Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten. ~ Marie von Ebner-Eschenbach
~MB~
Edward Cullen:
Schon seitdem ich ein kleiner Junge war, empfand ich den Wunsch eines Tages Fotograf zu werden, damit ich die Schönheit des Moments sehen und festhalten konnte. Jetzt war ich nur ein Mensch, der so viel Grausames gesehen hatte, dass er sich nicht traute seine Kamera zu ergreifen um überhaupt etwas Belangloses festzuhalten. Ich verstand, dass alles vergänglich war. Das war die Erfahrung, die ein Mann machen musste, nachdem er den einzigen Menschen verloren hatte, der immer an seiner Seite stand und ihn verteidigte. Linda. Diese Frau war Feuer und Flamme für die Menschen, die sie liebte, gewesen. Sie war die Einzige, die verstanden hatte, warum ich so ein Arschloch war. Warum ich Liebe nicht wertschätzte – wohl eher nicht verstand, warum dieses Gefühl gut sein sollte, wenn es die Menschen schwach machte -, und warum ich mich nie verliebt hatte. Ich hatte immer Menschen verabscheut, die mit Gefühlen anderer gespielt hatten, aber nun wurde ich einer von ihnen, in dem ich Bella küsste, als gäbe es keinen Morgen mehr und dann zurückdrängte, weil ich nicht wollte, dass sie sich in mich verliebte. Ich wusste, dass man der Sklave einer anderen Person wurde, wenn man sich verliebte. Dieses simple Gefühl war schuld daran, dass ich dachte, Liebe wäre eine Illusion, die wir Menschen erfunden hatten, damit wir an dunklen, einsamen Tagen, etwas hatten, das uns Hoffnung auf Besseres gibt.
Linda hatte es Selbsthass genannt. Aber ich wusste nicht, ob das wirklich dieses einfache Gefühl beschrieb, das ich für mich selbst empfand, wenn ich mich im Spiegel ansah. Ich war kein guter Mann, das war mir bereits klar, seitdem ich selbstständig denken konnte; seitdem ich in den Krieg gezogen war; seitdem ich meinen Vater wie ein Arschloch behandelte; seitdem sich jeder einzelne meiner Träume in einen Albtraum verwandelte.
Es war am dritten Mai und ich war kaum 14 gewesen. An diesen Tag konnte ich mich erinnern, als würde er sich in meinen Gedanken jeden Tag abspielen, denn das Gesicht dieses Mannes hatte sich in meine Erinnerung gebrannt, weil seit diesem Tag mein Leben von ihm abhing. An diesem Tag war ich nicht mehr als ein armer Junge, der zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war und krumme Dinge sah, die er dann noch mit seiner Wichtig-tuer-Kamera festhielt. Damals hielt ich das für einen Spaß, Leute dabei zu fotografieren, wie sie am Hafen von Seattle Drogen von ihren Schiffen abluden, um sie dann an irgendwelche Menschen zu verkaufen, von denen sie haufenweise Geld abzockten und ihnen das Leben zerstörten. Der Spaß an der Sache war jedoch, dass ich in diesem schockierten Zustand in einen Müllcontainer gelaufen war und die bösen schwarzen Männer – von denen man uns als kleine Kinder warnte – auf mich aufmerksam gemacht hatte. Aus dieser Affäre zog ich mir drei Kugeln ins linke Schulterblatt und Swan als meinen größten Erzfeind.
Klar, ich hatte es überlebt, nach einer langen Operation und vielen Tränen meiner armen Mutter, aber ich hatte anscheinend nicht genug gehabt, denn auch wenn Swan wusste, dass ich wusste, welche Geschäfte er nachts verrichtete, konnte er mich nicht einfach so umbringen, weil er sonst alle auf mich aufmerksam machen würde. Man tötete doch kein Kind einfach so. Zumal er nicht wusste, in wessen Hände meine Canon landen würde, wenn er mich zwei Meter unter die Erde beförderte. Da er meine Eltern auf den Tod nicht ausstehen konnte und sie ihm auch unter Erpressungen und Drohungen nie einen Gefallen tun würden, konnte er sie weder bestechen, noch kam er einfach so zu meiner heißgeliebten Canon. Da seine Tochter und ich ganz dicke Freunde wurden, verkomplizierte sich alles für ihn, denn Linda hatte einen eigenen Kopf und das störte Swan natürlich besonders. Weder hörte sie auf seine Befehle – ich schwöre dieser Mann konnte es nicht lassen einfach seine Befehle zu erlassen und andere wie seine armen Hündchen zu behandeln, wenn er sie nicht mehr brauchte -, noch hatte sie Angst vor ihm. Als Linda entgültig aus Swan´s Haus auszog, waren seine Zähne gegen mich gerichtet. Ich war damals nach New York gezogen, weil ich die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium geschafft hatte, aber dann aus dubiosen Gründen doch nicht Medizin studieren konnte, weil es danach ein Schüler besser abgeschnitten hatte oder so, lautete die entschuldigende Erklärung. Natürlich war Carlisle furchtbar enttäuscht gewesen, er als Arzt hatte sich gewünscht, dass sein Sohn in seine Fussstapfen tritt, aber so war es nicht, denn ich wurde immer in irgendwelche kriminäle Manchenschaften verwickelt, keine Ahnung warum. In Kneipenschlägerein, in dubiosen Angriffen auf den Straßen New Yorks, in Streitereien mit gewalttätigen Männern. Entweder hasste mich Gott so dermaßen, dass er sich über mich lustig machte und zuschaute, wie ich immer wieder festgenommen wurde, oder Swan hatte seine Finger im Spiel, wie immer, wenn er mir eins auswischen wollte. Sicher war ich mir nicht, aber in der Zeit als Linda nach New York zog, gab es immer mehr diese merkwürdigen Typen, die sie verfolgten und bedrohten, welche wie Drogen- und Alkoholsüchtige aussahen. Solche Menschen, denen man am Gesicht sah, dass sie krumme Geschäfte machten.
Ich verstand nicht. Nein, wirklich. Welcher Vater tat seinem Kind so weh? Welcher Mensch tat einem anderen so weh? Swan hatte seine Familie zerstört, aber wie von Blindheit gestraft, bemerkte er nicht – oder wollte es nicht erkennen, wie sehr seine Frau und Kinder unter dem Verlust von Linda litten. Das machte mich wirklich rasend, denn ich sah in Bellas Gesicht, dass sie sich ihr Leben und das ihrer Liebsten anders gewünscht hatte. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ihr Vater tatsächlich die Schuld an Linda´s Tod tragen soll. Wie sollte ich sie also zwischen ihm und mir wählen lassen? Ich konnte vielleicht das Arschloch sein, dass ihr das Herz brach, weil ich nämlich nicht das war, wofür sie mich hielt. Ich war kein Held, einer von dieser Sorte, wie ihr Vater es für den Rest der Welt zu sein schien. Für manche Menschen hatte ich nicht mal ein nettes Wort übrig. Ich sagte immer das, was ich dachte. Ich war direkt und ehrlich, was manchmal als schlecht aufgefasst werden konnte. Aber ich war kein Mann, der ein Mädchen, das mir so richtig viel bedeutete, einer Gefahr aussetzte, die keiner von uns beiden überleben konnte. Wenn ich wusste, dass wenigstens einer von uns überleben würde, dann hatte sich mein Kampf gegen Swan gelohnt. Doch Bella der Gefahr auszusetzten, dass sie von ihrem eigenen Vater getötet wird, wäre das Grausamste, das ich jemals täte, also ließ ich es einfach sein.
Nicht, weil ich sie etwa nicht gern hatte. Ich schwöre, ich hatte sie so gern, wie ich keine Frau außerhalb meiner Familie jemals gern hatte. Linda hatte ich auf eine andere Weise gern gehabt. Sie war meine zweite Schwester gewesen, sogar diese Art von Schwester, die einem Jungen ins Gesicht schlagen würde, damit ihr Bruder heil durchkam. Sie war taff gewesen. Superwoman. Gott, diese Frau, wie sie für ihren Jasper gekämpft hatte, für diese Liebe hätte sie alles getan. Genau dafür respektierte ich sie so sehr. Aber in dem ich Bella so weh tat, verlor ich Lindas Respekt, auch wenn sie nicht unter den Lebenden wandelte, war sie für mich immer noch präsent und bedeutungsvoll. In meinen Erinnerungen saß sie lächelnd auf der alten Couch in unserer Studentenbude, in der Jasper noch immer wohnte, weil er die Erinnerungen festhalten musste, und grinste uns schelmisch an, neckte uns -Jasper und mich- und scherzte mit uns.
„Edward, dir kann ich vertrauen, das weiß ich. Also bitte ich dich mir einen Gefallen zu tun, für den Extremfall, dass ich unzurechnungsfähig, alt oder vergesslich werde. (An dieser Stelle hatte sie mich belustigt angegrinst!) Du musst meiner kleinen Schwester Bella alles erzählen, was du weißt. Sie wird deine Hilfe brauchen, Edward. Und ich weiß, dass sie bei dir in guten Händen ist, obwohl du immer sagst, dass du für nichts taugst oder so ähnlich. Du bist mein bester Freund, der als Einziger lebensmüde genug ist um meinem Dad die Stirn zu bieten. Ich glaube, dein Überlebensinstinkt hat sich noch nicht gänzlich entwickelt oder er wurde irgendwie geschädigt, weil du durch einen Kaiserschnitt aus Esme´s Bauch geholt wurdest. Von einem Kaiser hast du aber wirklich wenig, Edward.“ Spätestens da hatte ich sie über meine Beine geworfen und sie vollständig durchgekitzelt, weil sie ein verspieltes kleines Ding war.
