Montag, 19. März 2012

Chapter 11: And you´ll stay there and die a little bit more ...

Chapter 11:
And you`ll stay there and die a little bit more ...






Please, please forgive me,
But I won't be home again.
Maybe someday you'll look up,
And, barely conscious, you'll say to no one:
"Isn't something missing?"
And if I sleep just to dream of you
I'll wake without you there,
Isn't something missing?
Isn't something...
(Evanescence - Missing)
http://www.youtube.com/watch?v=9O_KovMLa1Y



Isabella Swan:




Noch nie hatte eine einfache Mozzarellapizza mit Cherrytomaten und Spinat so gut geschmeckt, wie in Begleitung von Jasper, Alice, Emmett, Rose und – Edward eben. Ob es aus dem einen Grund war, dass mein Herz wie verrückt schlug, wenn er meine Hand in seine nahm oder aus dem anderen, dass wir es endlich geschafft hatten, zusammen zu sein. Die innere Zerrissenheit war beinahe vollkommen verheilt. Zu behaupten, dass ich so richtig glücklich war, wäre jedoch eine Lüge, denn mir gefror das Blut in den Adern, wenn ich daran dachte, was Edward mir gebeichtet hatte. Ihr wisst schon, …...dass er nur noch sehr wenig Zeit hatte.....zu leben.

Ich wäre jedoch nicht ich, wenn ich es einfach so hinnehmen würde. Meine gesagten Worte meinte ich ernst, ich würde Edward nicht einfach so sterben lassen. Entweder er starb nicht, oder wir werden Hand in Hand sterben. Was wäre überhaupt ein Leben ohne Edward? Das wollte ich mir gar nicht vorstellen.

„Hm, Bellilein, schmeckt es?“ stichelte mein Bruder mit vollem Mund. Ich konnte nicht wirklich glauben, wie entspannt Emmett in Abwesenheit von Charlie sein konnte. Sogar der Kragen seines blauen Hemdes war etwas schief. Mein Bruder sah richtig glücklich aus und das erfüllte auch mein Herz mit unglaublicher Freude. Erst jetzt starrte ich auf meine mit Ketchup verschmierten Finger und meinem Besteck, das ich unbenutzt neben meinem Teller hatte fallen lassen. Ich hatte Probleme eine Pizza mit dem Messer zu schneiden, ohne ein Schlachtfeld zu verursachen, jemandem mit einer fliegenden Olive die Augen auszustechen oder mich zu bekleckern.

Genüsslich leckte ich mir die Finger ab – Ich wusste, das wäre meinem Vater peinlich, aber ich lebte für mich, nicht für meinen Vater. - und nahm ein Stück meiner Pizza und stopfte mir in den Mund.
„Ich bin mir ganz sicher, dass meine Pizza besser schmeckt als deine, großer Bruder.“ antwortete ich grinsend und provozierend.
„Nein, Bella. Meine Pizza habe ich fast verputzt, also muss sie besser sein.“ erwiderte mein Bruder und wackelte bescheuert mit den Augenbrauen. Rose versuchte ihr Lächeln zu verbergen. So wie Jasper und Alice, die so aussahen, als würden sie durch ihre Mimik miteinander turteln. Die Zwei würde ich in nächster Zeit im Auge behalten, soviel stand fest.

„Aber auch nur, weil du einen größeren Magen hast als ich.“ Gewinnend lächelte ich.
„Du hast eindeutig einen größeren Magen als Bella, Emmett.“ antwortete Edward, der sehr charmant seine Pizza in Stücke geschnitten hatte, als wäre er ein Koch oder die reine Perfektion. Wisst ihr was? Er hatte auch meine Pizza geschnitten, weil ich etwas unbeholfen war. Sehr charmant von ihm, wie ich fand, dafür würde er einen Kuss von mir bekommen. Natürlich erst später, wenn wir allein waren. Mhm, die Vorfreude...., wie Recht Edward doch damit behielt.
„Alter, musst du mir so in den Rücken fallen? Du sollst sie doch nicht verteidigen!“ Emmett grinste seinen Freund mit vorgeschobener Unterlippe an.
„Darauf falle ich nicht rein, Emmett!“ Edward lachte herzhaft, ich sah ihn berauscht an, grinste unbewusst ebenfalls. Sein Lachen war einfach so einzigartig, nicht zu kehlig, wie das von Emmett, aber auch nicht viel zu samten, wie das einer Frau. Da gab es noch einen edwardischen Ton, der sein Lachen zu meiner liebsten Melodie machte.
„Bella, begleitest du mich auf die Toilette? Entschuldigt ihr uns kurz, Gentlemen?“ fragte Rose, während ich mir die Finger mit einer Serviette abtupfte. Als ich mich umdrehte, fing ich Edwards fragenden Blick ein, der mich fragte, ob alles okay sei. Ich nickte leicht, damit die anderen nichts mitbekamen.
„Ich komme auch mit, muss kurz mein Näschen pudern!“ Eindeutig Alice, die Jasper ein kleines vergnügtes Lachen entlockte. Als ich mit umdrehte um in Richtung zu laufen, fühlte ich flüchtig Edwards Finger über meinen Unterschenkel leicht streichen. Mhm, kurz setzte mein Herz aus, nur um verrückt und schnell weiterzuschlagen. Alice und Rose warteten, dass ich ihnen folgte und hackten sich bei mir unter, jede an einer Seite. Kaum schlossen sie die Tür hinter uns, schon bombardierten sie mich mit Fragen.

„Was ist zwischen Edward und dir los? Du musst uns alles erzählen! Seid ihr jetzt zusammen? Warum hast du uns gar nichts erzählt? Was war mit Edward, dass er so aufgebracht geflüchtet ist?“ Das war die neugierige Alice. Rosalie lehnte nur an der Wand grinste wissend und schob sich zwischen Alice und mich, um sich die Hände zu waschen.
„Ich dachte, du musst deine Nase pudern.“ Alice verdrehte die Augen und sah mich an, als wäre ich vollkommen dämlich.
„Gott, Bella! Das sagen Frauen nur so, damit sie flüchten können.“ erklärte Alice.
„Okay, dann muss ich auch mein Näschen pudern.“ gab ich von mir und machte auf meinem Absatz kehrt. Alice hielt mich jedoch auf.
„No-no, Fräulein. Du bleibst hier und erzählst alles. Erst dann darfst du gehen.“ drohend erhob sie ihren kleinen Zeigefinger und sah mich streng an. Es gab kein Entkommen mehr, ich musste Alice alles beichten. Minutenlang sah sie mich an und wartete darauf, dass ich anfing zu sprechen. Hilfesuchend sah ich zu Rose, die nur grinste und die Achseln zuckte. Danke für deine Hilfe, Rose! Ich musste Alice ablenken, aber wie nur?

„Alice, was ist eigentlich zwischen Jasper und dir? Kannst du mir zuerst das erzählen?“ Hah, da hab ich dich, kleine Alice. Selbstzufrieden grinste ich sie an und begann zu lachen.
„Hab ich mir fast gedacht!“ Rose stimmte meinem Lachen ebenfalls ein und Alice sah uns zuerst schockiert an, dann machte sie einfach mit.
„Wir wissen, dass da etwas läuft.“ gab Alice auf eine Klugscheißer-Art von sich. Rose und ich nickten gleichzeitig, auf Alice deutend. „Ja, wir wissen, dass da etwas läuft, Alice.“ Und die Inquisition war beendet, zumindest für jetzt. Alice fragte mich nicht mehr aus, und ich sagte auch kein Wort, also war das ein stummes Einverständnis zwischen Alice und mir. Rose verrichtete ihr Geschäft und danach verließen wir die Toiletten wieder.

Kaum hatten wir unseren Tisch erreicht, schon spürten wir die unangenehme Atmosphäre, die von den Jungs ausging. Irgendwas stimmte nicht ganz, denn Edward sah angespannt aus, seine Kiefer war aneinandergepresst und seine Hand unter dem Tisch zur Faust geballt. Rose sah aus, als hätte sie verstanden worum es hier ging. Alice rutschte mit ihrem Sessel näher an Jasper heran, sah so aus als hätte sie Angst. Nur ich verstand nicht worum es ging.

Edward legte seinen Ellenbogen auf den Tisch ab und stützte seinen Kopf darauf ab, drehte seinen Kopf zu mir und sprach ganz leise.
„Baby, die zwei Männer da hinten, die uns die ganze Zeit beobachten.“ Ich wusste welche er meinte, also nickte ich. „Sie werden ihm alles berichten, was sie gesehen haben, wenn wir nicht etwas unternehmen um sie daran zu hindern.“ Mein Herz zog sich in meiner Brust zusammen. Er würde sie verprügeln, oder noch schlimmer, sie würden ihn verprügeln. Das konnte ich nicht zulassen. Nein, eindeutig nicht.
„Edward, du wirst nicht mit ihnen kämpfen. Versprich es mir!“ forderte ich ihn auf. Bitte! Ich flehte ihn an mit meinen Augen. Er soll in Sicherheit sein, das war mir am wichtigsten.
„Bella, ....“ sein Gesichtsausdruck zeigte mir, dass er einen inneren Kampf mit sich ausführte. „Wie soll ich es denn anders machen?“ fragte er mich richtig verzweifelt. Ich sah mich um, lehnte mich danach zurück und überlegte.
„Du musst mich anschreien. Das ist die einzige Lösung. Wir müssen eine Szene machen, uns gegenseitig sagen, dass wir uns hassen und dann verschwinden. Sie werden gar nicht merken, dass wir weg sind.“ erzählte ich, was mir als erstes einfiel.
„Das ist eine bescheuerte Idee. Ich werde dir nicht sagen, dass ich dich hasse.“ er schüttelte den Kopf. „Das sagt man nie einer Frau, die man.......“ Ich schloss die Augen, versuchte mir nicht auszumalen, was passieren würde, wenn er das Wort sagte, das ich so verzweifelt hören wollte.
„Edward, lass sie doch denken, was sie wollen. Eines Tages wird er es erfahren.“ Jasper hatte Recht. ´ Und dann wird er ihn töten `, fügte ich in Gedanken hinzu. `Und ich würde weinen, schreien und nichts würde ausreichen um ihn zurückzuholen!` Dieser Gedanke erfüllte mich mit Wut und Traurigkeit.
„Alter, wir regeln das hier und jetzt.“ Wütend sprang Emmett hoch, sah gespielt wütend auf Rosalie herab, zog sie am Arm hinauf. „Rose, wir gehen jetzt sofort nach Hause. Ich weiß nicht, was du glaubst hier zu tun. Ich bin nicht der Mann, der zusieht, wie du mit anderen flirtest. Hast du mich verstanden? Sonst wirst du mich kennenlernen!“ Emmett schrie Rose regelrecht an. Ein Typ eilte Rose zur Hilfe, begann mit Emmett zu streiten, erzählte ihm, dass man eine Lady anders behandelte. Ich war schockiert und erschrocken, jemand zog mich mit nach draußen. Ich sah Rose mir zuzwinkern und wusste, dass alles nur Show war, damit diese Typen Edward und mich nicht mehr verfolgten.

