Lied zum Chap:
http://www.youtube.com/watch?v=2M-2BFS6Jxc&feature=related
Bella Swan POV:
Zu manchen Zeiten, an manchen Orten glaubst du, etwas sei wahr. Wenn du zu sehr daran festhältst, wirst du, wenn die wirkliche Wahrheit an deine Tür klopft, nicht öffnen. ~ Verfasser unbekannt
Jede Frau kannte das Gefühl, wenn sie nahe bei dem Mann war, den sie liebte; sie kannte das Rauschen in den Ohren, wenn er davor war sie zu küssen; seine vollen Lippen mit ihren zu verschließen. Auch kannte sie das intensive Gefühl von seinen Händen auf ihren Körper und von jedem einzelnen Herzschlag, der sich anfühlte, als würde das Herz in tausend kleine Teile zerspringen, aber auf positive Weise. In solchen magischen Momenten waren die Gedanken wie weggefegt und dein Verstand konzentrierte sich nur auf Eins: IHN.
Küss mich endlich, war das Einzige, was mein Gehirn zu diesem Zeitpunkt produzieren konnte. Die Vorfreude auf das, was in den nächsten Augenblicken geschehen würde, ließ meinen Körper erzittern und meine Handinnenflächen feucht werden. Ich benahm mich wie ein Kind an seinem ersten Schultag. Gott war mein Zeuge für all das, was ich fühlte. Und es waren eine ganze Menge Gefühle im Spiel. Sicher war jedoch, dass Linda das von oben, wo sie war, sah und sich über uns freute. Über ihren besten Freund und ihre kleine Schwester. In diesem Moment fehlte sie mehr denn je und ich wünschte sie wäre jetzt an meiner Seite.
Meine Gefühle machten mir Angst, weil ich diese Art von Gefühle für niemanden bisher hatte, sie waren mir stets unbekannt, aber nun würde sich alles verändern. Edward Cullen, mein Adonis, würde mich küssen. Die Schmetterlinge in meinem Bauch flatterten mit einer Geschwindigkeit, diese Geschwindigkeit hatten eigentlich nur Flugzeuge. Aber mein armes, verliebtes Herz erlitt Höllenqualen, weil seine letzten, eisigen Mauern zu schmelzen begannen.
Mein Mund: offen.
Meine Augen: geschlossen.
Die Welt schien still zu stehen und die Zeit wurde unbedeutend. Da waren nur wir zwei: Die Königin und nein – nicht der Bettler, sondern der König. Dort, an meinen Schulterblättern, wo seine Hände waren, fühlte ich tausend Ameisen, die ihren Weg zu allen Seiten meines Körpers fortsetzten. Ich wagte es nicht zu blinzeln, weil ich dachte, die Magie des Moments würde verschwinden. Stattdessen stand ich da, näherte mich ihm mit jedem kleinen Schrittchen und wiegte mich leicht im Rhythmus meines eigenen Herzschlags von Seite zu Seite. Für andere müsste es so aussehen, als würden sich zwei Löwen umwerben. Neckisch wanderte seine linke Hand zu meiner Hüfte und die rechte in meinen Nacken. Hätte ich in diesem Moment geglaubt, die Welt würde stillstehen, dann hatte ich mich geirrt. Kaum war mein Körper gegen seinen harten Muskeln gepresst und ich lag in seinen Armen, schon schwand die knisternde Zweisamkeit.
Und wie immer war der Störenfried: Renée. Richtig!
Wie sie es geschafft hatte neben uns zu stehen, ohne das wir es bemerkt hatten, war mir ein ungelöstes Rätsel. Beschämt und verwirrt fuhren wir sofort auseinander, ich entfernte mich einige Schritte und bedeckte meinen Mund mit meiner Hand. Fuck! War ich überhaupt bereit von dem Mann geküsst zu werden, den ich liebte? Ich hatte mir gar nicht Gedanken darüber gemacht, wie es geschehen würde; was ich denken und fühlen würde. Ich hörte Edward leise mit Renée diskutieren, aber sie waren nur die Hintergrundmusik zu meinen Gedanken und Zweifeln. Erst als ich große Hand mit den langen, schlanken Fingern auf meiner linken Schulter fühlte, drehte ich mich langsam, vorsichtig zu ihm.
Sein Blick sprach Bände. Ich konnte die Sorge, die Frustration und ein wenig Wut in seinem Blick erkennen.
„Was ist passiert?“ fragte ich alarmiert.
„Du meinst, wenn wir davon absehen, dass wir schon heute reisen müssen, weil dein Dad zu dem Entschluss gekommen ist, die Reservation wieder zurückzuziehen und alle Flüge für morgen schon überbucht sind? Abgesehen davon ist nichts passiert.“ Mein Dad hatte was getan? Ich konnte es nicht glauben.
„Dafür gibt es sicher eine plausible Erklärung. Das war ganz sicher nicht Dad´s Werk.“ überzeugt von der Unschuld meines Vaters starrte ich Edward in die Augen, bis er sich seufzend wieder umdrehte. Ich folgte ihm. „Denkst du er würde mir das antun? Er ist mein Dad. Er liebt mich!“ Ich konnte es nicht verhindern, dass ich wie ein kleines Kind klang, wenn es die Mutter mit einem Hundeblick überzeugen wollte, dass es nicht die teure Vase kaputtgemacht hatte, die sie so liebte.
„Wieso fragst du mich, wenn du weißt, wie meine Antwort lauten wird?“ Sein Blick war ernst und ich bildete mir ein, dass ich so etwas wie eine Zustimmung in seinem Blick fand. Als ich nicht antwortete, nickte er seufzend. „Genau das habe ich gemeint. Ich werde nicht derjenige sein, der dich gegen deinen Vater anstiftet. Das ist nicht mein Stil.“ Er hauchte mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Ich beschloss dieses Gespräch fürs Erste zu lassen, weil ich keinen von beiden verlieren wollte. Nicht meinen Vater und auch nicht Edward.
Zusammen betraten wir wieder das Haus und fanden Renée, - die sich sofort nachdem sie uns die bitterböse Nachricht überbracht hatte, diskret zurückgezogen hatte – im Esszimmer vor.
„Also wann müssen wir jetzt los?“ Unsere Planänderung gefiel mir überhaupt nicht, aber das konnte ich ihr schlecht an die Nase binden, wenn sie sich so sehr bemühte mir diesen Flug überhaupt möglich zu machen. Wenn ich nicht selbst gehört hätte, wie sie mit ihrer Assistentin sprach, hätte ich denken können, dass sie dahintersteckte. In dieser Lage und auf ihre Mühe hinunterblickend konnte ich das schlecht von ihr denken.
„Amy packt schon deine Koffer, du kannst dir noch deine Lieblingskleidung heraussuchen, wenn du das wünschst. Edward, du musst deine Koffer allerdings selbst packen. Ich habe Mrs. Cullen informiert, dass Isabella heute im Unterricht nicht anwesend sein wird und auch Rose und Alice angerufen, damit sie auch packen. Euer Flug geht in fünf Stunden! Macht euch fertig.“
~MB~
Amy hatte meinen großen, schwarzen Koffer vor meine Zimmertür gestellt und ich stolperte – wie auch nicht anders zu erwarten – über diesen, fluchte laut hörbar und hielt mich im Türrahmen meiner Zimmertür fest. Frustriert fuhr ich mir mit meinem Unterarm über die Stirn und klemmte mir einige lästige Haarsträhnen hinter den Ohren. Also gut, ich akzeptierte, dass mein Dad mir sein Jetflugzeug nicht zur Verfügung gestellt hatte und er konnte auch der Einzige sein, der die Reservierung zurückgezogen hatte, weil gar nicht mal so viele Menschen wussten, dass ich über das Wochenende in NYC sein würde. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich Angela schreiben musste um sie darüber zu informieren, also schrieb ich ihr in einer Rekordzeit eine und klappte zufrieden mein Handy zu.