Doch den Sinn dieser Worte hatte ich erst verstanden, als Jasper mit staubigem Haar am 11. September durch die Tür in unsere Studentenbude kam, wo ich an meiner heißgeliebten Gitarre spielte, ohne zu wissen, was in meiner Umgebung passierte, weil ich die Nachrichten schon immer für nervig und unnötig gehalten hatte. Immer stand da irgendein Typ oder eine Frau, hielt irgendwelche Karteien in den Händen, auf die sie eh nie schaute und ohne zu blinzeln oder irgendeine kleine Regung in ihren Gesichtern sagten sie auf, was vorgefallen war. Jasper hatte jedenfalls an diesem Tag ein Vorstellungsgespräch im World Trade Center gehabt, aber er war einer von den Glücklichen, die dieses Unglück überlebt hatten, doch er hatte sich schon so oft gewünscht, einfach an diesem Tag gestorben zu sein, weil ihm die Qual des Verlustes erspart geblieben wäre. Ohne Linda war lange nichts mehr so, wie damals - für keinen von uns. Ihr wisst schon, wenn man jünger ist, wie Bella jetzt, dann war es leichter über Dinge hinwegzukommen, sie zu vergessen oder zu verdauen. Wenn man jung war, wünschte man sich einfach nur sehr schnell erwachsen zu werden. Aber er wenn man diesen Schritt des Erwachsenseins betritt, sieht man ein, was man sich da gewünscht hat, denn das Leben zieht dann so schnell an einen vorbei, dass man versucht möglichst schnell hinterherzulaufen.
Für Bella wird es einige Zeit dauern, bis sie über mich hinwegkommen wird, wenn ich nicht mehr da bin. Aber sie ist jung, sie wird vergessen, ihr Erinnerungsvermögen wird ihr einen Streich spielen, sie wird sich erneut verlieben und an mich nur manchmal denken, denn sie muss wissen, das nichts davon, das in ihrer nahen Zukunft passieren wird, ihre Schuld sei. Genau deshalb versuche ich, sie nicht an ihren Erinnerungen festzunageln, denn sie war keine Person, die so einfach aufgab, das realisierte ich schon als ich sie zum ersten Mal sah.
Nachdenklich hatte sie mich angesehen. Diese kleine Furche hatte sich zwischen ihren Augenbrauen gebildet, - wie immer wenn sie nachdenklich war -, sie kaute auch an ihrer Unterlippe herum. Erst später wurde ihr die Situation so peinlich, dass ihre Wangen rot wurden und sie den Kopf beschämt abwandte. Ich erinnere mich noch genauestens an meine eigene Reaktion: Ich hatte gelacht, weil sie vom ersten Augenblick an so verdammt faszinierend für mich war. Ich wollte all ihre Reaktionen erkunden, wollte wissen, wann sie nachdenklich war und warum, wollte wissen, warum sie immer an ihrer Lippe herumkaute, wenn sie nicht wusste, was sie sagen oder tun sollte. Sogar warum sie immer kurze runde Nägel hatte, keine langen und spitzen. Ich wollte wissen, warum sie ihre Haare hellbrauen färbte, wenn ihr Ansatz doch dunkelbraun war.
Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte!
Über sie wollte ich die banalsten Dinge wissen und ich wollte sie am besten kennenlernen. Ich wollte sogar wissen, warum sie mir in der Flugzeugtoilette gefolgt war, um mich zu bitten, dass ich sie küssen solle. Diese Entscheidung ihrerseits war mir rätselhaft, aber irgendwie war ich auch froh, dass wir uns geküsst hatten, weil ich wenigstens etwas habe woran ich mich festhalten kann, wenn Swan mir das Gehirn wegpustet. Ich hatte keine Angst davor. Angst war etwas für jemanden, der noch Hoffnung hatte, dass er irgendwie überleben würde. Der vielleicht Swan´s Tochter gesucht hätte, um ihm eins auszuwischen. Aber diese Option kam für mich niemals in Frage. Ich war mit Linda befreundet und mit Emmett war ich es immer noch. Das würde ich diesen beiden niemals antun. So leid es mir auch tat zuzugeben, dass ich keine Hoffnung hatte, es war die Wahrheit. Aber ich stand dem Tod so oft gegenüber, dass es keinen Unterschied mehr machte, wann ich starb.
An diesem Tag, dem neunten September dieses Jahres, in aller Frühe als ich aus meinem wunderbaren Traum – ich wusste von der ersten fucking Minute, dass es ein Traum war, wie erbärmlich nicht wahr? - in dem ich mein Mädchen glücklich in den Armen hielt – als ich aufwachte, hatte ich wie der Idiot, der ich auch war, das Kissen fest umklammert -, schon als ich die Augen aufschlug, wusste ich, dass dieser Tag nicht gutgehen konnte. Denn der Tag begann irgendwie perfekt, genau wie der 11. September vor vier Jahren. Isabella stand hinter dem Tresen und kochte frischen Kaffee – ich musste gestehen, dass ich etwas überrascht war, immerhin war sie eine Swan und normalerweise konnte kein einziger von diesen Fuckern einen richtig guten Kaffee kochen -, sie kochte ihn ausgerechnet für mich und diese Tatsache ließ mein kaltes, gefühlloses Herz noch höher schlagen, als die Feststellung, dass sie nur ihren seidenen Morgenmantel trug, der mehr preißgab als er bedeckte – ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre ihre Haut unter diesem zu berühren, ganz leicht mit meinen Fingerspitzen um sie unter meinen Händen zum Erschaudern zu bringen. Genau wie am 11. September als Jasper ganz gereizt in die Küche kam, weil sich Linda seit einem ganzen Tag nicht gemeldet hatte, obwohl sie vor ihrer Abreise nach Seattle versprochen hatte, dass sie sich melden würde – insgeheim wussten Jasper und ich, dass etwas in Seattle falsch gelaufen war, aber wir wussten bis jetzt noch nicht was -, so war an heutigem Tag auch Bella gereizt und provozierte mich mit ihren Worten, als würde sie darauf warten, dass ich einfach ausrastete um ihr noch mehr Schmerz hinzuzufügen, weil dieser Schmerz so hart treffen würde, dass sie letzten Endes verstand, wo sie mit mir stand. Genau aus diesem Grund stand sie nirgendwo mit mir, weil ich ihr diesen bitteren Schmerz ersparen wollte. In ihren Gedanken und in ihrem Herzen wollte ich nicht der tote Freund von Isabella Swan sein, der ihre ganze Zukunft bewusst ruinierten würde, weil er zu egoistisch und schwach gewesen war, um sich zurückzuhalten.
Mein Mädchen hatte schon genug verloren, ihre wunderbare Schwester und ihre Träume, die sie entgültig von dem Kindsein trennten, weil sie durch diese ganzen Schicksalschläge vorzeitig erwachsen wurde. Die Tatsache, dass ihr Vater kein Held war, würde ihr sowieso schon genug das Herz brechen. Genauso wie die Erkenntnis, dass ich kein Traummann war, der ihr jeden Wunsch, den er in ihren Augen abliest, auch noch erfüllt. Auf ihrem ausdrucksstarken Gesicht hatte ich bereits so Vieles lesen können. Ich liebte ihr Gesicht. Die Art wie sie lächelte, als würden am Himmel alle Wolken auseinandergehen und dem Sternenhimmel die Herrschaft überlassen, ihre Augen waren wie der Mond, der die ganze Nacht erhellte, wenn sie lächelte.
Genau, wie ich ablesen konnte, wann sie glücklich war, las ich ab, dass etwas nicht in Ordnung war, als sie in den hinteren Garten stürmte, als wäre sie von einem Dämon gejagt worden. Ihr ganzes Gesicht zu einer Maske des blanken Horrors verzerrt, aber sie lächelte gezwungen, als ich sie fragte, was denn los sei. Hach, genau wie ich es vorhergesagt hatte, da habt ihr es doch gesehen. Aber mein zweiter Gedanke war, dass es mit ihrem Vater tun musste, denn in Bellas Leben gab es keine Männer außer ihrem Vater und Bruder, die ihr so viel bedeuteten, dass sie so auf etwas, was sie getan haben müssen, reagierte. Emmett würde sie jedenfalls niemals verletzten. Drei Mal dürft ihr raten, wer noch als möglicher Kandidat für grenzenlose Enttäuschungen übrig blieb?
Aus ihren großen, unschuldigen Augen sah sie mich an, nahm mich für einen Moment durch ihre intensive Aura ein, sie klammerte sich Halt suchend an mir und ich wusste einfach nicht wie ich sie beruhigen sollte, außer ihr ständig zuzuflüstern, dass ich nicht weggehen würde und dass ich sie für immer festhalten würde. Wahrscheinlich klangen diese Versprechen wenig glaubwürdig, aber ich meinte sie genauso, wie ich sie gesagt hatte. Für Isabella wollte ich all das sein, was sie brauchte; was sie wollte; das wofür sie mich hielt.
„Komm, hauen wir ab!“ So verletzt wie sie mich ansah, zweifelte ich, dass sie meine ausgestreckte Hand ergreifen würde, aber zu meiner Überraschung tat sie es und grinste mich trotz ihrer traurigen Miene an. Ich erwiderte ihr herzbewegendes Lächeln, zeigte ihr mein charmantestes a lá Cullen Lächeln. Ihr wisst schon, das schiefe, das Bella so sehr liebte.