Edward hielt meine Hand fest in seiner, die Finger ineinander verwoben, und rannte mit mir um unser Leben. Ich fühlte das Adrenalin in meinen Venen, atmete schwer und war in Gedanken versunken. Deshalb realisierte ich nicht, dass wir uns schon in einer U-Bahn befanden. Zu sagen, dass mir das gefiel, was wir hier hatten, wäre eine glatte Lüge. Denn mir stiegen schon die Tränen auf, wenn ich an das Gespräch von Edward und mir zurückdachte und obwohl mein Bruder und seine Freundin uns unterstützten, wusste ich nicht, wie weit das gehen würde. Ich fühlte mich beschissen um ehrlich zu sein. Denn Emmett schrie Rose in aller Öffentlichkeit an, damit Edward und ich unbemerkt abhauen konnten. Nur aus Liebe zu mir, tat mein Bruder Rose und sich selbst das an – und weil er wusste, dass ich Gewalt hasste. Zittrig atmete ich ein und aus, war kurz vor dem Ausflippen.

„Hey, Baby....“ liebevoll streichte er mein Haar zurück und ich hielt seine Hand fest, als sie an meiner Wange ankam. Ich hauchte ihm einen Kuss auf das Handgelenk, drehte mich danach seitlich zu ihm, weil ein alter Mann aussteigen wollte. Als der Zug zum Stehen blieb, verlor ich beinahe mein Gleichgewicht und wäre beinahe mit einer Schwangeren zusammengeprallt, hätten sich nicht zwei starke Hände um meinen Bauch geschlungen.
„Langsam, Baby...“ hauchte er an mein Ohr und ich konnte einfach gar nichts für die natürliche Reaktion meines Körpers. Ich fühlte das wohlbekannte Kribbeln und wollte, dass es niemals aufhört.
Also machte ich nur einen Schritt zurück und schmiegte mich von hinten in seine Umarmung hinein. Ich war doch nicht von gestern. Ich war nicht umsonst die Tochter meines Vaters. Wenn er meiner Liebe drohte, dann drohte er mir. Wenn er Krieg wollte, dann würde diesen auch bekommen. Er musste doch respektieren, dass ich diesen Mann liebte. Außerdem verstand ich nicht, warum mein Vater Edward töten wollte. Edward hatte doch nichts getan. Außerdem war mein Dad doch kein Killer, oder? Wenn er erst einmal wusste, dass Edward nichts getan hatte um seinen Hass zu verdienen, würde sich das Missverständnis klären und wir würden zusammen glücklich sein. Es war doch die Entscheidung von Linda gewesen nach New York zu ziehen, weil ihr Freund hier studiert  und gelebt hatte. Dies war überhaupt kein wichtiger Grund um Edward zu hassen, außerdem hatte er Linda beschützt und war ihr bester Freund gewesen. Was war also sein Verbrechen?

Edward hielt mich in dieser Umarmung, ich legte meine Hände auf seine und lehnte meinen Kopf an seiner Schulter. Wir ernteten bewundernde Blicke, das Lächeln einer Frau, die anscheinend unsere Liebe mit nackten Augen sehen konnte und das Glucksen eines Babys, das im Kinderwagen lag und die Ärmchen in der Luft entgegenstreckte.

Mein Blick wanderte seitlich zu Edward. Ich sah sein Kinn und seine linke Wange, die von seinem 3-Tage-Bart gezeichnet waren, bewunderte sogar sein Ohr und sein bronzefarbenes Haar. Er erlaubte mir sogar einen Augenblick lang in seine grünen Augen zu sehen, die ich so sehr liebte. Er presste mich für einen Moment enger an sich.

„Wir müssen aussteigen, Baby.“ berichtete er mir danach, schnappte sich meine Hand und zog mich mit sich. Wie eine Blinde folgte ich ihm durch New York, bis wir das Plaza erreichten. Vor meinem inneren Auge schleichte sich das Bild von meinem Vater und Bree, ich schüttelte den Kopf, versuchte den Gedanken ebenfalls auszuschütteln.

„Guten Abend, Miss Swan.“ grüßte uns die Empfangsdame. „Guten Abend!“ antworteten wir beide synchron und wollten schon weitergehen.
„Miss Swan, warten Sie. Dieser Brief wurde für Sie abgegeben. Außerdem hat ihre Mutter angerufen, die aussagte, Sie sollen sie zurückrufen, wenn Sie Zeit haben.“ Was wenn ich nie Zeit hatte?, fragte ich mich irritiert. Stattdessen bedankte ich mich nur. Den Umschlag des mysteriösen Briefes riss ich sofort auf und faltete das Papier auf.





Liebe Miss Swan,

Ihr Vater beauftragt mich, ihnen mitzuteilen, dass sie am 11. September herzlich zur Trauerfeier vor dem ehemaligen WTC eingeladen sind.
Er ersucht Sie, sich angemessen einzukleiden.

Mit freundlichen Grüßen,
seine Sekretärin Silvia Heartgood.





Unten stand noch die Adresse und die Uhrzeit. Ich faltete den Brief und zerriss in in viele kleine Stücke. Konnte ein Brief noch unpersönlicher und kürzer sein? Natürlich lud er mich jetzt ein, damit er durch mich einen sympathischen Eindruck machte, was ihm bei der nächsten Wahl zu Gute kommen würde. Ich würde nicht hingehen. Es ging um das Prinzip, er konnte mich nicht so ausnützen, während ich wusste, was er mit dieser ….. Frau trieb, wenn sie allein waren. Nein, diesmal würde er meine Gefühle nicht manipulieren. Klar, er war ein guter Redner, oh wie schnell er Menschen überzeugen konnte, das war erstaunlich. Aber diesmal war es anders, diesmal wusste ich und kannte ihn als den wahren, eigentlichen Charlie Swan. Zu sagen, ich wäre verletzt, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts, denn um Eines mal klar zu stellen –  ich war nicht nur verletzt, sondern unglaublich enttäuscht, weil ich ihm mein Vertrauen geschenkt hatte, welches er letztendlich für seine Zwecke missbraucht hatte.

Blind vor Wut auf meinen Vater, gefangen in meinen eigenen Gedanken und Ängsten, versuchte ich mich aus dem Kleid zu schälen, aber es klappte nicht. Der Reißverschluss klemmte und ich fing an wütend mit den Füßen zu stampfen. Edward, der die Eingangstür der Suite schloss, blieb stehen und sah mich kurz an. Danach stieß er sich langsam und geduldig von der Wand ab, auf der er gelehnt hatte, kam zu mir und befreite mich freundlicherweise aus meinem Kleid.

„Bella, erzähl es mir...“ sagte Edward in die Dunkelheit hinein. Mein Kleid hielt ich vor der Brust mit beiden Händen zusammen, weil ich etwas verlegen wurde, da ich unter dem Kleid nur meine Unterwäsche trug. Auszuhalten war es nur, weil wir in der Dunkelheit im Wohnbereich standen und er die Röte meiner Wangen nicht sehen konnte. Nicht nur mein Körper stand praktisch enthüllt vor ihm, viel mehr war es meine Seele. Erstaunlicherweise vergoss ich keine einzige Tränen, die Quelle meiner Tränenflüssigkeit war wohl ausgetrocknet, was weder positiv noch negativ für mich war. Ich wollte nicht vor Edward weinen. Ich wollte gar nicht mehr weinen. Wenn man weinen konnte, dann ließ man seine Gefühle hinaus, aber wenn keine einzige Träne kam, fühlte man sich in diesem Zustand nicht ein bisschen tot? Ich hatte vor einigen Monaten keine einzige Träne vergießen können, auch wenn ich es gewollt hätte!

„Ich......“ meine Kehle wurde plötzlich trocken und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Er nahm langsam meine Hand in seine, die sich auf meiner Haut warm anfühlte.
„Hat dich die Situation erschreckt, Baby?“ fragte er mit hauchzarter Stimme an meinem Hals. Sein rechter Arm legte sich um meinen Bauch und er hielt mich fest an seinen Körper gepresst. Ich wollte zugleich schreien, lachen und weinen, vor lauter Glücksseligkeit, aber auch vor Wut und Enttäuschung, die mich mit gemischten Gefühlen zurückließen. Ich wollte glücklich sein, weil ich mit Edward zusammen war, aber allein daran zu denken, was er gesagt hatte, versetzte mich in Angst und Schrecken.


„Wovon sprichst du denn da?“
„Bella, damit will ich nur sagen, dass ich nicht mehr lange zu leben habe.“



Meine Hand wanderte in seinen Nacken, ich zog seinen Kopf hinab, näher zu meinem Gesicht. Die Augen hielt ich weiterhin geschlossen, denn ich befürchtete, dass ich meine Beherrschung verlieren würde, wenn ich sie öffnete. Er würde sterben! - Ich würde wieder verlieren. In diesem Moment wusste ich, dass mein Vater schreckliche Dinge getan hatte, solche, die ich mir gar nicht vorstellen konnte. Sogar jene, die ich ihm gar nicht mal zutraute. Ich kniff meine Augen fest zusammen, diesen Gedanken hielt ich nicht aus.

„Küss mich!“ bat ich.
„Bella.... - Ich muss wissen, was mit dir los ist, Baby. Wenn es um die Sache mit Emmett und Rose geht, dann mu....“ Plötzlich presste ich meine Lippen fest auf seine, hielt sein Gesicht in meinen Händen gefangen und wollte ihn einfach nicht loslassen. Im ersten Moment war er paralysiert und geschockt, doch danach entspannte er sich und küsste mich zurück. Sanft aber bestimmend, auf seine charmante Cullen-Art. Ich musste einfach sehen, dass es ihm gut ging; dass er atmete und noch immer lebte. Ich hatte eine entsetzliche Angst ihn zu verlieren, bevor ich ihn überhaupt so richtig bekam und kennenlernte, denn ich wollte alles über ihn wissen. Jedes einzelne Detail, auch die unwichtigen Dinge, wollte ich über ihn erfahren. Sogar in welchem Monat seines Lebens er den ersten Zahn bekommen hatte. Mir war nicht mehr zu helfen, denn ich war so wahnsinnig in ihn verliebt, dass ich einfach nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen.

„Mhm...Bella...“ hummte er an meinen Lippen genießerisch und bescherte mir eine überdimensionale Gänsehaut, die sich über meinen ganzen Körper zog. „So gut.....fantastisch!“ gab er zwischen zwei Küssen von sich. Als ich meine Arme fest um seinen Nacken schlang, sah er das anscheinend als Aufforderung und packte mich unter meinem Hintern mit seinen beiden Händen und hob mich hoch, so dass ich meine Beine um seine Mitte schlang. Jede Faser seines Körpers fühlte ich an meiner Haut, nahm so viel wie möglich von ihm in mich auf – seinen Geruch, seinen Geschmack, das Gefühl, wenn er mich küsste und was er mit mir anstellte, wenn er dies auf solche Weise tat. Wild knutschend führte er mich ins Schlafzimmer und warf uns beide auf das Bett und setzte mit seinen heißen, leidenschaftlichen Küssen fort. Seine Lippen lösten sich von meinen nur, wenn wir beide Luft holen mussten, aber auch dann nur widerwillig. Seine Hände wanderten von meinem Gesicht über meine Arme und wieder zurück bis hin zu meinem Haar und meinen Nacken.