Da kam er plötzlich um die nächste Ecke, als wäre er von der heißesten Hölle aufgestiegen um mich fertigmachen, geschmeidig wie ein schwarzer Puma mit grünen Augen. Das Chaos auf seinem Kopf sah so aus als hätten 50 Frauenhänden hineingegriffen und war unordentlicher als bisher. Seine Augen sahen aus wie zwei ungeschliffene, nicht bearbeitete und wertvolle Smaragde und sein 3-Tage-Bart war heiß wie die Hölle. Ich verspürte das Verlangen mit meiner Zunge über seine Wange zu fahren. Als ich seinen Mundwinkel sah, der sich nach oben bog, schloss ich entsetzt von meinem Verlangen die Augen und schüttelte den Kopf. Lieber hätte ich die Augen geschlossen halten sollen, denn als ich registrierte, was Mister Bodyguard trug, musste ich mir auf die Zunge beißen um nicht zu schreien. Verspielt zwinkerte er mir zu und mein Blick wanderte anerkennend zu seiner dunkelblauen Jeans, die sich verflucht sexy über seinen knackigen Hintern spannte. Sein Hemd, so weiß wie der Schnee, war die ersten zwei Knöpfe geöffnet, was ausgerechnet so viel Haut entblößte, dass alle Frauenblicke darauf festgeklebt blieben. Er bückte sich um seine kleine Reisetasche auf den Boden zu stellen, zeigte mir dabei den Saum seiner rot-weiß karierten Boxershort, was mir irgendwie zu peinlich war, so dass ich den Blick mit einem Kloß im Hals abwandte.
„Hallo, Fremde.“ seine Stimme klang ungewohnt rau und heiser, was mir eine kühle Gänsehaut über den Körper trieb, obwohl draußen die Sonne schien und das Wetter zum Umfallen schön war.
„Hey, Fremder!“ hauchte ich leise und sah mit einem bewundernden Blick zu ihm hinauf. Er erwiderte diesen Blick mit einem schiefen, charmanten Lächeln.
„Bist du fertig?“ Prüfend glitt sein Blick über meinem Körper. Während ich unter diesem Blick rot wie eine reife Tomate wurde, runzelte er irritiert die Stirn. „Willst du ganz sicher mit diesem Klein in NYC ankommen? Nicht, dass es nicht schön ist und es steht dir auch, aber das Wetter dort wird dir einen Strich durch die Rechnung machen. Du solltest dir lieber Jeans einpacken, Isabella.“ Er machte sich Sorgen um mich, diese Feststellung zauberte mir ein breites Lächeln auf den Lippen. Plötzlich begann auch er zu grinsen, obwohl er nicht wusste, warum ich überhaupt grinste und ich grinste, weil er sich um mich Sorgen machte und weil ich wusste, dass er keine Ahnung hatte, warum ich grinste. Ein wahrer Teufelskreis.
„Kannst du mir jetzt verraten, warum du so schön grinst?“ Jetzt wollte ich lachen, ich wusste selbst nicht, was plötzlich so lustig war, aber ich startete den Versuch möglichst nicht blöd zu lachen. Damit würde ich nicht mal eine Ente verführen und schon gar nicht einen Edward Cullen.
„Warum grinst du?“ fragte ich ihn trotzig.
„Weil du grinst.“ antwortete er schulterzuckend und schnappte sich meinen Koffer und hob ihm mit einem Arm hoch. Ich staunte einen Moment lang.
„Versuchst du mich zu beeindrucken?“ fragte ich ihn, als wir die Treppe hinunterliefen um vor dem Haus zu gelangen, wo Richard auf uns wartete um uns zum Sea-Tac-Airport zu bringen. Edward warf mir einen amüsierten Blick zu, blieb aber weiterhin geheimnisvoll, sagte weder „Ja“ noch „Nein“. Er setzte unseren kleinen Neckerein kein Ende, er wollte also spielen. Wir werden spielen, Mister Cullen und wie wir spielen werden. Selbstgefällig hob ich eine Augenbraue hoch und setzte meine Schritte mit erhobenem Haupt fort. Das Grinsen wich nicht von meinen Lippen.
~MB~
„Halt dich an mir fest, damit du nicht fällt!“ warnte mich Edward und bot mir seinen Arm an, den ich aber dankend ablehnte, weil ich glaubte ein paar Schritte alleine machen zu können. Insgeheim wollte ich ihn beeindrucken, wollte, dass er mich als eine Erwachsene ansah, in die er sich gerne verlieben würde. In irgendeiner morbiden Ecke meines Gehirns hörte ich den Hochzeitsmarsch, auf meiner Hochzeit mit Edward. Blöde Mädchenträume! Meine Ballerinas verfingen sich plötzlich in meinem bodenlangen Sommerkleid und ich rutschte zusätzlich auf dem Marmorboden vor der Haustür aus, befürchtete meine Knochen nie wieder aufsammeln zu können, wenn ich jetzt den Boden küsste. Als ich den Boden immer näher fühlte, kniff verschreckt ich die Augen zusammen. Doch dann hörte ich einen dumpfen Knall und fühlte zwei Arme die sich schützend um meinen Bauch schlangen. Ich wollte schon protestieren, sagen, dass ich schon noch im Stande war alleine zu laufen, aber das Glück wollte es doch anders.
„Ich sagte doch, du brauchst mich, Kleines!“ nuschelte er in mein Haar. Als ich diesen Satz hörte, beschloss ich den Spieß umzudrehen und ausnahmsweise mal freundlich sein. Ich wollte ihn doch gewinnen und nicht ablehnen.
„Ja, du hattest Recht, ich kann nicht zwei Schritte gehen, ohne mich an dich zu halten.“ Ich versuchte nicht zu grinsen, bei diesem Schwachsinn, den ich da zusammenreimte. Himmel, mutierte ich jetzt zu einer dieser ergötzten Schlampen, die alles für einen Mann tun würden? Wie tief bin ich nur gesunken? Im übertragenen Sinne meinte ich das auch wirklich so. Mit dem Unterschied, dass ich keine zwei Schritte ohne ihn gehen wollte und nicht konnte.
„Dann halt dich doch an mich!“ Unbewusst presste er mich enger an seine Brust und ich legte meine Arme auf seine Unterarme, die schützend um mich geschlungen waren. Als mir jedoch unserer Umgebung bewusst wurde, improvisierte ich und tat so als würde ich seine Arme von meinem Bauch lösen. Nicht jeder musste wissen, wie meine Gefühle zu ihm waren. Schon gar nicht die Menschen bei mir Zuhause. Ich machte einige Schritte von Edward weg, hörte wie er meinen Koffer und seine Tasche wieder zu sich aufnahm, weil er sie fallen lassen musste, um mich aufzufangen. Dann stand ich endlich beim Wagen gegenüber Renée und Amy. Edward lud unser Gepäck in den Kofferraum und ich war etwas verzweifelt, weil ich nicht wusste, wie ich mich Renée gegenüber verhalten sollte. Einige Minuten lang sahen wir uns schweigend an, doch dann streckte sie mir ihre Hand entgegen und lächelte mich mit einem glücklichen Lächeln an, wie sie es nie zuvor getan hatte. Ich war ihr dankbar, dass sie mich nicht bedrängte, oder von mir etwas Unmögliches verlangte. Mir fiel es nicht leicht meine eigene Mutter, mein Fleisch und Blut, so fremd und unverwandt anzusehen, aber es war nicht meine Schuld, dass wir so geworden waren. Dass alle Wege zu einer gesunden Mutter-Tochter-Beziehungen zugefroren waren.
