich nicht zur High School hetzen, weil ich früh genug aufgestanden und ausgeschlafen war, so dass ich meinen Kopf nicht auf die Tischplatte in der Küche ablegen musste, wie ich es jeden Schultag tat. Ich lief polternd die Treppe hinunter, tat mein Bestes um nicht über meine eigenen Füße zu stolpern, wie sonst immer, und sah meinen Vater im Foyer stehen – mit einem sehr angepissten Ausdruck auf dem Gesicht, wohl bemerkt. Renée, die ihn klagend ansah, stand daneben mit den Armen vor der Brust und funkelte ihn wütend an.

„Renée, es ist eine Geschäftsreise!“ erklärte mein Vater in der Tonlage, als würde er mit einem Kind sprechen. Renée schüttelte nur grinsend den Kopf und winkte mit einer lässigen Bewegung ab.

„Charles, denkst du, ich verlange eine Erklärung von dir? Glaubst du, es interessiert mich, wo du bist; was du machst; ob du eine Geschäftsreise oder ein -essen hast?“ Renée bedeckte ihren Mund mit der Hand und schüttelte ihren Kopf nur weiter. Jetzt wusste ich von wem ich diese lässige Ader hatte.

„Aber du bist meine Frau, es muss dich interessieren, Renée!“ Der Tonfall meines Vaters veränderte sich und wurde von ungläubig zu wütend. Irgendwie, waren die Rollen wohl etwas vertauscht. Ich hätte eher gedacht, dass Renée um Dad´s Aufmerksamkeit bettelte, nicht umgekehrt. Oder zumindest hatte ich mir vorgestellt, dass sie sich noch liebten, aber so war es nicht. Das hatte ich mir nur erhofft, denn meine Mutter – das war sie wohl, ob ich wollte oder nicht – hatte bittere Tränen geweint, als sie herausfand, was Linda getan hatte. Sie hatte sich nicht um den Schmerz anderer gekümmert, sie hatte Linda an ihre Brust gepresst und geweint. Charlie war neben dem Bett gestanden und hatte diese Szene beobachtet und ich wurde hinausgeschickt, aber ich blieb hinter der verschlossenen Tür um zu lauschen.......

„Das tut es aber nicht, Charles. Das Einzige, was mich hier hält ist Bel......“ sie wurde jäh von meinen Dad unterbrochen, als er mich erblickte.

„Prinzessin, du bist ja schon wach!“ stellte er fest und ich wunderte mich, wie er die Tonlage vor mir so verändern konnte. Edwards Worte über meinen Dad, hatten mir wohl Zweifel in den Kopf gesetzt. Was wenn er sich irrte? Mein Dad konnte unmöglich ein böser Mann sein!

„Ja, Dad, das bin ich wohl. Hast du gut geschlafen?“ fragte ich mit einem kleinen Lächeln, das völlig gefälscht war, weil ich mir immer noch Gedanken darüber machte, ´was wenn ich mich geirrt hatte?´ und meine Mutter nicht die Böse war, wie ich immer dachte. Ich wusste nicht, ob ich Renée auch fragen sollte, wie sie geschlafen hatte um einfach mal freundlich gegenüber meiner Mutter zu sein, nicht wirklich aus Interesse, aber Dad würde das auffallen und er würde das nicht gutheißen.

„Oh, ja, Prinzessin, das habe ich.“ er wandte den Blick irgendwie nervös zu meiner Mutter und forderte sie freundlich auf: „ Renée, warum schaust du nicht mal nach Amy, ob sie das Frühstück schon zubereitet hat?“ Irgendwas lief hier gründlich falsch, aber ich schwor mir herauszufinden, was in meiner Familie falsch lief. Renée lief einige Schritte voraus, kehrte dann jedoch wieder zurück – mit einem diabolischen Grinsen, das ich immer an Weihnachten hatte, wenn ich meine Geschenke schon in der Nacht, wenn alle schliefen, geheim auspackte und sie wieder einpackte damit keiner etwas merkte -, sie umfasste Dads Kinn mit ihrer manikürten Hand und erhob sich auf ihre Zehenspitzen, weil mein Dad nicht nachgab und sich auch nicht hinunterbeugte um es ihr leichter zu machen, ihn zu küssen. Renée war stur und schaffte es trotzdem, ohne der Hilfe meines Vaters. Es war ein kurzer Kuss, aber er war nicht tröstend und auch nicht der zweier Liebenden, eher ein Kuss, der auch unter Freunden ausgetauscht werden konnte oder besser gesagt: Unter Feinden. Ich erhob argwöhnisch die linke Augenbraue und beobachtete das Verhalten meiner Eltern. Das war nicht das Verhalten von einem Ehepaar, das mehr oder weniger, gut zusammenlebte und das pflanzte noch mehr Zweifel in meinen Kopf.

Dad sah Renée verwirrt hinterher, als hätte er den ersten Kuss nach zehn Jahren bekommen, oder so ähnlich. Dann jedoch fing er sich wieder und wandte sich an mich.

„Bella, gut, dass ich dich jetzt gesehen habe, Prinzessin. Ich muss dir etwas sagen, ich fliege heute nach Washington D.C., wegen einer sehr wichtigen Sitzung dort und weiß nicht, ob ich es schaffe bis morgen zurückzufliegen um dich zum Flughafen zu bringen. Aber ich weiß, du bist ein großes, verständnisvolles Mädchen!“ Er schenkte mir ein komisches Lächeln, das zum Teil gezwungen war und zum Teil irgendwie leidend. Ich ging sofort zu meiner Rolle der Roboter-Bella über und nickte verständnisvoll, auch wenn ich wusste, das etwas faul war.

„Richard ist da mich zu fahren und Edward um mich zu beschützen, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Dad. Wenn es dein Gewissen beruhigt, dann kann auch Renée mich zum Flughafen begleiten. Da werden auch Alice und ihre Mutter sein, weil Erstere mit uns mitfliegt. Ich dachte, es ist unnötig dich damit zu belästigen, also habe ich es dir nicht eher erzählt.“ Oh, das war gut, Swan. Das würde er schlucken, ich wusste es, davor würde er sicherlich schimpfen und sich etwas aufregen, aber er war Charlie Swan und verhielt sich auch den Regeln nach.

„Was will der Giftzwerg in NYC mit euch?“ spie er wütend aus und funkelte mich an. Ich zuckte mit den Schultern, es war mir zum ersten Mal in meinem Leben egal, was Charlie dachte. „Ich trage sie nicht auf meinen Schultern, Dad, außerdem fliegt Rose auch mit, wir sind drei Mädchen und Edward. Je mehr wir sind, desto lustiger wird es.“ Ein kläglicher Versuch ihn zu beschwichtigen. Woher kannte er Alice überhaupt?

„Mit dieser Familie ist nichts lustig, Bella....“ er packte mich fest am Arm und sah mich warnend an. „Ich habe es dem Cullen-Jungen gesagt, ich will nicht, dass du dich ihm unnötig näherst. Du bist ein naives Mädchen und er ein gutaussehender Junge. Zwischen dir und ihm wird nichts laufen, Isabella. Ich verbiete es dir! Diese Familie bringt uns nichts mehr als Ärger und den wollen wir nicht. Du bleibst schön auf Abstand, junge Lady. Haben wir uns verstanden?“ Aber natürlich nicht, wollte ich ihm bissig antworten. Wieso ging mir mein Dad zum allererstem Mal auf den Wecker? Und dabei so doll?

„Was hast du gegen ihn? Warum hast du ihn überhaupt in meiner Nähe gelassen, wenn er so gefährlich ist?“

„Das hat dich nichts zu interessieren, Isabella!“ schrie er mich an und verschwand in die Küche, wo er auch herumbrüllte. Ich runzelte mechanisch die Stirn. Was zum Teufel sollte das?




~MB~




Hals über Kopf verließ Charlie das Haus und machte sich auf dem Weg zum Flughafen. Ich stand noch in der Küche und schluckte den letzten Bissen meines Bagels runter, als das Haustelefon läutete und mir auf die Nerven ging. Die Melodie war einfach zum Haareraufen. Aber gut, wir waren ja eine vornehme Familie zu der das einfach gehörte. Nana hob ab, sagte den Namen der Familie und fragte nach dem Namen des Anrufers.

„Oh, Miss Dweyer, Mister Swan gerade das Haus verlassen, Sie können ihn sicher auf seinem privaten Handy erreichen. Oh, er ist nicht erreichbar? Das verwundert mich aber jetzt. Was soll ich ihm ausrichten? Okay, das mache ich, wenn ich ihn wiedersehe, aber das könnte etwas länger dauern, weil Mister Swan die Stadt verlassen wird um ein Geschäft in Washington D.C. zu erledigen.“ Nana machte komische Grimassen, die mir ganz und gar nicht gefielen, verabschiedete sich von meiner Tante – der Schwester meiner Mutter – freundlich und wünschte ihr einen guten Tag. Meine Tante war 39 und noch immer Single, was uns zu denken gab, wie sie war. Ich kannte sie nicht allzu viel, aber es war auch nicht so, dass ich sie nicht leiden konnte. Man konnte sagen, sie wäre mir egal.

„Was wollte sie, Nana?“ Sie winkte ab, zeigte ihren besorgten Gesichtsausdruck aber weiter. Ich beschloss nicht weiterzubohren.

Später - als ich das Haus verließ, hörte ich wie meine Mutter mit ihrer Assistentin telefonierte.

„Sag den Termin mit Mr. Hunt ab, kümmer dich um die Weiterentwicklung der neuen Kollektion, sag Marlene, sie soll mit den Skizzen auf mich warten. Ach ja, noch etwas, ruf die Fluggesellschaft an und versichere dich dort, dass Charlie nicht die Flüge nach NYC abgesagt hat, wenn das der Fall sein sollte, weißt du was zu tun ist. Er will um alles in der Welt verhindern, dass Bella die Stadt an der Seite der Cullens verlässt, weil sein Glanz somit schrumpft, seine Schokoladenseite würde schmelzen und Bella würde langsam verstehen, wer hier der schlechte Verlierer ist. Er kann sich nicht leisten, dass seine Tochter – wohl die einzige, die er noch beeinflussen kann -  die Wahrheit erfährt. Mach das, Katelyn. Wiederhören!“

Ich zog die Haustür langsam zu, weil sie dazu neigte, sich geräuschvoll zu schließen, diesmal wollte ich jedoch nicht, dass meine Mutter erfuhr, dass ich hinter der Tür gelauscht hatte. Je mehr ich von den Menschen in meiner Umgebung über Charlie erfuhr, desto mehr grauste ich mich vor seinen Taten.

Im Garten erwartete mich der allerschönste Ausblick, den ich mir erwünschen konnte. Glühende Hitze, grüne Bäume, Vogelgezwitscher, Rosen in allen Farben, und das heiße Teil – Edwards Motorrad, das ich so liebste und das in der Sonne so schön glänzte.

„Miss Swan...“ seine melodische Stimmte jagte mir einen angenehmen Schauer über den Rücken, trotz der schwülen Hitze. „Richard fährt Ihren Vater zum Flughafen, deshalb sollte ich Sie jetzt zu ihrer High School fahren, wenn Sie wünschen, können wir die Unwissenheit Ihres Vaters ausnützen und mit dem Motorrad fahren, weil ich weiß, es gefällt Ihnen.“ Seine bronzefarbenen Haare waren ein einziges Chaos auf seinem Kopf und ich wollte darin herumwuseln bis noch ein größeres Chaos entstand, weil seine Haare mich so dermaßen berauschen konnten.

