Samstag, 2. Mai 2015

Chapter 18: Sweat, blood and tears

A/N: siehe ganz unten!







MISTER BODYGUARD









Intelligenz, ja, die hatte sie. Aber die Bosheit übertraf wirklich alles in ihr. Der Verstand so scharf wie eine Rasierklinge, trotzdem spielte sie nicht fair. Das hatte sie noch nie. Da der letzte von ihren Plänen gegen Isabella Swan nicht funktioniert hatte, musste sie sich etwas Anderes überlegen – und das hatte sie.
„Was ist das?“ fragte ihr geliebter Charlie, den sie um den kleinen Finger wickelte so oft und so viel sie wollte. Sie lächelte geheimnisvoll.
„Das ist das, was dein kleines Mädchen macht, wenn du nicht Zuhause bist.“ Sie klemte ihr rotes Haar hinter ihr Ohr, leckte sich über die Lippen und beugte sich vor. Dann legte sie ihre Hand auf die seine, in der er die Fotos hielt.
„Bree, woher hast du diese Fotos?“ Charlie sah sie scharf an, weil er wusste, wie sie war. Sie beide waren aus dem selben Holz geschnitzt. Sie behielt ihre Miene regungslos, stattdessen spielte sie mit ihrer Tonlage, tat so als täte es ihr unglaublich leid.
„Das war ein Paparazzi, der sie erkannt hat und mehrere Fotos von diesem sehr leidenschaftlichen Kuss gemacht hat. Charlie, für mich sieht es so aus als hätten die beiden eine Affäre. Du weißt, als ich sagte, du müsstest jeden Zeugen töten, habe ich es so gemeint. Aber du wolltest Edward Cullen nicht töten. Nun hat er dich verraten und wer weiß, ob er zur Polizei rennen wird. Du kannst Edward Cullen nicht kontrollieren.“ Sie stand von ihrem Sessel gegenüber Charlie Swan, ihrem Lieblings-Senator, auf und stellte sich hinter ihn, fing an ihm langsam die verspannten Schultern zu massieren.
„Bree, misch dich nicht ein, das ist nicht deine Angelegenheit. Du weißt, dass ich keine Kinder töte und zu diesem Zeitpunkt war er ein Kind.“ Charlie sprach mit Überzeugung und Leidenschaft, weil er trotz allem einigen Regeln treu war. Er war loyal der Familie gegenüber. Es ging für ihn nichts über die Familie. Die Familie war das Größte, was es im Leben gab.
„Charlie, aber jetzt ist er kein Kind mehr – und er versucht dir sogar deine zweite Tochter wegzunehmen. Du lässt zu viele Kabeln locker, Charlie. Zuerst Linda zuliebe hast du Jasper Whitlock laufen lassen und jetzt verzeihst du deinem Feind Edward Cullen, dass er eine Affäre mit Isabella hat.“ Sie legte ihre Arme um Charlie und beugte sich zu seinem Ohr hinab. „Babe, ich kann nicht glauben, dass sie so etwas in deinem Haus tun. Hast du Edward Cullen nicht gesagt, dass er deinem kleinen Mädchen fern bleiben soll. Charlie, das Foto zeigt alles. Siehst du nicht, wie sie ihn hält, wie sie ihre Hände um seinen Nacken geschlungen hat, wie sie ihn auf diesem Foto ansieht und wie sie sich küssen.“ Charlie löste ihre Hände von ihm und schleuderte die Fotos und wütend fegte er alles, was auf seinem Schreibtisch war.

„Hör auf mir den Kopf zu füllen. Das ist sicher eins von deinen Spielchen, Bree. Glaubst du, ich kenne dich nicht? Himmel, du steigst mir zu Kopf und du weißt, was ich mit denjenigen tue, die gegen mich sind, Bree. Hör auf schlecht über meine Tochter zu reden. Nimm sie nicht in deinen Mund. Denn meine Tochter würde niemals etwas so Hinterhältiges tun, wie eine Beziehung mit Edward Cullen einzugehen. Sie ist nicht wie du, Bree. Du respektierst niemanden, nicht mal deine Mutter, die im Leben nichts anderes tut, als dich zu lieben. Auch deine Schwester und deinen Vater respektierst du nicht. Deinen Dad liebst du nur, wenn es darum geht einen von deinen Gefallen zu erfüllen. Du kannst mir nicht erklären, dass du die Heilige Maria bist, denn ich kenne dich und vergiss das niemals. Mit der Zeit wirst du nur böser, schlechter und frustrierter, Bree, was dich für deine Umwelt nur noch gefährlicher macht. Lass meine Familie in Ruhe und komm mir nicht mit gefälschten Bildern von Bella. Ich kenne meine Tochter. Punkt. Sprich nicht mehr über sie, Bree.“ Er schrie sie an. Sie brachte ihm tatsächlich Bilder von Edward Cullen mit Bella Swan und Charlie wollte ihr nicht glauben. Das hatte es noch nie gegeben. Er glaubte, die Bilder wären eine Fälschung, obwohl sie ein Original waren. Sie hatte sogar einen Fotografen geschickt, der Bella Swan ständig verfolgte, aber außer diesen Fotos vor einem Haus in einer nicht so berauschenden Gegend von Seattle, wo sich die beiden herzzerreißend und verliebt küssten – wie pathetisch, dachte Bree – hatte es bisher nichts Kompromittierendes gegeben. Charlie zog es vor seiner kleinen Lügnerin zu glauben als seiner langjährigen Geliebten, die er fast ein Leben lang kannte, die ihn geliebt hatte, bevor sie anfing ihn zu hassen.

„Du willst mir also nicht glauben, dass sie sich tatsächlich geküsst haben? Das war in Seattle, gestern. Im Garten eines Mannes, der Samuel Hington hieß und mit Edward Cullen 2001 in Afghanistan war, dort kam ersterer um. Seine Frau Emilianna hatte Probleme mit unserem Andy, weil dieser ein Auge auf sie geworfen hat. Weißt du, was Edward Cullen getan hat? Hm?“ Bree war wütend, weil Edward Cullen ihre Pläne durchstrich und diese immer zerstörte. Immer und immer wieder. Sie musste Edward einfach töten, um an Isabella heranzukommen. In einem Punkt hatte Charlie recht gehabt, kein anderer Mann würde Isabella besser beschützen als Edward Cullen. Das Blut der Cullens und der Swans schien sich ja unglaublich anzuziehen. Sie lächelte hinterhältig.
„Edward hat Andy und seine ganzen Männer geschlagen und dann hat er einfach die Polizei gerufen. Anschließend ist er einfach rausspaziert, als wäre er bei sich Zuhause. Sind wir einfach zu schwach oder unterschätzen wir ihn?“ Charlie bestrafte sie mit einem tödlichen Blick. Dann ging er auf sie zu, packte sie am Hals und zog sie näher an sich.
„Ich habe dich gewarnt, Bree. Lass die Finger von meiner Tochter. Beschäftige dich lieber mit etwas Anderem, anstatt meine Tochter verfolgen zu lassen. Sonst wirst du die Einzige sein, die meine Wut zu spüren bekommt.“ Seine Augen blitzten vor Wut und er hatte sie so fest gepackt, dass sie kaum Luft bekam. Dann ließ er sie abrupt los und schritt von ihr weg.

„Dass dich Renée betrogen hat, hast du mir auch damals nicht geglaubt. Aber ich hatte Recht. Warum glaubst du mir nicht?“ Bree wusste, dass es reichte Charlie einfach einen Zweifel in den Kopf zu pflanzen. Er blieb stehen, drehte sich um ging einige Schritte auf sie zu und blickte wütend auf sie herab. „Babe....“ versuchte sie es mit ihrer sanftesten Stimme. In ihrem Inneren freute sie sich, dass er ihr Edward Cullen aus dem Weg räumen würde.

„Das ist das letzte Mal, das ich dir das sage, Bree. LASS MEINE TOCHTER IN RUHE! Das nächste Mal schieße ich dir eine Kugel in den Kopf.“ Er unterstich die Worte mit der dazugehörigen Geste. Sein Zeigefinger wanderte genau zwischen ihren Augen. Sie setzte an, etwas zu sagen, doch er presste die Finger an die Lippen um sie zum Schweigen zu bringen. „Kein Wort, Bree. Kein Wort!“







~*~











Chapter 18:
Sweat, blood and tears









Es gibt nichts Schöneres, als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst. ~ Victor Hugo





Bella Swan:



„Hat man dich als Kind geschlagen? Bist du deshalb so aggressiv?“ Leise entkam mir die Frage, obwohl ich sie verzweifelt versucht hatte, sie nicht auszusprechen. Ich schwöre, ich wollte Edward nicht verletzen, nicht mit meinen Worten und auch nicht mit meinen Taten. Seine grünen Augen bohrten sich in meine hinein und er schien die Luft anzuhalten. Aber er antwortete nicht, blickte mich einfach an. „Baby ...“ flüsterte ich und presste meine Stirn an seine. „Du musst nicht antworten. Ist okay, mein Herz.“ Er musste nicht antworten, denn bewusst oder unbewusst, war sein Schweigen Antwort genug. Für den Moment schien mein Herz stehenzubleiben. Seine Arme umschlangen fest meinen Rücken und er presste mich sehr nah an sich. Sein Gesicht vergrub er an meinem Nacken und ich fuhr ihm sanft durch das Haar. Verzweifelt umarmte er mich enger. Wie viel gab es noch? Wie viel, das ich über Edward nicht wusste? Wie viel, das ich noch erfahren würde? Plötzlich schob er mich von sich und setzte mich auf das Bett ab und begann im Raum auf und ab zu tigern.