„Pass auf dich auf, Isabella!“ Ihre Stimme war zärtlich, so liebevoll und ich fühlte mich wie Dreck, weil ich nicht dieselben Gefühle ihr gegenüber hatte. Sie schien eine unsichtbare Grenze zwischen uns beiden nicht überschreiten zu wollen und damit gewann sie meinen Respekt. Renée verlangte nicht nur – das war das Gute an ihr -, sie gab, sie schenkte. Sie war keine schlechte Person, aber als Mutter hatte sie versagt. Zumindest sah ich es als ein Versagen.
„Danke, Renée!“ ich zögerte, hätte am liebsten etwas Anderes gesagt. Etwas, das ihr Hoffnung auf Glück und Erfolg gab. Wäre liebend gern eine bessere Tochter für sie gewesen, auch wenn sie für mich nicht eine schlechte – sondern keine – Mutter gewesen war. Wieder einmal fühlte ich, dass mein Herz sich für die Außenwelt verschloss, sich zurückzog um nicht verletzt zu werden; um nicht zu verletzen. Sie drückte nur noch einmal herzhaft meine Hand und ließ mich anschließend los, trat diskret einen Schritt zurück und verkreuzte die Arme vor der Brust. Das Lächeln auf ihren Lippen war aufgepflastert und falsch aus. Mich übermannte eine tiefe Traurigkeit, die aber durch die warme Umarmung, die mir Amy – meine Zweitmutter – schenkte, unterdrückt wurde. In der Zwischenzeit verabschiedete sich Renée mit einer Umarmung, was mir insgeheim einen Stich versetzte, von Edward und redete sanft auf ihn ein, was er mit einem kleinen Lächeln beantwortete.
Es dauerte nicht lange, da wurde der Motor des Wagens gestartet, Edward und ich kletterten auf die Rückbank und machten es uns gemütlich. Ich sah den traurigen Gesichtsausdruck der Frau, die mir das Leben geschenkt hatte, fühlte wie mein Herz darunter leidete, dass wir nicht normal waren; dass ich nicht mit ihr einfach so lachen konnte; dass ich mit ihr nicht über Dinge, die mir passierten, reden konnte. Ich wollte mit ihr reden und als Richard die Abfahrt hinunterfuhr, wollte ich aus dem Wagen klettern, um meiner Mutter eine warme Umarmung zu schenken. Stattdessen lehnte ich meine Stirn gegen die Seitenscheibe und verfluchte mein Leben, weil es nicht so war, wie ich es wollte. Verdammte, snobistische Gesellschaft und verdammter, hartnäckiger Frauenstolz, über den ich nicht hinwegsehen konnte.
~♥~
Edward Cullen POV:
Wo keine Freiheit ist, bist du die Freiheit
Wo keine Würde ist, bist du die Würde
Wo keine Wärme ist, keine Nähe von Mensch zu Mensch, bist du die Wärme und Nähe
Herz der herzlosen Welt
Deine Lippen und deine Zunge sind Fragen und Antworten
In deinen Armen und deine Schoß ist etwas wie Ruhe
Jedes Fortgehenmüssen von dir geht zu auf das Wiederkommen
Du bist ein Anfang der Zukunft
Herz der herzlosen Welt
Du bist kein Glaubensartikel und keine Philosophie keine Vorschrift und kein Besitz, an den man sich klammert
Du bist ein lebender Mensch, du bist eine Frau und kannst irren und zweifeln und gutsein
Herz der herzlosen Welt
~Erich Fried
Wo keine Würde ist, bist du die Würde
Wo keine Wärme ist, keine Nähe von Mensch zu Mensch, bist du die Wärme und Nähe
Herz der herzlosen Welt
Deine Lippen und deine Zunge sind Fragen und Antworten
In deinen Armen und deine Schoß ist etwas wie Ruhe
Jedes Fortgehenmüssen von dir geht zu auf das Wiederkommen
Du bist ein Anfang der Zukunft
Herz der herzlosen Welt
Du bist kein Glaubensartikel und keine Philosophie keine Vorschrift und kein Besitz, an den man sich klammert
Du bist ein lebender Mensch, du bist eine Frau und kannst irren und zweifeln und gutsein
Herz der herzlosen Welt
~Erich Fried
Ich sah in ihr Gesicht, das sie von mir versteckte. Ich sah die Welt in ihren Augen. Eine Welt, die viel zu grausam für sie war. Sie litt. Sie litt am Leiden anderer. Sie litt, weil sie etwas verändern wollte. Weil sie ihre Welt verändern wollte. Sie litt am Versuch das Leiden zu beenden. Und sie litt, weil ich das Verlangen hatte zu fliehen. Weil ich einfach weggehen wollte, um niemals mehr zurückzukehren. Nicht, dass ich das zum ersten Mal verspürt hatte. Aber diejenigen, die mich kannten, wussten, dass ich verschwand, wenn mir alles zu viel wurde. Zu oft hatte ich das getan. Ich haute ab, als Linda starb. Ich haute ab, als sich meine Eltern wegen mir stritten. Ich haute ab und versteckte mich im Garten der Nachbarn, als ich acht und Alice fünft war und sich wegen mir den Arm brach.
Als mich jeder fragte, warum ich immer nach großen Ereignissen abhaute, antwortete ich: Ich sei auf der Suche! Linda war wohl die Einzige, die mein Verhalten verstanden hatte, denn sie war auch geflohen, als sie achtzehn wurde. Sie entwischte ihrem Vater auf die ladylike Art. Sie begann ihre Ausbildung in NYC, wo ich mit Jasper Whitlock in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung weilte, versteckte sich bei uns und sagte ihrem Vater tagelang nicht, wo sie war. Warum sie abgehauen war? - Diese Frage hatte ich ihr niemals gestellt, weil ich öfters derjenige war, der den ersten Zug nach Timbuktu nahm, wenn ihm der Mensch und die Welt zu viel wurden. Ich weiß, ihr denkt, ich wäre ein irrer Typ, weil man sich den Dingen stellen musste. Ich hatte oft versucht mich den Dingen zu stellen. Jap, hatte ich wirklich. Wisst ihr, was das Blöde daran war? Wenn man sich den Dingen stellte, löste man nie das Problem. Wenn man ehrlich war, dann wurde man schief angesehen und sofort angeschrien, weil manche Menschen mit der Wahrheit einfach gar nichts anfangen konnten, andere jedoch – wie meine kleine Bella -, hatten das Verlangen zu erfahren, zu wissen, wer und was hinter ihren Rücken einen Graben grub. Ich schwor mir, ich würde niemals zulassen, dass meine Bella jemand verletzte. Ich würde ihm die Kehle aufschlitzen und ihn grillen, wenn er einen Finger auf sie legte. Er oder wer auch immer. Ihr Vater war das Letzte. Aber wie sollte man ihr das klar machen, wenn er ihr Held war?
Gottverdammter Snob, direkt aus der Hölle geschickt um auf meinen Nervenenden herumzureiten.
„Bella, schnall dich an!“ erinnerte ich sie, als wir schon einige Minuten im Auto saßen und herumkutschiert wurden, von dem besten älteren Herrn, den ich kennengelernt hatte. Richard war nicht einfach nur ein Chauffeur, er gehörte praktisch zur Familie, die er auch als solche respektierte und unterstützte.
Erstere sah mich aus einem verschleierten Blick an und runzelte ihre Stirn, dort bildete sich eine kleine Falte, die ich mit meinen Fingern wieder glätten wollte. Kleines, gebrochenes Mädchen. Ich konnte in ihr lesen, als wäre sie mein Lieblingsbuch. Die Mauern um ihr Herz hatte sie wieder aufgebaut und ihr kleines, schlafendes Herz wartete darauf durch Liebe geweckt zu werden. Ich sah auf jede Regung in ihrem Gesicht, sah wie sie gequält die Lider schloss und die Augen fest zukniff, als müsste sie Höllenqualen erdulden. Ihr sanftes, langes Haar umspielte ihr rundes Gesicht, die blasse, milchige Haut war rein, sah aus wie weiße Satinbettwäsche, so glatt und seidig, dass man sie am liebsten überall gegen den Körper gedrückt, halten würde. Ihre Pupillen bewegten sich immer einige Millimeter, als sie mir in die Augen sah. Unsere Blicke woben gemeinsam ein Band, das jung und unschuldig war, wie sie, wie unsere Liebe, wie das was ich für sie empfand. Einige Augenblicke blinzelte keiner von uns. Ihr Kopf war auf der rechten Seite und meiner auf der linken gedreht. So saßen wir da und starrten uns ehrfürchtig die Augen des jeweils anderen.