„Es wäre mir ein Vergnügen, Mister Cullen.“ Sein grauer Anzug und seine körperliche Eleganz war zum Schreien. Besser denn Schwarz stand ihm Grau und ich musste mich zusammenreißen, damit meine Hormone nicht die Überhand gewannen und ich wie ein Dummkopf vor Edward stand. Auch wenn es noch so schwer war sich in seiner Nähe normal zu benehmen, na ja, so normal wie man nur konnte. Seine Augen bedeckte schon wieder eine Ray Ban, auch wenn ich lieber seine Augen gesehen hätte, musste ich zugeben, dass Edward Cullen mit dieser Brille auch sexy war. Er war wohl immer sexy und mein Herz wollte sich daran nicht gewöhnen.

Ich straffte meine Schultern, wollte mit erhobenem Haupt die Stufe vor der Haustür absteigen, doch irgendwie verfingen sich meine Beine und ich stolperte wieder, geradewegs in Edwards Arme, die mich vor dem sicheren Fall auf den scharfen Kiesweg bewahrten und mir einige Narben ersparten. Seine Hände legten sich auf meinem nackten Rücken, da mein Sommerkleid am Rücken tief ausgeschnitten war. Atemlos sah ich ihn an und öffnete den Mund, während ich auf meinen ersten Kuss wartete........



~MB~



"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden." ~ Friedrich Nietzsche


*

Ein Bild von Linda (wie ich sie mir vorgestellt habe):

http://www.imdb.de/media/rm124172288/nm2010527

Dienstag, 7. Februar 2012

Chapter 6: Ich kam. Ich sah. Ich fucking liebte sie.


Chapter 6:
Ich kam. Ich sah. Ich fucking liebte sie.




Liebe ist Leidenschaft, Hingabe,
jemand ohne den man nicht leben kann.
Verlieb dich bis über beide Ohren,
such dir jemanden nach dem du verrückt bist
und der dich ebenso liebt wie du ihn.
Wie man so jemanden findet?
Vergiss den Verstand
und hör nur auf dein Herz.



Edward Cullen POV:
Isabella.....

Isabella......
Isabella......

Es war ein Mittwoch und das hieß Tennis mit Lady Swan. Nicht Renee, sondern Isabella. Wenn ich ehrlich war, dann würde ich mir gestehen, dass ich gedacht hatte, sie würde sich erwachsener benehmen. Aber nach meiner nicht sehr freundlichen und vor allem wiederholten Bekanntschaft mit dem grünen Tennisball waren alle Zweifel wie weggefegt und ich sah ihre nackte, bestehende Wut vor mir.

Ich wollte sehen wie weit sie gehen konnte um mir zu zeigen, dass meine Untat nicht in Ordnung war. Verdammt, ich hatte mich sogar entschuldigt. Also was jetzt? Wenn diese Ballschläge auf meinem Körper irgendwelche komischen Signale von ihr waren, dann  musste ich gestehen, dass ich versagt hatte und sie nicht verstand. Aber langsam reichte es mir auch. Ich war keine Geduld in Person, das durfte sich Isabella merken.

Sie bekam die Bälle von ihrem Trainer zugeworfen und sie schlugen entweder vor meinen Füßen auf oder sie trafen mich. Ich empfand keine wirklichen Schmerzen, denn wie ich Isabella schon gesagt hatte und ich sagte nie etwas, das ich nicht so meinte, ich hatte Schlimmeres erlebt. Trotzdem pisste mich diese Situation an. Ich war geduldig gewesen, die ganzen gottverdammten drei Stunden. Isabella schien sich da viel mehr zuzutrauen, als sie schaffen konnte, aber ich war ja nur der Bodyguard und musste vertrauenswürdig und stumm zusehen, was mir aber schwer gelang.

Erstens: Je mehr sie Tennis spielte, desto müder wurde sie und je müder sie wurde, desto aggressiver und unausstehlicher wurde sie. Ein wahrer Teufelskreis.

Zweitens: Sie ließ es an mir aus, obwohl ihr Dad der wahre Schuldige an dieser Sache war. Aber er war ja IHR Dad und ich war ein niemand in ihren Augen. Genau das pisste mich so dermaßen an, dass sie mich nur als ihren bösen, miesen Bodyguard ansah.

Drittens: Ich würde dieser Kleinen zeigen, was es hieß Edward Cullen die kalte Schulter zu zeigen und ihn wie Luft zu behandeln.

Kaum sagte man einer Frau die Wahrheit, nämlich dass man sie total gern hatte und sie die Eine für ihn war, schon drehte sie komplett durch und machte Einen auf unerreichbar und besser. Besser im Sinne von, „Du kannst mich nicht erreichen!“ und „Du bist unter meinem Niveau!“ Eigentlich hatte ich die Kleine anders eingeschätzt. Ich wusste verdammt nochmal, dass sie nicht interessiert und aufgeblasen war, darauf konnte ich meinen Hintern verwetten und mein Hintern war mir total wichtig.

Sie konnte tun und lassen was sie wollte, ich wusste, dass der Schmerz und die Enttäuschung aus ihr sprach. Was ich noch wusste, war dass sie mich für all das zahlen ließ, was je jemand ihr in den beinahe 17 Jahren ihres Lebens ihr angetan hatte. Zusammengefasst will ich sagen, dass die Kleine schon an meinen Nervenenden zog und das war nicht gut. Ein Edward, der schnell ausrastet und angefressen ist, war gut für niemanden. Ich wette mein Ausbruch, dessen Aufbau ich schon in meinen Knochen fühlte, würde sie verschrecken. So jung und unschuldig, wie sie war.

Ihre schokoladenbraunen Augen waren so geheimnisvoll und tief, wie zwei Seen bei Nacht und der eine a lá Swan Blick, den sie manchmal hatte, wenn sie geistesabwesend ihr Schlüsselbein mit ihren Fingern liebkoste, würde mich meinen Kopf kosten. Das wusste ich bereits jetzt. Die Kleine war faszinierend. Ich hatte Frauen kennengelernt und weiß Gott, ich war kein Heiliger, aber keine Frau hatte mich jemals so interessiert, keine hatte diese Anziehungskraft und diese Auswirkung auf mich. Fuck, wenn ich bei ihr war, dann verschwand das Arschloch in mir und ich zeigte meinen weichen Kern. Ich war fürsorglich und nett.

Es waren keine Lügen gewesen, als ich ihr sagte, sie wäre die Eine und die Einzige für mich. Als ich sie sah......Gott........Ich hätte sie lieber nicht sehen sollen, aber das Schicksal wollte es so und ich sah sie. Ihr Kleid saß ihr angegossen und diese Farbe – marillenfarben Orange oder wie auch immer diese Farbe hieß – ließ ihre Haut wie einen Scheinwerfer leuchten. Die ganze Ausstrahlung der Welt schien sich in diesem Wesen angesammelt zu haben. Ihre Lippen waren rot, weil sich ihre Zähne in ihre Unterlippe bohrten und sie sich dauern über die Lippen leckte. Sie wusste nicht, was diese Geste mit mir machte. Die Kleine hatte keine Ahnung.

Ich sollte gar nicht von der Röte ihrer Wangen anfangen, weil sie so niedlich aussah, wenn ihre Wangen rot waren und sie auf den Boden blickte, weil ihr Dinge peinlich waren. Ihr war gar nicht bewusst, dass sie mich dann durch ihre langen und dichten Wimpern ansah, was mich um den Verstand brachte. Ich mochte Isabella wegen den Kleinigkeiten, die an ihr besonders waren. Zum Beispiel, wie sie aussah, wenn sie verschlafen war. Jeden Tag wenn sie sich für die High School fertigmachte – wobei das Wort fertigmachen da nicht ganz zutraf – da sie den Kopf auf dem Esstisch legte während Amy sich um alles Nötige kümmerte. Wenn es darum ging früh aufzustehen, dann war Isabella inkompetent. Eine Niete sprichwörtlich. Sie war in der Früh total angefressen und das war eigentlich die Tageszeit in der sie dich fertigmachen wird, weil sie leicht reizbar und unausstehlich war. Ich schmunzelte.

Verwunderlich war jedoch, dass sie für mich leicht zu lesen, aber andererseits auch schwer einzuschätzen war. Oft war sie geistesabwesend und da kratzte sie sich immer am Nacken oder sie kaute auf ihren Fingernägeln herum. Aber als ich miterlebt hatte, wie sie sich von ihrer angeblichen Freundin fertigmachen ließ – und ich konnte mein Temperament nur schwer zügeln, wollte aus meinem Versteck heraus kommen und der Blonden den dünnen Hals umdrehen – da war ich einfach verblüfft und ich wusste ab dann, dass Isabella mich immer wieder überraschen würde. Sie war ungewöhnlich, manchmal auch wie ein wildes Tier, das man jahrelang versuchte zu zähmen, aber vergeblich, denn innerlich würde sie diese Zügellosigkeit verwahren und ihr Verhalten niemals ablegen. Aber von der anderen Seite betrachtet war sie schüchtern, liebevoll und zurückgezogen. Manchmal schien sie sich mit anderen Menschen aus ihrer Umgebung wortlos zu verstehen und ich wollte ein Teil dieser Gesellschaft werden, mit der sie wortlos verstehen konnte.

Isabella schien sich in den letzten vier Jahren eine Welt geschaffen zu haben, eine Illusion, eine Welt, die es nur in ihrem Kopf gab, ich vermutete, dass Edward, für den sie mich gehalten hatte, ein Teil davon gewesen war. Mein wahrer Beruf, mein wahres Sein, hatte diese Bilderbuchwelt verletzt. Das was ich war stellte für sie eine Gefahr dar, der sie sich noch nicht erliegen wollte. Jetzt weigerte sich Isabella mir nochmal zu vertrauen, weil sie Angst hatte ich könnte sie nochmal verletzten. Es war leichter für sie mich zu hassen. Ich wusste nicht warum, aber seitdem ich ihr meine Gefühle offenbart hatte, ich wusste nicht ob ich diese Tat bereuen sollte oder nicht, zog sie ihren wahren Charakter mehr zurück und ließ die verletzte Bella raushängen. Vielleicht hätte ich ihr nicht sagen sollen, wie sehr ich sie bewunderte. Sie war doch noch ein Kind und ich fühlte mich scheiße deswegen. Es war abnormal sich in eine Sechzehnjährige zu verlieben. So viele Frauen hatten versucht mich für sich zu gewinnen und da kam ein kleines Mädchen und wickelte mich um den kleinen Finger? Das war absurd, unfassbar, einfach unfassbar.

Und trotzdem war es so.



~MB~




„Ich denke, das ist genug für heute, Bella“ sprach dieser Embry auf sie ein. Anstatt zustimmend zu nicken oder sie am Arm zu packen und nach Hause zu bringen, schob ich mir meine Ray Ban auf die Nase und lehnte mich provokant zurück. Ich hatte ihre zornigen Blicke auf meinem Körper gefühlt. Isabella war verdammt angepisst, nicht dass sie kein Recht dazu hätte. Es war ihr Recht angepisst zu sein, aber sie entkräftete sich selbst nur um jemanden etwas zu beweisen. War ich dieser jemand? Wenn schon, was wollte sie mir denn beweisen? Ich verstand diese Nachricht nicht. Sowas kam bei mir nicht an.

„Nein, ich kann noch mehr.....“ hörte ich sie schneiend antworten.

Akzeptierte es dieses kleine Mädchen nicht, dass jemand sie lieben konnte? Ohne Interesse und Pläne, einfach so wie sie war. Ich wollte Isabella so verzweifelt verstehen. Ich wollte mich nach ihr richten. Aber wie, wenn sie immer abblockte, wenn ich sie etwas fragte und das schon seit zwei Tagen? Irgendwann war ganz sicher Schluss mit meiner Geduld.