„Mit welchem Recht fragst du mich das? Was denkst du, wer du bist? Hm?“ Die Muskeln seines Gesichts waren alle angespannt und er sah mich mit einem Ausdruck an, als wäre ich seine Feindin. „Nicht alle Menschen haben dein Leben, Bella. Du weißt nicht, wie es ist, wenn....“ Ich stand auf und ging auf ihn zu. Als ich ihn erreichte, drehte er mir den Rücken zu. „Bella, geh!“ rief er wütend.

Nur Edward konnte erreichen, dass ich mit in einem Moment wie die tollste Frau auf der ganzen Welt fühlte und im nächsten wie das letzte Dreck. „Du machst das schon wieder, Edward. Du beleidigst mich und beschuldigst mich für Dinge, für die ich nichts kann. Dann entschuldigst du dich dafür, aber tust es wieder. Du versprichst, erfüllst es aber nicht. Dann entschuldigst du dich und versprichst wieder. Es tut mir leid, Edward. Wirklich! Es tut mir leid, wenn du nicht mein Leben hattest. Aber hättest du mein Leben gehabt, würdest du erkennen, dass du es gar nicht willst. Du steckst nicht in meinen Schuhen.“ Er verstand einfach nicht! Ich war enttäuscht, dass er immer dasselbe tat. Dass er mich beschuldigte, ich hätte das Leben, das er niemals haben konnte. Ich drehte mich um und ging auf die Tür zu, weil ich mit Edward nicht streiten wollte. „Gute Nacht!“ murmelte ich und griff nach der Türklinge. Plötzlich schlangen sich seine Finger um mein Handgelenk. „Bleib bei mir.“ flüsterte er traurig. Ich sah ihn an und schluckte trocken hinunter. Dann umarmte er mich abrupt, versteckte seine Nase in mein Haar. „Bella, verzeih mir – bitte! Ich verdiene dich nicht.“ Seine gebrechliche Stimme verursachte mir Schmerzen. „Das stimmt! Du verdienst mich kein Stück.“ antwortete ich sauer. Er raufte sich das Haar, war gequält und hatte sichtlich Schmerzen, weil er mich verletzte. „Du verdienst etwas Besseres.“ sagte er dann. Ernst blickte er mir in die Augen. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, dann schnaubte ich und verdrehte die Augen.
„Du glaubst wirklich, dass ich dich einfach aufgeben werde? Cullen, ich bitte dich!“ Meine Hände an meinen Hüften blickte ich ihn an. „Cullen, du hast echt Probleme. Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich dich liebe? Hm? Oder quälst du mich einfach gern?“ flüsterte ich. Mit beiden Händen umfasste er mein Gesicht und zog mich an seinen Lippen. Als unsere Lippen sich berührten, war der Kuss sanft. Seine Lippen strichen sehr zart über die meinen. Sofort lullte er mich ein, wie in einem Kokon und ich wusste nicht mehr, was mein letzter Gedanke gewesen war, bevor er mich geküsst hatte.
„Wenn ich dir einen Stern vom Himmel holen könnte, würde ich das tun – allein für dich.“ sagte er und seine Augen strahlten die Ehrlichkeit aus, die ich bei einem Menschen noch nie zuvor gesehen hatte. „So bin ich einfach, Bella, ich mache alles kaputt, was ich anfasse.“ Mit seinen Händen fuhr er sich über das Gesicht und blickte mich danach wieder an. „Für dich will ich ein besserer Mensch werden. Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wie man so etwas anstellt.“ Nach diesen Worten setzte er sich auf das Bett und blickte auf den Boden. Langsamen Schrittes ging ich auf ihn zu, legte meine Hand unter sein Kinn und hob seinen Kopf an. Mit der anderen Hand fuhr ich ihm durchs Haar. Sanft liebkoste ich sein liebes Gesicht. „Bella!“ entfuhr es ihm. Ich wusste nicht, ob es eine Warnung war oder eine Aufforderung weiterzumachen. „Es ist egal, was andere über uns sagen, Edward.“ Sein Arm packte mich plötzlich um die Taille und er setzte mich auf seinen Schoß ab. „Was machst du mit mir?“ fragte er mich und blickte mir tief in die Augen. Mein Daumen fuhr die Konturen seines geschwungenen Mundes nach. „Es gibt mehr als tausend Gründe, warum wir nicht zusammen sein sollten.“ meinte ich wie in Trance. Mein Herz pumpte wie verrückt und über meine Haut marschierte eine Armee voller Ameisen. Mir war gleichzeit heiß und kalt. Seine Hand wanderte in meinen Nacken und seine Nasenspitze fuhr über meinen Hals. Aber als er mein Gesicht erreichte, rückte er näher an mich heran, so dass kein Blatt mehr zwischen uns passen würde. „Aber nur einen einzigen, warum wir zusammen sein sollten. Ich liebe dich und ich weiß, dass du mich auch liebst. Tief in dir drinnen.“ Ich zeigte mit dem Finger auf seine Brust. Mit seinen Fingerspitzen strich er mein Haar aus meinem Gesicht und blickte mich zärtlich an. Ich wünschte mir nur, dass er weitermachte. Sein Mund verzog sich zu einem zufriedenen Lächeln und er sah mich mit seinem Blick an, der durchdringend und intensiv war, als wäre ich ihm das Liebste auf der Welt.

„Ein Lamm, wie du, sollte nicht neben einem Löwen, wie mich, einschlafen. Das ist gefährlich!“ er warnte mich grinsend. Ich zuckte die Schultern. „Was soll ich sagen? Du raubst mir den Atem.“ Er rollte die Augen und schüttelte den Kopf.
„Falls das deine Strategie ist, mit der du mich verführen willst, dann muss ich dir sagen, dass sie wirkt!“ meinte er dann und ich grinste gewinnend. „Natürlich wirkt sie, ich habe sie ja sehr lange studiert. Sehr lange.“ Mit dem Finger deutete ich auf meine linke Brustseite. „Und jetzt hör dir an, was du mit meinem Herzen machst.“ Mein Herz pumpte wie verrückt. Ich fühlte es sogar in meinen Ohren klopfen. Sein Lächeln war herzerwärmend. „Du weißt also, dass ich dich liebe, ja?“ fragte er nach mit einem frechen Grinsen. Ich umfasste sein Gesicht mit meinen Fingern und zog ihn zu mir. „Ja!“ sagte ich nur und sein Grinsen vertiefte sich.

„Gut!“ antwortete er und legte seinen Kopf seitlich auf meine Brust. Mit seinen Händen presste er mich noch näher an seinen Körper. „Ich will diesen Herzschlag für den Rest meines Lebens hören.“ Es gab Momente in denen er mir einfach auf die Nerven ging und ich ihn am liebsten schlagen wollte für seine Dummheit, aber dann gab es auch Momente wie diesen, in denen er einfach so etwas Süßes sagte und ich vergaß alles Schlechte, das zuvor passiert war. Ich lächelte traurig, weil ich das Bild von Edward, wie ihm wehgetan wird, nicht abschütteln konnte. Meine Finger wanderten in sein Haar und ich küsste seine Stirn.