„Was?“ hauchte sie dann atemlos, als hätte sie meine Aufforderung nicht verstanden. Ich hörte mein Blut in den Ohren rauschen und mein Herz setzte kurz aus um in doppelter Geschwindigkeit weiterzuschlagen. Die süße, unschuldige Stimme dieser Frau versetzte mein Blut in Wallung. Ein bittersüßer Schmerz schoss durch meine Lenden, wofür ich mich schämte, weil ich sie so sehr wollte. Auf jede menschenmögliche Art und darüber hinaus.
Ich hustete kurz, um meine Stimme wiederzufinden und den Mumm zu fassen, ihr nicht vor allen Anwesenden – Richard, Gott, das Auto, unser Gepäck – den Verstand aus dem Kopf zu küssen. Meine Fingerspitzen kribbelten, weil ich sie berühren wollte.
„Du-Du sollst dich anschnallen!“ wiederholte ich mit heiser, erregter Stimme. Es war peinlich. Nicht nur meine Jeans, die enger wurde, sondern auch meine Stimme, die auch Richard hören konnte. Er mehr denn Isabella, denn sie war nicht so berechnend und erfahren, als das ihr auffallen konnte.
„Okay!“ antwortete sie und leckte sich plötzlich mit ihrer Zungenspitze über die trockenen Lippen, um sie zu befeuchten. Es reichte völlig aus ihre feuchte, rote Zungenspitze zu sehen, schon musste ich scharf die Luft einziehen. Gott, hilf mir! Wenn du da bist, dann hilf mir jetzt!, betete ich ungeduldig und etwas verzweifelt. Ich konnte Isabella nicht einfach so haben. Sie war eine Königin und ich hatte es so gesagt, wie ich es auch gemeint hatte. Sie war eine Königin und ich war gar nichts, wenn man mich näher unter die Lupe nahm.
Isabella schnappte sich den Sicherheitsgurt und spannte ihn, bis sie den Spalt gefunden hatte, wo sie ihn stecken konnte. Ich sah nicht hin, ich hing viel zu sehr meinen Gedanken nach. Meine Gedanken wanderten zu Tom, den ich beinahe erwürgt hätte, wenn Isabella nicht dazwischen gekommen wäre. Ich verflucht hasste es, wenn jemand eine Frau anfasste, wenn sie nicht wollte. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass sie nicht gewollt hatte. Insgeheim, wenn ich ehrlich zu mir war, glaubte ich, dass ich viel zu blind vor meiner Eifersucht und der Angst, sie könnte jemanden anderen mehr wollen als mich, einfach dämlich gehandelt hatte. Sie war mein! Sie würde immer mein bleiben! Sie liebte mich und ich liebte sie. Da hatte kein Dritter etwas zu suchen. Es tat mir furchtbar leid, dass ich Tom verletzt hatte, eigentlich hatte ich gegen ihn nichts. Ich hätte ihn auch losgelassen, hätte ich nicht vor ganzem Zorn und der ungebändigten Wut plötzlich Charlie Swan vor mir gesehen, der mein Leben zur Hölle gemacht hatte.
„Au!“ schrie Isabella auf und hielt ihren Zeigefinger der rechten Hand in der linken. Tränen sammelten sich in ihren Augen und meine Hand schoss hervor, nur um zu sehen, was passiert war. Ich nahm ihre rechte Hand in meine beiden. „Ich habe mir den Finger eingezwickt.“ sagte sie mit einer brüchigen, herzzerreißenden Stimme, die mir eine unangenehme Kälte über den Rücken trieb. Auf ihrer Fingerkuppe sammelte sich Blut, als ich ihren Finger fester umfasste, damit die Wunde nicht blutete. Sie zuckte zusammen unter dem Druck meiner Hände.
„Tut es sehr weh?“ fragte ich sie und sah in ihr Gesicht, doch sie hielt die Augen weiterhin geschlossen, atmete tief ein und aus, bewegte ihre linke Hand damit im Rhythmus auf und ab, als würde diese ihre Atmung steuern.
„Mister Cullen, unserer Bella wird es übel, wenn sie die rote Flüssigkeit sieht. Sie ist schon öfters zusammengeklappt deswegen!“ erklärte mir Richard und schenkte mir einen besorgten Blick. „Wir haben auch keine Zeit zum Anhalten, weil wir sonst den Flug verpassen. Das Einzige, was wir tun können, ist sie am Flughafen zu versorgen.“ Der ältere Herr warf mir einen besorgten Blick aus dem Rückspiegel. Ich sah zu ihr, die noch blasser als sonst wurde und noch hektischer atmete, als zuvor, was mir große Sorgen bereitete.
„Bella, sieh mich an!“ forderte ich sie auf und sie tat es. „Du wirst nicht wieder ohnmächtig.“ versprach ich.
„Du kannst schön reden, wenn du nicht weißt, wie übel mir wird, wenn ich Blut sehe oder rieche. Außerdem tut es weh.“ jammerte sie und schloss ihre Augen wieder.
„Hast du ein Taschentuch, damit wir deinen Finger damit einwickeln können?“ fragte ich sie.
„Damit es nur noch mehr nach Blut stinkt? Nein, danke!“ antwortete sie bissig. Ich sah erst auf ihren Finger, dann auf ihr Gesicht und überlegte nicht lange, als ich ihren Finger in meinen Mund steckte. Sie spannte ihre Muskeln sofort an und sah mich entsetzt an. Ihr Blut schmeckte salzig und metallisch, also nicht sehr angenehm, aber wessen Blut schmeckte schon gut.
Zuerst war sie einfach nur schockiert, dann entspannte sie sich wieder und sah mich aus ihren schokoladenbraunen Augen geheimnisvoll an. Mit meinen Zähnen biss ich in ihre Fingerkuppe, damit sie nicht mehr blutete und das Blut leckte ich mit meiner Zungenspitze ab.
„Ähm.....Ed-Edward, du kannst meinen Finger jetzt loslassen. Es geht schon.“ sagte sie stotternd und ich tat worum sie gebeten hatte. Ich entließ ihren Finger, auch ihre Hand. Widerwillig, aber ich tat wie geheißen. Sie wandte den Blick ab und sah aus dem Fenster, als würde sie sich wegen etwas schämen. Sie hatte aber keinen Grund um sich zu schämen. Verwirrt lehnte ich mich zurück, hatte den Geschmack ihres Blutes in meinem Mund, fühlte noch die Wärme ihrer Hand in meinen nun leeren Händen.
~MB~
Eine schweigsame Fahrt, bis auf die Worte, die wir gewechselt hatten, einige langweilige Minuten und eine Zigarette später, stand ich an einer Straßenlaterne gelehnt, ein Bein angewinkelt und gegen die Laterne aus Aluminiumguss gedrückt. Mir war nicht nach reden, Isabella auch nicht, nach ihrem Gesicht zu urteilen. Die Arme hatte sie schützend vor ihre Brust verkreuzt, blickte gedankenverloren in irgendeine Ecke, die anscheinend viel interessanter in diesem Moment für sie war als ich. Fuck, ich hatte es selbst gefühlt. Diese knisternde Atmosphäre zwischen uns, die sich nur verstärkte als ich ihr Blut schmeckte. Es war ein intimer Moment, vielleicht hätte das nicht so kommen dürfen. Vielleicht hätte das einfach nicht passieren dürfen, aber ich hatte es getan, ich hatte ihren Finger in meinen Mund genommen und so war es nun mal, ich konnte das nicht zurücknehmen und diese Tatsache auch nicht verändern. Frustriert und irritiert klopfte ich eine weitere Zigarette aus meinem Softpack. Ich verflucht hasste diese Atmosphäre, die angespannte Luft in der man aufmerksam war und einfach auf etwas wartete, das nicht kommen würde. In unserem Fall würde wohl etwas oder besser gesagt jemand kommen. Alice und Rose. Wir warteten auf diese zwei.