„Isabella, du wirst einen Muskelkater bekommen, du überschätzt deine Grenzen.“ ermahnte ihr Trainer sie.
„Ich kann das, sagte ich.....Außerdem, wieso mischst du dich ein......Du weißt, dass ich gut genug bin und auch ohne dich auskommen kann. Also los zisch ab, ich kann das hier auch allein.“ Sie ging automatisch in Abwehrhaltung und es war nicht dieser verletzte Ausdruck, den sie während der Auseinandersetzung mit Jessica gezeigt hatte, sondern eher ein völlig fremder. Eine kleine Falte bildete sich auf der Stirn zwischen ihren Augen und schien diesen Ausdruck schon einmal gesehen zu haben. Es war der Ausdruck, den sie am Abend als wir uns kennenlernten, gezeigt hatte. Der entschlossene Ausdruck a lá Swan.

Als ich diese Worte hörte, die eindeutig nicht zu der Isabella passten, die ich kennengelernt hatte, stand ich auf und ging auf sie zu. Embry hatte sie sekundenlang angestarrt und war dann nach Hause gegangen. Vielleicht traute er sich nicht mit der Swan Tochter auseinanderzusetzen, was ich auch völlig verstand, denn nicht jeder war so blöd und verliebte sich in sie, trotz der Gefahr, die diese Liebe mit sich brachte. Völlig schwachköpfiger Cullen, beschimpfte ich mich selbst in Gedanken.

„Isabella“ Nichts. Stille.

„Isabella“ Ein kleines Schnauben ihrerseits. Ansonsten Stille.

„Isabella“ Meine Stimme klang in meinen Ohren fremd und laut. Ich sah wie sie zusammenzuckte, trotzdem ihre Schultern straffte und ihren Blick auf den grünen Ball vor ihr richtete. Als ich sie erreichte, legte ich meine Hand auf ihrer rechten Schulter, doch sie schüttelte sie vehement ab. Sie warf den Ball hoch und positionierte ihren Schläger so, dass sie den Ball genau treffen konnte. Sie rechnete jedoch nicht damit, dass ich viel größer als sie war und den Ball eher erreichte, als sie ihn mit ihrem Schläger in die Luft befördern konnte. Als ich ihr ihren Ball wegnahm, sah sie mich einfach nur entgeistert an. Ihre Augen flackerten und in ihrem Hirn ratterte es gewaltig.

Ich hasste es immer ihre kalte Schulter zu bekommen oder wie Luft behandelt zu werden. Es machte mich rasend.



„WAS?“ schrie sie wütend und klemmte eine ihrer widerspenstigen Strähnen hinter ihr linkes Ohr. Mein Herz begann zu hämmern und mein Hals wurde trocken. Ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus und ich wusste, dass ich ausrasten würde, wenn sie mich weiter anschrie. „Kannst du damit aufhören? Ich will mich nicht mit dir gut verstehen. Ich kann nicht. Du weißt so viele Dinge über mich und ich hasse das. Ich will mit einem Fremden reden. Mit jemanden, der nichts von mir weiß.“ Ich versteifte mich und sah sie regungslos an. In diesem Moment wusste ich nicht was ich empfinden sollte. Ihr Schmerz war mein Schmerz. Ich hatte sie enttäuscht und ihr eigener Vater war schuld daran. Mieser Charlie Swan. Dieses Arschloch. Er verflucht hasste mich, sowie er meine ganze Familie hasste.

Glaubt mir, ich wusste warum Charlie mich ausgewählt hatte um seine Tochter zu beschützten. Er hatte erfahren, dass ich 18 Monate in Afghanistan verbracht hatte und das passte ihm ausgezeichnet. Natürlich wusste ich, dass er mich gewählt hatte, weil ich mit Dad zerstritten war. Er hasste meinen Dad so abgrundtief, vom kleinsten Zeh bis zu den blonden Haarspitzen. Was hatte Charlie schon? Emmett war in New York, weit weg von seinem Vater, dort wo dieser ihn nicht beeinflussen und beherrschen konnte. Seine Frau verweilte bei ihm wegen Isabella, welche die Augen so weit geschlossen hatte, dass sie Charlies wahres Gesicht nicht erkannte. Sie vertraute ihm blind und das war nicht gut für sie. Sie kannte ihren wahren Vater nicht. Denn wenn sie es täte, würde sie ihn hassen. Weil er ihr das Beste genommen hatte. Er war der verfluchte Schuldige an Lindas Selbstmord. Ich wusste das und diesen Gedanken würde keiner aus meinem Kopf löschen. Es war ein Gedanke, den ich nicht ertragen konnte. Aber nie in meinem verdammt sinnlosen Leben hätte ich gedacht, dass ich mich hier in die Schwester meiner besten Freundin verlieben würde. Nie. Das war ein gewaltiger Strich durch die offene, unbezahlte Rechnung.

Wäre da nicht Renée, die ich wie eine Tante liebte und Isabella über die ich alles wusste, hätte ich diesen Job niemals akzeptiert.  Aber Jasper waren der eigentliche Grund, warum ich Charlies Bedingungen zugestimmt hatte und Isabellas Schatten sein wollte.

Emmett und ich waren Freunde seit unseren Kindertagen, noch weit bevor Isabella auf die Welt kam. Was Charlie nicht so gut gefiel, aber Emmett war außerhalb seines Einflussgebiets, deshalb konnte Charlie ihm seine Freunde nicht aussuchen. Dort wo Emmett war ging es ihm gut. Der genau Gegenteil von Isabella, die immer tiefer in das Loch von Trauer und Schmerz entglitt.

Ich konnte mich an die Worte Renées erinnern, als sie einmal im Wohnzimmer meiner Eltern saß, die Hand auf ihrem runden Bauch gepresst. Sie hatte im Glauben gelebt, dass es ihren Kindern gut gehen würde, an der Seite ihres Dads, deshalb ging sie auch nach unzähligen Trennungen und Streitereien immer wieder zurück zu ihm. Renée hatte große Opfer gebracht, aber nicht einmal in einem Alptraum hätte sie erwartet, dass es ihre Tochter treffen würde, die jetzt zwei Meter unter der Erde lag und von ihr nichts mehr blieb außer Knochen. Charlie hasste Dad, weil meine Eltern Renée oftmals geholfen haben, genau Denselben zu verlassen und ein neues Leben anzufangen, aber Renée war geduldig gewesen und hatte ihrem Mann vertraut. Was für ein fataler Fehler!

Er ist grausam. Ein Tyrann, Esme. Aber er ist der Vater meiner Kinder und verdient eine zweite Chance. Mit all meiner Liebe werde ich ihn ändern. Du wirst schon sehen.

Das Beste, was sie erreicht hatte, war ihre Kinder so großzuziehen, dass sie keine Snobs wurden, wie ihr Ehemann. Charlie konnte sie nicht ändern. Renée war für ihn nie gut genug gewesen und er hatte ihr keine Pause gegönnt, in der er ihr nicht unter die Nase rieb, dass sie aus ihrer Zukunft mehr hätte machen können, als nur eine Mutter zu werden und zuhause zu bleiben um sich um die kleinen Zwerge zu kümmern.

ER war der eigentliche Grund, warum Renee sich nach der Geburt von Isabella getraut hatte, für ihre Zukunft und die ihrer Kinder etwas zu tun. Jetzt, wo sie selbstständig ist und Charlie verlassen könnte, sieht ihre eigene Tochter sie als größte Erzfeindin.

Isabella sah ihren Vater als ihren Helden. Ihre Mutter war in ihren Augen die Eisprinzessin.

Und ich Arsch hatte es schrecklich nötig gehabt die Kleine lieb zu gewinnen. Ich war wegen etwas völlig Anderem hier. Ich wollte erfahren, was mit Linda Swan geschehen war. Dass sie einen Treppensturz erlebt und an Gehirnerschütterung gestorben war, wie Charlie Swan angegeben hatte, glaubte ihm weder Jasper – mein bester Freund – noch ich. Jasper hatte Linda mehr als sein Leben geliebt und deshalb hatte er mich überzeugt, dass ich nach Seattle kam und über seine verstorbene Liebe die Wahrheit erfuhr.

Wie sollte ich ihm von ihrem Selbstmord erzählen?

Ich empfand etwas wie Mitleid für Isabella. Ihr Leben lang wurde ihr die Wahrheit vorenthalten und sie lebte wahrhaftig in Lügen und erfundenen Geschichten, die nichts mit ihrem Leben zu tun hatten. Wenn sie die Wahrheit erfuhr, würde sie am Boden verletzt sein. Aber ich war verantwortlich dafür ihr die Wahrheit zu erzählen, damit sie aufhörte wie ein Schlafwandler durch die Welt zu wandern und nach dem richtigen Pfad im Leben zu suchen.

„Jetzt tut er so als hätte er schlechtes Gewissen. Tsss......Dass ich ihm das nicht abkaufe, ist ja wohl klar, nach dem, was er mir angetan hat.“ Sie verdrehte die Augen und ihre Worte holten mich aus meiner Vergangenheitsreise zurück. Ich streckte meine Hand nach ihr aus, doch sie stolperte über ihre eigenen Füße beim Versuch vor mir zu fliehen. Ich fing sie auf, bevor sie mit ihrem Arsch auf dem Boden knallen konnte. Sie war ein kleiner Tollpatsch.

„Gehört das alles zum Hassen-wir-Edward-Versuch?“ fragte ich sie als ich sie so nah wie möglich an mich hielt. Sie seufzte leise als unsere Körper sich berührten, schloss ihre Augen und atmete ein paar mal durch. Fuck, sie fühlte genauso wie ich, das wusste ich, nur ihr verletzter Stolz ließ nicht zu, dass sie sich mir gegenüber öffnete und mich als ihren Bodyguard und auch als Edward akzeptieren.
„Es ist kein Versuch. Ich werde es schaffen. Eines Tages werde ich dich so abgrundtief hassen. Das wird das Einzige sein, das mich am Leben halten wird.“ Ihre zu schmalen Schlitzen zusammengekniffenen Augen sahen mich scharf an und ich grinste. Sie war süß, wenn sie versuchte mich zu hassen. Wenn ich behaupten würde, dass ihre Worte mich kalt ließen, dann wäre das ein glatter Versuch zu lügen.
„Nein, Isabella. Eines Tages wirst du mich so sehr lieben, dass ich immer der Letzte sein werde, den du vergessen kannst.“ versprach ich ihr. Wenigstens wünschte ich mir das, weil ich vor Liebe zu ihr verrückt wurde. Obwohl ich sie nicht lieben durfte. Wenn sie jemand anderer wäre und ich auch, dann wäre es so viel leichter für uns. Ihr Vater hatte mich gewarnt, ich sollte mit niemandem in seinem Haus etwas anfangen, oder ich würde es bitterböse bereuen. Als hätte er verdammt gewusst, dass ich, sobald ich seine Tochter erblickte, meinen Kopf verlieren würde.
„Da solltest du dir aber nicht so sicher sein, Freundchen. Vielleicht weißt du Dinge über mich, aus meiner Vergangenheit, aber du hast keine Ahnung was in der Zukunft sein wird. Vielleicht schaffe ich es ja dich loszuwerden und somit unsere Zukunft voneinander zu trennen.“ Ihre kleinen Hände drücken sich gegen meine Brust als sie sich von mir loszureißen versuchte. Ich weigerte mich, sie loszulassen. Ich fühlte ihre körperliche Nervosität und wusste, dass sie etwas für mich empfand. Das war ja überdeutlich. Aber ich weigerte mich für uns zu kämpfen, weil es so viele Dinge gab die uns trennten. Ich dufte sie nicht lieben. Ich durfte es einfach nicht. Ich war stark, ich würde es schaffen, Isabella zu widerstehen und sie war jung, sie würde ihre Gefühle vergessen. Sie würde jemanden anderen finden, der sie glücklich machen konnte. Wieso grauste mich nur der Gedanke ihr fern zu bleiben? Wieso gönnte ich ihr das Glück an der Seite von jemanden anderen?
„Ich bin hier um dich zu beschützen und ich werde meine Aufgabe mit Bravour bestehen. Keine Sorge, ich werde dich nicht mit meinen Gefühlen erdrücken und dir auch nicht hinterher hecheln wie ein Hündchen.“ Ich ließ sie mit einem Ruck los und sie taumelte nach hinten. Zu meinem Glück konnte sie ihr Gleichgewicht fangen und bewahrte sich selbst von einem Fall. Ich machte einige Schritte in Richtung Garderoben, blieb stehen und sprach autoritär zu ihr: „Und jetzt packst du deine Sachen zusammen und bist in weniger als fünf Minuten beim Auto. Wenn du es nicht bist, komme ich zurück und hole dich.“

Ich wartete keine Reaktion von ihr ab. Wenn ich hart und unnahbar zu ihr war, wenn ich sie kalt behandelte, dann würde sie mich hassen und wenn sie mich hasste, würde mir leichter fallen sie nicht als Frau zu sehen. Sondern als ein kleines Mädchen, das einen kompetenten Bodyguard brauchte, der sich um ihre körperliche Sicherheit sorgte.