„Du siehst mich anders an.“ meinte er dann alarmiert.
„Anders wie?“ fragte ich, während ich versuchte meine Stimme unter Kontrolle zu bringen.
„Ich weiß nicht. Traurig, besorgt, verletzt, … Was ist los?“ fragte er dann und sah mir in die Augen. Er fixierte meinen Blick so dass ich ihm nicht entfliehen konnte.
„Edward, ich bitte dich.“ Ich schüttelte den Kopf als wäre nichts. „Du bildest dir nur was ein.“ Langsam stand ich von seinem Schoß auf und blickte ihm nicht direkt in die Augen. „Ich gehe lieber in mein Bett zurück.“ Er nickte und stand ebenfalls auf.
„Gute Nacht, Baby.“ sagte er dann sanft, ergriff mein Gesicht. Ich schloss meine Augen, weil in meinem Herzen eine schwere Last war. „Bella, das ist nicht das, was ich von dir will.“
„Was?“ fragte ich unwissend.
„Mitleid – Ich will es nicht von dir, okay?“
„Es ist nicht Mitleid, Edward. Es ist nur so als würde man mir einen Messer in den Rücken rammen und diesen dann umdrehen, damit ich ja nicht am Leben bleibe. Wenn man dich verletzt, ist es schlimmer als wenn man mich verletzen würde.“ Ich hatte mich offenbart und für einen Moment fühlte ich mich nackt, verletzlich.
„Du musst das nicht fühlen.“ er ging einige Schritte zurück und sah mich unverständlich an.
„Glaubst du, ich will das fühlen?“ Meine Stimme erhob sich.
„Man kann dich nicht verletzen, außer wenn du es zulässt.“ sagte er und ich realisierte, dass er nicht verstand, was ich fühlte. Das würde er auch nicht.
„Ich glaube, du wirst niemals wirklich verstehen, was ich für dich empfinde. Es ist umsonst, dass ich mich wiederhole.“ beichtete ich ihm und beobachtete wie er sich verzweifelt durch das Haar fuhr. Wieder begann er auf und ab zu tigern und atmete harsch ein und aus. „Was hält dich hier, Edward?“ fragte ich ihn und er sah mich verständnislos an. „Warum bleibst du in diesem Haus? Warum bist du hier?“ fragte ich ihn.
„Willst du etwa, dass ich gehe?“ fragte er mich.
„Wenn du gehen willst, dann kannst du ruhig gehen.“ Ich wusste nicht, dass es mich so viel kosten würde diese Worte auszusprechen.
„Du willst, dass ich gehe?“ fragte er mich entsetzt. „Vor einigen Minuten sagtest du....“
„Ich weiß, was ich gesagt habe, Edward. Ich sehe dir nur an, dass du gehen willst. Glaub mir, ich werde dich nicht aufhalten.“ sagte ich ihm und wusste selbst nicht, warum ich das tat.
„Was ist das für ein Spiel? Bist du krank, Bella? Denn ich verstehe den Sinn des Ganzen nicht! Einmal sagst du mir, dass du mich liebst und dann willst du, dass ich verschwinde.“ Er schrie mich an, wie immer, wenn er sich angegriffen fühlte.
„Du willst verschwinden!“ schrie ich diesmal zurück.
„Du hast Angst, Bella. Du hast schreckliche Angst und du willst nicht die Schuld haben, wenn mir was passiert.“ Sein Gesichtsausdruck entsprach seiner Wut. „Aber du kannst nichts dagegen machen, wenn mir was passiert, dann wird es wohl das Schicksal sein.“
„Nein, Edward. Nein!“ schrie ich ihn an. Er konnte mich einfach nicht davon überzeugen, dass ihm etwas passieren würde und ich nichts tun könnte, um es zu verhindern. Ihm konnte nichts passieren! Ihm durfte nichts passieren! Wenn ihm etwas passierte, würde ich auch mit ihm sterben. Diesen Gedanken konnte ich nicht ertragen. Während ich mit meinen Gedanken kämpfte, stand Edward plötzlich vor mir und blickte mich durchbohrend an. Dann packte er mich grob an den Oberarmen und ich zuckte zusammen, weil es mich so sehr überraschte. Meine Unterarme verhinderten, dass er mich ganz gegen seinen Körper presste. Für einige Momente blickten wir uns gegenseitig in die Augen, ohne dass wir uns rührten. Doch dann versiegelte Edward meinen Mund mit seinen Lippen   und ich begann in seinen Armen zu zappeln, weil ich es nicht ertrug, dass er versuchte meinen Schmerz weg zu küssen. Anstatt mich loszulassen, vertiefte er den Kuss und ich vergrub meine Finger in seinem Haar. Seinen Duft zu riechen, seine weichen Lippen an meinen zu fühlen, löste gemischte Gefühle in mir aus und in meinem Körper schien sich ein Ventil zu öffnen, denn Tränen begannen über meine Wangen zu laufen. Als er den Kuss unterbrach, blickte er mir in die Augen, küsste meine Stirn und zog mich an seine Brust.
„Kleines.“ flüsterte er in mein Haar. „Lass mich in dein Zimmer tragen.“ Sein Blick war zärtlich als er mich ansah, dann lächelte er sanft und hob mich auf seine Arme.
„Ich will hier bleiben, bei dir.“ sagte ich. Edward schien mit sich zu ringen, doch dann legte er mich auf seinem Bett ab und deckte mich zu. „Leg dich zu mir, Edward.“ bat ich ihn.
„Ich komme gleich. Ich hol dir nur etwas zu trinken.“ sagte er, küsste mich auf die Stirn und ging aus dem Raum. Ich vergrub meine Nase in seinen Kissen und realisierte, dass ich süchtig nach ihm war. Es machte mir Angst, wie sehr ich ihn liebte. Aber ein bisschen Stolz blieb mir trotzdem noch, denn ich wischte mir die Tränen fort. Ich musste überlegen, was ich tun sollte. Edward konnte nichts geschehen, denn er war mein Herz, meine Stärke, mein Grund zu leben und zu atmen. Edward hörte ich gar nicht in den Raum kommen, erst als er sein Gesicht zwischen meiner Schulter und meinem Hals vergrub, nahm ich ihn wahr.
„Willst du Orangensaft?“ fragte er sanft. Doch ich schüttelte meinen Kopf. Seine Finger fuhren zärtlich über meinen Oberarm, bis er meine Hand ergriff und seine Finger mit meinen verwob.
„Schlaf, Baby. Ich werde über deinen Schlaf wachen.“ sagte er. „Bella, schließ deine Augen und schlaf.“ Ich lächelte ihn an und schloss belustigt die Augen.
„So ist es brav.“ flüsterte er und machte es sich gemütlich neben mir. Als er meine Schläfe küsste, öffnete ich meine Augen kurz, doch schloss sie wieder. „Komm her, Baby.“ Er hatte die Arme geöffnet und ich ließ es mir nicht zweimal sagen. Ich legte mich auf seine Brust und schloss wieder die Augen.







~MB~





Als ich wieder die Augen öffnete, schien keine Minute vergangen zu sein – zumindest für mich fühlte es sich so an. Aber es mussten einige Stunden vergangen sein, denn ich lag nicht mehr auf Edwards Brust sondern mit dem Rücken zu ihm und er war fest gegen meinen Rücken gepresst, die Arme um meinen Körper geschlungen. Immer wenn ich traurig oder wütend war, musste ich darüber schlafen und dann war es vorbei, wie auch diesmal. Ich fühlte mich wie neu. Außerdem war ich nicht mehr so zwiegespalten. Ich wusste, dass die Angst einen Menschen schwächer machte, aber ich konnte nicht verhindern, mich daran zu erinnern, dass mein Dad praktisch Edwards Leben ruiniert hatte und dass es dabei um zwei Männer ging, die in meinem Leben, die wichtigsten waren. Das brachte mich um. Aber ich würde alles Mögliche tun, auch das Unmögliche, damit Edward am Leben blieb. Denn mein Dad war niemand um irgendjemandem das Leben zu nehmen. Er war nicht Gott.

Edwards Griff war so fest, dass es zu meiner Lebensaufgabe wurde, mich unter diesem Griff zu drehen. Das Wichtige war jedoch, dass ich es schaffte. Ich lag Edward gegenüber, unsere Gesichter auf gleicher Ebene auf dem Bett. Seine langen Wimpern berührten seine Wangen. Allein sein Gesicht zu sehen, löste in mir eine Zärtlichkeit aus, die ich mir nicht erklären konnte. Die Hälfte seines Gesichts war im Kissen vergraben, aber ich legte meine Hand auf die Wange, die zugänglich war. Es fühlte sich an, als gehörten meine Finger auf seiner Wange, auf seiner Haut. So als wären wir füreinander geschaffen. Meine Finger spielten auf seiner Haut ihre eigene Melodie, als hätten sie nichts anderes zuvor gemacht und als wäre alles, was passiert war in meinem Leben, allein deshalb passiert, weil Edward für mich geschaffen war. Weil er derjenige war, der meinen Schmerz fortküssen konnte und ich seinen.

Während mein Daumen die Konturen seiner Lippen nachfuhr, ging mir der Blick dieser grünen Augen durch Mark und Bein. Nur Edward schaffte es, dass ich unter seinem musternden Blick zitterte. Ich lächelte ihn strahlend an.
„Hi“ hauchte ich. Einige Momente lang blieb er regungslos und auch still, was mich nervös machte. Denn er beobachtete mich nur, während ich weiterhin meine Finger über sein Gesicht fahren ließ mit einer Aufregung, die ich noch nie zuvor gefühlt hatte. Würde er ausrasten, mich wegschieben, etwas sagen? Was würde er tun? Aber nichts von dem passierte, stattdessen sagte er etwas, das ich nie erwartet hätte, dass er sagen würde.