Er ließ mich fühlen; das erste Mal in meinem Leben waren meine Sinne überreizt und ich wusste gar nicht, dass sich dieses Gefühl noch steigern konnte, aber das tat es als Edward mit seiner Zungenspitze über meine Mundwinkel eine schmale Linie zog über meine Unterlippe bis zu meinem anderen Mundwinkel. Ein tiefgründiger Blick in meine Augen folgte. Minuten vergingen und er tat gar nichts außer auf seinen Armen abgestützt auf mir zu liegen und mir in die Augen zu sehen. Dieser Moment war so magisch, dass ich mich nicht einmal traute mich zu bewegen oder einfach normal zu atmen, weil die Lautstärke meiner eigenen Atmung mir zu laut vorkam. In diesem Trancezustand wanderte mein Daumen über seine vollen Lippen und zog die Konturen seines vollkommenen Mundes nach.

„Ich will nicht, dass du gehst.... Das könnte ich nicht ertragen.“ flüsterte ich traurig und drehte den Kopf seitlich, weil ich seinem Blick nicht standhalten konnte. Ich kam mir in diesem Moment so dumm vor. Doch er nahm mein Kinn zwischen Daumen – und Zeigefinger, drehte mein Gesicht wieder zu ihm und sah mich wieder mit diesem konzentrierten Cullenblick an. Seine Augen sprühten Funken und sahen aus wie verflüssigte Smaragdsteine aus.
„Bella....ich bin hier.....“ er küsste meine Augenlider, zuerst das eine, danach das andere; bedeckte mein Gesicht mit kleinen zarten Küssen und offenbarte mir seine Gefühle für mich. „Ich werde nicht gehen.....noch nicht....“ versprach er und ich wollte ihm glauben; wünschte mir, es wäre wahr wenigstens für diesen einem Moment. Ich wünschte, ich könnte etwas tun um es zu verhindern. Meine Finger krallten sich in seinen Nacken, als er seinen weichen Mund mit meinem verschloss. Dann passierte etwas Unerwartetes – Edward packte mein Kleid an beide Seiten und zog es mir vom Leib. Er hatte sich aufgesetzt, betrachtete meinen Körper mit glühenden Augen, die man trotz der Dunkelheit erkennen konnte, wie ein Kunstwerk, das er so lang gesucht und endlich gefunden hatte. Ich lächelte ihn glückselig an, kletterte auf seinen Schoß und küsste ihn wieder leidenschaftlich. Mein Herz setzte immer wieder aus und ich fühlte mich anders – im positiven Sinne, aber ich wusste nicht womit ich diese Gefühle vergleichen konnte, denn so eine Erfahrung hatte ich noch nie gemacht.

„Ich werde dich suchen, Edward. So lang bis ich dich wieder gefunden habe. Auch wenn ich für dich in die Hölle hinabsteigen muss. Ich werde dich finden. Es gibt keinen Ort und keinen Menschen, wo dich jemand verstecken könnte, damit ich dich nicht finde.“ Mir war klar, dass ich mein Versprechen einhalten würde, wenn auch mir damals nicht bewusst war, was die Hölle überhaupt für uns bedeuten würde.

„Ich habe keine Angst vor dem Tod, Bella. Ich weiß, wir werden uns sicher wiedertreffen und deshalb will ich, dass du nicht an die Zukunft denkst; das ist in diesem Moment unwichtig. Schau....“ seine Hand wanderte im Zimmer herum. „nur wir zwei sind hier in diesem Moment. Alles andere ist irrelevant.“ Er hatte Recht. Nur wir zwei waren anwesend und alles andere zählte nicht. Als ich realisierte, wie viel er noch anhatte, begann ich ihn langsam Knopf um Knopf auszuziehen und er fixierte meinen Blick die ganze Zeit über. Er sagte gar nichts, grinste aber sein schiefes, knieerweichendes Lächeln und hielt seine Hände an meinen Hüften. Als sein Jackett und das Hemd aus dem Weg waren, grinste ich gewinnend. Er hob fragend die Augenbraue und stürzte sich wieder auf mich; sein Blick hielt mich gefangen.

„Kannst du mir erklären, was du gerade getan hast?“ verschmitzt lächelte er.
„Huh?“ stellte ich mich dumm. „Ich? Ich habe nichts getan.“
„Verstehe!“ nickte er, küsste mich schnell auf den Mund. Dämlich grinsend sah ich ihn an. Ich konnte mich selbst nicht wiedererkennen.
„Außerdem hast du mir vorhin wie ein Steinzeitmensch das Kleid vom Leib gerissen.“ antwortete ich ihm klugscheißerisch. Er begann herzhaft zu lachen, streichte mir einige verworrene Strähnen aus dem Gesicht.
„Das kling sehr nach mir.“ Das war der Zeitpunkt als ich anfing zu lachen und nicht mehr zu halten war. Während ich ihn so ansah, wusste ich warum er mich so verrückt geküsst hatte. Obwohl ich mehr wollte, fühlte ich dieses aufgeregte und nervöse Kribbeln in meinem Bauch, das flaue Gefühl, das jede Frau vor ihrem ersten Mal fühlen musste. Ich hielt sein Gesicht in beiden Händen und sah ihn stumm an, betrachtete seinen liebevollen Blick und seine grünen Augen, die für mich wie Opium waren, seine Lippen, die ich mein Leben lang küssen wollte, weil sie so wahnsinnig gut schmeckten und sein bronzefarbenes Haar, das - dank mir - jetzt total verwüstet war. Er hatte mich beruhigen wollen, das sah ich jetzt ein.
„Warum siehst du mich so an?“ fragte er mich plötzlich leise.
„Wie sehe ich dich denn an?“ fragte ich unwissend.
„Sehnsüchtig, als wäre ich gar nicht mehr hier und du würdest mich schrecklich vermissen.“ er küsste meine Nasenspitze. Danach rollte er sich auf den Rücken und nahm meine Hand in seine. „Bella, ich bin noch nicht tot und genau aus diesem Grund wollte ich dir gar nicht die Wahrheit erzählen, weil ich wusste, dass du verstört sein wirst. Das habe ich niemals für dich gewünscht!“ Sofort setzte er sich auf und ließ seine Füße über die Bettkante auf den Boden gleiten. Er wollte schon aufstehen, aber ich legte meine Hände auf seine Schulterblätter. Meine Nase fand Platz zwischen meinen Händen und ich vergrub sie zwischen seine Schulterblätter, sog seinen betörenden Duft ein.
„Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich kann doch nicht einfach zulassen, dass mein Vater dich umbringt, obwohl du nichts getan hast. Dein Leben kann doch nicht einfach so enden. Du hast eine Familie, du hast deine Freunde, du kannst sie nicht allein lassen. Das geht nicht!“ Ich fuhr über seinen glatten Rücken mit meinen Handflächen, fühlte seine weiche, geschmeidige Haut unter meiner. In mir baute sich ein Gefühl einer tiefen Zuneigung auf, und ja, er hatte Recht, ich vermisste ihn jetzt schon. Obwohl ich ihn niemals vermissen wollte. Als ich seinen Nacken küsste, entdeckte ich eine Unebenheit, ja vielleicht sogar eine kleine Narbe. Ich tastete mit meiner Unterlippe immer und immer wieder über diese Stelle, doch Edward griff in meinen Nacken und zog meinen Kopf zu seinen Lippen hinunter. Danach ließ er mich auf seinen Schoß klettern und fiel mit mir zusammen zurück auf das Bett. Seine Zunge fand meine Lippen und diese teilten sich für ihn. Ich hatte Angst die Augen zu schließen, weil ich befürchtete, dass er verschwinden würde, wenn ich mir selbst erlaubte wegzusehen wie ein wunderbarer Traum, aus dem man dann plötzlich gerissen wurde und feststellte, dass es eben nur ein Traum war. Als seine Zunge in meinen Mund eindrang, fuhr meine Hand über seine Brust hinauf zu seinem Hals und in sein Haar, wo ich mich festkrallte um Halt zu bekommen. Forschend glitten seine Hände über meine Oberschenkel, während seine Zunge meinen Mund abermals eroberte und blieben auf meinem Hintern zum Ruhen. Liebkosend glitten meine Finger über seinen Oberkörper und fuhren ihre Erkundungstour fort, weil ich nämlich nicht genug von ihm bekommen konnte. Aber......aber dieses nervöse Flattern in meinem Bauch ließ ein unangenehmes Gefühl in mir zurück. Während seine Finger meine Wirbelsäule nachzeichneten, löste ich frustriert unsere Lippen voneinander.

„Ich kann nicht!“ sagte ich, als ich mich aufsetzte und mir ein Stöhnen entwich, weil ich genau seine Erregung zwischen den Beinen fühlte. Er überkreuzte seine Arme hinter dem Kopf und sah mich schief grinsend an. Und er war überhaupt nicht sauer, was mich irgendwie irritierte.
„Ich kann nicht, weil ich viel zu aufgeregt bin, Edward. Du bist so ruhig, so zufrieden mit dir selbst. Das macht mich wahnsinnig!“ ich raufte mein Haar und er grinste breiter. „Hörst du mir überhaupt zu, Casanova?“ rief ich aufgebracht.
„Aber klar doch, Kleopatra. Komm näher, Baby, ich muss dir etwas beichten.“ Mit seinem Zeigefinger lockte er mich näher zu ihm heran. „Noch näher, Baby!“ Mein Gesicht war ihm plötzlich viel zu nahe, so dass ich sein Aftershave eindeutig viel zu stimulierend fand.
„Was?“ fragte ich keuchend. Dieser Mann schaffte mich, im Ernst und kostete mich Kraft.
„Ich.... wie soll ich es sagen? - Ich bin auch aufgeregt, das kannst du mir glauben. Hier!“ er legte meine Handfläche auf seine Brust ab und ich fühlte seinen rapiden Herzschlag viel zu deutlich.
„Tut mir leid, aber ich hab noch nicht darüber nachgedacht, wie, – wann, und - wo- das stattfinden sollte.“
„Was denn, Baby?“ fragte er neugierig - und schon wieder hatte er sein schiefes Grinsen im Gesicht, das meine Gefühle manipulierte. Da sagte man doch, dass Männer alles viel schneller checkten als Frauen. Dieser Trottel!
„Edward, ich habe es.....noch nie mit jemanden getan.“ antwortete ich verlegen und dankte Gott dafür, dass es im Raum so dunkel war, dass ich nur das Glitzern in seinen Augen sehen konnte – und er meine roten Wangen nicht. Sein Gesicht war sehr ernst als er antwortete.
„Ach Bella, ich doch auch nicht.“ Jetzt war es an mir dumm aus der Wäsche zu gucken. Er war doch nicht wirklich eine Jungfrau, oder? Als ich sein schiefes kleines Grinsen erkannte, schlug ich ihm spielerisch auf die Brust und begann zu lachen.
„Lügner!“ lachte ich und er kletterte über mich und fing an mich durchzukitzeln bis ich mich unter seinen Fingern wand und begann zu kreischen. „Lass mich los, Edward......oh bitte.......nein, hör auf.....“ kam es abgehackt aus meinem Mund.
„Das ist dafür, dass du mich Lügner genannt hast.“ antwortete er und verwob unsere Hände miteinander links und rechts von meinem Kopf, ließ mich wehrlos und in nur in Unterwäschen unter ihm liegen. Spielerisch lehnte er seinen Mund meinem entgegen, als wolle er mich küssen und entfernte seinen Kopf in letzter Sekunde wieder, bevor meine Lippen seine berühren konnten. Als ich mit erhobenem Kopf und offenem Mund zu ihm hinaufsah, blickte er mich mit einem familiären Blick an, als wäre ich für ihn bedeutungsvoll, nämlich etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Danach küsste er mich kurz und sanft auf die Lippen und verschwand in den Wohnbereich. Ich ließ mich wieder auf das Bett zurückfallen, presste meine Beine schmerzhaft aufeinander, weil meine Mitte heftig pulsierte und mein Herz wild in meiner Brust schlug. Sogar mein Blut war in Wallung geraten, heißes Lava floss durch meine Venen. Fuck! Warum hatte ich auch ´Nein` gesagt? Gott, war ich dämlich. Aber andererseits war ich auch viel zu aufgeregt, so sehr, dass ich nicht mal klar denken konnte. So etwas war mir noch nie passiert!