~MB~




Kaum hatte Richard den Motor abgedreht, schon flitzte Isabella rennend aus dem Auto. Mit Sicherheit war ich zu hart zu ihr gewesen, aber sie musste sich daran gewöhnen. Fuck, wieso fiel es mir so schwer hart und unnahbar zu ihr zu sein? Mein Herz fühlte sich an, es hätte man mir einen Stein an die Brust genäht, das mir das Atmen erschwerte und mich erdrücken wollte. Ihre kindlichen Spiele brachten mich auch zum Wahnsinn, eigentlich dachte ich, dass ich sogar Spaß haben würde, wenn sie mich hasste. Aber es verletzte mich. Mich den unverwundbaren, starken Edward. Da ging etwas gewaltig schief und das war nicht nach meinem Geschmack.

Ich musste standhaft bleiben, damit sie nicht dachte, sie könne mit mir Spielchen spielen nach ihrem Willen. Sie war nicht versnobt und ich würde nicht zulassen, dass sie es wurde. Sie würde ein normales Mädchen werden, das normale Freunde hatte und sich normal entwickeln konnte. Auch wenn das bedeutete, dass ich nicht normaler Kerl, von ihr wegblieb. Sie nicht riechen und einatmen konnte und auch nicht halten.

Ich schüttelte den Kopf, ehe ich mich in meinen Gedanken verlieren konnte. Fuck, sie ist ein Kind. Ich durfte diese Gefühle nicht für sie haben.

Ich stand vor der geschlossenen Tür, bevor ich einen Anstand machen wollte um die Haustür zu öffnen wurde sie mir vor der Nase aufgerissen. Renée stand dort und lächelte als sie mich sah.

„Edward. Hi!“ sagte sie liebevoll und ging zur Seite um mir den Weg freizumachen.
„Mrs. Swan“ nickte ich ihr zu und sie verdrehte die Augen.
„Nenn mich doch bitte Renée, wie in den vergangenen Zeiten.“ Ihre blauen Augen strahlten ihre Fröhlichkeit aus, die sie empfand, weil sie mich gesehen hatte. Renée mochte mich, soviel stand fest. Was ja auch kein Wunder war, da ich an ihrer Seite praktisch aufgewachsen war. Ich erkannte einige Ähnlichkeiten mit Linda an ihrem Gesicht. Nicht nur die blauen Augen, sondern auch im Verhalten gab es Ähnlichkeiten zwischen den beiden.

Beide hatten an Charlies Gutmütigkeit geglaubt und waren gescheitert. Eine mehr als die andere.

„Wolltest du ausgehen, Renée?“ fragte ich lächelnd.
„Ja, ich muss mich um einige Angelegenheiten in ELB-Fashion kümmern. Meine Anwesenheit wird dort gebraucht.“ Sie schien etwas anderes sagen zu wollen, aber sie verschwieg dies. Ich nickte. Ich freute mich sie zu sehen.
„ELB-Fashion? So wie Emmett Linda Bella – Fashion?“ Sie legte ihre Hand auf meiner Schulter und lächelte mich an. Ihre mütterliche Zuneigung überraschte mich nicht einmal, weil Renée sich immer sehr liebevoll und fürsorglich für ihre Kinder und mich gekümmert hatte. Isabella war da wohl ein dunkler Fleck auf dem weißen Satin. Renée war nicht glücklich, aber ihr Make-Up leistete gute Arbeit und sie sah plausibel aus.
„Ja! Meine Kinder sind das Einzige, was noch zählt, Edward. Sie sind das Allergrößte. Emmett geht es dort gut, wo er ist. Natürlich fehlt ihm seine Freundin, aber er macht sich gut.“ Ein trauriges Lächeln huschte über ihre Züge und ihr Blick schien wie durch einen Schleier eingenommen zu werden. „Ich hatte meiner verstorbenen Tochter versucht unter die Arme zu greifen. Denn sie war dasselbe naive Wesen, das einmal an ihn geglaubt hatte und versagte. Aber ich werde nicht zulassen, dass meiner Jüngsten dasselbe widerfährt wie Linda und mir.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie lächelte über diese hinweg. Ein Instinkt, ich wusste nicht welcher es war und warum ich auf diesen hörte, veranlasste mich dazu, Renée zu trösten. Ich nahm sie in meine Arme und hielt sie während sie weinte. Sie war nicht das Monster für das man sie hielt. Ich musste es wissen, meine Familie wusste es, ihr Mann wusste es. Isabella musste es erfahren. Sie musste wissen, dass sie in höchster Schuld zu ihrer Mutter stand und ihr Dinge zutraute, die Renée nie getan hatte. Sie war eine gute Mutter, denn keine andere hätte ihr Leben für ihre Kinder geopfert um bei einem Tyrann zu leben, wie es Swan war.

Ein Applaus, der im langen Foyer widerhallte, ließ Renée und mich auseinanderfahren. Isabella stand dort, lächelte diabolisch, irgendwie auch irre, konnte man sagen, ihre langen Haare pustete sie aus dem Gesicht und die Hände hatte sie in ihre Hüften gestemmt. Renée warf mir einen verängstigen Blick, doch ich versuchte sie mit meiner ruhigen Miene so gut wie möglich zu beruhigen.

„Oh, wie rührend. Das Ungeheuer weint.“ Theatralisch griff sich Isabella an ihr Herz und begann dann hysterisch zu lachen. „Und nebenbei wird sie von dem Mann getröstet, der nicht einmal vor 48 Stunden mit mir über seine Gefühle geredet hat. Wie herzzerreißend! Fucking unglaublich.“ Ihr Gesicht nahm einen harten Ausdruck an und ich ballte meine Hand zur Faust. Die Kleine überschritt die Grenze meiner Geduld. Ich musste mich zusammenreißen um ihr nicht die ganze Wahrheit ins Gesicht zu schleudern, so wie sie es in diesem Moment verdient hätte. Aber ich wusste, das war geschmacklos und würde sie in ein noch tieferes Loch ziehen. Ihr Vater war ihr Augenlicht. Sie glaubte an ihn. Ich konnte ihr dieses Licht nicht nehmen. Wer war ich schon? Ein Mann, dem sie nicht vertrauen wollte, ein Fremder, einer den sie nicht in ihrem Leben haben wollte.

„Mein Schatz.....“ fing Renée an.
„Ich bin es leid deine faulen Ausreden zu hören.“ Traurig schüttelte Isabella den Kopf.
„Bella.....ich.....“
„Ich sagte, ich will deine Ausreden nicht hören. Verstehst du? Ich bin es leid. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Es ist aus, Renée. Das Fass ist übergelaufen. Es ist genug.“ Isabella hatte sich genähert, streckte ihre Hand aus und berührte mit ihrem Zeigefinger die Wange ihrer Mutter. Ich hielt mich gekonnt heraus, wollte ihnen die Privatsphäre geben, die sie brauchten. „Sind die etwa echt?“ fragte Isabella als sie auf ihren Finger sah. Sie meinte wohl die Tränen ihrer Mutter. Ich presste meinen Kiefer fest aufeinander und schloss kurzerhand die Augen um sie nicht gegen eine Wand zu drängen und sie anzubrüllen. Ich konnte fucking aggressiv sein, wenn man mich reizte.
„Bella, ich würde dir so gerne einige Dinge erklären, aber........“ Isabella lächelte schon wieder dieses falsche Lächeln, das mich irritierte und schüttelte enttäuscht den Kopf. Als würden ihr die Worte ihrer Mutter Übelkeit verursachen.
„Aber was? Musst du dir zuerst eine glaubwürdige Geschichte zurechtlegen?“ Schon wieder straffte Isabella ihre Schultern und sah ihrer Mutter selbstbewusst ins Gesicht. Dann wandte sie sich an mich. Ihr Blick war so traurig, dass ich sie so sehr trösten wollte. „Sie ist der Grund, warum ich deine Gefühle nicht erwidern kann. Warum ich nicht vertrauen kann. Warum ich immer wieder verletzt werde. Warum ich mich unwohl in meiner eigenen Haut fühle. Wie soll ich dich lieben, wenn ich mich selbst nicht liebe?“ Sie schloss gequält die Augen. Oh Baby, ich kann dich lieben und dir beibringen zu lieben. Kleines, süßes, gebrochenes Mädchen. Genau das war es, was ich ihr sagen wollte. Aber ich tat es nicht. Weil ich sie damit nur noch mehr verletzten würde.
„Isabella, deine Mutter trägt nicht die Schuld an der ganzen Situation. Würdest du deine Augen für die Welt öffnen, dann könntest du die Wahrheit wahrnehmen und sie erkennen. Du schließt die Augen vor der Wahrheit, weil du Angst hast, dass die Welt in der du lebst ganz anders ist, als du sie siehst.“ sprach ich auf sie ein und fixierte ihren Blick. Wie benommen starrte sie mich an. Für eine längere Zeit sagte keiner ein Wort. Isabella und ich sahen uns einfach an. Stumm. Verstanden uns non verbal. In diesem Moment schien sie mir zu glauben, aber Renée zerstörte diese Kommunikation mit ihren Worten. Sie fütterte das Ungeheuer in Bella mit ihren Worten nur noch mehr.

„Ich warte auf den Tag, an dem du zu mir kommst und wir als Mutter und Tochter neu anfangen können“ sagte Renee traurig und schloss die Haustür hinter sich. So schnell wie ich blinzeln konnte, nahm sich Isabella die schöne Vase von dem kleinen Tischchen im Foyer und warf sie Renee hinterher.

„DANN WIRST DU LANGE DARAUF WARTEN!“ schrie sie ihre nicht mehr anwesende Mutter an. Natürlich war die Vase zersprungen und die Scherben lagen zu unseren Füßen ausgebreitet. Ich wartete darauf Isabella zu fangen, wenn sie zusammenbrach, aber nichts geschah, außer dass sie noch wütender wurde. Dann richtete sie ihren Blick direkt auf mich und sah mich wütend an.

„Ich sollte dir eigentlich dankbar sein, weil dein Vertrauensbruch geholfen hat, die Wahrheit zu erkennen und jeden für ihre Taten bezahlen zu lassen. Anstatt den Schmerz in mich hineinzufressen, werde ich ihn zu jeder Mahlzeit servieren. Ich werde nicht wie Linda enden!“ Ihre Augen waren pechschwarz, sie war blass im Gesicht, wie eine Leiche und ihre Lippen waren rot, ein krasser Gegensatz zu ihrem leblos wirkenden Gesicht.