„Das wird der beste Tag meines Lebens sein.“ Seine Stimme war noch rau vom Schlaf, aber er lächelte so selig, so ehrlich und so glücklich. Es erfüllte mein Herz mit Glückseligkeit, der Grund für sein Glück zu sein. „Ich könnte bis ans Ende meines Lebens neben dir liegen und deine Schönheit bewundern, dich halten und niemals loslassen.“ Sein Duft und seine Stimme legten sich über mich wie eine warme Kinderdecke, die Wärme und Trost spendete. Seinen Kopf näherte er meinem Gesicht und legte seine Hand in meinen Nacken. Mit seinen Lippen fuhr er über mein geschlossenes Lid bis zu meiner Schläfe, dann hinunter zu meiner Wange und bis zu meiner Nase, wo er einen kleinen Kuss auf meine Nasenspitze hauchte. Meine Lippen spalteten sich während ich ausatmete. Er hob meinen Kopf an, küsste meinen Mundwinkel. „Nachts träume ich von dir, wie du meinen Namen sagst!“ flüsterte er zwischen zwei Küssen. Ich lächelte ihn benommen an. „Du bedeutest mir so viel, Bella. So viel, dass ich es nicht in Worte fassen kann.“ Mit seiner Hand zur Faust geballt, klopfte er sich auf die linke Brustseite, wo sein Herz war. „Ich möchte dich hassen, weil du mich so schwach machst, Bella. Aber ich kann nicht und das macht mir Angst.“ Seine Augen glänzten und sein Gesichtsausdruck zeigte, wie sehr er litt. „Egal, was ich tue, was ich sage, was ich bin – allem zum Trotz sehe ich dich, wenn ich meine Augen schließe.“ Seine Hand wanderte an meinem Rücken und er flüchtete in meine Umarmung, seine Nase wanderte an meiner Halsbeuge.
„Ich liebe dich!“ flüsterte ich an sein Ohr. Er lag zur Hälfte auf mir, aber trotzdem war er nicht schwer. Seine Hand wanderte unter die Decke und meine Atmung beschleunigte sich, während er von der Seite mein Gesicht beobachtete. Er legte sie auf meinem Bauch ab, dann wanderten seine Finger weiter unter dem Bund seiner Boxershorts, die ich trug, und legten sich auf meinem linken Hüftknochen ab, wo sein Name tättowiert war. „Warum hast du das getan?“ fragte er mich, während sich seine Augen in die meinen bohrten. „Weil ich gefühlt habe, dass dein Name auf meiner Haut gehört.“ antwortete ich und er schloss die Augen, malte kleine Kreise auf meinem linken Hüftknochen. Für mich war es als würde er mein Herz liebkosen und es schlug wie verrückt gegen meine Brust. „Ich höre dein Herz.“ sagte er dann, ergriff meine Hand und legte sie auf seine Brust. Sein Herz schlug ebenso schnell wie meins. Er legte sich wieder auf seine ursprüngliche Position nieder und ich legte meine Hand auf die seine, die auf meinem Hüftknochen lag. Nach einigen Minuten des Schweigens ging Edwards Atem regelmäßiger und ich wusste, dass er eingeschlafen war. Es war noch Nacht und draußen war es dunkel. Allein die kleine Lampe in der Ecke des Zimmers spendete ein wenig Licht. Meine Augen schlossen sich auch flatternd.

Ich musste eingeschlafen sein, denn ich bildete mir ein, ein Klopfen gehört zu haben. Noch bevor ich reagieren konnte, wurde die Zimmertür aufgerissen. Das Licht vom Flur durchflutete den Raum mit neuem Licht. Ich kniff meine Augen zusammen.
„Oh mein Gott!“ hörte ich und realisierte, dass ich in Edwards Zimmer war und er zur Hälfte auf mir lag und meine Nana sich gerade im besagten Zimmer befand. Ich legte meinen Zeigefinger auf meine Lippen um ihr deutlich zu machen, dass sie Edward nicht wecken sollte. Sie zeigte mit dem Finger nach draußen und ich wusste, dass sie mich draußen erwartete um mit mir zu schimpfen. Langsam nahm ich Edwards Hand von meiner Hüfte und dann drehte ich meinen Körper seitlich, so dass Edward langsam auf den Kissen rutschte. Auf Zehenspitzen schlich ich mich hinaus in den Flur, wo mich das Licht blendete und ich die Augen zu kneifen musste. Dann sah ich Nana in der Küche sitzen. Ich ging also in die Küche und wartete auf die Schimpftarade. Stattdessen sah sie mich nur schockiert und verletzt an.

„Na los, sag schon!“ sagte ich.
„Ich kann nicht glauben, was ich gerade gesehen habe!“ sie legte sich die Hände vor das Gesicht.
„Was genau war das?“ fragte ich leicht verärgert.
„Du... du..... und …. er ….“ stotterte sie und schien fassungslos zu sein. „Du lagst in seinem Bett! Du hast eine Affäre mit ihm?!“schrie sie zu Ende hin.
„Ich habe keine Affäre mit Edward, Nana. Edward und ich sind zusammen, aber wir wollten es nicht sagen, weil wir wussten, dass wir genau solche Reaktionen bekommen würden.“ erklärte ich. Sie schoss hinauf wie von einer Tarantel gestochen.
„Er nutzt dich aus. Siehst du das nicht? Er kam hier, in diesem Haus und verführt dich – Warum? Natürlich, weil er gesehen hat, wie naiv du bist und dein Geld will.“ Ich rollte die Augen.
„Für wie dumm hältst du mich eigentlich? Hm? Wenn du das über uns denkst, dann bevorzuge ich es gar nicht mit dir zu reden, Nana. Das hätte ich von Dad erwartet, vielleicht von Renée, aber nicht von dir. Warum kannst du dich nicht für mich freuen, Nana? Ich liebe ihn und egal wer sich unserer Liebe widersetzt, ich werde Edward nicht verlassen. Dann bevorzuge ich es zu gehen und ihr seht mich nie wieder.“ schrie ich wütend zurück. Sie hatte kein Recht über mich zu urteilen. Warum wollte sie mein Glück nicht?
„Und was willst du werden? Wo willst du wohnen? Was willst du machen aus deinem Leben?“ fragte sie mich besorgt.
„Wenn ihr mich zwingt, Edward zu verlassen, dann bin ich keine Swan mehr und nicht mehr die Tochter in diesem Haus, Nana. Dann werde ich genauso leben und arbeiten, wie alle anderen.“ Natürlich sprach ich aus meiner Wut heraus, aber es gab immer eine Option.
„Du redest wie eine dreckige, kleine …..“ schrie Nana wütend und ich wurde auch wütend.
„Wie was?“ fragte ich und wusste wie ihre Antwort ausfallen würde. Sie sprach es nicht aus. „Würdest du mich wirklich lieben, Nana, dann würdest du nicht so über mich urteilen.“ Ich war so enttäuscht, dass die Frau, die sozusagen meine Mutter in den letzten Jahren war, mir so in den Rücken fiel.
„Dein Vater hat mir die Aufgabe übergeben, auf dich zu achten, wenn er erfährt, was du tust, wird er mich rausschmeißen. Nicht nur das, dich wird er in irgendein Internat stecken, damit du nie mehr das Tageslicht siehst. Du wirst keine Zukunft haben. Keine Träume. Kein Leben. Willst du das?“
„Du weißt mehr, als du vorgibst zu wissen, Nana. Wahrscheinlich weißt du auch, wer meine Linda ermordet hat. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass irgendjemand Unbekanntes ins Haus kommt, meine Schwester umbringt, wieder hinauswandert, als wäre nichts passiert und Dad dazu sagt, sie wäre die Treppe hinuntergestürzt. Du bist der Komplize des Mörders!“ Ich zeigte mit dem Finger auf sie und bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, fühlte ich einen brennenden Schmerz in meiner Wange. Ihre aufgerissenen Augen und ihre erhobene Hand zeigten mir, was gerade passiert war. In meiner Wange pochte es, doch das Einzige woran ich denken konnte, war, dass ich richtig lag. „Ich liege richtig!“ sprach ich schockiert aus. Himmel! Als sie nochmal ihre Hand erhob, wurde sie von einer eisigen Stimme unterbrochen.

„An ihrer Stelle würde ich das sein lassen, Amy.“ Ich taumelte einige Schritte zurück und klebte fast am Kühlschrank, damit ich sie nicht ansehen musste. Während sie an Edward vorbei ging, murmelte sie etwas, das so klang wie: „Das wirst du noch bitter bereuen.“ Aber ich wollte mir Dinge nicht einbilden, ich wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen.
„Geht´s dir gut, Bella?“ hörte ich Edwards Stimme, so als wäre sie weit weg. ´Es ist Dad. Es ist Dad. Es ist Dad.´ wiederholte sich in meinen Gedanken wie ein Mantra. Ich schüttelte den Kopf. Er ergriff mein Gesicht, doch ich hatte nicht einmal die Kraft mich auf den Beinen zu halten. Ich rutschte am Kühlschrank hinunter und Edward machte mit, weil er mich an den Armen gepackt hielt, damit ich nicht umkippte.
„Bella! Bella, sieh mich an!“ befahl mir Edward.
„Ich kann nicht, Edward. Das ist zu viel. Das ….“ Ich drehte meinen Kopf weg. Meine arme Schwester! Ich atmete hektisch ein und aus und bekam dennoch keine Luft. Edward hielt mich noch immer an den Armen gepackt und ich blickte ihn wütend an. Ich fühlte mich, als hätte man mich angekettet und als würde man mich manipulieren und an meinen Fäden ziehen, wie bei einer Marionette.
„Lass mich los!“ brüllte ich ihn an. Ich stand auf und wollte mit schnellen Schritten Nana in die Ecke drängen, damit sie mir die Wahrheit sagte. Im Türrahmen angekommen, versuchte ich die Dunkelheit zu bekämpfen, die mich einzunehmen versuchte. Aber ich fiel und dieses Fallen hatte etwas Tröstendes an sich.





~MB~





In den nächsten zwei Tagen, lag ich im Bett und hörte auf die Personen zu zählen, die in mein Zimmer kamen, um nach mir zu sehen. Ich hörte auf die Stunden zu zählen; die Minuten und Sekunden. Mein Blick war auf die gegenüberliegende Wand gerichtet und es fiel mir schwer das Zittern meiner Hände zu unterdrücken. Mir war es als hätte ich kein Tropfen Blut mehr in meinen Venen. Mir war kalt und ich fühlte mich leer. Nicht mal Kraft zum Weinen hatte ich.