„Willst du eine?“ fragte ich Isabella, die sich gespannt zu mir drehte, als ich sie ansprach. Ihr Blick wanderte zweifelnd von meinen Augen zu dem Softpack und wieder zurück, graziös strich sie sich einige wirre Strähnen aus dem Gesicht, was mich wahnsinnig machte und nickte anschließend, biss sich aber fest in ihre Unterlippe und sah mich aus ihren geheimnisvollen, tiefen Seen an.
„Hier!“ Ich reichte ihr das ganze Softpack, wusste, dass sie rauchte, weil ich sie selbst mit meinen Augen gesehen hatte. Gut fand ich es nicht, aber da ich selbst auch rauchte, sagte ich nichts. Immerhin war sie noch zu jung, durfte sich nicht ihre Lunge zerstören. Aber ich würde ihr dieses Vergnügen auch nicht nehmen. Wer war ich schon?
„Ähh, danke!“ sie runzelte die Stirn und sah mich plötzlich schüchtern geworden an. Meine Zigarette klemmte zwischen meinen Lippen, als ich das Rädchen meines Zippos drehte bis die kleine Flamme loderte. Da es draußen windig war, legte sie eine ihrer Hände schützend neben der Zigarette, bis ich diese anzündete, dann wanderte ihr Blick wieder in meine Augen, wo er einige Augenblicke verweilte. Das Band zwischen uns stärkte sich wieder, gewann an Energie und Macht. Es beherrschte uns, ob wir wollten oder nicht. Ihre neugierigen, tiefen, dunklen Seen blickten bis zum Abgrund meiner Seele in mich hinein, ich ließ es selbst zu. Ich hatte kein Herzblatt gebraucht. Keine Frau, in die ich mich verlieben konnte. Ich hatte alleine sterben wollen und ich hatte mich so geirrt. Ich hatte den Narren gefressen und war nun verliebt in dieses Mädchen, das das gleiche für mich empfand. Das Mädchen, das mich nahe haben wollte. Das Mädchen, dessen Verstand ich aus dem Kopf geküsst hätte, wenn ihre Mutter nicht aufgetaucht wäre.
Es war wie Sex, was wir hier taten. Vielleicht sogar noch besser. Ich sah ihr zu, wie sie rauchte. Wie ihre Lunge sich mit dem Rauch füllte und sie ihn dann ausstieß. Ich sah wie ihre Lippen sich um den Filter schlossen. Neben ihr konnte kein Mann einfach kalt und gefühllos stehen. Sie besaß eine Magie, von der sie gar nicht wusste, dass sie sie besaß. Sie belehrte mich des Besseren. Sie belehrte mich, wie es war, etwas haben zu wollen, das nah genug war, um dich zu locken, jedoch fern genug, um es nicht erreichen zu können.
Meine eigene Zigarette hielt ich zwischen Daumen und Zeigefinger, streckte entschlossen die Hand nach ihr aus, legte sie auf ihrem Hüftknochen, was sie mit Bewunderung und Überraschung registrierte, mit einem Lächeln quittierte. Mein Nagel fuhr ihren Hüftknochen hinauf und hinunter, beobachtete wie zuvor jede Regung auf ihrem Gesicht. Mit Genugtuung stellte ich fest, dass sie abgehackt ein- und ausatmete. Den letzten Zentimeter ihrer Zigarette rauchte sie nicht fertig, sondern hielt sie vor sich hinqualmend zwischen Zeige- und Mittelfinger ihrer linken Hand. Ihre rechte Hand wanderte über meinen Unterarm, wo sie ihre kurzen, runden Nägel in meine Haut bohrte. Flatternd fielen ihre Augen zu und sie warf ihre nicht fertiggerauchte Zigarette endgültig auf die befahrene Straße vor uns. Langsam löste sie meine Finger von ihrem Hüftknochen, kam mir einen kleinen Schritt entgegen, legte meine Hand auf ihrem Steißbein ab, biss sich verführerisch auf die Unterlippe, nahm diese zwischen die Zähne. Meine Zigarette wanderte zurück zwischen meinen Lippen, wo sie dort wieder einmal klemmte. Meine andere Hand fand den Weg zu Bellas Hand, deren Finger sich sofort mit meinen verwoben. Die andere Hand malte sanfte Kreise auf ihrem nackten Rücken, was sie auch unter dem Schutz der Sonne zum Zittern brachte. Sie schmiegte sich wie ein kleines Kätzchen in meine Hände, ihre Haut antwortete auf meine Liebkosungen und ihr Körper erzitterte unter meinen Berührungen.
Sie war atemberaubend, wunderschön, weltbewegend. Meine persönliche kleine Welt. Das Herz der herzlosen Welt. Mein Herz. Meine Seele.
Selbst schaudernd aufgrund dieses Moments und der Frau, die vor mir stand, die so verflucht wunderschön war. Die ich, auch wenn ich das ungern zugab, liebte, wollte und brauchte. Die mir alles bedeutete, das aber nicht durfte, weil ihr eigener Vater im Stande war, sie zu zerstören, wenn er herausfand, wie viel sie mir bedeutete. Er war kein Anfänger. Er war kein Amateur. Er wusste, was er tat. Er tat, was er tun musste, damit seine verlogene Welt intakt blieb. Er hasste mich, weil er damals die Kontrolle über Linda verlor, weil sie zu ihrem besten Freund geflohen war und dort Jasper kennenlernte. Charlie ließ keine Möglichkeit aus mir eins reinzuwürgen. Er ließ mich immer vor anderen Menschen dumm dastehen. Er war ein trauriges Arschloch.
Ich schnippte meine Zigarette weg, sah Isabella weiterhin an, als wäre sie meine Muse, ignorierte meine immer enger werdende Hose und meine wachsende Erregung. Mit einem Schlag war alles zum Teufel gegangen, ich knurrte, als ich meinen Volvo vorfahren sah, meinen silbernen alten Volvo, der aber so glänzte, als hätte er gerade einen Autohändler verlassen. Ich knurrte bedrohlich, richtete mich auf, wollte meine Hand, in der Isabellas Hand lag, zur Faust ballen, erinnerte mich jedoch, dass ich ihr die Finger nicht zerquetschen wollte, ließ diesen Gedanken also wieder fallen. Mein Volvo wurde mir weggenommen, das Konto gesperrt, das Budget gestrichen, die Ausbildungsplätze besetzt und meine Akte voller Vorstrafen, weil sie mich kannten und wussten, wie aggressiv ich gewesen war. Wenn man einmal jemandem die Zähne brach, wurde man für jede Dummheit, auch wenn man sie nicht getan hatte, beschuldigt. Mein Dad, der angesehenste Arzt in Seattle, hatte keine Lust einen Idioten großzuziehen. Er hatte mir weniger vertraut, als allen anderen, die ihm Gehirnwäsche verpasst hatten. Er nahm mir alles, was ich hatte. Wollte, dass ich mir alles selbst aufbaute. Dank Charlie, der immer irgendwelche Katastrophen verursacht hatte, war die Liste der unverzeihlichen Dinge, die ich getan hatte, unendlich lang. Mein Dad parkte den Volvo vor meinen Füßen, als wolle er mir zeigen, was ich hätte haben können, was ich aber jetzt nicht hatte, weil ich jung und dumm war. Ich bereute gar nichts! Die Hälfte der Scheiße, die ich getan hatte, hatte ich nicht für mich selbst getan. Wie oft hatte ich Linda vor irgendwelchen degenerierten Typen gerettet? Ich hatte bei zehn aufgehört zu zählen. Kein Zweifel, das Charlie hinter jeder Scheiße steckte. Ihr könnt mir glauben. Mit diesem Kerl war nicht zu spaßen.