Isabella zerbrach an dem Wunsch ihr Leben zu verändern. Denn sie verstand gar nichts von dem was sich um sie herum abspielte. Sie ließ Renée nicht einmal die Chance ihr Herz zu erreichen. Beide waren unglücklich, Mutter und Tochter. Aber sie konnten die Dinge nicht verändern. Ich jedoch konnte Isabella dazu bringen, ich brauchte nur den richtigen Zeitpunkt um dies zu tun. Die richtigen Leute um mich herum und die richtige Atmosphäre.
Sie musste die andere Seite der Geschichte erfahren, ganz dringend und unbedingt. Egal, was es kostete. Egal, wie sehr es schmerzen würde.

Ich musste Lindas Schwester von den bösen, gemeinen, dunklen Seelen, die sie heimsuchten, befreien, soviel war ich Linda schuldig. Ich hatte das dringende Bedürfnis sie aus diesem kalten Loch zu befreien und sie an einen sicheren Ort zu bringen, wo sie das Haus im Wald, ein ruhiges Leben und einen kleinen Garten hätte, das sie sich so sehr wünschte. Wo sie so sein konnte, wie sie war. Ein Mädchen unter vielen anderen und keine vorprogrammierte Tochter, die von ihrem Vater unterdrückt wurde, der ihr seine Wünsche aufzwängte.

An meiner Seite müsste sie gar nichts sein. Sie konnte arm, hässlich, klein, alt.....sogar runzelig und mit weißen Haaren sein, ich würde sie verdammt nochmal lieben. Sie konnte mich haben, solange sie mich wollte. Ich war für sie da und würde sie niemals enttäuschen. Denn ja, sie war die Eine und die Einzige für mich. Das wusste ich von der ersten verdammten Minute in der ich sie sah.

Ich kam nach Seattle. Ich sah Lindas Schwester. Ich fucking liebte sie sofort, im ersten Moment und mit allererstem Atemzug.




~MB~





Zur Zeit des Abendessens hatte ich das dringende Bedürfnis mit jemanden zu reden. Ich wollte zum Haus meiner Eltern, um dort mit Alice zu reden. Meiner kleinen Elfe. Tinkerbell. Ich vermisste meine Familie, schrecklich. Ich hatte sie verdammt lange nicht gesehen. Vermutlich war ich die ruheloseste Seele der Welt seit dem 11. September 2001, wo die ganze Katastrophe ihren Beginn fand.

Die Swans waren in ihrem Esszimmer versammelt nur Isabella fehlte. Fuck, Isabella. Warum verdammt nochmal musste ich derjenige sein, der sie enttäuschte. Ich sollte sie beschützen. Ich sollte sie lieben und halten. Nicht enttäuschen. Das übernahm ihr Vater schon verlässlich, aber seine schlechten Taten fanden ja nicht bei Tageslicht statt und wurden auch nicht sofort sichtbar. So verdammt schlau, wie er das anstellte. Was brachte es Charlie Swan seine Familie zu zerstören? Ich verstand ihn nicht und vermutlich würde ich das auch nie tun. Denn wir waren zwei unterschiedliche Menschen. Vielleicht war ich nicht reich, bei weitem nicht so sehr wie er, aber wisst ihr was, ich brauchte das auch nicht. Ich sehnte mich nicht danach ein reicher und unerträglicher Schnösel zu werden. Ich war ein Mann, der für seine Familie kämpfte bis zum letzten Atemzug, nicht ein verdammter Frauenhasser, oder Kinderhasser, wie er es war.

Ich würde jedem die Finger einzeln ausreißen, der es wagte meine Frau und meine Kinder zu verletzen. Und mit Sicherheit würde ich nicht die wichtigsten Menschen in meinem Leben selbst zerstören. Hirnrissig. Aber ich wollte Charlie Swan auch nicht verstehen, der sich selbst für einen verdammten Gott hielt oder was auch immer. Ich war ein einfacher, ehrlicher Mann, der zu seinem Wort stand und loyal bis zum Tode war. Kein Schmeichler und auch kein Frauenheld, nicht, dass ich zu hässlich dafür wäre, oder dass ich unbeachtet blieb. Aber ich spielte nicht mit Gefühlen anderer. Deshalb setzte mir die Situation mit Isabella so sehr zu, weil ich sie offensichtlich verletzt hatte und das konnte ich mir nicht verzeihen. Apropos Isabella.....

Als ich sie die Treppe hinuntersteigen sah, riss ich meine Augen auf. Ihre langen Haare fielen ihr fließend in großen Locken über die Schultern. Ihr Gesicht sah ganz anders aus. Sie sah gesünder aus als am frühen Nachmittag nach dem Training. Make-Up war nur dezent auf ihrem Gesicht zu finden. Das weiße T-Shirt, das sie an hatte, war ausgewaschen und in einer Übergröße. Vielleicht war sogar Emmetts, da konnte ich mir nicht sicher sein. Aber die Jeans, die sie trug war ein Einzelstück, vielleicht sogar speziell für sie angefertigt. Aus dunkelbraunem Leder mit Verzierungen wie bei Catwoman. Als sie mich passierte, schenkte sie mir ein niedliches Lächeln. Obwohl sie mit Sicherheit noch wütend war. Nein, Edward, natürlich ist sie nicht wütend. Sie würde dich nur gerne zu Hackfleisch verarbeiten. Sie verfluchte Kacke hasste mich und das war eine Tatsache, die ich nicht akzeptieren konnte.


„Guten Abend, Daddy!“ sagte sie liebevoll und ging zu ihm um ihn zu küssen. Renée warf Charlie einen wütenden Blick zu, ihrer Tochter einen sehnsüchtigen. Wann war das letzte Mal, das Renée einen Kuss von Bella bekommen hatte? Diesmal ignorierte Isabella ihre Mutter vollständig. Das pisste mich so richtig an. Benahm sie sich jetzt wie ein verwöhntes Daddy-Girl? Ich musste meine Augen verdrehen bei diesen Schmeicheleien.
Ich trat unangekündigt in den Raum, alle sahen mich etwas verblüfft an, als wäre ich ein tanzender Bär und Charlie warf mir einen genervten fragenden Blick zu. Isabella besaß die Frechheit zu lächeln. Du Luder..... Meine Arme vor meiner Brust verkreuzt und die Beine fest auf dem Boden geerdet, stand ich da neben dem Esstisch und sah niemand bestimmten an. Und schon gar nicht sie.

„Sir, entschuldigen sie die unangebrachte Störung!“ begann ich und legte mir meine schon eingeübten Worte zurecht.
„Ja, Cullen, diese Störung während dem Abendessen ist tatsächlich unangebracht, aber was wünschen Sie?“ Ich unterstand dem Drang meine Augen zu verdrehen. Oder ihm einen Kinnhaken zu verpassen. Ihm vielleicht auch einige Rippen zu brechen. Aber da wäre ich gefeuert und die Chance, Isabella die Augen zu öffnen, würde vollkommen unmöglich werden. Da der Meister sogar in Anwesenheit seiner Gorillas speiste, sowie Isabella sie nannte. Ich musste grinsen, aber ich tat es nicht.
„Ich würde gerne meine Familie besuchen, wenn die Lady für heute Abend nichts geplant hat.“ Ich warf Isabella einen Blick zu, doch sie lachte mich leise aus. Dieses kleine Luder hatte etwas Bitterböses geplant. Schön, dass sie sich köstlich amüsierte, während ich hier mit dem größten Feind der Menschheit zu kämpfen hatte. Okay, das war etwas übertrieben, aber Swan war wirklich nicht zu unterschätzen. Ihn mochte man nicht als Feind haben, aber ich tat es und wenn er meinen Vater hasste, dann könnte er mich verflucht nochmal nicht lieben. Ganz sicher nicht. Ich glaubte nicht an seine Gutherzigkeit. Ich war ja kein Trottel.
„Wenn Bella nichts dagegen hat, dann können Sie sich den restlichen Abend frei nehmen, solange Sie am nächsten Tag pünktlich zur Arbeit erscheinen.“ schnaufte Mr.Swan und sah erwartungsvoll zu seiner Tochter.

Sie schob sich ihr Essen genüsslich in den Mund und tat so als würde sie nicht bemerken, dass man auf ihre Antwort wartete. Als sie das nach gefüllten zehntausend Stunden bemerkte, schob sie überrascht ihre Gabel beiseite und lehnte sich zurück um mit einer Stoffserviette den Mund zu säubern.

„Umgh!“ schmollte sie. „Ich würde mich freuen, wenn sie zuerst mit uns speisen würden, Mr. Bodyguard. Anschließend können Sie zu ihrer Familie gehen. Aber erst dann.“ Die letzte Aussage gab sie bissiger von sich als erwartet. Dann lächelte sie wieder.
„Natürlich, Edward. Setzt dich zu uns.“ lächelte Renée, der der Ton Isabellas wohl entgangen sein musste. „Amy, können Sie das Essen für Edward servieren.“ Charlie warf seiner Frau einen fragenden Blick zu und diese lehnte sich ebenfalls selbstgefällig, wie ihre Tochter zuvor, in ihren Sessel zurück. Diese Familie war nicht mit meiner zu vergleichen. Das Haus meiner Eltern wurde von einer angenehmen, freundlichen Aura umgeben. Nicht von einer Falschheit und Schauspielerei, wie dieses hier. Man konnte nach der erdrückenden Atmosphäre beinahe greifen, so schnell kippte hier die Stimmung um. Wenn ich ehrlich war, dann gab es gar keine fröhliche Stimmung hier. Meine Schwester hörte nie auf zu plappern auch beim Tisch nicht. Meine Mutter hörte nie auf zu Lachen, wenn sie sogar im Sterben läge und mein Dad bewarf seine Mitmenschen mit seinen Lebensweisheiten und half ihnen immer aus der Patsche. Das war meine Familie. Ich konnte sogar die Füße auf den Tisch legen, meine Mutter würde mich nur tadeln und dann würde sie lächeln, weil ich ein Hitzkopf war, wie sie mich liebevoll nannte.

„Ach, Daddy, Renée und Edward sind sehr gut angefreundet. So gut, dass sie ihm ihr Herz ausschüttet und vor ihm weint.“ unschuldig schob sie sich ein Stück Fleisch in den Mund und sah auf ihren Teller. Oh, ich wollte ihr an die Gurgel springen, weil sie sich so kindisch und so gar nicht ihrem Verhalten entsprechend benahm.
„Ist das so, Renée?“ fragte Charlie und sah seine Frau durchdringend an.
„Ich denke, Isabella hat da was missverstanden, Liebster. Edward und ich haben uns nur über Isabella unterhalten. Er wollte mehr über sie erfahren.“ Renée warf mir einen bittenden Blick zu und ich nickte stumm. Den wahren Inhalt unserer Unterhaltung wollte sie ihm nicht preisgeben. Und ich hatte ehrlich gesagt auch keinen Bock ihm irgendwelche Tatsachen breitzulegen, da mir da vielleicht etwas ausrutschen würde, das meinen Mund noch nicht verlassen durfte.

„Ich hab ihnen deutlich gesagt, Cullen. Ich toleriere keine Eskapaden. Nicht von Ihnen. Nicht von meiner Frau. Auch nicht von meinen Kindern.“ Ich nickte verständnisvoll, wollte ihm aber den Kopf umdrehen, weil seine Perfektion Linda das Leben gekostet hatte. Jasper und Linda waren meine besten Freunde gewesen. Jetzt war da nur noch der gebrochene Jasper, der seine Liebste verloren hatte und erfahren wollte, was vor vier Jahren vorgefallen war hier in Seattle. Isabella schien ihre Gesichtszüge für einen Moment nicht unter Kontrolle zu haben, denn sie sah ihren Vater mit einem bösen Blick an. Als sie meinen Blick erhaschte begann es in ihrem Kopf heftig zu rattern und ich sah das Fragezeichen, das sich auf ihrem Gesicht bildete.
„Natürlich, Sir. Ich wollte nur erfahren, was Miss Swan an welchem Tag tat, damit ich mir das merken und nicht immer nachfragen musste. Ich werde mich Miss Swan und auch ihrer Frau nicht mehr nähern als unbedingt nötig.“ antwortete ich und sah Isabella an.  Ihre Augen strahlten mich traurig an. Sie schienen mir eine traurige Wahrheit erzählen zu wollen, sie sehr sie strahlen, die dunkle Farbe ihrer Augen vertiefte sich noch mehr und die schloss ihre Lider für einen Moment um sich zu fassen.