„Honey, ich habe dir dein Frühstück gebracht.“ hörte ich die Stimme meiner Mutter. „Bella, komm schon, Honey. Du musst diese Grippe, die dich so schwach macht, bekämpfen. Ich habe dir eine Hühnersuppe gemacht.“ Sie strahlte mich an. Meine Augen fühlten sich mit Tränen und ich realisierte, dass es für niemanden eine Ersatzmutter gab. Meine Nana hatte ihr Gesicht gezeigt. Sie hatte ihre Meinung geäußert. Meine Ersatzmutter, meine Nana, war nicht so perfekt, wie ich geglaubt hatte.

„Mum!“ sagte ich. Sie sah mich an, setzte sich mit dem Tablett auf ihrem Schoß am Rand meines Bettes.
„Ja, Honey?“ sie richtete mein Haar, wie nur eine Mutter das konnte.
„Liebst du Dad?“ fragte ich. Einen Moment lang sah sie mich unschlüssig an, dann setzte sie ihr liebliches, fälschestes Lächeln auf.
„Aber natürlich, Honey.“ log sie.
„Ich frage dich nicht als meine Mutter, Mum. Ich frage dich von Frau zu Frau.“ sagte ich. Ich ergriff ihre Hand und ihr gesenkter Kopf erhob sich.
„Bella, ich habe deinen Dad sehr geliebt. Ich schwöre, ich habe ihn geliebt.“ Sie ergriff meine beiden Hände und blickte mir traurig in die Augen. „Ich weiß, wie sehr du deinen Dad  liebst, Bella. Ich würde deinen Dad niemals runtermachen. Himmel, er ist der Mann, den ich geheiratet habe und der Vater meiner Kinder. Ich ...“ Sie hatte Angst vor meiner Reaktion, wenn sie mir sagte, dass sie Dad  nicht mehr liebte.
„Ich verstehe.“ sagte ich. „Du liebst ihn nicht.“
„Bella, so ist das nicht. Ich kann nicht einen Mann lieben, der nicht loyal zu mir ist, der mit mir so ist als wäre ich seine Feindin, Bella.“ Ich nickte und sie fuhr mit ihrer manikürten Hand über ihre Augen.
„Warum hast du ihn nicht verlassen?“ fragte ich sie.
„Ich … Das habe ich schon mal, Bella.“ Es fiel ihr schwer mit mir darüber zu reden, weil ich Charlies Tochter war. Aber als sie keine Reaktion von mir bekam, setzte sie fort. „Ich habe ihn verfallen, als du noch klein warst, Bella. Ich habe meine drei Kinder mitgenommen und lief weg nach Jacksonville. Ich habe meinen ganzen Schmuck verkauft, damit ich eine gute Wohnung für euch alle finde. Als Charlie das erfuhr, kam er natürlich hinterher und wollte mir meine Kinder wegnehmen. Aber Emmett und Linda wollten bei mir bleiben, so nahm er nur dich mit. Er sagte mir, wenn ich die Scheidung wollte, dann würde ich die Einzige sein, die verliert. Außerdem sagte er, wenn ich nochmal so etwas tat, würde er mich wegen Kidnapping ins Gefängnis stecken. Vor dem Gericht hatte ich gegen ihn keine Chance.“ Sie wischte sich die Tränen weg.
„Warum würdest du uns vor dem Gericht verlieren?“ fragte ich sie, weil normalerweise die Mutter ja die Kinder bei der Scheidung bekam.
„Zum einen, weil dein Dad ein sehr mächtiger und reicher Mann ist, Bella. Zum zweiten, weil ich keinen Job hatte und auch keine weitere Ausbildung nach der High School. Und zum dritten, ...“ sie brach ab und sah weg.
„Du hast dich in jemanden anderen verliebt?“ fragte ich und sie drehte sich zu mir.
„Ich schwöre, ich wollte niemals, dass das passiert. Ich habe mich dagegen gewährt, Bella. Ich wollte diese Liebe nicht. Ich wollte niemanden hintergehen oder verletzen. Ich wusste, dass ich Charlie gehörte bis ich sterbe, Bella.“ In ihren Augen war eine Angst, die ich nicht beschreiben konnte, zu sehen.
„Mom!“ sagte ich traurig. Dann erhob ich mich aus meinem Bett, legte meinen Arm um ihre Schultern und umarmte sie. „Du weißt nicht, wie sehr du mir gefehlt hast. Ich vermisse dich!“
„Es tut mir leid, Bella. Ich hätte eine bessere Mutter für dich sein müssen. Es tut mir so leid, Honey. Ich will, dass du weißt, wie sehr ich dich liebe.“ sagte sie, während sie über mein Haar fuhr.
„Ich liebe dich auch, Mom.“ sagte ich.








~MB~







In der Woche drauf, begann ich endlich wieder in die High School zu gehen, natürlich mit verstärkter Sicherheit, weil mich ja jemand umbringen wollte – was auch nicht mehr so neu war. Mein Fenster war offen und der Wind blies mir ins Gesicht.
„Geht´s dir heute besser?“ hörte ich eine bekannte Stimme.
„Ja, viel besser, Roger. Vielen Dank!“ antwortete ich, ohne ihn anzusehen. Er fuhr mich, wie jedes Mal, in die Schule und das beruhigte mich ungemein.
„Du bist nicht wirklich krank, oder?“ fragte er mich und sah mich im Rückspiegel an.
„Nein!“ antwortete ich. „Nicht wirklich.“
„Wenn du mit jemanden reden willst, bin ich natürlich immer für dich da!“ sagte er und lächelte mich an.
„Falls du mir noch etwas verheimlichst, Roger, dann bitte ich dich es mir jetzt zu sagen. Es mir sagen, solange ich noch verzeihen kann.“ Ich fragte mich nur, wie oft man einen Dolch in den Rücken gerammt bekommt, bis man endgültig stirbt. All die Traurigkeit, der Schmerz, der Druck, den ich zum ersten Mal nach Linda´s Tod gefühlt hatte, kehrte immer wieder zurück. Jedes mal, wenn dieses Gefühl zurückkehrte, nahm es ein Stück vor mir weg. Ein Stück meines Herzes. Ein Stück meines Seins. Es paralysierte mich, wieder dieses ohnmächtige Gefühl zu haben. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich wollte weglaufen, aber ich konnte nicht. Ich wollte weinen, aber keine Träne fiel. Dabei fühlte ich mich so unglaublich allein.
„Wir sind schon da!“ kündigte Roger uns an. Edward stieg als erster vom Wagen aus, um zuerst die Gegend zu checken, dann kam er um den Wagen herum, öffenete die Wagentür und ich stieg aus. Ich hatte mit ihm nicht gesprochen, schon seit dem Tag nicht, als ich ohnmächtig wurde. Ich wusste, dass er um mich besorgt war und dass ich mich an Edward lehnen konnte, aber er war nicht die richtige Ansprechperson in dieser Lage. Ich konnte nicht über Dad mit Edward reden. Ich konnte einfach nicht.

Obwohl keine Sonne schien im Oktober, schob ich mir meine Sonnenbrille auf die Nase, weil ich tiefe Ringe unter den Augen hatte und ich nicht wollte, dass mich die Leute mit einem Zombie verwechselten. Außerdem wollte ich kein Mitleid, dafür war ich viel zu stolz und trotzig. Manchmal dachte ich, dass ich allein aus Stolz auf den Beinen stand, während mein ganzes Leben in sich zusammenfiel.

„Bells, hier bin ich!“ Angela winkte schon vom Weiten – und als sie mich erreichte, drückte sie mich herzhaft an sich. „Was ist los?“ fragte sie, als sie mein Gesicht sah.
„Ach, nichts! Jemand will mich umbringen!“ scherzte ich.
„Erzähl mir etwas Neues.“ meinte sie grinsend und winkte Edward zu. „Hi, Edward!“
„Guten Morgen!“ antwortete dieser zu ihr.

Angela war sie selbst, wie immer, und plapperte unaufhörlich, aber deshalb hatte ich sie auch so lieb. Sie war wie meine Schwester. Jessica, Angela und ich waren praktisch zusammen aufgewachsen. Nach all diesen Monaten musste ich zugestehen, dass Jessica Recht behalten hatte. Denn ich hatte versucht perfekt zu sein. Ich hatte versucht die Tochter zu sein, die mein Dad gebraucht hatte. Ich hatte immer versucht, die Person zu sein, die andere gebraucht hatten. Aber ich hatte dabei immer vergessen, dass es mich auch noch gab. Dass ich ich allein sein sollte, ich selbst und nicht irgendeine gesichtslose und namenslose Person, die ich erfunden hatte, damit andere zufrieden waren. Als ich unseren Unterrichtssaal erreichte, die anderen mich sahen, wurde ich von fast allen in die Arme geschlossen. Angela klatschte begeistert in die Hände und ging danach zu unseren Platz in der ersten Reihe. Als ich mich umsah, saß allein Jessica in der letzten Reihe und blickte auf ihre Nägel. Eigentlich war ihr Platz auch vorne, aber anscheinend wollte sie weder mit Angela noch mit mir, etwas zu tun haben. Auch das war okay. Ich war es langsam gewohnt, dass mir Menschen in den Rücken fielen.