Als ich sein Hemd auf dem Fußende des Bettes entdeckte, schnappte ich es mir wie eine Ertrinkende und roch daran. Fuck, Edward! Es roch so stark nach ihm, dass ich die Augen genüsslich schließen musste. Und dadurch schadete ich meinem Körper nur noch mehr, denn durch Edwards Duft wurde ich nur noch feuchter, stöhnte frustriert und vergrub mein Gesicht in die Bettdecke, weil ich aus Verlegenheit mein Gesicht nicht mehr zeigen wollte. So hatte ich mich niemals zuvor gefühlt, aufgewühlt und durcheinander, doch so berauscht und süchtig nach Edward.

„Hörst du bitte auf mein Hemd sexuell zu belästigen?“ hörte ich seine belustigte Stimme. Ich lugte nur mit einem Auge heraus, weil mir die ganze Situation so peinlich war. Doch er grinste einfach und reichte mir ein Glas Orangensaft.
„Tut mir leid wegen vorhin.“ Okay, jetzt war ich richtig verlegen, obwohl ich vielleicht nicht so übertreiben sollte. Schließlich waren wir zusammen und mussten auch offen über solche Sachen miteinander reden.
„Sei nicht kindisch, Bella.“ antwortete er mit einer beschwichtigenden Bewegung seiner Hand.
„Eigentlich bin ich noch ein Kind.“ antwortete ich, während ich ihn vom Rand meines Glases hinweg beobachtete. Er schien glücklich zu sein, denn er lächelte seit über einer Stunde ständig. Oder – und das war die Option, die für mich gar nicht in Frage kam – er lachte mich aus.
„Für mich bist du kein Kind, Kleopatra. Du bist die schönste und klügste Frau, die ich jemals gesehen habe, wie eine rote Rose. So vollkommen, mit den ganzen Unebenheiten, die sie nur noch schöner machen und mit dem köstlichen Duft.“ Mit erhobener Augenbraue sah ich ihn zweifelnd an. War das etwa aus irgendeiner Schnulze, die ich noch nicht kannte?
„Zitierst du Shakespeare oder so?“ grinste ich. Er verdrehte die Augen nur und grinste schief. „Wie auch immer.....Du sollst nur wissen, dass ich keine rote Rose bin. Schon gar nicht eine mit diesem köstlichen und süßen Duft. An meiner Seite werden Menschen verletzt. Wollen wir diesem Gespräch noch so aus dem Weg gehen; irgendwann werden wir darüber reden müssen, Edward. Wie wir es drehen oder wenden.“ Ich versuchte seinem Blick zu entfliehen, während ich das sagte.
„Irgendwann schon, aber nicht jetzt!“ Er trank aus seinem Glas und ich beobachtete ihn. Er wollte also nicht darüber reden, zumindest nicht jetzt. Als ich nichts antwortete und in Gedanken war, begann er eine sanfte Melodie zu summen, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber mir fiel nicht ein, woher ich diese Melodie kannte.
„Je schöner die Rose, desto schärfer und gefährlicher sind ihre Dornen. “ sagte er anschließend romantisch und mein blödes Herz reagierte mit einem Hüpfer darauf. Meine Knie gaben ihre Funktion auf und fühlten sich wie Wackelpudding an. Gut, dass ich saß, damit ich ersparte ich mir eine Peinlichkeit mehr. Ernst sah er mich an, stützte sich auf seinem Arm ab und blickte mir besorgt und entschlossen in die Augen.
„Was ich damit sagen will, ist ...Wir wären niemals so weit gekommen, wenn du keine Geduld hättest, Bella. Diesmal ist es an mir zu warten und geduldig und verständnisvoll zu sein. Ich werde warten, Baby. So lange du auch brauchst. Ich werde dich nicht unter Druck setzen. Außerdem wollte ich dich nur ablenken, was - wie ich sehe - sehr erfolgreich geklappt hat.“ Ich wusste, dass er die Wahrheit sagte, aber ich hörte nicht auf mich schlecht zu fühlen. Wir sollten auf die Wünsche und Bedürfnisse des jeweils anderen eingehen – und ich hatte es gerade nicht getan.
„Edward....“ In meiner Stimme klangen die Schuldgefühle heraus. Er verdrehte die Augen, weil er wusste, dass ich nicht so schnell locker lassen würde. Ich musste bei ihm immer widersprechen.
„Huh?“ fragte er, während er mir den Rücken drehte um seine Zigaretten aus dem Jackett, das irgendwie auf dem Boden gelandet war – uns war bekannt wie -, zu fischen. Diesen Augenblick nutzte ich aus um mir sein Hemd überzustreifen, weil ich wusste was folgte – er würde das Licht anknipsen, weil er in der Dunkelheit sein Softpack nicht fand. „Bella, erzähl weiter Baby, ich höre dir zu!“ sagte er, während er das tat, was ich prophezeit hatte. Ich zupfte an seinem Hemd herum, damit man möglichst wenig von meinem Körper sah, was nicht so klappte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich versuchte mich zu konzentrieren, während meine Augen seine gerade Wirbelsäule und seine breiten Schulterblätter verfolgten. Es gab etwas an seinen nackten Füßen, das mich richtig anmachte, wie ich feststellen musste. Ich wusste nicht, was mit mir passierte in seiner Nähe. Ich war wie verrückt – verrückt in meiner Liebe zu ihm, durchgeknallt, weil ich nicht so ganz realisiert hatte, dass er wirklich mein Freund war und wir zusammen waren.
„Ähm, …..“ Gott, warum musste er auch halbnackt herumlaufen und so unwiderstehlich sexy sein? Als er endlich eine Zigarette aus seinem Softpack herausfischte und sie zwischen seinen Lippen einklemmte um nach seinem kleinen silbernen Zippo zu greifen, vergaß ich, was ich hatte sagen wollen. Ich hatte nur Augen für ihn und beobachtete jede Bewegung seinerseits.
„Was wolltest du mir erzählen, Baby?“ fragte er mit der Zigarette nahe an seinem Mundwinkeln zwischen seinen Lippen geklemmt. Ich stützte mein Gesicht auf meine zu einem Oberkörper angezogenen Knien und betrachtete ihn. Sein Anblick fesselte.
„Es war sicher nichts Wichtiges, Baby. Denn sonst hätte ich es nicht vergessen!“ rückte ich mit der Wahrheit heraus.
„Komm her und gib mir einen Kuss!“ befahl er danach mit einem süßen Lächeln.
„Nein!“ antwortete ich entschlossen. Er wollte doch nur meinen Körper näher betrachten. Dieser Bastard, als wüsste ich nicht, was er vorhatte.
„Warum denn nicht, Kleines?“ er stieß den Rauch aus seinem Mund und sah mir fest in die Augen mit diesem glühenden grünen Blick.
„Weil es mir peinlich ist, Edward.“
„Warum das denn, Kleines?“ Er hatte die verschiedensten Kosenamen für mich und unsere Casanova und Kleopatra - Spielchen gefielen mir auch, aber nichts war mit dem Kosenamen ´Kleines´ zu vergleichen, denn so hatte er mich seit dem Anfang genannt. ´Kleines` war toll, dicht gefolgt von `Baby`.
„Ich bin praktisch nackt und so nackt war ich noch nie vor einem ….Mann.“
„Ich bin nicht irgendein Mann, Kleines. Ich bin dein Mann, wenn du verstehst was ich meine.“ erklärte er und sah mir in die Augen, während er sprach, was ich genauso so sehr an ihm liebte, wie alles andere auch – seine Stimme, seinen Geruch, seinen Respekt, den er seinen Freunden gegenüber zeigte und der Respekt gegenüber Frauen, mir gegenüber. Er ließ mich wie eine wahre Königin fühlen.
„Du kannst ruhig weitererzählen, Baby.“ Das war der Moment an dem er vom ganzen Herzen zu lachen begann, seine Augen strahlten noch mehr.
„Du machst es mir richtig schwer mich zu beherrschen, Kleines.“ Für einen Augenblick war er stumm, zog am Filter seine Zigarette, löste unseren Blickkontakt jedoch nicht, stieß den Rauch aus und atmete ein. In meinem Bauch zog sich etwas fest zusammen und ich atmete auch heftig ein. `Er war mein Mann`, hatte er gesagt. Lieber Gott im Himmel, steh mir bei. Unbewusst fuhr er sich über seine Bartstoppeln mit der einen Hand, die andere benutzte er zum Rauchen. Ich raufte mein langes Haar, hielt einen Kissen vor meiner Brust fest umklammert.
„Willst du von mir hören, dass ich noch nie zuvor so gefühlt habe, Kleines? Willst du hören, dass ich bei dir bleibe, weil du die erste Frau bist für die ich wirklich.....empfinde? Willst du hören, dass du mein ganzer Stolz bist, weil ich nichts mehr als Glück empfinde, wenn ich dich sehe? Du bist meine Frau, mein Mädchen und ich lass dich nie wieder gehen. Und ja, ich fühle all das und noch viel mehr. Weißt du eigentlich wie schön du bist, Bella? So wie du dort sitzt, in Unterwäschen und meinem Hemd.....Himmel, du weißt gar nicht, wie sehr du mich schon um deinen kleinen Finger gewickelt hast und dass du sogar die Bestie in mir erweichen lässt. Außerdem rede ich gerade über meine Gefühle, was sich richtig schräg anhört aus meinem Mund.“ Er runzelte seine glatte Stirn und fuhr sich über das Haar. Es fiel ihm gar nicht mal so schwer über seine Gefühle zu reden, aber er wunderte sich, weil er das anscheinend zum ersten Mal tat. Und der Trottel wusste gar nicht, was er durch seine Worte mit mir anstellte, am liebsten hätte ich ihn gepackt und bewusstlos geküsst.