Als sie die Augen wieder öffnete, war sie wieder die Roboter-Tochter, von der man nichts als Perfektion erwartete, was sie aber innerlich abtötete. Oh Baby....

„Dad!“ sie erlangte seine Aufmerksamkeit sofort. „Mister Cullen ist ein guter Bodyguard. Wie du sagtest, der beste auf seinem Gebiet. Er ist perfekt, du musst dir keine Sorgen machen. Wenn es da Etwas gäbe, würde ich es dir sofort erzählen, das weißt du doch.“ Wieder sah ich die Wut in ihren Augen. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, weil ich sie verletzt hatte. Es reichte langsam mit diesen Gewissensbissen. Ich kaufte ihr diese Worte nicht ab, ich glaubte, dass sie mich mit diesen Worten nur schützen wollte. Warum würde mich Isabella schützen wollen, wenn sie mich so hasste? Die Sesselbeine kratzen über das Parkett. Sie war so schnell aufgestanden, dass ihr Sessel umkippte.
„Ich denke, Mister Cullen, dieses Geschenk wird dir gefallen.“ Sie bewarf mich mit einem Stofffetzen, das ich auffing und in meinen Händen ausbreitete. Ein lilanes Höschen? „Es wird deine Sammlung vervollständigen. Das passende Höschen zum BH, den du von mir hast. Häng sie irgendwo auf. Verkauf sie bei E-Bay. Mach damit, was du willst. Es ist mir vollkommen egal.“ Ihre Schuhe quietschten auf dem Boden, als sie zur Tür wanderte. Ich war vollkommen sprachlos und sah das lila Höschen in meinen Händen an. Wäre ich nicht der starke, harte Bodyguard, wäre ich verdammt rot geworden und anschließend hätte ich ihr für diese Blamage den Hintern versohlt. Oh, wie gerne ich ihr den Hintern versohlt hätte.....

„Ach!“ sie tippte sich gegen die Stirn, als hätte sie etwas vergessen. „Leider wird es nicht möglich sein, dich zu deiner Familie gehen zu lassen. Du wirst hier gebraucht, Mister Bodyguard. Ich gehen nämlich mit Jimmy aus und da solltest du nicht fehlen. Vielleicht passiert ja etwas Schlimmes und ich werden den Ritter in glänzender Rüstung und weißem Pferd brauchen, damit er meine Tugend beschützt oder so ähnlich. Jedenfalls, ich werde deinen Schutz brauchen, weil ich vor habe auszugehen. Verstanden?“ Natürlich war das eine rhetorische Frage und sie erwartete nicht wirklich eine Antwort von mir. Was glaubte sie da, was sie tat?

Ich war so verdammt wütend auf sie, dass ich dem Wahnsinn nahe war. Nur weil sie die Tochter von Charlie Swan war, dachte sie sie könnte jeden niedertreten, der ihren Befehlen nicht folgte? Der Kleinen würde ich eine Lektion erteilen. Aber mein Herz sagte mir, dass das hier eine Maske von ihr war, damit ich nicht ihr wahres Gesicht sah. Ich wusste wie gutherzig und liebevoll sie war. Dinge, die sie für krebskranke Kinder tat und das schon jahrelang. Parties, die sie schmiss um Geld für Hilfsorganisationen zu sammeln, damit sie Menschen in Not helfen konnte. Sie war kein Snob und sie war niemand, der sich an die Tasche des Vaters lehnte. Ich konnte meine Hand ins Feuer stecken, dass sie selbst bereit wäre mehr zu erreichen um Menschen zu helfen, die es nötig hatten, als jemand anderer es je tun konnte. Sie war jung, aber sie wusste was sie wollte und wie sie es wollte.



Obwohl auch ich verdammt wütend auf sie war, sah ich, dass ihr kleiner Ausbruch ein Lächeln auf  Charlies Lippen zierte. So als würde er sagen wollen, dass sie ihm ähnlich wäre. Er erkannte nicht, dass seine Tochter ihm etwas vorspielte. Sie verfiel ihrem Roboter-Verhalten und wollte verdammt perfekt für ihren Vater sein.

Ihr Hass mir gegenüber schien ihn zufrieden zu stellen, also ließ ich es dabei. Irgendwann würde Isabella ihre Krallen ausfahren und sie gegen ihren Vater verwenden.




~MB~




„Wer ist Jimmy?“ fragte ich nachdem wir vor einem Starbucks, wo sie sich mit diesem mysteriösen Mann treffen wollte, anhielten.

Isabella ging mir voran und wackelte mit ihrem Hintern absichtlich um mich zu reizen. Nicht nur ihre Gestik, sondern auch ihr Verhalten nervte mich. Ja, klar, ich hatte ihr deutlich gemacht, das aus uns nichts werden würde, nachdem ich ihr sprichwörtlich meine Liebe gestanden hatte. Ich musste betrunken gewesen sein. Das verstand ganz sicher niemand, aber ihr Dad war ein Monster, das mich und auch sie fertigmachen würde, wenn wir uns unseren Gefühlen hingaben. Sie wie es bei Jasper und Linda war. Aber das ist ja eine andere Geschichte. Ich hatte wichtigere Dinge zu tun, zum Beispiel mit mir selbst klären, wo mein Verstand abgeblieben war, als ich Isabella meine Liebe gestanden habe. Was zum Teufel war mit mir los? Mutierte ich zu einem Weichei?

Anscheinend schätzte sie es nicht sehr mir zu antworten. Denn als ich meine Frage wiederholte, zog sie die Stöpseln ihres I-Pods aus ihren Ohren und lächelte mich unschuldig, dabei klimperte sie wie ganz zufällig mit ihren Wimpern, so als würde ich ihr die Absicht mich zum Durchdrehen zu bringen nicht vom Gesicht ablesen. Natürlich war ich nicht eifersüchtig. Ich hatte auch keinen Grund. Ich meine, es war ja nicht so, als hätte ich ihr vor zwei Tagen die Liebe gestanden und schon traf sie sich mit irgendeinem Fremden. Einen Kerl, den sie eigentlich gar nicht kannte. Aber gut....... Ich rege mich ja nicht mehr auf!

„Hast du etwas gesagt, Edward?“ so überfreundlich wie sie war, wusste ich, dass sie nicht bereit war mit mir zu reden. Schon gar nicht freundlich mir gegenüber zu sein. Aber ich hatte es ja verdient. Schon gut. Das kommt davon, wenn man einer Frau die Liebe gesteht, die sie gar nicht zu schätzen wusste. Die trampelt auf deinen Gefühlen herum. Zum Glück bist du nicht auf die Knie gegangen, das wäre ja noch komischer gewesen.... Machte sich da etwa mein Unterbewusstsein über mich lustig? Ich fletschte automatisch die Zähne und konnte es nicht verhindern, dass meine Hand sich zur Faust ballte.

„Nein!“ antwortete ich barsch und funkelte sie wütend an. Zufrieden lächelte sie mich an und setzte ihren Weg fort. Wir erreichten Starbucks und sie ließ sich auf einen Tisch nieder, sah auf ihre Uhr und tippelte ungeduldig auf den Tisch.

Ihr Jimmy ließ auf sich warten und ich wurde ungeduldiger als der ungeduldigste Menschen dieser Erde. Wer weiß welches Arschloch das war? Er würde nur mit ihr spielen. Er mochte sie wahrscheinlich nur, weil sie reich war. Ich mochte sie aufrichtig und ehrlich. Durfte ihr diese Liebe aber nicht geben, weil ich ihr Schicksal damit besiegeln würde. Mein Handy begann zu klingeln und ich fischte es aus der Innentasche meines Jacketts heraus. Natürlich grinste ich als den Namen auf dem Display sah. Endlich mal etwas Gutes.....

Alice calling, stand dort in fetten schwarzen Buchstaben. Es zauberte ein Grinsen auf meinem Gesicht zu sehen, dass meine Schwester mich anrief. Isabella sah mich suspekt an, doch ich scherte mich wenig darum. Sie konnte sich ja anderweitig beschäftigen. Zum Beispiel sich überlegen, wie sie mit diesem Jimmy flirten würde. Dieser miese Trottel......