„Okay!“ sagte sie und ließ meine Hand los, wanderte in den hinteren Garten, wo Beth saß und vergeblich auf den Tee wartete, der nicht ankommen würde. Ich stand auf der Veranda und beobachtete wie Bella lachend den Kopf schüttelte, ihre Großmutter etwas sagte, sie sich umarmten. Das Lächeln, das Bella auf den Lippen aufgepflastert hatte, war nicht echt, aber ihre Großmutter schien das nicht unterscheiden zu können. Beide kamen wieder lächelnd zu mir, Beth reichte mir einen weißen Umschlag auf dem in geschwungener Schrift mein Name geschrieben war. Die Handschrift erkannte ich natürlich sofort. Diesen Brief hatte Linda persönlich geschrieben, da konnte man mich nicht täuschen, weil ich ihre Handschrift unter tausenden wiedererkannte.
„Ist der von meiner Schwester?“ fragte Bella und sah Beth mit gerunzelter Stirn an, als würde sie an der Aussage ihrer Großmutter zweifeln, oder keinem Menschen mehr vertrauen wollen. Ich wollte sie fragen, was denn passiert war, dass sie so aus der Bahn geworfen hatte, aber der Blick, den sie mir zuwarf, ließ mich verstummen.
„Ja, mein Schatz, der ist von Linda.“ Bella nickte nur, dann küsste sie ihre Großmutter schnell auf die Wange und stürmte Richtung Ausgang wie von einer Tarantel gestochen.
„Wiedersehen, Beth.“ ich umarmte die alte Frau und folge Isabella, die bereits im Wagen saß. Beth hatte ich schon vor Jahren kennengelernt, als Linda sie jeden Monat einmal besucht hatte. Ich hatte sie oft begleitet. Wir waren unzertrennlich gewesen.
„Kannst du mir erklären, was das sollte?“ fuhr ich Bella bissig an, doch sie drehte sich mit einer wütenden Miene zu mir, als würde ich sie anekeln oder so. Jedenfalls war es das Gefühl, das ich bei dem Blick, den sie mir zuwarf, empfand. Aber hört nicht auf meine Gefühle, ich tat es ebenfalls nie, die logen sowieso immer.
„Kannst du mir erklären, warum du das getan hast?“
„Was habe ich den getan?“ ich wurde langsam richtig wütend, denn ich ließ mich nicht grundlos angreifen und fertigmachen, auch nicht von Bella. Mit mir würde sie sich nicht wie eine kleine herumzickende Göre verhalten.
Der Wagen setzte sich schon in Bewegung, der Fahrer warf uns zweifelnde Blick zu und drehte sich kopfschüttelnd wieder von uns weg. Die Spannung, die plötzlich zwischen uns beiden entstand, war so dick, dass man sie mit einem Messer hätte schneiden können.
„Mich geküsst!“ schrie sie mich an. Die Augen weit geöffnet, der Blick vorwurfsvoll, die Lippen zu einem schmalen Strich gepresst. „Sag jetzt nicht, du erinnerst dich nicht mehr daran....“ Sarkastisch begann sie zu lachen und hörte abrupt auf. Kopfschüttelnd sah ich sie an, blickte enttäuscht zwischen ihr und mir, eigentlich dachte ich, wir hätten das hinter uns gelassen. Diese kleinen Kinderspielchen.
„Erstens: weil du mich darum gebeten hast. Zweitens: weil ich es wollte und drittens.......tja.....“
„Weil du ein Arschloch bist, das mein Herz brechen will?“ schlug sie vor und verschränkte ihre Arme beleidigt vor der Brust. „Ich wusste zwar nicht, mit wie vielen Arschlöchern ich es aufnehme, aber tja, shit happens, nicht wahr?“ setzte sie bissig fort.
„Isabella, warum tust du das? Du hast vorhin noch an meiner Schulter geweint und jetzt tust du so, als wäre ich der schlimmste Mensch auf der ganzen Welt. Kannst du mir erklären, was da drinnen passiert ist, dass dich so sehr verletzt hat?“ Sie verstand nicht, dass ich um sie sorgte. Ich wollte nicht, dass jemand sie verletzte.
„Warum hast du es mir nicht gesagt, Edward? Magst du es, mir Schmerz zuzufügen? Liebst du das? Denn Scheiße, ja, es tut weh. Warum reißt du mir das Herz aus der Brust und zertrittst es mit deinen Füßen, als wäre es nichts wert?“ Okay, genug war genug. Ich verstand nicht, was sie mir hier vorwarf, denn ich hatte keinen blassen Schimmer, was in diesem Haus vorgefallen war. Es hatte mit diesem mir geheimem Vorfall zu tun, denn ich war gut darin ihr alles am Gesicht abzulesen. Ich packte sie an der Schulter und zwang sie mich anzusehen.
„Könntest du mir verdammt nochmal sagen, was ich getan habe? Ich verstehe nämlich gar nichts, Isabella.“
„Keine Antwort ist auch eine Antwort, Mister Bodyguard.“ Eins stand soweit fest, eine zickige Bella war kaum auszuhalten.
„Ich würde dir ja gerne antworten, wenn du mir die Situation schildern würdest.“ bittend sah ich sie an. Wenn sie so weitermachte, würde sie mich zum Durchdrehen bringen und ein wütender Edward war wirklich für niemanden gut.
„Mister....., können Sie bitte hier anhalten?“ Sie ignorierte mich völlig, wartete bis der Fahrer den Wagen anhielt und stieg danach wortlos aus. Ich tat es ihr gleich, aber nicht ohne den Fahrer zu warnen. „Bleiben sie gefälligst hier!“ murmelte ich wütend und stieg aus dem Wagen.
„Bella....“ rief ich, doch sie setzte ihren Weg fort und wollte nicht stehen bleiben. „Bella, bleib stehen!“ Ich lief hinter ihr her, doch sie gehorchte nicht. Dann packte ich sie aber und drehte sie zu mir. Völlig zerzaust, mit den Haaren, die im Wind wehten, gab es keine schönere Frau für mich in diesem Moment.
„Er betrügt sie, Edward. Er betrügt sie. Nicht nur sie, sondern auch Emmett, Linda und mich. Das tut weh. Genau das tut weh.“ Sofort konnte ich mir denken, von wem hier die Rede war. Ich würde extrem wütend und trat gegen einen riesigen Stein, der mir im Weg war, doch der Schmerz, der danach kam, ließ mich die Zähne zusammenbeißen.
„Das tut mir leid, Bella. Ich wusste nicht......“ Ich näherte mich einen Schritt ihr zu, doch sie machte einen Satz nach hinten.
„Hör auf, Edward. Ich weiß, du tust es nur, weil du dich verpflichtet fühlst. Du musst mich nicht trösten. Ich fasse es nicht, dass du mich nur geküsst hast, weil ich dich darum gebeten habe. Das steht aber nicht in deinem Arbeitsvertrag, oder?“ Ich hatte sie verletzt, indem ich mich ihr näherte und wieder entfernte. Aber sie verstand nicht. Sie verstand nicht, dass ich sie geküsst hatte, weil ich es so sehr wollte. Weil ich wissen wollte, ob ihre Lippen genauso samt und weich waren, wie sie aussahen. Ob sie wirklich nach reifen Kirschen schmeckten, deren Farbe sie hatten. Sie wusste nicht, wie ich meine Nächte schlaflos im Bett verbrachte, Nacht für Nacht, seitdem ich sie kannte, weil ich ihren warmen Körper neben meinem fühlen wollte. Ich wollte durch ihre Haare fahren, ihre rosigen Wangen küssen, ihre Hand halten, bis wir alt und grau wurden.
Wenn ich doch mehr Zeit hätte!, dachte ich mir wieder, aber diese hatten wir nicht, ich hatte sie nicht und Isabella konnte diese Zeit mit mir nicht haben.
„Denkst du, dieser Kuss hat mir nichts bedeutet? Es war der erste Kuss, den ich richtig hier drinnen gefühlt habe, Bella.“ Ich klopfte mir mit der Hand auf die Brust, wo mein Herz sein sollte, wenn ich eines hätte. „Ich habe dich geküsst, weil ich mir das schon seit fast einem ganzen Monat wünsche, Bella. Weil ich jede Nacht vor dem Einschlafen daran denke, wie es wäre dich wieder und wieder zu küssen. Jede verfickte Nacht höre ich deine Stimme, die sagt, „stell dir vor wir wären zwei einfache Menschen“, aber Bella, das sind wir nicht. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass ich keine Gefühle für dich habe, aber ich habe nie darüber gesprochen, weil sie nichts an der Lage ändern würden. Wir haben keine Wahl, Bella. Unser Schicksal wurde für uns bestimmt.“
Einerseits sanft, andererseits verletzt, sah sie mich, näherte sich mir, legte mir ihre Hand auf die Wange, strich zärtlich darüber. Ich sah den Strom Tränen, die sich in ihren Augen bildete, während sie mich herzzerreißend anlächelte.
„Danke!“ hauchte sie atemlos, stellte sich auf ihre Zehenspitzen, hauchte mir einen kurzen, sanften Kuss auf meine geschlossenen Lippen, der so zart war, wie das Aufschlagen eines Schmetterlingflügels. Meine ganze Welt blieb in dieser einen Sekunde stehen. Der Kuss war schneller vorbei als ich zählen konnte, aber das Brennen auf meinen Lippen war wohl Beweis genug, dass es diesen Kuss tatsächlich gegeben hat. Danach drehte sie sich herum, legte die Arme um sich selbst, als würde sie auseinanderfallen, und stieg in den Wagen.
Wofür dankte sie mir eigentlich?