„Du weißt nicht, wie viel mir das bedeutet, Edward. Gott....ich weiß nicht......was ich sagen soll.......“ Fuck, er rührte mich mit seinen Worten und ich kam mir bescheuert vor, weil ich fühlte wie mein Herz schneller schlug und Edward mir den Atem raubte.
„Manchmal tut es gut zusammen zu schweigen, Kleines. Das können nicht viele Paare von sich behaupten.“ Er hatte schon eine poetische Ader, mein Edward, von der bisher gar nicht gewusst hatte. Er überraschte mich immer wieder.
„Wir sind auch nicht wie die anderen, Edward.“ antwortete ich, krabbelte auf ihn zu und gab ihm seinen gewünschten Kuss. Tatsächlich schwiegen wir danach zusammen, lagen auf dem Bett, genossen die Stille und den Frieden, der sich über den Raum gelegt hatte. Edward hatte Recht behalten, es war entspannend zusammen zu schweigen, dort zu liegen und die Anwesenheit des anderen in vollen Zügen zu genießen. Ich wusste nicht, wie lange wir dort lagen und schwiegen bis mein Edward sich auf seinen Ellbogen abstützte und mich musterte.
„Du tanzt gerne, Kleines, nicht wahr?“ fragend sah er mich an und ich nickte.
„Ja, das ist eine große Leidenschaft von mir. Als ich klein war, habe ich Ballett getanzt, aber ich habe es gehasst, denn meine Zehen haben in diesen blöden Ballettschuhen immer geblutet, außerdem war ich sehr schlecht darin.“ Er grinste und wickelte eine meiner Strähnen um seinen Finger, damit lenkte er mich nur ab.
„Ich kann daran erinnern als du Hausarrest hattest und du nicht zu deinem Tanzstudio konntest. Du warst so schlecht drauf, fast hatte ich Angst vor dir.“ Er übertrieb maßlos, aber es war erfrischend.
„Das war alles nur deine Schuld, Baby. Du hast mich entführt und mich zu dem bösen Mädchen gemacht, das ich heute bin.“
„Ach, echt?“ er grinste schelmisch. „Tja, ich konnte nicht zulassen, dass ein Mädchen, das so viel Gefühl in sich trägt, sich das Leben von anderen zerstören lässt. Du versuchst es allen Recht zu machen, Bella. Aber du gibst so viel von dir auf, Kleines. Jedoch muss ich dir sagen, dass ich sehr stolz auf dich bin. Du gibst nicht auf, Bella. Du bist eine wahre Kämpferin, eine mit einem vollen Herz, die sich gerne um andere Menschen kümmert. Diese Kinder, die du im Krankenhaus besuchst und mit denen spielst, sind sehr glücklich wegen dir, Kleines. Du gibst ihnen Hoffnung, was du auch mit mir tust.“ Heute war die Nacht der Zugeständnisse, stellte ich fest.

„Edward, warum bist du manchmal so impulsiv und versuchst alles mit einer Schlägerei zu lösen?“ Ich erinnerte mich an diesen Tom, den er zu Brei geschlagen hatte, obwohl der Arme gar nichts getan hatte. Es war meine Schuld, denn ich war abgehauen, weil ich so schrecklich eifersüchtig gewesen war und so wütend auf Edward.
„Weil ich es nicht ertragen kann, dass Menschen, die ich liebe, verletzt werden, Bella.“ Ich legte meine Hand auf seine stoppelige Wange und fühlte das Kribbeln, das sie durchzog und sich in meinem ganzen Arm ausbreitete.
„Aber heute hast du diese zwei Männer nicht verprügelt, warum?“ fragte ich ihn gespannt auf die Antwort. Er legte seine Hand auf meiner, die auf seiner Wange ruhte, und ließ sie zu seinen Lippen gleiten, dort hauchte er mir einen Kuss auf das Handgelenk.
„Weil du dort warst, Bella. Du hast mich gebeten keine Gewalt anzuwenden. Dich in Sicherheit zu wissen, steht viel höher auf meiner Prioritätenliste, als einige Männer zu verprügeln, die mir zugegeben sehr auf die Nerven gingen, aber ich versuche mich zu erholen, Bella. Ich versuche mich nicht in diesen Dingen zu verlieren, wie das letzte Mal als ich diesen Typen verprügelt habe, weil er mit dir gesprochen hat. Manchmal neige ich dazu, einfach großen Mist zu bauen. Aber so bin ich nun mal, anders kenne ich mich überhaupt nicht.“ Ich war nicht sehr erfreut diese Dinge zu hören, sie brachten Unruhe in mir hervor, weil ich mir Sorgen um ihn machte.
„Warum bist du aggressiv geworden, Baby?“ Ich versuchte mein Glück, obwohl ich nicht wusste, ob er überhaupt antworten würde, denn er sah mich kurzzeitig entfremdet an, schüttelte danach seinen Kopf, als würde er eine Erinnerung abschütteln.
„Sieben Menschen sind in den letzten Jahren verschwunden, Bella. Einer nach dem anderen und es waren Menschen, die ich kannte. Menschen mit denen ich einige Tage zuvor geredet hatte und dann waren sie plötzlich fort. Sie wurden für vermisst erklärt und sind nie wieder zurückgekehrt. Der Vater eines guten Freundes, er war Polizist, wurde zwei Jahre nachdem er verschwand, tot in einem See aufgefunden. Seitdem versucht Benjamin die Verantwortlichen zu finden. Und das Schlimmste daran ist, dass diese Menschen versucht haben mir zu helfen, Bella, als ich.......“ er brach abrupt ab und drehte seinen Kopf von mir weg. „Es hat keinen Sinn darüber zu reden,....das macht die Toten nicht lebendig, weißt du?“

„Du weißt, wer die Verantwortlichen sind, Edward, ist es nicht so?“ Diese Geschichte kam mir so bekannt vor, als hätte ich sie schon mal gehört, aber ich konnte nicht mit Sicherheit sagen, dass es so war. Doch an Edwards Gesicht sah ich, dass die Schuldgefühle und die Verantwortung ihn umbrachte, weil diese Personen ihm bei was auch immer geholfen haben.
„Was wenn es so wäre, Bella?“ er sprang auf und entfernte sich von mir.
„Warum sagst du nicht die Namen? Warum zeigst du sie nicht an, Edward? Sie müssen dafür bezahlen.“ Anklagend sah er mich an, verzog seinen Mund und sah mich verletzt an, schüttelte den Kopf enttäuscht, als wüsste ich gar nicht, wovon ich hier sprach, denn es war auch die Wahrheit, ich hatte keine Ahnung, was hier lief und vor allem wie es lief.
„Es wäre mein Wort gegen das dieser Männer, Bella. In den letzten Jahren konnte keiner etwas gegen diese Typen beweisen. Außerdem habe ich eine Familie, die ich nicht in Gefahr bringen will, weil es nicht deren Schuld ist, was ich gesehen habe oder was ich weiß.“ Was wusste er denn? Es intrigierte mich zu wissen, was er wusste und warum er die Verantwortlichen nicht vor Gericht brachte.
„Einer von ihnen ist mein Dad, nicht wahr?“ Ich hielt die Luft an, als ich auf die Antwort wartete. „Deshalb sagst du, dass er dich umbringen wird, weil du etwas weißt, das du hättest niemals erfahren sollen.“
„Frag nicht, wenn du die Antwort nicht ertragen kannst, Bella.“ antwortete er nur und sah aus dem Fenster.
„Ich will es wissen, Edward.“ dickköpfig wie ich war, machte ich keinen Halt vor dem was kam. „Du hast versprochen mir alles zu erzählen, wenn wir in New York sind. Jetzt sind wir hier und du sagst kein Wort. Warum? Warum sagst du, dass mein Dad dich umbringen wird? Warum sagst du, dass er für den Selbstmord meiner Schwester verantwortlich ist? Ich will es wissen, Edward. Ich will wissen, warum Linda sterben musste und warum mein Dad die Lüge erfand, dass sie die Treppe hinuntergefallen war.“ Bitte, lieber Gott, lass ihn mir die Wahrheit sagen. Bitte! Ich brauchte endlich Klarheit in meinem Leben.

„Weißt du, Bella, wie schrecklich es ist, die Wahrheit zu kennen und sie niemandem sagen zu können, weil man weiß, dass man dieser Person mehr damit schadet, als wenn man die Klappe gehalten hätte?“ Ich verstand nicht, was er damit meinte. „Ich werde denselben Fehler nicht nochmal machen. Das würde ich mir niemals verzeihen.“
„Wovon sprichst du, Edward? Ich verstehe nicht, was du damit meinst.“
„Vom Brief, den deine Schwester kurz vor ihrem Selbstmord verfasst hat. Denselben, den deine Granny verwahrt hat, Bella.“ Ich fühlte wie die Kälte über meine Haut kroch und alles auf ihrem Weg zu meinem Herzen vereiste. Linda. Blut. Tränen. Fuck!, ich wollte nicht weinen.
„Ich will ihn lesen, Edward. Ich will ihn sofort lesen.“
„Du kannst ihn nicht lesen, Bella.“
„Warum nicht? Sie ist meine Schwester und ich habe das Recht zu erfahren, warum sie es getan hat.“
„Weil sie ihn für MICH geschrieben hat, Bella. Es gibt Dinge, die du nicht weißt, welche du auch besser nicht wissen solltest. Glaub mir, Bella. Es ist besser so.“ Er kam auf mich zu und legte seine Hände auf meine Knie, sah mich fest an und versuchte mich zu überzeugen.
„ICH WILL DIE WAHRHEIT, EDWARD. DIE WAHRHEIT!“ schrie ich ihn an und kletterte auf die andere Seite des Bettes. „Ich habe das Recht es zu erfahren. Warum hat sie sich das Leben genommen? Sag es mir. Bitte!“ Bittend sah ich ihn an.
„Die Wahrheit hat sie umgebracht, Bella.“ sagte er vieldeutig und verließ den Raum. Ich atmete nur tief ein und aus, stolperte über den Bettlaken zu meinem Koffer, dort warf ich meine Kleidung hin und her bis ich die kleine Dose fand, die mir meine Schwester zum elften Geburtstag geschenkt hatte. Es war der letzte Geburtstag, den ich mit ihr an meiner Seite gefeiert hatte. Der letzte Geburtstag an dem ich richtig glücklich gewesen war. Ich öffnete die Musikdose und eine kleine Ballerina begann ihre Runden zu drehen, während die Melodie immer wieder spielte und alle Erinnerungen mit sich riss.

Das ganze Blut. Der leblose Körper. Der blutige Laken. Meine Tränen und der Kloß in meinem Hals, als ich sie vorfand. Ich presste meine Faust gegen meine Stirn und biss die Zähne fest zusammen, weil ich nicht weinen wollte. Nein, ich war stark und würde nicht weinen.
Mit Entsetzen stellte ich fest, dass die Melodie, die Edward vorhin gesummt hatte, dieselbe war, wie die aus meiner Musikdose. Wie konnte das nur sein?