„Hey, mein Schatz!“ als meine Mutter aus dem Beifahrerplatz ausstieg entließ Isabella abrupt meine Finger. Sie schien irgendwie verschreckt, überrascht oder in der grausamen Wirklichkeit zurück katapultiert. Meine Mutter umarmte mich liebevoll und wuselte durch mein Haar, wie sie es getan hatte, als ich noch ein Kind war, obwohl sie wusste, wie sehr ich das hasste.
„Muuum“ murrte ich anklagend. Sie lächelte mich mütterlich an. Dann wandte sie sich an Isabella, die sie auch einmal in ihre Arme schloss. Isabella warf mir einen fragenden Blick zu, weil sie von Esme überrumpelt wurde und ich grinste sie spitzbübisch an. Natürlich setzte ich meinen ganzen Charme ein, ich war nicht umsonst Edward Cullen. Als Carlisle aus der Fahrerseite ausstieg, wäre ich am liebsten auf ihn losgegangen. Er hatte doch seinen schwarzen Mercedes, was wollte er jetzt mit meinem Volvo? Er wollte mich reizen und das war nicht gut. Denn ich war überhaupt nicht geduldig. Noch nie gewesen. Als er meinen Blick sah, schmunzelte er auf seiner selbstgefälligen Art, die ich von ihm hatte. Mit Charme bewegte er sich um den Wagen, zeigte uns sein blaues Hemd und die weiße Leinenhose, die dem Big Daddy angegossen stand. Die Frauen im Krankenhaus waren sicher alle verrückt nach ihm.
„Mein Mercedes hatte einen Schaden, deshalb musste ich den Volvo nehmen.“ erklärte er als er mich erreichte. Irritiert und ihm keinen Glauben schenkend, presste ich meine Faust an die Stirn und warf ihm irgendwelche gemurmelten Schimpfwörter an den Kopf. Mein Volvo war mein Baby. Er war mein ganzer Stolz. Das Geschenk, das ich zu meinem 18. Geburtstag bekommen hatte. Da kam irgendein dahergelaufener Fucker, wie Swan es war und zerstörte mein Leben. Nahm mir jegliche Möglichkeit auf eine Zukunft, fickte alles, das bei drei nicht auf dem Baum saß, glaubte, ihm gehöre die Welt. Mein Dad glaubte mir nicht, als ich ihm sagte, dass dieser Fucker seine Finger im Spiel hatte. Er sagte, ich würde selbst keinen vernünftigen Job finden und keine Ausbildung machen wollen. Das Einzige, was übrig blieb und wo der Fucker keine Finger im Spiel hatte, war die Army. Doch ich wollte das nicht. Ich wollte nicht für mein Land töten. Ich wollte für nichts und niemanden töten. Ich fand Kriege sinnlos und ausweglos. Ich jobbte in einer Bibliothek in New York, an einem Ort wo der Fucker auch seine Kontakte hatte, die ihm in den Arsch krochen Dieser Fucker würde bezahlen. Da konnte meine vernünftige Seite einen Scheiß zusammenreimen, von wegen ich würde Isabella damit verletzen, weil er ihr Vater war. Sie sollte sich nicht für ihn schämen müssen. Von wegen er war ihr Held. Ein Scheiß war er. Ich hatte so eine Lust ihm den Hals umzudrehen mit meinen nackten Fingern. Von wegen ich wäre der Schuldige, dass Linda vor ihm geflüchtet war. War ich vielleicht auch Schuld daran, dass das Mädchen sich verliebt hatte? Wenigstens hatte sie erkannt, wer ihr Erzeuger in Wirklichkeit war.
Isabella musste diese unangenehme Anspannung gefühlt haben, denn sie ergriff als erste wieder das Wort.
„Äh....Isabella...“ stellte sie sich vor. „Dr. Cullen, wir wurden einander auf der Gala vor einem Monat oder so vorgestellt. Mein Dad....“ mit einem Lächeln erklärte sie das meinem Vater, der sie freundlich unterbrach. Dafür hätte ich ihm die Nase gebrochen, weil er mich nervte Menschen einfach so zu unterbrechen, wenn sie redeten. Ja, ich war unprofessionell. Man konnte alles über mich sagen, dass Adam Sandler eher als Bodyguard gewirkt hätte als ich, aber ich war kein Feigling. Das was mir wichtig war, beschützte ich mit Blut und Leidenschaft, die mir große Leiden gebracht hatte, die ich aber nicht bereute. All meine Fehler hätte ich nochmal gemacht, weil ich an ihnen gewachsen bin. Weil Fehler den Menschen stärkten und Menschen die aus ihren Fehlern nicht lernen, machen nur noch mehr Fehler.
„Senator Swan!“ erklärte mein Vater, dass er wusste, wer ihr Vater war und nickte mit seinem Blondschopf. Isabella lächelte ihn halbherzig an, in ihrem Kopf ratterte es und ihr Lächeln verschwand danach. Doch sie ließ sich nichts anmerken, sie war eine Diva und spielte ihre Rolle als Senatorentochter perfekt. Kaum ließ ich Bella aus den Augen, um das Gepäck der beiden Frauen – Rose und Alice – aus dem Volvo zu holen, schon sprang Alice meine Bella an. Ich konnte es nicht lassen Feuerpfeile auf meine Schwester abzufeuern, weil sie Bella überrumpelte und das nicht auf angenehme Art und Weise. Alice konnte ziemlich anstrengend sein, das wusste ich aus Erfahrung. Bella schlug sich durch und umarmte Alice ebenfalls zurück. Ich machte mir keine Sorgen um Bella, wenn sie bei Alice und Rose war. Diese beiden Frauen waren verdammte Teufeln, wenn es darum ging ihre Freunde und Familien zu beschützen. Ehrfürchtig strich ich über den Lack meines Volvos, bevor ich das Gepäck auf den Boden stellte.
Alle verabschiedeten sich herzhaft voneinander, auch ich von meinem Vater, obwohl er mir nicht vertraut hatte, was mich bis in die Gegenwart verfolgte, aber ich würde nie ein Wort über meinen eigenen Schmerz verlieren, wenn ich sah wie andere Menschen litten. Wenn ich Bella sah, die ihre Schwester verloren hatte, deren Vater ein Arschloch und die Mutter eine Frau mit gebrochenem Herzen war. Erst als sich die Schiebetüren hinter uns schlossen, mein Vater meine Mutter umarmte und sie uns hinterher sahen, fühlte ich mich wieder sicher. Ich war kein Angsthase, ich war impulsiv und besitzergreifend, aber ich ging unangenehmen Situationen aus dem Weg. So wie es eben mit meinem Vater war. Ich wusste, er liebte mich, wie ich ihn auch liebte. Schon jetzt ersehnte ich die Zeit in der ich meinem Vater die Beweise für Charlies Machenschaften unter die Nase hielt und er sich bei mir entschuldigte. Er würde sich entschuldigen.
Aus den Augenwinkeln bemerkte ich einen Blick auf mir ruhen und drehte mich zur Seite, nur um zu sehen, dass mein Mädchen mich mit einem liebevollen Blick betrachtete. Ich zwinkerte ihr charmant zu und sie berührte meinen Arm mit ihrem. Oh, ich wusste welches Spiel sie da trieb. Treiben wir Edward in den Wahnsinn, nicht, dass dieses Spiel nicht klappte – das tat es. Sie wusste nur nicht, wie schwer es war, sie nicht über meine Schulter zu werfen.