~MB~
Nichts hatte mich auf den Strom Gefühle vorbereitet, die nach diesem unschuldigen, dankbaren Kuss kamen. Es war als stünde ich mit einem Mantel bekleidet, der zu schwer auf meinen Schultern lastete und ihn dann endlich abnahm. Da fühlte ich mich nackt vor meinen Gefühlen. Ich konnte sie plötzlich deutlich spüren, ich wusste, dass diese existierten. Allmählich wurde mir klar, wofür ich lebte.
Ich sah, wie sie mit großen, wissbegierigen Augen meine Lieblingsstadt erkundete – New York, was denn sonst? -, ihre Hand fuhr durch ihre Locken, kämmte sie leicht; sie glättete unterbewusst ihre Jeans, die eigentlich gar keine Falten hatte; nervös, aber doch ruhiger als zuvor, biss sie sich auf ihre volle Unterlippe, die meine Augen sofort fixierten. Ihr schmaler Hals, der von ihrer milchig-weißen Haut überzogen war, gab ihren Herzschlag preis und ich verspürte den Drang meine Lippen an ihren Puls zu pressen, damit ich ihren Herzschlag unter meinen Lippen fühlte.
Plötzlich drehte sie sich zu mir und lächelte mich an.
„New York ist wirklich schön, Edward!“ kommentierte sie und sah mich dankbar an, als wäre ich der Auslöser für diesen Ausflug gewesen, enttäuschend war jedoch, dass ich nichts getan hatte, damit Bella NY kennenlernte.
„Habe ich mir ja sofort gedacht, dass dir New York gefallen wird. Es gibt keinen einzigen Menschen, dem New York nicht gefällt. Aber Ausnahmen gibt es immer, also kann ich für nichts garantieren.“ Mit einem Ruck war sie mir plötzlich total nahe, sie hatte ihre beiden Hände neben meinem Oberschenkel abgestützt, den Blick aus meinem Fenster nach draußen gerichtet, fragte sie mich, was für ein Gebäude, das denn sei. Ohne mich umzudrehen, - ich traute mich nicht zu bewegen, weil mich der süße Duft, den sie verströmte, aus den Socken haute -, gab ich ihr die Antwort.
„Das Empire State Building“ antwortete ich schulterzuckend, so als müsste man das als Tourist bereits wissen oder so, was eigentlich gar nicht stimmte, aber ich verlor das Gefühl des Nichtwissens, weil ich ja selbst fast jede Ecke von New York erkundet hatte, in den insgesamt dreieinhalb Jahren, die ich hier gelebt hatte.
„Das ist echt schön und riesig.“ Dann zeigte sie mir zwei Reihen strahlend weißer Zähne, sie wusste nicht, was das mit mir machte, freute sich wie ein Kind an Weihnachten. „Willst du eine Touristenführung durch New York? Ich bin der Touristenführer!“ charmant zwinkerte ich ihr zu. Ihre Augen begannen sofort zu strahlen, dann nickte sie einmal schüchtern, doch ihr Nicken wurde allmählich hektischer und enthusiastischer.
Wir ließen den Fahrer bei der nächst besten Gelegenheit anhalten und stürmten aus dem Wagen, der uns ja speziell vom Plaza zugestellt wurde, da die Straße vollbefahren war, nahm ich Bellas kleine Hand in meine und umschloss sie mit meinen Fingern. Nach einiger Zeit schlängelten wir uns durch die Autos und kamen auf die andere Straßenseite, wo ich meine klugscheißerische Touristenführung beginnen konnte.
„Das Empire State Building kennen Sie schon, nicht wahr, Ma´am?“
„Ja, das ist wahr, Mister Cullen!“ antwortete sie mich durch ihre strahlend dunklen Seen anblickend. Ich musste grinsen, weil ihre herzbewegende Schönheit mich an die Perfektion griechischer und römischer Statuen erinnerte.
„Und Sie befinden sich gerade auf der Fifth Avanue.....“ auf eine Antwort wartend musterte ich sie, dann fing sie an herzhaft zu lachen, hielt sich die Hand vor dem Mund, wie die Lady, die sie auch war, hakte ihre kleine Hand auf meinem darbotenem Arm ein und folgte mir durch eine der berühmtesten Straßen New Yorks. Grinsend schaute sie sich um, ich ließ ihr die genügende Zeit um sich umzusehen, zog sie aber danach weiter durch den Broadway zum besten Eis der Welt, aber das verheimlichte ich ihr noch.
„Wohin gehen wir jetzt?“ fragte sie mich und schaute sich wieder um. Ihr Anblick, wie sie sich bewundernd um ihre eigene Achse drehte, war einfach nur faszinierend für mich. Sie freute sich über die einfachsten und belanglosesten Dingen, es war nicht schwer Isabella ein bisschen Freude zu bereiten.
„Wir gehen Eis essen, damit du ganz schön fett wirst, weil du nach diesem Eis mindestens jede Stunde betteln wirst, dass ich dich wieder hierhin ausführe.“ Kurz sah sie mich schweigend an, als hätte ich sie mit meiner Aussage tief berührt, sie beugte sich leicht zu mir und führte ihre Lippen nahe an meinem Ohr.
„Führst du mich denn jetzt aus?“ Von meiner Haarspitze bis zu meiner kleinsten Zehe zog sich eine Gänsehaut über meinem Körper, beginnend von meinem Ohr aus.
„Das ist unser drittes Date, Bella. Weißt du es nicht mehr?“ Ich allenfalls erinnerte mich noch sehr genau an unsere Dates. Sie waren wunderbar gewesen. Sie waren zwar ein bisschen unfreiwillig-freiwillig gewesen, aber wir hatten sie gut überstanden, also lohnte es sich diese zu erwähnen.
„Ich fasse es nicht, dass du das gesagt hast.“ überrascht sah sie mich an, schüttelte die Unklarheit aus, sah mich wieder an und runzelte die Stirn.
„Hast du geglaubt, diese Momente mit dir hätten mir weniger bedeutet?“
„Willst du die Wahrheit hören, oder soll ich lügen?“ Stellte sie die Frage auf meine Frage. Ich grinste.
„Die Wahrheit.“
„Ja, eigentlich schon. Du bist anders als alle anderen, Edward. Obwohl du nicht über deine Gefühle gerne sprichst, scheust du dich nicht, die Wahrheit zu sagen. Das finde ich sehr mutig an dir.“ Wow, war das gerade ein Kompliment? Nein, du Idiot, dass Mädchen ist vollkommen fasziniert, wie du es auch bist – obwohl du es nicht zugeben möchtest – und du fragst, ob das wirklich ein Kompliment war. Meine innere Stimme verspottete mich gerade.
„Wir sind schon da, Bella.“ murmelte ich und zeigte auf die leuchtenden Buchstaben über dem Laden.
„Cold Stone Creamery....“ las sie laut vor und ich machte eine gentlemanlike Geste, dass sie bitte eintreten solle, obwohl ich gar kein Gentleman war. Ich sage euch Leute, ich war meiner Gefühle nicht mächtig und meiner Gedanken schon lange nicht mehr, aber das machte nichts. Ich war auch nur ein Mensch, nicht wahr?
5 Minuten später.....
~MB~
„Mhmmmmm, oh Gott........“ sie seufzte und stöhnte leise, stützte die Hände auf die Tischplatte, sah mir in die Augen, lehnte sich danach entspannt in ihren Sessel zurück und grinste.
„Habe ich zuviel versprochen?“
„Nein, aber du hast versprochen mich nochmal hierher zu bringen, bevor wir abreisen.“ Aha, so war das also, das kleine süße Mädchen wollte mich mit ihrem Charme um den Finger wickeln. Natürlich hatte ich ihr nicht versprochen, sie wieder hierher zum Eisessen zu bringen. Aber Isabella versuchte mir das gerade einzureden, nachdem sie vom besten Eis der Welt gekostet hatte.....
„Vergiss es, Bella.“ Ich zog sie nur auf, aber ich wartete gespannt auf ihre Reaktion.
„Wieso denn? Es hat richtig Spaß gemacht dieses Eis zu essen. Es war so toll. Kennst du das Gefühl, wenn etwas so richtig gut ist, wenn es dich ein klein bisschen durchdrehen lässt, wenn du nicht mehr klar denken kannst, aber du weißt, dass du nur noch mehr von diesem Gefühl willst, weil du süchtig danach bist?“ Geduldig wartete sie darauf, dass ich verstand was sie meinte, aber ich hatte das Gefühl, dass sie das Thema gewechselt hatte und wir nicht mehr über das Eis sprachen.
„Mhm......fühlt sich wie richtig guter Sex an.....“ Ich leckte meinen Löffel ab und stellte ihn wieder zurück in die Schale.
Isabella wurde plötzlich bleicher als das Eis vor uns und sah mich mit erhobenen Augenbrauen sprachlos an.
„Ähhhh, keine Ahnung, vielleicht......“ Hatte ich etwas gesagt, dass sie in Verlegenheit gebracht hatte? Du solltest vielleicht nachdenken, bevor du sprichst, Freundchen, meinte meine innere Stimme. Moment.......Hatte ich gerade wirklich vor Bella das richtig gute Eis mit Sex verglichen? In Gedanken schlug ich mir die flache Hand gegen die Stirn.
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.“
„Schon gut, Edward.“ Interessiert, mit funkelnden Augen sah sie mich an und grinste. Wenn sie ständig so grinste, bekam ich selbst ein Dauergrinsen auf dem Gesicht. Glaubt mir, ich sah echt bescheuert aus, wenn ich über beide Ohren grinste. Sollte sie nicht aufhören zu grinsen, würde ich sie mit Sicherheit küssen. „Wollen wir schon zahlen?“ sie griff in ihre Jeanstaschen und holte einige Scheine heraus, doch ich legte ihr die Hand auf den Unterarm.