Mein Tag zog sich unendlich lang vor mich hin. Edward saß in allen meinen Kursen ganz hinten und beobachtete die ganze Situation. Angela war immer neben mir, nur in Spanisch war sie nicht da, weil sie Französisch lernte. Meine Gedanken rasten auch im Spanischkurs und die Professorin fand es für nötig, mich aus meiner Trance zu reißen.

„Ms. Swan, können Sie uns erklären, wann wir den ´Subjuntivo´ verwenden und wann nicht?“ Durchdringend blickte sie mir in die Augen und wartete auf eine Antwort. Ich versuchte mich zu erinnern, was ihre Frage denn eigentlich gewesen war, doch es gelang mir nicht.
„Ms. Swan, hören Sie mich überhaupt?“ Sie winkte mit der Hand vor meinen Augen herum. „Sie sollten wirklich aufpassen? Denn für sie wird es nicht leicht sein, dem Unterricht zu folgen, weil sie ja die letzten zwei Monate kaum anwesend waren. Sie sollten das wirklich ernst nehmen. Auch wenn sie noch so gute Noten letztes Jahr hatten, heißt das nicht ….“ setzte sie fort mit ihrem Diskurs, der mich nur noch mehr einengte. Ich wusste nicht, woher es kam, aber plötzlich stand ich auf. Der Sessel hinter mir kratzte über den Boden und damit erlangte ich die Aufmerksamkeit aller im Raum. Danach begann ich meine Sachen zusammen zu raufen und die Professorin sah mich perplex durch ihre Brille an.
„Was denken Sie, dass Sie hier tun? Ich warne Sie, wenn Sie jetzt verschwinden, werden Sie nachsitzen müssen.“ schrie sie mich hysterisch an. „Ihren Eltern wird es nicht gefallen, wenn Sie die Schule schwänzen, Ms. Swan.“ Ich versuchte mich ja zurückzuhalten, aber diese Frau machte es mir so unglaublich schwer.
„Sie wissen rein gar nichts über mich. Für das nächste Mal sollten Sie es unterlassen, mir zu sagen, was ich tun oder lassen soll.“ sagte ich laut genug, dass es alle hörten. Aber sie entschied sich ja einen auf schockiert und hörgeschädigt zu tun.
„Also so eine Unverschämtheit!“ Sie griff sich theatralisch ans Herz. „Was sagten Sie gerade?“ schrie sie am Ende hin. Ich schnappte mir meine Tasche und die Bücher hielt ich unter dem Arm. Ich öffnete die Tür, konnte es jedoch nicht unterlassen, mich zu ihr zu drehen, sie direkt anzusehen und es ein wenig zu genießen, ihr meine Meinung entgegenzugeigen.
„SCHEREN SIE SICH ZUM TEUFEL UND HALTEN SIE SICH AUS MEINEM LEBEN RAUS!!!“ brüllte ich und knallte die Tür hinter mir zu. Zwei Schritte auf einmal nehmend rannte ich die Treppe hinunter. Ich hatte es so satt! So verdammt satt, dass jeder an mir herumnagte und ständig an mir etwas auszusetzten hatte.

Als ich im Hof ankam, setzte ich mich auf die paar Treppen vor dem Eingang und blickte auf den verdammten Amor mit seinem Pfeil und Bogen, der hier einfach so fehl am Platz war wie ich. Ich knallte meine Bücher auf den Boden und kramte in meiner Tasche nach einer Zigarette. Ich hatte seit langem nicht mehr geraucht und ich wusste, dass es im Schulgebäude verboten war zu rauchen, aber egal, dann werde ich halt doppelt so viel nachsitzen müssen. Wenn es auch so wäre! Ich würde mein eigenes Ding durchziehen. Einmal in meinem Leben würde ich das machen, was ich wollte und nicht was andere von mir verlangten. Es war Absicht und pure Provokation, dass ich rauchte. Denn ich musste nicht ständig rauchen, weil ich kein chronischer Raucher war, sondern gelegentlich mal die eine oder andere Zigarette anzündete.

Aus meinen Augenwinkeln sah ich, wie sich etwas bewegte, aber ich machte mir keine Mühe nachzusehen, wer es war. Ich wusste es, auch ohne hinzusehen, denn all meine Härchen stellten sich nur bei einer Person auf, noch bevor diese mich erreichte.
Er ließ sich neben mich nieder. Seine Arme stützte er auf seine Knie ab und blickte geradeaus wie ich.

„Was war das eben?“ fragte er ruhig.
„Nichts!“ antwortete ich.
„Nichts, aha.“ meinte er geistreich. „Warum dann dieses Verhalten?“ Ich fühlte, dass er mich ansah. „Sieh mich an, wenn ich mit dir rede.“ Den letzten Part sagte er sehr autoritär. Ich drehte meinen Kopf zu ihm, sah ihm jedoch nicht in die Augen. Mit seinen Fingern unter meinem Kinn hob er meinen Kopf an. „Warum tust du das?“ fragte er nochmal. Ich schwieg. Was hätte ich auch sagen sollen? „Antworte mir, verdammt nochmal!“ schrie er.
„Was willst du hören?“ schrie ich zurück. „Was?“ flüsterte ich dann.
„Ich will nur wissen, warum du das tust. Es muss einen beschissenen Grund geben. Genau den will ich wissen!“ Die Vene auf seiner Stirn zeichnete sich deutlich heraus und ich wusste, dass er wütend war. Aber ich war es auch – also was? Wen scherte es? Es interessierte sowieso niemanden, was ich fühlte.
„Weil ich nicht mehr kann!“ hauchte ich atemlos. „Ich will nicht mehr so weiter. Ich will nicht!“
„Nun, dann kommen wir näher an das Problem heran.“ meinte er.
„Mach dich nicht über mich lustig, Cullen. Hör auf damit!“ schrie ich ihn an.
„Ich mache mich doch nicht lustig über dich!“ meinte er ernst. „Ich versuche dich nur zu verstehen.“ Ich sprang auf und ging im Rasen auf und ab, mit der Zigarette zwischen meinen Fingern, die vor sich hinqualmte.
„Du kannst mich nicht verstehen. Du kannst es einfach nicht.“ Ich war so enttäuscht. So unglaublich sehr, dass ich es einfach nicht verhindern konnte, so zu reagieren. Er stand langsam auf und kam auf mich zu. Ich drehte meinen Kopf weg, hatte einfach nicht die Kraft ihm in die Augen zu sehen.
„Ich verstehe dich, besser als du denkst, Bella. Ich kenne das Gefühl, wenn du dich verlassen fühlst, allein und ohne jemanden, der zu dir hält, der dich auffängt, an den du dich lehnen kannst. Ich weiß, wie es ist, wenn man schreiend davonlaufen will. Wenn du wütend bist und diese Wut deine ganzen Gedanken einnimmt, wenn du den Schmerz nicht mehr aushältst. Ich weiß, wie das ist. Aber das ist kein Grund dieses Verhalten an den Tag zu legen. Hast du vergessen, wer du bist?“ Er packte mich an den Armen und blickte mir durchbohrend in die Augen. „Du bist die Tochter eines Senators. Du bist Isabella Swan. Steh zu dem, Bella.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Ich will nicht. Ich will nicht mehr.“ flüsterte ich.
„Was willst du nicht mehr?“ fragte er mich.
„Das alles. Ich habe nicht mehr die Kraft so zu leben.“ hauchte ich. „Ich will es herausschreien können. Ich will die Kraft finden und es einfach herausschreien, ohne Angst, ohne Furcht. Ich will mein Leben leben, so wie ich es will.“
„Schrei es heraus, Bella. Na los, schrei es heraus.“ forderte er mich auf.
„Das Problem ist, dass ich es nicht kann. Ich kann nicht.“ sagte ich schwach.
„Was ist es, dass dich so sehr zerreißt, Bella? Sag es mir!“ forderte er und sah mich wieder betroffen an.
„Ich will, dass es alle erfahren. Dass es jeder weiß und dass es in jeder Klatschzeitung steht und dass jeder davon spricht und dass es der schlimmste Skandal wird, den man in Seattle veröffentlicht hat. Und ich will, dass es mir nichts ausmacht. Ich will glücklich sein, Edward. Aber auf diese Weise werde ich das nicht sein können.“ Ich sprach mit so viel Leidenschaft, dass es mich selbst überraschte. Ich hatte gar nicht gewusst, wie sehr mit das etwas ausmachte. Ich wusste nicht, ob es daran lag, dass in meinem Haus jeder die Wahrheit verschwieg und dass alle nur auf  ihre eigenen Interessen aus waren oder ob es daran lag, dass meine Mutter ein Leben lebte, das nicht das ihre war. Sie tat das, was man von ihr erwartete.
„Was? Sag es mir! Was willst du von mir?“ fragte er und vergrub seine Finger in mein Haar.
„Ich will nichts von dir. Ich will zu dir stehen, Edward. Ich will zu uns stehen. Ich will jedem sagen, dass ich dich liebe und ich will, dass es sogar mein Dad erfährt. Ich will nicht mehr das tun, was andere von mir wollen.“ Nun war es raus! Wie jeder andere Mensch hatte ich Träume und Wünsche und Pläne für die Zukunft, nur, dass ich größere Verantwortungen hatte, als alle anderen Menschen. Mein Vater war ein Senator, was natürlich alle wussten. Mein Dad war der fieseste Typ, der wahrscheinlich auf Erden herumwanderte, was nicht jeder wusste.
„Wenn dir danach ist, schrei es heraus. Ich werde ganz sicher nicht aus dir eine leblose Puppe machen, die sich unterdrücken lässt. Ich liebe dich, so wie du bist, Bella. Genau so! Wenn du auf meine Zustimmung gewartet hast, dann hast du sie. Na los, schrei es heraus!“ sagte er, ging einige Schritte zurück und breitete seine Arme aus. Mit all seiner Kraft, mit all seinem Sein stärkte er meinen Rücken und das war eine der Sachen, die ich an Edward so sehr liebte. Er sorgte um mich, als wäre ich das Größte, das er hatte. Als würde nichts anderes, im Moment so sehr bedeuten.