Die zwei anderen ging vor uns mit ihren Koffern bepackt und verloren kein Wort, das sparten sie lieber für später auf, wenn sie mich während des 8-stündigen Fluges nerven konnten.
„Edward?“ ihre süße Stimme erlangte sofort meine Aufmerksamkeit. „Kannst du meine Hand halten?“ Sie sah so ängstlich aus, dass ich meine Hand mit der Handfläche nach oben ausstreckte, bis sie ihre Hand auf meine legte und ich meine Finger um sie schloss.
„Bella, wovor hast du Angst?“ ich war besorgt um sie, das hörte man sogar aus meiner Stimme heraus.
„Davor dich zu verlieren, wie ich Linda verloren habe, Edward. New York hat mir so viel genommen und trotzdem fliege ich dorthin, werde mit dem Schicksal konfrontiert und muss das aushalten. Lass einfach meine Hand nicht los, okay?“ Ihre braunen Augen sahen mich bittend an, also nickte ich einfach und hielt ihre kleine Hand in meiner.
„Ich werde deine Hand nicht loslassen, was auch passiert.“ versprach ich mit dem Herz auf meinen Lippen, voller Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Ich würde nicht loslassen. Ich würde niemals loslassen.
~MB~
„Edward, wo sind wir?“ verschlafen rieb sich Bella die Augen mit ihren Fäusten und sah mich niedlich an. Ich las eine Zeitung, die ich im Flugzeug gefunden hatte. Mit einer Hand hatte ich Bellas Hand die ganze Zeit über nicht losgelassen, mit der anderen versuchte ich so gut es eben ging in der Zeitung herumzublättern.
„Im Flugzeug!“ Ich drehte mich zu ihr und sah sie an durch meine Lesebrille hindurch an, strich ihr eine Strähne sanft aus dem runden Gesicht.
„Seit wann hast du eine Lesebrille?“ fragte sie und runzelte verschlafen die Stirn.
„Das ist nicht nur eine Lesebrille, das ist eine Ray Ban.“ antwortete ich selbstgefällig.
„Steht dir!“ nuschelte sie und lehnte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Was heißt da, ´steht dir´?“ Ich äffte ihre heisere, verschlafene Stimme nach und erhielt dafür ein Glucksen.
„Das heißt, du bist wahnsinnig heiß und machst mich total an.“ Ich musste über ihre Antwort grinsen. Meine Bella war eine tolle Person. Ich liebte sie so wahnsinnig, dass diese Liebe meine Sinne vernebelte und aus mir einen Trottel machte.
„Danke!“ raunte ich ihr entgegen.
Einige Minuten war es im Flugzeug ruhig. Wir flogen schon seit einigen Stunden, aber es war nicht unangenehm. Wir wurden von den Stewardessen bedient und mit genug Nahrung und Flüssigkeit versorgt. Alice und Rose tratschten in der Reihe vor uns und lenkten ab und zu ihre Aufmerksamkeit auf uns, was sie dann mit einem ´Ah´ oder ´Oh´ kommentierten. Von wegen wir wären süß miteinander und würden so wahnsinnig gut zusammenpassen.
„Schläft sie noch?“ flüsterte meine kleine Schwester als sie auf ihrem Sitz kletterte und sich zu uns drehte, obwohl sie in der Reihe vor uns saß.
„Kann schon sein!“ antwortete ich also nur knapp und wandte meinen Blick wieder auf meine Zeitung.
„Gott, Lieblingsbruder. Du kannst manchmal so ein Arschloch sein.“ Alice sah mich grimmig an und Bella begann zu kichern, somit meldete sie, dass sie wach war.
„Wollt ihr zwei mich grad verarschen? Was habe ich schon wieder getan?“ Mit einer Hand fuhr ich mir frustriert durch das Haar und fluchte laut.
„Er ist süß, wenn er verzweifelt ist, nicht wahr, Alice?“ kichernd hielt sich Bella den Bauch und Alice stimme in ihrem Lachen ein.
„Oh, ja, das ist er. Genauso hat er geguckt, als Mum ihm einmal sagte, er hätte sich in die Hose gekackt, weil etwas im Haus so stank. Aber er hat es abgestritten und gesagt, ich wäre es, die so stank. Stell dir das mal vor?“ Alice kicherte und ihre kurzen, stacheligen Haare, die in allen Richtungen abstanden, wippten bei jedem ihrer Auf und Ab´s im Takt. Nicht mal im Flugzeug konnte sie ruhig sitzen.
„Ich war auch kein Hosenscheißer, Alice. Ich war schon damals, als kleiner Junge ein Gentleman.“ Was auch stimmte. Ich hatte mir ganz sicher nicht in die Hose gekackt.
„Doch hat er, ich schwöre es. Er hat noch mit 14 mit Teddybären gespielt. Das war so süß. Er hat mir sogar geholfen mein Prinzessinnenhaus aufzubauen. Er war ein toller großer Bruder.“ Ich verdrehte die Augen über Alice Geschichten, die mich so darstellten, als wäre ich ein verdammtes Weichei.
„Das hätte jeder große Bruder getan.“ versuchte ich mich herauszureden, damit es nicht allzu peinlich vor Bella wurde. Alice ignorierte meine Aussage und redete weiter mit Bella. Erzählte ihr von mir als kleinen Jungen, der mehr einem kleinen Wirbelwind glich, dann setzte sie fort ihr über meine Teenagerjahre zu beichten und der krönende Abschluss war wohl meine Zeit in New York. Als sie ihre Rede beendete, war ich so vertieft um Bella ja nicht in die Augen sehen zu müssen.
„Mein Bruder war so putzig, so einfühlsam, so süß. Unbeschreiblich, aber einzigartig.“ Alice grinste provokant und zwinkerte mir zu. Ach, dieser kleine Teufel.
„Edward, du warst so süß zu deiner Schwester. Sie liebt dich wahnsinnig sehr.“ Mit ihrem Zeigefinger fuhr sie mir über die Wange, ehe ich die Liebkosung überhaupt genießen konnte, war ihr Finger fort und sie quatschte weiter mit Alice. „Ich bin mir sicher, du liebst ihn auch sehr, Alice.“
„Nein, eigentlich nicht!“ Mein Kopf schoss in die Höhe und ich sah sie aus verengten Augen missmutig an. Sie streckte mir die Zunge raus. Wer war hier wohl jünger, Alice oder Bella?
„Ha, ha.“ meinte ich trocken.
„Siehst du, genau das meine ich. Er will nur geliebt werden, aber nichts von sich geben. Ich würde dir einen solchen Arschtritt verpassen, damit du dich wundern kannst, woher das wohl kommt.“ Gehässig sah mich meine Schwester an und grinste mich dann teuflisch an. Tat sie das etwa absichtlich? Wollte sie Bella gegen mich wenden?
„Ein Arschtritt? Ich muss sagen, das hat eine Genugtuung an sich.“ Die beiden Frauen grinsten sich an, als würden sie nonverbal miteinander kommunizieren.
„Alice, denkst du nicht, es reicht langsam? Nicht genug, dass du andere Passagiere störst, du beschreibst mich als wäre ich weiß was ich wer. Dreh dich um und kümmre dich um deine eigenen Angelegenheiten!“ Ja, das war ein Befehl, den sie lieber ernst nehmen sollte.
„Fragen wir mal Rose!“ quietschte Alice aufgeregt und rüttelte an Rosalies Schulter. Als Rose hörte worum es sich handelte sah sie Alice entgeistert an und schüttelte belustigt den Kopf.