„Jap, Babe?“ antwortete ich als ich abhob. Ein nicht sehr damenhaftes Schnauben kam von Isabella und mein Blick fing den ihren ein. Sie schien aber meinen Blick nicht aushalten zu können und wandte ihren Blick ab. Hm......
„Hi, Lieblingsbruder!“ flötete Alice und ich musste wieder grinsen. Das Mädchen versprühte echt gute Laune, wo sie auch hinging.
„Soviel ich weiß, bin ich wohl der Einzige!“ Isabella schnaufte. Ich grinste. Alice lachte. Nur, dass Alice und ich den richtigen Sinn dieser Aussage verstanden. Wie es bei Isabella aussah, könnt ihr euch denken.
„Na na na, da ist ja jemand wohl sehr eingebildet. Also antworte mal, wie geht’s dir? Was machst du denn so?“ kaum hatte sie die Frage ausgesprochen, redete sie auch schon weiter. Meine Schwester hatte einfach keine guten Manieren. „Weißt du, Bruderherz, ich hörte du besuchst Emmett und Jazz in NYC?“
„Aha, willst du etwa mitkommen?“ fragte ich meine Schwester. Ich sah nur wie Isabella eine Augenbraue hob und mich enttäuscht ansah. Was hatte ich schon wieder gemacht?
„Natürlich will ich kommen! Sonst würde ich ja kaum fragen, Dummkopf.“ schalt mich Alice und ich lachte. Mit überkreuzten Armen vor der Brust, als würde sie die Arme davor bewahren mir die Augen auszukratzen, lehnte sich Isabella zurück und musterte mich wütend.
„Ist ja gut, Tinkerbell. Ich werde mit meinem Boss darüber sprechen, wenn es okay ist, kannst du kommen.“ antwortete ich sanft, als Isabella mir wieder diese komischen Blicke zuwarf.
„Edward, was ist los? Willst du mich etwa loswerden? Du klingst so als wäre da eine scharfe Frau in deiner Nähe, die du dir gerne schnappen würdest. Außerdem klingst du so komisch. Sag mal, hast du etwa gerade.......Nein, nein, ich muss mich irren.“ Ich hustete plötzlich und Alice sagte kein Sterbenswörtchen für eine Minute.
„Tinkerbell, bist du noch dran?“
„Ja“ antwortete sie ruhig. Ich meine zu ruhig für ihre Verhältnisse.
„Wieso bist du so ruhig, Ally?“ Isabella schnaufte und grinste diabolisch. Die pure Schadenfreude war aus ihrem Blick zu lesen. Die Bewegungen ihrer Finger wurden heftiger als sie auf den Holztisch tippte. Schneewittchen wurde ja ungeduldig....oder war es doch etwas anderes?
„Ich wollte nur hören, ob du gerade Sex hast. Du hast so komisch geklungen. Du weißt schon, wie damals in New York, als ich mich unangekündigt vor deine Haustür gewagt habe und wie eine Irre klopfen musste, aber du die Tür nicht aufmachen wolltest. Na ja, weil du wohl beschäftigt warst. Da hast du am Telefon genauso komisch geklungen und ich dachte......“ Ich unterbrach sie mit einem heftigen Lachen. Ich wollte ganz sicher nicht, dass meine jüngere Schwester live dabei war, wenn ich Sex hatte. Die Frau hatte Einfälle.
„Alice, Süße, ich habe ganz sicher keinen Sex gerade. Wenn du es genau wissen willst, bin ich sogar im Starbucks in der Nähe unseres Hauses. Also.......“ antwortete ich ihr lächelnd. Isabella hielt sich ihre Hand vor dem Mund, als würde sie gleich losprusten.
„Na und, glaubst du im Starbucks kann man keinen Sex haben, Edward?“
„Ughm, Alice!“ rief ich angeekelt. „Ich will gar nicht wissen, wo meine Schwester überall Sex hatte. Das ist ekelerregend. Jetzt kann ich dieses Bild von meinem Kopf nicht mehr verbannen.“ Sie lachte herzhaft. Isabella grinste mich an wegen meiner Grimasse. Als sie sich selbst beim Grinsen erwischte, setzte sie einen wütenden Ausdruck auf. Sie schien erleichtert zu sein, dass ich mit Alice telefonierte. Aber warum denn?
„Ist sie da?“ fragte Alice ungeduldig.
„Wer?“ fragte ich.
„Na, Isabella, großer Bruder.“ antwortete Alice als würde sie mit einem Kleinkind reden. „Weißt du, Edward. Manchmal kannst du wirklich ein Dummie sein.“
„Ja ja, schon gut. Ja, sie ist hier.“ Ich sah Isabella direkt an und sie sah mich fragend an. „Warte“ sagte ich zu Alice.
„Meine Schwester, sie will dich sprechen.“ sagte ich zu Bella und sie riss überrascht die Augen auf. „Vielleicht ist das gar keine gute Idee“ nuschelte ich zu mir selbst. Doch Isabella schüttelte vehement den Kopf.
„Ist okay, gib sie her!“ sie streckte mir ihren Arm entgegen in das ich anschließend das Handy legte.
„Hi, Alice, hier ist Bella.“ Meine Schwester musste etwas Witziges gesagt haben, denn Isabella lachte herzhaft und sah mich direkt an. „Ja, er hat mir von dir erzählt.“
„Hmpf!“ machte ich nur und Isabella grinste mich wieder an. Dieses Mädchen machte mich wahnsinnig.
„Natürlich habe ich euer Gespräch mitbekommen. Oh, wirklich? Dein Bruder war also ein kleiner Frauenheld?Ein großer? Hm....“ Ich schlug den Kopf theatralisch auf den Tisch und Isabella lachte. „Ich glaube, dein Bruder wird dir gewaltig in den Hintern treten für diese Information. Aber trotzdem danke Alice.“ Es war eine schlechte Idee Isabella mit Alice reden zu lassen, die würde ihr Geschichten aus unserer Kindheit erzählen mit denen sie mich immer aufzog. Natürlich immer nur peinliche Geschichten. Alice war eine böse Feindin. Die von der härtesten Sorte. Meine Schwester musste gerade sehr schnell reden, denn Isabella zog eine Grimasse und die Falte auf ihrer Stirn bildete sich wieder als sie angestrengt nachdachte.
„Alice, warte! Kannst du mir mal sagen, wer Jasper ist?“ Fuck, falsches Thema, Alice. Ich würde den Vorschlag von Bella wirklich annehmen und meiner Schwester gewaltig in den Hintern treten, wenn sie nicht damit aufhörte, Dinge zu erzählen, die sie gar nichts angingen. Oder ihr von meinem Sexleben zu erzählen. „Oh, okay. Nein, über den hat er mir nichts erzählt. Nein, eigentlich hat er mir gar nicht viel über sich selbst erzählt. Er ist sehr verschlossen, wenn es darum geht seine eigenen Geheimnisse zu lüften. Meine dürfen natürlich sofort aufgedeckt werden. Oh, so war er schon immer? Da bin ich aber echt beruhigt.“

Genau so begann die Freundschaft zwischen meiner Schwester und Bella. Ich hätte schon damals meine Hand gegen meine Stirn hauen sollen, denn das war ziemlich blöd von mir gewesen. Aber was soll´s. Die Fehler, die man begeht, werden einem erst viel später klar. Wieso sollte es ausgerechnet bei mir anders verlaufen?



~MB~






„Es ist schon Zeit, Jimmy sollte bald da sein!“ Alice schien Bella gut zu tun, denn sie war ruhiger und vertrauensvoller, obwohl sie keinen Grund dafür hatte. Vielleicht hatte sie einen Grund. Ach, Cullen, hörst du auf dich wie ein pubertierender Teenager zu benehmen?
„Edward...“ sagte sie dann sanft. Meine Nackenhärchen stellten sich bei diesem Klang auf. Ich liebte ihre Stimme. Ughm, ich hatte den Drang mich selbst zu schlagen. „Alice hat erwähnt, dass sie uns gerne nach NYC begleiten würde, da hab ich mir gedacht, dass mein Dad nichts dazu sagen wird, wenn ich damit einverstanden bin und das bin ich natürlich. Ich glaube, deine Schwester und ich werden gute Freundinnen. Zumindest hat sie das gesagt.“ Ich musste ehrlich gestehen, dass ich etwas überrascht war von Bellas Reaktion. Mich hasste sie, aber mit Alice verstand sie sich? Wollte sogar befreundet sein! Unglaublich. Hmpf.
„Das sollte dich nicht wundern, Alice ist eine freundliche Person, die sofort Freundschaften schließt. Das heißt aber nicht, dass sie viele Freundinnen hat, denn sie wurde von ihren Freundinnen auch oftmals enttäuscht.“ erzählte ich ihr aus irgendeinem Grund, der mir unbekannt blieb. Isabella lächelte mich mit ihrem bezauberndsten Lächeln an und ich beugte mich automatisch ihr entgegen, stützte die Arme auf dem Tisch ab und war ihr somit näher.

„Edward, du, als der große Bruder von Alice, machst du dir sicher Sorgen um sie, das ist auch gut so, aber vor mir brauchst du sie nicht zu schützen. Ich werde sie nicht verletzen. Versprochen!“ Sie kam mir auch ein Stückchen entgegen, nur da war der blöde Tisch, der uns trennte und ich hatte den Drang ihn zu ruinieren, damit meinem geliebten Mädchen näher war. Sie will deine Nähe nicht......Doch natürlich will sie seine Nähe, du Dummkopf. Waren das etwa die Stimmen in meinem Kopf? Ich verblödete eindeutig jeden Tag mehr und noch eindeutiger war es, dass das seit dem ersten Tag passierte, an dem ich Isabella sah. Liebe auf den ersten Blick, sagte die träumerische, melodische Stimme in meinem Kopf. Dieser Vanilla-Scheiß war ja kaum auszuhalten. Abrupt lehnte ich mich zurück und mein Rücken knallte unsanft gegen die Stuhllehne. Isabellas Züge würden automatisch härter und ihr Blick kälter.

Sie wandte ihren Blick von mir ab und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie stand sogar sehr ladylike auf um diesen Jimmy zu begrüßen. Hoffentlich gab sie ihm keinen Kuss, sonst konnte ich für gar nichts garantieren. Fucking Jimmy-Kacke! Ich schnaubte wütend. Sie war doch kaum siebzehn, das wurde sie doch erst nächste Woche. Was wollte also dieser Typ von ihr? Sie war ein Kind. Ach, und für dich ist sie kein Kind?, hörte ich eine kleine vernünftige Stimme in meinem Kopf sagen. Hmpf! Wann hatte ich schon auf die Vernunft gehört? Es reichte, wenn ich sagte: Nie! Also......, dass wir das geklärt hätten.

„Hey, mein Schatz“ Isabellas Stimme triefte so von ihrer Sanftheit. Ich musste meinen Würgereflex unterdrücken, sonst würde ich ihr zu Füßen kotzen.
„Hey, Schwägerin in Spe“ kam es von der anderen Seite. Moment! Moment, was lief da Schräges? Meinen finsteren Blick richtete ich auf diesen schwulen Jimmy, dessen Stimme klang als gehöre sie zu einer Frau. Aber was bedeutete da Schwägerin? Als meine Augen das schöne Gesicht der blonden Rosalie sahen, verwandelte sich mein Gesicht zu einer komischen Maske, die grundsätzlich aus meinem berühmt berüchtigten schiefen Lächeln bestand.
„Wenn das nicht Blondie ist!“ Ihr Gesicht erhellte auch ein erfreutes Lächeln und Rose warf sich um meinen Hals, nachdem sie Bella Küsschen links und rechts gegeben hatte. Diese sah etwas perplex zwischen mir und Rose und erhob auf ihre linke Augenbraue auf die a lá Swan Art. Als Rose von mir abließ, eigentlich hielt sie mich auf auf Armeslänge, bombardierte sie mich mit Fragen, Isabella ignorierte sie gekonnt.
„Das ist ja mein Cullen-Liebling. Sag mal Cullen, hast du kein Handy? Wurde es dir gestohlen? Hast du es einem Bettler geschenkt? Zutrauen würde ich es dir ja, aber erzähl mal. Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du Bellas Bodyguard bist. Ich musste es von Emmett erfahren und das war ziemlich mies. Ich dachte wir wären so etwas wie Freunde.“ Die Blonde strich sich die Haare elegant mit einer Hand zurück. Ehe ich antworten konnte, sprang Isabella in unser Gespräch hinein.
„Ein Handy hat er zu deinem Unglück, Rose. Dass er es einem Bettler geschenkt hätte, bezweifle ich. Denn er hat nicht einmal Erbarmen mit den Menschen in seiner Umgebung. Vielleicht kommt er dir jetzt mit seiner Ausrede, dass er nicht einmal selbst wusste, dass er mein Bodyguard wäre. Ach und noch etwas, es ist fatal mit ihm Freundschaften zu schließen, dabei kann er ziemlich fies sein, weißt du.“ Isabella knallte ihre Fäuste anschließend auf den Tisch und ließ die anderen Gäste aufsehen.
„Bella, du weißt, sie starren uns alle an. Also sammel dich und mach keine Skandale!“ ermahnte sie Rose mit ruhiger Stimme.
„Rosalie Hale, ich habe ein Hühnchen mit dir zu rupfen!“ Bella sprang auf. Ihre Augen geweitet. Ihren Mund zu einem Strich zusammengepresst. Sie packte Rose am Arm und zog sie einige Meter von mir weg. Oh, ich wusste, was Isabella hatte. Rose und Emmett hatten es vor ihr gewusst, das zerstörte sie innerlich.