„Ich kann nicht! Du weißt, dass ich es nicht kann.“ schrie ich ihn an.
„Warum?“ fragte er.
„Weil ich Angst habe, dass sie dich töten. Ich kann dich nicht einfach der Gefahr aussetzen.“ Meine Hand wanderte in sein Nackenhaar. „Dafür liebe ich dich viel zu sehr!“
„Ich werde nicht mehr in Gefahr sein, als jetzt schon, Bella. Seitdem ich 13 bin, warte ich auf den Tag, an dem sie mich töten werden und eines Tages wird es geschehen. Mir macht das keine Angst. Denn ich bereue nichts, Baby.“ Ich packte ihn am Kragen seiner braunen Lederjacke. „Eines Tages werde ich auf meinem Motorrad sitzen, dich sehen und meine Augen schließen. Solange du lebst, bin ich nicht tot, denn ich werde in dir leben, Bella.“ Wütend schlug ich ihm gegen die Brust und als er versuchte mich in seine Arme zu nehmen, entzog ich mich ihm.

„Wenn dich meine Liebe töten sollte, dann bevorzuge ich es, dass du mich nicht liebst. Dann akzeptiere ich lieber, dass du eine andere liebst, eine andere heiratest und mit ihr dein Leben lebst.“ Er lachte belustigt, weil er mich nicht ernst nahm. Er wusste nicht, wie ernst ich es meinte.
„Ich werde nichts von diesen Dingen tun, weil ich dich liebe und ich kann nicht plötzlich eine andere Frau lieben. Das kann ich mir nicht aussuchen. Denn ich bevorzuge es mit dir zu streiten, als mit einer anderen zu leben. Wenn ich nicht mit dir glücklich bin, dann will ich gar nicht glücklich sein.“ sagte er und ich sah ihn an, verstand ihn nicht, warum er so etwas sagte oder dachte. „So liebe ich dich und wenn du es nicht bist, dann wird es keine sein.“ Plötzlich packte er mit einer Hand mein Gesicht blickte auf mich hinunter, nahm mir die Zigarette aus den Fingern und steckte sie zwischen seinen Lippen. Hinter meinem Gesicht sah er jemanden an.
„Jetzt leg dein bestes Lächeln auf und entschuldige dich. Man muss sein Schicksal nicht herausfordern. Ich weiß, was ich sage.“ er zwinkerte mir zu.
Meine Spanischprofessorin tauchte hinter mir auf, blickte mich durch ihre dicke Brille hindurch mit einem giftigen Blick an und wandte sich sauer an Edward.
„Mr. Cullen, hier ist das Rauchen verboten. Haben Sie nicht die Schilder gesehen?“ Ich wollte ihr meine Meinung wieder entgegengeigen, aber diesmal ließ ich mich nicht so leicht provozieren.
„Sorry, Ma´am“ antwortete Edward charmant und sie schnappte nach Luft.
„Ms. Swan, folgen Sie mir!“ wandte sie sich an mich, als sie sich von Edwards Blick mit roten Wangen losreißen konnte. Ich schmunzelte leicht.
„Ja, Ma´am.“ versuchte ich es mit Edwards Masche. Mir warf sie aber einen vernichtenden Blick zu. Also wirklich! Sie flirtete hier mit meinem Freund und warf mir noch böse Blick zu. Ich war schockiert.






~MB~





Ich wartete vor Mrs. Cullen's Rektorzimmer und war total beschämt von meinem Verhalten. Nicht, weil ich etwa meiner Spanischprofessorin meine Meinung offen und ehrlich gesagt hatte, sondern weil gerade meine zukünftige Schwiegermutter davon erfuhr. Himmel, sie würde mich einfach hassen. Oh, Himmel!

„ ..... ein inakzeptables und hoch schockierendes Verhalten von einer Schülerin, die bisher ein immer tadelloses Benehmen hatte ...“ hörte ich sogar draußen. Dann wurde noch etwas gemurmelt, was ich nicht verstand und danach wurde die Tür geöffnet. Die Prof ging hinaus und ich wurde zu Mrs. Cullen hineingeladen.

„Guten Tag, Ms. Swan.“ sagte sie und lächelte mich warm an.
„Guten Tag.“ Ich bevorzugte es auf meine Chucks zu blicken, anstatt ihr in die Augen. Himmel! Warum tat sich die Erde einfach nicht auf und verschluckte mich?
„Nehmen Sie Platz, Ms. Swan.“ bot sie mir an und machte eine einladende Geste mit der Hand. Ich nahm ihre Aufforderung an.
„Nun erzählen Sie mir, Ms. Swan oder soll ich sie lieber Bella nennen?“ fragte sie mich warm.
„Bella ist besser, danke!“ antwortete ich und zappelte unter dem Tisch mit meinen Beinen herum, wippte sie auf und ab.
„Nun erzähl mir, Bella. Was ist im Unterrichtssaal passiert?“ fragte sie mich. Ein Klopfen an der Tür ließ und überrascht den Blick voneinander abwenden und der Person zuwenden, die in den Raum trat.

„Hi, Mom.“ kam Edward herein.
„Edward, mein Schatz.“ sie erhob sich sofort aus ihrem Sessel und ging auf ihn zu. Er küsste sie auf die Stirn und legte die Arme um sie. Ich hörte nicht worüber sie sprachen, aber sie tätschelte ihm liebevoll die Wange und hörte ihm gespannt zu.
„War das so, Bella?“ fragte mich Esme und ich drehte mich überrascht zu ihr um. Edward nickte heftig und seine Mutter sah ihn aus den Augenwinkeln, schlug ihm verspielt gegen die Brust.
„Ja, genau so war das, Mrs. Cullen.“ meinte ich total überzeugt.
„Meine Mum heißt eigentlich Esme und Mrs. Cullen ist meine Großmutter.“ sagte Edward und grinste frech. „Mom, das ist Bella.“ Sie strahlte ihren Sohn an und nickte, streckte mir die Hand entgegen. „Freut mich, Bella.“
„Mich ebenso, Esme.“ Wir schüttelten die Hände und lächelten uns gegenseitig an.
„Ich verstehe deine Lage, aber du solltest dich lieber nochmal entschuldigen, damit keine Missverständnisse entstehen.“ Ich nickte. Edward schickte seiner Mutter fliegende Küsse zu und machte das total charmant, so dass sie lächelte. „Mom, ich liebe dich.“ sagte er noch.
„Bye, Bella.“ sagte sie und ich winkte ihr zu.
„Bye, Esme.“







~MB~





„Arg, nein.“ Ich stampfte mit den Füßen. „Dieser Schritt ging anders.“ sagte ich zu Angela.
„Bella, Mädel. Komm runter, okay? Ich weiß, die Halloweenaufführung ist ja in zwei Tagen, aber das ist kein Grund, um auszuflippen. Geh und trink einen Schluck und wir hier tanzen allein weiter.“ Sie zwinkerte mir zu, die Ruhe selbst, gab mir einen Klaps auf den Allerwertesten und machte ihre ´husch, husch´-Bewegung. Von der Ecke nahm ich mir mein weißes, kleines Handtuch und legte es mir um den Nacken, packte noch meine Wasserflasche und ging aus dem Tanzsaal, wo ich die letzten Tage hätte ein Bett anschaffen sollen, weil ich bis spät nachts noch hier war. Seit Monaten hatte ich schon die Schritte für die Halloweenaufführung überlegt, hatte schon alle Kostüme fertig, die meine Mum für mich hatte anfertigen lassen. Mein Gesicht brannte und ich war total verschwitzt. Meine Strähnen, die sich aus meinem Zopf gelöst hatten, klebten in meinen Nacken.