„Ich übernehme das, Bella.“ Was denkt ihr, was sie dann getan hat? Dreimal dürft ihr raten!
„Aber.....aber, das wäre mir ziemlich unangenehm, Edward. Ich.....es ist nur ein Eis.......“ Genau, sie musste mir immer widersprechen, diese kleine Kratzbürste.
„Deshalb übernehme ich es ja auch. Komm schon, das muss dir nicht unangenehm sein. Ich bin ein Mann, so gehört es sich nun mal.“
„War das gerade frauenfeindlich, Edward?“ Schockiert sah ich sie an, weil ich noch niemals in meinem Leben frauenfeindlich war, - ich respektierte Frauen, denn sie waren nicht weniger Wert als Männer – im ersten Moment glaubte ich, dass sie mich missverstanden hatte, aber dann sah ich wie ihr Mundwinkel zuckte und sie in schallendes Gelächter ausbrach. Für mich waren Frauen besondere Wesen, die jedermanns Respekt verdienten, deshalb klang die Alarmglocke in meinem Kopf, wenn jemand behauptete, dass Frauen von ihren Männern abhängig seien oder sie weniger respektiert werden sollen. Solche Ansichten gibt es sicher noch immer, aber ich teilte diese Meinung nicht.
„Willst du mir ein Herzinfarkt verpassen, Kleines?“ Unseriös und total amüsiert sah sie mich an und schüttelte ihren Kopf. Ich griff nach ihr und begann sie durchzukitzeln, bis sie sich unter meinen Fingern zu winden begann. Dieser Moment spielte sich in meinem Kopf in Slow Motion ab. Ich sah ihr Lachen, ihre Hände, die nach meinen griffen um sich aus meinen kitzelnden Fingern herauszuwinden, ihre Haare, die total durcheinander in ihr sanftes Gesicht fielen. Sie war wunderschön. Sie war weltbewegend. Sie war einfach faszinierend.
„Diese Idee gefällt mir sogar!“ antwortete sie und grinste.
„Ach, wirklich? Ich werde dir schon noch zeigen, was du davon hast!“ Mit ihrer Hand machte sie eine beschwichtigende Bewegung und pfiff durch ihre Zähne.
„Du kannst mir doch gar nichts tun, ich hab einen Bodyguard.“
„Wirklich?“
„Ja, und der wird mich immer beschützen. Er ist stark und furchtlos.“ Sie hob ihren Arm an, spannte ihren Oberarm an und umschloss ihren nichtvorhandenen Bizeps mit der anderen Hand. „Ein wahrer Held!“
„Huh!“ antwortete ich anerkennend. „Dann sollte ich mich mit ihm nicht anlegen.“
„Lieber nicht!“ Schon wieder dieses Lächeln, das ihr ganzes Gesicht strahlen ließ und mich mitriss. „Das ist nur ein Ratschlag.“ Verschwörerisch zwinkerte sie mir zu.
Zum Abendessen hatten Emmett und Jasper einen Tisch in unserer liebsten italienischen Pizzeria reserviert. Ich stand vorm Spiegel, richtete meine Krawatte zurecht und versuchte etwas mit meinem chaotischen Haar anzurichten, doch es klappte irgendwie nicht. Wie immer eben. Sobald wir in die Suite zurückgekehrt waren, erzählte uns Alice von diesem Abendessen, also mussten wir uns schnell rausputzen, was bei Bella wohl kein Problem war, denn sie war immer hübsch.
Doch als sie die Doppeltür zu ihrem Zimmer aufriss, in den Wohnbereich hereintrat und mich aus diesen dunklen, mysteriösen Augen ansah, steigerte den Inbegriff von Schönheit. Das laubgrüne Kleid, das ihr bis zu den Knien reichte, ließ sie förmlich strahlen. Ihr Haar fiel in leichten Wellen bis zu ihren Steißbein und ihre Füße steckten in ein Paar schwarzen glitzernden Chucks, wodurch ihre schlanken, wohlgeformten Beine noch mehr zu Geltung kamen. In ihrer Hand trug sie ein Täschchen, das sie mir über den Kopf ziehen würde, wenn ich etwas Dummes sagte oder tat.
„Hey!“ sagte sie, blieb einige Meter von mir entfernt stehen, legte den Kopf schief und sah mich grinsend.
„Was?“ fragte ich und besah mich wieder prüfend im Spiegel, damit ich erkannte, warum sie mich auslachte. Das Lächeln weichte nicht aus ihrem Gesicht und ihr wisst gar nicht, wie sehr ich dieses Lächeln an ihr liebte. Fuck, yeah, ich liebte dieses Lächeln und dieses Funkeln in ihren Augen, wenn sie mich ansah.
„Deine Krawatte liegt etwas schief. Du hast ein unverschämtes Glitzern in den Augen, wie ein Junge an Weihnachten, der einen Plan ausgeheckt hat, wie er alle Plätzchen verputzen kann. Und dein Haar sieht aus als hätten eine Million Frauen hineingegriffen, ziemlich sexy muss ich zugeben, aber ich werde dich nicht von all den Frauen befreien, die dir in die Arme laufen werden.“ zählte sie auf, kam auf mich zu, stellte sich zwischen mir und dem Spiegel. Plötzlich richtete sie meine Krawatte, ließ sie aber locker genug, damit ich atmen konnte. Dann entfernte sie einige Strähnen aus meiner Stirn, die nicht zu meiner perfekten Guter-Junge-Böser-Junge-Frisur passte. Danach nahm sie wieder ihr Täschchen auf, wand es hin und her zwischen ihren Fingern, grinste mich über die Schulter an und warf ihr Haar anschließend mit einer flinken Bewegung über ihren Rücken.
Ehrlich gesagt war ich in diesem Moment sehr verwirrt, vielleicht sogar irritiert. Ich verstand nicht, wie man die Launen so schnell wechseln konnte. Am Morgen war sie bissig, danach weinte sie fast und war total wütend und angepisst und am Nachmittag war sie plötzlich wie ausgewechselt, lachte und grinste, was sie dazu brachte am Abend unwiderstehlich zu werden. Wollte sie mich etwa verführen? Ein leichtes Ziehen in meiner Lendengegend machte es deutlich genug, dass dieser Plan aufging. Aber da Alice in einer schnellen, elfenhaften Bewegung uns beide hinausschleifte, hatte ich nicht genügend Zeit darüber nachzudenken, was dieses Mädchen mit mir anrichtete. Sie verwandelte mich in einen hormongesteuerten Teenager, einen skrupellosen Mann, der sich nach einer Frau sehnte, sie grenzenlos begehrte. Sie in seinem Leben, seinem Bett und seinem Herz haben wollte.
„Wo seid ihr den ganzen Tag gewesen, kann mir das jemand erklären?“ Alice überprüfte ihr Aussehen in einen kleinen runden Spiegel, trug wieder Lipgloss auf und richtete ihren Haarreifen mit einer überdimensionalen Schleife drauf. „Ich musste mich die ganze Zeit selbst beschäftigen, nicht, dass das so schwer für mich ist, aber ich habe schon gedacht, wir gehen shoppen oder so. Essen etwas, lachen zusammen und schauen uns irgendeinen Film an, aber ihr scheint euch auch ohne mich zu amüsieren.“ Beleidigt sah uns Alice aus großen grünen Augen an.
„Hier und dort, Alice. Nirgendwo besonders.“ log ich ohne zu zwinkern.
„Er lügt, Alice. Glaub einem Edward Cullen gar nichts. Wir haben haben uns in Manhattan herumgetrieben. Aber ich verspreche dir, morgen gehört mein Tag nur dir. Okay?“ antwortete Bella. Von mir erntete sie einen Du-hättest-das-nicht-sagen-sollen-Blick, doch sie gab mir ein Schulterzucken drauf.
„Ach, Bella, du wirst ja immer besser darin, meinen Lieblingsbruder einzuschätzen. Und ja, okay, ich freue mich schon auf morgen.“ Begeistert klatsche sich Alice in die Hände.
„Ha-ha, sehr witzig.“ gab ich trocken von mir.
„Mittlerweile weiß ich, dass ihr Cullens einen komischen Sinn für Humor habt. Außerdem ist er dein einziger Bruder, Alice.“ ganz ladylike grinsend sah Bella meine Schwester an, die sie nun ebenfalls grinste.
„Mist.“ Alice ließ die angestaute Luft aus. „Sie weiß bereits, dass du mein einziger Bruder bist.“
„Tja, diesen Gen für den schlechten Sinn für Humor haben wir von unseren Vorfahren geerbt, Bella. Du solltest lieber nicht mit uns herumhängen, denn das ist ansteckend und außerdem ist das sehr uncool.“ witzelte ich.
„Ja, Bella, vermutlich hat mein Bruder recht. Aber wenn er so etwas sagt, dann meint er wohl, dass er uncool ist.“ antwortete Alice mit einem giftigen Blick an mich gerichtet.
„Keine Sorge, Alice. Mir ist bereits klar, dass ihr zwei unterschiedliche Gene haben müsst. Du bist anders als Edward.“ Bella meinte das wohl im Ernst, denn in ihrer Stimme war kein Hauch von Sarkasmus oder Verspieltheit zu hören.
„Jeder ist anders als Edward. Ihm laufen immer ein Haufen Frauen hinterher, weil sie wahrscheinlich seine Gene so sehr mögen, dass sie sie an ihre Kinder weitergeben möchten. Aber er reagiert auf keine, als wäre krank oder so. Das habe ich noch nie gesehen. Seit Jahren haben wir ihn mit keinem Mädchen mehr gesehen. Mum macht sich langsam Sorgen.“ Irgendwann würde ich meine Schwester erwürgen, weil sie so sehr quatschen musste. Sie sprachen über mich, als wäre ich gar nicht anwesend. Bella drehte sich abrupt zu mir, zeigte mit ihrem Zeigefinger auf mein Gesicht.