„Si, Nana, es geht mir gut. Ich esse auch regelmäßig und die Cullens kümmern sich um mich. Mach dir doch keine Sorgen um mich. So klein bin ich nicht mehr.“ beruhigte ich meine Nana, die Frau, die meine Geschwister und mich aufgezogen hatte, und uns mehr liebte als unsere eigene Mutter. Wie entsetzlich das doch war.
„Kindchen, du musst dich auch öfters melden. Wir machen uns hier alle Sorgen um dich. Deine arme Mutter war sehr besorgt, weil du dich nicht gemeldet hast, dann hat sie im Hotel angerufen um zu sehen, wie es dir geht, aber ihr wurde gesagt, dass du nicht anwesend bist. Wo warst du denn, Kindchen?“ fragte mich Amy, meine Nana, interessiert. Kannte sie die Wahrheit? Wenn sie die Wahrheit kannte, warum blieb sie bei uns? Wenn sie wusste, warum sich meine Schwester umgebracht hatte, warum schwieg sie? Ich habe selbst gesehen, dass mein Vater untreu war, obwohl ich es nicht geglaubt hätte, wenn es mir jemand anderes erzählt hätte. In meinem Leben hatte es nur meinen Vater gegeben, weil meine Mutter sich mehr für ihre Karriere interessiert hatte.
„Bei Granny, es ….. war sehr schön dort. Wir haben Tee getrunken, in diesem alten Teekessel, den Mum früher so geliebt hat, weißt du?“ fragte ich und erinnerte mich daran, wie schön es denn bei Granny gewesen war, als ich meinen Vater mit Bree gesehen hatte, wie er sie durchnahm und sie ihm erzählte, dass meine Mutter ihn nie geliebt hat. Ich hatte eine gottverdammt kranke Familie!
„Oh, das ist schön, Kindchen. Und Edward, wie geht es diesem Jungen?“ fragte mich Nana danach.
„Ich weiß nicht, Nana. New York habe ich mir anders vorgestellt, immerhin hat meine Schwester diese Stadt geliebt und sie immer traumhaft beschrieben. Ich wollte die Stadt kennenlernen, die mir meine Schwester weggenommen hat. Aber hier ist alles anders. Hier scheinen sogar Geister ein Gesicht zu bekommen. Seattle ist eine wahre Geisterstadt, mit dunklen Wolken und tausend Geheimnissen, die durch diesen ewigen Regen unterstrichen werden. Deshalb wird sie auch Rain City genannt, aber New York ist die Stadt der Träume. Ich weiß nur nicht, ob die Träume auch wahr werden.“ Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung, wie ich das, was ich fühlte, beschreiben sollte, also zündete ich mir eine Zigarette an und klemmte den Hörer zwischen Ohr und Schulte ein.
„Ist Renée da? Kannst du sie mir mal geben?“ fragte ich nach einem tiefen Zug meiner Zigarette, die ich aus meiner Clutch gefischt hatte.
„Si, natürlich, mi amor. Renée, ihre Tochter ruft Sie.“ hörte ich Nana sagen. „Bella ist dran und will mit mir reden?“ hörte ich meine Mutter überrascht fragen und das versetzte mir einen schmerzhaften Stich. Ich war keine gute Tochter gewesen. Zumindest nicht für meine Mutter. Sie hatte Fehler gemacht und sie hatte mir eine Menge zu erzählen, aber ich hatte mich nicht weniger schlecht verhalten. Sie hat versucht Kontakt aufzunehmen, näher an mich heranzutreten, aber ich hatte sie immer wieder abgeblockt. Fuck!
„Adios, mi amor. Wir telefonieren bald wieder. Te quiero mucho, no lo olvides nunca.“ sagte meine Nana liebevoll, sagte mir wie lieb sie mich hatte und ich solle das niemals vergessen. Würde ich nicht, liebe Nana.
„Adios!“ antwortete ich weniger begeistert mit Renée zu reden.
„Bella? Bist du dran?“ hörte ich Renées überraschte Stimme. Gequält schloss ich die Augen. ´Er betrügt dich, Mum. Er macht sich über uns lustig. Unser Vorzeigemann und -vater ist nicht das, was er zu sein scheint.´ wollte ich ihr sagen, ihr zurufen, dass sie vorsichtig sein soll, weil er ihr das Herz brechen könnte, aber ich konnte nicht.
„Ja, Renée. Die Empfangsdame sagte mir, dass du angerufen hast und ich wollte mich nur kurz melden, damit ihr euch keine Sorgen macht.“ antwortete ich kalt, wie immer, wenn ich mit ihr sprach. Warum hatte ich keine Zuneigung für sie übrig? Hasste ich sie? Hasste ich meine Mutter? - Ich konnte diese Frage für mich selbst nicht beantworten.
„Ich habe mir tatsächlich Sorgen gemacht. Aber sag mal, Bella, geht es dir gut, Schatz, du klingst komisch?“ Woher kam das jetzt? Warum wusste sie, dass ich komisch klang? Warum sagte sie es jetzt? Warum war sie für uns nie dagewesen?
„Mum....warum?“ Fuck, nein! Ich würde sie nicht fragen, warum sie es getan hatte. Nein! „Warum glaubst du, dass es mir nicht gut geht? Es ist alles okay. Wir haben viel Spaß mit Alice hier. Außerdem habe ich Emmett gesehen, der Teddy hat sich überhaupt nicht verändert. Er ist derselbe Trottel wie früher, der Linda und mich schikaniert hat, bis er das bekam, was er wollte. Damals an Weihnachten hat er alle Schokokekse von Nana verputzt und uns glauben lassen, dass der Weihnachtsmann ein großer, alter Mann war, der Hunger bekam, wenn er Geschenke auslieferte und dass dieser sich sicher an unseren Schokokeksen vergriffen hatte.“ Ich lächelte wehmütig. Ich hörte Renée schniefen und runzelte die Stirn als sie nicht antwortete. Weinte sie etwa? Ich war wütend auf mich selbst, weil ich meine kostbare Erinnerung mit ihr teilte. Verdammter Mist!
„Gib ihm einen Kuss von mir, Bella. Sag ihm, dass ich ihn trotz allem lieb habe, ja?“ sagte sie verheult.
„Okay, das werde ich ihm ausrichten. Er hat dich auch lieb, Renée, ganz bestimmt.“ beruhigte ich sie und wusste gar nicht, warum ich es tat. Sie hörte sich so traurig an, dass ich sie einfach trösten musste. Tat sie mir etwa leid?
„Bella, ich … wollte dir nur sagen, dass … ich auch dich lieb habe, obwohl du das vielleicht nicht hören willst. Schatz, ich habe Fehler gemacht, die ich nie wiedergutmachen kann, aber ich werde es versuchen, okay? Ich liebe meine Kinder über alles, obwohl ich das Linda niemals mehr sagen kann.“ Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich nahm einen tiefen Zug meiner Zigarette.
„Renée, wo warst du eigentlich als Linda sich das Leben nahm? Ich erinnere mich nicht, dich gesehen zu haben.“ Schon wieder war die eisige Hand da, die sich um mein Herz legte und es zerspringen wollte. Für einen Moment war meine Mutter still, als wäre sie bei etwas Verbotenem ertappt, doch dann antwortete sie.
„Bei einer Freundin, Bella. Es war Angelas Mutter, mit der wir deine Geburtstagsparty geplant haben, die zwei Tage danach stattfinden sollte. Linda wollte danach wieder zurück nach New York. Dann kam alles viel zu schnell über uns.“ erzählte sie mir in Erinnerungen versunken und brach plötzlich ab.
„Dad will, dass ich zu der Trauerfeier am 11. September hingehe, in Ehren der Verstorbenen. Warum glaubt jeder, dass Linda von der Treppe runtergefallen ist, wenn es nicht so war, Renée?“ fragte ich meine Mutter.
„Bella, warum stellst du heute so viele Fragen? Was ist los?“ fragte meine Mutter alarmiert.
„Kennst du Jasper Whitlock, mit dem Linda hier in New York eine Beziehung hatte?“ setzte ich geduldig fort, ohne auf ihre Frage einzugehen. Sie schnappte entsetzt nach Luft. Also doch!, erkannte ich. Und das machte mich wütender, als ich es schon ohnehin war.
„Nein, ich kenne keinen Jasper Whitlock!“ antwortete sie viel zu schnell. „Und jetzt hör bitte auf so dumme Fragen zu stellen!“ ihre Stimme kam schneiend herüber.
„Ihr habt ihm seinen Lebensinhalt genommen und sein Leben zerstört; der Typ versucht die Trümmer aufzusammeln und sich zusammenzureißen, damit er ein bisschen Frieden findet. Warum, Renée? Warum habt ihr Linda und Jasper das angetan?“ fragte ich ruhig, emotionslos, kalt. Sie war eine Fremde für mich. Sie war eine Frau ohne Stolz oder Charakter. Sie war derselbe Frauentyp, den ich nicht ausstehen konnte. Von wegen, sie kannte Jasper nicht! Ich glaubte ihr kein Wort.
„Bella, Schatz. Ich habe wirklich keine Ahnung wovon du sprichst. Ich habe das Leben von niemandem zerstört. Wirklich! Du musst mir glauben, Schatz.“ antwortete sie verzweifelt. Muss ich?
„Hör auf mich Schatz zu nennen, Renée! Ich war bei deiner Mutter, die entweder eine verdammt gute Schauspielerin ist oder wirklich zu blind und taub ist, um zu realisieren was hinter ihrem Rücken passiert. Und deine Schwester......hah.....nein, weißt du was? Du verdienst es nicht, die Wahrheit zu kennen. Eines Tages wirst auch du aufwachen und bemerken, dass sich alle eure Kinder  euretwegen umgebracht haben. Wie mit Blindheit bestraft seid ihr alle. Einfach unglaublich!“ Mein Kinn zitterte, als ich ihr das sagte und ich presste meine Zähne noch fester zusammen. Sie würde für mich nicht weinen, wenn mir etwas passierte. Sie würde es niemals tun, weil sie mich nicht liebte.
„BELLA! Nein, Schatz, denk nicht einmal daran. Ich weiß nicht, was dort in New York mit dir passiert ist, aber du musst mir zuhören. Ich werde deinen Dad anrufen, damit er jemanden nach dir schickt. Tu nichts Waghalsiges, Baby! Bestraf mich anders, Bella, aber tu dir nichts an, Schatz. Bitte, bitte, Bella.“ Sie weinte, ich hörte es deutlich. Fühlte sie sich für mein Schicksal verantwortlich oder warum heulte sie jetzt? Ich verstand es nicht!
„Kannst du mir nur eine Frage mit der Wahrheit beantworten, Renée?“ fragte ich sie mit rauer Stimme, weil die unvergossenen Tränen mir die Kehle zuschnürten.
„Ja!“ sagte sie erstickt.
„Warum hast du mich bekommen, huh? Wurdest du einfach schwanger und hast dich entschieden mich zu bekommen, weil du keine Mörderin bist oder gab es da einen anderen Grund?“ fragte ich sie.
„Ich habe dich vom ersten Moment an geliebt als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin.“ antwortete sie mir und schniefte wieder. Hör verdammt nochmal auf zu weinen!, wollte ich sie anschreien.
„Aber natürlich doch, deshalb hast du auch Dad geheiratet, als du erfahren hast, dass du mit Zwillingen schwanger bist. Du wolltest nicht eine alleinerziehende Mutter sein und das mit deinen siebzehn Jahren. Du hattest es nicht leicht, aber du hättest es dir leicht machen können, Renée. Mich hättest du gar nicht bekommen brauchen, Renée. Ich habe nicht verlangt geboren zu werden, weißt du? Hätte ich entscheiden dürfen, dann ….“ Plötzlich unterbrach sie mich.
„HÖR VERDAMMT NOCHMAL AUF MICH ZU BESCHULDIGEN, BELLA. OBWOHL DU ES NICHT GLAUBST, HABE ICH DEINEN VATER GELIEBT UND ICH HABE MEINE KINDER GELIEBT.“  Aber klar doch! Glaubte sie, nur weil sie etwas hinausschrie und selbst davon überzeugt war, wurde das plötzlich zur Wahrheit? Vielleicht war es ihre Wahrheit, das woran sie sich hielt, damit sie keine Schuldgefühle bekam.
„Ich verspreche dir Eines, Renée. Ich werde bis zum Grund dieser Sache graben, auch wenn ich alle eure schmutzigen Sachen herausgraben muss. Ich werde herausfinden, warum Linda es leid war länger zu leben. Und eines Tages wirst du zu mir kommen und mir die ganze Wahrheit erzählen. Das schwöre ich dir!“ verprach ich mehr mir selbst, denn ihr. Denn ich brauchte die Gewissheit um wieder frei atmen zu können.