Ich blickte mich um, fand aber Edward nicht. Leichte Panik erfasste mich und ich beobachtete, wie ungefähr zwanzig Tänzer – alle aus unserer High School – tanzten, aber Edward fand ich nicht.
„Ang, wo ist denn Edward?“ fragte ich.
„Wer?“ fragte sie über das Lied hinweg.
„Edward!“ schrie ich zurück.
„Der ist was zum Essen holen gegangen. Weil du ja nur gefrühstückt hast; du weißt ja, dass er sich um dich sorgt.“ Sie zwinkerte mir zu. „Leute, mehr die Hüfte einsetzen.“ brüllte sie. Ich winkte ab und ging aus dem Tanzsaal hinaus. Die große Bühne im Erdgeschoss dieses Gebäudes war schon für übermorgen gebucht und ich war schon total kribbelig. Im Flur sah ich nach vorn und hinten, aber von Edward keine Spur. Als ich wieder zurückkehren wollte, hörte ich Edwards Stimme.
„Kleines? Was machst du hier draußen?“ fragte er und ich drehte mich zu ihm um.
„Ich habe mein Herz gesucht und dann kamst du.“ antwortete ich ihm. Er rollte lächelnd die Augen. Er hielt in seiner Hand zwei riesige Tüten von McDonalds. „Du warst beim Mc?“ fragte ich und er grinste schief.
„Ja, warum?“ fragte er, leicht belustigt.
„Weil ich noch nie etwas vom McDonalds gegessen habe.“ beichtete ich.
„Fuck! Im Ernst? Das habe ich noch nie gesehen!“ Er begann zu lachen und ich schlug ihm mit meinem Handtuch gegen die Brust.
„Hör auf mich auszulachen, Cullen!“ gab ich weinerlich von mir. Er legte seine freie Hand auf mein Steißbein und zog mich an sich.
„Sorry!“ nuschelte er gegen meine Lippen. Dann beugte er sich zu mir und nahm meine Oberlippe zwischen seinen Lippen, während ich sanft an seiner vollen Unterlippe knabberte. Er gab mir noch einen sanften Kuss und schob mich mit dem Arm um meine Taille in den Tanzsaal.
Angie begann sofort zu schreien. „Leute, hier herhören: Springt alle auf Edward, denn er hat Essen mitgebracht.“ Ich lachte und setzte mich auf den Boden, in der Mitte des Saals. Dann entstand ein Gemurmel, das ich einfach ignorierte. Jeder schnappte sich etwas zum Knabbern und alle packten schon die Taschen, weil es ziemlich spät am Abend war und alle total müde waren. Außerdem gab es morgen wieder Unterricht.
„Bye, Bella.“ winkte mir Mike zu.
„Bye, Mike.“ winkte ich zurück.
„Danke, Edward.“ entgegnete Angela und winkte mir zu, schickte mir fliegende Küsse zu.
„Bye, Angie.“ winkte ich und im Nu waren Edward und ich allein im Saal. Er kam auf mich zu mit nur einer Tüte in der Hand und stellte sie vor mich ab. Ich fing sofort an darin zu kramen, bis ich meine Pommes fand und noch dazu einen Mc Chicken. Ich hatte so einen Bärenhunger, dass Edward mich schmunzelnd beobachtete und ich mit vollem Mund die Achseln zuckte.

„Isch habe eben Hunker“ so klang das jedenfalls bei mir, wenn ich mit vollem Mund sprach.
„Ach wirklich? Darauf wäre ich jetzt gar nicht gekommen.“ meinte er und lächelte sanft.
„Willschst du wasch?“ fragte ich daraufhin noch.
„Ja, voll. Einen Kuss.“ antwortete er und ich rutschte mit meinem Hintern in Edward´s Richtung. Ich stopfte mir noch die letzten Reste in den Mund und stand auf um meine klebrigen Hände zu waschen. Als ich wieder zurückkam, setzte ich mich auf Edwards Schoß ab, legte meine Arme um seinen Nacken und sah ihn an.
„Und?“ fragte er und ich tat so als wüsste ich nicht, wovon er sprach.
„Das war sehr lecker, Edward.“
„Ach, wirklich?“ gab dieser spielerisch von sich.

„Ja, total.“ antwortete ich, krallte meine Hand in sein Haar und küsste ihn. Seine Lippen strichen sanft über die meinen und über meinen ganzen Körper kribbelte es. Meine Lippen spalteten sich und seine Zunge drang gierig in meinen Mund ein. Dann ließ er sich langsam auf seinen Rücken fallen und zog mich mit. So lag ich auf ihm und er auf den Boden. Seine Hand wanderte in mein Haar und er zog mich noch fester an ihn. Die andere Hand wanderte über meinen Rücken und dann unter mein Tanktop. Ich atmete zittrig ein und aus. Dann drehte er uns herum und ich nutzte die Gelegenheit aus, um meine Hand unter sein Shirt zu schieben. Mit meiner Hand fuhr ich über seinen muskulösen Rücken. Edward küsste ohne Zurückhaltung und zum ersten Mal war er voll er selbst. Ich stöhnte in seinen Mund und zog an seinem Shirt. Da hob er sofort seine Arme in die Höhe und zog es aus. Danach stützte er sich rechts mit seinem Arm neben meinem Kopf ab. Mit der freien Hand schob er meinen Träger von meiner Schulter und begann meine Schulter mit sanften Küssen zu bedecken. Seine Lippen fuhren über mein Schlüsselbein und ich reckte mich ihm entgegen. Danach hob er seinen Kopf an und sah mich an.

„Was ist?“ fragte ich.
„Hast du das gehört?“ fragte er mich sofort alarmiert und draußen hörte ich wieder ein Rumpeln. Ich riss schockiert die Augen auf, weil ich nichts gehört hatte. Er schnappte sich sein Shirt auf und zog es sich in einer schnellen Bewegung über. Mit schwerem Atem blickte ich ihn an, schob meinen Träger zurecht und folgte Edward. Sofort als ich um die Ecke kam, hörte ich Edward brüllen.

„Wer bist du und wer hat dich geschickt?“ Er hatte den kleinen Mann am Kragen gepackt und die Waffe gegen dessen Stirn gepresst.
„Bella, nimm diese Kamera und schau nach, ob er Fotos von uns hat.“ befahl Edward. Ich packte die Nikon, welche am Boden lag und ging zu den Fotos. Als ich das Resultat sah, öffnete ich den Mund. „Was ist?“ drehte sich Edward zu mir.
„Es gibt so viele Bilder von uns beiden, Edward.“ antwortete ich schockiert.
„Aha, und du glaubst, ich bin ein Blödmann und würde dir die Geschichte abkaufen, dass du hier nur hindurchspaziert bist. Ich wiederhole mich wirklich ungern, also wer hat dich geschickt.“ fragte Edward.
„Charlie Swan hat mich geschickt.“ antwortete der kleinere Mann.
„Ach, wirklich? Ich glaube kein Wort von dem, was du sagst.“ Edward steckte seine Waffe weg und hob den Mann mit einer Hand vom Boden. Danach suchte er dessen Taschen ab und fand eine ID.
„Marc Martin, er ist Fotograf.“ gab ich an Edward die Information weiter. Dieser machte den Mann mit seiner Faust bekannt und der Mann hielt sich gekrümmt den Bauch, wo Edward zugeschlagen hatte.
„Edward, das ist genug.“ sagte ich. Edward sah mich an, riss mir die Kamera aus der Hand, nahm die Speicherkarte heraus und steckte sie in seine Jackentasche.
„Gut, Freundchen. Dann zeige ich dich wegen versuchten Mordes an Isabella Swan an. Mal sehen, ob du aus dieser Sache schnell herauskommst.“ drohte ihm Edward. „Zum letzten Mal – Wer zum Teufel hat dich geschickt?“
Edward wollte wieder auf ihn zuschlagen, doch ich packte seinen Arm. „Genug, Edward.“ bittend sah ich ihn an.
„Bree Dweyer.“ antwortete der kleine Mann.

Edward und ich sahen uns fragend an und keiner von uns konnte eine logische Erklärung für diese Sache haben.
„Hau ab, bevor ich mich vergesse. Na los!“ schrie er. Der Mann verschwand taumelnd und sich den Bauch haltend. Mich packte er am Arm und zog mich wieder zum Spiegelsaal.
„Pack deine Sachen, wir müssen schnellstens von hier weg.“ Schnell packte ich die CD, die im Player war in meine Tasche. Meine Jeans und meine Lederjacke stopfte ich ebenfalls in meine Tasche. Wir schalteten schnell die Lichter aus und ich sperrte die Tür mit dem Schlüssel zu. Edward hatte schützend den Arm um meine Schultern gelegt und anstatt den Aufzug zu benutzen, nahmen wir die Treppe, weil es angeblich sicherer war. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich versuchte mit Edward Schritt zu halten, was mir nicht so gut gelang, wie ich es wollte. Aber ich jammerte nicht, denn das würde mich bei Edward nicht sehr viel weiter bringen.

Als wir im Erdgeschoss ankamen, war ich vollkommen atemlos und blieb zurück um nach Luft zu schnappen. Edward drehte sich herum und weitete seine Augen, aber da wurde ich schon von hinten gepackt und man hielt mir ein Messer an die Kehle.
„Endlich sehen wir uns Gesicht zu Gesicht, Edward Cullen.“ Ich runzelte die Stirn, weil mir die weibliche Stimme sehr bekannt war.






~MB~








"Liebe ist gefährlich, lebensgefährlich. Liebe ist etwas, was einen selber weit übersteigt." ~ Michael Haneke


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Danke fürs Lesen :D

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