„Wer hätte diese wunderbaren grünen Augen nicht gern für seine Kinder? Jeder will für seine Kinder wohl das Beste.“ Kurz sah sie mich an, dann aber lächelte sie, denn sie wusste, ich war nicht krank. Ich hatte nur keine Lust jemanden zu spielen, der ich nicht war. Ich wollte nicht, dass Frauen mir hinterherweinten. Denn ich wusste, dass ich seit Linda´s Tod und meinen 18 Monaten im Krieg nicht mehr derselbe war. Am Anfang ihres Satzes hatte Bella noch etwas Angenehmes, Verspieltes und Lockeres in ihrer Stimme, aber als sie den letzten Teil ihres Satzes aussprach, drehte sie plötzlich ihren Kopf weg und schaute aus dem Fenster. Sie schien sich mit ihrer eigenen Aussage verletzt zu haben.
„Vielleicht kann ich ja gar keine Kinder haben und ihr Frauen bleibt einfach mit dem Wunsch zurück, solche grünen Augen für euer Nachkommen zu haben.“ Beide lachten kurz auf und beruhigten sich nachher wieder.
Die restliche Fahrt verging ungewöhnlich still.
~MB~
„Woah, Rosie, schau wer da ist. Der große E.C-B.G., Miss little Sunshine in Begleitung von Lilly Fee oder so.“ Natürlich war das Emmett, wem sonst würde ein solcher Schwachsinn einfallen? Diese ganzen Spitznamen hatte er innerhalb von Sekunden erfunden. Rosalie küsste aber seine Wange und grinste. Emmett und Rose waren wie füreinander geschaffen. Wie ein altes Ehepaar, das sich so gut kannte, und einander genau so liebte, wie sie waren.
„Freut mich auch dich zu sehen, Anabolika Schrägstrich Boxmmett.“ Wir beide vollführten unsere Begrüßung mit vielen verschiedenen Händegriffen, die wir schon in der High School ganz cool draufhatten.
„Wofür steht eigentlich E.C-B.G., Emmi?“ Seine Schwester streckte ihm die Zunge heraus. Er machte ein empörtes Gesicht, hob sie hoch und wirbelte sie herum, als wäre sie ein Plastiksack und wäre nicht schwer, was sie vermutlich auch nicht war verglichen mit Emmetts Trainingsgeräten. Ich nickte Rose zu und sie grinste mich an, wie sie es immer tat, wenn sie sich über etwas freute. Diesmal war es Emmetts gute Laune und die Liebe zu seiner Schwester. Rose hatte alles darauf gesetzt, Emmetts Welt wieder in den Griff zu bekommen, nachdem er Linda verloren hatte. Sie war sehr erfolgreich darin, obwohl Emmett nie darüber sprach. Er hasste es darüber zu sprechen.
„Es steht für Edward Cullen alias Be's Guardward, Miss little Sunshine!“ antwortete Emmett als er Bella wieder absetzte.
„Uhhhh, Emmett. Fällt dir kein besserer Spitzname für mich ein? Miss little Sunshine kannst du Rosalie nennen, sie ist blond.“ angewidert schüttelte sich Bella und ich grinste. Emmett schubste mich freundschaftlich, gab mir einen Was-hast-du-aus-meiner-kleinen-Schwester-gemacht-du-Idiot-Blick, schnappte sich seine Blondie und trat in die Pizzeria ein, wo Johnny Cash schon auf uns wartete.
„Das lass ich nicht auf mir sitzen, Miss Swan.“ Rosalie grinste Bella an und drohte ihr mit dem Zeigefinger. Bella lachte nur. Diese zwei verstanden sich gut, so wie meine Alice und Bella sich gut verstanden. Gab es überhaupt jemanden, mit dem sich Bella nicht gut verstand?
„Wow, Emmett, du hast uns den großen Edward Cullen ja wirklich hierher gebracht. Der verlorene Junge ist wieder aufgetaucht.“ Das war Jaspers nette Begrüßung, ich gebe ja zu, meine Freunde hatten alle einen Dachschaden – das konntet ihr euch wahrscheinlich schon denken -, aber Jasper alias Johnny Cash – so hatte ich ihn immer genannt, wenn ich betrunken war und Linda hat diesen Spitznamen für ihren Liebsten geliebt -, er war ein netter Kerl, zumindest das, was von ihm übrig blieb, als Linda starb.
„Hi, Jazz!“ quitschte Alice und winkte ihm zu. Meine Schwester hatte ein seltsames Grinsen, als er sie mit einem attraktiven Lächeln zurückgrüßte.
„Freut mich auch dich zu sehen, Jasper!“ Wieder dieselbe Prozedur wie bei Emmett und ich wurde entlassen, danach stahl mir Bella die Show.
Als Bella und Jasper sich gegenüberstanden, hielten alle Anwesenden die Luft an, weil sie nicht wussten, wie Bella auf Jasper reagieren würde. Ich jedoch wusste, dass Bella Jasper keine Schuld zuschrieb, obwohl er einer der Gründe war, warum Linda in New York leben wollte und Bella ohne ihre Schwester in Seattle bleiben musste.
„Ich bin Bella, freut mich sehr, Jasper. Ich hab schon viel von dir gehört!“
„Hoffentlich nur Gutes.“ Gab der Charmeur von sich und bat alle sich zu setzen.
Ich richtete es mir ein, dass ich neben Bella saß. Immerhin wussten die anderen, dass ich sie beschützen musste, obwohl das nicht der einzige Grund war, warum ich neben ihr sitzen wollte, neben ihr sitzen musste.
In den nächsten dreißig Minuten schaltete ich jegliche Gespräche aus. Beobachtete......beobachtete, wie sich ihr Mund bewegte, wenn sie sprach. Beobachtete, wie sie lachte, wenn jemand einen Witz erzählte. Beobachtete, wie sie die Spitzen ihrer Haare um den Finger wickelte, wenn sie sprach oder einfach nur nachdenklich war. Das alles faszinierte mich und meine Finger kribbelten, weil ich sie berühren wollte. Aber am meisten liebte ich ihren Blick, wenn sie mich ansah, als wäre ich ein bedeutungsvoller Schatz, den sie um keinen Preis verlieren wollte, den sie aber verlieren würde, wenn ich zuließ, dass sie sich in mich verliebte.
Turning Page – Sleeping at Last
Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch, als ich eine warme Hand auf meiner fühlte, drehte mich in die Richtung, aus der die Hand kam. Bella grinste mich an und beugte sich näher zu mir, während die anderen tief in ihren Gesprächen um Sport verwickelt waren. „Was ist los? Du siehst so besorgt aus.“ Ich schüttelte den Kopf, stand abrupt auf, sodass der Sessel hinter mir auf den Boden knallte und einen Lärm verursachte. Erschreckt von der Tatsache, dass sie mich schon jetzt so gut kannte, dass meine Gedanken eine Richtung annahmen, die ich nicht kontrollieren konnte, genauso wenig wie meine Neigungen und meine Gefühle, die ich zu ignorieren versuchte, es aber nicht schaffte.
Warum hatte sie genau mich ausgesucht um sich zu verlieben? Denjenigen, dessen Tage gezählt waren. Ich würde sterben, bald, schon sehr bald. Ganz sicher wollte Swan es nicht vor den Augen seiner Tochter tun, deshalb hielt er mich noch aus bis er mich brauchte. Aber das war nicht das Problem. Ich wusste schon bereits lange, dass ich sterben würde. Mich ärgerte nur, dass genau sie sich in mich verliebt hatte. Diesen Schmerz wollte ich ihr ersparen, weil sie mir als einzige Frau, ausgenommen Esme und Alice, die Welt bedeutete.
Warum akzeptierten Frauen nicht, dass man Gefühle für sie haben konnte, ohne es ihnen zu beichten? Vermutlich liebte ich Isabella sogar, aber wenn ich es ihr sagte, wenn ich es aussprach, dann könnte ich nicht mehr fliehen, dann würde ich für meine restlichen Tage bei ihr bleiben müssen. Wollte ich überhaupt von Bella weglaufen? Meine Gedanken waren ein richtiges Durcheinander, aber was ich wusste, war, dass sie die erste Frau war, die ich halten wollte, neben der ich einfach nur liegen wollte, ohne Sex zu haben. Ich wollte in ihre Augen sehen, nicht nur in ihren Ausschnitt. Die Erkenntnis, dass ich sie wirklich aufrichtig und ehrlich liebte, versetzte mich in Angst und Schrecken. Ich wollte mir selbst gehören, nicht ihr, nicht irgendjemandem anderen. Ich rang mit mir selbst, weil ein kleiner Teil sich in mir unglaublich freute, denn Bella.....Gott, sie war einfach wunderbar. Niemals hätte sich mein kaltes Herz jemanden besseren aussuchen können. Aber sie war so jung, unschuldig, sie verdiente jemanden besseren, nicht mich. Ich trat gegen das Holzgeländer, das mich vom Strand trennte. Ich hörte wie das Wasser seine Wellen schlug und unaufhörlich die Küste befeuchtete.
„Es ist Bree.“ hörte ich ihre Stimme hinter mir. Ich atmete die frische feuchte Luft tief ein und drehte mich halb zu ihr.
„Was?“
„Charlie hat eine Affäre mit Bree. Sie ist die Frau mit der er meine Mutter betrügt und das in ihrem eigenen Elternhaus. Meine Eltern sind schrecklich, aber ich habe keine anderen. Was auch immer Charlie dir angetan hat, das kann ich nicht zurücknehmen. Ich kann dir nur sagen, wie leid mir das tut. Wenn du es an mir auszulassen versuchst, dann kann ich das sogar nachvollziehen.“
„Das ist ja entsetzlich, Bella. Mit deiner eigenen Tante. Ich meine, hat er sich keine andere Frau suchen können?“
„Hm, wohl nicht! Wie es aussieht, wäscht die eine Hand die andere. Es hätte mir eher klar sein müssen. Wie sie ihn immer angesehen hat, wenn sie bei uns in Seattle war.“ Bella schauderte plötzlich und schüttelte den Kopf, als würde sie die schrecklichen Bilder in ihrem Kopf abschütteln wollen. Ich fühlte mit ihr mit.
„Bella, du sollst wissen, dass ich dich nicht für die Taten deines Vater beschuldige. Was er getan hat, wird er selbst irgendwann bezahlen müssen. Ich werde dann wohl nicht mehr da sein, um es mitanzusehen, aber du wirst es erleben. Da bin ich mir sicher.“ Irritiert drehte sie sich zu mir und klammerte sich mit einer Hand an der Brüstung.
„Wovon sprichst du denn da?“
„Bella, damit will ich nur sagen, dass ich nicht mehr lange zu leben habe.“ Ich wappnete mich für ihre Reaktion. Sie wich zwei Schritte zurück.
„Warte! Was?“ Schockiert schüttelte sie den Kopf, begann hysterisch zu lachen. Als sie bemerkte, dass ich es ernst meine, stoppte sie und sah mich traurig an. „Bist du krank? Wie viel Zeit hast du noch?“
„Keine Ahnung, es können Tage, Wochen oder Monate sein. Siehst du diese Männer dort drüben, Bella? Diese zwei, die so unauffällig wir möglich in unsere Richtung starren, aber unbedingt so aussehen wollen, als wären sie desinteressiert?Sie sorgen dafür, dass ich meinen Mund halte und nicht zur Polizei laufe um deinen Dad zu verpfeifen. Sobald ich in New York bin, verfolgen sie mich immer. Wahscheinlich würden sie sofort auf mich schießen, wäre ich ein kleiner Fisch im Ozean. Für ihr Leidwesen, bin ich ein kleiner Fisch in einem Teich und ich bin dein Bodyguard. Es würde auffallen, wenn sie es sofort tun würden.“
„Ich verstehe nicht, Edward. Mein Vater will dich umbringen? Ich meine so richtig? Es ist nicht nur eine Drohung oder so? Mit einer Waffe und allem drum und dran? Wie in diesen schrecklichen Actionfilmen, wo jeder jeden umbringt?“ Ich nickte und Bella sank langsam seitlich gegen meine Brust. Ich hielt ihren Kopf an meine Brust gepresst.
„Nein, ich kann das nicht akzeptieren.“
„Das habe ich befürchtet.“
„Entfernst du dich deshalb von mir, weil du bald nicht mehr.....da bist?“
„Das ist einer der Gründe.“
„Was gibt es noch, Edward? Ist meine Mutter eine Hexe und mein Bruder irgendein Dieb oder schlimmer?“
„Nein, Bella. Dein Bruder ist ein toller Mann und deine Mutter ist eine wunderbare Frau.“
„Wenn sie so wunderbar ist, warum hat sie Charlie geheiratet? Ich meine, er war immer ein toller Dad, aber als Mensch.........er ist schrecklich.“ Ich umarmte sie fester und sie presste ihr Gesicht gegen meine schwarze, schmale Krawatte.
„Es gibt gute und es gibt schlechte Menschen, Bella. Vielleicht gibt es auch eine Mischung aus diesen beiden. Wir können die Menschen nicht ändern. Sie gehen ihren eigenen Weg und leben ihr eigenes Leben. Man kann die Welt nicht verändern. Wenn es jemanden gab, der gegen das alles rebelliert hat, dann war ich es, das kannst du mir glauben.“
„Ich will das nicht.“
„Was denn, Bella?“ Ich streichelte ihr Haar.
„Ich will nicht, dass du stirbst. Wenn du stirbst, dann will ich an deiner Seite sterben.“
„Nein, Bella!“ Ich hielt ihr Gesicht in meinen beiden Händen umschlossen. „Du musst ohne mich weiterleben. Für mich, für deine Schwester. Glaub mir, ich hab versucht, dich von mir fernzuhalten, damit du nicht denselben Schmerz noch einmal durchmachen musst, Bella. Ich wollte für dich etwas Besseres als das. Es tut mir richtig leid. Ich hätte mir niemals vorgestellt das sagen zu müssen, aber darin bin ich machtlos und das macht mich wahnsinnig. Langsam verstehe ich, dass ich menschlich bin. Ich hielt mich immer für Superman.“
„Ach, hör bitte auf. Kannst du mir nur einmal zuhören ohne dazwischen zu reden, Edward?“ Sie schrie mich richtig an und funkelte mich aus ihren dunklen Augen an, also hielt ich meine Klappe wie verlangt.
„Ich liebe dich. Ich liebe dich mit meinem ganzen Sein. Ich will mit dir zusammensein, Edward, das nicht nur heute, morgen oder übermorgen. Vielleicht werden wir nicht alt und grau, leben nicht zusammen bis unsere Haut ganz runzelig wird und die Haare abfallen und die Haut abfällt und wir selbst zerfallen. Aber dir ist nicht klar, dass ich auch meinen Arsch darauf verwette in deiner Nähe zu sein, denn ich weiß wie mein Dad reagieren wird, sollte er von uns erfahren. Er würde uns die Hölle heiß machen. Aber ich bin bereit alles zu geben, was ich habe, um mit dir zusammen zu sein. Wenn dir das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht. Das ist die einzige Art wie ich lieben kann, Edward. Du kannst alles nehmen, was ich zu geben habe oder es lassen. Aber du solltest dich endlich mal entscheiden. Entweder wir leben zusammen und sterben zusammen oder du gehst, Edward. Denn wenn du mich nicht willst, dann solltest du fair genug sein und es mir nicht noch schwieriger machen. Als Linda starb, als sie zu Grabe getragen wurde, als ich fühlte, wie ich innerlich zerfiel, weil sie nicht mehr da war, versprach ich mir selbst, niemals mehr über den Tod eines Menschen zu weinen, Edward. Ich würde dieses Versprechen gern erfüllen.“ Fuck, sie liebte mich. Ich war einerseits sehr wütend darüber, aber andererseits gab es da einen Teil von mir, der sie am liebsten nur küssen würde, weil sie mich liebte.
„Bella......“ ich war richtig sprachlos. Ich nahm ihre Hand, legte sie auf mein Herz und hielt still. Sie zitterte am ganzen Körper und das brach mir das Herz, denn ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das für sie sein musste, wenn ihr eigener Vater ihr den Mann, den sie liebte, wegnahm.
„Ich bin nicht gut darin über meine Gefühle zu sprechen. Ich hatte noch nie solche Gefühle für eine Frau. Ich dachte, ich besäße gar nicht mal ein Herz, weil ich noch niemanden so sehr in meinem Herzen gefühlt habe. Deine Schwester sagte zwar, dass ich eines Tages eine Frau finden würde, die mir so richtig zeigen würde, wo es lang geht, aber ich hab das nicht zu ernst genommen. Ich kann nicht fassen, dass du diejenige bist. Aber ich will dir zeigen, dass ich alles an dir liebe. Die Worte <<Ich liebe dich>> bedeuten mir nicht viel. Aber die restlichen Tage meines Lebens werde ich dafür verwenden, dich zu lieben. Auf eine Weise wie es nur die Cullens tun, Bella. Du wirst dich wundern.“ Ich war erleichtert, weil ich ihr die Wahrheit gesagt hatte. „Außerdem hatte ich es ernst gemeint, als ich sagte, du wärst die Eine und die Einzige für mich!“
„Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich war noch nie so glücklich und so traurig zugleich.“
„Ich weiß, Baby.“
„Ich kann nicht fassen, was gerade passiert ist.“
„Du hast dich gerade entschlossen, meine Freundin zu sein bis zum Ende, Bella.“
„Kannst du mich jetzt einfach halten, Edward. Ich muss zuerst fühlen, dass du wirklich da bist, um deinen Worten zu glauben.“ Sie legte ihre Arme um meinen Rücken und legte ihre Wange auf meine Brust ab. Meine Arme waren um ihre Schulter geschlugen, die eine Hand in ihrem Haar. So feierten wir unsere Zweisamkeit.
Die feuchte nächtliche Luft, die leuchtenden Sterne am Himmel, das Rauschen des Wassers und unser beider Herzschläge waren Zeugen unserer Gefühle in diesem Moment.
Linda hatte Recht behalten, ich hatte meine bessere Hälfte gefunden. Vielleicht ließ ich mich von meinen Gefühlen zum Affen machen oder ich beschwor eine Katastrophe herauf, die uns nur in die Tiefe ziehen würde. Vielleicht ging Bellas Wunsch in Erfüllung und wir werden Hand in Hand sterben können. Das Einzige was wirklich zählte, war sie. Es waren ihre Arme, die um mich geschlugen waren. Denn nichts hatte mich wirklich auf Bella vorbereitet. Jetzt wusste ich wofür ich lebte. Ich wusste, dass sie jetzt mein Leben war. Ich würde ihr Leben versüßen, ihr Blumen kaufen, Pralinen, würde sie küssen, wenn sie aufwachte und jede ihrer Bewegungen mit meinen Augen verfolgen, wie der Fanatiker, der ich war. Ich würde mich gut um sie kümmern, denn sie war mein Mädchen, meine einzige Frau. Die Einzige, die genügend Geduld mit mir hatte, die sie mich liebt. Es wird jemanden geben, der über uns schreiben wird. Über unsere Gefühle füreinander. Jemand, der noch nie eine solche Liebesgeschichte gesehen hatte, die so wunderbar und doch so traurig war. Die nächste Generation der Liebenden wird sich ein Beispiel an uns nehmen und zusammen für ihre Liebe kämpfen. Wir waren ganz sicher nicht das beste Beispiel, aber wir waren Menschen. Wer war schon perfekt? Es waren die Gefühle, die zwei Menschen füreinander perfekt machten. Sich gegenseitig mit Perfektion erfüllten. Mit Zuneigung, Respekt, Bewunderung......