Einige Minuten später kehrten die beiden zurück. Ich weiß nicht, was Rose zu Bella gesagt hat, aber die schien etwas ruhiger zu sein. Aber vielleicht war es ja nur die Ruhe vor dem Sturm. Die Kleine würde irgendwann ausbrechen und ich würde mir das sicher nicht entgehen lassen.
„Also du bist Jimmy?“ grinste ich Rose an. Diese rutschte näher an mich heran und schmiegte sich freundschaftlich an meinen Arm an. „Bist du eifersüchtig, Cullen?“ Ihr prüfender Blick ließ mich verzweifelt nach Isabellas Gesicht suchen, doch die kramte angestrengt in ihrer Handtasche herum. Rose stupste mich mit ihrem Ellenbogen an als ich nicht antwortete.
„Nein. Natürlich nicht. Wieso sollte ich das auch sein?“ Rose grinste wissend. Bella warf uns einen eindeutigen Blick zu, den bei dem sich die Person wünschte die andere Person würde sofort tot auf den Boden fallen, dann nuschelte sie etwas und ging zur Theke um sich etwas zu bestellen.
„Rose, warum hast du das getan?“ fragte ich sie dann mit meinem bohrenden Blick.
„Ich habe am Vortag mit ihr gesprochen. Sie ist so verdammt sauer auf dich. Aber sie ist auch verzweifelt, Edward. Wie verdammt konntest du es wagen, ihr zu sagen, sie wäre die Eine für dich? Hast du sie noch alle? Kannst du dich noch erinnern warum du hierher gekommen bist?“

„Rose.....“ gab ich gequält von mir. Ich wusste ja, ich hatte Dreckmist gebaut. „Natürlich weiß ich warum ich hier bin. Ich solle herausfinden was mit Linda los ist, weil dein lieber Freund kein Wörtchen darüber verliert, was vor vier Jahren in seinem Haus vorgefallen ist. Jetzt weiß ich es, eigentlich könnte ich kündigen um von hier zu verschwinden. Ich halte es in ihrer Nähe nicht aus, weil ich denke, je näher ich ihr bin, desto mehr verliere ich mich an ihr. Rose, ich sah sie, ganz zufällig auf dieser verdammten Gala und sie stand einfach da. Ein unglückliches, unzufriedenes Mädchen. Ich hatte keine Ahnung, dass es sich um Lindas jüngere Schwester handelte. Um die einzige Frau, die ich nicht haben kann. Fuck.....Rose, ich einfach liebe sie und kann nichts dagegen machen. Ich darf mich ihr nicht einmal nähern, weil ihr Vater nicht nur mich, sondern auch sie killen wird. Er verflucht hasst mich und du weißt warum. Nicht nur wegen Carlisle und Esme. Er hasst mich wegen Jasper und Linda, Rose.“
„Ich weiß! Edward, Emmett versteckt seine Gedanken für sich. Er erzählt niemandem über Linda. Isabella hingegen schon und deshalb musstest du her. Aber Charlie weiß wer du bist. Wenn Isabella sich in dich verliebt – und ich bin mir sicher, sie hat es bereits getan – wird er dich eigenhändig umbringen und zerstören.“

„Rose, ich muss Isabella aus diesem schwarzen Loch retten, in dem sie so tief steckt!“ gab ich verzweifelt von mir.
„Cullen, du bist kein Held. Du kannst sie nicht retten. Das ist ihr Leben. Ich liebe Isabella. Aber gegen ihren Vater kommt keiner an. Sie denkt, er wäre ein Heiliger. Er ist ein fucking Psychopath. Er lässt nicht einmal zu, dass ich Emmetts Hand in seinem Haus halte. Geschweige denn sich nahe kommen. Du weißt schon, was ich meine. Isabella hat alle ihre Sinne verdeckt und sie folgt ihrem Vater wie ein Hündchen. Es gibt keine Chance für sie. Du würdest in größeren Schwierigkeiten stecken, als du schon in deiner Vergangenheit gesteckt hast. Lass sie Edward. Bellas Leben ist schon vorgeplant. Sie wird ihren Abschluss mit ausgezeichneten Noten bestehen, anschließend wird sie eine der besten Unis des Landes besuchen, dort wird sie einen Kerl mit Klasse und Kohle finden, denn sie nach dem College heiraten wird. Daddy will es nicht anders haben.“

„Und sie wird einen auf typisch glückliche amerikanische Familie machen? Fuck, nein, Rose. Das werde ich nicht zulassen. Ich werde Isabella nicht so enden lassen, wie Linda. Meine beste Freundin ist daran zerbrochen, an diesem typisch amerikanischen Traum von perfekter Familie. Emmett hat dich. Aber wen hat Isabella? Wer wird sich für sie einsetzen? Wer wird auf sie aufpassen? Sie hat niemanden, der stark genug ist um gegen ihren Vater anzutreten.“ Ich warf einen Blick auf Isabella, die am Tresen stand auf ihre Bestellung wartete und sich leicht zur Musik bewegte, die aus den Boxen drang. Rose schüttelte verständnislos den Kopf. Die Freundin meines guten Freundes war auch meine gute Freundin. Rose und ich kannten uns schon seitdem mit Emmett zusammen war. Sie wusste einfach alles über mich. Wenn ich es selbst nicht erzählt hätte, dann würde es Alice preisgeben. Wie sie es schon immer tat. Typisch meine Schwester!

„Cullen, geh mir nicht auf die Nerven. Du weißt, dass Emmett seine Schwester liebt. Er würde niem......“ Barsch unterbrach ich Rose.
„Dein Emmett ist doch nie da, Rosalie. Wie soll er da schon wissen was in diesem Haus vorfällt? Kann er hellsehen? Er konnte nicht einmal seiner Schwester klar machen, dass ihre Mutter nicht die Hexe ist, wie Isabella schon immer dachte. Linda hat versucht Bella von den Fängen ihres Vaters zu befreien, aber sie hat es wohl nicht geschafft.“
„Edward, du bist den Swans nichts schuldig. Hör auf dir das einzureden.“ Ich begegnete Rose sorgenvollem Blick und wandte meinen sofort ab.
„Warum musstest du Isabella unter die Nase reiben, dass du vor ihr wusstest, dass ich ihr Bodyguard bin?“ Klagend sah ich sie an. Der blonde Teufel hatte es mit Absicht gemacht. Ich kannte Rose sehr gut.
„Damit sie wütend wird. Ich kenne Isabella sehr gut. Wenn sie wütend ist zieht sie sich immer zurück. Und so konnte ich mit dir reden um dich zu warnen.“ Ihre babyblauen Augen sahen mich treuherzig an und ich fühlte mich schlecht dabei, aber ich konnte nicht verhindern, dass ich den Drang verspürte Isabella zu helfen, vor allem weil ich gesehen habe, wie unglücklich sie war. Und weil.....weil ….. ich sie liebte.
„Ihr Vater ist ein Tyrann. Ihr Vater hasst mich. Er hasst meine Familie. Warum hat er mich also eingestellt und damit geprahlt, dass ich der beste auf meinem Gebiet wäre? Das Ganze war sein Plan, denn er kennt seine Tochter sehr gut. Er wusste, dass sie Lügner hasst und ich habe sie nie belogen. Aber sie denkt, ich wäre der größte Lügner auf dieser Welt. Anstatt mir in die Arme zu laufen, wo sie sicher wäre, weicht sie immer mehr von mir. Sie verflucht versteckt sich. Und sie hat mir das geschenkt!“ Ich nahm Isabellas lilanes Höschen aus meiner Jacketttasche heraus und zeigte sie ihr Rose.

„Was ist denn das, Edward?“ Das Lächeln konnte sie sich kaum unterdrücken.
„Ihr Höschen!“ Ich zuckte mit den Schultern und Rose lehnte ihre Stirn an meiner Schulter und lachte herzhaft.
„An Isabellas Stelle wüsste ich nicht, ob ich dich lieben oder hassen soll.“ Antwortete Rose als sie sich wieder eingekriegt hatte.
„Hat sie das gesagt?“ Ich musterte Rosalie Hale vorsichtiger, registrierte die Regungen ihres Gesichts und bemerkte, dass meine Behauptung wahr sein musste, weil Rose auf den Boden sah.
„Edward, ich bitte dich, lass sie los. Kündige! Jetzt ist noch die Zeit um den Spieß umzudrehen und den Weg zu gehen bei dem keiner verletzt wird. Isabella wird sich in dich verlieben und wenn sie erfährt wie du früher warst, dann wird sie dich nicht mehr wollen. Ich kenne Isabella. Bitte, lass sie gehen, bevor sie in ein noch tieferes Loch fällt, als sie schon ohnehin ist.“

Verstand die Frau, dass ich nicht konnte? Ich musste Isabella beschützen. Wie ich früher war und warum mich ihr Vater eigentlich hasste, waren Dinge, die Isabella gar nicht erfahren musste. Es war wichtig wer ich jetzt bin, nicht wer ich war. Jetzt bin ich ein aufrichtiger und ehrlicher Mann, der sie niemals verletzten würde.

„Ich kann nicht, Rose! Ich werde Isabella nicht loslassen. Ich liebe sie!“ antwortete ich schwach. Eigentlich war ich ein Weichei, eine verfluchte Heulsuse, weil ich so egoistisch war um Isabella festzuhalten, aber ich wollte sie einfach bei mir haben. Dort wo ich wusste, was sie machte, wo sie war, mit wem sie sprach, bei wem sie übernachtete, wann sie aufs Klo ging. Ja, sogar das, wie blöd es auch klang. Ich war fucking süchtig nach dem Mädchen.

„Edward, Charlie ist irre! Bitte realisiert das! Du wirst leiden. Isabella wird leiden. Ihr zwei, das kann niemals sein.“ Rose war keine böse Person und ich wusste, sie meinte es nur gut, aber ich konnte Isabella nicht loslassen. Ich wollte doch gar nicht viel, nur ihre Sicherheit. Ich musste sie nicht küssen und auch nicht neben ihr einschlafen. Ich musste nur wissen, dass sie sicher war, damit ich ruhig zu Bett gehen konnte.

„Ich werde mich Isabella nicht nähern. Sie ist jung und wird sich in einen anderen verlieben. Du wirst schon sehen. Sie wird meine Worte vergessen.“ Rosalie nickte verständnisvoll und tätschelte dann meine Wange.
„Sie ist durcheinander. Wenn es dunkel wird, dann bist du ihr Edward. Wenn es hell ist ihr Erzfeind, Mister Bodyguard. So unterscheidet sie dich, hat sie mir erzählt. Sie ist dir auch sehr dankbar, dass du sie getröstete hast, als sie vor Lindas Zimmertür stand.“ Die Kleine musste auch wirklich alles erzählen. Aber es war mehr als ich erfahren wollte und dafür war ich Rose dankbar. Der stille Vermittler! Genau das war Rosalie Hale. „Edward, ich glaube, sie liebt dich, sie weiß es aber nur noch nicht.“ Nein, nicht verlieben. Nein...... Doch, sie muss sich in uns verlieben, wir lieben sie doch auch, antwortete eine Stimme in meinem Kopf. Halt die Fresse sprach ich zu mir selbst, eigentlich zu dieser Stimme die mich wahnsinnig machte.

Ich sah auf die Stelle wo die Kleine vor einigen Minuten gestanden ist und bemerkte, dass diese nun leer war. Eine andere Frau stand dort in der Nähe. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit und ich sprang sofort von meinem Stuhl, natürlich hatte ich Isabellas Höschen wieder in meine Jacketttasche verfracht, dort wo es hingehörte.

„Wo ist sie?“ schrie ich Rose an. Sie drehte sich im Laden herum und suchte nach Isabella. „Such sie hier drinnen, Rose. Ich suche sie draußen!“ Sie nickte hektisch und ging in Richtung Toiletten. Ich lief auf die schwach beleuchtete Straße hinaus.

Wo ist meine Kleine hin? Wenn das ein Scherz von ihr war, dann würde ich sie eigenhändig erwürgen, soviel stand fest. Einen Edward Cullen verarschte man nicht. Einen Edward Cullen respektierte man. Dieser Kleinen ließ ich schon viele Dinge durchgehen. Zuerst die Tennisbälle, dann das Höschen, zwischendurch mal Freundlichkeit, mal die kalter Schulter. Wann würde sie endlich verstehen, dass ich keine Spielchen mit ihr spielte? Dass ich nicht die Schuld an meiner Verschwiegenheit hatte?

Sie war doch diejenige, die Bodyguards hasste, deshalb musste ihr Vater auch zu höheren Maßnahmen greifen. Genau genommen war es ihre eigene Schuld. Weil sie verdammt widerspenstig und frech war, vielleicht sogar etwas zickig.

Aber diesmal würde sie mir nicht so leicht davonkommen.

„Edward, keine Isabella im Laden!“ hörte ich Rosalies aufgeregte Stimme hinter mir. Meine Schritte beschleunigten sich sofort bis meine Augen sich an die Dunkelheit der Straßen dieser unsicheren Gegend gewöhnten. Ich würde sie finden, auch wenn sie sich unter den Steinen versteckte. Und dann würde sie schon sehen, was sie davon hatte.

Kleines, unerzogenes, freches Kind.



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