„Alice, meine Liebe, lass die beiden Turteltäubchen einfach miteinander turteln. Sei nicht so ein Störenfried. Außerdem, wenn ein Mann einer Frau gefällt, dann wird sie ihm bis ans Ende der Welt folgen. Ihr seht doch!“ mit ihrer manikürten Hand zeigte sie stolz auf sich selbst und kuschelte sich dann in ihren Kopfkissen, den sie extra mitgenommen hatte.
„Die zwei turteln doch überhaupt nicht.....“ beschwerte sich Alice und zog einen Schmollmund. Bella grinste mich an und drückte meine Hand, legte unsere verwobenen Hände auf ihrem Schoß und kuschelte sich an mich.
„Alice, es reicht, verstehst du? Ob sie turteln, flirten, sich berühren, küssen oder ihre Krallen gegeneinander ausfahren lassen, das ist ihr Problem. Widme dich lieber deinem Singleleben zu, okay?“
„Aber.....“ setzte meine kleine Schwester an, doch Rose gab ihr einen durchdringenden Blick und sie schwieg. Das Letzte was sie sagte, war: „Bella, ich glaube, wir werden tolle Freundinnen. Du bist perfekt!“ Bella antwortete jedoch halbherzig.
„Ja, Alice, ich glaube wir sind eine verrückte Mischung, aber wir werden gut miteinander auskommen. Sicher werden wir auch tolle Freundinnen, aber bitte verwende nicht das Wort ´perfekt´, okay?“ Mit großen, treuen Augen sah sie meine Schwester an, bis diese nickte und sich von uns wegdrehte. Erleichtert atmete ich aus und lehnte mich zurück in meinen Sitz. Alice war anstrengend, wie ich schon erwähnt hatte.
Es verging vielleicht eine halbe Stunde der Ruhe, dann drehte sich Rose zu uns, fiel fast halb von ihrem Sitz hielt uns aber eine Schachtel voller Erdbeeren mit Schokoladenüberzug unter die Nasen. Ich wusste schon, als ich die Erdbeeren sah, dass dies der Anfang von einem langen, qualvollen Ende sein würde. Dankend nahm Bella eine Erdbeere, ich schüttelte den Kopf um meine hirnrissigen Gedanken abzuschütteln, die bei dem Anblick der Erdbeere in Bellas Hand sofort hochkamen und sich in meinen Gedanken einsickerten.
„Willst du eine?“ fragte mich Bella mit einem unschuldigen Lächeln auf den Lippen, doch ich schüttelte nur den Kopf und starrte stur geradeaus. Ich sah aus dem Augenwinkel wie Bella in die Frucht biss und genüsslich stöhnte als die süße Frucht ihre Zunge traf. Gottverdammt, dieses Mädchen würde mir noch einen Herzinfarkt verpassen. Sie knabberte die Spitze der Frucht ab, hielt mir die rote Frucht unter die Nase, damit ich auch davon testen konnte. Ich sah zuerst die Erdbeere und dann Bella an, umfasste hart ihr Handgelenk und führte die Frucht in meinen Mund. Als ich ein Stückchen abgebissen hatte, führte ich die Erdbeere zurück in Bellas Mund. Mit glühenden Augen sah sie mich an, packte meine Hand, die ihr Handgelenk hielt und fuhr mit ihren Fingerspitzen über meinen Handrücken. Mein Atem kam stoßweise und abgehackt. Mein Herz stand kurz vor dem endgültigen Stillstand. Ich wollte sie so am Hinterkopf packen und ihre süßen Lippen mit meinen verschließen. Doch ich konnte einfach nicht. Ich durfte sie nicht küssen, weil ich sonst eine Katastrophe heraufbeschwören würde. Ich wollte nicht, dass jemand ihr wehtat.
„Ich muss auf die Toilette...“ nuschelte ich in ihre Richtung und stolzierte so schnell ich konnte zum eben erwähnten Raum.
Als ich dort ankam, spritzte ich mir literweise Wasser ins Gesicht, um mich abzukühlen. Wieso reizte mich dieses Mädchen auch so sehr? Als würde ihr Schicksal herausfordern, was gar nicht günstig für sie war, obwohl sie es nicht wusste. Kurz betrachtete ich mich nachdenklich im Spiegel, dachte darüber nach, wie es wäre, sie nur einmal an meinem Körper gepresst zu halten; ihren berauschenden Duft einzuatmen; jede ihrer Hautstellen zu küssen; ihre volle Unterlippe anzuknabbern und anschließend meine Lippen mit ihren zu verschließen; den Geruch ihres Haares einzuatmen; in ihre Augen zu sehen, während ich sie wie verrückt liebte.
„Edward?“ kam es von draußen. Es war Bella, ihre Stimme hätte ich unter Tausenden wiedererkannt.
„Ich bin hier drinnen!“ antwortete ich. Als ich registrierte, was ich da gesagt hatte, wollte ich mir die geballte Faust gegen die Stirn schlagen. Welchen Scheiß reimte ich zusammen? Natürlich wusste sie, dass ich hier drinnen war.
„Ja, das weiß ich, Edward.“ sie lachte. „Lässt du mich rein?“ fragte sie anschließend und ich dachte, ich hätte mich verhört. Sie wollte zu mir in der Flugtoilette. Als ich ihr Gesicht vor meinem inneren Auge plötzlich sah, dachte ich nicht zweimal darüber nach und sperrte die Tür auf. Da stand sie grinsend, eine Hand in ihre Hüfte gestemmt, die andere locker neben ihrem Körper.
„Be..“ setzte ich an. Doch plötzlich stand sie vor mir und legte ihren Zeigefinger auf meine halb geöffneten Lippen.
„Shhhhhttt....mein Herz.“ hauchte sie mir entgegen und ich stand einfach wie erstarrt da, betrachtete sie als sie die Tür mit ihrem Rücken schloss. Dann schloss sich ihre Hand um meinen Oberarm, tastete sich forschend zu meinem Unterarm hinab. Meine Finger fuhren sanft über ihren Haaransatz, kämmten ihr weiches, welliges Haar und mein Daumen liebkoste ihre warme Wange.
Sie stellte sich auf Zehenspitzen und umschlang meinen Nacken mit beiden Armen und ich schlang einen Arm um ihre Hüfte, damit sie ja nicht das Gleichgewicht verlor. Ich schwor dem Himmel in diesem Moment, dass ich sie endlich küssen würde. Nichts und niemand würde mich diesmal davon abhalten.
„Willst du, dass ich dich küsse?“ hauchte ich gegen ihre Lippen, die kaum einige Millimeter voneinander getrennt waren.
„Ich weiß nicht worauf du wartest.“ Sie lächelte mich atemberaubend an und krallte ihre Hände in mein bronzefarbenes Haar.
„Wenn das so ist, Ma´am“ ich lächelte sie schief an und fühlte wie sie in meinen Armen zitterte. Es war unwahrscheinlich, aber ich bildete mir ein ihren Herzschlag überdeutlich zu hören. Mein eigener Herzschlag war ihrem gar nicht mal überlegen. Es schlug hart und schnell in meiner Brust, als wollte es sich befreien und davon fliegen.
Wir neckten einander in dem wir immer wieder einander entgegen und voneinander weg die Köpfe bewegten. Erst als ich sie fest auf meinen Körper drückte, sie ihre Augen öffnete und mich damit verliebt ansah, beugte ich meinen Kopf über sie.
„Weißt du, was das Beste an einem Kuss ist, meine Bella?“ sie schüttelte langsam den Kopf.
„Die Vorfreude, mein Leben.“ Ich hob ihren Kopf an, indem ich ihr Kinn zwischen meinen Fingern nahm, dann senkte ich meine Lippen auf ihren und beende die Anspannung, die sich schon seit Tagen und Wochen zwischen uns gebildet hatte.
~MB~
"Er hat sie mit ihrer Liebe getötet. So passiert es jeden Tag auf der ganzen Welt." - The Green Mile
Chapter 8:Herz der herzlosen Welt
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