Ich dachte zurück an den Anfang, wollte den Punkt finden an dem sich alles verändert hatte. Wann hatte sich mein Vater zu einem Monster entwickelt? Was hatte ihm gefehlt? Warum wurden Menschen Verbrecher? Mein Daddy war doch der Senator, ein Mann, den ganz Amerika respektierte, für seine Arbeit und sein gutes Herz. Er konnte doch nicht alle betrügen und ihr Vertrauen auf diese Weise missbrauchen. Er konnte mich nicht so betrügen. Er war mein Daddy, der Mann, den ich mehr als alles auf der Welt geliebt hatte. Er war alles für mich. Er war genau das, was Renée für mich niemals war. Vater und Mutter zugleich, eine Person, der ich alles anvertraute.

Wann hatte er aufgehört dieser Mann zu sein? Vor allem – warum?

Ich hatte nachgedacht, war aber zu einer Theorie gekommen, die für mich plausibel klang. Das Einzige, das mir klar wurde, war, dass Edward und ich einfach ohne zu streiten nicht konnten. Er wusste zuviel und ich zu wenig, aber er wollte mir nichts verraten, auch wenn hierbei die Rede um meine Schwester war. Es ging mich sehr wohl etwas an!, aber das verstand Edward nicht. Sie alle behandelten mich wie ein kleines Kind, dem nichts gesagt werden sollte, weil es sowieso nichts verstehen würde. Diesmal war es anders, diesmal würde ich die Wahrheit erfahren.

Entschlossen ging ich in den Wohnbereich, sah Edward am Flügel in der Ecke sitzend, der traumhaft schön mit seinen Händen dem Flügel wunderbare Töne entlockte. Er konnte auf einem Flügel spielen?, fragte ich mich überrascht. Sein Kopf war nach vorn gebeugt und er spielte eine traurige Melodie, die mein Herz bewegte. Das Mondlicht fiel auf Edwards glatten, muskulösen Rücken und ich sah auf das Spiel seiner Muskeln während er weiterhin auf dem schwarz lackierten Flügel spielte. Er brach abrupt ab, als er mich ans Fenster gelehnt stehen sah, blickte mich traurig an und drehte sich halb zu mir.

„Ich werde dich niemals fallen lassen, Bella. Aber du musst aufhören Fragen zu stellen, die ich dir nicht sofort beantworten kann. Um dein Leben auf dem Spiel zu setzen, müsste ich verdammt nochmal verrückt, betrunken oder tot sein. Das ist kein Kinderspiel, Bella, deshalb versuche ich einen Mittelweg zu finden, damit wir zusammen sein können, solange es dauert. Du musst mir vertrauen, Baby. Und ich schwöre dir, dass du – wenn du die Wahrheit erfährst – es lieber hättest, wenn du nichts erfahren hättest. Ich will nichts anfangen, was du beenden musst, Bella. Ich will, dass du dein Leben fortsetzen kannst, als hätte es mich niemals gegeben, wenn ich nicht mehr da bin.“ Fest sah er mir in die Augen.

Er machte sich unglaubliche Sorgen um mich, obwohl das gar nicht nötig war. Aber ich hörte seine Besorgnis aus seiner Stimme heraus. Das gab mir den endgültigen Tritt und ich brauchte zwei Schritte, da stand ich schon vor ihm und warf mich schleudernd in seine Arme. Meine Hände glitten in sein Haar und ich sah ihm ebenfalls fest in die Augen.

„Du bist ein verdammter Trottel, Edward Cullen. Kannst du nicht einfach zur Polizei gehen und die Menschen anzeigen, die verantwortlich sind, Edward?“ Er versteckte sein Gesicht zwischen meinem Hals und Schulter, sog meinen Geruch ein und legte seine Hände auf meinen Rücken.
„Nein!“ antwortete er gequält. „Mein Vater hat die Beweise verschwinden lassen, weil ich noch ein Kind war, als ich Dinge gesehen habe, Bella. Ich wurde angeschossen und wäre fast gestorben, seitdem verbot mir mein Dad in der Gegend herumzulaufen und Fotos zu schießen, was ich zu dieser Zeit sehr gern machte. Wenn ich richtig darüber nachdenke, habe ich niemals aufgehört Dinge zu fotografieren. Meine Leidenschaft für das Fotografieren hat nie ein Ende genommen. Ich fotografiere immer noch gerne, aber nur schöne Dinge.“ Ein Mann, der alles und jeden fotografiert? Diese Vorstellung könnte mir gefallen. Aber mein Interesse ruhte mehr auf den Dingen, die er gesehen hatte.
„Was hast du gesehen, Edward?“ er richtete sich wieder auf und sah mir in die Augen. Prüfend sah er mich an, als ob er sichergehen musste, dass ich die Wahrheit vertrug bevor er sie mir erzählte oder als würde er abwägen wie viel ich vertragen konnte.
„Männer, die am Hafen von Seattle Drogen abluden, die sie illegal ins Land gebracht hatten. Männer, die glaubten, dass nichts und niemand sie aufhalten kann, weil sie jeden töten, verschwinden oder entführen konnten, der etwas über sie weiß. Jeder hat genug Angst vor ihnen um es zu wagen zu sprechen, Bella. Es ist nicht so, dass ich der Einzige bin, der etwas gesehen hat. Ich bin nur der Einzige, der glaubt, dass er nichts verlieren kann und dass er für alles verantwortlich ist, was diese Männer tun, weil ich sie nicht aufhalte, Bella. Je mehr Menschen sie töten, sei es durch ihre eigenen Hände oder durch die Drogen, die sie verkaufen, desto mehr fühle ich mich, als hätte ich es selbst getan. Verstehst du das? Ich wünschte, sie würden mich endlich töten, damit ich das nicht fühlen muss.“ Er atmete harsch an meinem Hals ein und aus und ich schloss ihn in meine Arme, presste ihn fest gegen mich. Ich küsste seinen Nacken und fuhr mit der Hand über seinen nackten Rücken.

„Es ist nicht deine Schuld, Edward. Das musst du mir glauben. Diese Männer sind Verbrecher und sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Man kann nicht alles durchgehen lassen, jemand muss sich ihnen in den Weg stellen. Es darf nicht mehr so weitergehen. Ich kann mir vorstellen, wie schlimm das für dich ist, Edward. Zu sehen wie Menschen um dich herum zerstört werden, während du weißt, wer verantwortlich ist und du nichts tun kannst. Als ich meine Schwester tot in ihrem Bett liegen sah, wusste ich, dass man als Mensch nutzlos ist, dass man niemandem helfen kann um etwas zu überbrücken, wenn dieser Mensch nicht selbst darüber hinwegkommen will. Jetzt verstehe ich, warum sie es getan hat, obwohl ich den wahren Grund nicht kenne.“ Ich dachte über die Situation nach in der sich Edward befand. Er hatte schreckliche Schuldgefühle und fühlte sich nutzlos, weil er diese Männer nicht aufhalten konnte. Und in dem ganzen Puzzle, das er mir offenbart hatte, fehlte ein wichtiger Teil, von dem ich wusste, wo er hingehörte. Ich wusste, wo mein Vater hingehörte und zwar nicht zu den fairen, treuen Politikern, sondern zu den schlimmsten Verbrechern ganz unten. Ich wurde ein Teil vom ganzen Schauspiel, ohne eine Rolle überhaupt verlangt zu haben. Ich liebte beide Männer, Edward und meinen Vater, beide auf verschiedene Weise, aber beide waren bedeutungsvoll und wichtig. Aber ich konnte nichts tun, nur in der Mitte stehen und die Dolche, die sie gegeneinander werden, mit meinem Körper auffangen.

War es nicht meine Aufgabe diesem ganzen Theater ein Ende zu setzen? Allen das wahre Gesicht meines Vaters zeigen und ihn bezahlen lassen, obwohl es mir schwer fiel. War ich ihm so unwichtig, dass er nicht einmal an mich gedacht hatte, als er diese Drogen ins Land schleppte oder wenigstens das wusste, während er sah wie fremde Kinder durch dieselben Drogen starben, dachte er nicht nach, dass sein Kind in derselben Situation sein könnte? Er war ein Vater! Er war ein Mann der Ehre, sollte man meinen. Ich wusste nicht, was ich denken sollte und obwohl Edward keine Namen genannt hatte, wusste ich.......Eine Frau wusste so etwas. Ich fühlte es und war mir sicher, das Richtige anzunehmen.

„Edward...“ ich hob sein Kopf an und brachte ihn dazu, mich anzusehen. „Gib mir ein Jahr und du wirst sehen, dass wir zusammen alles schaffen können. Ich werde nur jede mögliche Information brauchen, die du hast, Baby. Und ich werde meine Unabhängigkeit brauchen, damit ich klar und objektiv denken kann. Ich muss volljährig sein, damit ich über mein Leben entscheiden kann. Ich werde nicht zulassen, dass du so jung stirbst, mein Baby. Dafür brauche ich dich viel zu sehr.“ Ich küsste seine Stirn und hielt sein Gesicht zwischen meinen Händen gefangen. Jedes einzelne Wort meinte ich so, wie ich es gesagt hatte. Ich war unglaublich enttäuscht von meinem Vater, meiner Mutter, all denjenigen, die die Wahrheit gekannt hatten und mich für einen verdammten Trottel gehalten haben, der niemals die Wahrheit erfahren würde.