Ich dachte, ich besäße kein Herz, das fähig war zu lieben. Wie kam es, dass ich plötzlich jeden von ihren Herzschlägen in meinem Herzen fühlte? Hatte ich sie gebraucht um zu fühlen? Fühlte man sich so, erst wenn man die Frau für das Leben gefunden hatte? Mir kamen tausend Fragen in den Sinn, wenn ich jede einzelne von ihnen beantworten müsste, dann hätte ich nur eine Antwort.
Bella. Bella. Bella. Bella.
Meine Königin, meine Liebste, meine Schönste.
Langsam wiegte ich sie hin und her, küsste ihren Haaransatz und ihre Stirn. Sie sah mich wieder mit diesem gewissen Blick an, der mein Innerstes zum Glühen brachte. Ein ganzer Vulkan baute sich in meiner Brust zusammen. Ein Vulkan der Gefühle, die bisher wie zugefroren waren, als hätte mich jemand mit einem Fluch verdammt. Ich fühlte mich wie das Biest aus <<Die Schöne und das Biest>>, als es von Bellé geküsst worden war. Genau so musste es sich gefühlt haben.
Meine Schöne grinste mich liebevoll an.
„Hey, Baby!“ grüßte sie mich.
„Hey, Kleines!“ grüßte ich zurück und küsste sie federleicht auf den Mundwinkel. Zuerst auf den linken, dann auf den rechten. Danach verschloss ich ihren weichen Mund mit meinem.
„Ich hab so lang auf dich gewartet, Bella. Die Zeit war so zäh und träge, wollte nicht vergehen, wollte mir kein bisschen Glück schenken. Ich hab länger auf dich gewartet als du denkst. Zeit ist ein komisches Ding. Manchmal denken wir, wir hätten genug davon, aber dann müssen wir feststellen, dass wir uns lieber beeilen sollen, damit sich all das ausgeht, was man noch geplant hat zu machen bevor man stirbt.“
„Was willst du noch machen, bevor du.... gehst?“
„Keine Ahnung.“
„Ich dachte, du hättest einen Plan.“
„Ich sagte nicht, dass es ein besonders guter Plan ist, Kleines.“
„Wehe, du hast mich nicht miteingeplant.“
„Wie könnte ich so ein wunderbares Wesen, wie dich, vergessen?“ Sie legte ihre Hand auf meine Wange. Ihre Augen fixierten meine und sie hielt meinen Blick gefangen.
„Edward, wofür lebst du?“ Ich schauderte, als sie mit ihrem Daumen über meine Lippen fuhr.
„Ich wusste, es kommt etwas Tiefsinniges.“ sie lachte und zuckte mit ihren Schultern. „Ich will etwas bewirken, etwas verändern, eine Spur hinterlassen. Ein Gefühl hinterlassen. Etwas. Irgendetwas. Sei es Musik, Kunst oder ein Lächeln. Vielleicht sogar ein Geschenk, das du deiner Mutter gemacht hast. Zumindest war das mein Plan, bevor ich dich traf. Das Leben hat mir nicht viel bedeutet. Im Krieg fielen Menschen, Bella. Ich war dem Tod immer unglaublich nahe, deshalb habe ich keine Angst zu sterben. Ich musste lernen mit Verlust, Tod und Mord umzugehen und das schon sehr früh, deshalb bin ich vielleicht unfähig meine Emotionen zeigen. Ich bin kein guter Mann. Du hättest einen besseren finden können, der dich glücklicher machen kann, der immer bei dir bleibt.“
„Du hast versprochen immer bei mir zu bleiben. Weißt du noch? Linda hat es auch versprochen, Edward. Und ich hab mir selbst versprochen, dass ich den Tod von niemandem mehr weinen werde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Versprechen einhalten kann.“
„Deine Schwester hat dich nicht verlassen, Bella. Sie ist hier....“ ich tippte auf ihre Stirn „und hier, Kleines“ Ich deutete auf ihr Herz. „Sie bleibt in deiner Erinnerung, Bella. Schreib ihr, was du ihr sagen willst. Zeichne, was dir wichtig ist. Tanze für sie. Spiel Tennis für sie. Bau dir eine Welt auf, in der Linda für dich existiert. Lebe jeden Tag als wäre er ein Geschenk, denn du weißt nie, was morgen passiert. Carpe Diem. Nütze den Tag.“
„Langsam glaube ich, dass ich nach diesem Schmerz süchtig war, Edward. Ich hielt es ohne diesen Schmerz nicht aus. So bin ich nunmal. Anders kann ich nicht über den Tod meiner Schwester nicht hinwegkommen.“
„Es ist okay, Baby. Jeder hat seine eigene Art um über etwas hinwegzukommen. Aber Schmerz ist nichts woran man sich gewöhnt, Bella, und doch ist es etwas, was uns Lebewesen – vor allem Menschen – irgendwie miteinander verbindet.“
„Ich hab mich noch nie einem Mann so nahe gefühlt, Edward.“
„Yeah, ich mich einer Frau auch noch nie.“
Einen Moment lang waren wir beide sehr still, aber es war keineswegs ein unangenehmes Schweigen. Wir sahen beide zum Sternenhimmel, ich hatte meinen Arm um Bellas Schulter geschlungen und sie hatte ihre Hand an meinem Rücken.
„Linda.....glaubst du, sie sieht uns jetzt? Glaubst du sie fühlt, wie unglaublich glücklich wir sind?“
„Yeah, ich glaube, sie freut sich richtig für uns. Sie sagte immer, es gäbe keinen Mann, der besser auf ihre kleine Schwester aufpassen kann als ich.“ Zweifelnd sah mich Bella an.
„Hast du das gerade erfunden, Edward Cullen?“
„Vielleicht ein kleines Bisschen. Ganz wenig.“ Zwischen Daumen und Zeigefinger zeigte ich, wie wenig ich eigentlich erfunden hatte.
„Du bist sehr kompliziert, Edward. Hat dir das schon jemand gesagt? Wir hätten es uns leichter machen können. So viel einfacher, wenn wir von Anfang an einander alles erzählt hätten.“
„Wer sagte denn, dass ich einfach bin? Ich bin eine Nervensäge. Ich bin sehr komplex. Ich bin ein Chaos auf zwei Beinen. Ich regle meine Probleme mit meiner Faust. Wenn etwas gegen meinen Willen geht, dann bin ich bereit die mit meinem Kopf gegen die Mauer zu rennen, um sie zu durchbrechen. Du siehst also. Ich bin überhaupt nicht einfach.“
„Na dann viel Spaß, Isabella Swan.“ meinte sie sarkastisch an sich selbst gerichtet.
„Keine Sorge, Kleines. Dir wird an gar nichts fehlen. Ich bitte dich nur um ein bisschen Geduld mit mir. Deal?“ Ich streckte meinen kleinen Finger aus, damit sie ihren einhaken konnte. Das tat sie auch.
„Deal!“ sie hakte ihren Finger ein. „Seitdem jemand die Fäden dort oben nach keinem besondenen Prinzip spinnt, muss ich mich wohl nach dem Schicksal richten.“
„Glaubst du an Schicksal?“ fragte ich sie.
„Manchmal.“ antwortete sie nachdenktlich. „Aber ich glaube an Bestimmung und an Liebe.“
„Hm.“ machte ich nur. „Das ist gar nicht so schlecht. Vielleicht sollte ich auch daran glauben!“
„Das wirst du, keine Sorge.“ Überzeugt davon, dass sie recht hatte, überzeugte sie sogar mich, was eigentlich jemanden sehr schwer gelang. „Nichts ist so schwer wie es aussieht, Edward. Man muss es nur versuchen.“
Was tut man nicht alles für die Menschen, die man liebt, nicht wahr? Man fäng an an Dinge zu glauben, die man früher für Schwachsinn hielt. Aber das Leben bestand darin zu lernen. Wir hatten einen langen steinigen Weg vor uns, weil Bella und ich so verschieden waren. Doch das beste an diesem Weg war, dass wir uns nicht viel vornehmen würden. Wir hatten keine Zeit um etwas zu planen, denn wer sein Leben plante, vergaß zu leben.
Mein Leben wird vielleicht kurz sein, wenn man es mit manchen anderen verglich, aber andererseits gab es nur wenige Menschen, die in so wenigen Jahren so unglaublich viel gesehen hatten. Alles in allem hatte es sich gelohnt, alles was ich durchlebt hatte, war hatte mich zu Bella geführt. Also lohnte es sich. Denn sie hatte Recht, das war Bestimmung. Jemand oder etwas hatte beschlossen uns zwei zusammenzubringen. Ob es nur Zufall oder Schicksal war, sollte uns letzen Endes einerlei sein. Was zählte war, dass wir uns liebten.
~MB~
Carpe Diem – Nütze den Tag (Horaz)
Chapter 10:Turning Page
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