„Kleines, ich würde gerne behaupten, dass ich soviel Zeit haben werde. Kein Mensch will sterben, jeder versucht soviel Zeit zu erkämpfen wie möglich, damit er nicht vorzeitig sterben muss. Aber ich will nicht sterben, ohne etwas verändert zu haben, Bella. Wenn ich schon gehen werde, dann nehme ich einige von diesen verdammten Verbrechern mit mir, Kleines. Womöglich ist das meine Stärke, dass ich mich nicht fürchte dem Tod in die Augen zu sehen.“ Er hauchte mir einen kleinen Kuss auf die Lippen und sprach dann weiter. „Und du, mein Baby, du musst weiterleben, Bella. So als hätte es mich niemals gegeben, und als hätte dir mein Tod nichts bedeutet. Du darfst keine einzige Träne vergießen und keinen einzigen Gedanken an mich verschwenden. Du darfst dein Versprechen nicht brechen, Bella. Du wirst den Tod von niemanden mehr weinen.“ Schon allein der Gedanke daran, dass das Leben eines Mannes in der Hand anderer lag, erfüllte mich mit Ärger und Wut. Edward sollte nicht hier sitzen und mir Mut machen, während er seinen kommenden Tod für sicher erklärte. Er sollte umzingelt von hübschen Frauen auf einer einsamen Insel Urlaub machen, sein gutes Aussehen zum Vorteil ziehen und das erleben, was jeder Mann in seinem Alter auch erlebte. Er sollte eine Frau und mehrere Geliebten haben, einfach nur, weil er Edward Cullen war und Stolz drauf, weil er sie eben haben konnte. Er sollte nicht versuchen, die Welt besser zu machen, weil er von schrecklichen Gedanken und Gefühlen terrorisiert wurde.

„Ich werde nicht weinen, keine Sorge.“ Ich lächelte, denn mir war nicht einmal bewusst, was meine Worte bedeuteten. Die ganze Situation war nicht so einfach, wie ich sie für einfach erklärte. Natürlich würde ich weinen. Ich wusste es. Er wusste es. Doch wir versuchten uns mit dieser Lüge gegenseitig zu trösten. Er zwickte mir verspielt in die Hüfte.

„Natürlich wirst du nicht weinen, du wirst am nächsten Tag einen anderen Mann finden, den du um den kleinen Finger wickeln kannst. Du kleines Luder! Und dein zweiter Mann wird mir danken und Blumen ans Grab bringen, weil ich ihm den Platz freigelassen habe. Aber weißt du was? Ich überlasse meine Frau nicht gerne anderen, nicht einmal, wenn ich tot bin und nichts mehr tun kann. Ich bin ein Quälgeist, ich werde deinen Mann um den Verstand bringen bis er verrückt ist und du ihn nicht mehr willst.“ Er grinste, obwohl seine Augen traurig waren.

„Klar doch, dein Geist wird an der Zimmerdecke kleben und mich beobachten, während ein anderer sich das nimmt, was dir gehört. Siehst du nicht, wie unfair das Leben ist?“ Ich lächelte ihn ebenfalls an und küsste ihn kurz auf den Mund.
„Bella, du weißt schon, dass es eine Wahrheit wäre, wenn ich dir jetzt sagen würde, dass ich dich liebe?“ fragte er mich dann, sah mich durch seine smaragdgrünen Augen an und lehnte einen Oberkörper gegen den Flügel hinter ihm. Dieser Mann wusste eindeutig, wann er was sagen musste um mich zu schockieren. Ich nickte ganz benommen.
„Ja..“ sagte ich gedehnt. „Wirst du es mir denn jetzt sagen?“ fragte ich ihn grinsend.
„Nein!“ antwortete er ernst und grinste danach schief.
„Das habe ich auch nicht erwartet!“ gab ich schließlich spielerisch von mir.
„Gut, ich hasse es nämlich, dich zu enttäuschen.“ Und das war die Wahrheit, ich wusste es.










Eine Nacht der langen und tiefgründigen Gespräche wurde zum Morgen tiefgründiger Gespräche. In der Morgendämmerung hielt mich Edward in seinen Armen, meinen Kopf auf seiner Brust, strich er mir über den Rücken und streichelte mein langes Haar. Er lag bei mir in meinem King Size Bett, denn Alice war bei Jasper geblieben und übernachtete dort, wie mir Edward erzählt hatte.

„Was ist zwischen Jasper und Alice?“ fragte ich ihn nach einer Weile, während ich die Konturen seiner ausgeprägten Bauchmuskeln nachfuhr.
„Ich weiß es nicht, Bella. Aber ich glaube, dass er meiner Schwester das Herz brechen wird, weil er zu lieben vergessen hat, seitdem Linda nicht mehr da ist.“ Ich wusste nicht, worin der Sinn des Ganzen war. Eine geliebte Person starb. Ihre zweite Hälfte blieb herzlos zurück. Brach das Herz einer anderen Person. Es war wie eine Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt.
„Das ist ziemlich traurig, denn Alice verdient jemanden, der sie wirklich lieben kann, mit all seinem Sein.“ Ich hatte Alice liebgewonnen. Sie war Edward so ähnlich, obwohl man das im ersten Moment gar nicht glaubte. Aber sie versuchte mit ihrer Energie und ihrem Lächeln, die Welt zu verändern. Ihrem Bruder gelang das, denn er konnte mit seinem Lächeln wenigstens meine Welt verändern. Und wie er meine Welt veränderte. Er stellte alles auf den Kopf.
„Du verdienst auch jemanden, der dir mehr geben kann als ich, Bella. Jemanden, der bei dir bleibt, für immer und ewig, weil nicht einmal der Tod euch scheiden kann. Weil die Liebe über das alles hinausgeht und die Erinnerung das Einzige ist, was bleibt.“
„Halt die Klappe und schlaf jetzt.“ er lachte herzhaft, ich wusste, es weil seine Brust unter mir vibrierte. Ich hasste es, wenn er glaubte, dass ich jemanden anderen und besseren finden, sogar lieben konnte.
„Findest du nicht, dass der Tageseinbruch etwas Faszinierendes an sich hat, Kleines?“ fragte er mich dann, während meine Augen schwer wurden und von allein zufielen.
„Warum?“ fragte ich schläfrig.
„Weil es unerwartet passiert und ohne ´wenn und aber´, genauso plötzlich bist du in mein Leben getreten, Kleines. Eine kleine Rebellin, eine Tigerfrau, die ausbrechen will, weil sie sich nicht mehr an die Regeln halten kann. Du bist schlagfertig, das gefällt mir an dir.“ Ich rollte mich auf die Seite, legte meinen Arm unter dem Kissen und schloss die Augen. Warum sagte er das? Seine Zeit war noch nicht gekommen. Ich wollte nicht, dass er bald starb.....wie lächerlich sich das anhörte, ich wollte, dass er gar nicht starb. Ich wollte Zeit, damit ich ihm helfen konnte. Was hatte ich getan damit ich so bestraft werde? Wie böse war Gott denn auf mich, dass er mich so dermaßen quälte? Warum konnte ich kein normales, sterbenslangweiliges Leben haben, wie jeder andere, der sich mit dem Mann täglich stritt und abends wieder im Bett vertrug; mit zehn nervtötenden Kindern, die herumkreischen würden und die keiner beruhigen könnte, die genauso stur und gutaussehend sein würden wie ihr Vater, wahre Gentlemen, die von sich behaupten würden, dass sie keine waren. Kinder, die das fortsetzen würden, das ihre Eltern angefangen haben und die verstehen würden, dass man im Leben für die Ehre lebte.

„Edward?“ fragte ich, weil ich mir nicht sicher war, ob er schon vor sich hin schlummerte.
„Huh?“ Ich drehte mich wieder zu ihm, stützte mich auf meinen Arm ab und sah ihn an. Er hatte die Augen geschlossen und sah wie ein griechischer Gott aus.
„Diese graue Stunde, wenn es nicht Nacht aber auch nicht Tag ist, finde ich sehr friedlich. Es ist die Stunde, in der ich eines Tages sterben werde. Kannst du …. derjenige sein, der meine Hand hält, wenn ich sterbe?“ Ich fühlte wie ich ein Stückchen mehr starb, während ich das sagte. Er öffnete die Augen, sah mich stumm an.
„Wer hält denn meine Hand, wenn ich sterbe?“ fragte er mich ernst.
„Ich werde deine Hand halten, während du lebst, Edward.“ Um den Effekt meiner Worte zu unterstreichen, nahm ich seine Hand in meine und er verwob unsere Finger miteinander. Er lachte herzhaft.
„Also....Bella, du weißt schon, dass wir hier nicht am Bazar sind, oder? Hier kannst du dir deine Erdbeeren und Birnen nicht aussuchen! Außer wenn du sehr gute Connections dort oben hast, dann kannst du sie auch für mich spielen lassen, Kleines.“ Er grinste süffisant und ich lachte über seine bescheuerte Aussage. Süßer Trottel!
„Edward, mach jetzt bitte die Augen zu – und wenn du schon dabei bist, auch den Mund, ja?“ bat ich ihn und legte mich wieder hin. Ich war wirklich schrecklich müde, außerdem hatten wir nicht wirklich viel Zeit bis Alice hier auftauchte und uns beiden den Hintern versohlte damit wir den Tag mit ihr verbringen.
„Sorge doch selbst dafür, dass ich den Mund zumache, ja Kleines?“ Er äffte mir am Ende des Satzes nach und ich sah ihn einfach kurz an, während er wie ein ungezogener Junge sein Gesicht zu mir drehte und mich frech angrinste. Ich legte meine Hand auf seine stoppelige Wange, deren spitzer Bart über meine Handinnenfläche kratzte. Fest sah ich ihn an. Danach strich ich mit meinen Lippen federleicht über seine.
„So küssen nur Mädchen!“ beschwerte er sich an meinen Lippen.
„Ach, halt die Klappe, Casanova!“ er drückte mir in der Zwischenzeit einen Kuss auf. „Und zeig mir bitte, wie wahre Männer küssen.“ grummelte ich verärgert.
„Gar nicht, Baby. Wahre Männer werden geküsst!“ siegesreich lächelte er und vergrub sein Gesicht halb in meinen Kissen.
„Du erwartest wohl nicht, dass ich etwas dazu sage, oder?“
„Eigentlich schon, du hast an allem etwas auszusetzen, Baby.“
„Hör jetzt auf wie ein alter impotenter Mann zu reden.“ stichelte ich und grinste teuflisch.
„Woah …. woah, Baby, falsches Thema. Hör sofort auf, sonst muss ich meine Ehre verteidigen.“
„Welche Ehre?“ stichelte ich weiter und machte ein unschuldiges Gesicht.
„Ha ha, wirklich witzig, Bella.“ Er schmollte kurz, doch an seinen Augen erkannte ich, dass es ihm Spaß machte von mir gestichelt zu werden.
„Schon gut, alter Mann, schlaf jetzt.“ Ich wollte ihm wieder den Rücken zudrehen, doch er hinderte mich daran, indem er einen Arm um meine Schultern legte und mich wieder zurück in seine Arme zog. Dorthin, wo ich für immer sein wollte.







 

~MB~

~MB~

~MB~

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen